Kartonmodellbau
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

370843
Statistik erstellt: 2017-09-26T18:08:29+02:00

Kartonmodellbau


Beim Surfen im Internet auf der Suche nach Informationen für den Raumfahrtkalender stoße ich auch immer wieder auf Dinge, die nur entfernt mit Raumfahrt zu tun haben und doch faszinieren. In diese Kategorie fällt auch der Kartonmodellbau, mit dem ich mich vor vielen Jahren selbst einmal beschäftigt habe. Heute fehlt mir die Zeit dazu. Dennoch sollen hier einige Links zu Modellbau-Bögen ihre Heimat finden. Vielleicht teilt ja jemand meine Begeisterung für die Raumfahrt und den Modellbau? Gern nehme ich jedenfalls weitere Vorschläge für diese Rubrik entgegen und veröffentliche auch die Fotos fertig gebauter Modelle.



nitkowskiEine email von Herrn Reinhard Nitkowski, Besucher meiner Homepage, brachte unlängst Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit (des Kartonmodellbaus) zurück. In den 1970er und 1980er Jahren (vermutlich auch schon in den 1960ern) gab es es bereits sehr schöne Kartonmodellbaubögen. Die heutigen Angebote per PDF im Internet sind eher eine Renaissance des damals sehr populären Hobbys. Und da damals eine weitaus größere Begeisterung für die Raumfahrt bestand, gab es natürlich in Ost und West auch zahlreiche Modellbaubögen mit Raumfahrtmotiven. Eine Reihe von Verlagen hatte damit ihr Auskommen. Aber auch im „Vorcomputerzeitalter“, in einer Zeit ohne Photoshop und Acrobat, gab es Fans, die sich nicht mit dem bestehenden Angebot zufrieden geben wollten. Damals griff man zu Lineal und Bleistift oder Scribent (Tuschezeichner) und brachte seine eigenen Entwürfe zu Papier. Vorlage waren die wenigen - und gerade in der DDR oft qualitativ minderwertigen - Fotos der Original-Raketen und -Satelliten. Trotz der ungleich schwierigeren Ausgangslage im Vergleich zu heute entstanden so teils herausragende Modelle und Dioramen. In der DDR gab es, sobald solches Tun an die Öffentlichkeit drang, noch einige besondere Klippen zu umschiffen. Ich erinnere mich beispielsweise an ideologisch gefärbte Diskussionen zu dem „Problem“, daß bei maßstäblichen Modellen die Saturn V nunmal deutlich größer als eine Sojus-Rakete ausfiel. Ebenso ein Apollo- im Vergleich zum Sojus-Raumschiff. Da aber sowjetische Raumfahrttechnik der amerikanischen per Definition überlegen und überlegen mit groß gleichzusetzen war...
Wie mir Reinhard Nitkowski schrieb, wurde sein Ehrgeiz von einem Modellbaubogen der Wostok geweckt. Er machte sich daran, weitere Raketen im gleichen Maßstab zu bauen. Das gelang ihm offenbar so gut, daß seine Modelle Anfang der 1970er Jahre auf etlichen Ausstellungen in der damaligen DDR zu sehen waren. Einer der Höhepunkte war sicherlich eine Ausstellung 1974 im bekannten Dresdener Verkehrsmuseum. Einige Fotos von damals habe ich mit der Erlaubnis erhalten, sie hier zu veröffentlichen. Was ich natürlich gern tue.

nitkowski2 nitkowski4 nitkowski3
© aller vorstehenden Fotos: Reinhard Nitkowski

Ein eindrucksvolles Modell von beachtlicher Größe läßt sich aus dem Modellbaubogen gestalten, den der „RocketmanTan“ Bryan Tan im Jahr 2012 von der 1959 gestarteten Raumsonde Pioneer IV entwarf. Das Modell findet sich unter der Rubrik „Real Space“ in RocketmanTan’s Galerie bei DeviantArt. Direkt zum Download des mit 21 Seiten(!) umfangreichen und farbig gestalteten Modellbaubogens geht es hier. Enthalten sind zudem die wichtigsten Bauhinweise und einige Hintergrundinformationen.
Ein einfaches Modell im Maßstab 1:5 von Erik te Groen findet sich zudem im Webarchive zum Download. Auf den zwei Seiten des PDFs sind auch die wichtigsten Bauhinweise untergebracht.
Zu den zahlreichen CubeSat Modellen im Maßstab 1:1 kam 2012 auch eines des ersten polnischen Satelliten PW-​Sat hinzu. Veröffentlicht wurde es auf der Homepage des polnischen Raumfahrtmagazins AstroNautilus. Der Kartonmodellbaubogen ist als PDF verfügbar, bietet einige Hinweise (leider nur auf polnisch — aber das ist angesichts der wenig komplexen Struktur des Satelliten sicher zu verschmerzen) und natürlich die kolorierte Vorlage. Den direkten Download gibt es hier.
Ein (besser gesagt zwei) einfaches Karton-​Modell des europäischen Kometen-​Landers „Philae“ bietet die ESA unter der Rubrik Cut-​out & Build auf der Science & Technology Seite zum Download an. Es handelt sich um eine ZIP-​Datei, in der sich zwei TIF– (Expert-​Model) und eine JPG-​Datei (Beginner-​Model) verbergen. Die Vorlagen sind koloriert und beinhalten einige rudimentäre (englische) Bauhinweise. Die Modelle eignen sich für Anfänger oder zur Vervollständigung einer Sammlung.
Alternativ gibt es auch einen sehr schönen farbigen Modellbaubogen vom französischen CNES. Eingebettet in ein 11-​seitiges PDF-​Dokument mit vielen Hintergrundinformationen und Fotos findet sich der eigentliche Modellbaubogen mit Bauhinweisen auf Französisch. Doch auch wer der Sprache nicht mächtig ist, sollte die Tips verstehen. Die Vorlage erlaubt den Bau des „Philae“ Landers im Maßstab 1:13 sowie eines Ständers für eine nette Präsentation des fertigen Modells.
Passend zum Sojus-​TMA Raumschiff und zur gleichfalls dort angebotenen Sojus-​U 11A511U Rakete, alle im Maßstab 1:100, gibt es vom MARS, dem Microgravity Advanced Research & Support Center, einer 100%igen Tochter des italienischen Telespazio Konzerns, auch den Karton-​Modellbaubogen des Progress-​M Transportraumschiffs zum Download. Der Modellbaubogen wird wie bei dem für die Sojus-​TMA als einseitiges PDF Dokument mit durchnumerierten Teilen präsentiert. Dazu kommt wieder die achtseitige Bauanleitung, die den Bau der Sojus oder des Progress Transporters illustriert. Die Anleitung ist zwar nur in Italienisch verfügbar, sollte aber dank der Numerierung und der enthaltenen Bauskizzen für einen Bau ausreichen, auch wenn man diese Sprache nicht beherrscht (notfalls gibt’s auch Online-​Übersetzungsprogramme). Zum Download geht’s hier…
Nicht nur der deutsche Kleinsatellit BIRD, sondern auch der beim selben Start transportierte belgische Satellit Proba ist mit einem Karton-​Modellbaubogen im Internet vertreten. Die Vorlage, leider ohne Maßstabsangabe, steht als farbiges PDF Dokument mit aufgedruckten Hinweisen zum Bau bei der ESA zum Download bereit.
Ein sehr interessantes Modell des japanischen Nanosatelliten PRISM alias „Hitomi“ findet sich im Webangebot des Intelligent Space Systems Laboratory der University of Tokyo. Das 5-​seitige PDF-​Dokument bietet neben der Kartonmodellbau-​Vorlage Hintergrundinformationen und Fotos des Originals. Leider alles nur auf japanisch. Im Gegensatz zum einfachen kubischen Korpus des Satelliten dürfte die Spirale mit der ausfahrbaren Optik etwas schwieriger zu realisieren sein. Ein Maßstab ist bei dem bereits farblich gestalteten Modellbaubogen leider nicht angegeben.