Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-10-19T14:30:00+02:00

Juni 2017.

1Juni

Start der H-IIA mit „Michibiki“ 2

Beinahe sieben Jahre vergingen nach dem Start des ersten Satelliten des japanischen QZSS (Quasi Zenith Satellite System), bevor das Programm mit dem Start von drei weiteren fortgeführt wurde. Lange war die Finanzierung des Projekts, das GPS-​kompatible Navigationssignale auch in den engen Häuserschluchten japanischer Großstädte oder in entlegenen Bergregionen stabil verfügbar machen sollte, nicht gesichert. So wurde QZS 1 („Michibiki“ 1) einem sehr ausgiebigen Praxistest unterzogen. Die Erfahrungen flossen in die Entwicklung der zweiten Satellitengeneration ein, die im April 2013 autorisiert wurde. Das operative QZSS basierte auf einer Konstellation aus zwei Satelliten auf inklinierten 24-​Stunden-​Bahnen (QZS 2 und QZS 4) und einem auf einem geostationären Orbit (QZS 3). Der Aufbau des Systems war für 2017/18 geplant, den Anfang machte nach einigen weiteren Verschiebungen des gesamten Startmanifests am 01.06.2017 „Michibiki“ 2. An diesem Tag beförderte eine H-​IIA Mod. 202 den Satelliten von Tanegashima auf eine hochelliptische Transferbahn, wo er eine knappe halbe Stunde nach dem Start ausgesetzt wurde. Auffälligster Unterschied der neuen Satellitengeneration im Vergleich zum Prototypen war der Einsatz neuer 2-​Segment-​Solarzellenflächen mit 6,3 kW Gesamtleistung anstelle der ursprünglichen 3-​Segment-​Paneele mit 5,3 kW. Als sekundäres Experiment trug „Michibiki“ 2 einen SEDA (Space Environment Data Acquisition) Meßkomplex, wie er seit 1987 schon auf einer Reihe japanischer Satelliten und der ISS zum Einsatz gekommen war. SEDA erforschte dabei unterschiedlichste Parameter des „kosmischen Umfelds“ des Satelliten (Strahlung, Teilchen, Plasma, Mikrometeoriten etc.).
1Juni

die Ariane-5ECA VA237 in der Startzone

Auch die VA237 Mission von Arianespace gehörte zu denen, die sich durch die Streiks und Unruhen in Französisch Guyana im Frühjahr 2017 verzögert hatten. Während die Baugruppen der Ariane Trägerrakete noch rechtzeitig von der MN „Toucan“ entladen und zum CSG (Centre Spatial Guyanais) transportiert werden konnten, konnte eine der beiden Nutzlasten, Eutelsat 172B, gar nicht erst aus der AN-​124 Transportmaschine entladen werden. Daher wurde er am 28./29.03.2017 via Suriname wieder zum Hersteller nach Toulouse ausgeflogen. Einen Monat später kehrte er nach Cayenne zurück. Der größere der beiden Satelliten, ViaSat 2, war bereits am 17.03.2017 in Französisch Guyana eingetroffen. Am 01.06.2017 hob die Ariane-​5ECA schließlich mit der Rekordnutzlast für einen geostationären Transferorbit von 10.865 kg von Kourou ab. Als erster der beiden Satelliten wurde ViaSat 2 der im kalifornischen Carlsbad ansässigen ViaSat Inc. ausgestoßen. Der von Boeing Satellite Systems auf Basis der BSS-​702HP Plattform gefertigte Satellit war ausschließlich zur Kommunikation im Ka-​Band ausgelegt. Mit einem Gesamtdatendurchsatz von mehr als 300 Gbps stellte der Satellit neue Maßstäbe für Anbieter mobiler Breitbandangebote auf und trat in direkte Konkurrenz zu den geplanten Satellitenkonstellationen neuer Anbieter. Stationiert über 69,9° West vor der US Ostküste umfaßte das Versorgungsgebiet des Satelliten Nord– und Zentralamerika, die Karibik und den nördlichen Teil Südamerikas. Vor allem aber konnten auch Flug– und Schiffsreisende auf den Transatlantikrouten mit Internetangeboten versorgt werden. Der Start des Satelliten war ursprünglich für Ende 2016 auf einer SpaceX Falcon Heavy gebucht gewesen, mußte aber wegen der anhaltenden Nichtverfügbarkeit des Trägers auf eine Ariane wechseln.
Der von Airbus Defence and Space auf Basis der Eurostar-​3000EOR Plattform gebaute Eutelsat 172B war dagegen mit einer Kommunikationsnutzlast bestückt, die 14 C-​Band und 36 Ku-​Band Transponder sowie eine sogenannte „high throughput“ Ku-​band Nutzlast umfaßte. Der Satellit der Eutelsat S.A. war für die Orbitalposition 172° Ost in Auftrag gegeben worden. Im C-​Band sollte von dort aus schwerpunktmäßig Südostasien versorgt werden (wobei die gesamte Pazifikregion abgedeckt werden konnte), während die Ku-​Band Sendekeulen auf den Nordpazifik, Nordostasien, den südöstlichen Pazifik, den südwestlichen Pazifik und den Südpazifik gerichtet werden sollten. Und schließlich war die Internet– und TV-​Versorgung von Passagieren auf transpazifischen Flügen mit der 1,8 Gbps high throughput Nutzlast geplant. Für den Hersteller Airbus war Eutelsat 172B der erste Kommunikationssatellit, der ausschließlich auf „elektrische“ Triebwerke (russische Fakel SPT140D) setzte. Und sogar weltweit war es der erste high power Satellit, bei dem auf konventionelle Triebwerke verzichtet worden war. Entsprechend länger dauerte aber die Transferphase bis auf den geostationären Arbeitsorbit. Veranschlagt waren vier Monate.
3Juni

Dragon CRS-11 nach der Ankunft bei der ISS

langzeitbelichtete Aufnahme der gelandeten CRS-11 Stufe mit der deutlich erkennbaren Anflugbahn

das entfaltete ROSA Solarzellenmodul

die geborgene CRS-11 Kapsel

Ein Novum war mit der CRS-​11 Versorgungsmission zur ISS verbunden. Erstmals setzte SpaceX für diese Mission eine wiederaufbereitete Kapsel des „Dragon“ Raumschiffs ein. Bei der Trägerrakete setzte man hingegen auf „Neuware“. Doch auch das Raumschiff mit der Bordnummer C106 hatte nur noch wenig mit jenem gemein, das im Herbst 2014 als CRS-​4 im All gewesen war. Die Druckzelle war nach einer gründlichen Inspektion für einen weiteren Einsatz freigegeben worden. Der Hitzeschild mußte naturgemäß ersetzt werden. Avionik, Triebwerke und viele andere Systeme waren einer Aufarbeitung unterzogen worden. Inwieweit diese vorgehensweise wirtschaftlich war, blieb auch unter Experten umstritten. Doch SpaceX verfolgte konsequent seinen einmal eingeschlagenen Kurs, Raumfahrt (auch) durch Wiederverwendung kostengünstiger zu machen. Nach einem Hot Fire Test am 27.05.2017 wurde der Start des Frachtraumschiffs für den 01.06.2017 vorbereitet. Doch an diesem Tag erzwangen Gewitter über Cape Canaveral einen Abbruch des Countdowns. Am 03.06.2017 konnte eine etwas stabilere Wetterphase dann für den Start zur ISS genutzt werden. Während die Dragon CRS-​11 unterwegs zur Internationalen Raumstation war, steuerte die Erststufe der Falcon 9 v1.2 die LZ-​1 auf Cape Canaveral an und setzte dort sicher auf. Womit SpaceX einmal mehr unterstrich, mit welcher Routine dieses Manöver mittlerweile beherrscht wurde. Am 05.06.2017 erfolgte das Rendezvousmanöver des Dragon Raumschiffs mit der ISS. Nach einer letzten Serie von Manövern wurde der Versorger um 13:52 UTC mit dem Manipulatorarm der Station gegriffen und zum „Harmony“ Modul geschwenkt. Das Berthing war am 05.06.2017 um 16:07 UTC vollzogen. Neben 1.665 kg Fracht im Druckkörper der Dragon waren damit 1.002 kg an externer Fracht auf der ISS eingetroffen. Zu letzterer gehörten ROSA (Roll-​Out Solar Array), eine neuartige ausrollbare Solarzellenfläche, NICER/​SEXTANT (Station Explorer for X-​ray Timing and Navigation Technology), ein Röntgenstrahlenexperiment des NASA Goddard Space Flight Center, und MUSES (Multiple User System for Earth Sensing), eine von Teledyne Brown Engineering entwickelte universelle Nutzlastplattform zur Aufnahme von Erderkundungsinstrumenten. NICER und MUSES waren zur Installation an der ISS vorgesehen, während ROSA nach seiner Erprobung wieder eingerollt und im Trunk der Dragon zwecks Entsorgung verstaut werden sollte (die Verriegelung in eingerollter Position mißlang jedoch, so daß ROSA schließlich direkt von der ISS abgestoßen werden mußte). Zur internen Fracht zählte hingegen der J-​SSOD #7 (JEM Small Satellite Orbital Deployer) CubeSat Starter mit den fünf Satelliten (Bird-​B, Bird-​G, Bird-​J, Bird-​M und Bird-​N) für das multinationale BIRDS Projekt unter Leitung des Kyushu Institute of Technology. Das KIT bot dort eingeschriebenen Studenten aus Nicht-​Raumfahrtnationen die Gelegenheit, praktische Erfahrungen beim Bau und Betrieb einfacher CubeSats zu sammeln. Einfache Bodenstationen in den Herkunftsländern sollten Telemetrie– und Bilddaten der mitgeführten Kameras empfangen. In der ersten Runde waren neben Japan auch Ghana, die Mongolei, Nigeria und Bangladesch an dem Projekt beteiligt. Die Dragon wurde bereits am 02.07.2017 gegen 18:00 UTC wieder von der ISS abgekoppelt. Wegen schlechter Wetterbedingungen vor der kalifornischen Küste wurde allerdings das Freisetzen auf den folgenden Tag verschoben. Der Canadarm2 gab das Raumschiff am 03.07.2017 um 06:41 UTC frei. Die Kapsel wasserte gegen 12:14 UTC im Pazifik und wurde dort von einem kleinen Versorgungsschiff aufgenommen.
5Juni

Start der GSLV Mk. III D-1

Ein Start mit grundlegender Bedeutung für das indische Raumfahrtprogramm fand am 05.06.2017 vom Raumfahrtzentrum Sriharikota statt. Nachdem sich die Entwicklung der ursprünglichen GSLV Rakete zum Start geostationärere Nutzlasten u.a. aufgrund eines von den USA initiierten Technologie-​Embargos und einer Serie von Fehlstarts um rund ein Jahrzehnt verzögert hatte, wurde schon bald deutlich, daß dieser Entwurf langfristig wenig erfolgversprechend war. Zu komplex in der Konfiguration und zu wenig leistungsfähig. Die GSLV Mk. III war ein radikaler Neuentwurf, bei dem erprobte Systeme (z.B. die „Vikas“ Triebwerke) mit neu entwickelten (S-​200 Feststoffbooster und C-​25 Kryostufe) kombiniert wurden. Technisch war das Design zwar nicht der große Wurf, doch bot es die Möglichkeit, perspektivisch auf die geplante „semi-​kryogene“ Erststufe zu wechseln und von den nicht mehr zeitgemäßen hypergolen Triebwerken wegzukommen. Vor allem aber erreichte man nun eine Nutzlastkapazität, die ausreichte, die eigenen Satelliten auf Basis des I-​3K Busses (3 bis 3,5 Tonnen Startmasse) zu starten. Bisher mußte man für diese meist auf die Ariane-​5ECA ausweichen. Nach dem Start des Entwicklungsmusters LVM-​3-​X im Dezember 2014 (noch ohne Oberstufe) wurden eine Reihe von Modifikationen am Design der Rakete vorgenommen (neue ogive Nutzlastverkleidung, andere Nasenkappen der Booster u.a.m.). Vor allem aber mußte das CE-​20 Oberstufentriebwerk flugqualifiziert werden, das nur noch entfernt an das CE-7.5 der GSLV Mk. II erinnerte. Verzögerungen blieben hierbei nicht aus. Problematisch war auch die Situation im Integrationsgebäude, da zum Jahreswechsel 2016/17 und während der ersten Jahreshälfte 2017 gleich mehrere Raketen unterschiedlichster Typen um den Platz hier und auf der Startrampe konkurrierten. Verzögerungen bei jeder einzelnen Mission wirkten sich negativ auf alle anderen aus. Für die GSLV Mk. III D-​1 Mission summierten sich die Verspätungen schließlich seit der ersten Bekanntgabe eines Starttermins auf rund sechs Monate. Das Grundstufenpaket der Rakete war im Solid Stage Assembly Building (SSAB) montiert worden, bevor es ins Vehicle Assembly Building (VAB) gerollt wurde, wo die Oberstufe und die Nutzlast aufgesetzt wurden. Bei ihrem ersten Demonstrationsflug in Einsatzkonfiguration transportierte die Rakete den Kommunikationssatelliten GSat 19 auf eine geostationäre Übergangsbahn. Ursprünglich als GSat 19E bezeichnet, basierte der auf dem neuen I-​6K Bus (6 Tonnen Klasse) der ISRO, wog allerdings nur 3.136 kg. Seine Kommunikationsnutzlast umfaßte Ku– und Ka-​Band Transponder. Konzipiert war er als erster indischer High Throughput Satellite (HTS) mit acht Sendekeulen. Dazu kam das Geostationary Radiation Spectrometer (GRASP), mit dem Studien zu geladenen Teilchen im Umfeld des Satelliten und ihrem Einfluß auf diesen unternommen werden sollten. Technologisch wies der neue Satellitenbus eine Reihe von Neuerungen auf. Besonders stolz war man bei der ISRO auf im eigenen Land entwickelte und gebaute LiIon-​Batterien. Der Start der Rakete schien zunächst ein uneingeschränkter Erfolg gewesen zu sein. Doch im nachhinein wurden einige Abweichungen erkennbar. In den letzten Sekunden der Oberstufenbrenndauer gab es eine sichtbare Abweichung von der projektierten Bahn. Der Brennschluß erfolgte rund 20 s vorzeitig, vermutlich eher aufgrund unvollkommener Algorithmen des Steuerungssystems als aufgrund eines technischen Problems. Die erreichte Bahn lag im Perigäum wie im Apogäum jedenfalls erkennbar zu niedrig, wenn auch innerhalb der Toleranzen, die das Antriebssystem des Satelliten kompensieren konnte. Wenn auch um den Preis von einigen Monaten an Treibstoff für die laufenden Korrekturen im geostationären Orbit. Eine den Gegebenheiten angepaßte Serie von vier Bahnmanövern brachte GSat 19 bis zum 10.06.2017 auf einen planmäßigen Driftorbit knapp unterhalb der geostationären Bahnhöhe. Einige Tage später nahm er seine geostationäre Position über 82,5° Ost ein.
8Juni

Start von EchoStar XXI

EchoStar XXI Promotion Foto

Einen Tag bevor sich der bis dato letzte Start einer Proton-​M jährte, hob in Baikonur eine Phase IV Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 Bugsierstufe ab und beförderte den sehnsüchtig erwarteten EchoStar 21 Satelliten auf eine geostationäre Transferbahn. Der ursprünglich für das erste Quartal 2016 terminierte Start hatte sich nach vorangegangenen Verschiebungen anderer Starts bis zum Frühjahr 2016 schon auf Ende August 2016 verzögert. Bald nach dem Start der ersten Proton-​M mit dem Phase IV Upgrade Paket (09.06.2016) setzte jedoch eine Serie größerer Terminverschiebungen ein. Obwohl es offiziell zunächst bestritten wurde, war es beim Start von Intelsat 31 nämlich zu einer ernsten Anomalie gekommen, die nur mit Glück ohne Konsequenzen für den Erfolg der Mission geblieben war. Doch am 22.11.2016 traf der EchoStar 21 Satellit schließlich per Luftfracht in Baikonur ein und wurde ins Vorbereitungsgebäude transportiert. Ein Start vor Ende des Jahres wurde angekündigt. Im Dezember liefen die letzten Vorbereitungen zum Start, als es nochmals zu einer Serie kleiner Verschiebungen um jeweils mehrere Tage kam. Der Satellit war mittlerweile betankt, die Batterien geladen und die Nutzlastverkleidung geschlossen, als eine unbestimmte Verschiebung des Starts ins Jahr 2017 bekanntgegeben wurde. Das wahre Ausmaß des Problems drang erst in den folgenden Wochen und Monaten an die Öffentlichkeit. Demnach war bei der Produktion sowohl der Zweit– als auch der Drittstufentriebwerke über einen längeren Zeitraum offenbar falsches Lot verwendet worden. Alle bereits produzierten Triebwerke und kompletten Stufen mußten daher zusätzlichen Kontrollen unterzogen und nachgearbeitet werden. Die Angelegenheit entwickelte sich zunehmend zu einem Politikum. Die russische Raumfahrtorganisation Roskosmos dementierte regelmäßig, offenbar um das Ansehen der russischen Raumfahrt zu retten, Presseberichte zu den Hintergründen des Dilemmas. Unterdessen wartete nicht nur die Dish Network Corporation (EchoStar) händeringend auf den Start ihres Satelliten. Auch weitere Kunden blickten mit Sorge nach Rußland, wo auch eine Reihe militärischer Nutzlasten an den Boden gefesselt blieben. Schließlich wurde ein Start von EchoStar 21 für den April 2017 angekündigt, auch wenn Insider aus der Industrie davon sprachen, daß die erste überarbeitete Proton nicht vor Juni, Juli bereit stehen könnte. Tatsächlich begannen die letzten Vorbereitungen der Nutzlast im Mai 2017. Von nun an liefen die Arbeiten auch tatsächlich innerhalb des vorgegebenen Zeitplans. Der inzwischen für den 08.06.2017 bestätigte Starttermin wurde exakt eingehalten. Vor allem aber verlief der Start an diesem Tag reibungslos. Mit ihrer bis dahin schwersten Nutzlast auf eine geostationäre Transferbahn hob die Proton-​M ab und über neun Stunden später nach fünf Zündungen der Bris-​M Bugsierstufe war die Zielbahn erreicht. Von hier aus manövrierte der Space Systems/​Loral SSL-​1300S Satellit auf einen geostationären Orbit. Der ursprünglich von der TerreStar Networks Inc. als TerreStar 2 georderte Satellit war nach dem Bankrott des Unternehmens zusammen mit dem bereits gestarteten TerreStar 1 aus der Konkursmasse an die Dish Network Corporation übergegangen. Das Unternehmen hatte sich die Senderechte für ein neues Angebot (EchoStar Mobile) mobiler Satellitendienste für die EU-​Staaten gesichert. Über 10,25° Ost stationiert sollte der Satellit S-​Band-​MSS Dienste (Mobile Satellite Services) verbreiten. Wegen Nichteinhaltung der Frist für die Aufnahme des Sendebetriebes hatte dem Unternehmen zuletzt jedoch sogar der Verlust der Lizenz gedroht.
14Juni

Start von Progress MS-06

die Rakete mit Progress MS-06 auf dem Startkomplex

Rollout der Sojus-2.1a mit Progress MS-06

Das Transportraumschiff Progress MS-​06 startete am 14.06.2017 um 09:20 UTC von Platz 31 in Baikonur. Die Frachtliste wies 2.398 kg Nachschub für die ISS aus, darunter 620 kg Treibstoff, 420 kg Trinkwasser und 47 kg Atemluftgemisch — aber auch vier kleine Satelliten unterschiedlicher Zweckbestimmung. Üblicherweise trafen aber auch frische Lebensmittel, Bücher und persönliche Gaben der Angehörigen auf der Erde auf diesem Wege bei der Besatzung ein. Für Progress MS-​06 war eine zweitägige Annäherungsbahn an die Internationale Raumstation berechnet worden. Start, Einschuß in die Bahn, Annäherung an die ISS und das automatische Docking am 16.06.2017 um 11:37 UTC verliefen fehlerfrei. Gemäß der Langfristplanung hätte die Progress eigentlich am „Pirs“ Modul anlegen sollen und dieses einige Monate später „entsorgen“ sollen, um Platz für das russische „Nauka“ Modul zu schaffen. Doch das russische Forschungslabor, dessen Start sich ohnehin schon um ein volles Jahrzehnt verzögert hatte, hatte jüngst weiteren Aufschub um unbestimmte Zeit erfahren. Und so sollte das „Pirs“ Dockingmodul, dessen Garantiefristen mittlerweile auch schon längst abgelaufen waren, vorläufig weiter seinen Dienst tun. Progress MS-​06 dockte daher auch stattdessen am Heck des „Swjesda“ Moduls an.
Bei den vier Mikrosatelliten an Bord der Progress handelte es sich um TNS 02, Tanusha-​SWSU 1 und Tanusha-​SWSU 2 sowie Sfera 53 2. TNS 02, der die Nachfolge des im März 2005 bei einem Außenbordmanöver ausgesetzten TNS 0 antreten sollte, war wie sein Vorgänger als Testplattform neuer Systeme vorgesehen. Nach den Erfahrungen mit TNS 0 hatte man den neuen Satellit u.a. mit Solarzellen für eine längere Missionsdauer versehen. Die Entwickler erhofften sich, aus dem Prototypen eine standardisierte Baureihe von Nanosatelliten für unterschiedliche Forschungen und Experimente ableiten zu können. Die maximale Nutzlast war mit 6 kg definiert. Ebenfalls für einen „Handstart“ ausgelegt und daher mit einem „Griff“ ausgestattet waren die beiden „Tanjuscha“ Satelliten, die Studenten der Süd-​Westlichen staatlichen Universität Kursk (Юго-​Западный Государственный Университет, kurz ЮЗГУ) gemeinsam mit Experten von RKK Energija verwirklicht hatten. Die Kooperation ging auf eine Zusammenarbeit zurück, die im Rahmen des Radioskaf (engl. SuitSat) Programms entstanden war. Schließlich befand sich noch das zweite Exemplar des Sfera 53 Atmosphärenforschungssatelliten an Bord. Der erste war im August 2012 bei einem Außenbordmanöver aus einer speziellen Startvorrichtung ausgestoßen worden. Fünf Jahre später sollte nun das zweite Exemplar diesen Weg gehen.
So routiniert der Start der Sojus-2.1a 14A14 erfolgt war, so tragisch entwickelten sich die Ereignisse danach in einer der Aufschlagzonen für die ausgebrannten Raketenstufen. Die ausgebrannten Außenblöcke der Sojus kamen innerhalb der ausgewiesenen Sperrzone etwas 535 km östlich von Baikonur herunter. Hier standen auch Kräfte des Katastrophenschutzes bereit. Doch vom Umfang des von den herabstürzenden Trümmern ausgelösten Steppenbrandes wurden auch sie überrascht. Eines der Fahrzeuge der Einsatzkräfte wurde von dem Feuer eingeschlossen. Der Fahrer starb vor Ort, ein Techniker zwei Wochen darauf im Krankenhaus. Obwohl seit den 1950er Jahren Tausende Raketenstufen in der Steppe eingeschlagen waren und unzweifelhaft eine Reihe von ihnen Brände ausgelöst hatte, wurden nach dem tragischen Zwischenfall vom 14.06.2017 eine Reihe organisatorischer Veränderungen beschlossen. So sollte die Zusammenarbeit zwischen russischen und kasachischen Kräften verbessert werden, während zugleich die für das Kosmodrom Wostotschny entwickelten Systeme zur optischen und radargestützten Bahnverfolgung der Stufen nun auch in Baikonur Verwendung finden sollten.
15Juni

Start der CZ-4B mit HXMT

Teil einer chinesischen Initiative, auch auf dem Gebiet der Raumfahrtforschung als ernstzunehmender Partner wahrgenommen zu werden, war die HXMT (Hard X-​ray Modulation Telescope) Mission. Die chinesische Akademie der Wissenschaften hatte mit nationalen wie internationalen Partnern die Mission eines dreiachsenstabilisierten Satelliten konzipiert, der mit drei Röntgenteleskopen für den Bereich der hoch-​, mittel– und niedrigenergetischer Strahlung ausgerüstet wurde. Die entsprechenden Detektoren deckten die Bereiche 20 bis 250 keV, 5 bis 30 keV respektive 1 bis 15 keV ab und verfügten über ein ungewöhnlich großes Sichtfeld. Zusammen mit der breitbandigen spektralen und zeitlichen Auflösung seiner Instrumente prädestinierte das den Satelliten sowohl für eine Durchmusterung des gesamten Himmels nach neuen Röntgenstrahlungsquellen als für die gezielte Beobachtung einzelner Objekte. Mit einer Detektorfläche von 5.100 cm² stellte das HE (High Energy) Instrument einen neuen Rekord auf.
Erste Vorschläge zum Bau eines solchen Satelliten waren bereits 1993 eingebracht worden, doch erst im Jahr 2000 begannen ernsthafte Studien. Als zehn Jahre später mit der Realisierung begonnen wurde, ging man in China noch von einem Start im Jahr 2015 aus. Die Realisierung erwies sich jedoch als größere Herausforderung als ursprünglich gedacht. Im Weltmaßstab lag man aber durchaus noch im üblichen Rahmen. Zuletzt ergab sich offenbar auch noch ein Wechsel von der ursprünglich geplanten CZ-​2D Trägerrakete zur CZ-​4B. Eventuell eine Reaktion auf den (Beinahe-)Fehlstart einer CZ-​2D stretched im Dezember 2016. Die leistungsfähigere Trägerrakete erlaubte es, neben dem inzwischen Huiyan getauften Astronomiesatelliten auch noch drei kleinere sekundäre Nutzlasten mitzunehmen. Zhuhai 101 und Zhuhai 102 bildeten gemeinsam die Prototypen (OVS 1) der Video-​Komponente einer Satellitenkonstellation der Zhuhai Orbita Control Engineering Ltd. Geplant war der Betrieb von zehn Video-​Satelliten (OVS 2), gemeinsam mit Hyperspektral-​Satelliten (OHS 2) und kleineren sogenannten „Personal Satellites“ (OPS 2). Die OVS 1 sollten Videos mit 20 fps bei 1,98 m Auflösung liefern können. Dazu kam ein CAMSAT Amateurfunk Transponder auf jedem der Satelliten. Weiterhin war der argentinische ÑuSat 3 „Milanesat“ an Bord. Das Unternehmen Satellogic S.A. plante ebenfalls den Aufbau einer Satellitenkonstellation für die Echtzeit Foto-​und Video-​Erderkundung mit einer Auflösung von bis zu 1 m. Seine beiden ersten Satelliten für die Aleph 1 Konstellation waren im Mai 2016 ebenfalls auf einer CZ-​4B gestartet worden.
18Juni

Präsentation von Chinasat 9A

Eine lange Vorgeschichte hatte der ZhongXing 9A Kommunikationssatellit, als er am 18.06.2017 mit einer CZ-​3B/​G2 Rakete von Xichang gestartet wurde. Zu Beginn des neuen Jahrtausends erkannte das chinesische Unternehmen Sino Satellite Communications den wachsenden heimischen Markt für direkt empfangbare TV-​Programme, Multimediaangebote und Internet. Auch politisch war der Start eines dafür geeigneten Satelliten nun opportun. So wurde das Unternehmen für seinen Xinnuo 2 zum Erstkunden der neuen Satellitenplattform DFH-​4. Doch aufgrund technischer Probleme konnte der im Oktober 2006 gestartete Satellit nie in den Sendebetrieb gehen, woraufhin Ersatz bestellt wurde. Der Start von Xinnuo 4 war für das Jahr 2008 vorgesehen. Doch dann kam es zu einer umfassenden Reorganisation unter den chinesischen Telekommunikationsunternehmen, in deren Folge die SinoSat ihre Selbstständigkeit verlor. Neuer Eigner des Satelliten wurde China Satcom. Die schob den Start des inzwischen ZhongXing 9A bzw. ChinaSat 9A genannten Ku-​Band Satelliten immer wieder auf. Offensichtlich bestand für ihn kein echter Bedarf mehr. Zwischenzeitlich diente der Satellit dem Vernehmen nach sogar als Ersatzteilspender für andere. Als er nun im Juni 2017 endlich gestartet wurde, wurde ZX-​9A Opfer eines Oberstufenproblems. Bis das Problem offiziell bestätigt wurde, vergingen mehrere Tage. Wegen eines falschen Kommandos zur Rollkontrolle der Drittstufe während der antriebslosen Flugphase war der Satellit auf einer Bahn mit einem rund 20.000 km zu niedrigen Perigäum angesetzt worden. Dennoch konnte er im Laufe mehrerer Tage in einer Serie treibstoffintensiver Manöver auf eine geostationäre Bahn angehoben und auf die Zielposition über 101,4° Ost verschoben werden. Die Rest-​Lebensdauererwartung lag allerdings nur noch bei etwa fünf Jahren.
23Juni

Start der PSLV-C38

die Hauptnutzlast der PSLV-C38: Cartosat 2E

Cartosat 2E Aufnahme von Doha, Katar

Mit zwei Monaten Verspätung Aufgrund der Verzögerungen bei anderen Starts von Sriharikota hob am 23.06.2017 die PSLV-​XL C38 ab. Ihre Hauptnutzlast bildete der Erderkundungssatellit Cartosat 2E. Dessen Start hätte allerdings auch eine PSLV-​CA ohne Feststoffbooster bewerkstelligen können. Dank des Einsatzes der XL-​Variante, die das andere Ende der Leistungsskala der PSLV markierte, konnten jedoch 30 weitere Satelliten mitgeführt werden. 23 davon hatte der niederländische Dienstleister ISIS (Innovative Solutions in Space) vermittelt. Es handelte sich dabei um acht Lemur 2 Satelliten des US Unternehmens Spire, drei Diamonds Satelliten (Blue Diamond, Green Diamond und Red Diamond) des multinationalen Unternehmens Sky and Space Global, acht Satelliten für die QB50 Konstellation sowie die CubeSats SUCHAI, ROBUSTA 1B, Aaalto 1 und skCUBE. Weiterhin transportierte die Rakete den indischen NIUSAT alias Keralshree, den japanischen CE-​SAT 1, den italienischen Max Valier Sat (der zudem als Trägerplattform für den lettischen Venta 1 fungierte), den US amerikanischen CICERO, den ebenfalls italienischen D-​Sat und den US CubeSat Tyvak 53b.
Mit dem Start von CE-​SAT 1 (Canon Electric Satellite) unterstrich der japanische Technologiekonzern Canon seine Bestrebungen, seine Hochtechnologie auf das Gebiet der Raumfahrt zu übertragen. Weltweit basierten schon eine Reihe von Erderkundungssatelliten auf kommerziellen Kamera-​Modellen. Nun trat Canon mit dem Einsatz der EOS-​5D Mk. III selbst in den Markt ein. Ihr 5.760×3.840 (22,3 MP) Sensor bot in Kombination mit einem 40 cm Cassegrain-​Teleskop beste Voraussetzungen für Erdaufnahmen mit etwa 1 m Auflösung aus einem vergleichsweise hohen 600 km Orbit (betrieben wurde CE-​SAT 1 dann aber auf einem niedrigeren 500 km Orbit). Jedes Foto bildete dabei einen Ausschnitt von etwa 4×6 km ab. Interessant war ein technologisches Experiment, das mit CE-​SAT 1 zum Ende seiner Mission geplant war. Um den Wiedereintritt des Satelliten zu beschleunigen, sollte ein Magnetic Plasma Deorbit System zum Einsatz kommen, das auf der Interaktion des Magnetfelds der bis dahin nur zur Ausrichtung des Satelliten eingesetzten Magnetorquer mit dem umgebenden ram Plasma basierte.
Die Idee für einen Nanosatelliten „Max Valier“ ging auf Prof. Manfred Fuchs zurück, den Gründer des Raumfahrt– und Technologiekonzerns OHB. Als Gast bei einem Vortrag von Dr. Klaus Peter Heiss (NASA) an der Gewerbeoberschule Bozen ergab sich ein angeregtes Gespräch zwischen den beiden gebürtigen Südtirolern und einer Lehrkraft der Schule. Prof. Fuchs versprach Unterstützung beim Bau des Satelliten und die Organisation einer Startgelegenheit. Tatsächlich dauerte die Umsetzung der Idee aber weitaus länger, als es sich die Beteiligten hatten vorstellen können. Weder Fuchs(† 2014) noch Heiss († 2010) sollten den Start erleben. Doch die Unterstützung von OHB für das Programm hatte Bestand. Mit dem Max Planck Institut für extraterrestrische Physik in Garching konnte ein weiterer Partner hinzugewonnen werden, der das µRosi Röntgenteleskop beisteuerte. Den Hauptteil der Arbeiten übernahmen aber Schüler der Gewerbeoberschule „Max Valier“ in Bozen und der Gewerbeoberschule „Oskar von Miller“ in Meran, unterstützt von Enthusiasten des Vereins der Amateurastronomen „Max Valier“. Obwohl die Ausrichtgenauigkeit von etwa 1° die Einsatzmöglichkeiten des Röntgenteleskops einschränkte, sah das MPE eine durchaus anspruchsvolle mehrjährige Mission für den nun „Max Valier Sat“ getauften Satelliten vor: eine vollständige Durchmusterung des Himmels mit dem Ziel, mindestens 100 Strahlungsquellen im weichen Röntgenspektrum aufzuspüren. Die Übertragung der Daten sollte dabei ungewöhnlicherweise unverschlüsselt im Amateurfunkband (145,860 MHz und 145,960 MHz) erfolgen.
Ebenfalls mit Unterstützung von OHB System und der Hochschule Bremen konnte die lettische Universität Ventspils (Ventspils Augstskola) ihr Projekt Venta 1 verwirklichen. Als Nutzlast des ersten lettischen Satelliten war ein AIS (Automatic Identification System) Empfänger des zur OHB Firmengruppe gehörenden Unternehmens LuxSpace vorgesehen. Außerdem eine Kamera geringer Auflösung. Die Idee, eine „plug and play“ Nutzlast des schwedisch-​amerikanischen Unternehmens AAC Microtec auf Venta 1 zu installieren, wurde im Laufe des Designprozesses fallengelassen. Mit der Entscheidung für einen Start auf der indischen PSLV einher ging zudem eine neue Lösung für das Aussetzen der Nutzlast. „Max Valier Sat“ fungierte als Trägerplattform für Venta 1. Erst nach einiger Zeit sollten die Satelliten voneinander getrennt werden. Venta 1 und „Max Valier Sat“ hatten noch eine weitere Gemeinsamkeit. Beide trugen jeweils eine „Sprite“ Nanosonde auf ihrer Oberfläche. Diese entsprachen jenen nur wenige Millimeter großen Platinen, von denen 2014 bei der fehlgeschlagenen KickSat Mission 104 Exemplare hätten freigesetzt werden sollen. Nun sollten in kleinem Maßstab Kommunikation und Elektronik der Sonden getestet werden. Von dem Exemplar an Venta 1, gespeist von einer maximal 100 mW leistenden Solarzelle, konnten auch Daten empfangen werden, doch „Max Valier Sat“ hatte Kommunikationsprobleme, die auch seine Nanosonde betrafen. Dabei waren mit ihm noch anspruchsvollere Tests geplant gewesen. Denn er hatte weitere vier „Sprites“ an Bord, die im Laufe der Mission als autonome Satelliten ausgestoßen werden sollten.
Mit dem D-​Sat Projekt wollte das italienische Unternehmen D-​Orbit Srl in Partnerschaft mit dem CubeSat Hersteller GOMSpace vor allem den Einsatz eines autonomen Feststofftriebwerks auf einem CubeSat für ein direkt ausgelöstes Wiedereintrittsmanöver zum Ende der Mission demonstrieren — auch im Fall des Zusammenbruchs anderer zentraler Systeme des Satelliten. Bis dahin liefen auf dem D-​Sat aber noch drei weitere Experimente. Mit SatAlert wurde die Nutzung des Multiple Alert Message Encapsulation (MAMES) Protokolls erprobt. Dazu speicherte der Satellit simulierte Notfall-​Botschaften zwischen und strahlte sie bei Eingang eines entsprechenden Kommandos wieder ab. Langfristig war ein Einsatz von MAMES im Zivilschutz geplant. Das DeCas Experiment sollte beim Wiedereintritt des Satelliten autonom Positionsdaten generieren und übermitteln. Das sollte zukünftig Systeme zur Warnung der Bevölkerung vor möglichen Gefährdungen durch zur Erde zurückstürzende Satelliten ermöglichen. Und mit einem Atmosphere Analyzer sollte der Satellit unmittelbar vor dem Wiedereintritt im nur schwer zugänglichen Höhenbereich zwischen 80 und 150 km noch atmosphärische Studien unternehmen.
Tyvak 53b des gleichnamigen US Unternehmens Tyvak Nano-​Satellite Systems Inc., ein 3U CubeSat, sollte eine Demonstration von Technologien zum Deorbiting von Nanosatelliten unternehmen. Der auch als PACSCISAT bekannte Satellit war im Auftrag der Pacific Scientific Energetic Materials Company (PacSci EMC) gebaut worden, einem Hersteller von Pyrosystemen zum Einsatz u.a. in der Raumfahrt. Mit dem Satelliten wollte PacSci EMC den Einsatz von Arrays winziger MAPS™ (Modular Architecture Propulsion System) Triebwerke für die Lageregelung und für Bahnmanöver demonstrieren.
Aalto 1 war ursprünglich als Trainings– und Testobjekt für den finnischen Beitrag zum QB50 Programm, Aalto 2, konzipiert gewesen. Startverschiebungen führten jedoch dazu, daß sich die Startreihenfolge umkehrte. Der 3U CubeSat erhielt ein bildgebendes Fabry-​Perot Interferometer, einen Strahlungs-​Monitor und eine sogenannte Electrostatic Plasma Brake zur beschleunigten Bahnabsenkung zum Ende der primären Mission.
Mit ROBUSTA 1B (Radiation on Bipolar Test for University Satellite Application) wollte die Université Montpellier 2 die 2012 gescheiterte gleichartige Mission nachholen. Ziel war es, das Verhalten bi-​polarer Transistoren unter kosmischen (Strahlungs-)Bedingungen zu verifizieren.
Als klassisches Trainingsobjekt war der chilenische SUCHAI (Satellite of the University of Chile for Aerospace Investigation), den Studenten des Space and Planetary Exploration Laboratory (SPEL) der Universidad de Chile gebaut hatten, angelegt. Entwurf, Bau, Start und Betrieb des Satelliten sollten der Qualifikation angehender Ingenieure dienen. Neben einigen technologischen Experimenten sollten Versuche zur Bahnverfolgung per GPS und zur Erderkundung unternommen werden. Wissenschaftlichen Zwecken diente eine Langmuir Sonde.
Der slowakische skCUBE war der erste nationale Satellit des Landes seit seiner Unabhängigkeit. Verantwortlich für das Projekt war die Organization for Space Activities /​Slovenská organizácia pre vesmírne aktivity (SOSA). An Bord des 1U CubeSats befanden sich eine Amateurfunknutzlast, eine Digitalkamera mit einem 750×480 Pixel Sensor und ein wissenschaftliches Experiment, bei dem ein VLF-​Empfänger Emissionen sogenannter „Whistler“ empfangen sollte. Ursprünglich für einen Start bei der SHERPA Mission der SpaceX Falcon 9 v1.2 gebucht, war skCUBE kurzfristig auf die PSLV-​V38 Mission umgebucht worden.
Das US Unternehmen GeoOptics Inc. plante unter dem Namen CICERO (Community Initiative for Cellular Earth Remote Observation) den Aufbau einer Konstellation aus mindestens 24 Satelliten zur Sondierung der Erdatmosphäre mittels Radio-​Okkultation (GNSS-​RO) unter Verwendung von GPS und Galileo-​Signalen. Zusätzlich sollte zur Erderkundung das Verfahren der GNSS-​Reflektometrie (GNSS-​R) eingesetzt werden. Ursprünglich sollte zunächst ein Pfadfinder-​Satellit gestartet werden, gefolgt von den Serienmodellen als sekundäre Nutzlasten bei diversen Starts. Tatsächlich flog nun aber CICERO 6 als erstes Exemplar. Im Rahmen des Commercial Weather Data Pilot Programms zählte die US „Wetterbehörde“ NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) zu den ersten Kunden des Unternehmens.
Eine ähnliche Geschäftsidee wie die GeoOptics Inc. verfolgte die Spire Global Inc. schon seit einigen Jahren. Ihre Lemur2 Satelliten waren entsprechend mit der STRATOS GPS Radio-​Okkultations-​Nutzlast und einem AIS Empfänger ausgerüstet. Bei der PSLV-​C38 Mission gelangten Lemur 2 „ShainaJohl“, Lemur 2 „XueniTerence“, Lemur 2 „LucyBryce“, Lemur 2 „KungFoo“, Lemur 2 „McPeake“, Lemur 2 „Sam-​Amelia“, Lemur 2 „Lisasaurus“ und Lemur 2 „Lynsey-​Symo“ auf ihre Bahnen.
Eine noch größere Flotte von bis zu 200 Satelliten wollte das Unternehmen Sky and Space Global mit Stammsitz in Australien aufbauen. Ziel der Konstellation sollte es sein, speziell für die Äquatorregion ein kostengünstiges System zur Sprach-​, Daten– und Kurznachrichten-​Kommunikation, anzubieten. Einsatzgebiete sah SAS u.a. beim Tracking von Schiffen und Flugzeugen, der Maschine-​Maschine-​Kommunikation, in der Erweiterung bestehender Mobilfunknetze und der Kommunikation im Krisenfall. Eine Pfadfinder-​Konstellation aus drei 3U CubeSats unter dem Namen „3 Diamonds“ sollte nun zunächst das Konzept verifizieren. Die einzelnen Satelliten erhielten die Namen Blue Diamond, Green Diamond und Red Diamond.
Die acht QB50 Satelliten unterschieden sich konstruktiv und ausrüstungsseitig vom Hauptteil der Flotte, der im April 2017 gestartet worden war. Trugen die anderen Satelliten jeweils eines von drei wissenschaftlichen Instrumenten aus einem gemeinsamen Pool, so wiesen die jetzigen Exemplare kaum Gemeinsamkeiten auf. COMPASS 2 (QB50-​DE04) war an der Fachhochschule Aachen entwickelt worden und sollte zwei technologische Experimente unternehmen. Im Vordergrund stand dabei ein entfaltbares „Sonnensegel“, das für einen beschleunigten kontrollierten Wiedereintritt sorgen sollte. Daneben war die Erprobung von ausrollbaren Dünnschicht-​Solarzellen vorgesehen. Mit 10 m² verfügte der vom britischen Surrey Space Centre gebaute InflateSail (QB50-​GB06) 3U CubeSat über ein deutlich größeres Segel. Dazu kam, daß sich das Dragsail an einem 1,05 m langen Mast von 90 mm Durchmesser befand, der zusammengefaltet nur 63 mm Höhe beanspruchte. Eigentlich handelte es sich eher um einen Schlauch aus einem Aluminium-​Kunststoff-​Laminat. Unter hohem (Stickstoff-)Druck entfaltete sich der Mast und härtete aus. Technologisch eine sehr anspruchsvolle Mission. LituanicaSAT 2 (QB50-​LT01) trug mit FIPEX (Flux-​Φ-​Probe Experiment) eines der Instrumente des QB50 Projekts. Gleichzeitig hatte die Universität Vilnius (Vilnius Universitetas) aber auch ein kleines und dennoch leistungsfähiges Mikro-​Triebwerkssystem in den Satelliten integriert, das den in Schweden von ECAPS entwickelten „grünen“ Treibstoff LMP103S nutzte. Bei einem Test am 05.07.2017 konnte die Bahn im Apogäum tatsächlich um 200 m angehoben werden. Ähnlich war die Aufgabenstellung von URSA MAIOR (QB50-​IT02). Die Università degli Studi di Roma „La Sapienza“ hatte in den Satelliten sowohl die m-​NLP (multi-​Needle Langmuir Probe) aus dem QB50 Portfolio als auch das MEMIT (MEMS MicroThruster) Experiment integriert. Dazu kam das ARTICA „Sonnensegel“. Von der chinesischen National University of Defense Technology (NUDT) in Changsha stammte NUDTSat (QB50-​CN06), ein mit dem INMS (Ion and Neutral Mass Spectrometer) ausgerüsteter 2U CubeSat. Das besondere an ihm war vor allem das Politikum, daß erstmals ein chinesischer Satellit mit einer indischen Rakete gestartet worden war. Angesichts der Rivalität der beiden regionalen Großmächte ein wohltuendes Zeichen der Normalität. Ebenfalls im 2U Format hatte die Fachhochschule Wiener Neustadt ihren Pegasus getauften Beitrag zum QB50 Programm realisiert. QB50-​AT03 war mit dem m-​NLP Instrument bestückt und zusätzlich mit vier Mikro Triebwerken vom Pulsed Plasma Thruster (PPT) Typ ausgerüstet. Das Mullard Space Science Laboratory des University College London setzte auf seinem Beitrag zum QB50 Projekt natürlich den im eigenen Haus entwickelten INMS Sensor ein. Dazu kamen bei UCLSat (QB50-​GB03) aber noch weitere miniaturisierte Sensoren zur Erforschung geladener Teilchen und des Magnetfeldes. Das tschechische Aeronautisches Forschungs– und Prüfungsinstitut (VZLÚVýzkumný a zkušební letecký ústav) hatte den tschechischen Beitrag zum QB50 Programm entworfen und realisiert. Der 2U CubeSat diente als Trägerplattform für das an der TU Dresden konzipierte FIPEX. Vor allem war es den Experten gelungen, zusätzlich eine astronomische Forschungsmission auf VZLUsat 1 (QB50-​CZ02) unterzubringen. Dazu hatten sie ein ausklappbares Miniatur Röntgenstrahlen-​Teleskop mit dem winzigen 256×256 Pixel Timepix Detektor kombiniert. Dieser war für den Bereich 3 bis 50 keV sensitiv.
23Juni

Start von Kosmos 2519

Am 23.06.2017 startete gut anderthalb Jahre nach dem letzten Einsatz wieder eine leichte Sojus-2.1w 14A15 Rakete vom Kosmodrom Plesetsk. Insiderberichten zufolge nach einem von vielfältigen technischen Problemen (mehrere Baugruppen der bereits aufgerichteten Rakete mußten getauscht werden) geprägten Countdown. Die Betankung der Zweitstufe konnte entgegen der technischen Vorgaben erst 15 Minuten vor dem Start abgeschlossen werden. Doch der Start gelang dann fehlerfrei. Die Wolga Bugsierstufe der Rakete beförderte den lediglich als Kosmos 2519 bezeichneten Satelliten auf eine annähernde Kreisbahn in durchschnittlich 660 km Höhe. Die Natur des Satelliten lag jedoch im Dunkeln. Zwar gab es Hinweise auf einen „Naprjaschenije“ (Erzeugnis 14F150) Satelliten als Teil des Nivelir-​ZU oder Nivelir-​L Programms, dessen Start auf einer Sojus-2.1w geplant war. Doch war weder klar, ob es sich bei Kosmos 2519 um ebendiesen Satelliten gehandelt hatte, noch, welche konkrete Aufgabe dieser Satellitentyp hatte. Gerüchte, wonach das Modell geodätischen Zwecken dienen sollte, paßten nicht unbedingt zu der sonnensynchronen Bahn von Kosmos 2519. Eher zu den Hinweisen auf eine Mission im Bereich der „Beobachtung von Objekten auf der Erde und im Weltraum“. Eine unerwartete Wendung nahmen die Spekulationen zu Kosmos 2519, als dieser am 23.08.2017 völlig unerwartet einen Subsatelliten ausstieß. Damit erhielten die vagen Formulierungen in den russischen Pressemitteilungen anläßlich des Starts, in denen von einer „Plattform für verschiedene Experimente“ die Rede gewesen war, eine tiefere Bedeutung. In einer neuen Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums wurde nun erläutert, daß Kosmos 2519 einen „Inspektor“ Satelliten ausgesetzt hatte, der einen anderen russischen Satelliten (den Muttersatelliten) beobachten sollte. Er selbst sollte später von einem weiteren Satelliten inspiziert werden…
23Juni

Start von BulgariaSat 1 mit einer Falcon-9 v1.2

BulgariaSat 1 beim Hersteller SS/L

Auch wenn sich der Termin zuletzt noch um eine Woche verschoben hatte (u.a. weil ein Ventil in der Nutzlastverkleidung ersetzt werden mußte), vollbrachte SpaceX mit seiner Falcon 9 v1.2 doch eine beachtliche Leistung, als am 23.06.2017 keine drei Wochen nach dem Start der letzten derartigen Rakete das nächste Exemplar von LC-​39A in Cape Canaveral abhob. An Bord hatte die Rakete den ersten nationalen bulgarischen Kommunikationssatelliten BulgariaSat 1. Dessen gleinchnamiger Betreiber hatte nur zu gerne das Angebot von SpaceX angenommen, den Satelliten zum Vorzugspreis auf einer Rakete mit „flugerprobter“ Erststufe zu fliegen. Nach der SES wurde man so zum zweiten Kunden, der diese Option nutzte. Der auf dem Space Systems/​Loral SSL-​1300 Bus basierende Satellit erhielt 3 Ku-​Band FSS (Fixed Satellite Services) und 30 Ku-​Band BSS (Broadcasting Satellite Services) Transponder. Von einer geostationären Position über 1,9° West aus konnte BulgariaSat 1 damit den größten Teil Europas und Nordafrika abdecken. Der Schwerpunkt lag aber natürlich bei den Balkan-​Staaten. Für sie sollten nicht nur DTH-​Fernsehprogramme abgestrahlt werden, auch Multimedia-​Angebote, Breitband-​Internet und 4G LTE sowie TV-​Zuspielungen sollten abgestrahlt werden. Während die Oberstufe ihre Nutzlast noch auf einen supersynchronen Orbit mit rund 65.500 km Apogäumshöhe beschleunigte, steuerte die Erststufe das Drone Ship OCISLY im Atlantik an. Trotz der extremen Belastungen, denen die Stufe diesmal ausgesetzt war (die Gridfins zur aerodynamischen Steuerung und Stabilisierung der Stufe waren tatsächlich teils geschmolzen), gelang noch eine sichere Landung auf der schwimmenden Plattform. Die Stufe rutschte noch einige Meter über Deck, kam dann aber sicher zum Stillstand. Wenn auch mit deutlich sichtbarer Neigung, weil die Landedämpfer bis zum Äußersten belastet worden waren.
25Juni

Start der Falcon-9 v1.2 mit dem zweiten Iridium-NEXT Cluster

wie der Start erfolgte auch die Landung der Falcon-9 Erststufe der zweiten Iridium-NEXT Mission bei dichtem Nebel

Terminverschiebungen bei der Vorbereitung des Starts von BulgariaSat 1 trieben die Teams von SpaceX im Juni 2017 zu einer ungeplanten und von Außenstehenden kaum für möglich gehaltenen Glanzleistung. Nur zwei Tage nach dem erfolgreichen Start der Falcon 9 v1.2 an der US Ostküste hob die nächste Falcon ab — diesmal allerdings von der Vandenberg AFB an der US Westküste. SpaceX hatte damit eindrucksvoll demonstriert, daß das Unternehmen trotz eines schlanken Mitarbeiterstabes in der Lage war, zwei Startkampagnen praktisch zeitgleich durchzuführen. Die Nutzlast der am 25.06.2017 gestarteten Falcon 9 v1.2 bestand aus zehn von Thales Alenia Space gelieferten (jedoch bei Orbital ATK in den USA endgefertigten) Iridium-​NEXT Satelliten für die auf 75 Exemplare angelegte zweite Konstellation des US Unternehmens Iridium Communications Inc. Der Start erfolgte gut fünf Monate nachdem die ersten zehn Satelliten den Orbit erreicht und mittlerweile ältere Exemplare der ersten Konstellation ersetzt hatten. Die eingesetzte Rakete wies gegenüber dem letzten Westküstenstart, aber auch im Vergleich zu dem dem zwei Tage zuvor geflogenen Modell, einige Änderungen auf. Deren signifikanteste waren der erstmalige Einsatz des „Autonomous Flight Safety System“ bei einem Start von der VAFB und neue (aus Titan geschmiedete) Grid-​Fins. Rund eine Stunde nach dem Start begann in etwa 630 km Höhe das 15-​minütige Aussetzmanöver von Iridium-​NEXT 113, Iridium-​NEXT 115, Iridium-​NEXT 117, Iridium-​NEXT 118, Iridium-​NEXT 120, Iridium-​NEXT 121, Iridium-​NEXT 123, Iridium-​NEXT 124, Iridium-​NEXT 126 und Iridium-​NEXT 128. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Erststufe bereits eine perfekte Landung auf dem Drone Ship „Just Read the Instructions“ unternommen.
28Juni

Start der Ariane-5ECA zur Mission VA238

Mit dem Start der Ariane-​5ECA Mission VA238 am 28.06.2017 von Kourou in Französisch Guyana war es Arianespace gelungen, die durch die Streiks im Frühjahr 2017 eingetretenen Verzögerungen praktisch zu egalisieren. Das war auch für die beiden Kunden bedeutsam, insbesondere für die Eigner von Hellas Sat 3. Ursprünglich war der Start des Satelliten nämlich auf einer Falcon Heavy des Unternehmens SpaceX gebucht worden. Die Nichtverfügbarkeit des Trägers verzögerte jedoch die Indienststellung des Satelliten — was die Gefahr mit sich brachte, daß dem Partner Inmarsat, der Eigentümer einer S-​Band Nutzlast auf dem Satelliten war, die zugeteilten Frequenzen für einen Breitband-​Dienst wieder entzogen wurden. Vertragsgemäß hätte der Sendebetrieb zum 01.12.2016 aufgenommen werden müssen. Immerhin hatte Thales Alenia Space, der Hersteller des Satelliten, der auch für die Launch and Early Operations Phase (LEOP) und die In-​Orbit Tests (IOT) verantwortlich war, sich eine alternative Startoption auf einer Phase IV Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 gesichert. Doch wurde im Sommer 2016 über diese ein Startverbot verhängt, das ein Jahr Bestand haben sollte. SpaceX bot unterdessen einen Start auf einer konventionellen Falcon 9 V1.2 für das erste Halbjahr 2017 an. Nach den Erfahrungen hinsichtlich der Termintreue von SpaceX war das den Satelliteneignern aber zu unsicher. Und so war man an Arianespace herangetreten, die zwar auch keinen früheren Termin garantieren konnte, den dann aber immerhin einhielt. Der Spacebus-​4000C4 Satellit Hellas Sat 3 alias Inmarsat S EAN (EuropaSat) war für eine Stationierung über 39° Ost vorgesehen. Auch nach der Übernahme von HellasSat durch die Arabsat blieb es bei der Abstrahlung von Fixed Satellite Services (FSS) und Broadcast Satellite Services (BSS) Angeboten nach Europa, Südafrika und in den Mittleren Osten. Dazu standen 44 (zum Startzeitpunkt 47) Ku-​Band und ein Ka-​Band Transponder zur Verfügung. Die unter dem Namen Inmarsat-​S EuropaSat vermarktete zusätzliche S-​Band Nutzlast von Inmarsat sollte hingegen im Zusammenspiel mit einer Complementary Ground Component (CGC) ein neues Mobilfunkangebot für die EU Staaten kreieren. Auch ein Public Protection & Disaster Relief (PPDR) Dienst sollte angeboten werden. Und schließlich Mobile Satellite Services (MSS) für das geplante European Aviation Network (EAN), das terrestrische LTE-​Angebote mit satellitengestützten kombinieren sollte. Für 2018/19 war die Überführung des Systems in den regulären Betrieb geplant.
Als kleinere Nutzlast hatte bei diesem Start der indische Kommunikationssatellit GSat 17 Platz in der SYLDA Doppelstartvorrichtung gefunden. Indien litt bereits seit Jahren an einem spürbaren Mangel an Satellitentranspondern. Ursächlich waren einserseits Verzögerungen bei der Qualifikation der GSLV Trägerrakete und andererseits die damit einhergegangenen Fehlstarts. Für schwerere Nutzlasten mußte die ISRO ohnehin Starts im Ausland buchen, wobei eine jahrzehntelange gute Zusammenarbeit mit Arianespace bestand. Der auf dem I-​3K Bus der ISRO basierende GSat 17 trug eine Vielfalt an Transpondern für unterschiedliche Aufgaben. 24 C-​Band Transponder wurden von 2 Transpondern für das untere und 12 für das obere erweiterte C-​Band ergänzt. Dazu kamen zwei MSS (Mobile Satellite Services) S-​Band Transponder (jeweils Hin– und Rückkanal 2+2) sowie zwei DRT (Data Relay Transponder) und SAS&R-Transponder (Advanced Aided Search & Rescue) im UHF-​Band. Geplant war eine Stationierung über 93,5° Ost.
Für die Ariane 5 bedeutete die VA238 Mission den 80. erfolgreichen Start in Folge. Dennoch waren auch bei dieser Mission noch Neuerungen eingeführt worden, die der Leistungssteigerung und Kostenreduktion dienten. Eine aus nur noch vier statt wie bisher vierzehn Segmenten gefertigte Nutzlastverkleidung reduzierte deren Masse um 107 kg, was sich in einer Steigerung der Kapazität auf eine geostationäre Transferbahn von 10 kg wiederspiegelte.