Biographien
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-11-22T16:40:33+01:00
Michail Klawdijewitsch Tichonrawow
…wurde am 29.07.1900 als Sohn eines Lehrers geboren. 1919 meldete er sich freiwillig zur Roten Armee und war maßgeblich am Aufbau einer Fliegertruppe beteiligt. 1925 schloß er selbst ein Studium an der Schukowski Luftwaffen-​Akademie. In der Folgezeit zählte er bereits zu den führenden Experten der noch jungen sowjetischen Luftfahrtindustrie. Pionierarbeit leistete er auf dem Gebiet der Segelfliegerei und mit Entwürfen für Lastensegler. Mehrere Treffen mit Konstantin E. Ziolkowski weckten sein Interesse für die Idee der Raumfahrt. 1932 trat er der GIRD (Abk. russ. svw. Gruppe zum Studium der Rückstoßbewegung). Seit 1933 arbeitete er federführend mit Sergej P. Koroljow an der praktischen Umsetzung der Raumfahrtideen. Unter Tichonrawows Leitung entstanden die ersten sowjetischen Flüssigkeitsraketen. Im Gegensatz zu Valentin P. Gluschko entwarf er seine Raketenantriebe auf der Grundlage von Alkohol und Flüssigsauerstoff bzw. Benzin (Kerosin) und Flüssigsauerstoff. 19401943 arbeitete Tichonrawow an dem experimentellen Raketenjagdflugzeug Objekt 302. Fertiggestellt und erprobt wurde jedoch nur der Gleiter 302P. 1945 übernahm er den Auftrag, für das Physikalische Institut der Akademie der Wissenschaften eine Höhenforschungsrakete zu entwickeln. Da bei Kriegsende in der Sowjetunion kein geeignetes Flüssigkeitsraketentriebwerk verfügbar war, mußte er auf RS-​132 Werfer-​Raketengeschosse zurückgreifen. Die daraus entwickelte dreistufige Rakete 210 enttäuschte jedoch die Erwartungen. Nach dem zweiten Weltkrieg schlug Tichonrawow verschiedene interessante Projekte vor, die jedoch nicht verwirklicht wurden. Darunter waren Entwürfe für bemannte ballistische Flüge oder 1951 das Projekt einer bemannten Mondmission. 1950 erarbeitete eine Projektgruppe unter seiner Leitung verschiedene Studien für einen sowjetischen Erdsatelliten. Diese wurden 1954 von der sowjetischen Staats– und Parteiführung mit Interesse aufgenommen und legten den Grundstein für erste konkrete Planungen in dieser Richtung. Tichonrawow wurde mit einigen seiner Mitarbeiter direkt Koroljow unterstellt. Dort war er für die ersten Satellitenprojekte zuständig, nicht nur für Sputnik 1 bis 3, sondern auch für die Zenit Aufklärungssatelliten. Mit seiner Arbeit innerhalb des OKB-​1 stand er immer im Schatten der Chefs der großen Konstruktionsbüros. Bis zu Koroljows Tod blieb er diesem jedoch sehr eng verbunden, war aber eher an der Entwicklung neuer Techniken und Lösungen interessiert sowie mit der Ausbildung junger Ingenieure beschäftigt. 1958 erlangte Tichonrawow den Titel eines Doktors der technischen Wissenschaften. Zu dieser Zeit begann auch seine Lehrtätigkeit am Luftfahrtinstitut MAI, wo er 1962 seine Professur erlangte. Seit 1957 verlieh ihm die Sowjetunion einige ihrer höchsten zivilen Auszeichnungen, darunter den Leninorden, den Rotbannerorden, den Lenin Preis und den Titel „Held der sozialistischen Arbeit“. Tichonrawow starb am 04.03.1974.