Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-12-16T17:19:01+01:00

Oktober 2017.

5Oktober

„Randy“ Bresnik bei seiner ersten EVA am 05.10.2017

Am 05.10.2017 unternahmen die beiden US Astronauten Randolph Bresnik und Mark Vande Hei ihr erstes gemeinsames Außenbordmanöver. Für Vande Hei war es zudem überhaupt der erste Aufenthalt im freien Raum, während Bresnik 2009 schon bei zwei EVAs am Ausbau der ISS mitgewirkt hatte. Ziel der EVA war der Austausch eines LEE (Latching End Effector) am Ende des SSRMS (Space Station Remote Manipulator System). Der auch als Canadarm2 bekannte Manipulator verfügte an jedem Ende über eine dieser „Greifhände“, die entweder der Verankerung an der ISS oder z.B. dem Greifen eines Frachtraumschiffs (abgesehen von den russischen Progress) dienen konnten. Neben diesen zwei LEEs kamen baugleiche Systeme am MBS (Mobile Base System) und am Dextre Roboter zum Einsatz. Seit 2009 lagerte zudem ein Ersatzexemplar auf dem ELC 1 (Express Logistics Carrier). Die Ingenieure am Boden entschieden sich jedoch dagegen, dieses zum Einsatz zu bringen. Stattdessen hatten Bresnik und Vande Hei nun den Auftrag, das stark beanspruchte Exemplar #202 (LEE-​A) des SSRMS mit dem bisher kaum genutzten #203 an der POA (Payload/​ORU Accommodations) des MBS zu tauschen. Insgesamt waren beide Astronauten hierfür 6:55 h außenbords tätig.
9Oktober

Start der CZ-2D mit VRSS 2

Das hochverschuldete und von politischen Unruhen erschütterte Venezuela erhielt am 09.10.2017 seinen zweiten eigenen Erderkundungssatelliten. Bereits im Mai 2011 hatten Vertreter des Ministerio del Poder Popular para la ciencia, tecnología e industrias intermedias (MPPCTII) und der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC) in Caracas den Vertrag über einen ersten Erderkundungssatelliten, VRSS 1, abgeschlossen. Eingeschlossen waren auch der Aufbau eines Bodensegments und das Training von Fachkräften. Im Oktober 2014, gut zwei Jahre nach dem Start des auf den Namen „Francisco Miranda“ getauften Satelliten, schlossen die beiden Partner den Vertrag über einen Nachfolger ab. VRSS 2 unterschied sich von seinem Vorgänger durch eine deutlich gesteigerte Auflösung von 1 m panchromatisch bzw. 4 m multispektral. Komplett neu waren Sensoren für den Infrarotbereich (30 m Auflösung SWIR bzw. 60 m LWIR). Drei Jahre nach der Auftragserteilung startete der zweite Venezuelan Remote Sensing Satellite mit einer CZ-​2D stretched Rakete vom Raumfahrtgelände Jiuquan. Nach dem Beinahe-​Fehlstart einer Rakete dieses Typs im Dezember des Vorjahres bedeutete diese Mission zudem die Rückkehr in den Flugdienst. Diesmal enttäuschte die Rakete nicht und „Antonio José de Sucre“ wurde präzise auf dem vorgesehenen sonnensynchronen Orbit ausgesetzt.
9Oktober

die Falcon-9 Rakete für die dritte Iridium-​NEXT Mission

Zehn weitere Iridium-​NEXT Satelliten für die von der Iridium Communications Inc. auf erdnahen Bahnen betriebene Satellitenkonstellation erreichten am 09.10.2017 beim Start einer Falcon 9 v1.2 von der Vandenberg AFB den Orbit. Iridium, in den 1990er Jahren Pionier auf dem Gebiet der Satellitentelefonie, hatte in den frühen 2000er Jahren schwere Zeiten erlebt. Im August 2000 mußte die ursprüngliche Iridium Inc. sogar Konkurs anmelden. Mit einem veränderten Konzept und dank des US DoD als Großkunden fand sich aber eine Basis für die Fortführung des Betriebes durch die Iridium Satellite LLC. Dennoch fehlte jahrelang das Kapital für einen Austausch der längst jenseits ihrer Auslegungsbetriebsdauer operierenden Satelliten. Schließlich konnten aber die Verträge über den Bau und Start von insgesamt 81 Satelliten einer neuen Generation geschlossen werden. Generalauftragnehmer wurde Thales Alenia Space, wobei die Integration der Satelliten durch die Orbital Sciences Corporation erfolgen sollte. Die Startaufträge gingen an den Newcomer SpaceX. Vor allem dessen anfängliche Probleme mit der Falcon 9 Rakete trugen maßgeblich zu dem zweijährigen Zeitverzug bis zum Start der ersten Iridium-​NEXT Satelliten im Januar 2017 bei. Nachdem gut fünf Monate später auch der zweite Iridium-​NEXT Start erfolgreich verlaufen war, stabilisierte sich die Marktposition von Iridium aber wieder. Obwohl die „klassische“ Satellitentelefonie weiterhin knapp 50% des Nutzungsvolumens ausmachte, konnten nun vermehrt Datenübertragungen und Internet-​Dienste sowie M2M (Machine to Machine) Dienstleistungen angeboten werden. Neu aufgenommen worden waren zudem AIS– (Automatic Identification System) und ADS-​B (Automatic Dependent Surveillance-​Broadcast) Services zur Verfolgung des Schiffs– und Flugverkehrs. Nach einigen kleineren Terminverschiebungen und Änderungen in der Startreihenfolge wurde der dritte Iridium Start des Jahres für den 09.10.2017 angesetzt. Und gelang ohne weitere Verzögerungen. Zwei Zündungen brachten die Oberstufe auf den vorgesehenen Orbit, wo Iridium-​NEXT 133, Iridium-​NEXT 127, Iridium-​NEXT 122, Iridium-​NEXT 129, Iridium-​NEXT 119, Iridium-​NEXT 107, Iridium-​NEXT 132, Iridium-​NEXT 136, Iridium-​NEXT 139 und Iridium-​NEXT 125 aus dem Dispenser ausgestoßen wurden. Unterdessen war die Erststufe bereits wieder auf der Barge „Just Read the Instructions“ gelandet, die sie zurück in den Hafen von Los Angeles transportierte.
10Oktober

Mark Vande Hei über den LEE-A gebeugt

Fünf Tage nach ihrem ersten gemeinsamen Außenbordmanöver stiegen die beiden Astronauten Randolph Bresnik und Mark Vande Hei erneut durch die Luftschleuse des „Quest“ Moduls aus, um die begonnenen Servicearbeiten fortzuführen. So mußte der neu am Canadarm2 angebrachte LEE (Latching End Effector) noch abgeschmiert werden. Außerdem sollten zwei Kameras am „Truss“ der Internationalen Raumstation und am US Labormodul „Destiny“ ausgetauscht bzw. umgesetzt werden. Daneben wurden einige kleinere Arbeiten erledigt, so die Demontage von Handläufen am „Tranquility“ Segment der Station. Insgesamt dauerte das Außenbordmanöver am 10.10.2017 6:26 h.
10Oktober

die startbereite H-IIA F36 mit QZS 4

Der vierte und vorläufig letzte Satellit für das japanische Quasi Zenith Satellite System wurde am 10.10.2017 mit einer H-​IIA Mod. 202 von Tanegashima gestartet. Japan, wo es in einigen gebirgigen Regionen, vor allem aber in den engen Straßenschluchten der Großstädte, teils erhebliche Probleme mit dem Empfang der GPS Signale zur Satellitennavigation gab, hatte mit dem QZSS eine Satellitenkonstellation konzipiert, die GPS-​kompatible Signale abstrahlte wie auch als Verstärker für GPS Signale fungieren konnte. Eine Konstellation aus Satelliten auf „klassischen“ geostationären Satelliten wie auch solchen auf inklinierten, leicht elliptischen geosynchronen Bahnen sollte eine Abstrahlung der Signale aus einer für den Benutzer optimalen Position mit hoher Elevation sicherstellen. Nach erfolgreichen Tests mit einem ersten Testsatelliten ab dem Jahr 2010 waren die nächsten drei nun innerhalb weniger Monate seit dem Juni 2017 gestartet worden. Ziel von „Michibiki“ 4 (QZS 4) war ein leicht elliptischer Orbit zwischen etwa 32.600 und knapp 39.000 km Höhe. Mit zwei Zündungen der Oberstufe wurde der Satellit zunächst auf eine Transferbahn befördert, um dann mit seinem eigenen Antrieb die Bahn anzuheben.
11Oktober

die Falcon-9 Rakete für die Echostar 105 / SES 11 Mission auf SLC-40

Im September 2014 gaben die beiden Satellitenbetreiber EchoStar und SES World Skies bekannt, einen gemeinsam zu nutzenden Eurostar-​3000 Kommunikationssatelliten bei Airbus Defence and Space bestellt zu haben. Der Satellit sollte über 105° West stationiert werden, einer bisher von den SES Satelliten AMC 15 und AMC 18 belegten Position. Wichtigster Anker-​Kunde auf dem Ku-​Band Satelliten war seit 2006 die EchoStar Corporation. Daher lag es nahe, zur Versorgung der Kunden in Nord– und Mittelamerika (einschließlich des Golf von Mexiko und der Karibik) den Bedarf beider Unternehmen mit einem leistungsfähigen gemeinsamen Satelliten zu befriedigen. Die C-​Band Nutzlast (24 Transponder) sollte unter dem Namen SES 11 vermarktet werden, während die 24 Ku-​Band Transponder anfangs als EchoStar 20, schließlich aber EchoStar 105 bezeichnet wurden. Der Start des Satelliten wurde auf einer SpaceX Falcon 9 v1.2 gebucht und sollte nach ursprünglicher Planung Ende 2016 erfolgen. Tatsächlich liefen die konkreten Startvorbereitungen erst im September 2017 an. Wegen der weiter anhaltenden Nichtverfügbarkeit der Startkomplexes SLC-​40 nach einer Explosion bei der Startvorbereitung im September 2016 verzögerte sich der Start aber auf den Oktober, weil er in die enge Startfolge des verbliebenen Pads LC-​39A eingepaßt werden mußte. Nach einigen Tagen mit vorherrschenden schlechten Wetterbedingungen nutzte SpaceX am 11.10.2017 eine Besserung der Situation für einen weiteren mustergültigen Start, der mit einer wiederaufgearbeiteten Erststufe fliegenden Rakete. Während die Oberstufe mit dem etwa 5,2 Tonnen schweren Satelliten noch auf dem Weg auf einen supersynchronen Transferorbit war, landete die Erststufe bereits wieder auf dem ADS (Autonomous Drone Ship) „Off Course I Still Love You“. Zwar gelang wieder eine Punktlandung, doch lief anschließend Kerosin aus der Stufe über das Deck von OCISLY und entzündete sich. Die Feuerlöschkanonen hatten die Situation rasch unter Kontrolle. Dennoch wurde der kleine mobile Roboter „Roomba“ (auch als „OctaGrabber“ bezeichnet), der als autonom operierendes System zukünftig die Sicherung der Stufe an Deck übernehmen sollte, in seinem Unterstand beschädigt und mußte somit weiter auf seinen ersten Einsatz warten.
13Oktober

Start der Rockot-KM mit Sentinel 5P

Sentinel 5P auf der Bris-KM Stufe

Mit gut anderthalb Jahren Verspätung startete am 13.10.2017 der europäische Erderkundungssatellit Sentinel 5P mit einer Rockot-​KM vom Kosmodrom Plesetsk. Ursprünglich war der Start bereits im Jar 2014 erwartet worden. Tatsächlich hatten sich aber nahezu alle Missionen des einstigen Global Monitoring for Environment and Security (GMES) Programms, heute Copernicus, zu dem auch Sentinel 5P zählte, verzögert. Doch nach der Annexion der Krim durch Rußland kamen auch noch politische und wirtschaftliche Aspekte hinzu, die das Projekt behinderten. So bedurfte es wohl politischen Drucks der EU auf die Ukraine, um eine Ausnahme vom Exportverbot nach Rußland für Militär– und Raumfahrttechnologie zu erwirken. Dieses ansonsten von der europäischen Politik mitgetragene Embargo verhinderte nun nämlich die Lieferung des Kontrollsystems für die Bris-​KM Oberstufe der Rockot. Angesichts dieser Situation hatte das russische Militär bereits ein Ende der Nutzung der Rockot angekündigt, sah sich aber großen Problemen gegenüber, adäquaten Ersatz zu finden. Denn weder die leichte Version der Angara noch die Sojus-2.1w 14A15 konnten die Lücke bisher füllen. So flogen zunächst zum Mißfallen der deutschen Partner des Eurockot Programms bevorzugt russische Militärsatellit auf den verfügbaren Exemplaren der Rockot. Als diese Probleme endlich gelöst schienen, begannen Anfang 2017 die konkreten Vorbereitungen zum Start. Zwar kam es noch zu einer Verschiebung des vorläufig für den 21.09.2017 angesetzten Termins um einige Wochen. Doch am 13.10.2017 hob die Rakete dann tatsächlich von Plesetsk ab. Sentinel 5P erreichte den vorgesehenen sonnensynchronen Orbit in knapp 820 km Höhe. Und auch das, in der Vergangenheit mehrfach mißlungene, Manöver zur Bahnabsenkung der Bris-​KM Bugsierstufe gelang diesmal. Der von Airbus Defence and Space auf Basis der AstroBus-​L 250M (AstroSat-​250) Plattform gebaute Satellit trug als einziges Instrument, TROPOMI (Tropospheric Monitoring Instrument), zur Überwachung der Konzentration und Ausbreitung von klimawirksamen Spurengasen und Aerosolen in der Troposphäre. Dessen Qualifikation war der Grund für die Sentinel 5 „Precursor“ Mission. Denn das Instrument sollte Ende des Jahrzehnts auf der nächsten Generation europäischer meteorologischer Satelliten (MetOp-​SG alias Sentinel 5) fliegen.
14Oktober

Progress MS-07 unmittelbar nach dem Docking

Für das Progress MS-​07 Frachtraumschiff plante die russische Raumfartbehörde Roskosmos erstmals ein Docking nach nur zwei Erdumläufen bzw. drei Stunden nach dem Start. Das war nochmal eine Halbierung gegenüber dem bisher praktizierten „Expressanflugverfahren“. Voraussetzung dafür war nicht nur die exakte Einhaltung des Startzeitpunkts, sondern auch ein präziser Bahneinschuß. Mit der bisher eingesetzten Sojus-​FG 11A511U-​FG war das nicht zu leisten, mit der moderneren Sojus-2.1a 14A14 dank ihres digitalen Steuerungssystems hingegen schon. Am 12.10.2017 um 09:35 UTC sollte der Start von Platz 31 in Baikonur erfolgen. Doch nach dem Startkommando kam es zum automatischen Abbruch der Sequenz, offenbar wegen des kurzzeitigen Verlusts der Telemetrieverbindung zum Raumschiff. Das Problem war zwar rasch behoben, doch nun konnte der Start erst zum Reservetermin erfolgen. Und der ließ bahnmechanisch nur das Standardanflugverfahren auf die ISS zu. Fehlerfrei hob die Rakete am 14.10.2017 um 08:47 UTC von Baikonur ab. Innerhalb von zwei Tagen näherte sich das mit 2.549 kg Nachschub beladene Raumschiff der Internationalen Raumstation und dockte im automatischen Regime am 16.10.2017 um 11:04 UTC am Modul „Pirs“ an. Wenige Minuten später war die sichere Verriegelung vollzogen.
Ein Detail dieser Mission sorgte für Verstimmung zwischen den internationalen Partnern des Raumstationsprogramms. Denn am Bug der Progress war, wie Fotos zeigten, ein neuartiges Instrument montiert. Auch auf Nachfrage weigerte sich die russische Seite jedoch, Details zu der Apparatur mit den Partnern zu teilen. Lediglich, daß es sich um ein einmaliges Experiment handelte, wurde mitgeteilt. Die anderen Raumfahrtorganisationen zeigten sich irritiert, da solche Tests bisher immer offen kommuniziert worden waren — auch um mögliche unerwünschte Wechselwirkungen mit anderem Equipment auszuschließen.
15Oktober

die Atlas-V AV-075 für die NROL 52 Mission in der Dämmerung

Einen Startauftrag im Auftrag des National Reconnaissance Office realisierte die United Launch Alliance am 15.10.2017 mit ihrer Atlas V Mod. 421. Ursprünglich war der Start für den 05.10.2017 angesetzt gewesen, wurde aber wegen böigem Wind und aufziehender Regenwolken um einen Tag verschoben. Doch auch am 06.10.2017 mußte der Countdown nach einem ausgedehnten „Hold“ abgebrochen werden, weil sich entwickelnde Gewitter im Umland von Cape Canaveral ein unakzeptables Risiko darstellten. Bei deutlich günstigeren Wetterprognosen unternahm die ULA am 07.10.2017 einen dritten Startversuch. Doch diesmal wurde im Laufe des Countdowns ein nicht auf der Rampe zu lösendes technisches Problem entdeckt. Zum Austausch eines S-​Band Telemtrie-​Transmitters mußte die Rakete nun zurück in die Vertical Integration Facility gerollt werden. Der nächste Startversuch wurde am 14.10.2017 unternommen. Doch wieder ließen Gewitterzellen und das allgemein unbeständige, regnerische Wetter keinen Start zu. Erneut wurde die Rakete enttankt und gesichert. Die Hoffnungen ruhten nun auf einer vorhergesagten Wetterberuhigung innerhalb der nächsten 24 Stunden. Und diesmal gelang der Start pünktlich auf die Sekunde. Die Rakete mit der streng geheimen NROL 52 Nutzlast nahm Kurs auf den Atlantik. Gut 90 Minuten später wurde „Mission Success“ vermeldet. Die Mission des auch als USA 279 bezeichneten Satelliten selbst lag allerdings im Dunkeln. Vermutlich sollte der Satellit aber als Relais für die Daten anderer Aufklärungssatelliten fungieren. Damit stand er in der Tradition der Mitte der 1970er Jahre eingeführten Satellite Data System (SDS) Satelliten — Codename QUASAR. Wechsel bei den eingesetzten Trägerraketenmodellen u.a. bildeten die Grundlage für eine von Experten eingeführte Unterteilung der Serie in mittlerweile vier Generationen. NROL 52 wie sein im Juli 2016 gestarteter Vorgänger NROL 61 repräsentierten demnach die ersten beiden Exemplare der vierten Generation. Erste Bahnbeobachtungen durch Amateure zeigten NROL 52 jedenfalls scheinbar auf dem Weg zu einem geostationären Orbit.
20Oktober

Joseph Acaba (links) und Radolph Bresnik bei ihrer gemeinsamen EVA am 20.10.2017

Nochmals 6:49 h dauerte am 20.10.2017 das dritte Außenbordmanöver das erforderlich war, um die Wartungsarbeiten auf der ISS zum Abschluß zu bringen. Diesmal stieg Randolph Bresnik allerdings mit Joseph Acaba als Partner aus. Ihre Aufgaben deckten sich mit denen der vorangegangenen EVA: nochmaliges abschmieren des Latching End Effector und austauschen von Kameras. Dazu kamen Arbeiten am elektrischen System und eine Vielzahl kleinerer Wartungsarbeiten. In Vorbereitung kommender Arbeiten mit dem Manipulatorarm entfernten die beiden Astronauten zudem das Isolationsmaterial an einigen Ausrüstungen. Gegen Ende des Ausstiegs gab es Probleme mit dem SAFER (Simplified Aid for EVA Rescue) System am Raumanzug von Acaba. Er wurde daher vorzeitig in die Luftschleuse zurückbeordert, während Bresnik die verbliebenen Arbeiten alleine abschloß.
24Oktober

Aussetzen des Kestrel Eye 2M Satelliten

NanoRacks Kaber Deployer - Kestrel Eye

Teil einer auf bis zu dreißig Exemplare angelegten Satellitenkonstellation war der erste Kestrel Eye 2M Satellit, der am 24.10.2017 erstmals unter Einsatz der neuen Kaber Aussetzvorrichtung von Bord der ISS ausgestoßen wurde. Angeliefert worden war er mit dem am 14.08.2017 gestarteten SpaceX CRS-​12 Dragon Frachtraumschiff. Auftraggeber der Kestrel Eye Konstellation war das US Army Space and Missile Defense Command, das damit den Feldeinheiten der US Army Zugriff auf taktische Aufklärungsinformationen aus dem Orbit praktisch in Echtzeit gewähren wollte. Eine aufwendige Datenaufbereitung in einer US Bodenstation sollte bei diesem Konzept entfallen. Vielmehr sollte innerhalb des Zeitfensters eines Überflugs (ca. 10 min) die Information angefragt und an die Einheit übermittelt werden. Die Auflösung war auf 1,5 m berechnet. Zunächst sollte mit diesem Satellitenexemplar aber das grundlegende Satellitendesigns getestet werden, bevor eine Demonstration seiner Fähigkeiten versucht werden sollte. Ursprünglich waren noch zwei andere Prototypenmodelle in der Entwicklung gewesen: Kestrel Eye 1 und Kestrel Eye 2A. Während das Block I Modell ganz aufgegeben worden war, entsprach der Block IIA Entwurf nicht den Erfordernissen eines (inzwischen angestrebten) Starts von der ISS. Zum Aussetzen des 50 kg Satelliten bedurfte es des neuen Kaber Aussetzmechanismus von NanoRacks. Auch dieser nutzte die Infrastruktur des japanischen Stationsmoduls. Statt des JEM-​RMS Manipulatorarms kamen aber Canadarm2 und der Dextre (SPDMSpecial Purpose Dexterous Manipulator) Manipulator zum Einsatz. Er konnte nun aber Nutzlasten bis zu 100 kg handhaben und war auch nicht auf einen bestimmten Formfaktor („CubeSat“) festgelegt. Der erste Einsatz von Kaber verlief offenbar erfolgreich, denn schon drei Tage später folgte der nächste Einsatz.
27Oktober

NovaWurks SIMPL Satellit nach dem Aussetzen

Die zweite Nutzlast, die mittels des Kaber Mechanismus von Bord der ISS gestartet wurde, war SIMPL (Satlet Initial-​Mission Proofs and Lessons), der bereits seit Dezember 2015 an Bord der Raumstation auf seinen Einsatz wartete (primär Probleme mit der Lizenzfreigabe duch die FCC hatten den Start des Satelliten verhindert). SIMPL basierte auf dem innovativen Konzepts der Satlets, standardisierter Module (Hyper-​Integrated Satlet — HISat™), die alle über Energieversorgung, Sensorik, Navigation, Datenverarbeitung und Kommunikationssyteme verfügten. Für eine bestimmte Mission sollten diese zu einem komplexeren Satelliten kombiniert werden. SIMPL bestand aus sechs Satlets und zwei Solarzellenauslegern, die von der ISS Besatzung vor dem Start kombiniert worden waren. Unter Experten war das Konzept der NovaWurks Inc. allerdings sehr umstritten. Für die erste Mission flog ein elektro-​optischer Sensor zur Erdbeobachtung neben der QIKcom 1 Amateurfunknutzlast des US Naval Academy Satellite Lab auf dem Satelliten. SIMPL wurde am 27.10.2017 ausgesetzt.
30Oktober

Start von Koreasat 5A mit einer Falvon 9 v1.2

die B1042.1 Erststufe des Koreasat 5A Starts zurück im Hafen von Port Canaveral

Das südkoreanische Kommunikationsunternehmen KT Corporation vergab im Mai 2014 den Auftrag zum Bau von zwei neuen Kommunikationssatelliten für seine Tochter KT Sat an Thales Alenia Space. Beide sollten auf Basis des Spacebus-​4000B2 Modells gefertigt werden und eine Ku– (Mugungwha 5A) bzw. gemischte Ku-​/​Ka-​Band (Mugungwha 7) Nutzlast erhalten. Damit wollte das Unternehmen seine führende Rolle als Anbieter von Internet-​, Multimedia– und Datendiensten in der Region festigen. Der Start des ersten Satelliten wurde beim Anbieter SpaceX gebucht. Knapp drei Wochen nach dem letzten Start hob die nächste Falcon 9 v1.2 mit Mugungwha 5A von Cape Canaveral ab. Zwei Zündungen der Oberstufe brachten den nur etwa 3,7 Tonnen schweren Satelliten auf seinen supersynchronen Transferorbit. Unterdessen landete die Erststufe sicher auf der nach einem Feuer beim vorangegangenen Einsatz beschädigten und rasch reparierten „Off Course I Still Love You“ Plattform. In deren Nähe war zudem das schnelle Mehrzweckschiff „Mr. Steven“ unterwegs, daß offenbar den Versuch unternehmen sollte, die abgetrennten Halbschalen der Nutzlastverkleidung zu bergen. Denn auch an deren Wiederverwendung arbeitete SpaceX. Zu den Ergebnissen dieser Bemühungen verlautete diesmal allerdings nichts. Mugungwha 5A alias Koreasat 5A manövrierte innerhalb weniger Tage auf einen annähernd geosynchronen Orbit und begann seine Drift in Richtung der Arbeitsposition über 113° Ost. Mit seinen 36 Ku-​Band Transpondern sollte er von dort aus nach Korea, Indochina, Japan, auf die Philippinen und in die Region Mittlerer Osten abstrahlen.
31Oktober

Start der ersten Minotaur-C

Sechseinhalb Jahre nach dem letzten (fehlgeschlagenen) Start einer Taurus-​3110 Rakete flog wieder ein Exemplar dieser auf dem Castor-​120 Feststoffbooster basierenden Feststoffrakete. Der frühere Hersteller, die Orbital Sciences Corporation hatte 2015 mit ATK Aerospace (Alliant Techsystems) fusioniert. Und nun stand eine Übernahme von Orbital ATK durch Northrop Grumman an, die insbesondere Fragen hinsichtlich der Fortführung der Trägerraketensparte aufwarf. Dabei hatte Orbital ATK sich zuletzt wieder verstärkt um Startaufträge für seine leichten Trägerraketen bemüht. Die bisherigen Minotaur und Taurus Produktlinien sollten zusammengeführt und unter dem einheitlichen Markennamen Minotaur vermarktet werden. Auch eine Wiederaufnahme der Ende der 1990er Jahre ausgelaufenen Athena Produktion war, Kundeninteresse vorausgesetzt, in Aussicht gestellt worden. Tatsächlich hatte sich aber zunächst nur ein Kunde für den Start einer Taurus-​3210 (nun Minotaur-​C) gefunden. Eine Serie von aufeinanderfolgenden Fehlstarts hatte das Vertrauen in die Raketenserie spürbar erschüttert. Wenigstens hatten die jahrelang vergeblichen Bemühungen, das wiederholte Versagen der Nutzlastverkleidung aufzuklären, überraschend doch noch Erfolg gehabt. Ein Zulieferer hatte wissentlich minderwertiges Material verarbeitet… Für diese Mission, die also wohl darüber entscheiden würde, ob das ehemalige Taurus Programm eine Zukunft haben konnte, fand sich 2014 mit SkyBox Imaging ein risikofreudiger Kunde, der den Start von sechs Satelliten auf der Rakete buchte. Das Konzept der SkySat Satelliten war ursprünglich von Skybox Imaging entwickelt worden, weckte aber bald das Interesse des Google Konzerns, der Skybox übernahm und in Terra Bella umbenannte. Schon nach zwei Jahren trennte sich die Google Mutter Alphabet Inc. (u.a.) wieder von dieser Sparte und verkündete, das z.B. für die eigenen Kartendienste benötigte Material künftig auf dem Weltmarkt einzukaufen statt eigene Satelliten zu unterhalten. Für Planet Labs bildeten die SkySat Satelliten hingegen eine willkommene Ergänzung der eigenen Flotte. Und so nutzte man auch den bestehenden Startkontrakt, um zusätzlich noch vier der eigenen Flock 3m Satelliten mitfliegen zu lassen — anstelle von sechs studentischen CubeSats, deren Start Google ursprünglich sponsern wollte. Der für den 17.10.2017 geplante Start der Rakete wurde wenige Tage vor dem Termin auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben. Keiner der Beteiligten wollte bei einem return-​to-​flight ein Risiko eingehen. Außerdem war der Start fernab einer Routineoperation. Da jedoch die erforderliche FCC Lizenz am 09.11.2017 auslaufen würde, befand man sich unter einem gewissen Druck. So blieb es bei zwei Wochen Aufschub. Am 31.10.2017 hob die Minotaur-​C von der Vandenberg AFB ab. Als die Nutzlastverkleidung abgeworfen war und wenig später die ersten der Satelliten ausgesetzt wurden, herrschte große Erleichterung. In 500 km Höhe bildeten sie die gewünschte Formation. Während die SkySat Satelliten aus dieser Höhe panchromatische oder multispektrale Erdaufnahmen (einschließlich NIR) sowie kurze Videoclips mit einer Auflösung von knapp unter 1 m übertragen konnten, lieferten die Dove Satelliten der Flock-​3 Serie Material mit 3 bis 5 m Auflösung.