Biographien
Olafs Raumfahrtkalender

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Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-11-22T16:40:33+01:00
Hideo Itokawa
…wurde am 20.07.1912 in Tokio geboren. Schon früh wurde seine außerordentliche Begabung auf vielen Gebieten erkannt, und so übersprang er gleich mehrere Schulklassen. Bereits als Grundschüler begeisterte er sich nachhaltig für die Fliegerei, die seinen weiteren Lebensweg prägen sollte. 1935 schloß er ein Studium der Luftfahrttechnik an der Kaiserlichen Universität Tokio ab. 1941 wurde er dort zum Assistenz-​Professor ernannt. Während des 2. Weltkriegs arbeitete er für den Flugzeughersteller Nakajima Hikōki (engl. Nakajima Aircraft Company). Nachdem er bereits an der Entwicklung der Nakajima Ki-​27 beteiligt gewesen war, trug er auch maßgebliche Verantwortung für die Auslegung der Ki-​43 „Hayabusa“, einem der besten japanischen Jagdflugzeuge der Zeit. Auch an der Ki-​44 „Shōki“ wirkte er mit. Kurz vor Kriegsende verließ er die Nakajima Werke und kehrte an seine alte Universität zurück. 1948 wurde er dort zum ordentlichen Professor ernannt. Die alliierten Beschränkungen nach dem Kriegsende ließen eine Weiterführung seiner Forschungen auf dem Gebiet der Aeronautik jedoch nicht zu. Er widmete sich daher u.a. der Entwicklung medizinischer Geräte (u.a. des ersten japanischen Elektroenzephalographen und eines Kunstherzens). Anfang 1953 weilte Itokawa für ein halbes Jahr in den USA, um dort seine medizin-​technischen Forschungsergebnisse zu präsentieren und zu publizieren. Dabei kam er in Kontakt mit Literatur zur Raumfahrt– und Raketentechnik sowie Raumfahrtmedizin, die sein Interesse weckten. Als er im Sommer 1953 nach Japan zurückkehrte, zählte er daher zu den Experten, die sich für einen Wiederaufbau der Luftfahrtindustrie einsetzten. Die alliierten Beschränkungen waren bereits 1952 aufgehoben wurden. Im Dezember 1953 rief Itokawa unter dem Namen AVSA (Avionics and Supersonic Aerodynamics) eine Forschungsgruppe ins Leben. Es gelang ihm über seine Kontakte zur Industrie die Basis für ein Raketenprogramm zu legen. Vor allem die aus der Nakajima Aircraft Company hervorgegangene Fuji Seimitsu Co. zeigte großes Interesse. Ausgehend von winzigen „Bleistiftraketen“ (1955) schritt unter seiner Leitung die Entwicklung rasch voran. Bereits Ende der 1950er Jahre flogen mehrstufige Forschungsraketen auf beachtliche Höhen. 1960 erreichte die Kappa 8 dann schon über 200 km Höhe. Itokawa begleitete auch noch die ersten Schritte auf dem Weg zur Entwicklung einer Satelliten-​Trägerrakete. Nach dem zweiten Fehlstart der Lambda L-​4S steigerte sich allerdings eine, speziell von der einflußreichen Zeitung „Asahi Shimbun“ getragene, Kampagne gegen Itokawa in immer mehr persönliche Anschuldigungen. Vor allem sein Führungsstil wurde für die Fehlschläge verantwortlich gemacht. Itokawa, der dennoch fest vom nahen Erfolg des Programms überzeugt war, verließ daher im März 1967 das Institute of Space and Aeronautical Science (ISAS) und gab auch seine weiteren Funktionen an der Universität auf. Doch auch mit seinem nächsten Projekt, dem im Mai 1967 gegründeten „Think Tank“ Systems Research Institute, promotete er weiter den Raumfahrtgedanken in der Öffentlichkeit. Daher trug er in Japan den Beinamen „Mr. Rocket“. Der vielseitig begabte Itokawa widmete sich in den folgenden Jahren verstärkt Forschungen auf anderen Gebieten, insbesondere aber auch seiner Leidenschaft für Musik, Tanz, Philosophie und Literatur. Er starb am 21.01.1999 in Nagano. Der wenige Monate zuvor entdeckte Asteroid 1998 SF36 trägt heute ihm zu Ehren den Namen (25143) Itokawa.