Kartonmodellbau
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-08-23T18:34:02+02:00

Kartonmodellbau


Beim Surfen im Internet auf der Suche nach Informationen für den Raumfahrtkalender stoße ich auch immer wieder auf Dinge, die nur entfernt mit Raumfahrt zu tun haben und doch faszinieren. In diese Kategorie fällt auch der Kartonmodellbau, mit dem ich mich vor vielen Jahren selbst einmal beschäftigt habe. Heute fehlt mir die Zeit dazu. Dennoch sollen hier einige Links zu Modellbau-Bögen ihre Heimat finden. Vielleicht teilt ja jemand meine Begeisterung für die Raumfahrt und den Modellbau? Gern nehme ich jedenfalls weitere Vorschläge für diese Rubrik entgegen und veröffentliche auch die Fotos fertig gebauter Modelle.



nitkowskiEine email von Herrn Reinhard Nitkowski, Besucher meiner Homepage, brachte unlängst Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit (des Kartonmodellbaus) zurück. In den 1970er und 1980er Jahren (vermutlich auch schon in den 1960ern) gab es es bereits sehr schöne Kartonmodellbaubögen. Die heutigen Angebote per PDF im Internet sind eher eine Renaissance des damals sehr populären Hobbys. Und da damals eine weitaus größere Begeisterung für die Raumfahrt bestand, gab es natürlich in Ost und West auch zahlreiche Modellbaubögen mit Raumfahrtmotiven. Eine Reihe von Verlagen hatte damit ihr Auskommen. Aber auch im „Vorcomputerzeitalter“, in einer Zeit ohne Photoshop und Acrobat, gab es Fans, die sich nicht mit dem bestehenden Angebot zufrieden geben wollten. Damals griff man zu Lineal und Bleistift oder Scribent (Tuschezeichner) und brachte seine eigenen Entwürfe zu Papier. Vorlage waren die wenigen - und gerade in der DDR oft qualitativ minderwertigen - Fotos der Original-Raketen und -Satelliten. Trotz der ungleich schwierigeren Ausgangslage im Vergleich zu heute entstanden so teils herausragende Modelle und Dioramen. In der DDR gab es, sobald solches Tun an die Öffentlichkeit drang, noch einige besondere Klippen zu umschiffen. Ich erinnere mich beispielsweise an ideologisch gefärbte Diskussionen zu dem „Problem“, daß bei maßstäblichen Modellen die Saturn V nunmal deutlich größer als eine Sojus-Rakete ausfiel. Ebenso ein Apollo- im Vergleich zum Sojus-Raumschiff. Da aber sowjetische Raumfahrttechnik der amerikanischen per Definition überlegen und überlegen mit groß gleichzusetzen war...
Wie mir Reinhard Nitkowski schrieb, wurde sein Ehrgeiz von einem Modellbaubogen der Wostok geweckt. Er machte sich daran, weitere Raketen im gleichen Maßstab zu bauen. Das gelang ihm offenbar so gut, daß seine Modelle Anfang der 1970er Jahre auf etlichen Ausstellungen in der damaligen DDR zu sehen waren. Einer der Höhepunkte war sicherlich eine Ausstellung 1974 im bekannten Dresdener Verkehrsmuseum. Einige Fotos von damals habe ich mit der Erlaubnis erhalten, sie hier zu veröffentlichen. Was ich natürlich gern tue.

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© aller vorstehenden Fotos: Reinhard Nitkowski

Von der japanischen Asteroidensonde „Hayabusa“ 2 läßt sich mit Hilfe des auf zwei PDF-​Dokumente (hier und hier) verteilten Karton-​Modellbaubogens von dieser JAXA Webseite ein stark vereinfachtes Modell bauen. Bauhinweise sind nur japanisch verfügbar, da es aber keine kleinen Einzelteile einzusetzen gibt, sollte die Anleitung selbsterklärend sein. Das Modell ist als farbige Vorlage ausgeführt, ein Maßstab ist nicht angegeben (und Maßstäblichkeit dürfte auch nicht zu erwarten sein).
Ein sehr interessantes Modell des japanischen Nanosatelliten PRISM alias „Hitomi“ findet sich im Webangebot des Intelligent Space Systems Laboratory der University of Tokyo. Das 5-​seitige PDF-​Dokument bietet neben der Kartonmodellbau-​Vorlage Hintergrundinformationen und Fotos des Originals. Leider alles nur auf japanisch. Im Gegensatz zum einfachen kubischen Korpus des Satelliten dürfte die Spirale mit der ausfahrbaren Optik etwas schwieriger zu realisieren sein. Ein Maßstab ist bei dem bereits farblich gestalteten Modellbaubogen leider nicht angegeben.
Unbedingt anfängertauglich ist das „Bierdosenmodell“ des japanischen Transportraumschiffs HTV („Kounotori“). Man benötigt also Karton, einen Drucker, eine Schere, etwas Kleber und, nun ja, eine Bierdose(!). Wem das Modell nicht zu anspruchslos ist, den Download gibt es auf der Papercraft Webseite des Shioya Astronomical Observatory
Zum Arsenal der auf der japanischen Internetseite Papercraft Aeronautics and Space Administration angebotenen Karton-​Modellbaubogen gehört auch einer der H-​IIB Rakete im Maßstab 1:100. Hinweise zum Bau sucht man vergeblich. Neben den Einzelteilen für das farbige Modell sind auf dem 9-​seitigen PDF-​Dokument lediglich noch einige technische Daten des Originals abgedruckt.
Die japanische Internetseite Papercraft Aeronautics and Space Administration bietet u.a. einen Karton-​Modellbaubogen der H-​II Rakete im Maßstab 1:100 zum Download an. Eine englische oder gar deutsche Anleitung sucht man vergeblich, dafür ist das farbig gestaltete Modell vergleichsweise einfach gehalten.
Gleich eine ganze Familie von Trägerraketen, nämlich die japanische H-​IIA Serie, läßt sich anhand der Modellbaubögen realisieren, die auf der Internetseite Papercraft Aeronautics and Space Administration veröffentlicht sind. Die farbig ausgeführten Modelle im Maßstab 1:100 sind relativ einfach gehalten. Dennoch ergänzen sie jede Sammlung und bilden die ganze Vielfalt der Baureihe ab. Verfügbar sind die Versionen H-​IIA 202, H-​IIA 2022, H-​IIA 2024 und H-​IIA 204. Die passenden Nutzlastverkleidung enthält der Bogen, der hier zum Download bereitgestellt wird. Eine englische oder gar deutsche Anleitung sucht man vergeblich, das sollte aber bei ein wenig Erfahrung kein Problem darstellen.
Von der japanischen Asteroidensonde „Hayabusa“ (MUSES-​C) finden sich auf der Kinderseite des an der Planung des Projekts beteiligten ISAS gleich zwei Karton-​Modellbaubögen. Ein sehr einfaches Modell kann anhand der Vorlage aus diesem PDF Dokument gebaut werden. Auch ohne Bauanleitung eignet sich dieses Modell gut für Anfänger und kleinere Kinder. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl erfordert der Bau des zweiten Modells, das hier zum Download steht. Beide Modelle sind bereits als farbige Vorlage ausgeführt.
Schon etwas älter ist das Modell der japanischen H-​IIA Rakete (noch in NASDA Bemalung). Die Vorlage aus dem Jahr 2001 stammt von Takahiro Kojima und ist auf seiner Homepage Paper Model World zu finden. Leider ist kein Maßstab angegeben, doch handelt es sich um ein interessantes und schön gestaltetes Modell. Das PDF Dokument zum Download gibt es hier…
Direkt vom GSFC der NASA stammt der Karton-​Modellbaubogen für den astronomischen Forschungssatelliten HESSI. Leider gibt es weder Angaben zum Maßstab noch zur Farbgebung, denn der Vordruck ist nur schwarz/​weiß gehalten. Dennoch sicherlich ein lohnenswertes Modell, das es hier zum Download gibt.
Niels Jahn Knudsen bietet auf seiner Homepage Nielspapermodels knapp zwei Dutzend Raketen– und Satellitenmodelle zum Download an. Gleich in zwei Maßstäben (1:32 und 1:96) wird dort der Modellbogen der Hermes RV-​A 10 Rakete angeboten. In den 40er und 50er Jahren wurde in den USA unter dem Projektnamen Hermes die Entwicklung zahlreicher richtungsweisender Raketenentwürfe vorangetrieben. Dabei flossen die Erkenntnisse aus der deutschen Raketenentwicklung der Kriegsjahre ebenso ein wie eigene Ideen. Einer der zahlreichen Entwürfe war die Hermes RV-​A 10, die einen Durchbruch bei der Entwicklung großer Feststofftriebwerke bedeutete. Neben dem Modellbogen, der den Bau in zwei Maßstäben erlaubt, gibt es auch einen Standfuß und eine detaillierte Bauanleitung zum Download.
Das Kyusyu Institute of Technology hat mitterweile eine kleine Serie von technologischen Satelliten entwickelt und gebaut, von denen (Stand März 2016) zwei von der JAXA gestartet wurden. Auf der Projektseite des jüngsten Satelliten, Horyu 4, stehen in der Rubrik Outreach zwei PDF Dokumente zum Download. Dabei handelt es sich um den eigentlichen Modellbaubogen im Maßstab 1:5 (für einen A3 Bogen) und die umfangreiche (6-​seitige) Bauanleitung.
Vor der Neugestaltung der Webseite des Solarteleskops „Hinode“ (Solar-​B) fand sich dort ein (extrem) einfaches (für Kinder geeignetes) Kartonmodell des Satelliten. Eine Anleitung sucht man leider vergeblich, lediglich einige wenige japanische Hinweise sind in dem 1-​seitigen pdf-​Dokument enthalten. Wer sich dennoch an den Bau „wagen“ möchte, im Webarchive der Wayback Machine findet sich noch der Downloadlink.