Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-05-25T06:16:50+02:00

Oktober 2016.

5Oktober

New Shepard In-flight Escape Test

Nach einer Serie von fünf erfolgreichen ballistischen Testflügen seines „New Shepard“ Systems auf jeweils rund 100 km Höhe und der anschließenden Fallschirmlandung der Kapsel und Vertikallandung der Rakete (letzteres beim ersten Versuch fehlgeschlagen) herrschte beim US Unternehmen Blue Origin ein solides Vertrauen in das Design. Da das erklärte Ziel ja touristische Flüge mit dem „New Shepard“ System waren, stand als nächster Meilenstein ein Test des Abbruchszenarios für den Fall einer Fehlfunktion an. Am 05.10.2016 hob die bereits viermal zuvor geflogene „New Shepard“ 2 Kombination zu ihrem erklärtermaßen letzten Einsatz vom Blue Origin Testgelände auf der Corn Ranch in Culberson County (Texas) ab. Man ging davon aus, daß bei Zündung der Fluchttriebwerke der Kapsel Kräfte auf die Booster-​Stufe wirken würden, die deren Autopilot nicht kompensieren könnte. Als bei T+45 s in 4.893 m Höhe der Flugabbruch ausgelöst wurde, verblüffte die Reaktion des Systems jedoch die Ingenieure. Die Kapsel stieg erwartungsgemäß noch bis auf 7.092 m Höhe, stabilisierte sich nach einigen wilden Taumelbewegungen und landete schließlich sicher am Fallschirm. Doch auch die Rakete pendelte rasch aus und setzte ihren vertikalen Aufstieg bis auf immerhin noch 93.713 m Höhe fort. Dann begann der Rücksturz zur Erde, der mit einer perfekten kontrollierten Landung unter dem Schub des Triebwerks nach 7:29 min endete.
Blue Origin Gründer Jeff Bezos hatte vor dem Test bereits angekündigt, daß der Booster, sollte er wider Erwarten unversehrt zur Erde zurückkehren, einen Ehrenplatz im Firmenmuseum erhalten würde. Neben der Kapsel. Entsprechend war der Jubel nach dem rundum geglückten Flug.
5Oktober

Start der Ariane-5ECA VA231

GSat 18 bei der Vorbereitung auf die Betankung

Sky Muster II vor der Auslieferung nach Kourou

Ende September 2016 liefen in Französisch Guyana die letzten Vorbereitungen zum Start einer weiteren Ariane-​5ECA. Die Nutzlastpaarung bestand diesmal aus dem australischen Sky Muster II alias NBN-​Co 1B und dem indischen GSat 18. Eine erster Startversuch wurde am 04.10.2016 bereits in einer frühen Phase des Countdowns abgebrochen, da die Höhenwinde an diesem Tag zu stark wehten. Nach einer Neuansetzung für den 05.10.2016 verlief der Start dann aber problemlos. Vor allem in Indien sorgte der Erfolg für Erleichterung, wartete man dort doch schon seit Monaten auf den Start von GSat 18. Dieser war Ende Mai 2016 nach Kourou geliefert und auf seinen Start vorbereitet worden. Doch bei seinem Partner für die Ariane Mission VA231 stellten die Techniker bei der Ankunft in Kourou schwere Transportschäden fest, woraufhin er zurück zum Hersteller geschickt werden mußte. Da für den beschädigten Superbird 8 so schnell kein Ersatz gefunden werden konnte, flog Arianespace zunächst die VA232 Mission mit zwei Nutzlasten für den Betreiber Intelsat. Das erforderte in Kourou ein hin und her rangieren zwischen BAF (Bâtiment d’Assemblage Final), ZL (Zone de Lancement) und BIL (Bâtiment d’Intégration Lanceur) der für die beiden Missionen vorbereiteten Ariane Raketen. Dann stand mit dem zweiten australischen NBN (National Broadband Network) Satelliten auch eine passende Hauptnutzlast für die VA231 zur Verfügung und die Vorbereitungen zu ihrem Start wurden wieder aufgenommen.
Sky Muster II war Anfang 2012 gemeinsam mit seinem Zwillingssatelliten von der NBN Co Limited bei Space/​Systems Loral bestellt worden. Das Staatsunternehmen NBN Co Limited war gegründet worden, um der Bevölkerung Australiens (einschließlich der vorgelagerten Inseln und exterritorialer Gebiete) flächendeckend Zugang zu Breitband-​Internet (mit etwa 25 Mbps) zu ermöglichen. Neben Glasfaser und Wireless-​Technologien sollten die beiden Satelliten dabei eine bedeutende Rolle spielen. Ausgerüstet waren sie dafür mit einer leistungsfähigen Kommunikationsnutzlast von je 202 Ka-​Band Transpondern. Sie konnten etwa 240.000 Menschen von der (australischen) Weihnachtsinsel im Indischen Ozean bis zur Macquarieinsel vor der Küste der Antarktis mit Long-​Term Satellite Service (LTSS) versorgen. Sky Muster II sollte dazu über 145° Ost stationiert werden.
Die ISRO wollte mit GSat 18 hingegen die Kontinuität der Versorgung der indischen Bevölkerung mit TV– und Telekommunikationsangeboten sicherstellen, Digital Satellite News Gathering (DSNG) — also die Berichterstattung der Medien mittels mobiler Sendeeinheiten via Satellit ermöglichen und Kapazitäten für VSAT (Very Small Aperture Terminal) Datenübertragungen bereitstellen. Dazu war der auf dem I-​3K Bus basierende Satellit mit einer Kombination aus 24 Transpondern für das C-​Band und 12 für das obere (erweiterte) C-​Band ausgerüstet, ergänzt um 12 Ku-​Band Transponder. Dazu kamen noch zwei Ku-​Band Baken (zur exakten Ausrichtung der Antennen am Boden). Stationiert wurde der Satellit über 74° Ost.
Nach den Ariane Missionen VA223 und VA229 diente auch der VA231 Flug nochmal dem DEMOFLIGHT Programm, bei dem Daten für die Entwicklung der kommenden Ariane 6 gesammelt werden sollten. Vor allem ging es um die Rahmenbedingungen beim Wiederstart des neuen „Vinci“ Oberstufentriebwerks. Dazu wurden im Laufe einer ausgedehnten ballistischen Flugphase Informationen hinsichtlich der thermodynamischen Verhältnisse in den Treibstofftanks, zur Vorkühlung des Triebwerks und Sammlung des Treibstoffs am Tankboden erhoben.
16Oktober

Start von Shenzhou 11

Wechsel der Shenzhou 11 Besatzung in die Tiangong 2 Station

Aufnahme des Tiangong 2 / Shenzhou 11 Komplexes durch BX-2

Bergungsoperationen an der Shenzhou 11 Landestelle

die Shenzhou 11 Kapsel nach der Landung

Nach einer mehr als dreijährigen Pause startete China am 16.10.2016 um 23:31 UTC wieder ein bemanntes Shenzhou Raumschiff. Damit begann vier Wochen nach dem Start der zweiten chinesischen Raumstation Tiangong 2, was im Vorfeld als die einzige bemannte Mission zu dieser angekündigt worden war. Erst wenige Stunden bevor die CZ-​2F/​G Rakete vom Raumfahrtgelände Jiuquan abhob waren die beiden Shenzhou 11 Besatzungsmitglieder der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Überraschenderweise war als Kommandant Jing Haipeng ausgewählt worden, der bereits auf zwei andere Missionen zurückblicken konnte. Ihm zur Seite stand der Raumfahrtneuling Chen Dong. Offenbar weil diesmal ein 30-​tägiger Aufenthalt in der kleinen Raumstation geplant war, blieb der dritte Sitz der Shenzhou unbesetzt. Denn insbesondere beim Start von Tiangong 2 hatte man die letzten Leistungsreserven der CZ-​2F/​T mobilisieren müssen. Einen Teil der benötigten Vorräte brachten daher die beiden Raumfahrer in ihrem Raumschiff mit. Nach mehreren Bahnmanövern näherte sich Shenzhou 11 am 18.10.2016 im automatischen Regime der Raumstation. Das Docking in knapp 400 km Höhe fand am 18.10.2016 um 19:24 UTC statt. Nach gründlicher Prüfung aller Parameter, dem Auffüllen der Luftschleuse mit Atemluftgemisch und dem Druckausgleich zwischen den Raumschiffen konnten die beiden Raumfahrer in die Station hinüber wechseln. Dort begann sie ein multidisziplinäres Forschungsprogramm. Nach den Erfahrungen mit dem ersten Tiangong Raumlabor waren im Detail eine Vielzahl von Verbesserungen bei dessen Nachfolger verwirklicht worden. Diese mußten sich nun in der Praxis beweisen. Mehr Bedeutung kam diesmal auch dem Fitnesstraining der Taikonauten zu. Daher war neben einem kompakten Fahrradergometer auch ein Laufband installiert, dessen Nutzung sich aber als unerwartet schwierig erwies. Jedenfalls im Vergleich zu einer ähnlichen Installation auf der ISS. Aber auch beispielsweise biologische, raumfahrtmedizinische und technologische Experimente standen auf dem Flugplan. So wurden Seidenraupen und in einem Mini-​Gewächshaus Pflanzen gezüchtet. Interessant waren auch Versuche zur Steuerung eines im Inneren des Labors montierten Manipulatorarms über einen Datenhandschuh. Am 22.10.2016 wurde zudem ein kleiner Subsatellit von Tiangong 2 ausgestoßen. Dieser BanXing 2, spöttisch auch als „Selfie Stick“ bezeichnet, verfügte neben einer 25 Megapixel Kamera über eine zusätzliche Infrarot-​Kamera mit Fischaugen-​Optik. Der Satellit manövrierte im Umfeld der Raumstation und übertrug detaillierte Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln. Am 17.11.2016 hatten Jing und Chen ihre Mission auf Tiangong 2 abgeschlossen und dockten um 04:41 UTC wieder von der Station ab. Ihre sichere Landung nach gut 32 Tagen (774:29 h) im All erfolgte am 17.11.2016 um 05:59 UTC in der Inneren Mongolei, allerdings mit über 100 km Abstand zum vorausberechneten Punkt. Live Bilder von der Landung gab es daher nicht, die Bergungsmannschaften brauchten zudem einige Zeit, um ihre Ausrüstung zu der Kapsel zu verlegen. Doch auch solche Situationen waren ja immer wieder trainiert worden. Da Jing und Chen aus der auf der Seite liegenden Kapsel meldeten, daß sie die Landung unversehrt überstanden hatten, konnte ihre Evakuierung ohne Hast angegangen werden, sobald die Ausrüstung bereit stand. Tatsächlich war die Landung, wie Luftbilder zeigten, wohl nicht sehr sanft verlaufen. Bei kräftigem Wind war die Kapsel vom Fallschirm noch einige Dutzend Meter durch die Steppe geschleift worden, bevor sie endlich zur Ruhe kam. Auch wurde später bekannt, daß die Landung in unmittelbarer Nähe zu einer Windkraftanlage erfolgt war. Wichtiger als diese kleinen „Schönheitsfehler“ war aber, daß nicht nur die Mission insgesamt erfolgreich verlaufen war, sondern sich die beiden Raumfahrer auch in gutem gesundheitlichen Zustand zeigten. Schließlich plante China in wenigen Jahren den Aufbau einer modularen Raumstation nach dem Vorbild der sowjetischen Mir. Dazu paßte die wenige Tage später veröffentlichte Meldung, wonach im Jahr 2017 eine neue Bewerbungsrunde für die nächste Raumfahrerklasse eröffnet werden würde, zu der erstmals auch zivile Spezialisten zugelassen werden sollten.
17Oktober

die Antares-230 mit der Cygnus CRS-5 in der Morgendämmerung

SS „Alan Poindexter“ am Canadarm2 der ISS

v.l.n.r.: Cygnus OA-5, Sojus MS-01 und Progress MS-03 angedockt an der ISS

Nach dem Fehlstart seiner ersten Antares-​130 Rakete mit einem „Cygnus“ Frachtraumschiff auf der dritten kommerziellen Mission zur ISS hatte Orbital ATK Alternativen suchen müssen, seinen vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der NASA gerecht zu werden. Recht schnell fiel die Entscheidung, keine weiteren Starts mit einem von aufgearbeiteten russischen NK-​33 Triebwerken angetriebenen Antares-​Modell zu unternehmen. Bei der Suche nach Alternativen konnte man aber wieder nur auf russische Antriebe zurückgreifen. Die US Industrie hatte kein geeignetes Triebwerk in Produktion. Und eine Neuentwicklung hätte viel zu lange gedauert. Schließlich fiel die Wahl auf das RD-​181, eine weitere Variante des einst für die Energia 11K25 entwickelten RD-​170. Als vorteilhaft erwies sich dabei, daß NPO Energomasch bereits ein RD-​193 konzipiert hatte, das als Ersatz für das NK-​33 in der Sojus-2.1w 14A15 vorgesehen war. Leicht modifiziert eignete es sich auch für die Antares. Doch zunächst mußten die nächsten beiden „Cygnus“ auf Atlas V Mod. 401 fliegen. Im Frühsommer 2016 war dann endlich die erste „remotorisierte“ Antares-​230 bereit für einen „hot-​fire“ Test auf dem reparierten MARS LP-​0A Startkomplex von Wallops Island. Nach einigen Verzögerungen gelang die Testzündung am 31.05.2016. Zu diesem Zeitpunkt war der Start der nächsten „Cygnus“ Mission auf einer Antares-​230 für Anfang Juli 2016 geplant. Doch bei der Auswertung der Daten des Tests stieß man auf einige Probleme. Kopfzerbrechen bereiteten wohl vor allem unerwartete Vibrationen. Eine Verschiebung des Starttermins um sechs Wochen erwies sich als nicht ausreichend, um alle offenen Fragen zu lösen. Schließlich konnte aber ein Start in der ersten Häfte des Oktober 2016 angesetzt werden. Nach einigen unvermeidlichen Verschiebungen (zuletzt wetterbedingt und wegen eines defekten Kabels am Startkomplex) wurde daraus schließlich der 17.10.2016 um 23:46 UTC. Zur großen Erleichterung nicht nur bei Orbital ATK erreichte die Cygnus OA-​5 SS „Alan Poindexter“ ohne Zwischenfälle die vorgesehene Parkbahn. 2.342 kg Versorgungsgüter in der der „enhanced“ Cygnus-​PCM waren damit auf dem Weg zur ISS. Aber auch vier Lemur 2 Satelliten in externen NanoRacks NRCSD-​E Startcontainern wurden transportiert. Sie sollten kurz vor dem Ende der Mission ausgestoßen werden, wozu die „Cygnus“ erstmals einen Orbit deutlich über dem der ISS ansteuern würde. Am 23.10.2016 um 14:53 UTC war das Berthing des Frachtraumschiffs am „Unity“ Modul vollzogen. Hier verblieb die SS „Alan Poindexter“ bis zum 21.11.2016. Gegen 11:25 UTC erfolgte das Unberthing und um 13:22 UTC gab der Canadarm2 der Station das Raumschiff wieder frei. Am 25.11.2016 hatte die „Cygnus“ dann die vorgesehene 500 km Kreisbahn erreicht, auf der die vier Lemur 2 Satelliten ausgestoßen werden sollten. Ihr Betreiber, das US Unternehmen Spire Global Inc., plante den Aufbau einer umfangreichen Konstellation derartiger mit einer GPS Okkultations-​Nutzlast und einem AIS Empfänger ausgestatteten Satelliten. Typischerweise erreichten von der ISS ausgesetzte CubeSats jedoch nur eine Lebensdauer von einem dreiviertel Jahr. Dank des höheren Orbits der „Cygnus“ erwartete man nun einen bis zu zweijährigen Betrieb. Der problemlose Start der beiden Lemur 2 Paare am 25.11.2016 legte dafür jedenfalls einen guten Grundstein.
19Oktober

Aufnahme des EDM Trümmerfelds mit der HiRISE Kamera des MRO

Planmäßig erreichte die am 14.03.2016 in Baikonur gestartete europäische Raumsonde TGO (Trace Gas Orbiter) Mitte Oktober 2016 ihr Ziel, den Planeten Mars. Hier sollte sie eine Mission beginnen, deren Schwerpunkt in der langfristigen Untersuchung der Atmosphäre des Planeten lag. Mehr Beachtung fand allerdings der Test des EDM (Entry, Descent and Landing Demonstrator Module) „Schiaparelli“. Mit diesem sollten Erfahrungen im Hinblick auf die für 2018 geplante Landung eines Rovers auf dem Mars gesammelt werden. Auch wollte man beim Abstieg grundlegende Daten zur Atmosphäre gewinnen, die für die endgültige Auslegung des großen Landers benötigt wurden. Trotz einer Kooperation mit den USA und Rußland mußten die ESA Ingenieure und Wissenschaftler nämlich den Lander weitgehend neu entwerfen, ohne auf eigene Erfahrungen zurückgreifen zu können. Obwohl der kleine batteriebetriebene Lander bestenfalls wenige Tage Meßdaten von der Oberfläche des Planeten übermitteln würde, fokussierte sich das Interesse von Medien und Öffentlichkeit auf diesen Teil der Mission. Während der TGO am 19.10.2016 noch abbremste, um in einen vorläufigen Marsorbit einzuschwenken, trat das EDM um 14:42 UTC in die Atmosphäre des Planeten ein. Eine Minute später wurde der Bremsschirm ausgeworfen und knapp eine weitere Minute darauf der Hitzeschild abgetrennt. Bis dahin war die Mission, abgesehen von Kommunikationsproblemen, nach Plan verlaufen. Doch wenig später brach der Kontakt zu dem Lander ab. Während die ESA offiziell noch Hoffnung verbreitete, eventuell doch noch Signale des Landers von der Marsoberfläche empfangen zu können, deuteten die letzten empfangenen Telemetriefragmente in eine andere Richtung. Fünf Wochen später waren die Ereignisse beim Eintritt in die Atmosphäre weitgehend geklärt. Demnach geriet der Lander rasch in eine unerwartet schnelle Rotation gekoppelt mit heftigen Pendelbewegungen. Die von den Sensoren, insbesondere von der IMU in Ergänzung zum Radarhöhenmesser, gelieferten Werte überschritten den angenommenen Wertebereich und konnten von der Software nicht mehr korrekt interpretiert werden. Etwa für die Dauer einer Sekunde waren keine verläßlichen Höhenwerte verfügbar. Die Werte ergaben gar eine negative Höhe, woraufhin der Fallschirm abgeworfen wurde. Tatsächlich war der Lander da noch etwa 4,3 km über Grund. Auch die Bremstriebwerke zündeten kurz, jedoch 3,7 km über dem Boden und damit in viel zu großer Höhe. Außerdem stellte der Computer sie schon nach 3 Sekunden wieder ab. Am 19.10.2016 um 14:47:26 UTC schlug das EDM mit etwa 540 kmh1 auf der Marsoberfläche auf. Präzise im Zentrum der vorgegebenen Landeellipse…
In einer für sie typischen Form unglücklicher Öffentlichkeitsarbeit versuchte die ESA, den offenkundigen Mißerfolg als gelungenen technologischen Test zu verkaufen. Betont wurde die große Datenmenge, die vor dem Abbruch des Kontakts noch empfangen worden war. Dennoch waren die Kommentare in den Medien überwiegend vernichtend. Dazu kam, daß die ESA mittlerweile den Starttermin des großen Landers/​Rovers auf 2020 hatte verschieben müssen und (nicht zum ersten Mal bei diesem Projekt) sich in der Finanzierung große Lücken aufgetan hatten.
19Oktober

Start der Sojus MS-02

In der letzten Phase der Startvorbereitungen der nächsten Sojus-​Mission zur ISS stellten die Techniker einen Schaden am Sojus MS-​02 Raumschiff fest, mit dem am 23.09.2016 der Kern der Expedition 50 Mannschaft zur ISS fliegen sollte. Am 17.09.2016 mußte die russische Raumfahrtorganisation Roskosmos daher die Verschiebung des Starts auf zunächst unbestimmte Zeit bekanntgeben. Als Grund wurden lediglich „technische Gründe“ benannt. Doch aus industrienahen Kreisen verlautete, daß ein Kurzschluß an einem Kabelbaum in der Landesektion entdeckt worden war. Oder zumindest eine beschädigte Isolierung, die die Gefahr eines Kurzschlusses in sich barg. Statt die nächste Sojus für diese Mission vorzuziehen, entschieden sich Roskosmos und der Hersteller des Raumschiffs, RKK Energija, für eine Reparatur. Dafür mußte die Sojus №732 wieder aus der Nutzlastverkleidung herausgezogen werden. Eigentlich erlaubten die Sicherheitsvorschriften die nun folgenden Arbeiten nur an einem enttankten und passivierten Raumschiff. Doch nach genauer Abwägung entschied man sich dafür, den defekten Kabelbaum am betankten und mit technischen Gasen befüllten Raumschiff zu tauschen. Das reduzierte den Aufwand zu Wiederherstellung der Startbereitschaft. Dennoch verzögerte sich der Start von Sojus MS-​02 um fast einen Monat. Die Sojus-​FG 11A511U-​FG mit dem Raumschiff hob am 19.10.2016 um 08:05 UTC von Baikonur ab. An Bord befanden sich als Kommandant der Raumfahrtneuling Sergej Ryschikow sowie die beiden Bordingenieure Andrej Borisenko und Robert Kimbrough, die jeweils bereits auf einen Raumflug zurückblicken konnten. Innerhalb von zwei Tagen näherte sich die Sojus der Internationalen Raumstation und dockte am 21.10.2016 um 09:59 UTC am „Poisk“ Modul an. Wenig später schwebten die drei Raumfahrer in ihr neues Zuhause und verstärkten für die nächsten eineinhalb Wochen die Expedition 49. Aufgrund des verspäteten Starts würde sich ihr Aufenthalt allerdings auf etwa vier Monate verkürzen. Doch dann verzögerte sich die Sojus MS-​04 Mission und man verlängerte den Sojus MS-​02 Flug wieder.
30Oktober

Sojus MS-01 unmittelbar nach der Landung in der Steppe

Nachdem ihre Nachfolger am 21.10.2016 auf der ISS eingetroffen waren, blieb den Mitgliedern der ISS Expedition 49 nur wenig Zeit, ihre Verstärkung und zugleich Nachfolger einzuarbeiten. Technische Probleme hatten den Start von Sojus MS-​02 fast einen Monat verzögert. Um die Auswirkungen auf den Gesamtflugplan der ISS gering zu halten, hatten sich die beteiligten Raumfahrtorganisationen jedoch darauf verständigt, die nachfolgenden Missionen im ursprünglichen Zeitrahmen zu halten. Und so kehrten Sojus– und ISS-​Kommandant Anatoli Iwanischin, Takuya Ōnishi und Kathleen Rubins am 30.10.2016 zur Erde zurück. Um 00:35 UTC koppelten sie mit ihrem Sojus MS-​01 Raumschiff von der Raumstation ab. Dem üblichen Prozedere folgend manövrierte das Raumschiff zunächst auf einen Sicherheitsabstand zur ISS, bevor der Wiedereintritt eingeleitet wurde. Die Landung nach einem vergleichsweise kurzen Flug von 115 Tagen (2.762:22 h) erfolgte am 30.10.2016 um 03:59 UTC etwa 148 km südöstlich von Scheskasgan. Unmittelbar darauf trafen die Bergungsmannschaften ein, sicherten das Raumschiff und halfen der Crew beim Ausstieg.