Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

301407
Statistik erstellt: 2017-03-29T18:05:28+02:00

Mai 2016.

6Mai

die Falcon 9 mit JCSat 14 vor dem Start

die Barge OCISLY mit der Erststufe des JCSat 14 Starts auf dem Weg nach Port Canaveral

Mit dem Start des japanischen Kommunikationssatelliten JCSat 14 auf einer Falcon 9 v1.2 am 06.05.2015 von Cape Canaveral setzte das US Unternehmen einen neuen Meilenstein. Denn erstmals gelang die Landung der Erststufe bei einer Mission auf einen geostationären Transferorbit. Trotz der schwierigeren Ausgangssituation wollte SpaceX auch diesmal den Versuch unternehmen, die Erststufe der Rakete auf einer schwimmenden Barge im Atlantik zu landen. SpaceX Gründer Elon Musk ging öffentlich von einer 50:50 Chance auf Erfolg aus. Um aus der Aufstiegsbahn für eine GTO Mission landen zu können, mußte der Anflug mit drei statt wie bisher einem feuerndern Triebwerk erfolgen. Erst unmittelbar vor dem Aufsetzen wurden zwei der Triebwerke ausgeschaltet. Tatsächlich gelang das Manöver unerwartet gut. Die Stufe setzte nahezu zentral auf der OCISLY Plattform auf. Während im Hafen von Port Canaveral die Erststufe gesichert und an Land gebracht wurde, erreichte JCSat 14 nach einer Woche einen vorläufigen geostationären Orbit. Bereits eine erste Inspektion der Stufe zeigte allerdings sichtbare Beschädigungen durch die hohen thermischen Belastungen bei der kurzen und starken Abbremsung. Sie wurde als „nicht mehr flugfähig“ eingestuft, jedenfalls hätte in diesem Fall der Aufwand für die Wiederaufarbeitung den (finanziellen) Nutzen übertroffen.
JCSat 14 driftete nach dem Erreichen eines geostationären Orbits auf die Arbeitspoistion über 154° Ost. Hier löste er den schon jenseits seiner Auslegungsbetriebsdauer operierenden JCSat 2A (JCSat 8) ab. Mit Vollzug dieser Übernahme erhielt der Satellit die neue Bezeichnung JCSat 2B. Der von Space Systems/​Loral gelieferte SSL-​1300 Satellit verfügte über 26 C-​Band und 18 Ku-​Band Transponder gegenüber den jeweils 16 C– bzw. Ku-​Band Transpondern seines Vorgängers. Das erlaubte dem Eigentümer SKY Perfect JSAT sein Geschäft in der Region Japan, Asien, Ozeanien, Russland und Pazifik weiter auszubauen.
11Mai

der CRS-8 „Dragon“ bei der Rückkehr zur Erde

Nach einem Monat Liegezeit am Nadir Berthing Port des ISS Moduls „Harmony“ wurden am 11.05.2016 die Bolzen gelöst, die das CRS-​8 „Dragon“ Frachtraumschiff dort gesichert hatten. Nachdem der Frachter unter Einsatz des Manipulatorarms der Station von seiner bisherigen Position weggeschwenkt worden war, löste sich am 11.05.2016 um 13:19 UTC der Greifmechanismus und gab CRS-​8 wieder frei. Mehrere kleine Triebwerkszündungen vergrößerten zunächst den Abstand zwischen den beiden Raumschiffen soweit, daß eine gegenseitige Gefährdung ausgeschlossen war. Dann begannen die Vorbereitungen für die Rückkehr der „Dragon“ Landesektion zur Erde. In einer mittlerweile schon zur Routine gewordenen Operation ging die Kapsel am 11.05.2016 um 18:51 UTC vor der Küste Kaliforniens per Fallschirm im Meer nieder und wurde geborgen. An Bord befanden sich rund 1.700 kg Rückfracht einschließlich 590 kg an Wissenschaftsdaten (u.a. von Scott Kelly während seines Langzeitraumflugs gesammelte biologische Proben). Auch der Raumanzug, den Timothy Kopra im Januar bei einem Außenbordmanöver getragen hatte, als sich eine Wasserblase in seinem Helm bildete, kehrte zu Untersuchungen zur Erde zurück.
15Mai

Start von Yaogan 30

Einen weiteren Satelliten der Yaogan Serie startete China am 15.05.2016 mit einer CZ-​2D stretched vom Raumfahrtzentrum Jiuquan. Yaogan 30 zählte offenbar zu der Untergruppe des Yaogan Programms, das die optische Komponente der Konstellation repräsentierte. Andere Satelliten verfügten über ein Radar mit synthetischer Apertur (SAR). Allen gemein war jedoch, daß sie als zivile Erderkundungssatelliten bezeichnet wurden, mindestens eine starke militärische Komponente bei der Nutzung aber kaum zu übersehen war. Vor allem im Vergleich zu den ersten Yaogan Satelliten wurden nämlich kaum noch Ergebnisse ihre Missionen veröffentlicht und auch keine zivile Institution als Nutzer der Satelliten benannt.
16Mai

MinXSS und CADRE Start von der ISS

Die ISS Besatzung setzte am 16.05.2016 um 10:05 UTC zwei CubeSats aus, die im Dezember 2012 an Bord des „Cygnus“ CRS-​4 Frachtraumschiffs zur Internationalen Raumstation gelangt waren. MinXSS (Miniature X-​ray Solar Spectrometer) stammte von der University of Colorado in Boulder und sollte Messungen der weichen solaren Röntgenstrahlung im Bereich zwischen 0,4 und 30 keV unternehmen.
Gemeinsam mit MinXSS wurde der 3U CubeSat CADRE (CubeSat investigating Atmospheric Density Response to Extreme driving) ausgestoßen. Dieser stammte von der University of Michigan und sollte neben technologischen Tests für zukünftige Missionen Untersuchungen der oberen Thermosphäre unternehmen. Dazu wurde die Michigan CubeSat housing the Wind Ion Neutral Composition Suite (WINCS) mitgeführt.
Beide Missionen wurden durch das ELaNa Programm der NASA gefördert. Ursprünglich hatten die Satelliten bereits Anfang März 2016 ausgestoßen werden sollen. Die Arbeitsbelastung der Raumstationsbesatzung hatte jedoch einen Aufschub zunächst auf einen Termin Anfang April, dann auf Mitte Mai 2016 bewirkt.
Während MinXSS einige Tage nach seinem Start erste wissenschaftliche Daten übermittelte, konnten von CADRE keine Signale empfangen werden. Die erfolgreiche MinXSS Mission hingegen bestärkte die University of Colorado ebenso wie die NASA darain, die Arbeiten an einem zweiten Satellitenexemplar zu forcieren. Ziel war es, bis zu sechs Jahre kontinuierlich Meßdaten zu gewinnen (MinXSS 2 sollte 2017 auf einen 500 km Orbit gebracht werden).
16Mai

die beiden NASA NODeS CubeSats und STMSat 1

Viereinhalb Stunden nach einem ersten Paar von 3U CubeSats wurden am 16.05.2016 um 14:40 UTC drei weitere Satelliten von Bord der ISS ausgestoßen. Dabei handelte es sich um einen „klassischen“ CubeSat, STMSat 1, und zwei NASA CubeSats im 1,5U Format, NODeS 1 und NODeS 2. STMSat stammte von Grundschülern(!) der St. Thomas More Cathedral School in Arlington, Virginia. Natürlich hatte dieses Projekt vor allem einen pädagogischen Hintergrund. Mit tatkräftiger Unterstützung der NASA, aus der Industrie und von Sponsoren hatten die Schüler das anspruchsvolle Projekt verwirklichen können. Schon typisch für solche Projekte sollte eine SSTV Kamera an Bord des Satelliten in kurzen Abständen Bilder übertragen. Eher nicht-​wissenschaftlicher Natur war eine weitere „Nutzlast“ an Bord des Satelliten, ein von Papst Franziskus gesegnetes kleines Kreuz. Leider konnten nach dem Aussetzen keine Signale von STMSat 1 empfangen werden.
Eine technologische Demonstrationsmission sollten dagegen die beiden am NASA Ames Research Center entwickelten und gebauten NODeS (Network & Operation Demonstration Satellite) unternehmen. Sie basierten auf der Hard– und Software, die für die EDSN (Edison Demonstration of Smallsat Networks) Mission entwickelt worden war. Diese acht Satelliten waren im November 2015 beim Fehlstart der ersten Super Strypi Rakete verlorengegangen. In kleinerem Maßstab sollten auch die beiden NODeS Strahlungsdaten (diesmal aus einer Bahn vergleichbar der der ISS) sammeln und erproben, von einem Satelliten empfangene Kommandos der Bodenstation an den anderen weiterzuleiten. Ein intelligenter Algorithmus sollte zudem bestimmen, welcher der Satelliten sich jeweils in der besten Position für die direkte Kommunikation mit dem Kontrollzentrum befand und entsprechend autonom je nach Gegebenheiten die Rolle der beiden Satelliten als „Captain“ oder „Lieutenant“ definieren. Ursprünglich war das NODeS Experiment bereits Ende 2014 als Test zur Vorbereitung auf die EDSN Mission geplant gewesen, hatte sich dann aber auf einen Termin nach diesem verzögert.
17Mai

Flock 2e´-1 und Flock 2e´-2

Auch am 17.05.2016 gingen auf der ISS die Arbeiten mit dem NanoRacks CubeSat Deployer (NRCSD) weiter. Insgesamt drei Paare von Flock 2 Erderkundungssatelliten sollten an diesem Tag ausgesetzt werden. Den Anfang machten um 08:45 UTC Flock 2e′-1 und Flock 2e′-2. Insgesamt sollten in den kommenden Wochen und Monaten 32 Satelliten für die Flock 2e und Flock 2e′ Konstellationen ausgesetzt werden.
17Mai
Dreieinviertel Stunden nach Flock 2e′-1 und Flock 2e′-2 wurden am 17.05.2016 um 12:00 UTC die nächsten beiden kleinen Erderkundungssatelliten im Auftrag der Planet Labs Inc. aus der Startvorrichtung ausgestoßen. Es handelte sich um Flock 2e′-3 und Flock 2e′-4, die gemeinsam mit achzehn anderen Satelliten der Flock 2e′ Generation im März 2016 an Bord des „Cygnus“ CRS-​6 Frachters auf der ISS eingetroffen waren.
17Mai
Der dritte Start eines Paares von 3U CubeSats für die Planet Labs Inc. innerhalb von nur einem Tag erfolgte am 17.05.2016 um 23:00 UTC. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Startkampagnen zählten diese beiden Exemplare zur Flock 2e Generation. Sie waren bereits im Dezember 2015 mit dem „Cygnus“ CRS-​4 Transporter auf der ISS angeliefert worden. Mit Flock 2e-​1 und Flock 2e-​2 wurden nun die beiden ersten Exemplare in den Weltraum entlassen.
18Mai
Auch am 18.05.2016 standen wieder drei Kampagnen zum Aussetzen von CubeSat-​Paaren für die ISS Besatzung auf dem Programm. Den Anfang machten um 02:15 UTC Flock 2e-​3 und Flock 2e-​4. Gemeinsam mit Dutzenden anderer Satelliten des Unternehmens lieferten sie nahezu lückenlos hochwertiges Bild– und Videomaterial zu Erderkundungszwecken. Allerdings hatte Planet Labs 2014/2015 fast drei Dutzend Satelliten bei Fehlstarts verloren, so daß die Konstellation mittlerweile einige Lücken aufwies und dringend der Auffrischung bedurfte.
18Mai

Aussetzen der ersten beiden Lemur 2 Satelliten von Bord der ISS

Nach vier aufeinander folgenden Starts von Dove Erderkundungssatelliten für die Planet Labs Inc. folgten am 18.05.2016 noch zwei Starts von Lemur Satelliten für die Spire Global Inc. Das Unternehmen plante den Aufbau einer Satellitenkonstellation aus Dutzenden kostengünstigen Satelliten im 3U CubeSat Format, die eine duale Mission (STRATOS und SENSE) erfüllen sollten. Einerseits nutzten die Satelliten das Verfahren der GPS Radio-​Okkultation zu Sondierungen der Atmosphäre. Derart ließen sich präzise Temperatur-​, Luftdruck– und Luftfeuchte-​Profile der Atmosphäre gewinnen. Spire sah einen Markt für die erstmalige kommerzielle Vermarktung derartiger Informationen. Die SENSE Nutzlast hingegen wertete die AIS (Automatic Identification System) Positionsinformationen von hochseegehenden Schiffen aus und bediente damit einen stark wachsenden Markt, auf den allerdings auch andere Betreiber von mehr oder minder großen Satellitenflotten abzielten. Nach den ersten vier Lemur 2 Satelliten, die im September 2015 mit einer PSLV-​XL von Sriharikota gestartet worden waren, folgten nun um 07:05 UTC mit Lemur 25 „Theresacondor“ und Lemur 27 „Nick-​Allain“ die ersten von Bord der ISS.
18Mai
Ein weiteres Paar von Lemur Satelliten der Spire Global Inc. wurden am 18.05.2016 um 11:15 UTC aus der NRCSD 8 Startvorrichtung der ISS ausgestoßen. Zusammen mit den vier bereits im September 2015 von Sriharikota gestarteten Exemplaren, den beiden Stunden zuvor gestarteten Satelliten und fünf weiteren, die im Juni direkt von Bord des „Cygnus“ CRS-​6 Frachtraumschiffs ausgesetzt werden sollten, bildeten Lemur 26 „Kane“ und Lemur 28 „Jeff“ den Grundstock für eine Satellitenkonstellation, die einmal bis zu 100 Satelliten umfassen sollte.
23Mai

RLV-TD HEX-01 vor dem Testflug

RLV-TD HEX-01

Ungeachtet dessen, daß Indien seine Pläne für ein eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm erheblich hatte aufschieben müssen — nicht zuletzt aufgrund von Rückschlägen bei der Entwicklung der GSLV Rakete, arbeiteten die Experten der ISRO noch an einem zweiten, mindestens ebenso anspruchsvollen Programm. Langfristiges Ziel war ein wiederverwendbares Two Stage To Orbit (TSTO) Raumfahrzeug. Zu den Technologien die dabei zum Einsatz kommen sollten, zählten luftatmende Scramjet Antriebe für den Hyperschall-​Geschwindigkeitsbereich. Etwa ab 2006 liefen auf diesem Gebiet praktische Tests. Ein weiteres Themengebiet war die aerodynamische Auslegung des geflügelten Systems und die Entwicklung eines Hitzeschutzes, der einer Vielzahl von Anforderungen Rechnung tragen mußte. Dessen Erprobung war, neben vielen anderen, Aufgabe des RLV-​TD (Reusable Launch Vehicle — Technology Demonstrator). Mit diesem plante die ISRO vier Testkampagnen, bei denen schrittweise die Probleme eines TSTO Systems adressiert werden sollten. Der erste suborbitale Test, RLV-​TD HEX-​01, fand nach zahlreichen Verschiebungen des Termins, am 23.05.2016 um 01:30 UTC statt. Ein speziell für diese Mission aus der Erststufe des einstigen SLV-​3 Satellitenträgers abgeleiteter Feststoffmotor mit einer angepaßten Abbrandcharakteristik beförderte das 6,5 m große Hypersonic Flight Experiment auf 56 km Höhe. Nach der Abtrennung flog der Demonstrator auf einer ballistischen Bahn noch bis auf 65 km Gipfelhöhe und vollzog dann einen gesteuerten Wiedereintritt mit größtmöglicher aerodynamischer Belastung. Ersten Angaben zufolge bewährte sich das TPS (Thermal Protection System) aus Silizium-​Kacheln und kohlenstofffaserverstärktem Kohlenstoff (engl. RCC). Auch die Steuerungsalgorithmen bestanden über den gesamten Geschwindigkeitsbereich ihre Bewährungsprobe. Eine Landung oder Bergung waren kein Bestandteil der HEX-​01 Mission. Und so ging das Fluggerät nach einem Flug von 770 s etwa 450 km vom Startort entfernt im Golf von Bengalen nieder und versank im Meer. Die ISRO bewertete das Unternehmen als großen Erfolg.
24Mai

die startbereite Sojus V15 mit Galileo-FOC FM10 und FM11

Der Start einer Sojus ST-​B mit Fregat-​MT Bugsierstufe am 24.05.2016 vom Raumfahrtzentrum Kourou brachte den Aufbau des europäischen Navigationssatellitensystems Galileo wieder ein Stückchen voran. Mit den beiden Satelliten Galileo-​FOC FM10 „Danielè“ und Galileo-​FOC FM11 „Alizée“ näherte sich die Satellitenkonstellation der Initial Operational Capability (IOC), wofür 18 betriebsbereite Satelliten benötigt wurden. Eigentlich hatte man diese Phase (nach vielen Umplanungen) im Laufe des Jahres 2014 erreichen wollen. Nun würde der für den Herbst 2016 geplante Vierfachstart auf einer Ariane-​5ECA diesen Punkt markieren. Knapp vier Stunden nach dem Start von Französisch Guyana setzte die Fregat-​MT Bugsierstufe die beiden Galileo Satelliten in rund 23.500 km Höhe aus. Von dort aus wurden sie später auf ihren Arbeitsorbit manövriert und nach monatelangen Tests am 01.12.2016 in Dienst gestellt. Warum die Übernahme in den Regelbetrieb diesmal noch länger als in der Vergangenheit gedauert hatte, verlautete nicht.
27Mai

Start der Falcon 9 mit Thaicom 8

die Falcon 9 Erststufe des Thaicom 8 Starts zurück im Hafen - deutlich erkennbar die Schräglage und die Position am Rand der Barge (Ergebnis der „Wanderung“ auf See)

Nur drei Wochen nach dem Start von JCSat 14 startete das US Unternehmen SpaceX die nächste Falcon 9 v1.2 Rakete mit einem Kommunikationssatelliten von Cape Canaveral. Im Gegensatz zu dem fast fünf Tonnen schweren japanischen Satelliten wog der diesmal transportierte Thaicom 8 nur wenig mehr als drei Tonnen. Das eröffnete die Möglichkeit, mit der überschüssigen Leistung der Rakete einen supersynchronen Transferorbit anzusteuern. Damit sparte man dem Satelliten Treibstoff auf dem Weg zum endgültigen geostationären Orbit, erhöhte aber auch nochmal signifikant die Anforderungen für die Landung der Erststufe auf der Barge OCISLY. Die Stufe würde erneut mit hoher Geschwindigkeit und sehr „heiß“ hereinkommen. Als am 26.05.2016 während des Countdowns auffällige Telemetriedaten von einem Aktuator des Oberstufentriebwerks empfangen wurden, verschob SpaceX den Start aber zunächst einmal um 24 Stunden. Am 27.05.2016 hob die Rakete nach einem nicht einmal von den meteorologischen Bedingungen beeinträchtigten Countdown von Cape Canaveral ab. Während die Oberstufe den supersynchronen Orbit mit einem Apogäum bei rund 91.000 km ansteuerte, war die Erststufe auf dem Weg zurück zur Erde. Wie bei der JCSat 14 Mission mußten auch diesmal bis kurz vor dem Aufsetzen drei Triebwerke laufen, um die notwendige Abbremsung zu erreichen. Fast schon routiniert wirkten die Bilder vom Aufsetzen der Stufe auf der Barge. Auch gab es diesmal keine größere Nachverbrennung in der Triebwerkssektion, so daß sich die Stufe nach ihrer Landung insgesamt in gutem Zustand präsentierte. Bald darauf gab SpaceX Gründer Elon Musk allerdings bekannt, daß die Landung mit einer Geschwindigkeit an der Obergrenze des strukturell Zulässigen erfolgt war. Einen Teil der Energie mußten dabei spezielle „Knautschzonen“ in den Landebeinen aufnehmen. Da die Rakete jedoch leicht schräg aufsetzte, wurde eines der Beine stärker als die anderen beansprucht und verformte sich stärker. Beobachtern war denn auch aufgefallen, daß die Stufe leicht schräg an Deck von OCISLY stand. Dem Begleitteam der Barge gelang es aber, die Rakete provisorisch zu sichern und bei glücklicherweise vergleichsweise ruhiger See sicher in den Hafen von Cape Canaveral zu bringen.
Unterdessen unternahm Thaicom 8 eine Serie von Bahnmanövern, die das Apogäum allmählich absenkten und die Restinklination abbauten. Der von Orbital ATK auf Basis der GEOStar-​2 Plattform gebaute Satellit verfügte über 24 Ku-​Band Transponder. Ko-​positioniert mit Thaicom 5 und Thaicom 6 über 78,5° Ost sollte er das Programmangebot der Thaicom PLC im asiatischen Raum stärken. Erreicht werden konnten von der Position Thailand, Südasien, Indien und Teile Afrikas.
28Mai

das vollständig entfaltete BEAM

Jeffrey Williams im Inneren von BEAM

Mit einem zunächst enttäuschenden Ergebnis endete am 26.05.2016 der erste Versuch, das noch in gepacktem Zustand am „Tranquility“ Modul der ISS angedockte Bigelow Expandable Activity Module (BEAM) zu entfalten. Bigelow Aerospace hatte 2006 und 2007 jeweils zwei weitgehend problemlose Demonstrationsmissionen mit freifliegenden entfaltbaren „Habitaten“ im Erdorbit unternommen. Die beiden „Genesis“ Module boten ein Innenvolumen von etwa 11,5 m³. Das im Auftrag der NASA entwickelte und gebaute BEAM war mit 16 m³ etwa 50% größer, basierte aber auf den Erfahrungen mit den beiden „Genesis“ und aus der abgebrochenen Entwicklung des „Galaxy“ Moduls von vergleichbarer Größe. Ernsthafte Probleme erwartete daher eigentlich niemand, als die ISS Besatzung damit begann, vorsichtig Luft in die Hülle des BEAM einzuleiten. Tatsächlich entfaltete sich das Modul aber nicht wie vorgesehen. Die Hülle verformte sich ungleichmäßig und im Kontrollzentrum kamen Bedenken auf, daß es zu Beschädigungen kommen könnte. Daher wurden die Versuche nach Stunden abgebrochen. Am 28.05.2016 unternahm Jeffrey Williams einen neuen Versuch. Mit 25 kurzen Pressluftstößen, unterbrochen von längeren Pausen, gelang diesmal die Entfaltung. Gegen 20:10 UTC war die volle Größe erreicht. Nach einer kurzen Bestimmung des Status wurde dann der Druck weiter auf das Niveau der restlichen Raumstation erhöht. Für einige Tage wurden der Zustand des BEAM nun visuell und telemetrisch überwacht, bevor am 06.06.2016 Oleg Skripotschka als erster Raumfahrer das Modul betreten durfte. Für etwa zwei jahre sollte das Modul nun im praktischen Einsatz getestet werden, wobei die Verbindungsluke zur Raumstation aus Sicherheitsgründen die meiste Zeit geschlossen bleiben sollte. Von Interesse waren für die Ingenieure u.a. die Druck– und Temperaturwerte aus dem Inneren sowie die Strahlungsniveaus. Einige Monate nach der Inbetriebnahme gab die NASA bekannt, daß man die Pläne, BEAM nach Abschluß der Erprobung wieder von der ISS abzukoppeln, aufgegeben hatte. Das Modul sollte nun permanenter Bestandteil der ISS werden.
29Mai

Start von Kosmos 2516

Entlastung für das nach einer Serie von Ausfällen bis an seine Grenzen beanspruchte russische GLONASS Navigationssatellitensystem versprach der Start eines neuen Uragan-​M Satelliten am 29.05.2016 vom Kosmodrom Plesetsk. Der Zustand des GLONASS war zu diesem Zeitpunkt so schlecht, daß versucht wurde, selbst längst aufgegebene Satelliten wieder wenigstens teilweise in Betrieb zu nehmen. Andere mußten die Bahnebene wechseln, um drohende größere Lücken zu schließen. Noch 2015 hatte die Situation so gut ausgesehen, daß man entschieden hatte, eigentlich fest eingeplante Starts auf unbestimmte Zeit aufzuschieben. Nun lieferten zeitweise nur noch 22 statt der eigentlich benötigten 24 Satelliten brauchbare Daten. Nach dem Start von Kosmos 2514 Anfang Februar 2016 sollte nun Kosmos 2516 für etwas Entlastung sorgen. Der eigentlich für den 22.05.2016 geplante Start verzögerte sich noch auf den 29.05.2016, doch dann beförderte die Sojus-2.1b 14A14 mit Fregat-​M 14S44 Bugsierstufe ihre Nutzlast fehlerfrei auf den vorgesehenen Orbit. Dort ausgesetzt, manövrierte Kosmos 2516 auf seine Arbeitsposition auf Bahnebene 2 (Slot 11). Am 27.06.2016 löste er dort im operativen Betrieb Glonass M723 (Kosmos 2436) ab.
30Mai

Ausstoßen von Flock 2e-5 und Flock 2e-6 aus dem NRCSD 8

Nochmals zwei Flock 2e Erderkundungssatelliten für die Planet Labs Inc. wurden am 30.05.2016 um 11:40 UTC aus dem Nanoracks CubeSat Deployer (NRCSD) der Internationalen Raumstation ausgestoßen. Flock 2e-​5 und Flock 2e-​6 gehörten zu dem Dutzend baugleicher Satelliten, die Anfang Dezember 2015 mit dem „Cygnus“ CRS-​4 Versorger auf der ISS eingetroffen waren. Innerhalb von zwei Wochen (zwischen dem 17.05. und dem 01.06.2016) wurden sie aus NRCSD 7 bzw. NRCSD 8 „abgeschossen“.
30Mai

Start von Ziyuan III 02

eine der ersten Aufnahmen von ZY-3 02

Vom insbesondere zum Start von Nutzlasten auf polare Bahnen genutzten Raumfahrtgelände Taiyuan hob am 30.05.2016 eine CZ-​4B Rakete mit dem zweiten Ziyuan 3 Erderkundungssatelliten ab. Diese Satelliten waren die ersten definitiv zivil genutzten Satelliten in China, die hochauflösende stereoskopische Aufnahmen liefern konnten. Insgesamt drei panchromatische Kameras waren auf dem Satelliten in Flugrichtung ausgerichtet. Eine Kamera zeigte direkt nach unten, die beiden anderen waren jeweils 22° nach vorn bzw. hinten geneigt montiert. Bei einer Schwadbreite von 51 km konnten so stereoskopische Aufnahmen mit 2,1 m Auflösung im Nadir bzw. 2,6 m für die beiden anderen Kameras gewonnen werden. Gegenüber der vorangegangenen Mission hatte sich letzterer Wert von seinerzeit 3,5 m gesteigert. Die gewonnenen Aufnahmen sollten vor allem die Grundlage für hochwertiges Kartenmaterial im typischen Maßstab 1:50.000 bzw. 1:25.000 liefern. Zu der Three-​Line Array Mapping Camera kam noch ein 4-​Kanal Multispektral-​Imager hinzu, der auch im nahen Infrarot-​Spektrum empfindlich war. Dieses Instrument erreichte mit 5,8 m ebenfalls eine sehr gute Auflösung. Als Betreiber des ZY-​3 02 Satelliten wurde das Satellite Surveying and Mapping Application Center (SASMAC) genannt.
Neben dem Ziyuan Satelliten beförderte die Trägerrakete noch zwei kleine argentinische Erderkundungssatelliten auf ihre sonnensynchronen 500 km Bahnen. Insgesamt sechs (perspektivisch bis zu fünfundzwanzig) ÑuSat Satelliten sollten die Aleph 1 Konstellation bilden. Das argentinische Unternehmen Satellogic S.A. baute bei den Satelliten auf den Erfahrungen auf, die es 2014 mit BugSat 1 hatte sammeln können. Die Satelliten verfügten über ein Sensorsystem für multispektrale Echtzeit Bild– und Video-​Aufnahmen, dessen Optik eine ausgezeichnete Auflösung von 1 m erreichen sollte. Aufnahmen mit einem Hyperspektral-​Imager sollten immerhin 30 m Auflösung erreichen. Und im thermischen Infrarot 90 m. Im Gegensatz zu seinem Zwilling ÑuSat 2 (Aleph 12 „Batata“) verfügte ÑuSat 1 (Aleph 11 „Fresco“) zusätzlich über einen einfachen Amateurfunktransponder der AMSAT Argentina (AMSAT-​LU). Die Namen der beiden Satelliten bezogen sich übrigens auf ein beliebtes argentinisches Gericht. „Fresco y Batata“ bezeichnen Süßkartoffeln mit Frischkäse…
31Mai
Zwei weitere Flock 2 Satelliten, Flock 2e-​7 und Flock 2e-​8, wurden am 31.05.2016 um 00:45 UTC aus dem Nanoracks NRCSD 8 Startcontainer ausgestoßen. Die Satellitenkonstellation der Planet Labs Inc. wuchs innerhalb weniger Tage um acht Exemplare, jeweils vier der Flock 2e Generation und vier der Flock 2e′ Serie.
31Mai
Einen betriebsamen Tag erlebte die ISS Besatzung am 31.05.2016 allein mit dem Ausstzen von vier Paaren von Flock 2 Erderkundungssatelliten. Nach dem Auftakt mit zwei Flock 2e um 00:45 UTC folgten um 04:00 UTC zwei Flock 2e′. Konkret handelte es sich um Flock 2e′-5 und Flock 2e′-6, wie ihre Vorgänger CubeSats im 3U Format und ausgerüstet mit einem optischen System der neuesten Generation.