Biographien
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-03-29T18:05:28+02:00
Maxime Allen „Max“ Faget
…entstammte einer renommierten Arztfamilie. Er kam am 26.08.1921 in Stann Creek im damaligen Britisch-​Honduras (heute Belize) zur Welt. Nach dem Besuch eines Junior College in San Francisco studierte er an der State University von Louisiana. 1943 schloß er dort mit einem Bachelor of Science degree in Mechanical Engineering ab. Es folgten drei Jahre Dienst auf einem U-​Boot der US Navy. Bereits als Kind hatte Faget großes Interesse an der Fliegerei gezeigt und u.a. Modellflugzeuge gebaut. Sein Studienabschluß ermöglichte es ihm nun, eine Stelle beim National Advisory Committee for Aeronautics zu finden. Im Langley Research Center des NACA in Hampton, Virginia forschte er schon bald an den Problemen des Überschallfluges. Zunächst widmete er sich dem Entwurf von RamJet-​Triebwerken. Als Mitglied des Propulsion and Performance Teams trug er schon bald darauf maßgeblich zur Auslegung des Raketenflugzeugs X-​15 bei. Zu jener Zeit entwickelte sich eine enge Partnerschaft mit Caldwell Chr. Johnson, einem begnadeten Modellbauer. Gemeinsam sollten sie in den nächsten Jahren zahlreiche wegweisende Entwürfe für Raumschiffe erarbeiten. Faget begann etwa 1957 damit, Studien hinsichtlich der geeigneten Auslegung des Wiedereintrittskörpers eines bemannten Raumschiffs anzustellen. Während viele Aerodynamiker damals eine sehr spitze Form als optimal ansahen, kam Faget zu dem Schluß, daß eine eher stumpfe (engl. blunt) Form vorteilhafter wäre. Er wurde damit zum entschiedenen Verfechter der Ideen von Harry J. „Harvey“ Allen, dem damaligen Chef der High-​Speed Research Division in Langley. Beider Konzept sollte sich schon bald beim Design von Sprengköpfen und Raumschiffen durchsetzen. Ende der 1950er Jahre war Faget Kopf der Flight Systems Division in Langley, die mit der Auslegung der Form des ersten bemannten amerikanischen Raumschiffs betraut war. Seine Ideen erwiesen sich dabei als wegweisend, so daß er zu Recht als Vater der „Mercury“ Kapsel bezeichnet werden kann. Doch nicht nur die Aerodynamik der Kapsel wurde maßgeblich von ihm bestimmt. Mit dem abwerfbaren Rettungsraketenturm und der Konturenliege konzipierte er zwei weitere Elemente, die bis heute die Kapseldesigns in der bemannten Raumfahrt bestimmen. Von 1962 bis 1981 bekleidete Faget den Posten des Director of Engineering and Development am Manned Spacecraft Center, dem späteren Johnson Space Center, in Houston, Texas. Dort war er gemeinsam mit Johnson entscheidend an der Auslegung des Apollo Kommando– und Servicemoduls beteiligt. Noch in den 1960er Jahren beschäftigte er sich mit dem Konzept eines wiederverwendbaren Raumgleiters. Unter seiner Leitung lieferten mehrere Teams eine Fülle an Daten, die die spätere Auslegung des Space Shuttle nachhaltig beeinflußten. Allerdings konnte sich Faget mit seinen Vorstellungen überwiegend nicht durchsetzen. Weder sein Vorschlag einer geraden Tragfläche, noch die Idee einklappbarer Triebwerke oder monolithischer Feststoffbooster wurde aufgegriffen. Mit dem Eintritt der USAF in das Space Shuttle Programm kam 1971 das Ende des DC-​3 Entwurfs von Faget. Kurz nach dem zweiten Flug des Space Shuttle schied Faget 1981 aus der NASA aus. Bereits 1983 machte er jedoch wieder von sich hören. Er gehörte zu den Gründern von Space Industries Inc., einem der Vorreiter der Kommerzialisierung der Raumfahrt. Zu den Ideen von SII gehörte der Betrieb einer eigenen Raumstation, der Industrial Space Facility. Um Entwicklungs– und Betriebskosten zu sparen, sollte die ISF die meiste Zeit autonom betrieben und für Forschungen unter Mikrogravitationsbedingungen genutzt werden. Das Lebenserhaltungssystem der Station sollte an das des Space Shuttle gekoppelt werden, wenn dieser angedockt war. Das Team von Faget entwickelte eine Vielzahl innovativer Ideen für den Betrieb der Mini-​Station, die auch das Interesse der NASA fanden. Die „Challenger” Katastrophe“ und andere unvorhersehbare Entwicklungen ließen das Projekt aber schließlich scheitern. Faget starb als international hoch angesehener Pionier der Raumfahrt am 09.10.2004 an Krebs in seinem Haus in Houston, Texas. Er war u.a. Träger mehrerer Ehrendoktortitel, der NASA Medal for Outstanding Leadership, des Outstanding Accomplishment Award des IEEE und der Goldmedaille der American Society of Mechanical Engineers.