Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-11-21T22:38:56+01:00

Juli 2017.

2Juli

die CZ-5 vor ihrem zweiten Start

Überraschend erlitt die neue chinesische Schwerlastrakete CZ-​5 bei ihrem zweiten Einsatz am 02.07.2017 von Wenchang einen Fehlstart. Beim Jungfernflug im November 2016 waren zwar auch einige Probleme aufgetreten, die jedoch den Erfolg der Mission nicht gefährden konnten. Und bei einer kompletten Neuentwicklung war das auch nicht verwunderlich. Daher vertraute man der Rakete beim zweiten Einsatz mit Shijian 18 eine kostspielige Nutzlast an. Der experimentelle Kommunikationssatellit basierte auf dem von der China Academy of Space Technology (CAST) entwickelten zukunftsweisenden neuen DFH-​5 Satellitenbus. Dank eines eigenen Apogäumstriebwerks konnte dieser etwa 7,6 Tonnen schwere Satellit aus eigener Kraft aus einer Transferbahn auf eine Synchronbahn manövrieren, war also nicht auf die beim CZ-​5 Jungfernflug eingesetzte Y-​2 Bugsierstufe angewiesen. Nur wenige konkrete technische Details verlauteten vor dem Start zu dem Satelliten oder seiner Mission. Mit einer Leistung der Solarzellenanlage von 28 kW und einem Satz von Ionen-​Triebwerken für Routine-​Bahnmanöver entsprach er in seiner Auslegung jedenfalls modernsten westlichen Modellen. Die Kommunikationsnutzlast von SJ-​18 war für Übertragungen im Ka-​Band ausgelegt und sollte einen hohen Durchsatz von 70 Gbps garantieren. Die Übertragungsrate eines Laser-​Terminals wurde mit 4,8 Gbps im Downlink angegeben. Einige Quellen sprachen zudem von einem Experiment zur Quanten-​Kommunikation, ähnlich dem, das der im August 2016 gestartete Quantum Science Satellite „Mozi“ an Bord hatte. Doch der Satellit erhielt nie die Gelegenheit, seine Leistungsfähigkeit zu demonstrieren. Der live im Fernsehen übertragene Start schien zunächst erfolgreich zu verlaufen, doch nach Stunden kam das Eingeständnis, daß er keine Umlaufbahn erreicht hatte. Die Ursache blieb unklar. Auffälligkeiten in den Videobildern ließen keinen klaren Schluß zu, ob das Problem in einem der YF-​77 Haupttriebwerke, bei einem der Booster und/​oder der Oberstufe zu suchen war. In chinesischen Medien wurde zudem eine offene Diskussion des Fehlstarts behindert. Der Fehlstart, nur zwei Wochen nachdem das Oberstufenproblem einer CZ-​3B/​G2 die Mission eines anderen Kommunikationssatelliten nahezu ruiniert hatte, kam der chinesischen Führung offenbar sehr ungelegen. Praktisch bedeutete der Zwischenfall aber auch, daß neben der CZ-​2D (seit einem Oberstufenproblem im Dezember 2016 vom Startbetrieb zurückgezogen) und der CZ-​3 Modellreihe nun auch die CZ-​5 nicht starten konnte. Zahlreiche Nutzlasten mußten zurückgestellt werden. Der Ausfall der CZ-​5 bedrohte ganz konkret das Chang’e Mondprogramm und die Raumstationspläne.
3Juli

die geborgene CRS-11 Kapsel

Am 02.07.2017 gegen 18:00 UTC wurde das SpaceX „Dragon“ CRS-​11 Frachtraumschiff nach dem Lösen der Sicherungsbolzen mit dem Manipulatorarm der Internationalen Raumstation von seiner Berthing-​Position am „Harmony“ Modul weggeschwenkt. Nach knapp einem Monat näherte sich seine Mission damit ihrem Ende. Wegen schlechter Wetterbedingungen im Seegebiet vor der kalifornisch-​mexikanischen Pazifikküste, wo wenig später die Wasserung geplant war, wurde das Freisetzen aber um einige Stunden auf den folgenden Tag verschoben. Der Greifmechanismus des Canadarm2 löste sich schließlich am 03.07.2017 um 06:41 UTC. Nach einer Serie von Bahnmanövern wurde die Retrozündung eingeleitet. Die Kapsel wasserte sicher am 03.07.2017 gegen 12:14 UTC vor Baja California, wo sie von einem kleinen Versorgungsschiff aufgenommen wurde. Rund 1.700 kg an Material waren damit zur Erde zurückgekehrt und standen nun Wissenschaftlern und Ingenieuren zur Untersuchung zur Verfügung.
5Juli

Start von Intelsat 35e

Im Juli 2014 hatte die Intelsat S.A. bei Boeing einen weiteren (den neunten) Kommunikationssatelliten des Typs BSS-​702MP geordert. Auch Intelsat 35e war zur Verstärkung der EpicNG Flotte geplant, die einen Mix an Frequenzen im C-​, Ku– und Ka-​Band nutzten um mit großflächigen Ausleuchtzonen und scharf bündelnden Sendekeulen moderne Breitband-​Kommunikationsangebote mit hohem Bandbreitebedarf zu befriedigen. Der Start des Satelliten wurde bei SpaceX gebucht. Aufgrund seiner Startmasse von über 6,7 Tonnen konnte allerdings selbst deren aktuelle Falcon 9 v1.2 den Bahneinschuß nur unter Verzicht auf die inzwischen schon routinemäßig praktizierte Landung der Erststufe vornehmen. Neun Sekunden vor T-​0 brach am 02.07.2017 der Computer den Countdown zum Start ab. Ein zweiter Startversuch am 04.07.2017, dem Nationalfeiertag der USA, wurde exakt zum gleichen Zeitpunkt unmittelbar vor Einleitung der Zündsequenz von der Automatik abgebrochen. Eigentlich sollte die „Range“ nach diesem Termin für einige Wochen für Wartungsarbeiten geschlossen werden. Doch die USAF gab SpaceX noch eine weitere Chance. Und im dritten Anlauf gelang am 05.07.2017 ein makelloser Start. Die ohne Landeausrüstung spürbar leichtere Rakete setzte Intelsat 35e auf einer Transferbahn mit einem supersynchronen Apogäum von knapp 43.000 km aus. Das erlaubte es Intelsat, ihren neuesten Satelliten treibstoffsparend auf einen geostationären Orbit zu manövrieren. Gut zwei Wochen nach dem Start war die Zielbahn erreicht und der Satellit näherte sich seiner Arbeitsposition über 34,5° West. Als Nachfolger von Intelsat 903 konnte er von hier aus im C– und Ku-​Band nach Nord-​, Mittel– und Südamerika, in die Karibik, nach Afrika und Europa abstrahlen. Ein Teil seiner Nutzlast war speziell für direct-​to-​home (DTH) Angebote im Karibikraum und Europa reserviert.
7Juli
In einer ersten Startsequenz wurden am 07.07.2017 um 08:51UTC die drei Satelliten TOKI (Japan), GhanaSat 1 (Ghana) und „Mazaalai“ (Mongolei) für die BIRDS 1 Konstellation aus dem J-​SSOD #7 Starter ausgestoßen, der vom japanischen Manipulatorarm der ISS in Position gebracht worden war. Internationale Austauschstudenten des Kyushu Institute of Technology (KIT) aus Entwicklungsländern erhielten mit Unterstützung des renommierten Kyotech im Rahmen des BIRDS Programms die Gelegenheit, baugleiche 1U CubeSats zu konzipieren, bauen und starten zu lassen. Das 2015 vorgestellte Konzept erregte international so großes Interesse, daß zum Zeitpunkt der BIRDS 1 Satelliten bereits die Realisierung von BIRDS 2 lief und Gespräche für weitere Missionen im Gange waren. In den am Projekt beteiligten Ländern wurden kleine Bodenstationen errichtet, die dem Empfang von Telemetrieinformationen und Bilddaten der beiden jeweils verbauten Kameras (0,3 bzw 5 MP) dienten.
7Juli

Ausstoß von BRAC Onnesha und NigeriaEdusat 1

Zwanzig Minuten nach den ersten drei Satelliten des BIRDS 1 Projekts folgten am 07.07.2017 um 09:11 UTC die restlichen zwei. Wieder war der J-​SSOD #7 (JEM Small Satellite Orbital Deployer) mit dem JEMRMS Manipulatorarm in Position gebracht worden, bevor auf Kommando aus dem Kontrollzentrum der Ausstoß von BRAC Onnesha (Bangladesch) und NigeriaEdusat 1 (Nigeria) erfolgte. Die Signale der fünf baugleichen Satelliten konnten schon bald darauf von Amateurfunkern in der ganzen Welt empfangen werden. Unterdessen wurde der J-​SSOD wieder in die Luftschleuse des „Kibō“ Moduls zurückgeholt.
14Juli

Start einer Sojus-2.1a mit Kanopus-V-IK 1 und 72 Kleinsatelliten

einige der 72 Kleinsatelliten und ihre Startvorrichtungen

Test der Solarzellenanlage bei Kanopus-V-IK 1

eine der ersten IR-Aufnahmen von Kanopus-V-IK mit eingezeichneten Brandherden nördlich des Kaspischen Meeres

Einen in dieser Form noch nicht unternommenen Mehrfachstart gab es am 14.07.2017 in Baikonur mit einer Sojus-2.1a mit Fregat-​M 14S44 Bugsierstufe. Neben der Hauptnutzlast, dem russischen Erderkundungssatelliten Kanopus-​V-​IK, flogen zweiundsiebzig Kleinsatelliten auf der Fregat. Sie wurden zeitlich und räumlich versetzt auf unterschiedlichen Bahnen ausgesetzt. Nach zwei Zündungen des Fregat-​Triebwerks war zunächst die Aussetzbahn für Kanopus-​V-​IK erreicht. Bei dem Satelliten, dessen Arbeitsorbit in 510 km Höhe lag, handelte es sich um das zweite Exemplar aus der 2012 begonnenen Kanopus-​V („Vulkan“) Baureihe. Gegenüber dem Basismodell mit seiner Ausrüstung aus panchromatischer Kamera und multispektralen Sensoren bzw. Scannern waren einige Änderungen vorgenommen worden, die dem Satelliten nun auch zusätzliche Kapazitäten im infraroten Spektrum verliehen. Daher die neue Bezeichnung (IK stand für Инфра-​Красный, also Infrarot). Bei einer Schwadbreite von 2.000 km sollte der Sensor Feuer von lediglich 25 m² Fläche erkennen können. Für Rußland, wo Brände in entlegenen Regionen immer wieder großen Schaden anrichteten, war ein solches System potentiell von großem Nutzen.
Zwei weitere Zündungen der Fregat brachten diese auf etwa 600 km Höhe, wo in zwei Startsequenzen FLP, NorSat 1 und NorSat 2, TechnoSat, WNISAT, MKA-​N 1 und MKA-​N 2, drei CICERO, zwei Corvus-​BC, acht Lemur-​2, NanoACE, Majak, Iskra-​MAI-​85 und EUTE-​YuZGU ausgesetzt wurden. FLP („Flying Laptop“) war am IRS (Institut für Raumfahrtsysteme) der Universität Stuttgart entworfen und gebaut worden. Der Kleinsatellit diente als Demonstratorplattform für eine Reihe innovativer Lösungen. Zu seinen Aufgaben zählte die Gewinnung multispektraler Erdaufnahmen, die Erprobung des OSIRIS IR-​Laser Hochgeschwindigkeits-​Datenübertragungssystems sowie eines AIS (Automatic Identification System) Signalempfängers zur Bestimmung von Schiffspositionen. Zum Ende der auf mindestens zwei Jahre veranschlagten Mission war noch die Erprobung eines an der japanischen Tohoku University entwickelten De-​Orbit Systems in Form eines 2,5×2,5 m „Segels“ geplant. Die beiden norwegischen Satelliten NorSat 1 und NorSat 2 basierten auf dem Next-​generation Earth Monitoring and Observation (NEMO) Bus des UTIAS (University of Toronto — Institute for Aerospace Studies). Das Norsk Romsenter rüstete sie für unterschiedliche Missionen aus. Beide Satelliten erhielten einen verbesserten AIS Empfänger. Daher übernahm Kystverket (die norwegische Küstenverwaltung) einen erheblichen Teil der Kosten des Projekts. Daneben war NorSat 1 mit zwei wissenschaftlichen Experimenten ausgerüstet, der schon aus dem QB50 Programm bekannten multi-​Needle Langmuir Probe (m-​NLP) und dem Compact Lightweight Absolute Radiometer (CLARA). Ursprünglich war der Start des Satelliten bereits im April 2016 von Kourou geplant gewesen. Doch Zweifel an der von Arianespace gestellten Startvorrichtung hatten dazu geführt, daß NorSat 1 im letzten Augenblick zurückgezogen worden war. Auffälligstes Merkmal von NorSat 2 war die ausfahrbare Yagi-​Antenne der VDE (VHF Data Exchange) Nutzlast. Sie sollte höhere Datenübertragungsraten garantieren, als bisher von den üblichen AIS erreichbar. Der an der TU Berlin entwickelte TechnoSat alias TUBSAT 12 sollte als Qualifikationsmodell des neuen TUBiX20 Satellitenbusses dienen. Geplant war, diverse Systeme und Lösungen (fluiddynamischer Aktuator, S-​Band Sender, Sternsensor, Mikrometeoriten-​Detektor, Reaktionsradsystem, Kamera) mit TechnoSat zu erproben. In Zusammenarbeit mit dem Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) waren zudem 14 kommerziell verfügbare Laser-​Retroreflektoren integriert worden, die als kostengünstige Alternative zu raumfahrtqualifizierten Modellen erprobt werden sollten. Der japanische WNISAT 1R war dagegen als verbesserter Nachfolger des im November 2013 gestarteten WNISAT 1 konzipiert. Stand ursprünglich die Gewinnung von meteorologischen Aufnahmen speziell zum Zustand der Nördlichen Seewege im Vordergrund (neben einer wissenschaftlichen Mission zur Bestimmung des CO2 Gehalts der Atmosphäre), war der Betreiber Weather News Inc. nun auch an weiteren meteorologisch relevanten Informationen (tropische Wirbelstürme, Vulkanausbrüche etc.) interessiert. Dazu waren nun vier unabhängige Kameras für das sichtbare Spektrum, sowie den roten bis infraroten, blauen und grünen Spektralbereich verbaut. Die erreichbare Auflösung variierte dabei je nach Spektrum zwischen 200 und 400 m. Weitere Informationen sollten per GNSS-​R (Global Navigation Satellite System – Reflectometry) gewonnen werden. Hersteller Axelspace hatte zudem großes Interesse an einem Experiment zur optischen Kommunikation. Im Auftrag von Roskosmos hatte NPP Dauria (Dauria Aerospace) zwei 6U CubeSats für das MKA-​N (малый космический аппарат — нано класса, dt. svw. kleiner Satellit der Nano-​Klasse) Programm gebaut. Dabei griff man auf die Entwicklungen für das eigene Perseus-​O Programm zurück. Mit diesem wollte das hoffnungsfroh gestartete Startup Dauria in das globale Geschäft der CubeSat Erderkundungskonstellationen einsteigen. Eine tragfähige Finanzierung konnte jedoch nicht aufgebaut werden und das Unternehmen mußte sich einem rigorosen Schrumpfungskurs unterziehen. Die 3-​Achsen-​stabilisierten MKA-​N verfügten über eine Multispektralkamera mit einer Auflösung von 22 m. Sie war für den sichtbaren bis nah-​infraroten Spektralbereich empfindlich. Zu den Nutzern der Satellitendaten sollten verschiedene russische Behörden und Ministerien zählen. Ebenfalls auf einem 6U CubeSat Bus, jedoch von Tyvak Nano-​Satellite Systems, basierten die drei CICERO (Community Initiative for Cellular Earth Remote Observation) Satelliten des US Unternehmens GeoOptics Inc. Dieses plante den Aufbau einer Konstellation aus mindestens 24 Satelliten zur Sondierung der Erdatmosphäre mittels Radio-​Okkultation (GNSS-​RO) unter Verwendung von GPS und Galileo-​Signalen. Zusätzlich sollte zur Erderkundung das Verfahren der GNSS-​Reflektometrie (GNSS-​R) eingesetzt werden. Ein erster Satellit, CICERO 6, war drei Wochen zuvor mit einer PSLV-​XL gestartet worden. Satellitenhersteller Tyvak war auf diesem Mehrfachstart auch mit dem eigenen NanoACE Satelliten vertreten. Der 3U CubeSat war als Testplattform für eine Reihe von Systemen konzipiert, die auf späteren Satelliten des Herstellers zum Einsatz kommen sollten. Command and Data Handling (CDH) System sowie die Guidance Navigation and Control (GNC) Software waren daher Teil der Validierung. Aber auch Miniatur-​Aktuatoren sowie je zwei Kameras für das sichtbare und infrarote Spektrum mit automatischer Datenaufbereitung sollten getestet werden. Spektakulärstes Element des Erprobungsprogramms war aber der Einsatz von acht Kaltgas-​Miniaturtriebwerken bei Experimenten zur 3-​Achsen-​Stabilisierung und zur Ausrichtung des Satelliten. Auch das US Startup Astro Digital (vormals Aquila Space) plante den Einstieg in das Geschäft mit kommerziellen Erderkundungsdaten. Seine Corvus-​BC Satelliten wiesen eine große Ähnlichkeit zu den beiden russischen MKA-​N auf. Tatsächlich war das Unternehmen von ehemaligen Mitarbeitern der Dauria Aerospace Tochterfirma Canopus Systems gegründet worden, nachdem Dauria seine US Tochter liquidiert und das ursprüngliche Perseus-​O eingestellt hatte. Entsprechend fielen die technischen Daten aus: 22 m Auflösung in den Spektralbereichen grün (520600 nm), rot (630690 nm) und NIR (770900 nm) bei einer Schwadbreite von 220 km. Zehn dieser Satelliten sollten perspektivisch die Landmapper-​BC Konstellation bilden. Eine Gruppe junger Studenten aus dem Umfeld der Moskauer Polytechnischen Universität (Московский Политехнический Университет) hatte ab 2013 das Projekt des Majak (engl. Mayak) Satelliten verfolgt. Ausgehend von einem CubeSat im 3U Format sollte im Orbit aus vier dreieckigen hochreflektiven Folien von je 4 m² ein Objekt in Form eines Tetraeders entfaltet werden. Mit einer Magnitude von –10 sollte Majak eines der hellsten Objekte am Nachthimmel werden. Auch wenn eine Nutzung zum Deorbiting von Satelliten angeführt wurde, war das (teils) per Crowdfunding finanzierte Projekt vor allem dazu gedacht, das öffentliche Interesse an der Raumfahrt zu steigern. Wie ähnliche frühere Projekte von Weltraum-​Reflektoren stieß auch dieses auf Widerstand von Astronomen, die vor einer „Lichtverschmutzung“ des Himmels warnten. Die Bedenken wurden hinfällig, als sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen (eine Telemetrieübertragung war nicht vorgesehen) die Reflektoren nicht entfalteten. Ebenfalls von Studenten stammte der Iskra-​MAI-​85 Satellit. Am Moskauer Staatlichen Luftfahrtinstitut MAI (Московский Авиационный Институт) existierte bereits seit 1978 ein kleines Konstruktionsbüro für Satelliten. 1981 und 1982 gelangten unter dem Namen „Iskra“ drei Amateurfunksatelliten des Konstruktionsbüros ins All. Den 85. Jahrestag der Gründung des MAI im Jahr 2015 wollten die Studenten mit einem weiteren Satelliten würdigen. Den Wunschstarttermin hatte man zwar nicht einhalten können, doch nun reihte sich der Satellit in die Reihe der studentischen CubeSat Projekte ein. Teams zweier Universitäten auf zwei Kontinenten standen hinter dem letzten universitären Projekt, das für diese Mission eine Mitfluggelegenjeit erhalten hatte. Beteiligt waren die Universidad Tecnológica Equinoccial (UTE) in Quito (Ecuador) und die Süd-​Westliche Staatliche Universität (SWSU) in Kursk (Rußland). Entsprechend vielfältig fielen die Bezeichnungen des Satelliten aus: Ecuador UTE-​UESOR (spanisch), Эквадор UTE-​ЮЗГУ (russisch) bzw. Ecuador UTE-​YuZGU (englisch). Der Satellit selbst war ein einfaches Modell im 1U CubeSat Format, das primär als Trainingsobjekt für die Studenten gedient hatte. Die größte Gruppe der in 600 km Höhe ausgesetzten Satelliten bildeten achten Lemur 2 Satelliten des US Unternehmens Spire. Sie waren mit der üblichen Kombination aus der Radio-​Okkultations-​Nutzlast STRATOS und dem SENSE AIS Empfänger ausgerüstet. Die Daten der Satellitenflotte wurden kommerziell angeboten. Nachdem die insgesamt 24 Satelliten in 600 km Höhe ausgesetzt waren, manövrierte die Fregat mit zwei weiteren Zündungen auf eine niedrigere 485 km Bahn​.Im Verlauf von 23 Minuten wurden hier insgesamt 48 Satelliten für die Flock-​2k Konstellation des US Unternehmens Planet Labs ausgesetzt, das damit seine Marktführerschaft auf dem Gebiet von Echtzeit-​Erderkundungsdaten festigte. 8:15 h nach dem Start von Baikonur zündete die Fregat schließlich ein letztes Mal, um eine knappe halbe Stunde später planmäßig in der Atmosphäre zu verglühen.
Die Koordinierung der Startverträge hatte für diese Mission in den Händen des russischen Staatsunternehmens Glawkosmos gelegen. Dieses war 1985 als „Hauptverwaltung zur Entwicklung und Nutzung von Weltraumtechnik für die Wirtschaft und Wissenschaft“ gegründet worden und begründete die sowjetischen Bemühungen um eine kommerzielle Vermarktung seiner Weltraumaktivitäten. Vor allem mit Startdienstleistungen war man in den 1980er und 90er Jahren vergleichsweise erfolgreich. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Privatisierung eines großen Teils der Raumfahrtindustrie verlor die Glawkosmos jedoch an Bedeutung. Russische Unternehmen gingen nun eher direkte Partnerschaften mit westlichen Unternehmen ein (ILS, Eurockot, Cosmos International etc.). Nach einer umfassenden Restrukturierung der russischen Raumfahrt war nun Glawkosmos wieder aktiviert worden.
Am 23.08.2017 meldete die russische Zeitung „Iswestija“, daß drei der am 14.07.2017 gestarteten russischen Satelliten nach dem Start nicht kontaktiert werden konnten bzw. ausgefallen seien. Demnach handelte es sich um die beiden MKA-​N und Iskra-​MAI-​85. Das sorgte seitens des MAI jedoch umgehend für ein energisches Dementi. Demnach waren im Juli und August regelmäßig Daten von dem Satelliten empfangen worden. Hinsichtlich Details zu seiner Mission blieb man aber weiter vage. Dauria Aerospace bestätigte hingegen schließlich, daß man keinen Kontakt zu den beiden MKA-​N hatte aufbauen können. Ab Ende August 2017 wurden in der Fachpresse immer neue Berichte öffentlich, die sich mit den ausgefallenen Satelliten befaßten. Dabei wurde auch bekannt, daß es zu mindestens einer Anomalie beim Aussetzen gekommen war. Denn einer der acht Lemur-​2 Satelliten (Lemur 2 „ArtFisher“) war auf einem rund 150 km zu niedrigen Orbit gestrandet. Offenbar hatte er seinen Startcontainer erst auf der niedrigeren, zum Aussetzen der Flock-​2k Satelliten angeflogenen, Bahn verlassen. Unterdessen hatte auch Planet Labs Schwierigkeiten, einen seiner Flock-​2k zu kontaktieren. Offiziell keine Bestätigung gab es für Berichte, wonach zu keinem der drei CICERO Satelliten Kontakt bestand. An der SWSU in Kursk hatte man lediglich vom 15. bis. 30.07.2017 Kontakt zu UTE-​YuZGU gehabt. Wobei die Telemetrie schon von Beginn an niedrige Batterieladestände signalisierte. Probleme mit der Energieversorgung waren bei studentischen CubeSat Projekten aber keineswegs ungewöhnlich. Am 08.09.2017 gab dann überraschend auch das Unternehmen Astro Digital bekannt, daß es den Kontakt zu seinen beiden Landmapper-​BC Satelliten verloren hatte. Nach dem Start waren zunächst offenbar einige Telemetriedaten empfangen worden, doch dann brach der Kontakt ab. Nach sechswöchigen vergeblichen Bemühungen entschied man, sich lieber auf den nächsten Start zu konzentrieren und schrieb die beiden Satelliten ab.
20Juli
Nach einem Flug von knapp fünf Monaten koppelte das mit Abfällen beladene russische Frachtraumschiff Progress MS-​05 am 20.07.2017 um 17:46 UTC vom „Pirs“ Dockingmodul der ISS ab und leitete die Rückkehr zur Erde ein. Nach einigen kleineren und schließlich größeren Bahnmanövern zündete das Haupttriebwerk um 20:58 UTC für den gezielten Wiedereintritt in die Atmosphäre. Der destruktive Wiedereintritt wurde um 21:32 UTC markiert und mögliche Trümmer der Progress sollten gegen 21:41 UTC in dem als Speerzone ausgewiesenen Gebiet des Pazifik im Ozean versunken sein.
28Juli

Sojus MS-05 kurz nach dem Dockingmanöver

Nach der Landung von Sojus MS-​03 am 02.06.2017 lief der Betrieb der ISS zunächst nur mit einer Rumpfcrew weiter. Mit nur drei Besatzungsmitgliedern war aber kein sehr effizientes Arbeiten sichergestellt, so daß derartige Phasen normalerweise eher kurz gehalten wurden. Diesmal vergingen aber immerhin acht Wochen, bevor sich mit Sojus MS-​05 Verstärkung auf den Weg machte. Am 28.07.2017 um 15:41 UTC hob die Sojus-​FG 11A511U-​FG von Baikonur ab. An Bord des Raumschiffs Kommandant Sergej Rjasanski sowie die beiden Bordingenieure Randolph Bresnik und Paolo Nespoli. Nach nur gut sechs Stunden koppelte Sojus MS-​05 am 28.07.2017 um 21:54 UTC am „Rassvjet“ Modul der Internationalen Raumstation an. Es folgen die üblichen Routine-​Sicherheitsprüfungen, bevor die Ankömmlinge in die ISS hinüberwechseln konnten. Der italienische ESA/​ASI Astronaut Nespoli auf seinem dritten Raumflug (Mission „Vita“) wurde besonders herzlich von Peggy Whitson begrüßt, mit der er 2007 während seiner Kurzzeitmission „Esperia“ einige gemeinsame Zeit im All verbracht hatte. Nun trafen sich beide bei ihrer jeweils dritten Mission erneut auf der ISS. NASA Astronaut Bresnik hingegen war einer der wenigen noch aktiven Astronauten aus dem Space Shuttle Programm (ausgebildeter Pilot), der seither noch nicht wieder mit der Sojus ins All geflogen war. Gemeinsam fuhren die sechs Expedition 52 Raumfahrer nun die Forschungsaktivitäten wieder hoch.