Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-11-21T22:38:56+01:00

Juni 2016.

1Juni
Auch am 01.06.2016 war die ISS Besatzung wieder mit dem Aussetzen von CubeSats beschäftigt. Um 03:10 UTC wurde ein erstes Pärchen ausgestoßen: Flock 2e-​11 und Flock 2e-​10 waren die letzten beiden Exemplare der Flock 2e Konstellation. Insgesamt zwölf dieser Satelliten waren am 06.12.2015 im Auftrag der Planet Labs Inc. zur ISS gestartet und in den letzten Wochen ausgesetzt worden. Sie lieferten wie ihre „Geschwister“ hochauflösendes Bild– und Videomaterial für kommerzielle Erderkundungsanwendungen.
1Juni
Kaum waren die letzten beiden kleinen Flock 2e Erderkundungssatelliten von Bord der ISS ausgestoßen worden, folgten am 02.06.2016 um 06:25 UTC zwei Flock 2e´. Insgesamt zwanzig von ihnen waren im März an Bord eines „Cygnus“ Frachtraumschiffs auf der Internationalen Raumstation angeliefert worden. Mit den jüngsten beiden Exemplaren, Flock 2e´-9 und Flock 2e´-10, war nunmehr die Hälfte ausgesetzt.
2Juni
Ihren vorläufigen Abschluß erlebten am 02.06.2016 die Startaktivitäten von CubeSats auf der ISS. Um 02:15 UTC wurden mit Flock 2e´-11 und Flock 2e´-12 nochmal zwei dieser kleinen Erderkundungssatelliten der Planet Labs Inc. im 3U CubeSat Format ausgestoßen. In den letzten Wochen war die Zahl der aktiven Satelliten des Unternehmens wieder stark angewachsen, so daß nach den zahlreichen Ausfällen (infolge des Wiedereintritts in die Atmosphäre) der letzten Monate wieder ein rascherer Überflug eines zu erkundenden Gebiets auf der Erdoberfläche sichergestellt werden konnte.
4Juni

Start von Kosmos 2517

Nachdem der erste geodätische Satellit des Typs Geo-​IK-​2 im Februar 2011 auf einem unbrauchbaren Orbit gestrandet war und man ihn hatte aufgeben müssen, vergingen mehr als fünf Jahre bis zum Start seines Nachfolgers. Diesmal erledigte die Rockot-​KM Rakete ihre Aufgabe fehlerfrei und beförderte Kosmos 2517 von Plesetsk aus auf den Zielorbit in 1.000 km Höhe. Die auch als Musson-​2 (Erzeugnis 14F31) bezeichneten Satelliten verfügten über Laser-​Reflektoren, GLONASS– und GPS-​Signalempfänger, Doppler-​Meßausrüstung und einen hochpräzisen Radar-​Höhenmesser. Letzterer stammte von Thales Alenia Space. Für die Entwicklung des SADKO-​2 Instruments hatte man dort auf die Erfahrungen mit dem Altimeter für die Poseidon Satelliten zurückgreifen können. Mit einigen Jahren Verspätung hatte Rußland mit diesem Start die Grundlage für die Gewinnung aktueller geodätischer Informationen gelegt. Das russische Weltraumprogramm sah in den kommenden Jahren sowohl den Start eines Ersatzsatelliten für das verlorengegangene erste Geo-​IK-​2 Exemplar als auch einer Reihe weiterer geodätischer Satelliten unterschiedlicher Bauart vor. Finanzierungsprobleme drohten das ambitionierte Programm jedoch bestenfalls zeitlich soweit zu überdehnen, daß die angestrebten einander ergänzenden Messungen unmöglich wurden.
9Juni

Start der Proton-M mit Intelsat DLA-2

Intelsat DLA-2 in Baikonur

Der Start der ersten Phase IV upgrade Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 Bugsierstufe fand am 09.06.2016 in Baikonur statt. Die lange erwartete Premiere des weiter leistungsgesteigerten Proton-​M Modells in der vorerst letzten Ausbaustufe hatte sich bis zuletzt immer wieder verzögert. Schließlich wurde der 28.05.2016 als Starttermin bekanntgegeben. Doch dann kamen Berichte über Probleme mit der Bris-​M Stufe auf und der Start wurde auf den 08.06.2016 verschoben. Am Starttag kam es wieder zu technischen Problemen, die zunächst dem Startkomplex zugeordnet wurden, sich aber später doch auf einen Steckverbinder an der Rakete zurückführen ließen. Nach dem Austausch des Bauteils und zusätzlichen Überprüfungen konnte am nächsten Tag endlich der Countdown aufgenommen werden. Ohne Probleme hob die Rakete ab und nach einer 15½-​stündigen Mission wurde die Nutzlast, der Intelsat IS-​31 (DLA-​2) Satellit auf der vorgesehenen supersynchronen Transferbahn ausgesetzt. Nur Experten war aufgefallen, was auch russische Medien bald berichteten. Demnach hatte sich (eines?) der vier Zweitstufentriebwerke 9 Sekunden zu früh abgeschaltet. Um das zu kompensieren, mußte die erste der fünf Brennphasen der Bris-​M um mehr als eine halbe Minute verlängert werden. Die Reserven der Bris-​M konnten die Defizite der Proton-​M diesmal offenbar aber mit Leichtigkeit kompensieren, so daß die Zielbahn sogar noch mit hoher Präzision erreicht wurde. Selbst ein größeres Manöver zur Bahnabsenkung der Bris-​M nach dem Aussetzen der Nutzlast konnte noch vorgenommen werden. Nach dem geglückten Start steuerte der von Space Systems/​Loral gebaute SSL-​1300S Satellit einen geostationären Orbit an, wo er über 95° West mit dem baugleichen Intelsat IS-​30 ko-​positioniert wurde. Seine 4 (lt. anderen Quellen 10) C-​Band Transponder nutzte Intelsat zur Ausweitung seiner Angebote in Lateinamerika, während die 72 Ku-​Band Transponder von DirecTV Latin America zur Ausstrahlung von Direct-​to-​Home (DTH) Programmangeboten in der Region genutzt wurden.
Obwohl sich sowohl die russische Raumfahrtorganisation Roskosmos und die Hersteller von Rakete und Triebwerk als auch der Startdienstleister International Launch Services nicht näher zu den Problemen mit der Proton-​Zweitstufe äußerten, wurde doch bald darauf deutlich, daß eine umfassendere Untersuchung des Zwischenfalls eingeleitet worden war. Zwar sah der Startkalender für das Jahr 2016 nur vergleichsweise wenige Einsätze der Proton vor. Doch knapp einen Monat vor dem für den 29.08.2016 geplanten nächsten Start wurde bekanntgegeben, daß der als Nutzlast gebuchte EchoStar 21 frühestens am 10.10.2016 starten würde. Obwohl wieder keine offizielle Begründung dafür gegeben wurde, galt nun als sicher, daß die Untersuchung des Triebwerksausfalls bzw. die Umsetzung von Qualitätssicherungsmaßnahmen noch nicht abgeschlossen waren. Als zur Jahreswende 2016/17 der EchoStar Start wegen Mängeln an den in Woronesch gefertigten Triebwerken der Proton-​Oberstufen auf unbestimmte Zeit verschoben werden mußte war klar, daß sich das Proton-​Programm in einer ernsten Krise befand.
11Juni

Start der Delta IV Heavy mit NROL 37

Die stärkste verfügbare US Trägerrakete, eine Delta IV Heavy startete am 11.06.2016 im Auftrag des NRO von Cape Canaveral. Über die Nutzlast der Rakete konnten mangels offizieller Informationen nur Spekulationen angestellt werden. Doch gab es nicht viele Satelliten, die den Einsatz einer Delta IV Heavy erforderlich machten. Von der US Ostküste waren bisher nur die riesigen ELINT Satelliten aus dem „Advanced ORION“ oder „MENTOR“ Programm regelmäßig gestartet. Die bisher letzte vergleichbare Mission hatte vier Jahre zuvor stattgefunden. Damals gab es Spekulationen über ein verbessertes oder gar neues Modell, weil zum Start von NROL 15 erstmals die leistungsstärkeren RS-​68A Triebwerke an einer Delta IV Heavy montiert worden waren, während andere Nutzlasten noch auf Exemplaren mit dem Standard RS-​68 flogen. Darüber hinaus gab es aber keine belastbaren Indizien für einen Modellwechsel. Und mittlerweile war das RS-​68A Standard. Dementsprechend flog auch diesmal das leistungsgesteigerte Modell und beförderte die als USA 268 oder NROL 37 bezeichnete Nutzlast nach Amateurbeobachtungen direkt auf einen geostationären Orbit. Stationiert wurde der Satellit wohl bei 102° Ost (Indonesien).
12Juni

Start von Beidou 23 am 12.06.2016

Nach mehrjähriger Pause startete China am 12.06.2016 wieder eine CZ-​3C Rakete, diesmal in der modernisierten CZ-​3C/​G2 Ausführung, von Xichang, die einen Navigationssatelliten für die Beidou-​2G Konstellation an Bord hatte. Diese Satelliten basierten auf dem ursprünglich für Kommunikationssatelliten entwickelten DFH-​3 Bus. Nach etwa zwei Wochen hatte Beidou-​2 G7 (Beidou 23) seinen Position über 144° Ost erreicht und begann mit der Ausstrahlung der Navigationssignale.
15Juni

Start von Eutelsat 117 West B und ABS 2A

Eutelsat 117 West B (oben) und ABS 2A

Obwohl SpaceX erklärtermaßen kein Interesse an einem komplexen Doppelstartsystem vergleichbar dem der Ariane-​5 hatte, konnte man sich doch einige Aufträge für Doppelstarts von Kommunikationssatelliten sichern. Möglich machte dies das neue Boeing Satellitenmodell BSS-​702SP, das explizit dafür konzipiert war, zwei Satelliten als „Stapel“ gemeinsam zu starten. Das Verfahren ähnelte damit dem, das in Rußland für die Proton-​Rakete entwickelt worden war. Der große Erfolg war dort ausgeblieben. Was auch daran lag, daß es sich ähnlich wie bei der Ariane als schwierig erwiesen hatte, passende Paarungen von Satelliten zusammenzustellen. Einem so großen Hersteller wie Boeing fiel es dagegen leichter, Aufträge zu bündeln und schon ab Werk die gestackten Satelliten auszuliefern. Mit Eutelsat 117 West B (SATMEX 9) und ABS 2A hatte der Konzern wieder ein solches Paar leichter, weil ausschließlich mit „elektrischem“ Antrieb ausgerüsteter Satelliten, zusammengestellt, das im Juni 2016 zu einem Start auf der Falcon 9 v1.2 bereit stand. Der Eutelsat Satellit war von Satelites Mexicanos S.A.B. de C.V. (Satmex) bestellt worden und startete nun für Eutelsat Americas, wie das Unternehmen nach der Übernahme durch den Eutelsat Konzern hieß. Trotz einer Masse von weniger als zwei Tonnen verfügte der Satellit über 48 Ku-​Band Transponder und eine WAAS Nutzlast (Wide-​Area Augmentation System) zur Verbreitung von Korrekturdaten für durch die Signalausbreitung in der Ionosphäre verfälschten GPS Signale. Der Satellit war zur Ko-​Positionierung mit Satmex 8 über 116,8° West vorgesehen. Gemeinsam übernahmen die beiden Satmex Satelliten eine Vielzahl von Kommunikationsaufgaben für Kunden in Lateinamerika.
Auch ABS 2A war mit 48 Ku-​Band Transpondern ausgerüstet. Von einer Position über 75° Ost sollte er im Auftrag der Asia Broadcast Satellite nach Osteuropa, Rußland, in den Mittleren Osten und nach Indien abstrahlen. Er konnte am 21.01.2017 in den regulären Betrieb überführt werden. Seine fünf Sendekeulen strahlten nach Rußland, Südostasien, den Mittleren und Nahen Osten, Südasien und Afrika ab. Wenige Wochen nach seiner Indienststellung am 21.01.2017 leaste MongolSat Networks einen Teil der Transponder und vermarktete sie ab dem 19.04.2017 unter dem Namen MongolSat 1.
Während die beiden Satelliten präzise auf den vorgesehenen Bahnen ausgesetzt worden waren, mußte SpaceX einen Rückschlag in seinen Bemühungen hinnehmen, die Landung der Erststufe auf einer schwimmenden Barge im Atlantik zu vervollkommnen. Man hatte diesmal ein etwas anderes Anflugverfahren gewählt. Doch unmittelbar vor dem Aufsetzen ging dem Triebwerk der Flüssigsauerstoff aus. Die Rakete setzte unkontrolliert hart auf der Plattform auf, kippte um und ging in Flammen auf. Als die beschädigte OCISLY Tage später in Port Canaveral einlief, brachte sie nur einige größere Trümmer der Rakete zurück.
18Juni

die Sojus TMA-19M Kapsel auf dem Weg zur Erde

Nach einem etwas über sechsmonatigen Weltraumaufenthalt bereiteten sich Mitte Juni 2016 die Expedition 47 Mitglieder Juri Malentschenko, Timothy Peake und Timothy Kopra auf ihre Rückkehr zur Erde vor. Kopra hatte das Kommando über die ISS an seinen Nachfolger Jeffrey Williams übergeben. Am 18.06.2016 um 05:52 UTC koppelten die drei Raumfahrer mit ihrem Sojus TMA-​19M vom „Rassvjet“ Modul ab und entfernten sich vorsichtig von der Station. Die Landung in der kasachischen Steppe etwa 155 km südöstlich von Scheskasgan erfolgte am 18.06.2016 um 09:15 UTC. Rasch waren die Bergungsmannschaften vor Ort, die die erschöpften aber sonst physisch und psychisch in gutem Zustand befindlichen Raumfahrer zügig aus der auf der Seite liegenden Kapsel „befreiten“. Hinter den drei Raumfahrern lag ein Weltraumaufenthalt von 4.462:12 h oder knapp 186 Tagen.
18Juni

Start der Ariane-5ECA VA230

Drei Tage nach dem US Wettbewerber SpaceX und nach mehrtägigem Aufschub, zunächst wegen eines Defekts am Startkomplex und dann aufgrund der meteorologischen Bedingungen, unternahm am 18.06.2016 der europäische Startanbieter Arianespace von Kourou in Französisch Guyana einen Doppelstart von zwei Kommunikationssatelliten nach seinem Verfahren. Unter der großvolumigen Nutzlastverkleidung der Ariane-​5ECA war dazu die eiförmige SYLDA Doppelstartvorrichtung montiert. In ihrem Inneren fand diesmal der indonesische BRIsat (Bank Rakyat Indonesia Satellite) Platz, während der größere EchoStar 18 oben aufgesetzt wurde. Beide Satelliten stammten aus der SSL-​1300 Baureihe von Space Systems/​Loral.
BRIsat trug 9 Ku-​Band und 36 C-​Band Transponder. Sein Eigner stellte heraus, daß es sich um den ersten dedizierten Satelliten einer Privatbank handelte. Von einer Position über 150,5° Ost sollte er die sichere Kommunikation zwischen den rund 11.000 Bankfilialen der BRI sicherstellen. Einen Banksatelliten mit ähnlicher Zielsetzung hatte es allerdings schon knapp zwei Jahrzehnte früher gegeben. Doch Kupon 1 war 1997 im Auftrag der russischen Staatsbank gestartet worden und zudem nach wenigen Monaten ausgefallen.
EchoStar 18 war hingegen als DBS (Direct Broadcast Service) Satellit für das Dish Network der EchoStar Corporation konzipiert worden. Ausgerüstet mit einer sogenannten High Power Multi-​Spot-​Beam Nutzlast von 61 Ku-​Band Transpondern sollte er eine große Anzahl direktempfangbarer Fernsehprogramme ausstrahlen. Über 110° West war er dabei als Nachfolger des 2006 gestarteten EchoStar 10 vorgesehen.
Im Rahmen der der VA230 Mission überbot die Ariane-​5ECA ihren bisherigen Nutzlastrekord für den geostationären Transferorbit. Die Gesamtnutzlast erreichte diesmal den Wert von 10.731 kg.
22Juni

„Cygnus“ OA-6 nach dem Abkoppeln von der ISS

Das Orbital ATK Versorgungsraumschiff Cygnus OA-​6 „S.S. Rick Husband“ wurde am 14.06.2016 um 11:43 UTC wieder von seinem Berthing-​Port am „Unity“ Modul der ISS gelöst und mit dem Canadarm2 von der Station weggeschwenkt. Das Freisetzen folgte dann um 13:30 UTC. Im Gegensatz zu früheren Missionen schloß sich nun aber eine noch mehr als einwöchige Freiflugphase an, an deren Ende zwei Experimente standen. So sollten am 21.06.2016 erstmals fünf kleine Erderkundungssatelliten der Lemur 2 Klasse aus einem NRCSD-​E (NanoRacks CubeSat Deployer– External) Starter an Bord einer „Cygnus“ ausgestoßen werden. Andere Satelliten für die Konstellation des US Unternehmens Spire waren mit der indischen PSLV-​XL Rakete gestartet oder von Bord der ISS ausgesetzt worden. Von den auf drei Startcontainer verteilten fünf Satelliten konnten jedoch aus zunächst unbekannten Gründen nur vier, Lemur 2 „Cubecheese“, Lemur 2 „Drmuzz“, Lemur 2 „Bridgeman“ und Lemur 2 „Nate“, ausgestoßen werden. Lemur 2 „Beccadewey“ verblieb in seinem Container. Am 22.06.2016 gegen 13:05 UTC verglühte die „Cygnus“ dann über dem Pazifik. Zuvor war aber noch ein weiteres Experiment initiiert worden. Unter dem Projektnamen Saffire 1 entzündete die NASA im Frachtraum des Schiffs in einer Versuchsanordnung ein Feuer, um mittels Sensoren und Kameras Informationen zur Entflammbarkeit bestimmter Materialien und der Ausbreitung des Feuers unter Mikrogravitationsbedingungen zu sammeln.
22Juni

Start der PSLV-C34

die neue Mehrfachstartvorrichtung der PSLV-C34

Abnahmetest der Solarzellenanlage bei Cartosat 2C im ISAC Bengaluru

Indien hatte sich mit der PSLV Rakete einen guten Ruf bei internationalen Kunden erarbeitet, die eine Startgelegenheit für ihre Kleinstsatelliten suchten. Auch beim Start des Erderkundungssatelliten Cartosat 2C vermittelte Antrix, der kommerzielle Arm der ISRO, wieder eine solche Mitfluggelegenheit — diesmal gleich für neunzehn sekundäre Nutzlasten. Nach den bei indischen Raketen offenbar unvermeidlichen umfangreicheren Verschiebungen des Starttermins im Vorfeld demonstrierte die eingesetzte PSLV-​XL dann aber wieder einen reibungslosen Countdown und schließlich Start am 22.06.2016 vom zweiten Startkomplex in Sriharikota. Gut siebzehn Minuten nach dem Abheben wurde die Hauptnutzlast ausgesetzt, der indische Cartosat 2C. Der Satellit stellte die Kontinuität des Datenempfangs von panchromatischen (0,63 m Auflösung) und multispektralen (2,0 m Auflösung bei 10 km Schwadbreite) Aufnahmen für Land Information System (LIS) und Geographical Information System (GIS) Anwendungen sicher (Indien hatte den ersten Cartosat im Jahr 2005 gestartet).
Der von Studenten der Sathyabama University in Chennai gebaute 2U CubeSat SathyabamaSat war mit einem IR Spektrometer (ARGUS 1000) ausgestattet und sollte Daten zu den Treibhausgasen (Wasserdampf, CO, CO2, CH4 und HF) in der Atmosphäre sammeln. Am College of Engineering in Pune war der CubeSat Swayam ausgerüstet worden. Die dortigen Studenten setzten zur Stabilisierung des Satelliten anstelle der mittlerweile üblichen Magnetorquer auf Hysterese-​Stäbe und einen Magneten. Eine gute Stabilisierung war die Voraussetzung für die mit dem Satelliten geplanten Amateurfunkexperimente. Deutlich größer als die üblichen CubeSats war der kleine Erderkundungssatellit SkySat-​C1 des US Unternehmens Terra Bella, seit 2014 (und bis Anfang 2017) eine Tochter des Internetkonzerns Google. Die Geschäftsidee des 2009 noch unter dem Namen Skybox Imaging gegründeten Unternehmens bestand darin, mit einer Flotte kleiner Satelliten hochauflösende Bilder und Videos kommerziell anzubieten. Vor allem die 90 Sekunden langen Videoclips, aufgenommen mit 30 fps, sollten eine einfachere Analyse der aufgenommenen Szenen im Vergleich zu reinen Fotos erlauben. Und das bei einer Auflösung im Sub-​Meter-​Bereich. Wobei nach der Übernahme durch Google der Mutterkonzern mit seinem Google-​Earth Angebot zugleich einer der größten Kunden wurde. Nach zwei 2013 und 2014 gestarteten Demonstrator-​Satelliten sollten nun innerhalb von zwei Jahren zunächst dreizehn der größeren SkySat-​C Satelliten gestartet werden. Die mit Hilfe des Industriepartners Space Systems/​Loral gebauten Satelliten unterschieden sich u.a. durch einen eigenen Antrieb und einen feiner auflösenden Sensor von den Prototypen. GHGSat-​D (Spitzname „Claire“) war vom UTIAS Space Flight Laboratory für die kanadische GHGSat Inc. gebaut worden. Ausgerüstet mit einem bildgebenden Hyperspektral SWIR Spektrometer sollte der Satellit Quellen von Treibhausgasen aufspüren. Ebenfalls aus Kanada stammte M3MSat. Dessen Entwicklung hatten die zivile kanadische Raumfahrtorganisation CSA (Canadian Space Agency) und die militärische Forschungsorganisation DRDC (Defence Research and Development Canada) gemeinsam finanziert. Der Auftrag zum Bau des Satelliten ging an COM DEV International (seit 2016 Honeywell Canada), wo man die Gelegenheit sah, den neuen Satellitenbus AIM (Advanced Integrated Microsatellite) zu testen. An Bord des Satelliten befand sich eine AIS (Automatic Identification System) Nutzlast, die von der COM DEV Schwesterfirma exactEarth Ltd. betrieben wurde. Dazu kamen ein Low Data Rate (LDR) UHF Kommunikations-​Terminal und ein wissenschaftliches Experiment, der Deep-​Dielectric Charging Monitor (DDCM). Ursprünglich hatte M3MSat bereits 2014 gemeinsam mit Meteor-​M 2 starten sollen. Als Reaktion auf die russische Besetzung der Krim hatte Kanada den Vertrag aber annulliert und nach einer anderen Startgelegenheit gesucht. Bei der Entwicklung des LAPAN-​A3 Satelliten hatten die indonesische Raumfahrtorganisation LAPAN und die Bogor Agricultural University bzw. das Institut Pertanian Bogor (IPB) zusammengearbeitet. Der Bus des Satelliten basierte weiter auf dem Entwurf der TU Berlin für LAPAN-​TUBSAT aus dem Jahr 2007. Diesmal waren vier Pushbroom-​Imager (4-​Band multispektral) und eine Digitalkamera an Bord. Außerdem eine AIS (Automatic Identification System) und APRS (Automatic Packet Reporting System) Nutzlast. Im Vergleich zu seinem unmittelbaren Vorgänger LAPAN-​A2 war auf den hochauflösenden Aufnahmemodus (5 m bei 3,5 km Schwadbreite) verzichtet worden. Stattdessen war neu eine Schwadbreite von 100 km bei 18 m Auflösung möglich. Im Fokus standen diesmal nämlich großräumige Ernteprognosen. Der deutsche Satellit BIROS (Berlin InfraRed Optical System) bildete zusammen mit seinem 2012 gestarteten Vorgänger TET 1 die FireBird Konstellation. Hochentwickelte optische, VNIR (Visible Near Infrared) und IR-​Sensoren sollten sogenannte High Temperature Events registrieren. Unter dem Begriff HTEs verbargen sich beispielsweise Waldbrände oder Vulkanausbrüche. Neben der primären FireBird Mission diente BIROS auch zwei technologischen Experimenten: OSIRIS (Optical Space Infrared Downlink System) war ein Laser-​Terminal zur optischen Kommunikation mit bis zu 1 Gbps. Und unter dem Namen AVANTI (Autonomous Vision Approach Navigation and Target Identification) verbarg sich ein Test zur optischen Navigation an einem „nicht-​kooperativen“ Zielobjekt. Dessen Rolle sollte der 1U CubeSat BeeSat 4 der TU Berlin übernehmen, den BIROS im Laufe der Mission am 09.09.2016 um 11:00 UTC ausstieß. BeeSat 4 seinerseits verfügte über einen fortschrittlichen GPS Empfänger zur exakten Positionsbestimmung. Die größte Gruppe an Satelliten beim PSLV-​C34 Start bildeten zwölf Flock 2p (Dove) Satelliten für Planet Labs, die in zwei Gruppen ausgesetzt wurden. Wie ihre Vorgänger lieferten auch sie hochauflösendes (3 bis 5 m) Bild– und Videomaterial für unterschiedlichste Erderkundungszwecke.
Technologisch waren zwei Experimente bzw. Neuerungen bei dieser Mission von besonderem Interesse. Die Doppelstartstruktur DLA (Dual Launch Adaptor) war erstmals größtenteils in einer offenen Gitter-​Waben-​Struktur ausgeführt, was zusammen mit anderen Optimierungen die Nutzlastkapazität steigern half. Außerdem sollten erstmals, nachdem alle Nutzlasten ausgesetzt waren, zwei Wiederzündungen der PS4 Endstufe unternommen werden. Zwischen beiden Zündungen lagen mehr als zwei Stunden. Das Manöver verlief erfolgreich und senkte diesmal die Bahn der ausgebrannten Stufe signifikant ab. Der Test hatte aber generell der Vorbereitung auf zukünftige Missionen gedient, bei denen die Nutzlasten auf unterschiedlichen Bahnen ausgesetzt werden sollten. Bisher hatte die ISRO dies mit der PSLV nicht leisten können.
24Juni

die Atlas V mit MUOS 5 auf dem Startkomplex

Nach der Triebwerksanomalie beim Start der Cygnus OA-​6 Versorgungsmission zur ISS im März 2016 waren alle nachfolgenden Starts der Atlas V zunächst auf unbestimmte Zeit aufgeschoben worden. Unmittelbar betroffen war der für den 05.05.2016 geplante Start des MUOS 5 Kommunikationssatelliten für die US Navy. Für den Satelliten wurde zwar rasch ein neuer Termin, der 27.05.2016, genannt. Tatsächlich dauerte es aber länger, bis ein verbindlicher Plan für die Wiederaufnahme der Flüge ausgearbeitet war. Daher verzögerte sich der Start des Satelliten nochmal um fast einen Monat. Bei den angeordneten zusätzlichen Inspektionen des RD-​180 Antriebs der Atlas fanden sich keine Anomalien. Technisch sprach also nichts dagegen, den Termin 24.05.2016 zu halten. Auch das Wetter spielte an diesem Tag mit. Und so hob die Atlas V Mod. 551 mit dem Satelliten pünktlich von Cape Canaveral ab. Knapp drei Stunden später war die Nutzlast auf dem vorgesehenen Transferorbit ausgesetzt. Von hier aus sollte der auf dem A2100M Bus von Lockheed Martin basierende Satellit mit dem eigenen IHI BT-​4 Triebwerk auf einen geostationären Orbit manövrieren. Mit MUOS 5 wäre die von mobilen Einheiten der verschiedenen US Teilstreitkräfte, vor allem aber der US Navy, genutzte Konstellation vollständig gewesen. Doch auf dem Weg zum geostationären Orbit trat eine zunächst nicht näher spezifizierte „Anomalie“ auf. Daraufhin wurde das Manöver abgebrochen und der Satellit in einem sicheren „Zwischenorbit“ geparkt. Man hoffte aber weiter, den Zielorbit noch erreichen zu können. Doch am 02.08.2016 mußte man bekanntgeben, daß das IHI BT-​4 Apogäumstriebwerk dafür wohl nicht mehr zur Verfügung stand. Damit blieb nur die Möglichkeit, den Orbit unter Einsatz der kleineren Hydrazin-​Triebwerke anzusteuern. Tatsächlich war, wie Amateurbeobachtungen zeigten, am 22.10.2016 nach 26 Triebwerkszündungen eine stabile Position über 105° West erreicht. Auf den Abbau der Inklination hatte man hingegen zur Schonung der knappen Treibstoffvorräte verzichtet. Bei einer Bahnneigung von immer noch 9,67° „wanderte“ der Satellit somit um seine Position herum, was eine Nachführung der Antennen erforderlich machte. Für den Einsatzzweck des Mobile User Objective System bedeutete dies aber keine spürbare Einschränkung.
25Juni

die CZ-7 vor ihrem Jungfernflug

die DFFC Kapsel wurde an Schirm hängend durch die Wüste gezogen

die gelandete DFFC Kapsel

Große Erwartungen waren mit dem Start der ersten CZ-​7 Rakete vom chinesischen Raumfahrtzentrum Wenchang verbunden. Sowohl das hochmoderne Raumfahrtgelände im Nordosten der Inselprovinz Hainan als auch die Trägerrakete waren weitaus mehr als einfache Weiterentwicklungen bestehender Designs. Die komplett neu entwickelten Triebwerke der CZ-​7 Serie basierten in allen Stufen auf der Treibstoffkombination Kerosin/​Flüssigsauerstoff, gegebenenfalls ergänzt um eine LOX/​LH2 Oberstufe und/​oder eine Bugsierstufe (die weiterhin auf lagerfähige Treibstoffe setzte). Damit verließ man erstmals den seit Jahrzehnten beschrittenen Weg der Weiterentwicklung einunddesselben UDMH/​N2O4 Triebwerksentwurfs. Dieser hatte sich zwar nach unvermeidlichen Anfangsproblemen in vierzig Jahren zu einem äußerst zuverlässigen Antrieb gemausert. Doch die Skalierungsmöglichkeiten waren begrenzt und vor allem wollte auch China von den hochgiftigen Treibstoffkomponenten weg. Für die Bevölkerung in dem dichtbesiedelten Land bargen die Treibstoffreste in den herabstürzenden ausgebrannten Raketenstufen ein zusätzliches Risiko zu den Trümmern an sich. Daher hatte man nun für das vierte chinesische Raumfahrtzentrum endlich auch einen Standort gesucht (und gefunden), bei dem der Überflug über Land vermieden werden konnte. Das im Süden Chinas gelegene Hainan bot zudem beim Start geostationärer Satelliten einen gewissen Nutzlastgewinn aufgrund der größeren Nähe zum Äquator. Und es erlaubte eine Vielzahl von Aufstiegsbahnen, die größtenteils über das offene Meer führten. Nach intensiven Tests der Bodeninstallationen mit einem Testmodell der CZ-​7 begannen im Frühsommer 2016 die Vorbereitungen auf den Jungfernflug der ersten Rakete aus der CZ-​7 Baureihe. Für den Test kam eine mit vier Boostern bestückte zweistufige CZ-​7 mit YZ-​1A Bugsierstufe zum Einsatz. Das erlaubte einerseits die Erprobung einer Konfiguration, wie sie in der ersten Jahreshälfte 2017 zum Start des unbemannten Tianzhou 1 Frachtraumschiffs genutzt werden sollte. Und andererseits dank der Yuanzheng Manövrierstufe die Mitnahme vielfältiger Nutzlasten anstelle von lediglich Ballast und einer Nutzlastattrappe.
Während über die neue Trägerrakete, die perspektivisch einmal die CZ-​2, CZ-​3 und CZ-​4 Raketenfamilien ersetzen sollte, recht ausführlich berichtet worden war, verlauteten nur wenige Details zu den Nutzlasten bei dem Premierenflug. Als die Rakete am 25.06.2016 sauber von Wenchang abhob, herrschte über den Verlauf der anschließenden Mission weitgehend Unklarheit. Immerhin war bekanntgeworden, daß die Hauptnutzlast aus dem maßstäblichen Modell der Landekapsel des perspektivisch geplanten neuen bemannten chinesischen Raumschiffs bestand. Die Pläne zu dessen Entwicklung waren ebenfalls erst vor wenigen Monaten an die Öffentlichkeit gedrungen. Aufgesetzt wurde die DFFC (Duoyongtu Feichuan Fanhui Cang — übersetzt etwa „maßstäbliche Mehrzweck Raumfahrzeug Landekapsel“) auf einem Adapter mit Ballast, der eventuell auch das Servicemodul des künftigen Raumschiffs repäsentieren sollte. Von der YZ-​1A Stufe wurden weiterhin mehrere sekundäre Nutzlasten und Experimente ausgesetzt. Unter dem Namen Aoxiang Zhixing verbarg sich der erste realisierte Mikrosatellit im 12U CubeSat Format. Entwickelt worden war er vom Shaanxi Engineering Laboratory der Northwestern Polytechnical University. Die Aufgabe des Satelliten wurde beschrieben mit Untersuchungen des polarisierten Sternenlichts und Gravitationsmessungen. Interessanterweise wurde anläßlich des Starts noch davon gesprochen, daß die Mission von AZ-​1 etwa ein Jahr dauern sollte. Tatsächlich verglühte er aber schon nach drei Monaten. Weitaus spärlicher waren die Informationen zu dem Aolong 1 genannten Kleinstsatelliten. Aus der englischen Bezeichnung ADRV (Active Debris Removal Vehicle) ließ sich der Zweck der Mission ableiten. China hatte wiederholt die Bedeutung herausgestellt, die man dem Weltraummüllproblem beimaß. Spekuliert wurde über Sensoren zur Identifikation von Objekten in der Umlaufbahn und einen Greifarm zum „Einfangen“ derselben. Die Geheimniskrämerei um das Experiment führte unmittelbar zu Spekulationen, China erprobe eine neue perfide Weltraumwaffe. Kaum mehr Informationen wurden zu den beiden Tiange Feixingqi Satelliten veröffentlicht. Angeblich sollten mit Tiange 1 und Tiange 2 Versuche zur Intersatelliten-​Kommunikation unternommen werden, eventuell mit ähnlicher Zielsetzung wie beim NODeS Experiment der NASA. Nicht von der Yuanzheng Manövrierstufe abgetrennt wurde das Zai Guijia Zhu Shiyan Zhuangzhi Experiment zum Fluidtransfer im Hinblick auf die Betankung zukünftiger Raumstationen und eventuell auch Satelliten.
Nach eintägigem Flug orientierte sich die YZ-​1A Stufe für das Wiedereintrittsmanöver der DFFC Kapsel. Das Manöver verlief planmäßig und die Kapsel ging sicher am 26.06.2016 um 07:41 UTC in der Landezone in der Badain Jaran Region der Wüste Gobi nieder. Damit war ein weiterer wichtiger Aspekt dieser kombinierten Mission erfolgreich abgeschlossen. Einige Tage später meldete Xinhua, daß auch die technischen Experimente zur Betankung und Weltraumschrottentfernung erfolgreich verlaufen waren.
29Juni

Start der CZ-4B mit Shijian 16-02

Überraschend startete China am 29.06.2016 vom Raumfahrtzentrum Jiuquan eine CZ-​4B Rakete auf eine sonnensynchrone 600 km Bahn. Die Nutzlast wurde als Shi Jian 1602 bezeichnet. Bis dahin war westlichen Beobachtern nicht einmal klar gewesen, daß der im Oktober 2013 gestartete Shi Jian 16 den Auftakt zu einer Serie markiert hatte. Bei seinem Start waren wissenschaftliche Forschungen zum kosmischen Umfeld (z.B. zur Strahlung) sowie technologische Experimente als Aufgabe genannt worden. Eben diese Floskel wurde auch anläßlich des zweiten Starts gebraucht. Die dürftige Nachrichtenlage schürte Spekulationen über eine wie auch immer geartete militärische Mission, ohne daß es dafür handfeste Hinweise gab.