Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-03-29T18:05:28+02:00

Januar 2016.

15Januar

Timothy Peake bei seiner EVA am 15.01.2016

Spektakuläre Aussicht während der EVA vom 15.01.2016

Die beiden Astronauten Timothy Kopra (USA) und Timothy Peake (Großbritannien) unternahmen am 15.01.2016 gemeinsam ein Außenbordmanöver, dessen Hauptaufgabe im Austausch eines defekten Spannungsreglers bestand. Dieser hatte am 13.11.2015 versagt und blockierte seither die Nutzung einer von acht Stromschienen des ISS Energieversorgungssystems. Gravierende Auswirkungen hatte der Ausfall der Sequential Shunt Unit (SSU) keine, verringerte aber die Reserven des Gesamtsystems. Zudem war der Austausch simpel, die Box war lediglich mit einem Bolzen gesichert und für einen Austausch konzipiert. Einige sekundäre Aufgaben rundeten das Programm der beiden Astronauten ab. So mußten einige längere Kabel verlegt und angeschlossen werden, die einmal mit dem neuen International Docking Adapter (IDA) verbunden werden sollten. Schließlich galt es auch noch, den defekten Scheinwerfer einer Kamera zu demontieren und an Bord zurückzuholen. Die einzige Herausforderung bei den Arbeiten war die Enge zwischen den Modulen, in der insbesondere die Kabel verlegt werden mußten. Da dort in der Vergangenheit schon zahlreiche andere Kabel installiert worden waren, bestand zudem die Gefahr, sich in einem davon zu verheddern oder eines bei einem Tritt darauf zu beschädigen. Obwohl überraschend Kopra von geringen Mengen Wasser in seinem Helm berichtete, was den vorzeitigen Abbruch der EVA nach sich zog, konnten die Arbeiten weitgehend abgeschlossen werden. Die Probleme waren zwar weit von dem Ausmaß entfernt, das Luca Parmitano im Juli 2013 in eine lebensbedrohliche Situation gebracht hatte. Bedenklich war aber, daß es sich um eben jene EMU (3011) handelte, die seither gründlich getestet worden war und bei der man zahlreiche Baugruppen getauscht hatte. Zwar war die exakte Ursache des damaligen massiven „Wassereinbruchs“ nie gefunden worden, doch hatte niemand ernsthaft mit einer Wiederholung des Problems gerechnet. Dennoch hätte die NASA sicher lieber eine andere Extravehicular Mobility Unit eingesetzt. Doch der vorgesehene Ersatz war beim Fehlstart der CRS-​7 Versorgungsmission verlorengegangen. Weiterer Ersatz, eingetroffen mit „Cygnus“ OA-​4, kam zu spät für diese EVA. Nachdem die beiden Astronauten nach 4:43 h wieder zurück an Bord waren, wurde Kopras EMU einem 6-​stündigen Dauertest unterzogen. Das Wasserproblem konnte dabei nicht reproduziert werden. Damit bestand diese unbefriedigende Situation weiter.
15Januar

Belintersat 1 in der Nutzlastverkleidung der CZ-3B

Im September 2011 schlossen weißrussische Vertreter mit dem chinesischen Satellitenhersteller CAST (China Academy of Space Technology) einen Vertrag über Lieferung und Start eines zunächst als Belarus Sat 1 bezeichneten Kommunikationssatelliten auf Basis der leistungsfähigen DFH-​4 Plattform. Dieser erhielt eine Kommunikationsnutzlast aus 20 C-​Band und 18 Ku-​Band Transpondern, die von Thales Alenia Space zugeliefert wurde. Obwohl Weißrußland mit der neu gegründeten Betreibergesellschaft Belintersat selbst eine kommerzielle Vermarktung von Teilen der Transponderkapazitäten anstrebte — Partner waren dabei u.a. Gilat Satellite Networks aus Israel und iDirect aus den USA — wurde ein Teil der Kapazitäten auch von China Satcom unter dem Namen ZhongXing 15 bzw. ChinaSat 15 vermarktet, offenbar im Rahmen einer Finanzierungsvereinbarung. Am 15.01.2016 startete der inzwischen Belintersat 1 genannte Satellit mit einer CZ-​3B/​G2 vom Raumfahrtgelände Xichang auf einen supersynchronen Transferorbit. Fünf größere Bahnmanöver zwischen dem 18. und 23.01.2016 brachten Belintersat 1 dann auf eine Synchronbahn. Seinen Betrieb nahm er über 51,5° Ost auf.
17Januar

die Falcon 9 mit Jason 3 auf der VAFB

Jason 3 in der Nutzlastverkleidung

Falcon 9 Crash Landing (Jason 3 Mission)

Nach dem Fehlstart einer Falcon 9 v1.1 im Juni 2015 war ein halbes Jahr vergangen, bis das Unternehmen SpaceX die Starts wieder aufnahm. Tatsächlich erfolgte dieser „Return to Flight“ aber mit einem umfassend überarbeiteten Raketenmodell, der Falcon 9 v1.2 (auch als Falcon 9 FT bezeichnet). SpaceX hatte lediglich noch eine Falcon 9 v1.1 im Bestand. Diese war zum Start des NASA/​CNES Forschungssatelliten Jason 3 vorgesehen. Wegen der konstruktiven Gemeinsamkeiten mit der im Juni 2015 explodierten Falcon 9 v1.1 (auch wenn die vermeintlich für den Verlust der Mission ausschlaggebenden Baugruppen überarbeitet worden waren — die exakte Unfallursache war nie 100%ig geklärt worden) sahen die Beteiligten der Mission mit besonderer Spannung entgegen. Außerdem war es erst der zweite Start von SLC4E auf der Vandenberg AFB. Wieder erwarten verliefen die unmittelbaren Startvorbereitungen aber weitgehend reibungslos. Nach einem statischen Testlauf der Erststufentriebwerke am 11.01.2016 erfolgte der Start am 17.01.2016. Der lediglich 553 kg schwere Satellit wurde präzise auf dem vorgesehenen Orbit in rund 1.310 km Höhe ausgesetzt. Aus dieser manövrierte Jason 3 dann auf den etwas höher liegenden nicht-​sonnensynchronen Arbeitsorbit, eine Bahn, die der der beiden Vorgänger entsprach. Derart ließ sich die Kontinuität der gewonnenen ozeanographischen Daten sicherstellen. Gegenüber Jason 2 waren auch nur minimale Änderungen an der Ausrüstung vorgenommen worden. Diese umfaßte wieder das Advanced Microwave Radiometer (AMR-​2), die Global Positioning System Payload (GPSP) und das Laser Retroreflector Array (LRA) — alle von der NASA gestellt, sowie das Doppler Orbitography and Radiopositioning Integrated by Satellite (DORIS) und das Poseidon-​3B Altimeter — beide vom CNES. Dazu kamen das Caracterization and Modeling of Environment (Carmen-​3/​AMBRE) Instrument des CNES zu Messungen von Mikrometeoriten und geladenen Teilchen und das Light Particle Telescope (LPT) der JAXA. Diese beiden flogen als „Passagierexperimente“ auf dem Satelliten und bildeten gemeinsam das Joint Radiation Experiment (JRE). Während die Wissenschaftler an der Inbetriebnahme des Satelliten arbeiteten und sich bald darauf über die ersten Meßdaten freuen durften, berichteten die Medien unterdessen vor allem über einen „erneuten Fehlschlag“ von SpaceX. Dies bezog sich auf die angestrebte Rückführung und Landung der Falcon Erststufe auf der Barge „Just Read the Instructions“. Tatsächlich gelang, einen knappen Monat nach der ersten erfolgreichen Land-​Landung, eine Punktlandung auf dem schwimmenden Ponton. Doch hatte offenbar eines der vier Landebeine nicht in der ausgeklappten Position verriegelt, möglicherweise infolge von Vereisung nach einem Start unter den üblichen nebligen Bedingungen der Vandenberg AFB. Jedenfalls zeigten die Kamerabilder, wie die Rakete aufsetzte, sich zur Seite neigte und beim Aufprall in einem Feuerball aufging. Immerhin blieben die ausgebrannten Reste der Raketenstufe diesmal an Deck liegen und konnten so einer Untersuchung unterzogen werden. Obwohl das Ziel einer sicheren Landung klar nicht erreicht worden war, konnten die Ingenieure damit wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Und die Überzeugung, daß man dem Erfolg sehr nahe war, wurde weiter genährt. Dennoch berichteten große Teile der Presse aber reißerisch von einem „Fehlschlag“.
20Januar

Start der PSLV-C31 mit IRNSS 1E

Nach jahrelangen Verzögerungen trieb Indien den Ausbau seines regionalen Navigationssatellitensystems IRNSS (Indian Regional Navigation Satellite System) ab 2014 energisch voran, sobald die Grundprinzipien des Systems bestätigt waren. Mit drei Starts innerhalb weniger Monate sollte 2016 der Ausbau abgeschlossen werden. Den Auftakt bildete IRNSS 1E, den eine PSLV-​XL am 20.01.2016 von Sriharikota aus auf eine geostationäre Transferbahn beförderte. Die Nutzlastkapazität der PSLV ließ auch in der schubstärksten Variante lediglich einen sogenannten Sub-​GTO zwischen 282 und 20.657 km Bahnhöhe zu. Unter Einsatz des LAM (Liquid Apogee Motor) des Satelliten wurde die Bahn dann zu einem geosynchronen (nicht stationären) Orbit verändert. Die Position des Satelliten lag dabei über 111,75° Ost bei 28,1° Bahnneigung. Von dort aus strahlte der Satellit sein Navigationssignal ab, während eine CDMA (Code Division Multiple Access) Nutzlast sowie ein Laser-​Retroreflektor der präzisen Bahnbestimmung dienten.
22Januar

New Shepard: Launch - Land - Repeat

Nach dem spektakulären Flug von Blue Origins ballistischem Raumflugsystem „New Shepard“ im November 2015, bei dem wenige Wochen vor dem großen Konkurrenten SpaceX eine vertikale Landung der Erststufe (wenn auch bei anderen Rahmenbedingungen) gelungen war, sorgte das Unternehmen am 22.01.2016 für eine neue Sensation. An diesem Tag startete vom Testgelände auf der Corn Ranch in Culberson County (Texas) die wiederaufgearbeitete Raketenstufe des vorangegangenen Testflugs. Auch wenn nur wenige Details zu den beiden Unternehmen veröffentlicht wurden, nutzte Firmenchef Jeff Bezos auch den zweiten Flug für eine perfekt inszenierte Werbekampagne. Hochglanzbilder und HD-​Videos zeigten den Aufstieg der Rakete mit der ebenfalls wiederaufgearbeiteten Kapsel auf knapp 102 km Höhe und die anschließende Landung von Kapsel und Rakete. Mittelfristig plante Blue Origin mit dem „New Shepard“ System den Einstieg in den Markt für kommerzielle bemannte Touristen „Raumflüge“. Langfristig wurde aber auch über orbitale Missionen nachgedacht, wobei das Unternehmen generell sehr wenig Informationen zu seinen Plänen und dem aktuellen Entwicklungsstand veröffentlichte.
27Januar

Start der Ariane-5ECA mit Intelsat 29e

Intelsat 29e in Kourou

Arianespace, deren Markenzeichen und auch viele Jahre Kern des kommerziellen Erfolgs die Fähigkeit zum Doppelstart von je zwei Satelliten auf geostationäre Transferbahnen gewesen war, geriet 2014/15 unter zunehmenden Druck, weil es sich als immer schwieriger erwies, zwei geeignete Nutzlasten für eine Mission zu finden. Zwar hatte man wenig Konkurrenz bei den schwersten Satelliten. Doch deren zunehmendes Gewicht ließ immer weniger Spielraum für den zweiten, deutlich kleineren Satelliten in der unteren Startposition. Zudem konkurrierten zahlreiche internationale Wettbewerber um Startaufträge eben für die kleineren Kommunikationssatelliten. Ja, mit der Sojus hatte man sich sogar selbst einen Rivalen nach Kourou geholt. Hatte man tatsächlich eine passende Paarung gefunden, sorgten technische Probleme mit der einen oder anderen Nutzlast immer wieder für Verzögerungen. Schließlich entschied Arianespace, in Einzelfällen auch Soloflüge mit der Ariane 5 anzubieten. Als erster profitierte davon Intelsat 29e. Seit Juli 2009 hatte die Intelsat Ltd. insgesamt neun BSS-​702MP bei Boeing Satellite Systems bestellt. Intelsat 29e war der erste, der mit der neuen EpicNG (Next-​Generation) Hochleistungs-​Kommunikationsnutzlast ausgerüstet werden sollte. Sie umfaßte 14 C-​Band, 56 Ku-​Band und einen Ka-​Band Transponder. Die EpicNG Satelliten sollten u.a. Internet-​Knoten verbinden und mobiles 3G/​4G Internet unterstützen, mit Spot-​Beams kleinere Gebiete mit regionalen TV-​Angeboten versorgen, weiträumig Angeboten für die Schiffahrt oder die Luftfahrt abstrahlen und umfassende Kommunikationsangebote für Regierungsbehörden und das Militär bereitstellen. Die Ariane-​5ECA brachte den Satelliten am 27.01.2016 von Kourou aus auf eine geostationäre Transferbahn (mit dank des Leistungsüberschusses sehr geringer Bahnneigung von nur 0,5°). Von dort aus manövrierte er auf einen geostationären Orbit und begann seine Drift auf die Arbeitsposition über 50° West.
Mit der Ariane VA228 feierte Arianespace den 70. erfolgreichen Start einer Ariane 5 in Folge.
29Januar

das <em>Low Earth Orbiting Navigation Experiment for Spacecraft Testing Autonomous Rendezvous and Docking</em> (LONESTAR 2) nach dem Aussetzen

Der am am 06.12.2015 mit einem „Cygnus“ Transportraumschiff zur ISS gestartete Satellit LONESTAR 2 wurde von den Astronauten der Raumstation am 29.01.2016 ausgesetzt. Zum Einsatz kam dabei die Integrated Kinetic Launcher for Orbital Payload Systems Vorrichtung. SSIKLOPS wurde in der Luftschleuse des Japanese Experiment Module mit dem oder den Satelliten bestückt und dann mit dem Manipulatorarm in „Abschussposition“ gebracht. Zu einem vorgegebenen Zeitpunkt und unter einem definierten Winkel erfolgte dann mechanisch der Ausstoß. Auch mit dem Doppelsatelliten-​Experiment LONESTAR 2 wurde derart verfahren. Der Muttersatellit AggieSat 4 von der Texas A&M University fungierte dabei als Startplattform für den 3U CubeSat Bevo 2 der University of Texas in Austin. Ziel der kombinierten Mission war die Entwicklung von Autonomous Rendezvous and Docking (ARD) Techniken für eine nachfolgende Mission. Aus unbekannten Gründen löste jedoch unmittelbar nach dem Ausstoßen des AggieSat 4 Muttersatelliten vorzeitig der Mechanismus aus, der den Bevo 2 Tochtersatelliten freigab. Offenbar unterblieb dabei auch die Aktivierung von Bevo 2, so daß die geplanten Experimente nicht zustande kamen.
29Januar

die Proton-M mit Eutelsat 9B

Im Oktober 2011 gab EADS Astrium bekannt, daß man den Auftrag zum Bau des Eutelsat 9B Kommunikationssatelliten erhalten hatte. Der Satellit auf Basis der Eurostar-​3000 Plattform wurde mit 66 Ku-​Band Transpondern (ausschließlich) bestückt. Ziel war die Versorgung eines Großteils von Europa mit länderübergreifenden Kommunikationsangeboten. Ebenso aber auch die Abstrahlung regionaler Programme nach Italien, Deutschland, Griechenland und Skandinavien von der Position 9° Ost geplant. Partner bei dieser Mission war aber auch die ESA, die ihre erste European Data Relay System (EDRS) Nutzlast auf Eutelsat 9B installiert hatte. EDRS-​A umfaßte sowohl einen Ka-​Band Inter-​Satelliten-​Link als auch einen Laser-​Terminal zur Hochgeschwindigkeits-​Übertragung großer Datenvolumina zwischen niedrig fliegenden Satelliten, Flugzeugen und Ballons sowie der ISS. Der Start des Satelliten erfolgte nach einigen Verschiebungen des Termins am 29.01.2016 mit einer Phase III Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 vom Kosmodrom Baikonur. Nach mehr als neun Stunden setzte die Bris-​M Stufe den Satelliten auf einer Transferbahn aus. Von dort aus manövrierte Eutelsat 9B zunächst auf einen vorläufigen geostationären Orbit, um dann auf die Arbeitsposition zu driften.