Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-05-25T06:16:50+02:00

September 2016.

1September

die Nutzlastverkleidung mit AMOS 6

AMOS 6 bei Antennentests

SpaceX Explosion beim Static Fire für AMOS 6

Nachdem sich das US Unternehmen SpaceX inzwischen zu einem respektablen Dienstleister im Raumfahrtgeschäft entwickelt hatte, begannen die Starts der Falcon-​9 Rakete in den Jahren 2015/16 allmählich Routine zu werden. Starttermine konnten in überschaubarem Rahmen mittlerweile auch im Vergleich mit Mitbewerbern gut eingehalten werden. Allerdings hatte SpaceX inzwischen so viele Aufträge in den Büchern stehen, daß die Kapazitäten vor allem in Florida nicht mehr ausreichten. Erst die für den Herbst 2016 erwartete Fertigstellung des früheren Saturn V und Space Shuttle Startkomplexes LC-​39A versprach eine spürbare Entlastung. Einen Dämpfer erhielten diese Entwicklungen im Juni 2015, als eine Falcon-​9 v1.1 zerstört wurde, als bei T+ 139 s vermutlich eine Strebe im Inneren eines Tanks versagte, woraufhin sich ein Heliumdruckgastank losriß. Nach rund einem halben Jahr Zwangspause wurden Ende 2015 die Starts wieder aufgenommen. Vor allem das nochmal leistunggesteigerte Falcon-​9 v1.2 Modell schien nun endlich alle Erwartungen zu erfüllen. Mehrere erfolgreiche Landungen der Falcon-​9 Erststufen setzten die Wettbewerber national wie international unter Druck, sich ebenfalls dem Thema Wiederverwendung zuzuwenden. Auch wenn SpaceX den Nachweis der Wirtschaftlichkeit seines Konzepts noch nicht erbracht hatte. Doch mit dem großen Flottenbetreiber SES hatte man am 30.08.2016 einen Kunden gefunden, der seinen SES 10 Satelliten einer bereits einmal geflogenen Falcon-​9 Erststufe anvertrauen wollte. Einen Tag später schlug das Schicksal zu…
Auf LC-​40 liefen an diesem 01.09.2016 die Vorbereitungen für einen sogenannten „Hotfire-​Test“ der nächsten Falcon-​9 v1.2. Im Gegensatz zu anderen Raketen, bei denen wenn überhaupt vor dem Start nur ein Betankungstest („Wet Dress Rehersal“) unternommen wird, zündet SpaceX in Vorbereitung jeder Mission die Erststufe nochmal für einige Sekunden auf der Startrampe. Anfangs wurde nach einem solchen Probelauf die Rakete wieder in die Horizontale gebracht und erst dann die Nutzlast aufgesetzt. Seit 2016 bevorzugte SpaceX zur Beschleunigung der Abläufe den Testlauf mit komplett integrierter Rakete, einschließlich der Nutzlast. Dem Kunden stand jedoch frei, sich anders zu entscheiden. Der Eigner des AMOS 6 Satelliten, die israelische Spacecom Ltd., hatte jedoch keine Einwände. Ohnehin stand das Unternehmen unter großem Druck, seinen neuesten Satelliten betriebsbereit zu bekommen. Der bereits jenseits seiner Auslegungsbetriebsdauer operierende AMOS 2 mußte dringend abgelöst werden. Ein von ISS Reschetnjow in Rußland bezogener Satellit, AMOS 5, war nach nur vier Jahren vorzeitig ausgefallen. Das Unternehmen befand sich in einer sehr angespannten finanziellen Lage. Rettung versprach die Übernahme durch die chinesische Beijing Xinwei Technology Group Co. Ltd. — nach der erfolgreichen Inbetriebnahme von AMOS 6.
Auch wenn die Einführung superkalter Treibstoffe bei der Falcon-​9 v1.2 sich im Handling als nicht eben unkompliziert erwiesen hatte, schien der Umgang nun allmählich Routine zu werden. Diese Annahme sollte sich am 01.09.2016 als Irrtum erweisen. Während der Betankung der zweiten Stufe kam es unvermittelt zu einer Explosion, die zunächst die Oberstufe zerriß. Das folgende Feuer und weitere Explosionen zerstörten die Rakete mit ihrer Nutzlast komplett und verursachten schwere Schäden am Startkomplex. Bei SpaceX stand man zunächst vor einem Rätsel, was das Unglück verursacht haben könnte. Da sich die entscheidenden Ereignisse in nur wenigen Millisekunden entwickelt hatten, waren auch aus der Telemetrie die Abläufe nur unvollständig zu rekonstruieren. Die unterschiedlichsten Theorien fanden Verbreitung, bis hin zum Beschuß der Rakete mit einem großkalibrigen Scharfschützengewehr. Letztlich konzentrierten sich die Untersuchungen aber auf physikalische Vorgänge an den extrem tiefgekühlten COPV (Composite Overwrapped Pressure Vessels) Heliumtanks im Inneren des Sauerstofftanks. Unter gewissen Druck– und Temperaturbedingungen und bei bestimmten Helium-​Betankungsprozeduren konnte das Versagen der COPVs auf dem Teststand schließlich provoziert werden. Neben konstruktiven Änderungen (die Montage von Helium-​Drucktanks im Inneren des Oxidatortanks galt bei der NASA und anderen Raketenherstellern seit Jahren als Irrweg) resultierten aus dem Unglück vor allem prozedurale Änderungen. Obwohl bis zur Wiederaufnahme der Falcon-​Starts keine fünf Monate vergingen (nach einem so schweren Zwischenfall eine sehr kurze Zeitspanne), setzte die Explosion SpaceX doch unter massiven Druck. Und aufgrund der Zerstörungen am Startkomplex 40 rückten die Hoffnungen auf eine Abarbeitung des Backlogs in weite Ferne.
1September

Jeffrey Williams bei der EVA am 01.09.2016

Kathleen Rubins (links) und Jeffrey Williams bei ihrer EVA am 01.09.2016

Jeffrey Williams portraitiert während seiner EVA am 01.09.2016

Die beiden US Astronauten Jeffrey Williams und Kathleen Rubins unternahmen am 01.09.2016 planmäßig ein Außenbordmanöver zur technischen Wartung der Internationalen Raumstation. Nach dem Ausstieg aus der Luftschleuse bewegten sie sich hauptsächlich auf der Backbord-​Seite der ISS wo sie einen nicht mehr benötigten Radiator des Thermoregulierungssystems einholen sollten. Dieser TTCR (Trailing Thermal Control Radiator) war 2012 wieder aktiviert worden, weil im primären Ammoniak-​Kühlkreislauf ein zunächst nicht zu lokalisierendes Leck entdeckt worden war. Daraufhin wurde der Radiator des Photovoltaic Thermal Control System (PVTCS) am P6 Truss abgeschiebert und der noch aus der Ausbauphase der ISS stammende TTCR wieder aktiviert. Nachdem schließlich eine defekte Kühlmittelpumpe als Ursache der Leckage entdeckt und ersetzt worden war, unternahmen die Astronauten Scott Kelly und Kjell Lindgren im November 2015 den Versuch, die reguläre Konfiguration wieder herzustellen. Dazu mußten einige Ammoniak-​Leitungen neu angeschlossen und schließlich der TTCR wieder eingefaltet werden. Unmittelbar bevor dieser aber in der eingefahrenen Position gesichert werden konnte, drohte unerwartet die Sättigung der Gyroskope (Control Moment Gyros) der ISS. Die ISS begann aus ihrer Lage zu driften und eine Triebwerkszündung war dringend geraten, verbot sich aber während der laufenden EVA. Kelly und Williams erhielten daraufhin die Anweisung, den TTCR wieder auszufahren und ihren Ausstieg schnellstmöglich, aber geordnet, zu beenden. Nun war es an Williams und Rubins den TTCR per Kurbelantrieb einzufahren und zu sichern. Weiterhin zogen sie die Schrauben an den Streben der Alpha Joint Interface Structure (AJIS) nach und kontrollierten die Schmierung des Backbord Solar Alpha Rotary Joint (SARJ). An einer Kamera mußte zudem das Flutlicht ersetzt werden. Ebenfalls an dieser Position wurde nun eine neue HD-​Kamera montiert. Da man gut in der Zeit lag, konnte noch eine zweite HD-​Kamera an einer anderen Position angeschlossen werden. Weitere kleinere Wartungsarbeiten wurden an der Multi-​Layer Insulation (MLI) des P6 Pump Flow and Control System (PFCS) und an der Bremse der Crew and Equipment Translation Aid (CETA) unternommen. Die rundum erfolgreiche EVA endete nach 6:48 h.
Die neuen HD-​Kameras, die zukünftig eine wesentlich bessere Bildqualität bei Außenbordmanövern, Manipulatorarm-​Einsätzen, Rendezvousmanövern etc. bieten sollten, lieferten bei ersten Tests eine ausgezeichnete Bildqualität. Leider gab es in der Folge immer wieder Verbindungsabbrüche.
2September

die entscheidende Aufnahme der „Philae“ Landestelle (ganz am Rand)

Detailvergrößerung von „Philae“ an der Landestelle

Wenige Wochen vor dem Ende der „Rosetta“ Mission am Kometen Tschurjumow-​Gerassimenko erfüllte sich den am Projekt beteiligten Wissenschaftlern noch ein Herzenswunsch. Im November 2014 war es leider nicht gelungen, den kleinen Lander „Philae“ sicher auf dem Kometen zu landen und dort so zu verankern, daß er von der Oberfläche für längere Zeit Meßdaten und Bilder übertragen konnte. Gleich mehrere Mechanismen, die trotz der extrem geringen Schwerkraft ein Abprallen verhindern sollten, hatten versagt. Weder Triebwerke noch Harpunen und „Schrauben“ konnten verhindern, daß „Philae“ nach einem ersten Bodenkontakt wieder abhob und erst nach mehreren Salti außerhalb der Zielregion zum Stillstand kam. Zwar übertrug der Lander einige Daten von der Oberfläche, doch konnte nur ein Teil der Experimente aktiviert werden. Die Sensordaten zeigten zudem, daß „Philae“ schräg auf nur zwei Beinen stand, offenbar an einen Felsen angelehnt und in dessen Schatten. Nach etwa 56 Stunden endete die Datenübertragung von der Kometenoberfläche, da die Akkus des Landers unter diesen Umständen kaum nachgeladen werden konnten. Die genaue Position von „Philae“ ließ sich bis dahin nicht bestimmen. Doch das Rosetta-​Team gab in seinen Bemühungen nicht auf. Zunächst bestand auch noch die vage Hoffnung, daß sich „Philae“ bei günstigerem Sonnenstand noch einmal melden würde. Tatsächlich konnten zwischen dem 13.06. und dem 09.07.2015 auch nochmals einige schwache Telemetriedaten aufgefangen werden. Mit dem für Ende September 2016 geplanten Ende der „Rosetta“ Mission verstärkten die Wissenschaftler dann ihre Bemühungen, das Rätsel um den Verbleib von „Philae“ zu lösen. Mittlerweile war man sich ziemlich sicher, daß der Lander in einem Gebiet von etwa 106×22 m zu finden sein mußte. Am 02.09.2016 gelang dann tatsächlich aus 2,7 km Entfernung mit der OSIRIS Kamera die entscheidende Aufnahme. Sie zeigte (ganz am Rand des Bildausschnitts) „Philae“ am Fuße einer Felsklippe, wie erwartet auf der Seite und im Schatten liegend.
8September

Transfer der GSLV-F05 vom VAB zum Startkomplex

INSAT 3DR im Clean Room

Nach einer langen Serie von Rückschlägen erreichte die indische GSLV Rakete in der GSLV Mk. II Konfiguration Mitte der 2010er Jahre endlich die Serientauglichkeit. Das äußerte sich auch in der Bezeichnung der Mission zum Start des meteorologischen Satelliten INSAT 3DR: GSLV-​F05. Es war die erste reguläre Mission (Flight) nach vorangegangenen D (Development) Flügen. Nach einigen Verzögerungen bei der Startvorbereitung hob die Rakete am 08.09.2016 zum festgesetzten Termin von Sriharikota ab. Problemlos beförderte sie INSAT 3DR auf den vorgesehenen geostationären Transferorbit. Aus diesem manövrierte der Satellit mit drei Zündungen seines Apogäumstriebwerks zwischen dem 09.09. und 11.09.2016 auf eine vorläufige geostationäre Bahn. Am 17.09.2016 übertrug der IR-​Imager des Satelliten seine erste Aufnahme ins Kontrollzentrum. Der Satellit war über 74° Ost als Ablösung für den erst 2013 gestarteten INSAT 3D vorgesehen. Dieser hatte nach dem Start Probleme beim Entfalten der Solarzellenfläche gehabt und konnte nur mit Mühe, vermutlich auch unter hohem Treibstoffverbrauch, wieder unter Kontrolle gebracht werden. Seine einst projektierte Lebensdauer von zehn Jahren würde er wohl nicht erreichen. Die Ausrüstung von INSAT 3DR entsprach der seines Vorgängers, wobei Verbesserungen im Detail vorgenommen worden waren (höhere Auflösung, genauere Bestimmung der Oberflächentemperatur des Meeres, bessere Eignung zur Gewinnung von nächtlichen Wolken– und Nebel-​Bildern). Sie umfaßte einen 19-​kanaligen Sounder und einen 6-​kanaligen Imager. Dazu kamen eine DRT (Data Relay Transponder) und SAR (Search and Rescue) Nutzlast.
8September

Start von OSIRIS-REx

OSIRIS-REx bei Tests

Im Rahmen des New Frontiers Programms hatte die NASA 2011 den Vorschlag für die OSIRIS-​REx Mission akzeptiert. Das NASA Goddard Space Flight Center übernahm die Koordination des Programms, Lockheed Martin Space Systems in Denver erhielt den Zuschlag zum Bau der Sonde. Die wissenschaftliche Leitung der Mission lag aber in den Händen der University of Arizona. Das dortige Lunar and Planetary Laboratory hatte die Origins, Spectral Interpretation, Resource Identification, Security – Regolith Explorer Mission ausgearbeitet, bei der erstmals größere Mengen an Probenmaterial von einem Asteroiden eingesammelt und zwecks Analyse zur Erde gebracht werden sollten. Als Ziel war (101955) Bennu gewählt worden, ein erdnaher Asteroid des weit verbreiteten C-​Typs von etwa 500 m Durchmesser. Der Start der Sonde erfolgte am 08.09.2016 mit einer Atlas V Mod. 411 von Cape Canaveral. Ein Jahr später, am 27.09.2017, war ein swing-​by Manöver an der Erde geplant, das OSIRIS-​REx auf einen Kurs zu Bennu beschleunigen sollte. Im August/​September 2018 war dann die Ankunft bei Bennu vorgesehen. Bis zum Jahresende 2018 sollte ein etwa 5 km hoher Orbit um den Asteroiden erreicht sein, aus dem dann die eigentliche Erkundungsmission aufgenommen werden würde. Dafür verfügte OSIRIS-​REx über eine Instrumentierung aus mehreren Kameras (OCAMSOSIRIS-​REx Camera Suite), Spektrometern (OVIRSOSIRIS-​REx Visible and IR Spectrometer und OTESOSIRIS-​REx Thermal Emission Spectrometer), einem Laser-​Altimeter (OLAOSIRIS-​REx Laser Altimeter) sowie einem Röntgenspektrometer (REXISRegolith X-​ray Imaging Spectrometer). Höhepunkt sollte aber die Probenentnahme mit der TAGSAM (Touch-​And-​Go Sample Acquisition Mechanism) Apparatur werden. Die Wissenschaftler hofften, mit diesem 3,35 m Ausleger quasi im Vorbeiflug mindestens 60 g (bestenfalls aber mehrere Kilogramm!) Gestein und einige Kubikzentimeter Staub aufzusammeln. Nach dem Rückstart zur Erde im März 2021 würden die Wissenschaftler aber noch bis zum September 2023 warten müssen, bis ihre Proben ähnlich wie bei der Stardust Mission im US Bundesstaat Utah per Fallschirm landeten.
13September

Start von Ofeq 11

Überraschend startete Israel am 13.09.2016 von der Luftwaffenbasis Palmachim an der Mittelmeerküste eine Shavit-​2 Rakete. Seit dem letzten Start eines israelischen Aufklärungssatelliten waren fast zweieinhalb Jahre vergangen. Wobei es sich bei Ofeq 11 dem Vernehmen nach nun wieder um einen optischen Aufklärungssatelluten handeln sollte, während Ofeq 10 ein radargestützter Allwetteraufklärer gewesen war. Trotz der weitgehenden Geheimhaltung, die das gesamte Ofeq-​Programm betraf, wurde schon kurze Zeit nach dem Start bekannt, daß der neueste Aufklärer unter nicht näher spezifizierten Problemen litt, die gleich mehrere grundlegende Systeme betrafen. Immerhin konnte Kontakt zu dem Satelliten aufgenommen werden. Nicht bestätigt wurde, daß Ofeq 11 als erster Satellit der Reihe die weiterentwickelte OPSAT-​3000 Plattform nutzte. Eine Woche nach dem Start verlautete, daß einige der technischen Probleme soweit behoben worden waren, so daß die ersten Bilder des Satelliten empfangen werden konnten. Inwieweit Ofeq 11 aber nun tatsächlich die ihm zugedachte Rolle als Nachfolger des bereits über sechs Jahre alten Ofeq 9 ausfüllen konnte, blieb angesichts dieser Umstände weiter unklar. Unbestätigte Amateurbeobachtungen wiesen sogar darauf hin, daß der Satellit Ende Januar 2017 gezielt zum Absturz gebracht wurde. Da jedoch das US Weltraumkommando generell keine Bahndaten zu israelischen Aufklärungssatelliten mehr veröffentlichte, ließ sich das nicht sicher verifizieren.
14September

Flock 2e′-13 (Dove 0C45) und Flock 2e′-14 (Dove 0C56)

Eine neue Phase von Aktivitäten mit dem NRCSD (NanoRacks CubeSat Deployer) auf der ISS begann am 14.09.2016, als um 15:25 UTC zwei CubeSats für die Flock Konstellation des US Unternehmens Planet Labs ausgestoßen wurden. Es handelte sich dabei um Flock 2e′-13 (Dove 0C45) und Flock 2e′-14 (Dove 0C56). Sechs weitere baugleiche Satelliten sollten bis zum nächsten Tag folgen.
14September
Knapp acht Stunden nach dem Ausstoß eines ersten Paares von Flock 2e Prime Erderkundungssatelliten folgten am 14.09.2016 um 23:15 UTC die baugleichen Flock 2e′-15 (Dove 0C54) und Flock 2e′-16 (Dove 0C0B). Insgesamt zwanzig von ihnen waren im März 2016 mit der „Cygnus“ OA-​6 Mission zur ISS gelangt.
15September
Am 16.09.2016 um 02:35 UTC trat der am japanischen Manipulatorarm des „Kibō“ Moduls montierte NanoRacks CubeSat Deployer (NRCSD) wieder in Aktion. Erneut wurden zwei kleine Erderkundungssatelliten im 3U CubeSat Format im Auftrag des US Unternehmens Planet Labs ausgestoßen: Flock 2e′-17 (Dove 0C12) und Flock 2e′-18 (Dove 0C38).
15September
Am 15.09.2016 um 05:40 UTC wurden auch die letzten beiden verbliebenen Flock 2e Prime Erderkundungssatelliten aus der NRCSD-​9 Startvorrichtung ausgestoßen, die daraufhin wieder in die Luftschleuse des „Kibō“ Moduls zurückgeholt wurde. Mit Flock 2e′-19 (Dove 0C62) und Flock 2e′-20 (Dove 0C38) erreichte die Dove Konstellation von Planet Labs wieder die Zielgröße von etwa 60 Satelliten auf verschiedenen Bahnebenen und Bahnen. Allerdings waren vorläufig weitere Auffrischungen nicht absehbar, da nach der Explosion einer Falcon 9 v1.2 wenige Tage zuvor diese für die Flock 2c Konstellation gebuchte Rakete auf Monate nicht zur Verfügung stand. Und die kleine Electron Rakete, auf der weitere Starts gebucht waren, mußte sich erst noch beweisen.
15September

Tiangong 2 Start

Tiangong 2 bei der Ausrüstung

Nur langsam schritt das bemannte chinesische Raumfahrtprogramm voran, auch wenn man sich mit lediglich fünf bemannten Raumflügen die Kernkompetenzen erarbeitet hatte, die die Sowjetunion in anderthalb Jahrzehnten und mit mehreren Raumschifftypen erworben hatte (bemannte ein– und mehrsitzige Flüge von bis zu zwei Wochen Dauer, Rendezvous– und Kopplungstechniken mit einer Raumstation, Außenbordmanöver u.a.m.). Schneller als die Sowjetunion in den 1960er und 70er Jahren war man dabei allerdings auch nicht vorangekommen. Nach dem Erfolg mit der kleinen Raumstation Tiangong 1, an der zwischen 2011 und 2013 drei Shenzhou Raumschiffe (davon zwei bemannt) angedockt hatten, arbeitete man in China an einer modularen Station ähnlich der sowjetischen Mir. Da diese aber erst ab etwa 2020 (zwei Jahrzehnte nach dem ersten unbemannten Shenzhou Flug) zur Verfügung stehen sollte, wurde eine weitere experimentelle Station vorbereitet. Auch wenn Tiangong 2 weitgehend ihrem Vorgänger entsprach, waren doch die Erfahrungen aus dem Tiangong 1 Betrieb eingeflossen. So hatten sich z.B. die dort verwendeten flexiblen textilen „Seitenwände“ nicht bewährt. Auch flog diesmal eine andere wissenschaftliche Ausrüstung. Und erstmals sollte ein Manipulatorarm erprobt werden, wie er auf der kommenden neuen Raumstation zum Einsatz kommen würde. Ferner war die Dockingsektion so modifiziert worden, daß eine Betankung der Station durch ein unbemanntes Frachtraumschiff des neuen Tianzhou Typs möglich war. Denn diesmal war lediglich eine, wenn auch mit einem Monat Dauer längere, bemannte Mission vorgesehen. Dafür sollte 2017 erstmals ein unbemanntes Frachtraumschiff andocken und die Verfahren zur Betankung mit Treibstoff verifizieren. Wäre auch dies erfolgreich gemeistert, hätte China eine weitere wichtige Fähigkeit für den dauerhaften Betrieb einer wissenschaftlichen Raumstation erworben. Tiangong 2 startete am 15.09.2016 mit einer CZ-​2F/​T vom Raumfahrzentrum Jiuquan. Aus einem exzentrischen Orbit mit einem erdnächsten Punkt unter 200 km manövrierte die Raumstation auf eine annähernde Kreisbahn in etwa 370 km Höhe. Hier erwartete sie die Ankunft von Shenzhou 11, während ihre Systeme kontinuierlich vom Boden aus überwacht wurden.
Das diesmal nur mit zwei Taikonauten besetzte Shenzhou Raumschiff startete am 16.10.2016 um 14:04 UTC zu Tiangong 2. Zwei Tage später, am 18.10.2016 um 19:24 UTC, dockte das Raumschiff im automatischen Regime sicher an der Raumstation an. Nach einer gründlichen Überprüfung aller Systeme und dem Druckausgleich zwischen den beiden Raumschiffen sowie der Luftschleuse stiegen Jing Haipeng und Chen Dong in die Station um.
16September

die Vega VV07

eine der ersten veröffentlichten Aufnahmen von PerúSAT 1 zeigte die Festung Real Felipe in Lima

Fünf kleine Erderkundungssatelliten von zwei Kunden transportierte am 16.09.2016 eine Vega Feststoffrakete des Unternehmens Arianespace auf ihre sonnensynchronen Bahnen. Größte der Nutzlasten war der peruanische PerúSat 1, den Airbus Defence and Space ausgehend von der AstroBus-​300 (AstroBus-​S) Plattform gebaut hatte. Offizieller Auftraggeber war die peruanische Raumfahrtagentur CONIDA (Comisión Nacional de Investigación y Desarrollo Aeroespacial). Es war aber kein Geheimnis, daß einer der Hauptnutzer des Satelliten das peruanische Militär, die FFAA (Fuerzas Armadas de la República del Perú), sein würde. Ausgerüstet war PerúSat 1 mit einem Kamerasystem aus dem NAOMI (New Astrosat Observation Modular Instrument) Entwicklungsprogramm, das panchromatische Aufnahmen von 0,7 m oder multispektrale (in vier Frequenzbändern) von 2 m Auflösung liefern sollte. PerúSat 1 wurde aus der VESPA Doppelstartvorrichtung auf einer 675 km hohen Bahn ausgesetzt und manövrierte dann auf einen 695 km Arbeitsorbit.
Gemeinsam mit PerúSat 1 erreichten vier kleinere Satelliten der Google Tochter Terra Bella ihre Bahn. Diese lag mit 500 km deutlich niedriger, da die Satelliten bereits eine Stunde früher als PerúSat 1 ausgesetzt worden waren. Ein erstes Exemplar der SkySat Multi-​Satelliten-​Konstellation war schon im Juni 2016 auf einer PSLV-​XL gestartet worden. Nun erreichten SkySat C4 (SkySat Gen2-​2), SkySat C5 (SkySat Gen2-​3), SkySat C6 (SkySat Gen2-​4) und SkySat C7 (SkySat Gen2-​5) den Orbit. Trotz ihrer geringen Größe sollten die SkySat Satelliten panchromatische und multispektrale Aufnahmen hoher Auflösung liefern. Einschließlich Bildern aus dem Infrarot-​Bereich.
Der ursprünglich für den Sommer (Juli) 2016 geplante Start der Vega VV07 Mission hatte wegen technischer Probleme mit einem der vier SkySat Satelliten auf den September verschoben werden müssen. Während PerúSat 1 bereits für den Start vorbereitet war, mußte man einige Wochen auf die Verfügbarkeit der SkySat Nutzlasten warten.
26September

Start der PSLV-C35

„Einhausen“ von SCATSAT 1

Weniger als drei Wochen nach dem Start einer GSLV Rakete hatte die indische Raumfahrtorganisation ISRO ihre nächste Rakete startbereit. Obwohl in Sriharikota zwei Startkomplexe existierten, die jeweils sowohl die GSLV als auch die PSLV aufnehmen konnten (wobei die GSLV seit 2006 nur noch vom moderneren Second Launch Pad gestartet worden war), bedeuteten zwei so rasch aufeinander folgende Starts von Großraketen doch eine enorme Herausforderung. Andererseits mußte sich die ISRO dieser stellen, wollte man wie geplant zukünftig nicht nur die PSLV sondern auch die GSLV kommerziell vermarkten. Überraschend flog für die PSLV-​C35 Mission erstmals nach fünfeinhalb Jahren wieder eine PSLV (v.3) in der inzwischen PSLV-​G genannten Version, also mit den sechs Feststoffboostern in Standardgröße. Als die Rakete am 26.09.2016 von Sriharikota abhob, hatte sie als größte Nutzlast den hochspezialisierten meteorologischen Satelliten SCATSAT 1 an Bord. Einziges Instrument des auf dem IMS-​2 Bus basierenden Satelliten war das OSCAT 2 Scatterometer. Dieses arbeitete im Ku-​Band und sollte die Mission des SCAT Instruments auf dem 2009 gestarteten Oceansat 2 fortführen. Dessen Messungen hatten sich ausgezeichnet bewährt bei der Ermittlung der bodennahen Windgeschwindigkeiten und –richtungen. Diese Daten waren generell wertvoll bei der Wettervorhersage, vor allem aber bei der Lokalisierung und Verfolgung von tropischen Zyklonen bedeutsam. Da sich der Start der eigentlichen Nachfolgemissionen Oceansat 3 bzw. Oceansat 3A bereits um mehrere Jahre verzögert hatte, wurde als Übergangslösung der Bau von SCATSAT 1 initiiert. Obwohl der Bau durch den Rückgriff auf viele von früheren Missionen „übriggebliebene“ Baugruppen (in Summe etwa 40%) erheblich beschleunigt werden konnte, erfolgte der Start von SCATSAT 1 doch mit rund einem Jahr Verspätung. Das lag allerdings überwiegend an den allgemeinen Verschiebungen im Startmanifest der ISRO.
Die Nutzlastkapazität der PSLV-​G erlaubte die Mitnahme mehrerer sekundärer Nutzlasten. Darunter befanden sich zwei indische studentische Projekte sowie fünf kommerzielle Nutzlasten. Von Studenten des IIT (Indian Institute of Technology) Mumbai stammte der Nanosatellit Pratham (Hindi svw. „erster“). Er war mit einem TEC (Total Electron Count) Instrument ausgerüstet, das die Gesamtzahl der Elektronen in der gewählten sonnensynchronen 800 km Bahn bestimmen sollte. Vor allem aber sollte Pratham als Motivations– und Trainingsobjekt aktueller und zur Werbung zukünftiger Studenten dienen. Daher wurde auch eine weltweite Kampagne zur Verfolgung des im CW-​Bereich sendenden Satelliten gestartet. Die PES University in Bangalore hatte hingegen mit PISat einen experimentellen Erderkundungssatelliten verwirklich. Erste Überlegungen zu dem Projekt waren 2011 am damaligen PES Institute of Technology angestellt worden. Das für PISat ursprünglich in Betracht gezogenen TUBSAT Design der Interorbital Systems Corporation (IOS) wurde im Laufe des Projekts ebenso verworfen wie ein CubeSat Entwurf. Schließlich entschied man sich für den individuellen Entwurf eines magnetisch orientierten Nanosatelliten, bei dessen Auslegung die ISRO beratend zur Seite stand. Die Nanocam C1U CMOS Kamera des Satelliten wurde von der dänischen Firma GomSpace bezogen. Sie sollte Erdaufnahmen mit einer Auflösung von etwa 80 m liefern.
Drei Satelliten der C35 Mission stammten von der Agence Spatiale Algérienne (ASAL). Die algerische Weltraumagentur führte mit ihnen die 2002 vom Algerian Centre National des Techniques Spatiales (CNTS) begonnenen Versuche zur Erderkundung fort. AlSat 1B basierte auf dem SSTL-​100 Design der Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL). Zwei Imager lieferten Multispektralbilder mit 24 m bzw. panchromatische Aufnahmen mit 12 m Auflösung. Wie schon beim 2002 gestarteten Vorgänger AlSat 1 wurden auch diesmal wieder eine Reihe algerischer Studenten im Rahmen des Projekts in Großbritannien ausgebildet. Deutlich leistungsfähiger war der von Airbus Defence and Space bezogene AlSat 2B. Dieser basierte auf dem französischen Myriade bzw. AstroSat-​100 Design. Das verbaute NAOMI (New AstroSat Optical Modular Instrument) konnte panchromatische Bilder mit 2,5 m Auflösung liefern. In den vier Bändern des Multispektralmodus wurden immer noch 10 m Auflösung erreicht. Algerien erwartete eine Vielzahl von Anwendungen für die Daten des Satelliten, der die Mission des bereits 2010 gestarteten (und am Ende seiner garantierten Lebensdauer angekommenen) AlSat 2A fortsetzen sollte. Experimentellen Charakter hatte hingegen die Mission von AlSat-​Nano (AlSat 1N). Dieser 3U CubeSat war in Kooperation zwischen ASAL und der UK Space Agency am Surrey Space Centre entstanden. Drei zentrale Experimente flogen auf dem Satelliten: AstroTube, C3D2 und neuartige Dünnschicht-​Solarzellen. Unter der Bezeichnung AstroTube™ verbarg sich ein von Oxford Space Systems entwickelter neuartiger Ausleger für Nanosatelliten. Ausfahrbar auf bis zu 1,5 m (perspektivisch 3 m) Länge — und bei Bedarf wieder vollständig einzuziehen — bei kleinstem Raumbedarf und geringer Masse bot sich das System für vielfältige Anwendungen an. Darunter auch Systeme zum Deorbit von CubeSats. C3D2 (Compact CMOS Camera Demonstrator 2) von der Open University hingegen war eine variabel anpassbare Kamera, die im Zusammenspiel mit weiterer Sensorik und Bildverarbeitungslogik erprobt werden sollte. Die Thin Film Solar Cells schließlich erlaubten das Aufbringen der Solarzellenstruktur auf einer nur 0,1 mm dicken Glasschicht. Das Glyndwr University Centre for Solar Energy Research, die University of Surrey, die Qioptiq Space Technology Ltd. und SSTL beteiligten sich an dem Solarzellentest. Weitere Nutzlasten an Bord von AlSat 1N waren ein extrem kompaktes Magnetometer und zwei RadFET Dosimeter. Der 44 kg schwere BlackSky Pathfinder 1 Satellit des US Unternehmens BlackSky Global sollte hingegen als Demonstrator für eine weitere Konstellation von Erderkundungssatelliten fungieren. Der Bildsensor der Satelliten stammte von Exelis und sollte Aufnahmen mit einer Auflösung von 1 m erlauben. Im Gegensatz zu einigen anderen Konstellationen waren die BlackSky Global Satelliten für eine Lebensdauer von drei Jahren ausgelegt. Der Aufbau der Konstellation aus sechzig Satelliten sollte bis zum Jahr 2019 vollzogen sein. Damit wollte das Unternehmen vierzig bis siebzig tägliche Überflüge von Wirtschaftszentren und anderen interessanten Regionen sicherstellen und damit eine bestmögliche Aktualität des Bildmaterials. Treuer Kunde der ISRO Mitflugangebote war seit vielen Jahren die UTIAS (University of Toronto, Institute for Aerospace Studies). Diesmal beteiligte man sich im Rahmen der CanX 7 (Canadian Advanced Nanospace eXperiments) Mission mit einem 3U CubeSat. Dieser sollte die Eignung eines neuartigen leichten „Segels“ für das gesteuerte Deorbiting verifizieren. Bevor diese Vorrichtung aber zum Einsatz kam, standen Experimente mit einem ADS-​B (Automatic Dependent Surveillance-​Broadcast) Empfänger an, der am Royal Military College (RMC) mit Unterstützung der COM DEV Ltd. entwickelt worden war. CanX 7 gehörte zu den ersten Satelliten, mit denen die Verfolgung von Flugzeugen, die über einen ADS-​B Transponder verfügten, erprobt werden sollte. Die Verfechter dieses Konzepts hofften auf einen ähnlichen Erfolg des ADS-​B, wie ihn bereits die AIS (Automatic Identification System) Transponder in der Seefahrt demonstriert hatten.
Um alle Nutzlasten der PSLV-​C35 auf den unterschiedlichen vorgesehenen Bahnen aussetzen zu können, machte die ISRO erstmals praktisch Gebrauch von der zuletzt mehrfach getesteten neu eingeführten Möglichkeit, die letzte Stufe der Rakete mehrfach zu zünden. Nach dem Aussetzen von SCATSAT 1 flog die vierte Stufe über eine Stunde antriebslos weiter, bevor sie für einige Sekunden neu gestartet wurde. Es schloß sich eine weitere ausgedehnte antriebslose Phase an. Etwa 2:12 h nach dem Start zündete das Triebwerk erneut für einige Sekunden, bevor die sekundären Nutzlasten innerhalb von etwa zweieinhalb Minuten ausgesetzt wurden. Mit der nun verfügbaren Mehrstartfähigkeit der PS4 Stufe ergaben sich neue Einsatzmöglichkeiten für die PSLV Rakete.