Biographien
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-11-22T16:40:33+01:00
Georgi Nikolajewitsch Babakin
…wurde am 13.11.1914 in Moskau geboren. Sein Vater starb bereits 1917 und Babakin wuchs in einfachsten Verhältnissen auf. Nach seinem Schulabschluß besuchte er einen 1929 einen 6-​monatigen Kurs zum Radio-​Techniker, die einzige Vollzeit-​Berufsausbildung seines Lebens! 1930 begann er in einer Telefonfabrik zu arbeiten, zunächst als Mechaniker, dann als Techniker. Bis 1935 stieg er zum leitenden Techniker auf. In diesen Jahren fiel u.a. die Tontechnik öffentlicher Parks in Moskau in seinen Zuständigkeitsbereich. 1936 wurde er aufgrund einer Herzerkrankung nach kurzem Wehrdienst aus der Armee entlassen. Ein Jahr später begann er ein Fernstudium, das er, kriegsbedingt, erst 1957 abschließen sollte. Während des 2. Weltkriegs wurde er dem Institut für Automation beim VSNITO (russ. ВСНИТО = Всесоюзный Совет Научных Инженерно-​Технических Обществ) zugeteilt, das zu jener Zeit mit der Entwicklung der Radartechnik und automatischer Steuerungssysteme beschäftigt war. Bald schon stieg er hier zum Chefingenieur auf. 1946 bis 1949 arbeitete er an Steuerungs– und Zielerfassungssystemen für die Flugabwehrrakete R-​112. 1949 wurde die Abteilung des NII-​88 unter Boris J. Tschertok auf ihn aufmerksam, die sich u.a. mit Leitsystemen für die ersten sowjetischen Fernraketen beschäftigte. Fortan arbeitete Babakin für das Raketen– und Raumfahrtprogram. Im Oktober 1951 wechselte er mit anderen Experten zum OKB-​301 von Semjon A. Lawotschkin, wo man mit der Entwicklung des Marschflugkörpers „Burja“ und der Luftabwehrrakete V-​300 beschäftigt war. Beides Rüstungsprojekte höchster Priorität. Als Lawotschkin am 09.06.1960 starb, wurde sein Konstruktionsbüro dem von Wladimir N. Tschelomej zugeschlagen. Vermutlich auf Betreiben von Sergej P. Koroljow wurde das OKB aber bereits 1965 wieder selbständig. Koroljows OKB-​1 war zu jener Zeit derart mit einer Vielzahl von Projekten überlastet, daß man dringend nach Möglichkeiten suchte, einen Teil der Programme auszulagern. So wurden große Teile der Raketenentwicklung abgegeben, ebenso viele der Satellitenprojekte. Koroljow konzentrierte sich auf das bemannte Raumfahrtprogramm. Unter Babakins Leitung übernahm das OKB-​301 die Raumsondenentwicklung. Die ersten Entwürfe für Mond-​, Mars– und Venussonden stammten noch aus dem OKB-​1. Bald schon wurden diese aber kreativ weiterentwickelt und auch zu einer Reihe beachtlicher Erfolge geführt (Lander und Orbiter für Mond, Mars und Venus). Babakin selbst erlebte nur noch einen Teil der sich einstellenden Erfolge, dafür um so mehr Fehlschläge. Er, der es gewohnt war, 15 bis 16 Stunden täglich zu arbeiten, starb unerwartet am 03.08.1971. Erst ein Jahr zuvor war er zum korrespondierendes Mitglied der sowjetischen Akademie der Wissenschaften ernannt worden und hatte eine Vielzahl nationaler wie internationaler Ehrungen erhalten. So 1970 den Titel „Held der Sozialistischen Arbeit“ und den „Lenin-​Orden“. Bereits 1957 war er mit dem „Rotbannerorden“ und 1966 mit dem „Lenin-​Preis“ ausgezeichnet worden. Als seine Rolle im sowjetischen Raumfahrtprogramm bekannt wurde, erhielt er auch im Ausland diverse Ehrenpreise. Zu seinem Gedenken wurden von der IAU je ein Krater auf dem Mond (1973) und auf dem Mars (1974) benannt. Die Forschungs– und Testabteilung des heutigen NPO Lawotschkin trägt seit 1986 ebenfalls seinen Namen.