Biographien
Olafs Raumfahrtkalender

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Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-09-23T23:45:17+02:00
Wernher von Braun
…wurde am 23.03.1912 als drittes Kind von Magnus Freiher von Braun und seiner Frau Emmy von Quistorp in Wirsitz, Posen geboren. Sein Vater bekleidete dort die Stelle des Generaldirektors der Deutschen Raiffeisenbank AG. Bereits als Oberschüler begann von Braun sich mit Problemen der Raketentechnik und Raumfahrt zu beschäftigen. Aufgrund seiner ausgezeichneten Leistungen konnte er mit 17 Jahren die Abiturprüfung vorzeitig ablegen. 1928 wurde er Mitglied im „Verein für Raumschiffahrt“, wo er Kontakte zu Raketeningenieuren wie Rudolf Nebel, Klaus Riedel und Hermann Oberth knüpfte. Zwei Jahre später nahm von Braun ein Studium an der Technischen Hochschule in Berlin auf. Parallel dazu assistierte er weiter Oberth bei dessen Forschungsarbeiten an Flüssigkeitsraketen­antrieben. Auf dem Raketenflugplatz Berlin nahmen sie Prüfstand– und Freiflugversuche mit verschiedenen Raketen vor. Am 14.05.1931 gelang ihnen der erste dokumentierte Start einer Flüssigkeitsrakete in Europa. 1932 trat von Braun in die Dienste des Heereswaffenamtes (Versuchsstelle Kummersdorf), das ihm bessere Möglichkeiten bot, als der Verein für Raumschiffahrt (VfR), der unter den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise sehr zu leiden hatte. Im brandenburgischen Kummersdorf arbeiteten in den 1930er Jahren bis zu 80 Menschen an der Raketenentwicklung. Im Juli 1934 promovierte er in Physik über „Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete“. Zwei experimentelle Flüssigkeitsraketen, A-​1 und A-​2 „Max“ und „Moritz“ flogen bis auf einige Tausend Meter Höhe. Das deutsche Heer errichtete bald ein neues Testgelände bei Peenemünde an der Ostsee. Hierher zog im April 1937 das Team um Wernher von Braun um. Zu dieser Zeit wurde von Braun auch Mitglied der NSDAP (am 01.05.1940 auch Mitglied der SS). In Peenemünde fanden zunächst Tests mit der Rakete A-​5 statt und schließlich die Entwicklung des A-​4 (Aggregat 4), besser bekannt als V-​2 (Vergeltungswaffe 2). Von dieser ersten einsetzbaren ballistischen Rakete wurden von 1943 bis 1945 mehrere Tausend gegen Ziele u.a. in Großbritannien, Belgien, Holland und Frankreich eingesetzt. Die Produktion des A-​4 lief in den Mittelwerken bei Nordhausen, einem unterirdischen Stollensystem, das zum Konzentrationslager Dora gehörte. Die Gruppe um von Braun projektierte bei Kriegsende die Raketenmodelle A-​9 und A-​10, die Ziele in den USA erreichen können sollten. Für seine Leistungen verlieh im Adolf Hitler das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern. Im April 1945 flüchtete von Braun mit Hunderten seiner Mitarbeitern nach Süddeutschland, um sich dort der anrückenden US Armee zu stellen. Die war bereits auf der Suche nach den führenden Köpfen der deutschen Rüstungsforschung. Keinesfalls sollten sie den verbündeten Nationen in die Hände fallen und auf gar keinen Fall der Sowjetunion. Im Rahmen der Aktion „Paperclip“ gelangte von Braun im Juli 1945 mit weiteren 126 deutschen Experten in die USA — unter bewußter Umgehung amerikanischer Gesetze durch das Militär! Zunächst wurden die deutschen Forscher in Fort Bliss (Texas) interniert und ausgiebig befragt. Einige erbeutete A-​4 wurden in White Sands von der US Army mit Unterstützung der Männer um Wernher von Braun gestartet. 1947 reiste von Braun wieder nach Deutschland und heiratete dort Maria von Quistorp. Zwei Jahre später reiste er mit Frau und Tochter erneut, nun offiziell, in die USA ein. Ab 1950 entwickelte von Braun im Redstone Arsenal von Huntsville (Alabama) die Redstone Rakete. Parallel zu seiner militärischen Arbeit war er auch bereits publizistisch tätig. 1952 erschien beispielsweise „Das Marsprojekt“ und auch mit Walt Disney gab es im Filmbereich eine befruchtende Zusammenarbeit. Im Jahr 1955 erlangte von Braun die amerikanische Staatsbürgerschaft. Eine modifizierte Jupiter-​C Rakete brachte 1958 den ersten US Satelliten auf eine Umlaufbahn. Als zwei Jahre später das Marshall Space Flight Center der NASA in Huntsville gegründet wurde, nahm von Braun den Direktorenposten an. Fortan war er maßgeblich an der Raketenentwicklung der NASA beteiligt und für die Saturn Raketenfamilie für das Mondflugprogramm verantwortlich. Die erfolgreiche Koordinierung dieses gewaltigen Projekts blieb seine größte Leistung. Nach der Mondlandung wechselte er als stellvertretender Direktor in die NASA-​Planungsabteilung nach Washington (D.C.). Doch bald schon mußte er erkennen, daß sein Einfluß dort begrenzt war. Als der Kongreß die Mittel für die Weltraumfahrt drastisch kürzte, verließ von Braun 1972 verbittert die NASA und wurde Vizepräsident des Luft– und Raumfahrtkonzerns Fairchild Industries Inc. in Germantown (Maryland). 1975 begründete er das „National Space Institute“, das als private Organisation für den Raumfahrtgedanken werben sollte. Viele seine Pläne konnte er jedoch nicht mehr umsetzen. Am 16.06.1977 erlag er einer Krebserkrankung.