Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2018-02-20T15:21:02+01:00

Dezember 2017.

2Dezember

Start von Kosmos 2524 in Plesetsk

Drei Jahre nach dem ersten Exemplar startete Rußland am 02.12.2017 einen zweiten ELINT Satelliten des Typs Lotos-​S1. Die vom KB Arsenal in Sankt Petersburg auf Basis des Jantar Satellitenbusses von ZSKB Progress gebauten Satelliten waren als Bestandteil eines komplexeren Systems namens „Liana“ konzipiert. Geplant war, ein integriertes System zu schaffen, das sowohl die Aufgaben der einstigen sowjetischen ELINT Zelina-​2 als auch der kombinierten ELINT und Marine-​Radaraufklärer US-​PM übernehmen konnte. Wie viele andere russische Satellitenprogramme geriet auch dieses trotz des erkennbar dringenden Bedarfs (der letzte Zelina-​2 Satellit war bereits 2007 gestartet worden, der letzte US-​PM noch ein Jahr früher) in starken Verzug. Ein 2009 gestarteter erster Lotos-​S Satellit erreichte ausrüstungstechnisch gerade einmal den Stand seiner aus den frühen 1980er Jahren stammenden Vorgänger und litt zudem unter technischen Problemen. Die Verzögerungen des Starts von Kosmos 2524 Ende des Jahres 2017 nahmen sich dagegen eher bescheiden aus. Auch der Fehlstart einer anderen Sojus Rakete vom Kosmodrom Wostotschny wenige Tage zuvor hatte keinen Einfluß mehr auf den Termin, schließlich flog die Sojus-2.1b 14A14 diesmal ohne (Fregat) Bugsierstufe. Die Sojus beförderte den Satelliten fehlerfrei von Plesetsk aus auf eine exzentrische Übergangsbahn zwischen 239 und 900 km Bahnhöhe. Aus dieser manövrierte der Satellit dann mit eigenem Antrieb auf den annähernd kreisförmigen Arbeitsorbit in 900 km Höhe.
3Dezember

Start der CZ-2D mit dem ersten LKW Satelliten

Der Aufbau einer neuen Konstallation von hochauflösenden Erderkundungssatelliten begann am 03.12.2017 mit dem Start einer CZ-​2D stretched vom Raumfahrtgelände Jiuquan. Wie bei vielen vergleichbaren chinesischen Projekten war auch bei diesem nicht klar erkennbar, ob tatsächlich die zivile und/​oder kommerzielle Erderkundung die Motivation für die Entwicklung der Ludi Kancha Weixing (dt. svw. Erdvermessungs– oder Erdbeobachtungssatellit) genannten Satelliten war. Oder doch eher die militärische Aufklärung. Auf letzteres deuteten u.a. die bescheidenen Informationen hin, die anläßlich des Starts von LKW-​1 veröffentlicht wurden. Weder technische Daten noch Angaben zum Eigner des Satelliten wurden bekanntgegeben. Und die Aufgabe wurde lediglich mit „…hauptsächlich [sic] der Erkundung von Land Ressourcen…“ beschrieben. Offenbar genoß das Projekt aber hohe Priorität. Denn noch im Dezember 2017 folgte ein zweites Exemplar und im Januar 2018 ein drittes (von voraussichtlich insgesamt vier).
6Dezember
Nachdem sich das Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ Frachtraumschiff am 06.11.2017 um 13:11 UTC von der ISS gelöst hatte, wurde es mit mehreren Triebwerksimpulsen auf eine etwa 50 km oberhalb der der ISS liegende Bahn manövriert. Hier sollten die außenbords im NanoRacks External Cygnus Deployer mitgeführten CubeSats ausgesetzt werden. Den Anfang machten am 06.12.2017 um 19:24 UTC zwei Lemur 2 des US Unternehmens Spire Inc. Die beiden 3U CubeSats Lemur 2 „YongLin“ und Lemur 2 „Kevin“, ausgerüstet jeweils mit einem AIS Empfänger und einer Nutzlast zur GPS Radio-​Okkultationssondierungen der Atmosphäre, wurden gemeinsam mit drei weiteren CubeSats ausgestoßen: CHEFsat (3U) sowie AeroCube 7B und AeroCube 7B (jeweils 1,5U). Während das Naval Research Lab zu seinem Cost-​effective High E-​Frequency Satellite nur vage Informationen über die Erprobung von „consumer-​grade“ Komponenten an Bord ihres Satelliten veröffentlichte, war The Aerospace Corporation schon freigiebiger mit Details zu ihren auch OCSD (Optical Communications and Sensor Demonstration) genannten Satelliten. Ein Schwerpunkt war die Demonstration leistungsfähiger Systeme zur lasergestützten Kommunikation. Aber auch die Nahbereichsnavigation unter Verwendung optischer Sensoren, von Radar und neuartigen Wasserdampf-​Mikrotriebwerken stand auf der Agenda.
6Dezember
Fünf recht unterschiedliche CubeSats wurden am 06.12.2017 um 22:40 UTC aus dem NanoRacks External Cygnus Deployer ausgestoßen, den das Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ Frachtraumschiff außenbords trug. Die „Cygnus“ hatte einige Stunden zuvor von der ISS abgedockt und war auf eine höhere Bahn manövriert worden. Wie bei der ersten „Salve“ dreieinviertel Stunden zuvor, handelte es sich bei zwei der fünf Satelliten wieder um Lemur 2 des US Unternehmens Spire Inc. Wie üblich waren Lemur 2 „BrianDavie“ und Lemur 2 „RomaCoste“ mit dem SENSE AIS-​Signalempfänger und der STRATOS GPS Radio-​Okkultationsnutzlast ausgerüstet. PropCube 2 „Fauna“, gebaut von Studenten der Naval Postgraduate School, sollte dagegen die Forschungen seiner beiden 2015 gestarteten Schwestersatelliten zu ionosphärischen Phänomenen ergänzen. Ursprünglich war der Einsatz auf einer Bahn mit hoher Inklination geplant gewesen. Doch fand sich keine Mitfluggelegenheit, so daß man mit dem 51° Orbit der Internationalen Raumstation vorlieb nehmen mußte. Mit dem 2U CubeSat Asgardia 1 plante das selbsterklärte Weltraumkönigreich „Asgardia“ hingegen Tests zur Beständigkeit von Daten (Botschaften von „Staatsbürgern“) auf einer Solid State Disk unter kosmischen Bedingungen. ISARA (Integrated Solar Array and Reflectarray Antenna) war dagegen ein technolgischer Demonstrator des Jet Propulsion Laboratory (JPL). Der 3U CubeSat war mit einer entfaltbaren Solarzellenfläche ausgerüstet, deren Unterseite zugleich als Antenne für ein Kommunikationsexperiment fungierte. Diese sollte im Ka-​Band eine beeindruckende Datenrate von 100 Mbps erreichen.
7Dezember
Mit dem Ausstoß von vier weiteren Lemur 2 Satelliten wurde am 07.12.2017 um 02:00 UTC die Startkampagne der Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ abgeschlossen. Insgesamt vierzehn unterschiedliche CubeSats waren vor dem Start in den NanoRacks External Cygnus Deployer geladen worden. Vor der destruktiven Rückkehr zur Erde war das „Cygnus“ Frachtraumschiff auf einen Orbit rund 50 km oberhalb der ISS manövriert worden und hatte in nunmehr drei „Salven“ die Satelliten gestartet. Jetzt waren als letzte auch Lemur 2 „RocketJonah“, Lemur 2 „Liu-​Poh-​Chun“, Lemur 2 „McCullagh“ und Lemur 2 „Dunlop“ auf ihren Bahnen in 450 km Höhe angekommen.
10Dezember

Start von Alcomsat 1

Algeriens erster nationaler Kommunikationssatellit, Alcomsat 1, wurde am 10.12.2017 mit einer CZ-​3B/​G2 vom Raumfahrtgelände Xichang gestartet. Vertreter des nordafrikanischen Staats hatten im Herbst 2013 nicht nur den Start sondern auch den Satelliten selbst in China bestellt. Der Auftrag umfaßte außerdem die Unterstützung beim Aufbau von zwei Bodenstationen in Medea und Ouargla sowie das Training der Mitarbeiter. Genaue Angaben zur Kommunikationsnutzlast des auf Basis des DFH-​4 Busses der CAST gebauten Satelliten wurden nicht veröffentlicht. Widersprüchlichen Angaben zufolge befanden sich 22 Ku-​Band Transponder sowie eine unbestimmte Zahl und Kombination aus Ka-​, L– und X-​Band sowie EHF– und UHF-​Transpondern an Bord. Denn der Satellit sollte nicht nur der Verbreitung von Fernsehprogrammen, Breitband-​Internet (bis zu 20 Mbps) und sonstigen zivilen Kommunikationsangeboten dienen. Ziel war es auch, die militärische Kommunikation im Rahmen der Terrorbekämpfung zu verbessern. Einige Angebote richteten sich auch an die benachbarten Staaten Marokko, Mauretanien, die Westsahara, Mali, Niger, Burkina Faso, Libyen, Tunesien sowie den Norden des Tschad und des Sudan. Hier sollte die Internetversorgung im Ku-​Band mit bis zu 2 Mbps verbessert werden sowie der Empfang von (GPS, GLONASS und Galileo kompatiblen) L-​Band Navigationssignalen. Alcomsat 1 gelangte zunächst auf eine supersynchrone Transferbahn. Bereits am 18.12.2017 hatte er die geplante geostationäre Position über 24,8° West eingenommen.
12Dezember

Crew Capsule 2.0 First Flight

Nach einer Serie von fünf erfolgreichen suborbitalen Testflügen seiner New Shepard 2 Rakete zwischen November 2015 und Oktober 2016 arbeitete das Unternehmen des US Milliardärs Jeff Bezos, Blue Origin, an einem in Details verbesserten Booster und einer neuen Kapsel. Die Crew Capsule 2.0 sollte schon weitgehend jener entsprechen, mit der Blue Origin vielleicht noch 2018 die bemannten Flüge aufnehmen wollte. Prominentestes Merkmal waren nun die riesigen Fenster, die den zahlenden Passagieren einmal einen einmaligen Ausblick aus 100 km Höhe bieten sollten. Am 12.12.2017 fand der schon länger erwartete Testflug vom Gelände der Corn Range im US Bundesstaat Texas statt. Nach einem stabilen Aufstieg wurde eine Gipfelhöhe von 99,3 km erreicht. Die New Shepard 3 Rakete kehrte sicher zum Ausgangspunkt des Fluges zurück und demonstrierte erneut eine fehlerfreie vertikale Landung. Unweit entfernt landete die Kapsel, allerdings per Fallschirm. An Bord hatten sich neben einem Astronauten-​Dummy auch einige wissenschaftliche Experimente befunden, die kurzzeitig Schwerelosigkeit erfahren hatten. Blue Origin plante auch zukünftig, Wissenschaftlern von Universitäten und Unternehmen, aber auch der NASA, Mitfluggelegenheiten für deren Experimente anzubieten.
12Dezember

Start der Ariane-5ES Mission VA240

Die zweite von drei zum Start von Galileo Navigationssatelliten gebuchte Ariane-​5ES hob am 12.12.2017 von Kourou in Französisch Guyana ab. Nach den vielfältigen Verzögerung beim Aufbau der europäischen Navigationssatelliten-​Konstellation waren die Vierfachstarts mit der Ariane ein Mittel, den Aufbau endlich spürbar voranzutreiben. Probleme mit den Satelliten selbst verhinderten dennoch, daß noch 2016/17 eine voll einsatzfähige Konstellation aufgebaut werden konnte. Doch nun beförderte die Mission VA240 die Galileo Satelliten Nummer neunzehn bis zweiundzwanzig in den Orbit. 215 Minuten nach dem Start wurden Galileo-​FOC FM15 „Nicole“ und Galileo-​FOC FM17 „Alexandre“ ausgesetzt, gefolgt von Galileo-​FOC FM16 „Zofia“ und Galileo-​FOC FM18 „Irina“ zwanzig Minuten später. Aus dem Absetzorbit in etwa 22.920 km Höhe manövrierten die vier Satelliten später auf den 300 km höher gelegenen Arbeitsorbit und „bevölkerten“ Bahnebene A der Konstellation. Hier wurden sie von der European Global Navigation Satellite System Agency (GSA) übernommen, die sie eingehend testete, bevor die offizielle Inbetriebnahme erfolgen konnte.
14Dezember

Landung der Sojus MS-05 Kapsel

Nach einem mit nur viereinhalb Monaten relativ kurzen Weltraumaufenthalt bereiteten sich Sergej Rjasanski (Roskosmos), Randolph Bresnik (NASA) und Paolo Nespoli (ESA) auf ihre Rückkehr zur Erde vor. Die Landung sollte dabei mit Sojus MS-​05 erfolgen, jenem Raumschiff, das sie im Juli 2017 auch zur ISS transportiert hatte. Nach dem Abdocken vom russischen „Rassvjet“ Modul am 14.12.2017 um 05:14 UTC manövrierte Kommandant Rjasanski die Sojus zunächst vorsichtig aus dem Nahbereich der Internationalen Raumstation, bevor die Bremstriebwerke den Wiedereintritt einleiteten. Die Landung erfolgte 147 km südöstlich von Scheskasgan (Kasachstan) bei ruhigem Winterwetter praktisch vor den Augen der Bergungsmannschaften. Nach 3.328:57 h (knapp 139 Tagen) war die Mission damit am 14.12.2017 um 08:38 UTC zu Ende gegangen.
15Dezember

Rocket Lab Electron Startversuch am 12.12.2017

Das neuseeländische Unternehmen Rocket Lab sagte am 15.12.2017 seinen seit Tagen immer wieder aufgeschobenen Start der zweiten Electron Rakete für 2017 ab. Das Startfenster für die „Still Testing“ getaufte Mission hatte sich am 08.12.2017 geöffnet. Tatsächlich verlief eine Woche zuvor das Wet Dress Rehearsal auf der Mahia Halbinsel auch noch erfolgversprechend. Der Starttermin wurde dann aber zur Behebung technischer Probleme vom 09. auf den 11.12.2017 verschoben, um dann wegen zu schlechter meteorologischer Bedingungen und „orbital traffic“ abgesetzt zu werden, da das Startfenster keine Hoffnung auf Besserung der Situation ließ. Am 12.12.2017 gab es zwar einige Verzögerungen, doch schließlich war T-​0 erreicht, als der Computer buchstäblich in letzter Sekunde den Start abbrach. Wie sich herausstellte, verdampfte bei den sommerlichen Temperaturen auf der Südhalbkugel zu viel Flüssigsauerstoff. Am 14.12.2017 waren die Wetterbedingungen ungenügend und am 15.12.2017 kam es während des Countdowns zu einem Problem mit der Stromversorgung. Daraufhin entschied man sich dagegen, am letzten Tag des aktuellen Startfensters noch einen neuen Versuch zu unternehmen. Die Startmannschaft war mittlerweile zu erschöpft. Das nächste Startfenster öffnete sich am 20.01.2018, so daß die Teams Zeit hatten, Weihnachten und Neujahr mit ihren Familien zu feieren.
15Dezember

Start der CRS-13 Mission

Blick in den Trunk des CRS-13 Raumschiffs

Nachdem SpaceX schon länger bekanntgegeben hatte, daß für die CRS-​13 Mission zur Versorgung der ISS ein wiederaufbereitetes „Dragon“ Raumschiff zum Einsatz kommen sollte, überraschte das Unternehmen im Oktober 2017 mit der Nachricht, daß die NASA nun auch der Verwendung einer recycelten Trägerrakete zugestimmt hatte. Nach 15-​monatiger Reparatur sollte zudem auch erstmals wieder eine Falcon 9 v1.2 von SLC-​40 in Cape Canaveral starten. Dieser Startkomplex war am 01.09.2016 bei der Explosion einer anderen Falcon 9 während der Startvorbereitung schwer beschädigt worden. Tatsächlich konnte auch der angekündigte Starttermin 04.12.2017 nicht ganz eingehalten werden, da bis zuletzt noch am Startkomplex und speziell dem TEL (Transporter/​Erector/​Launcher) gearbeitet wurde. Der Hot Fire Test erfolgte schließlich am 06.12.2017, woraufhin der für den 12.12.2017 geplante Start weiter aufgeschoben wurde, um die gesammelten Daten gründlich auswerten und Korrekturen vornehmen zu können. Vor allem waren nun auch noch Fremdpartikel im Antriebssystem der Oberstufe entdeckt worden, was Nacharbeiten und eine gründliche Inspektion nach sich zog. Der Start am 15.12.2017 um 15:36 UTC fand dann aber routiniert und pünktlich „innerhalb“ des einsekündigen Startfensters statt. Die Oberstufe setzte das CRS-​13 Raumschiff präzise auf dem vorgesehenen Transferorbit aus, während die Erststufe auch nach ihrem zweiten Einsatz wieder sicher in der Landezone von Cape Canaveral zurückgekehrt war. Das Einfangen der Kapsel mit dem Manipulatorarm der Internationalen Raumstation gelang am 17.12.2017 um 10:57 UTC, um 13:26 UTC war auch das Berthing am „Harmony“ Modul vollzogen. Damit waren 2.205 kg Nachschub eingetroffen, von denen sich 645 kg im nicht druckbeaufschlagten Trunk des Raumschiffs befanden. Dabei handelte es sich um die beiden wissenschaftlichen Experimente TSIS (Total and Spectral Solar Irradiance Sensor) und SDS (Space Debris Sensor). Diese wurden am 29.12.2017 (TSIS) bzw. 01.01.2018 (SDS) per SSRMS aus dem Trunk herausgezogen und an ihren Montageorten ELC 3 (EXPRESS Logistics Carrier) bzw. CEPA (Columbus External Payload Adapter) installiert. Dragon blieb bis zum 12.01.2018 an der ISS. Um 22:47 UTC war das Unberthing vollzogen und am 13.01.2018 um 09:58 UTC erfolgte das Freisetzen durch den Manipulatorarm. Nach einigen kleineren Manövern hatte das Raumschiff den Nahbereich der Station verlassen und wurde auf eine Wiedereintrittsbahn gebremst. In einem Routinemanöver wasserte die Kapsel mit rund 1.850 kg Rückfracht an Bord sicher am 13.01.2018 um 15:36 UTC im üblichen Seegebiet vor der Küste Kaliforniens.
17Dezember

Start von Sojus MS-07

Ein neuartiges Anflugschema sollte erstmals bei der Sojus MS-​07 Mission zur Internationalen Raumstation Anwendung finden. Dieses erlaubte ein Rendezvous mit der ISS innerhalb von nur zwei Erdumläufen, also etwa drei Stunden. Mit der Vorverlegung des Starttermins vom 27. auf den 17.12.2017 (auf Wunsch der US Flugleitung und der ISS Besatzung zur Reduzierung der Arbeitsbelastung über die Weihnachtsfeiertage) war dieser Plan aber hinfällig und man kehrte wieder zum gewöhnlichen zweitägigen Anflugverfahren zurück. Die Sojus-​FG 11A511U-​FG Rakete mit dem Sojus-​Raumschiff hob dann planmäßig am 17.12.2017 um 07:21 UTC vom Traditionsplatz 1 in Baikonur ab. In der Kapsel hatten Kommandant Anton Schkaplerow (Rußland) und seine beiden Bordingenieure Norishige Kanai (Japan) und Scott Tingle (USA) Platz genommen. Lediglich Schkaplerow verfügte von den dreien über Raumfahrterfahrung. Nach einem ereignislosen Anflug koppelte das Raumschiff am 19.12.2017 um 08:39 UTC am „Rassvjet“ Modul der Station an. Rechtzeitig vor den Weihnachtsfeiertagen befanden sich damit wieder sechs Raumfahrer an Bord der ISS, was sicherlich der Stimmung zuträglich war.
18Dezember

Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ kurz vor dem Freisetzen

Nachdem am 06./07.12.2017 noch vierzehn CubeSats aus dem NanoRacks External Cygnus Deployer (ENRCSD), des Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ Frachtraumschiffs ausgestoßen worden waren, hatte dieses seine Aufgaben erfüllt. Doch entgegen der üblichen Praxis stand nun nicht unmittelbar der gezielte Wiedereintritt in die Atmosphäre an. Stattdessen wurden noch einige Experimente unternommen, die laut Hersteller Orbital ATK u.a. auf eine zukünftige Nutzung des Druckmoduls der „Cygnus“ als Raumstationsmodul gerichtet waren. Tatsächlich basierte das Pressurized Cargo Module (PCM) des Raumschiffs allerdings auf dem Multi-​Purpose Logistics Module (MPLM), mit dem zu Space Shuttle Zeiten Versorgungsflüge zur ISS unternommen worden waren. Und eines der Module war schließlich zum Permanent Multipurpose Module (PMM) umgerüstet worden und versah seit Mai 2015 als Lagermodul seinen Dienst an der ISS. Am 18.12.2017 kam jedenfalls schließlich das Ende von SS „Gene Cernan“. Beladen mit 2.812 kg zur Entsorgung bestimmten Abfällen und ausgedienten Experimenten, trat der Frachter in die Atmosphäre ein und verglühte planmäßig gegen 12:54 UTC über dem Pazifik.
23Dezember

Start der H-IIA F37

Zwei Wissenschaftssatelliten transportierte eine japanische H-​IIA Mod. 202 der JAXA am 23.12.2017 von Tanegashima in den Erdorbit. Dabei handelte es sich um GCOM-​C (Global Change Observation Mission — Carbon cycle) alias „Shikisai“ und SLATS (Super Low Altitude Test Satellite) alias „Tsubame“. Der größere der beiden Satelliten, „Shikisai“, sollte die Langzeitstudien des 2012 gestarteten Schwestersatelliten „Shizuku“ (GCOM-​W) ergänzen, allerdings mit einer etwas anderen Ausrüstung. Denn während „Shizuku“ klimatische Veränderungen mit Bezug auf den Wasserkreislauf studierte, lag der Fokus bei „Shikisai“ auf dem Monitoring von Aerosolen und der Bewölkung. Das Primärinstrument des Satelliten, der Second Generation Global Imager (SGLI), konnte daneben aber auch die Veränderungen der Vegetation oder die Entwicklung des Phytoplanktons verfolgen. Generell also Prozesse, die unter dem Begriff Kohlenstoffzyklus zusammengefaßt werden. Die Empfindlichkeit des Sensors reichte dabei von 380 nm bis 12 µm, also vom nahen UV bis zum thermischen Infrarot. Drei Teleskope boten Beobachtungsmöglichkeiten ohne, zwei weitere mit Polarisation. Das Visible and Near Infrared Radiometer (VNR) erreichte dabei eine Auflösung von 250 m bei 1.150 km Schwadbreite, der Infrared Scanner (IRS) je nach Modus und Spektrum zwischen 250 m und 1 km bei 1.400 km Schwadbreite.
Die Mission von „Tsubame“ bestand hingegen darin, Methoden für den praktischen Betrieb von Erderkundungssatelliten auf extrem niedrigen Bahnen zu erarbeiten. Aufgrund der im Höhenbereich unterhalb von 300 km schwer zu beherrschenden Bedingungen können die Vorteile, die eine solche Bahn für die Erderkundung mittels Kameras oder Sensoren bietet, bisher nicht effektiv genutzt werden. Aufbauend auf den Erfahrungen mit der Raumsonde „Hayabusa“ und dem experimentellen Kommunikationssatelliten „Kiku“ 8 erhielt „Tsubame“ beispielsweise ein Ionen-​Triebwerk auf Xenon-​Basis, um dem zu starken Absinken der Bahn entgegen zu wirken. Schließlich sollte sich der Arbeitsorbit des Satelliten zwischen 268 und 180 km Höhe bewegen. Besondere Schutzmaßnahmen mußten zudem ergriffen werden, um die Solarzellenflächen vor den Schäden zu schützen, die atomarer Sauerstoff anrichten konnte. Ebenfalls aus diesem Grund kamen neuartige mehrlagige thermische Isolierungen zum Schutz empfindlicher Systeme zum Einsatz.
Als erster der beiden Satelliten wurde „Shikisai“ auf einem sonnensynchronen Orbit in knapp 800 km Höhe ausgesetzt. Es folgten zwei weitere Zündungen des Oberstufentriebwerks, unterbrochen von jeweils ausgedehnten Freiflugphasen. Etwa 108 Minuten nach dem Start wurde dann in rund 480 km Höhe auch „Tsubame“ ausgesetzt.
23Dezember

Start der Falcon 9 v1.2 am 23.12.2017

Himmelsschauspiel beim Falcon 9 Start am 23.12.2017

Obwohl SpaceX in 2017 noch zwei weitere Missionen geplant hatte, den Start einer geheimnisvollen militärischen Nutzlast mit Codenamen ZUMA sowie den Jungfernflug der Falcon-​Heavy, zeichnete sich Ende des Jahres doch ab, daß ein anderer Start der letzte des Jahres werden würde. Da seit einer Explosion im September 2016 die Startrampe SLC-​40 in Cape Canaveral nicht zur Verfügung gestanden hatte, mußten alle Ostküstenstarts von LC-​39A erfolgen. Gleichzeitig liefen auf diesem Startkomplex noch der Rückbau der Bodeninstallationen aus dem Space Shuttle Programm und die Vorbereitungen zur Aufnahme der Falcon-​Heavy mit ihren drei Cores. Daß SpaceX in 2017 dennoch allein in Florida dreizehn Starts realisieren konnte, war eine herausragende Leistung, die allerdings auch nur aufgrund der mittlerweile sehr guten Zusammenarbeit mit der USAF, die die „Range“ betrieb, möglich gewesen war. Der letzte Falcon 9 Start des Jahres fand dann aber an der US Westküste statt und brachte die Gesamtzahl der erfolgreichen Starts in diesem Jahr auf achtzehn. Auftraggeber war diesmal der treue Kunde Iridium Communications Inc. Es war bereits der vierte Cluster-​Start mit Iridium-​NEXT Satelliten seit Januar 2017. Und diesmal vertraute man die zehn Satelliten einer Rakete mit aufgearbeiteter Erststufe an. Allerdings griff SpaceX hierfür auf eine ältere Block 3 Stufe zurück, die bei diesem Missionsprofil nicht genug Leistungsreserven hatte, um direkt auf dem Gebiet der Vandenberg AFB zu landen. Man entschied sich sogar dafür, komplett auf einen Landeversuch zu verzichten und die Stufe stattdessen im Meer „zu entsorgen“. Allerdings nach einem kontrollierten Entry– und Landing-​Burn. Dafür wollte SpaceX einen neuen Versuch unternehmen, die Nutzlastverkleidung für eine mögliche Wiederverwendung zu bergen. Dazu wurde die „Mr. Steven“, ein schnelles Mehrzweckschiff, mit einer Spezialkonstruktion an Deck versehen, zwischen deren weit ausladenden Armen offenbar ein Netz gespannt werden konnte. Der Start selbst am 23.12.2017 von SLC-​4E verlief trotz dieser Besonderheiten absolut routiniert, erregte aber an der US Westküste dennoch großes Aufsehen bis hin zur Panik. Denn in der Abenddämmerung bot die startende Rakete ein großartiges Himmelsschauspiel. Speziell das „Jellyfish“ getaufte Phänomen sorgt bei solchen Gelegenheiten immer wieder für großartige Fotomotive. Doch diesmal fand der Start zu einem Zeitpunkt statt, als insbesondere an der US Pazifikküste über die realistische Gefahr eines Nuklearraketenangriffs aus Nordkorea diskutiert wurde. Neben den üblichen Anrufen bei Presse und Polizei zu UFO-​Sichtungen gab es also vereinzelt noch ganz andere Befürchtungen. Beim Auftraggeber Iridium konnte man sich hingegen schon bald über die Bestätigung freuen, daß alle zehn Satelliten — Iridium-​NEXT 135, Iridium-​NEXT 138, Iridium-​NEXT 116, Iridium-​NEXT 130, Iridium-​NEXT 151, Iridium-​NEXT 134, Iridium-​NEXT 137, Iridium-​NEXT 141, Iridium-​NEXT 153 und Iridium-​NEXT 131 — die vorgesehenen Bahnen erreicht hatten und Kontakt zum Kontrollzentrum bestand. Auch wenn noch drei weitere Starts zum vollständigen Aufbau der neuen Konstellation notwendig waren, konnte man mit einem Mix aus alten und neuen Satelliten den Kunden bereits jetzt ein weitaus attraktiveres Angebot für unterschiedliche Kommunikationsdienstleistungen machen, als es noch ein Jahr zuvor möglich gewesen war. Zum Verlauf des Bergungsexperiments mit den beiden Halbschalen der Nutzlastverkleidung verlautete nach der Mission nichts. Scheinbar kehrte die „Mr. Steven“ aber leer in den Hafen zurück.
23Dezember
Knapp drei Wochen nach dem Start des ersten Ludi Kancha Weixing Satelliten für eine geheimnisvolle Konstellation von hochauflösenden Erderkundungssatelliten startete am 23.12.2017 von Jiuquan eine CZ-​2D stretched Rakete mit dem zweiten Exemplar, LKW-​2. Offiziell handelte es sich bei der LKW Serie um zivile Erderkundungs– und –vermessungssatelliten. Auffällig war jedoch das nahezu vollständige Fehlen von weiteren Informationen zur Ausstattung und Aufgabenstellung oder dem Betreiber. Selbst für chinesische Verhältnisse war die Faktenlage ausgesprochen dürftig, was natürlich doch auf eine eher militärische Nutzung hinwies. Die beiden ersten Satelliten bewegten sich jedenfalls auf einer koplanaren Bahn in im Mittel 500 km Höhe bei einem Versatz von 180° zueinander.
25Dezember

Start der Yaogan 30 Gruppe 03

Bereits der dritte Start mit einer Dreiergruppe von Yaogan 30 Satelliten innerhalb von nur vier Monaten erfolgte am 23.12.2017 vom chinesischen Raumfahrtzentrum Xichang. Als im September 2017 die ersten drei, als Yaogan 30 Gruppe 01 bezeichneten, Satelliten gestartet worden waren, löste das unter Raumfahrtexperten zunächst Verwirrung aus. Denn ein Yaogan 30 Satellit befand sich bereits seit Mai 2016 im Orbit. Was zunächst wie ein Kommunikationsfehler erschien, wurde aber im November bestätigt, als die Yaogan 30 Gruppe 02 folgte. Und nun brachte eine CZ-​2C-​III die Yaogan 30 Gruppe 03 auf eine annähernde Kreisbahn in 600 km Höhe bei 35° Bahnneigung. Diesen Orbit bevölkerten auch schon die vorangegangenen sechs Exemplare. Er war aber grundverschieden von der sonnensynchronen Bahn, die Yaogan 30 nutzte. Welcher Art das berichtete Zusammenspiel der Satelliten sein sollte, blieb also weiter undurchsichtig. Bezogen sich die wenigen Hinweise auf die Mission der Yaogan 30 Gruppe hingegen nur auf die Mehrfachstarts, machte die vage Beschreibung als ELINT Satelliten schon etwas mehr Sinn. Auch wenn damit nicht geklärt war, warum ausschließlich das Gebiet so engmaschig überwacht werden sollte, das unter der 35° Bahn lag. Zwar konnten damit das Südchinesische Meer, Indien oder Nordkorea überwacht werden — aber ob dazu explizit eine eigene Satellitenkonstellation aufgebaut werden mußte? Natürlich deckten sich diese Gebiete aber mit jenen, an denen China regional ein besonderes (militärisches) Interesse hatte. Und mit einer zunehmenden Zahl an Satelliten ließ sich eine nahezu lückenlose Überwachung sicherstellen. Wobei sowohl Funksignale aufgefangen und ausgewertet werden konnten als auch eine fotografische Aufklärung möglich war.
26Dezember

Start der Zenit-3SLBF mit Angosat 1

Angosat 1 nach der Montage auf der Fregat Stufe

Eine lange Vorgeschichte hatte der letzte Satellitenstart des Jahres 2017. Bereits am 23.03.2007 hatten offizielle Vertreter Rußlands und Angolas einen Vertrag über Bau, Start und Betrieb eines Kommunikationssatelliten für das südostafrikanische Land unterzeichnet. Industriepartner war RKK Energija, wo man mit dem USP Bus sowohl die Plattform für den Satelliten stellte, als auch mit der Zenit eine Trägerrakete, an der man große Anteile hielt. Mit der praktischen Umsetzung des Projekts wurde aber erst im November 2013 begonnen. Die auch als „Viktoria“ bekannte Satellitenplattform von RKK Energija blickte zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine lange und wenig erfolgreiche Geschichte zurück. Mehrere russische Kommunikationssatelliten auf ihrer Basis hatten entweder unmittelbar nach dem Start versagt oder vorzeitig den Betrieb eingestellt. Für die Kommunikationsnutzlast mit ihren 16 C-​Band und 6 Ku-​Band Transpondern mußte man zudem auf einen westlichen Partner, Airbus Defence & Space, zurückgreifen. Als problematisch erwies sich auch die Wahl der Trägerrakete. Denn die Verfügbarkeit der Zenit-​3SL war aufgrund der Krise in den russisch-​ukrainischen Beziehungen mindestens fraglich. Und mit der Insolvenz des Startdienstleisters Sea Launch und parallel laufenden wechselseitigen Klagen der an dem Projekt beteiligten Unternehmen rückte diese Option in weite Ferne, auch wenn sich mit der russischen S7 Gruppe ein neuer Betreiber des „Sea Launch“ Programms gefunden hatte. Zwischenzeitliche Hoffnungen, den Satelliten auf dem zweiten Exemplar der Angara-​A5 starten zu können, scheiterten an den endlosen Verzögerungen bei der Aufnahme der Serienproduktion dieser Rakete. Und so kehrte man zur Zenit zurück, von der noch ein komplettes flugfähiges Exemplar in Baikonur eingelagert war. Allerdings in der Zenit-​3SLBF Konfiguration mit Fregat– statt Block-​DM Oberstufe. Diese Rakete war ursprünglich für den Röntgenastronomie-​Satelliten Spektr-​RG vorgesehen gewesen. Doch dessen Start war mittlerweile u.a. wegen unlösbarer Gewichtsprobleme auf eine Proton-​M umgebucht worden. Trotz der politischen Eiszeit zwischen Rußland und der Ukraine gelang es dem Management von RKK Energija tatsächlich, das KB Juschnoje zu einer Kooperation in dieser Angelegenheit zu bewegen. Und wider Erwarten gab es auch von seiten der Politik keine unüberwindbaren Schwierigkeiten. Denn die Experten aus der Ukraine bedurften einer Sondergenehmigung für die Dienstreise nach Rußland bzw. Kasachstan. So konnten die Techniker die Re-​Zertifizierung der Rakete, deren Garantiefristen inzwischen abgelaufen waren, vornehmen. Und auch die Startvorbereitung selbst begleiten. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit war ein Lichtblick und machte Hoffnung auf die Zusammenarbeit, die S7 mit den einstigen ukrainischen Partnern des Zenit-​Programms anstrebte. Dennoch verzögerte die Beschaffung von zahllosen Genehmigungen in Moskau und Kiew den geplanten Start vom Sommer auf den Winter 2017. Ende November 2017 kam es bei der Betankung der Fregat-​SB Bugsierstufe auch noch zu einem „Zwischenfall“. Daraufhin mußte der für Anfang Dezember geplante Start auf den Reservetermin 26.12.2017 verschoben werden. Doch auch dieser Termin stand wieder in Frage, als am 28.11.2017 in Wostotschny der Start einer Sojus-2.1b 14A14 mit Fregat-​M 14S44 scheiterte, wobei der Fehler klar bei der Fregat zu suchen war. Am 26.12.2017 lief dann aber alles nach Plan. Die Fregat-​SB mit ihrer Nutzlast erreichte die vorgesehene Übergangsbahn, aus der sie mit drei Zündungen ihres Triebwerks Angosat 1 direkt auf eine Bahn knapp über dem geosynchronen Orbit beförderte. Kaum hatte Roskosmos aber den erfolgreichen Start gemeldet, als russische Medien Berichte aus Raumfahrtkreisen aufgriffen, die von ernsten Problemen mit dem Satelliten berichteten. Demnach war der Funkkontakt in dem Augenblick abgebrochen, als sich die Solarzellen entfalten sollten. Das Problem schien auf Schwierigkeiten mit der Energieversorgung zurückzuführen zu sein, möglicherweise einen Kurzschluß. Am 28.12.2017 meldete zunächst TASS, daß wieder Kontakt zu Angosat 1 bestand. Demnach waren die Batterien nach dem Start entladen gewesen, doch die Solarzellen hatten die Situation gerettet. Offen blieb, wie die Batterien in diesen Zustand hatten geraten können und was das für die Zukunft bedeutete. Auch die Pressemitteilung von RKK Energija brachte am nächsten Tag keine neuen Erkenntnisse. Innerhalb von zweieinhalb Wochen hätte Angosat 1 nun auf seine Arbeitsposition über 14,5° Ost driften sollen. Doch in der zweiten Januarwoche 2018 driftete der Satellit immer noch mit etwa 3° pro Tag westwärts und hatte seinen Slot bereits hinter sich gelassen. Und nicht nur Angosat 1 driftete unkontrolliert in gefährlicher Nähe zum geostationären Orbit. Auch der Plan, die Fregat-​Oberstufe auf einem „Friedhofsorbit“ zu entsorgen, hatte nur bedingt funktioniert. Lediglich 92 km über dem GEO lag das Perigäum und damit noch innerhalb der ausgewiesenen Sicherheitszone. Was die Angosat 1 Mission betarf, so war diese zwar offiziell noch nicht gescheitert, ob aber die Pläne erfolgversprechend waren, erst im April 2018 in Funksicht der eigenen Bodenstation einen neuen Rettungsversuch zu unternehmen, blieb unter Experten mindestens umstritten.
28Dezember
Unspektakulär endete die Mission des russischen Transportraumschiffs Progress MS-​06. Nach einem Flug von sechseinhalb Monaten, und damit an der Obergrenze der technischen Lebensdauer der Konstruktion, koppelte die Progress am 28.12.2017 um 01:03 UTC vom „Swjesda“ Modul ab. Um 04:11 UTC wurde mit einem dreiminütigen Bremsimpuls der Abstieg in die unteren Atmosphärenschichten eingeleitet. Der Wiedereintritt wurde um 04:43 UTC festgestellt und Trümmer, so sie den Abstieg überlebt hatten, dürften gegen 04:52 UTC in einer ausgewiesenen Sperrzone im Stillen Ozean versunken sein.