Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-08-18T12:03:58+02:00

März 2017.

1Maerz

Start der Atlas-V mit NROL 79

Eigentlich für den 27.01.2017 geplant, fand der Start einer Atlas V Mod. 401 Rakete im Auftrag des NRO erst am 01.03.2017 statt. Einige Tage vor dem Januar-​Starttermin waren beim sogenannten Wet Dress Rehearsal unerwartete Probleme mit den Centaur Oberstufe der Rakete aufgetreten. Ging man zunächst von etwa zwei Wochen Zeitbedarf für die notwendigen Reparaturen und Tests aus, war der Aufwand dann doch offenbar größer. Nach der Neuansetzung für den 01.03.2017 verlief der Countdown dann aber reibungslos. Ebenso der Start von der Vandenberg AFB. Aufgrund der geheimen Natur der offizielle lediglich als NROL 79 bzw. USA 274 bezeichneten Nutzlast wurde lediglich eine inhaltsarme Presseerklärung veröffentlich, die den Erfolg der 70. Atlas V Mission bestätigte. Fachkundige Beobachter hatten allerdings wenig Zweifel daran, daß es sich eigentlich um zwei Satelliten gehandelt hatte, die da ihre Bahnen erreicht hatten. Alle Umstände wiesen auf einen Start für das INTRUDER Programm hin. Unter diesem Codenamen lief die (vermutlich) dritte Generation maritimer SIGINT Satelliten, bekannter unter dem Namen NOSS (Naval Ocean Surveillance System). Erste Amateurbeobachtungen zeigten den größeren der beiden Satelliten dann auch auf einer Bahn, die mit guter Näherung dem typischen, 63° geneigten, 1.100 km Orbit früherer INTRUDER entsprach.
2Maerz

Start der ersten Kaituozhe 2

Anfang 2017 verdichteten sich die Hinweise darauf, daß China den Jungfernflug einer weiteren Feststoffträgerrakete vorbereitete. Jahrzehntelang hatte die chinesische Raumfahrt ausschließlich auf Variationen ein und desselben Raketengrundmodells basiert. 2015/16 hatte nun die Flugerprobung grundlegend neuer Raketenmodelle mit Kerolox (Kerosin/​LOX) Antrieb begonnen. Und man präsentierte gleich mehrere Entwürfe für Feststoffraketen. In der Vergangenheit hatte deren vereinzelter Einsatz in der chinesischen Raumfahrt offenbar keine überzeugenden Ergebnisse erbracht. Nun testete man 2015 einen neuen Entwurf unter dem Namen CZ-​11, 2017 gefolgt von der leichteren KZ-​1A (Nachfolger der 2013/14 zweimal geflogenen KZ-​1). Zwei Monate nach deren Jungfernflug wurde in Jiuquan jetzt die erste KT-​2 zum Start vorbereitet, dem Namen nach Nachfolgerin der 2002/03 glücklos erprobten KT-​1. Weitere, inbesondere kommerzielle, Entwicklungen privater und halbstaatlicher Anbieter waren bereits vorgestellt worden. Bei ihrem Jungfernflug brachte die Kaituozhe KT-​2 Rakete am 02.03.2017 einen Technologie-​Demonstrator der CASIC (China Aerospace Science and Industry Corporation) auf eine sonnensynchrone 400 km Bahn. Tiankun 1 sollte primär einen neuen Satellitenbus flugqualifizieren. Für diese Mission war er mit nicht näher benannter Kommunikations– und Erderkundungsausrüstung bestückt worden.
6Maerz
Zwei Lemur 2 Mehrzwecksatelliten des US Unternehmens Spire wurden am 06.03.2017 um 10:25 UTC aus dem NanoRacks CubeSat Deployer (NRCSD) #10 an Bord der ISS ausgestoßen. Typischerweise waren diese 3U CubeSats mit einer Nutzlast zu meteorologisch motivierten Radio-​Okkultationsexperimenten unter Einsatz von GPS Signalen (STRATOS) und einem Empfänger für AIS (Automatic Identification System) Signale zur Positionsbestimmung von Schiffen (SENSE) ausgestattet. Die beiden am 06.03.2017 als erstes Paar ausgestoßenen Satelliten trugen die Namen Lemur 2 „Trutna“ und Lemur 2 „TrutnaHD“.
6Maerz
280 Minuten nach dem Ausstoß eines ersten Paares der im Dezember 2016 mit „Kounotori“ 6 auf der ISS angelieferten Lemur 2 Satelliten folgten am 06.03.2017 um 15:05 UTC zwei weitere Exemplare aus dem am JEM Remote Manipulating System (JRMS) montierten NanoRacks CubeSat Deployer (NRCSD) #10. Die beiden 3U CubeSats des US Unternehmens Spire Global Inc. trugen die Namen Lemur 2 „Austintacious“ und Lemur 2 „Redfern-​Goes“.
6Maerz
Im Rahmen einer dritten Startkampagne wurde am 06.03.2017 um 18:20 UTC der Technologie-​Demonstratorsatellit TechEdSat 5 der NASA aus dem NanoRacks CubeSat Deployer (NRCSD) #10 ausgestoßen. Der im exotischen 3.5U Formfaktor gebaute CubeSat, den das NASA Ames Research Center gemeinsam mit der University of Idaho und der San Jose State University, entwickelt hatte, führte die Experimente früherer TES fort, mit denen verschiedene Varianten einer entfaltbare exo-​brake Struktur erprobt worden waren. Fernziel war nicht nur die Entwicklung eines einsatzfähigen Systems zum gezielten Wiedereintritt (zwecks „Entsorgung“) ausgedienter Satelliten. Auch die Rückführung von Experimenten aus dem Orbit war angedacht.
7Maerz

Start der Vega VV09 mit Sentinel 2B

Aufnahme der Lagune von Karavasta (Albanien) durch Sentinel 2B

Der noch vor dem Start des ersten Sentinel 2 Exemplare bestellte zweite Satellit der Baureihe startete am 07.03.2017 wie sein erfolgreicher Vorgänger mit einer Vega Feststoffrakete von Kourou in Französisch Guyana. Beide Satelliten waren Teil des Copernicus Programms (vormals GMES — Global Monitoring for Environment and Security) der Europäischen Kommission und stellten Wissenschaftlern wie auch der Wirtschaft oder europäischen Sicherheitsbehörden hochwertige Erderkundungsinformationen zur Verfügung. Die Copernicus Konstellation umfaßte dabei sowohl Satelliten mit Radar als auch mit Multispektral-​Sensoren. Insgesamt sechs „Familien“ von Sentinel waren mittlerweile budgetiert, darunter auch solche zur Meteorologie (Sentinel 5) und Altimetrie (Sentinel 6). Die Sentinel 2 gehörten zu den „klassischen“ Erderkundungssatelliten in der Tradition des europäischen SPOT Systems. Ihr Multispektral-​Sensor deckte dreizehn Spektralbänder ab. Deren Frequenzbereich reichte vom VNIR (visible and near-​infrared) bis zum SWIR (shortwave infrared). Zehn der Spektralkanäle erreichten dabei eine Auflösung von 10 bis 20 m. Drei weitere (schmalbandige) zur Messung atmosphärischer Eigenschaften immerhin noch 60 m. Die Schwadbreite betrug aus dem sonnensynchronen Orbit in 786 km Höhe 290 km. Erste Erderkundungsdaten von Sentinel 2B wurden bereits am 15.03.2017 veröffentlicht und bestätigten die hohe Qualität der Sensoren.
16Maerz

Start der Falcon-9 v1.2 mit EchoStar XXIII

EchoStar XXIII

Beim Start des auf dem SSL-​1300 Bus von Space Systems/​Loral basierenden EchoStar XXIII mußte der Startdienstleister SpaceX an die Leistungsgrenze seiner Falcon 9 v1.2 gehen. Obwohl man in der Vergangenheit schon riskante experimentelle Landemanöver mit der Erststufe der Falcon unternommen hatte, vor allem bei Missionen von schweren Nutzlasten auf geostationäre Transferbahnen, mußte man diesmal komplett auf einen Landeversuch verzichten. Die Gridfins und Landefüße wurden zur Gewichtsersparnis demontiert. Der von SpaceX erhoffte schnelle Turnaround nach dem ersten Start einer Falcon 9 von SLC-​39A in Cape Canaveral konnte nicht realisiert werden, so daß der Start terminlich in Konkurrenz zu einem Delta IV Start trat. Da sich aber auch bei der ULA Verzögerungen bei der Startvorbereitung ergeben hatten, erhielt SpaceX der Vortritt, obwohl ein erster Versuch für das Static Fire der Erststufe wegen Unregelmäßigkeiten abgebrochen werden mußte. Vom 14.03.2017 wurde der Start schließlich nochmal auf den 16.03.2017 verschoben. An diesem Tag gelang dann ein reibungsloser Countdown und fehlerfreier Start auf einen geostationären Transferorbit. Angesichts des niedrigen Perigäums von lediglich 179 km (für mehr hatte die Leistung der Falcon offenbar nicht gereicht) begann EchoStar XXIII rasch mit ersten Bahnmanövern, die ihn bis zum Monatsende auf eine geostationäre Bahn beförderten. Der ehemalige EchoStar XIII (CMBStar 1) über den die Dish Network Corporation (EchoStar) ursprünglich Live-​Übertragungen von den Olympischen Sommerspielen 2008 an Smartphones und andere Mobilgeräte hatte realisieren wollen, war nun nach einer kompletten Überarbeitung als EchoStar XXIII endlich ins All gelangt. Jetzt allerdings als konventioneller 3-​Band Satellit (32 Ku-​Band Transponder plus Ka– und S-​Band Nutzlast) mit hoher Sendeleistung. EchoStar erhoffte sich von dieser Konfiguration über mindestens 15 Jahre einen flexiblen Einsatz auf verschiedenen Positionen. Den Betrieb sollte der Satellit über 45° West aufnehmen.
17Maerz

die H-IIA mit IGS-5R auf dem Startkomplex

Nach einem eintägigen wetterbedingten Aufschub hob am 17.03.2017 eine H-​IIA Mod. 202 Rakete vom japanischen Tanegashima ab. Da es sich bei ihrer Nutzlast um einen militärischen Satelliten des IGS (Intelligence Gathering System) handelte, war die Berichterstattung zu dem Ereignis extrem dürftig. Ohne weitere Details war lediglich bekanntgeworden, daß es sich bei dem transportierten Satelliten um IGS-​Radar 5 gehandelt hatte. Die Japanische Raumfahrtagentur JAXA meldete schließlich, daß der Satellit auf der vorgesehenen Bahn ausgesetzt worden war und Kontakt zu ihm bestand. Amateurbeobachtungen zeigten IGS-​R5 auf einer annähernden 500 km Kreisbahn. Die Bodenauflösung dieser Satelliten erreichte laut unbestätigten Berichten aus dieser Höhe Werte von besser als einem Meter.
19Maerz

Rückkehr der CRS-10 Landekapsel

Nach einem Aufenthalt von dreieinhalb Wochen am Berthing Port des „Harmony“ Moduls löste sich das CRS-​10 Dragon Frachtraumschiff am 18.03.2017 um 21:20 UTC wieder von der Internationalen Raumstation. Bis zum 19.03.2017 um 09:11 UTC wurde es noch vom Canardarm2 Manipulator der ISS gehalten, dann ging das Raumschiff wieder in den Freiflug über. Drei Triebwerkszündungen brachten die Dragon auf Abstand zur Raumstation, bevor gegen 14:00 UTC das Retromanöver eingeleitet wurde. Dieses mündete um 14:46 UTC in der Wasserung im Pazifik 320 km südwestlich von Long Beach. Dort wartete bereits das Bergungsschiff, das die Kapsel mit 1.652 kg Rückfracht an Bord nahm. Weitere 811 kg an ausgedienten Ausrüstungsgegenständen — darunter eine Kassette des Materials International Space Station Experiment (MISSE), die Optical Payload for Lasercomm Science (OPALS) und die Robotic Refueling Mission (RRM) Apparatur — hatten sich im Trunk des Raumschiffs befunden. Dieser wurde vor dem Wiedereintritt abgetrennt und verglühte planmäßig mit den dort zur Entsorgung verstauten Experimenten.
19Maerz

Start der Delta IV mit WGS 9

Ein weiterer militärischer Kommunikationssatellit der Wideband Global Satcom (WGS) Reihe wurde am 19.03.2017 mit einer Delta IV Medium+ (5,4) von Cape Canaveral gestartet. Dieses spezielle Exemplar, WGS 9, war vom Militär Dänemarks, Kanadas, der Niederlande, Luxemburgs und Neuseelands ko-​finanziert worden, die sich so neben den US Streitkräften einen privilegierten Zugriff auf die Kapzitäten des WGS Netzwerks sicherten. Der auch als USA 275 bezeichnete Satellit gehörte zu einem auch als WGS Block 2 Follow-​On bezeichneten Baulos, bei dem die X– und Ka-​Band Übertragungskapazitäten durch Detailverbesserungen um 30% gesteigert worden waren. Ursprünglich war der Start für den 09.03.2017 geplant gewesen, hatte ich aber auf den 14.03.2017 verzögert, wodurch der Termin mit jenem kollidierte, den SpaceX für seinen EchoStar XXIII Start reserviert hatte. Obwohl auch dieses Startteam den Termin nicht ganz halten konnte, erhielt es den Vorrang. Nachdem die Falcon 9 v1.2 am 16.03.2017 von SLC-​39A abgehoben hatte, begannen auf SLC-​37B die letzten Vorbereitungen zum Start von WGS 9. Nach der fälligen Rekonfiguration der Bahnverfolgungs– und Sicherheitstechnik wurde der Countdown für einen Start am 18.03.2017 aufgenommen. Wegen eines Problems mit einer der schwenkbaren Versorgungsplattformen des Startkomplexes fand der Start dann aber erst nach Mitternacht Weltzeit statt. Mit zwei Zündungen beförderte die kryogene Oberstufe der Delta ihre Nutzlast auf die geplante supersynchrone Transferbahn. Die weiteren Details der Mission unterlagen der Geheimhaltung. Amateurbeobachtungen zeigten den Satelliten aber auf dem Weg zu einem geostationären Orbit.
24Maerz

Thomas Pesquet während der EVA vom 24.03.2017

Die beiden ISS Expedition 50 Mitglieder Shane Kimbrough und Thomas Pesquet unternahmen am 24.03.2017 gemeinsam ein Außenbordmanöver, dessen zentrale Aufgabe in der Vorbereitung des PMA 3 (Pressurized Mating Adapter) zur Installation des zweiten IDA (International Docking Adapter) bestand. Bevor dieser Adapter am 26.03.2017 remote gesteuert zum „Harmony“ Modul umgesetzt werden konnte, mußten diverse Kabel und Steckverbinder an der bisherigen Dockingsposition an der Backbordseite des „Tranquility“ Moduls gelöst werden. Weitere Aufgaben bestanden im Austausch von Computer-​Komponenten sowie einer Kamera mit defektem Scheinwerfer am japanischen Segment der Internationalen Raumstation. ESA Astronaut Pesquet sollte zudem versuchen, ein kleines Ammoniak-​Leck an einem Radiator des Kühlsystems zu lokalisieren, wenigstens aber den Zustand für eine eingehendere Analyse umfassend dokumentieren. Am DEXTRE Greifer des Canadarm2 galt es dann noch die Gelenke abzuschmieren. Nach 6:34 h war das Außenbordmanöver erfolgreich abgeschlossen, auch wenn das Ammoniak-​Leck nicht hatte lokalisiert werden können. Das überraschte aber angesichts seiner geringen Größe nicht und kam insofern nicht unerwartet.
30Maerz

Umsetzen des PMA 3 am 26.03.2017

Nachtaufnahme der Außenbordaktivitäten am 30.03.2017

Nachdem Shane Kimbrough und Thomas Pesquet am 24.03.2017 die Vorbereitungsarbeiten erfolgreich abgeschlossen hatten, wurde der PMA 3 (Pressurized Mating Adapter) am 26.03.2017 robotisch zu seiner neuen Position an der Zenit-​Position des „Harmony“ Moduls umgesetzt. Am 30.03.2017 verließ dann Kimbrough, diemal in Begleitung von Peggy Whitson, erneut die Luftschleuse des „Quest“ Moduls. Am neuen Kopplungspunkt mußten nun wieder die elektrischen Verbindungen zwischen PMA und dem US Verbindungsmodul hergestellt werden. Whitson fiel u.a. die Aufgabe zu, die Abdeckung über dem Kopplungsadapter des PMA zu entfernen und in einer Tasche zu verstauen. Was sich unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit als komplexes Unterfangen erwies. Zeitraubend war auch das Anbringen von Abdeckungen, sogenannten ACBM (Active Common Berthing Mechanism) Shields, zum Schutz vor Mikrometeoriten rund um den Adapter. Dabei unterlief den beiden Astronauten ein Mißgeschick, als eines der vier Schildsegmente unbemerkt davon driftete. In Houston löste das hektische Betriebsamkeit aus. Möglichst noch während der laufenden EVA galt es ein Provisorium zum Schutz des empfindlichen Bereichs des PMA zu finden. Im Stil von Apollo 13 improvisierte man am Boden eine Lösung unter Einsatz der flexiblen PMA Abdeckung, die Astronauten eben erst abgenommen hatten. Die Instruktionen gingen an Kimbrough und Whitson, die sie ohne Schwierigkeiten umsetzen konnten. Wie bei der vorangegangenen EVA gab es noch einige sekundäre Aufgaben. So sollten wieder eine Computer-​Einheit mit neuer Software installiert und ein Ethernet-​Kabel verlegt werden. Nach 7:04 h war das Außenbordmanöver beendet, mit dem Whitson einen neuen Rekord hinsichtlich der Anzahl (acht) und Gesamtdauer (53:22 h) der Außenbordaufenthalte bei den Frauen aufgestellt hatte.
30Maerz

Start der Falcon-9 v1.2 mit SES 10

die Falcon 9 Erstsufe der SES 10 Mission im Landeanflug

einer Kamera an der Nutzlastverkleidung gelang bei der SES 10 Mission diese Aufnahme

Der mittlerweile global operierende, einstige luxemburgische, Satellitenbetreiber SES unterstrich sein Vertrauen in die Aktivitäten des US Unternehmens SpaceX, als man verkündete, seinen SES 10 Kommunikationssatelliten auf einer wiederaufgearbeiteten Falcon 9 Rakete fliegen zu lassen. SpaceX Gründer Elon Musk war mit nichts geringerem angetreten, als dem Anspruch, das Kostenmodell für den Transport in den Weltraum zu revolutionieren. Weniger durch vollkommen neue Technologien, als durch die geschickte Kombination eher konventioneller (Triebwerks-)Technologie mit innovativen Lösungen zur Wiedervendbarkeit. Nach vielen Rückschlägen war es SpaceX gelungen, die vertikale Landung der Raketenerststufe nahezu zu einem Routineunternehmen werden zu lassen. An weitergehenden Lösungen wurde gearbeitet. SES World Skies hatte den Eurostar-​3000 Satelliten SES 10 zur Versorgung von Süd– und Mittelamerika einschließlich der Karibik im Februar 2014 bei Airbus Defence and Space in Auftrag gegeben. Den Startvertrag schloß man mit SpaceX. Aufgrund der Startmasse des mit 55 (laut anderen Quellen 50) Ku-​Band Transpondern ausgestatteten Satelliten kam für den Start nach damaligem Stand der Dinge allerdings nur die noch nicht geflogene Falcon 9 Heavy in Frage. Deren Jungfernflug war auch 2016 noch nicht wirklich absehbar. Dafür stand mittlerweile mit der Falcon 9 v1.2 ein leistungsfähigeres Standardmodell zur Verfügung, das, wenn auch nur knapp, den SES 10 Satelliten auf eine Transferbahn befördern konnte. Und SpaceX machte der Société Européenne des Satellites ein verlockendes Angebot. Man suchte nämlich einen risikofreudigen Kunden für den Flug der ersten Falcon 9 mit wiederaufbereiteter Erststufe. Details zur Höhe des Preisnachlasses wurden nicht öffentlich gemacht. Doch offenbar war das Angebot attraktiv. Und man hatte auch schon mehrere Satelliten der Falcon 9 anvertraut, weitere Starts waren gebucht. Im August 2016 verkündeten beide Unternehmen die Vereinbarung. Der Start verzögerte sich dann zwar noch um einige Wochen aufgrund der verspäteten Indienststellung von SLC-​39A. Doch im März 2017 war man soweit. Am 27.03.2017 erfolgte nach einem simulierten Countdown der obligatorische „Hot Fire“ Testlauf der Erststufentriebwerke. Anschließend wurde die Rakete wieder in die Horizontale gebracht, um die Nutzlast aufzusetzen. Damit war der Weg frei für einen Start am 30.03.2017. Pünktlich zu Beginn des Startfensters hob die Falcon 9 v1.2 von Cape Canaveral ab. Als Erststufe fungierte die B1021, die schon am 08.04.2016 bei der CRS-​8 Mission eingesetzt worden war. Noch wurde der Aufwand zur Aufarbeitung nach dem Start als unverhältnismäßig hoch eingeschätzt. Aber natürlich wollte man die Akzeptanz der SpaceX Idee nicht durch einen Fehlstart aufgrund eines übersehenen Defekts aufs Spiel setzen. Tatsächlich enttäuschte die Falcon die in sie gesetzten Hoffnungen nicht. Während die Oberstufe mit SES 10 einen geostationären Transferorbit ansteuerte, war die Erststufe auf dem Weg zurück zur Erde. Da man zum Start des Satelliten an die Leistungsgrenzen gehen mußte, war eine Landung auf Cape Canaveral ausgeschlossen. Angesteuert wurde die auf dem Atlantik wartende Barge OCISLY. Und dennoch war der Abstieg so „heiß“, daß man mit dem Verlust der Stufe rechnen mußte. Obwohl die Gridfins aerodynamisch bis zum Maximum belastet wurden, gelang aber auch diesmal eine perfekte Landung. Damit nicht genug, verkündete SpaceX nun auch noch, daß man den Versuch einer kontrollierten Rückführung der Nutzlastverkleidung per Fall-​/​Gleitschirm unternommen hatte. Und tatsächlich gelang auch die Bergung einer Hälfte der Nutzlastverkleidung aus dem Meer. Das Verfahren befand sich zwar noch in der Testphase, wies aber schon den Weg zu weiteren angestrebten Kostensenkungen. SES 10 war unterdessen schon bald auf dem Weg zu einer vorläufigen geostationären Bahn, bevor er auf die Arbeitsposition über 67° West verschoben wurde.