Biographien
Olafs Raumfahrtkalender

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Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-11-22T16:40:33+01:00
Viktor Petrowitsch Makejew
…wurde am 25.10.1924 in Kolomna nahe Moskau geboren. Nach dem Schulabschluß arbeitete er von 1939 an in einer Moskauer Flugzeugfabrik und wurde mit dieser 1941 nach Kasan evakuiert. Zu dieser Zeit war er bereits als Technischer Zeichner und Konstruktuer tätig. Seinen Vorgesetzten fiel er durch seine Fähigkeit auf, auch komplexere Designprobleme geschickt zu lösen. Seine Arbeit trug zum Erfolg des Schlachtflugzeugs Pe-​2 bei. Der talentierte Makejew erhielt 1942 die Möglichkeit, die Abendkurse des KAI, des Kasaner Luftfahrtinstituts, zu besuchen. 1944 wechselte er zum MAI, dem Moskauer Luftfahrtinstitut. Dort schloß er 1948 sein Studium ab. Danach belegte Makejew bis 1950 weiterführende Kurse an der Moskauer Staatlichen Technischen Baumann-​Universität. Bereits ab 1947 arbeitete er daneben aber im OKB-​1 NII-​88 als Konstrukteur. Dort war er auch an der Entwicklung der Mittelstreckenrakete R-​11 und ihrer seegestützten Variante, der R-​11FM, beteiligt. Zu dieser Zeit wurde auch S. P. Koroljow auf ihn aufmerksam. Der ernannte ihn 1955 zum Chefdesigner des 1947 entstandenen SKB-​385 in Zlatoust (ab 1959 in Miass). Unter seiner Leitung entstanden hier die nächsten Generationen U-​Boot gestützter Atomraketen. Darunter die R-​21 (1963) — die erste sowjetische ballistische Rakete für den Unterwasserstart, die R-​29 (1977) — die erste SLBM (Sea Launched Ballistic Missile) mit abtrennbarem Sprengkopf, die R-​39 (1983) — die erste sowjetische SLBM mit abtrennbarem Sprengkopf und Feststoffantrieb und die R-​29RM (1986) — die bis heute leistungsfähigste SLBM. Die bekannteste Entwicklung seines Konstruktionsbüros war aber die landgestützte taktische Rakete R-​17, weltweit besser bekannt als SCUD-​B (1962). Zahlreiche wegweisende konstruktive Lösungen im Raketenbau entstanden unter Makejews Leitung. 32 grundlegende Erfindungen und mehr als 200 wissenschaftlich-​technische Publikationen zählen zu seiner Hinterlassenschaft. Neben der Arbeit in seinem „Konstruktionsbüro für Maschinenbau“ (KBM), wie das SKB-​385 seit 1965 genannt wurde, war er seit 1960 zunächst Assistenz-​Professor, später Professor und Rektor des Tscheljabinsker Polytechnischen Instituts. 1981 übernahm er diese Funktion in Moskau am physikalisch-​technischen Institut. Seit 1968 korrospondierendes Mitglied und seit 1976 Vollmitglied, leitete er ab 1977 die Expertengruppe für Verbundmaterialien bei der Akademie der Wissenschaften. Für seine Beiträge zur Entwicklung neuer Raketensysteme aber auch für grundsätzliche Forschungen wurde V. P. Makejew vielfach ausgezeichnet. 1959 erhielt er den „Leninpreis“, 1961 und 1974 den Titel „Held der sozialistischen Arbeit“, 1968, 1978 und 1983 den Staatspreis u.a.m. Die Akademie der Wissenschaften verlieh ihm 1974 die Koroljow-​Ehrenmedaille. Völlig unerwartet starb V. P. Makejew am 25.10.1985 während seiner Geburtstagsfeierlichkeiten. Ihm zu Ehren wurde 1991 das von ihm 3 Jahrzehnte geleitete Konstruktionsbüro umbenannt in Staatliches Raketen Zentrum „Akademiemitglied V. P. Makejew Konstruktionsbüro“.