Biographien
Olafs Raumfahrtkalender

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Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-07-23T20:00:15+02:00
Kurt Heinrich Debus
…kam am 29.11.1908 in Frankfurt/​Main als Sohn eines Buchhalters und Wirtschaftsprüfers und einer Näherin zur Welt. Trotz bescheidener finanzieller Mittel ermöglichten ihm seine Eltern eine gute Schulausbildung. Nach dem Abschluß seiner Schulzeit begann er 1928/29 ein Studium der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt. Während seines Studiums nutzte er immer wieder die Gelegenheit zur praktischen Arbeit, auch um sein Studium überhaupt finanzieren zu können. In den Halderwerken A. G. in Frankfurt erlernte er den Umgang mit verschiedenen Werkzeugmaschinen. Schließlich erhielt er eine Anstellung bei der Voight & Haeffner A. G., ebenfalls in Frankfurt. Nach dem Abschluß des Praxissemesters widmete er sich verstärkt den theoretischen Studien auf dem Gebiet der Elektrotechnik, behielt jedoch auch weiterhin seinen praktischen Bezug. 1934 bestand er seine Diplomprüfung. Bereits ein Jahr später wurde er eingeladen, Prof. Dr. – Ing. Ernst Hüter an der TH Darmstadt zu assistieren. Ende der 30er Jahre erhielt die TH Darmstadt eine Reihe von Forschungsaufträgen des Militärs, die ihren Ursprung im deutschen Fernraketenprogramm hatten. Debus war seither unwissentlich an der Entwicklung des A-​4 beteiligt. 1939 verteidigte Debus seine Doktorarbeit und lernte wenig später auch Wernher von Braun kennen. Debus, der seit 1937 verheiratet war, sah sich 1943 nach eigener Aussage vor die Wahl gestellt, seine Fähigkeiten unmittelbar in den Dienst der Peenemünder Raketenentwicklung zu stellen, oder sich der Gefahr ausgesetzt zu sehen, als Frontsoldat eingezogen zu werden. Er wählte die sichere Variante und befasste sich nun mit der Entwicklung von Bodeneinrichtungen für den Prüfstand für die A-​4. Er wurde zunehmend zu einem der kreativsten Köpfe des Programms. Im Frühjahr 1945 gehörte er zu den Experten, die sich mit einem Großteil der Unterlagen aus dem A-​4 Programm in Richtung Süden absetzten, den vorrückenden US Truppen entgegen. Am 02.05.1945 ging er wie von Braun in amerikanische Gefangenschaft. Bald schon gehörte er zu den deutschen Experten, die von den britischen Truppen zur Unterstützung herangezogen wurden, als im Rahmen des Projekts „Backfire“ mehrere A-​4 von Cuxhafen gestartet wurden. Wieder in US Obhut, zählte er zu jenen handverlesenen Raketenexperten, die im Rahmen der „Operation Overcast“ nach Fort Bliss (Texas) verschifft wurden. Bald schon betreute er dort die Starts von A-​4 Raketen von der White Sands Missile Range in New Mexico. Hier wurde die US Army mit deutscher Raketentechnik vertraut gemacht und unternahm erste Schritte für vergleichbare Eigenentwicklungen. Neben vielen anderen Aufgaben widmete sich Debus dort wieder der Verbesserung der Bodeninfrastruktur für die Raketen. Fortan war er als einer der engsten Mitarbeiter von Brauns führend an der Entwicklung der wichtigsten Raketen der US Army beteiligt. So leistete er einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg des Redstone– und Jupiter-​Raketenprogramms. Bald schon war er auch massiv in das anlaufende Raumfahrtprogramm eingebunden. Zu seinen größten Beiträgen zählte das Konzept des Startkomplexes für die gewaltigen Saturn-​Raketen. Die Idee der vertikalen Montage in einem geschützten Gebäude mit anschließendem Transport auf einer mobilen Plattform zum Startplatz stammte maßgeblich von ihm. Aber auch an der Gestaltung der notwendigen organisatorischen Strukturen für das Saturn-​Apollo Programm hatte er großen Anteil. Leitete er bereits ab 1960 als Direktor des Start Operation Centers alle Raketenstarts der NASA in Cape Canaveral, wurde er 1963 auch noch zum ersten Direktor des John F. Kennedy Space Centers berufen. 1974 ging er auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Zu seinen letzten Aufgaben gehörte die Grundsteinlegung für die Shuttle Landing Facility (SLF) in Cape Canaveral. Nach seinem Ausscheiden bei der NASA fungierte er 1975 bis 1980 als Vorsitzender des Aufsichtsrates der OTRAG, dem ersten nichtstaatlichen Anbieter von Raketenstart-​Dienstleistungen. Debus starb am 10.10.1983 in Cocoa Beach, Florida.