Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

407601
Statistik erstellt: 2017-12-16T23:19:12+01:00

August 2017.

2August

die Vega VV10 auf dem Starttisch

die VESPA Doppelstartvorrichtung der Vega VV10 mit aufgesetzem OPSAT 3000

landwirtschaftliche Nutzflächen nahe Phoenix, Arizona aufgenommen am 17.08.2017 durch VENµS

Zu ihrem zehnten Einsatz kam die europäische Vega Trägerrakete am 02.08.2017. Beim Start von Kourou transportierte sie zwei Erderkundungs– bzw. Aufklärungssatelliten auf sonnensynchrone Bahnen unterschiedlicher Höhe. Dazu waren mehrere Zündungen der Flüssigkeits-​Oberstufe AVUM (Attitude Vernier Upper Module) erforderlich. Nach zwei Zündungen wurde zunächst in über 400 km Höhe der auf der Doppelstartvorrichtung VESPA (Vega Secondary Payload Adaptor) sitzende OPTSAT 3000 ausgesetzt. Der auf der IMPS-​2 (Improved Multi Purpose Satellite) Plattform des israelischen Ofeq 11 Satelliten basierende Aufklärungssatellit war von Italien im Rahmen eines Rüstungsgeschäfts mit Israel eingekauft worden. Während die IAF (Israel Air Force) 2012 dreißig italienische Alenia Aermacchi M-​346 „Master“ Strahltrainer beschaffte, kaufte das Ministero della difesa im Gegenzug (u.a.) einen israelischen Aufklärungssatelliten. Ursprünglich sollte dieser die Zeit bis zur Indienststellung des eigenen OpSIS (Optical System for Imaging and Surveillance) Satelliten überbrücken. Doch wurde dessen Entwicklung 2014 gestoppt. Details zur Leistungsfähigkeit des auch mit dem Akronym SHALOM (Spaceborne Hyperspectral Applicative Land and Ocean Mission) bezeichneten Satelliten unterlagen natürlich der Geheimhaltung. Die Auflösung sollte jedoch deutlich unter einem Meter erreicht haben.
Auch die zweite Nutzlast, der experimentelle Erderkundungssatellit VENµS (Venus, Vegetation and Environment Monitoring New Micro-​Satellite) basierte auf dem IMPS-​2 Bus. Die französische Raumfahrtorganisation CNES hatte sich mit dem Vorschlag für eine gemeinsame Mission an die IAI (Israel Aerospace Industries) gewandt. Als Hauptnutzlast wurde eine 12-​kanalige Multispektralkamera gewählt, die Elop Electro-​Optics Industries Ltd. ursprünglich für ein von der ESA gefördertes, jedoch nie zu Ende geführtes, deutsch-​israelisches Satellitenprojekt als Vorläufer des GMES (Global Monitoring for Environment and Security) Programms entwickelt hatte. Die VENµS Mission sollte dieses leistungsfähige Instrument mit einer relativ hohen Auflösung von 510 m und einem wiederholten Überflug alle zwei Tage kombinieren. Im Fokus der Mission stand die Beobachtung landwirtschaftlicher Nutzflächen und menschlicher wie auch klimatischer Einflüsse auf die Vegetation. Ursprünglich war der Start bereits im Jahr 2008 erwartet worden. Doch da war die gewählte Vega Rakete noch vier Jahre von ihrem Jungfernflug entfernt, so daß man auf die indische PSLV und alternativ die (de facto aber nicht mehr verfügbare) russische Start auswich. Schließlich wurde aber die Gelegenheit zum Mitflug auf der Vega genutzt. Nach vier Zündungen der AVUM Triebwerke wurde VENµS schließlich planmäßig auf einem 720 km Orbit ausgesetzt. Hier war für die nächsten zweieinhalb Jahre die primäre Mission zur Erderkundung geplant, bevor in einer zweiten Phase die Bahn unter Einsatz von ebenfalls in Israel entwickelten Hall-​Effekt-​Triebwerken auf 410 km abgesenkt werden sollte. Die technologische Mission sollte etwa ein Jahr dauern.
14August

Start der CRS-12 Mission

CRS-12 Dragon Augenblicke vor „capture“

Installation des ISS-CREAM Experiments (2017)

Nachschub für die ISS transportierte die SpaceX CRS-​12 Mission, die am 14.08.2017 von Cape Canaveral startete. Erstmals kam dabei eine Falcon 9 v1.2 in der Block 4 Ausbaustufe zum Einsatz. Auch wenn SpaceX keine genauen Leistungsangaben seiner Raketen öffentlich machte, leisteten die nun zum Einsatz kommenden „Merlin“ Triebwerke gegenüber der vorigen Ausbaustufe, theoretisch, deutlich mehr. Das schlug sich allerdings nicht in einer schwereren Fracht des „Dragon“ Raumschiffs nieder. Rund 2,9 Tonnen Nachschub waren an Bord, darunter Nachschub für etwa ein Dutzend Experimente, der CREAM (Cosmic Ray Energetics And Mass) Teilchendetektor des NASA Goddard Space Flight Center sowie vier CubeSats. Das Raumschiff erreichte problemlos seine Ausgangsbahn und begann mit der Annäherung an die Internationale Raumstation, während die Erststufe bereits wieder auf der Betonfläche von LZ1 in Cape Canaveral stand. Am 16.08.2017 erreichte die Dragon die letzte Halteposition vor der ISS. Um 10:52 UTC war das Raumschiff mit dem Canadarm2 der Station gegriffen („capture“) und um 13:07 UTC das Berthing am erdzugewandten Port des „Harmony“ Moduls vollzogen. Wenig später begann bereits das Entladen der Fracht.
Am 22.08.2017 wurde dann auch unter Einsatz des SSRMS (Space Station Remote Manipulator System) das ISS-​CREAM Experiment (man beachte das Wortspiel mit „Ice Cream“!) aus dem Trunk der Dragon gezogen. Das Manöver wurde vom Boden gesteuert, ebenso die Übergabe an den japanischen JEMRMS (Japanese Experiment Module Remote Manipulator System) Arm, der das 1.258 kg schwere Experiment zum Montageort an der Exposed Facility Unit (EFU-​2) der JEM Exposed Facility (JEF) hob. Hier verankert, sollte der Detektor für die nächsten drei Jahre Daten zu kosmischen Teilchen eines breiten Energispektrums sammeln. Das von der University of Maryland betreute CREAM Experiment hatte zwischen 2004 und 2016 eine Serie von sieben sehr erfolgreichen Missionen als Nutzlast von driftenden Stratosphärenballons unternommen. Nun sollten die Forschungen über einen noch längeren Zeitraum und unter optimaleren Bedingungen, als sie die Flüge in 40 km Höhe erlaubt hatten, fortgesetzt werden.
Bei den vier Satelliten auf der Frachtliste von CRS-​12 handelte es sich um Kestrel Eye Block 2M, Dellingr, ASTERIA und OSIRIS-​3U. Drei davon basierten auf dem CubeSat Konzept, nicht jedoch Kestrel Eye Block 2M. Dieser war von Maryland Aerospace Inc. im Auftrag der US Army gebaut worden. Ziel des Kestrel Eye Programms war die Entwicklung eines Aufklärungssystems, dessen Informationen von Soldaten auf dem Gefechtsfeld unmittelbar abgerufen werden konnten. Ohne den Umweg über eine Bodenstation in den USA. Die Auflösung sollte dabei etwa 1,5 m erreichen. Mit dem ersten Satelliten sollte das Konzept auf seine Umsetzbarkeit geprüft werden, bevor der Aufbau einer Konstellation von bis zu dreißig Satelliten in Angriff genommen wurde. Die Mission des am NASA GSFC mit Unterstützung des Southwest Research Institute (SwRI) entwickelten 6U CubeSats Dellingr bestand hingegen darin, als Teil der ELaNa X Mission solar-​physikalische Daten zu sammeln, die die Messungen größerer Satelliten ergänzen konnten. Dazu waren zwei Magnetometer und ein sogenanntes Ion/​Neutral Mass Spectrometer installiert. Wobei das INMS die Zusammensetzung von neutralen und geladenen Partikeln in der Ionosphäre bestimmen sollte. Der ebenfalls im 6U Format realisierte ASTERIA (Arcsecond Space Telescope Enabling Research in Astrophysics) Satellit war als Technologiedemonstrator gemeinsam vom Space Systems Laboratory des Massachusetts Institute of Technology (MIT SSL) und dem Jet Propulsion Laboratory (JPL) realisert worden. Das JPL finanzierte im Rahmen seines Phaeton Programms zur Mitarbeiterqualifikation das Projekt. Mit dem Satelliten sollten die aktuellen Fähigkeiten zur hochpräzisen Ausrichtung eines CubeSats demonstriert werden. Weiterhin wurden Techniken zur Kompensation von Temperaturschwankungen demonstriert. Beide Aspekte waren Grundlage für die wissenschaftliche Mission zur Photometrie, die mit ASTERIA geplant war. So sollten z.B. Sternendurchgänge von Exoplaneten beobachtet werden. Die OSIRIS-​3U Mission der Pennsylvania State University war 2013 von der NASA für das ELaNa Programm ausgewählt worden. Geplant waren Untersuchungen der für den Funkverkehr wichtigen F-​Schicht der Ionosphäre. So z.B. des Einflusses des „Weltraumwetters“ auf die Stabilität der Schicht vor dem Hintergrund des Aufbaus möglicher Frühwarnmechanismen zum Schutz der terrestrischen Infrastruktur. Der Orbital Satellite for Investigating the Response of the Ionosphere to Stimulation and Space Weather war dazu mit einer Langmuir Sonde, einem GPS Okkultationsempfänger und einer Funkbake ausgerüstet.
16August

Aufrichten der Proton-M mit dem ersten „Blagowest“ Satelliten

Das erste Exemplar eines neuen Typs geostationärer Kommunikationssatelliten für das russische Militär startete am 16.08.2017 beim 100. Einsatz einer Proton-​M von Baikonur. Auch die Mission des ersten „Blagowest“ (engl. Blagovest) Satelliten war Opfer der nahezu einjährigen Zwangspause der Proton Rakete geworden. Nun beförderte ihn die Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 Bugsierstufe in einer mehrstündigen Mission auf eine geosynchrone Bahn. Vier dieser auf dem Ekspress-​2000 Bus basierenden Satelliten waren bei ISS Reschetnjow bestellt worden. Detaillierte Angaben zu ihren Kapazitäten wurden nicht veröffentlicht. Jedoch wurden offiziell Hochgeschwindigkeits-​Internet, Datenübertragungen, TV– und Radioausstrahlungen, Telefonie und Videokonferenzen als Einsatzgebiete genannt. Dabei sollten Frequenzen im Ka– und Q-​Band genutzt werden. Ungewöhnlich war, daß Kosmos 2520 auch mehr als drei Wochen nach dem Start noch keine feste Position bezogen hatte, sondern vielmehr zwischen etwa 50° und 70° Ost über dem Indischen Ozean pendelte. Schließlich wurde er aber über 45,05° Ost stationiert und damit unmittebar zwischen den beiden Kommunikationssatelliten Intelsat IS-​12 (nominell über 45,0° Ost) und Intelsat 904 (nominell über 45,1° Ost).
17August

17.08.2017: Blick aus der Luftschleuse des „Pirs“ Moduls

Sergej Rjasanski aufgenommen von Jack Fischer

Fjodor Jurtschichin bei seiner EVA am 17.08.2017

Sergej Rjasanski im alten Orlan-MK Raumanzug

Russische EVA-43 am 17.08.2017 in HD

Vielfältige Aufgaben lagen vor den beiden russischen Kosmonauten Fjodor Jurtschichin und Sergej Rjasanski, als diese am 17.08.2017 die Luftschleuse des „Pirs“ Moduls zu einem mehrstündigen Außenbordmanöver verließen. Direkt nach dem Ausstieg wurde ein nicht mehr benötigter Adapter des Experiments „Restawratsia“ demontiert. Dann begannen Jurtschichin und Rjasanski damit, fünf CubeSats russischer Universitäten per Hand auszusetzen. Den Anfang machte Tomsk-​TPU 120, der bereits am 02.04.2016 mit Progress MS-​02 auf der ISS eingetroffen war. Es folgten die beiden Tanusha-​SWSU Satelliten, TNS 02 und schließlich Sfera 53 2. Sie alle waren mit Progress MS-​06 im Juni 2017 angeliefert worden. Nachdem dieser Teil des Programms absolviert war, begaben sich die Kosmonauten zum „Swjesda“ Modul. Hier wurde u.a. ein Probenbehälter für das Experiment „Impakt“ angebracht. Am „Poisk“ Modul galt es dann neue Handgriffe für zukünftige Außenbordmanöver anzubringen. Die Arbeiten wurden immer wieder zur Entnahme von Wischproben von der Oberfläche der Module und zu fotografischen Dokumentationen des Zustandes unterbrochen. Von zwei mitgeführten GoPro HD-​Videokameras hatte sich leider nur eine in Betrieb nehmen lassen. Im weiteren Verlauf des Außenbordmanövers wurden Proben des Experiments „Test“ entnommen. Bei dieser Untersuchungsreihe ging es um chemische, toxikologische und mikrobiologische Untersuchungen von möglicherweise aggressiven Ablagerungen auf der Außenhaut der Station. Am „Poisk“ Modul wurden Temperatursensoren angebracht und das BKDO Instrument neu ausgerichtet. Der im Juli 2004 montierte Блок Контроля Давления и Осаждения überwachte auf molekularer Ebene gleichfalls Verschmutzungen im ISS Umfeld. Dokumentiert wurde dann noch der Zustand zweier SKK Probencontainer. Da vor allem die Montage der Handgriffe sich länger als erwartet hingezogen hatte, war der Zeitplan für die Außenbordaktivitäten schon bald nicht mehr zu halten. Statt 6:05 h dauerte das Manöver schließlich 7:34 h. Außerplanmäßig hatten Jurtschichin und Rjasanski damit den bis dahin zweitlängsten russischen Weltraumausstieg unternommen. Und das beim 50. russischen Außenbordmanöver auf der ISS. Nach dem Wiedereinstieg stellte Jurtschichin dem modernisierten Orlan-​MKS Raumanzug ein positives Zeugnis aus. Doch auch Rjasanski, der noch das ältere Orlan-​MK Modell genutzt hatte, hatte keine Probleme mit dem Anzug gehabt. Sein neuer Raumanzug war dem Fehlstart eines Progress Raumschiffs einige Monate zuvor zum Opfer gefallen. Da jedoch sein alter Orlan-​MK eigentlich die garantierte Lebensdauer bereits überschritten hatte, wurden ihm Ersatzteile geschickt. Über mehrere Tage tauschte er Dichtungen, Handschuhe etc. aus und nahm eine gründliche Reinigung und Inspektion vor, so daß der Anzug doch nochmal zertifiziert werden konnte.
18August

die startbereite Atlas-V Mod. 401 mit TDRS-M

Der dreizehnte und (nach Stornierung eines weiteren Exemplars) letzte Datenrelais-​Satellit des TDRS (Tracking & Data Relay Satellite) Programms wurde am 18.08.2017 mit einer Atlas V Mod. 401 von Cape Canaveral gestartet. Ende 2015 hatte Boeing TDRS-​M fertiggestellt und anschließend für einen Start im Laufe des Jahres 2017 eingelagert. Im Juli 2017 liefen in Cape Canaveral die Vorbereitungen für einen Start am 03.08.2017, als es bei abschließenden Tests der Nutzlast bei Astrotech Space Operations in Titusville am 14.07.2017 zu einer Beschädigung der omnidirektionalen S-​Band Antenne kam. Unterdessen wurde die Montage der Raketenstufen auf dem Startkomplex fortgesetzt. Nachdem die Antenne durch Boeing Techniker ausgetauscht und die Nutzlast auf mögliche Schäden durch elektrostatische Entladungen überprüft war, wurden die Startvorbereitungen wieder aufgenommen. Dabei erhielt die Mission zunächst Vorrang gegenüber dem Start einer Falcon 9 v1.2 mit dem CRS-​12 Frachtraumschiff zur ISS, um dann doch einige Tage nach dieser zu starten. Obwohl sich der Start am 18.08.2017 um eine knappe halbe Stunde wegen Problemen beim Herunterkühlen des Centaur Triebwerks verzögert hatte, sicherte das 40-​minütige Startfenster doch den Erfolg beim ersten Countdown. Zwei Zündungen der Centaur Oberstufe brachten die Nutzlast präzise auf die vorgesehene Transferbahn. Aus dieser begann bald darauf der Aufstieg auf eine geosynchrone Bahn und die Drift auf eine vorläufige Position über 149,8° West. Dort wurden die Systeme des Satelliten gründlichen Tests unterzogen, bevor er Anfang September 2017 an die NASA übergeben wurde.
19August

Präsentation von QZS 3

Mit dem Start von QZS 3 („Michibiki“ 3) am 19.08.2017 von Tanegashima schritt der Aufbau des japanischen Quasi Zenith Satellite System voran. Nach ausgiebigen Tests eines ersten, 2010 gestarteten, Satelliten hatte im Juni 2017 eine H-​IIA Mod. 202 QZS 2 auf einen hochliegenden inklinierten 24-​Stunden-​Orbit befördert. Nun folgte QZS 3 auf eine geostationäre Bahn, bevor im Herbst 2017 QZS 4 (wieder auf einem inklinierten Orbit) die Konstellation vervollständigen sollte. Doch in der Endphase des Countdowns am 12.08.2017 registrierten Sensoren ein Helium-​Leck an der Erststufe der H-​IIA Mod. 204 Rakete. Nach Abschluß der Reparaturen konnte der Starttermin neu für den 19.08.2017 angesetzt werden. Diesmal traten keine Probleme auf und die mit der voluminösen 5 m Nutzlastverkleidung ausgerüstete Rakete setzte nach einer knappen halben Stunde ihre Nutzlast auf der vorgesehenen Transferbahn aus. Mit seinem R-​4D Triebwerk manövrierte „Michibiki“ 3 dann auf eine Synchronbahn. Für 2018 war die Aufnahme des regulären Betriebs der QZSS Konstellation mit vier Satelliten vorgesehen, die GPS-​kompatible Navigationssignale auch unter schwierigen geographischen Gegebenheiten zuverlässig und mit einer Präzision im Submeterbereich für Japan abstrahlen sollte. Fünf Jahre später sollte die Zahl der aktiven Satelliten auf sieben gesteigert werden.
24August

Start von FORMOSAT 5

FORMOSAT 5

Der große Erfolg des taiwanesischen Erderkundungssatelliten ROCSAT 2 (seit Dezember 2004 FORMOSAT 2) bestärkte die Regierung des Landes darin, Finanzmittel für eine Nachfolgemission bereitzustellen. Diesmal sollte der Satellit allerdings nicht im Ausland gekauft, sondern von der NSPO (National Space Organization) entwickelt und gebaut werden. Ziel war es, die Kapazitäten der heimischen Forschung und Industrie auf dem Gebiet der Raumfahrttechnologie auszubauen — und natürlich die Kontinuität der Verfügbarkeit von Erderkundungsdaten sicherzustellen. Letzteres gelang nicht ganz. Der auf fünf Jahre ausgelegte FORMOSAT 2 fiel nach mehr als zwölf Jahren im Sommer 2016 aus. Der längst gebuchte Start seines Nachfolgers hatte sich da jedoch auf unbestimmte Zeit verzögert, weil SpaceX die zugesagten Termine seiner Falcon 9 Starts ganz und gar nicht einhalten konnte. Dabei zählte die NSPO zu den ältesten Kunden des Unternehmens, hatte den FORMOSAT 5 Start ursprünglich sogar noch auf der (später eingestellten) Falcon 1e gebucht. SpaceX bot dann einen Start auf der Falcon 9 an. Deren weitaus höhere Nutzlastkapazität prädestinierte die Mission dazu, weitere sekundäre Nutzlasten mitzunehmen. 2012 stellte das US Unternehmen Spaceflight Inc. das Konzept seines SHERPA „space tug“ vor. Ein 3-​Achsen-​stabilisierter Nutzlastträger mit autonomer Energieversorgung und eigenem Antrieb für Bahnmanöver. Das Konzept traf auf Interesse verschiedener Kunden und ein Start stand Anfang des Jahres 2014 in Aussicht. Ende 2016 zog angesichts der anhaltenden Verzögerungen Planet Labs seine 56 Dove Satelliten von der Mission zurück. Spaceflight sicherte seinen Kunden zunächst zu, die Mission auch mit den 34 verbliebenen Nutzlasten durchzuführen — sofern SpaceX nun den Starttermin einhielt. Als sich Anfang 2017 eine weitere Verzögerung bis ins kommende Jahr abzeichnete, gab Spaceflight am 02.03.2017 schließlich jedoch bekannt, seine Kunden auf diverse andere Startgelegenheiten umzubuchen. Die NSPO hielt den Startkontrakt hingegen weiter aufrecht, vermutlich auch, weil die Endabnahme ihres Satelliten erst im Sommer 2015 erfolgt war. Tatsächlich hob die Falcon 9 v1.2 mit dem kaum eine halbe Tonne wiegenden FORMOSAT 5 als alleiniger Nutzlast am 24.08.2017 von der Vandenberg AFB ab. Während der Satellit auf einem sonnensynchronen Orbit in 720 km Höhe ausgesetzt wurde, landete die Erststufe aus 247 km Höhe mit lediglich 70 cm Abweichung vom Idealpunkt auf der Barge „Just Read the Instructions“, die im Pazifik kreuzte. Während einer mindestens 5-​jährigen Mission erwartete die NSPO nun Erderkundungsdaten von ihrem neuesten Satelliten: mit 2 m Auflösung panchromatisch und 4 m multispektral (blau, grün, rot, infrarot). Am 08.09.2017 sollte der reguläre Datenempfang beginnen. Doch als am 07.09.2017 die ersten Aufnahmen empfangen wurden, machte sich Ernüchterung breit. Statt der erwarteten 4 m Auflösung erreichten die Farbaufnahmen nur etwa 8 m und wirkten zudem insgesamt unscharf. Während Taiwans Presse berichtete, daß die Situation auf Probleme mit dem CMOS Sensor zurückzuführen war, die schon vor dem Start entdeckt aber nicht erfolgreich behoben worden waren, machte die NSPO offiziell Vibrationen beim Transport oder Start verantwortlich. Die Fokussierung sollte entweder durch eine Bahnanpassung oder eine veränderte Temperatur der Optik verbessert werden, notfalls auch durch eine digitale Nachbearbeitung der Aufnahmen.
26August

Start der ORS 5 Mission

Nach fast sechsjähriger Pause startete am 26.08.2017 wieder eine Feststoffrakete aus der Minotaur IV Familie. Und erstmals hob eine dieser Raketen von Cape Canaveral ab. Zudem handelte es sich um eine neue 5-​stufige Version. Ihre Hauptnutzlast stellte der ORS 5 (Operationally Responsive Space) Satellit alias SensorSat dar. Dazu kamen drei kleinere CubeSats. Auch wenn zur ORS5 Mission nur wenige Details veröffentlicht wurden, sickerte durch, daß der Satellit die Mission des 2010 gestarteten SBSS (Space-​Based Space Surveillance System) Satelliten fortführen sollte, also die Erkennung, Beobachtung und Verfolgung kosmischer Objekte (Satelliten und Trümmer) im Erdorbit. Trotz seiner geringen Größe erwartete man, mit ORS 5 Objekte bis zum geostationären Orbit verfolgen zu können. Das MIT Lincoln Laboratory zeichnete diesmal für die Entwicklung der entsprechenden Nutzlast verantwortlich. Ursprünglich sollte der Start als dedizierte Nutzlast zu einem Preis von weniger als 20 Mio. $ erfolgen. Tatsächlich fand sich bei diesem Budget jedoch kein Anbieter, so daß die Deckelung aufgehoben werden mußte. Schließlich bot OSC seine Minotaur IV an, die jedoch mit einer zusätzlichen Orion 38 Stufe ausgerüstet werden mußte, um die Inklination auf 0° abzubauen und die angestrebte Bahnhöhe von 600 km zu erreichen. Bereits von der vierten Stufe ausgesetzt wurden die sekundären Nutzlasten. Dabei handelte es sich um den 3U CubeSat DHFR (DARPA High Frequency Receiver experiment), den das Space Dynamics Laboratory der Utah State University entwickelt hatte. Dazu kamen zwei 1,5U CubeSats für das Prometheus 2 Programm. Gemeinsam mit zwei bereits im Vorjahr gestarteten Exemplaren und den noch geplanten Nachfolgern sollten Prometheus 22 und Prometheus 24 Experimenten zur militärischen Kommunikation (Audio-​, Video– und Datenübermittlung) dienen. Die vom US Verteidigungsministerium finanzierte Entwicklung lag in den Händen des Los Alamos National Laboratory (LANL).
31August

IRNSS 1H auf der letzten Stufe der Rakete

Ebenso wie die europäischen Galileo Navigationssatelliten litt auch das indische IRNSS (Indian Regional Navigation Satellite System) unter überraschenden Ausfällen der beim Weltmarktführer Spectracom bezogenen Atomuhren. Inwieweit auch die chinesischen Beidou Satelliten von einem möglichen Designfehler betroffen waren, wurde nicht öffentlich. Einer der IRNSS Satelliten, so wurde jedenfalls Anfang 2017 bekannt, war bereits seit Sommer 2016 nach dem Ausfall aller drei Uhren (eine primäre und zwei Backup) nicht mehr nutzbar. Es handelte sich dabei um das erste gestartete Exemplar, IRNSS 1A. Im Laufe der nächsten Monate versagten noch drei Uhren auf anderen IRNSS Satelliten. Immerhin hatte die ISRO zwei Reserveexemplare der Satelliten in Auftrag gegeben, so daß mit dem Start von IRNSS 1H in der zweiten Jahreshälfte 2017 die volle Einsatzfähigkeit der Konstellation wieder hergestellt sein sollte. Aufgrund der Verzögerungen vorangegangener Starts hob die PSLV-​XL mit dem Satelliten erst am 31.08.2017 von Sriharikota ab. Doch ausgerechnet bei dieser wichtigen Mission versagte die inzwischen für ihre Zuverlässigkeit auch international gerühmte PSLV Rakete. Kein Triebwerksversagen, sondern die mißlungene Abtrennung der Nutzlastverkleidung ließ den Start scheitern. Die Pyroladungen zündeten aus zunächst unerklärlichen Gründen nicht. Damit erreichte die Nutzlast, d.h. die vierte Stufe mit dem Satelliten — eingeschlossen in der Nutzlastverkleidung — zwar einen niedrigen Orbit. Doch war es weder möglich den Satelliten zu aktivieren, noch taugte die Bahn für eine sinnvolle Nutzung. Allerdings löste der Sequenzer noch die Trennung des Satelliten von seinem Adapter aus. Videobilder zeigten den in der Nutzlastverkleidung „gefangenen“ Satelliten herumtaumeln. Immerhin gelang es der ISRO noch, das giftige Hydrazin aus der PS4 Stufe und dem Satelliten abzulassen, um das Risiko durch Trümmer, die beim Wiedereintritt in einigen Monaten möglicherweise die Erdoberfläche erreichten, zu minimieren.
Erste Stellungnahmen zu dem Fehlstart sprachen von einem singulären Ereignis, das keinen größeren Einfluß auf die kommenden Starts habe. Unter den nächsten Nutzlasten befand sich auch IRNSS I.