Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-11-24T10:46:28+01:00

September 2017.

7September

Start von OTV-5

Erstmals auf einer Falcon 9 v1.2 (Block IV) des Unternehmens SpaceX startete am 07.09.2017 das USAF Mini-​Shuttle X-​37B. Für SpaceX war die Zertifizierung zum Start von militärischen Nutzlasten ein bedeutender Schritt zur Etablierung als anerkannter Startdienstleister gewesen. Bis dahin war es auch ein weiter Weg gewesen, da die auf höchster Zuverlässigkeit und einem Maximum an Dokumentation basierende Philosophie der USAF mit der auf schlanken Prozessen und hoher Flexibilität basierenden von SpaceX kollidierte. Doch auch das Militär war daran interessiert, neben dem Quasi-​Monopolisten ULA eine Alternative aufzubauen. Die Vergabe des Startauftrags für die fünfte X-​37B Mission war daher auch vor allem strategisch motiviert. Nachgewiesen werden sollte die Startfähigkeit auf der Falcon 9 mit ihrer im Volumen und Durchmesser gegenüber der Atlas V kleineren Nutzlastverkleidung und horizontaler statt vertikaler Nutzlastintegration.
Der Start der Falcon 9 v1.2 von Cape Canaveral erfolgte pünktlich zum vorgesehenen Termin und damit noch rechtzeitig, bevor der verheerende Hurrikan „Irma“ auch Florida erreichte (wobei Cape Canaveral aber weitgehend verschont blieb). Während Bilder von der Nutzlast diesmal aufgrund der Geheimhaltung ausblieben, demonstrierte zum zehnten Mal im Jahr 2017 eine Falcon 9 Erststufe eine souveräne Landung — diesmal auf der LZ-​1 an Land. Rechtzeitig, bevor im Brevard County die Evakuierungsmaßnahmen vor dem nahenden Hurrikan anliefen, brachten die Bodenmannschaften von SpaceX die gelandete Stufe noch im Hangar in Sicherheit.
Zur Mission der X-​37B blieben hingegen die meisten Fragen offen. So z.B., welches der zwei verfügbaren Exemplare für die OTV 5 (Orbital Test Vehicle) Mission zum Einsatz gekommen war. Und von den Nutzlasten wurde lediglich ASETS 11 (Advanced Structurally Embedded Thermal Spreader) bekannt. Mit diesem wollte das Air Force Research Laboratory (AFRL) experimentelle Elektroniksysteme und oszillierende Heatpipes (Wärmerohre) im Langzeiteinsatz unter Weltraumbedingungen erproben. Ganz sicher war das aber nur ein Bruchteil der Nutzlast. Berichte über sekundäre Nutzlasten in Form von CubeSats, die einigen Berichten zufolge bei diesem Start mitgeführt worden sein sollen, haben bisher keine Bestätigung gefunden.
11September

letzte Startvorbereitungen der Proton-M mit Amazonas 5

Ihre zweite kommerzielle Mission nach der Wiederaufnahme der Starts nach einjähriger Zwangspause unternahm die Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 (Phase III) am 11.09.2017. Nach dem Abheben von Baikonur gelangte die Bugsierstufe mit der Nutzlast zunächst auf eine erdnahe Transferbahn. Aus dieser manövrierte die Bris-​M mit dem Kommunikationssatelliten Amazonas 5 im Verlaufe von fünf Brennphasen auf einen geostationären Transferorbit. Nach über neun Stunden wurde der Satellit hier ausgesetzt. Amazonas 5 war von der spanischen Hispasat Group im Dezember 2014 bei Space Systems/​Loral bestellt worden. Der SSL-​1300 Bus wurde mit 24 Ku-​Band und 34 Ka-​Band Transpondern ausgerüstet. Das Ku-​Band Angebot richtete sich dabei insbesondere auf Brasilien, deckte aber auch weite Gebiete Lateinamerikas ab. Die 34 Spot-​Beams im Ka-​Band konnten dagegen auf ausgewählte Gebiete Mittel– und Südamerikas gerichtet werden. Als Orbitalposition waren 61° West gewählt worden. Hispasat hoffte, von hier aus weitere 500 TV-​Kanäle zu verbreiten, darunter auch Angebote für das ultra-​hochauflösende 4K TV. Die Ka-​Band Angebote waren hauptsächlich zum Ausbau der Internet-​Infrastruktur und zur Anbindung der 3G und LTE bis hin zu 5G Mobilfunk-​Netze vorgesehen.
12September
Das unbemannte chinesische Transportraumschiff Tianzhou 1 unternahm am 12.09.2017 einen erneuten Anflug auf die ebenfalls unbemannt um die Erde kreisende Raumstation Tiangong 2. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Kopplungen am 22.04.2017 (zwei Tage nach dem Start) und am 19.06.2017 (aus etwa 5 km Entfernung) wurde diesmal ein neues „schnelles“ Anflugverfahren erprobt. Beide Raumschiffe waren mittlerweile drei Monate getrennt voneinander geflogen. Nun näherte sich Tianzhou 1 innerhalb von nur sechseinhalb Stunden dem Raumlabor und dockte dort am 12.09.2017 um 15:58 UTC sicher wieder an, womit der Anflug eines neu gestarteten Raumschiffs simuliert wurde. Dieses beschleunigte Manöver sollten zukünftig auch die bemannten Shenzhou Raumschiffe fliegen. Nach dem dritten Docking wurde eine nochmalige experimentelle Betankung und Übertragung von technischen Gasen und Betriebsmitteln initiiert.
12September

Panoramaaufnahme des Sojus MS-06 Starts

Verabschiedung der Sojus MS-06 Crew am Fuß der Rakete

Eine neue Besatzung machte sich am 12.09.2017 um 21:17 UTC von Baikonur aus auf den Weg zur Internationalen Raumstation. Als die Sojus-​FG 11A511U-​FG vom Startkomplex 5 auf dem geschichtsträchtigen Platz 1 abhob, hatten in der Sojus MS-​06 Kapsel gemeinsam mit ihrem russischen Kommandanten Alexander Misurkin die beiden NASA Bordingenieure Mark Vande Hei und Joseph Acaba Platz genommen. Die Besatzung für diese Mission war nach der russischen Entscheidung, vorläufig nur noch mit zwei Kosmonauten an Bord der ISS Präsenz zu zeigen, Ende 2016 neu zusammengestellt worden. Misurkin und Vande Hei hatten ihren Platz auf Sojus MS-​04 verloren und waren neu für die Sojus MS-​06 eingeteilt worden. Im Rahmen einer komplexen Vereinbarung zwischen dem Boeing Konzern und RKK Energija, bei der es um den Ausgleich von Verbindlichkeiten aus dem gescheiterten Sea Launch Joint Venture ging, hatte die russische Seite mehrere Sojus Mitfluggelegenheiten anstelle von harter Währung angeboten. Boeing verkaufte nun zunächst zwei davon an die NASA (die ihrerseits aus politischen Gründen keine neuen „Sitze“ bei Roskosmos kaufen durfte). Statt Sojus MS-​06 nun nur mit zweiköpfiger Besatzung fliegen zu lassen, kam so der erfahrene Acaba mit in die Mannschaft. Alle drei Raumfahrer sollten zunächst die ISS Expedition 53 verstärken, um dann den Kern der neuen Expedition 54 zu bilden. Nach einem ereignislosen Start näherte sich die Sojus innerhalb von sechs Stunden der ISS und dockte am 12.09.2017 um 04:55 UTC am „Poisk“ Modul an. Wenig später präsentierten sich die nun sechs Raumfahrer für einen ersten gemeinsamen Pressetermin aus dem All.
15September

Mosaik aus Cassini Saturnaufnahmen vom 13.09.2017

Computergrafik von Cassini zwischen dem innersten Saturnring und dem Planeten

Cassini: The Wonder of Saturn

Cassini´s Grand Finale

Eine der wissenschaftlich ergiebigsten und langlebigsten Planetensonden der NASA steuerte im Laufe des Jahres 2017 unwiderruflich ihrem Ende entgegen. Cassini war am 15.10.1997 mit einer Titan-​401B Centaur-​T von Cape Canaveral gestartet worden und im Sommer 2004 in einen Saturn-​Orbit eingeschwenkt. Ausgelegt für eine primäre wissenschaftliche Mission von drei Jahren, jedoch begleitet von den Hoffnungen der Wissenschaftler auf einen deutlich längeren nutzbringenden Betrieb, übertraf Cassini schließlich alle Erwartungen. Mehr als 13½ Jahre übertrug die Sonde allein aus dem Saturn-​System Meßdaten und atemberaubende Bilder. Dazu kamen die Erkenntnisse, die im Vorbeiflug z.B. von Jupiter gewonnen worden waren. Im Laufe der Cassini Extended Missions Planungen hatte die NASA frühzeitig Überlegungen angestellt, wie das Ende der Mission gestaltet werden sollte. Einig war man sich darin, daß unbedingt eine, wie auch immer geartete, Kontamination eines der Saturn-​Monde durch die möglicherweise nicht perfekt sterile Sonde vermieden werden mußte. Speziell Titan, einer der Kandidaten für extraterrestrisches Leben in unserem Sonnensystem, mußte geschützt werden. Das gewählte Szenario („The Gand Finale“) sah schließlich vor, Cassini direkt in die Atmosphäre von Saturn zu steuern. Doch zuvor boten sich noch einige Beobachtungsmöglichkeiten, die sich bis dahin so nicht ergeben hatten oder bei denen man vor den riskanten Bahnmanövern zurückgeschreckt war. So konnte das Hexagon, eine auffällige geometrische Struktur in der Atmosphäre über dem Nordpol des Saturn, nochmal detailliert studiert werden. Und der Kryovulkanismus auf Enceladus ließ sich aus der Nähe beobachten. Nach einem letzten größeren Bahnmanöver im April 2017 flog Cassini auf einer Bahn, die die Sonde 22 Mal durch Lücken im Ringsystem „tauchen“ ließ und dabei immer näher an die obersten Atmosphärenschichten des Planeten heran führte. Dabei lagen zwischen dem untersten bekannten Saturn-​Ring und den oberen Schichten der dichten Planetenatmosphäre nur etwa 2.000 km. Eine minutiöse Planung erlaubte es, selbst diese Vorbeiflüge primär durch Nutzung von Gravitationseinflüssen des Planeten und seiner Monde zu choreografieren. Ohnehin war das Verständnis der komplexen Wechselwirkungen im Saturn-​System eine der entscheidenden Voraussetzungen dafür gewesen, die Mission über einen so langen Zeitraum erfolgreich auszudehnen. Am 15.09.2017 führte die Bahn dann planmäßig tiefer in die Atmosphäre des Saturn. Am Vortag war noch ein letztes Foto von der Sonde übertragen worden. Doch während der letzten Minuten der Mission setzten die Wissenschaftler auf eine reine Meßdatenübertragung. Bilder vom Atmosphäreneintritt hätten kaum wissenschaftlichen Wert gehabt, dafür aber den Einsatz einiger (gegenüberliegend angebrachter) Instrumente verhindert und Bandbreite bei der Übertragung blockiert. So sendeten immerhin acht von zwölf Instrumenten (im Gegensatz zur üblichen Praxis in Echtzeit) letzte Daten. Bis zuletzt arbeiteten die kleinen Steuertriebwerke von Cassini, um den zunehmenden atmosphärischen Einfluß zu kompensieren. Zunächst in Impulsen, dann im Dauerbetrieb. Etwa acht Sekunden vor dem Abbrechen des Telemetriesignals konnten sie die Lageabweichung nicht mehr vollständig ausgleichen. Cassinis Antenne verlor die Erdausrichtung. Am 15.09.2017 um 11:55:46 UTC registrierte die DSN Station im australischen Canberra das Abreißen des S-​Band Signals. Geschätzte 45 Sekunden später dürfte Cassini in der Atmosphäre verglüht sein.
17September
Nach einem gemeinsamen Flug von wenigen Tagen nach dem dritten Rendezvous– und Kopplungsmanöver zwischen dem Raumfrachter Tianzhou 1 und der Raumstation Tiangong 2 lösten sich am 17.09.2017 um 08:15 UTC ein letztes Mal die Verriegelungen zwischen den beiden Raumschiffen. Nur Stunden zuvor waren die letzten Betankungstests mit der Station abgeschlossen worden, bei denen nochmal 250 kg Treibstoff transferiert worden waren. Tianzhou 1 nahm zunächst eine „Parkposition“ 120 m hinter Tiangong 2 ein, bevor die Kommandos gesendet wurden, um das Raumschiff auf eine eigene Bahn zu manövrieren. Zwei größere Bahnmanöver folgten, bis Tianzhou 1 schließlich am 22.09.2017 gegen 10:00 UTC über dem Pazifik in der Atmosphäre verglühte. China hatte damit über mehrere Monate alle Phasen einer Nachschubmission zu einer eigenen Raumstation erfolgreich demonstriert und bewiesen, daß man auch auf diesem Gebiet zu den beiden Raumfahrt-​Großmächten mindestens aufgeschlossen hatte.
17September
Das SpaceX CRS-​12 Dragon Frachtraumschiff wurde am 16.09.2017 um 22:06 UTC unter Einsatz des Canadarm2 von der ISS gelöst und auf eine Aussetzposition unterhalb der Station geschwenkt. Die Freigabe erfolgte aber erst am 17.09.2017 um 08:47 UTC. Nach einigen Stunden Freiflug und kleineren Bahnmanövern zündeten am 17.12.2017 um 13:24 UTC die Triebwerke der Dragon für ein gesteuertes Wiedereintrittsmanöver. Beladen mit rund 1.700 kg Rückfracht wasserte die Kapsel am 17.09.2017 gegen 14:16 UTC sicher vor der mexikanisch-​kalifornischen Küste im Pazifik.
22September

Start von GLONASS-M  №752

Obwohl das russische GLONASS Navigationssatelliten-​System seit geraumer Zeit am Rande des Zusammenbruchs operierte, ließen es die Finanzmittel seit 2016 offenbar nicht zu, die bereits gebauten und eingelagerten GLONASS-​M Reservesatelliten zu starten. So konnte die globale Abdeckung der Konstellation nur mit großer Mühe aufrechterhalten werden. Und auch das nicht immer. Denn selbst unter Einbeziehung aller noch irgendwie nutzbaren Satelliten konnten Situationen nicht vermieden werden, in denen nach (vorübergehendem) Ausfall eines oder mehrerer Exemplare bzw. bei Wartungsarbeiten nicht die notwendige Zahl von 24 Satelliten aktiv war. So mußten am 24. bzw. 25.08.2017 zwei weitere Satelliten endgültig aufgegeben werden (GLONASS 714 und GLONASS 737), von denen einer noch als Reserve bereitgehalten worden war, während man bei dem anderen offenbar vergeblich versucht hatte, ihn wieder funktionstüchtig zu bekommen. Als daher am 22.09.2017 eine Sojus-2.1b 14A14 mit Fregat-​M 14S44 Bugsierstufe von Plesetsk Uragan № 752 in den Orbit brachte, verbesserte das die Situation noch immer nicht nachhaltig. Noch während der einmonatigen Test– und Inbetriebnahmephase des neuen, Kosmos 2522 genannten, Satelliten mußte zudem ein weiterer in Wartung befindlicher Satellit endgültig aufgegeben werden. GLONASS 715 (Kosmos 2424) hatte seine garantierte Lebensdauer da zwar schon weit überschritten, doch schwächte der Ausfall die Konstellation weiter.
Wie schon sein im Mai 2016 gestarteter Vorgänger verfügte auch dieses Exemplar über eine zusätzliche experimentelle Nutzlast МЛНССМежспутниковая Лазерная Навигационно Связная Система (engl. ISLNCSIntersatellite Laser Navigation and Communication System) zur Laserkommunikation und –bahnvermessung. Ziel war es, durch den direkten Informationsaustausch zwischen den Satelliten, die Navigationsgenauigkeit auf ca. 60 cm zu steigern.
24September

die Atlas-V AV-072 für die NROL 42 Mission

Mit annähernd einem Monat Verspätung gegenüber den ursprünglichen Planungen startete am 24.09.2017 von der Vandenberg AFB eine Atlas V Mod. 541 Trägerrakete, die unter dem Codenamen NROL 42 eine geheime Nutzlast auf einen ebenso geheim Orbit transportierte. Tatsächlich waren aber die Parallelen zu einer anderen Mission unverkennbar. NROL 35, gestartet im Dezember 2014, war der bis dato einzige Satellit, der mit exakt diesem Raketenmodell gestartet worden war. Und auch die ausgewiesenen Sperrzonen im Pazifik, in denen die ausgebrannte Erststufe und die Booster abstürzen sollten, waren bei beiden Starts praktisch identisch. Zwar gab es zur NROL 35 Mission ebensowenig Informationen. Doch die damals getätigten Annahmen schienen sich mittlerweile bestätigt zu haben. Demnach handelte es sich bei beiden Satelliten um Vertreter der zweiten Nachfolgegeneration der einstigen TRUMPET SIGINT Satelliten. NROL 35 hatten Amateurastronomen dann auch auf einer Bahn entdeckt, die der der TRUMPET ähnelte — einem hochelliptischen „Molnija-​Orbit“.
In der letzten Phase der Startvorbereitung wurde eine defekte Batterie in der Trägerrakete entdeckt, was nochmal zu einem Aufschub um zwei Tage führte. Nach einem außerplanmäßigen „Hold“ wegen eines Kommunikationsproblems mit der NRO Operations Squadron (NOPS) in Colorado Springs zweieinhalb Minuten vor dem geplanten Starttermin hob die Rakete dann am 24.09.2017 noch innerhalb des Startfensters ab. Wenig später endete die live Übertragung. Doch USAF, NRO und ULA bestätigten den Erfolg der Mission. Der auch als USA 278 bezeichnete Satellit hatte vermutlich die SBIRS-​HEO 4 Nutzlast mit an Bord, einen fortschrittlichen IR-​Sensor zur Erkennung von startenden Raketen.
28September

die Proton-M mit AsiaSat 9

AsiaSat 9 auf der Bris-M in Baikonur

Nahezu parallel waren im September 2017 in Baikonur die Startvorbereitungen der beiden SSL-​1300 Kommunikationssatelliten Amazonas 5 und AsiaSat 9 abgelaufen. Letzterer war im Dezember 2013 bei Space Systems/​Loral als Ersatz für den damals bereits sechseinhalb Jahre alten AsiaSat 4 in Auftrag gegeben worden. Obwohl Boeing für seine BSS-​601HP eine aktive Lebensdauer von 15 Jahren garantierte, strebte die Asia Satellite Telecommunications Company Ltd. die Inbetriebnahme seines Nachfolgers AsiaSat 9 bereits für das Jahr 2016 an. Doch die einjährige Zwangspause der Proton-​Rakete wegen Qualitätsmängeln bei den Triebwerken verzögerte den Start bis weit in das Jahr 2017 hinein. AsiaSat 9 erhielt eine Kommunikationsnutzlast aus 28 C-​Band und 32 Ku-​Band Transpondern sowie einer Ka-​Band Nutzlast, was ihn zum leistungsfähigsten Satelliten in der Flotte des Unternehmens machte. Ursprünglich sollte auch noch eine meteorologische Nutzlast namens STORM (Sounding and Tracking Observatory for Regional Meteorology) integriert werden. Dabei handelte es sich um einen Hyperspektral-​Sensor, der auf dem Geosynchronous Imaging Fourier Transform Spectrometer (GIFTS) basierte, das die NASA bereits Anfang des Jahrtausends für eine gemeinsame Mission mit US Navy und USAF entwickelt hatte. Obwohl man sich von dem System eine Revolution in der Meteorologie erhoffte, hatten Budegetprobleme und organisatorische Schwierigkeiten das Projekt scheitern lassen. Und auch für die Idee der GeoMetWatch Corp., die Daten kommerziell zu vermarkten, fanden sich nicht ausreichend Investoren. Nun also startete der Satellit am 28.09.2017 mit einer Phase IV Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 von Baikonur. Fünf Zündungen der Bris-​M bugsierten den über 6,1 Tonnen schweren Satelliten auf eine Transferbahn. Von dieser aus stieg AsiaSat 9 mit eigenem Antrieb auf eine geosynchrone Bahn und driftete in nur anderthalb Wochen auf seine geostationäre Arbeitsposition über 122° Ost. Damit konnte die AsiaSat ihren Kunden nun neue und verbesserte Angebote bereitstellen. So erstmals eine Ku-​Band Sendekeule dediziert für Myanmar. Oder neu zugeschnittene Ku-​Band Ausstrahlungen in die Mongolei oder nach Indonesien. Auch Austral-​Asien und und Ostasien kamen in den Genuß verbesserter Ku-​Band Dienste. Und im C-​Band lag nun die Sendeleistung für die gesamte Ausleuchtzone von Asien über Austral-​Asien bis weit in den pazifischen Raum hinein spürbar höher.
29September

Start der Yaogan 30 Gruppe 01

Mehr als zwölf Jahre waren seit dem letzen Start einer CZ-​2 Rakete von Xichang vergangen, als dort wieder ein Zug mit den Stufen einer CZ-​2C-​III eintraf. Seither war der damals genutzte Startkomplex modernisiert und komplett neu aufgebaut worden. Bis zuletzt wurde nicht bekannt, welche Nutzlast die ungewöhnliche Kombination aus (seit Jahren nicht mehr genutzter) Trägerrakete und Startgelände erforderlich gemacht hatte. Offenbar jedenfalls nicht die Fortführung eines existierenden Programms. Noch größer war die Verwirrung, als in den offiziellen Pressmitteilungen zum Start am 29.09.2017 von einer „Yaogan 30 Gruppe 01″ die Rede war. Denn ein Yaogan 30 Satellit war bereits im Mai 2016 gestartet worden. Zu erwarten gewesen wäre nun ein Yaogan 31. Zunächst nahmen westliche Beobachter an, daß die drei Satelliten der Yaogan 30 Gruppe 01 eine 2010 mit Yaogan 9 begonnene Reihe fortsetzten. Bei bisher fünf Starts waren jeweils Tripel von Satelliten gestartet worden, von denen man vermutete, daß sie eine ähnliche Rolle wie die amerikanischen NOSS (Naval Ocean Surveillance Satellites) spielten — also den Funkverkehr von Marinekampfverbänden belauschten und ihre Position triangulierten. Gestützt wurde diese Einschätzung auch dadurch, daß die Aufgabenstellung offiziell u.a. mit dem „Monitoring elektromagnetischer Signale“ beschrieben wurde. Erst chinesische Presseberichte brachten etwas Licht ins Dunkel. Unverblümt berichtete etwa die South China Morning Post, daß die Yaogan 30 Satelliten terrestrische Kommunikationsverbindungen abhören, Hinweise auf mögliche Atomwaffentests sammeln und möglicherweise auch hochauflösende Aufklärungsfotos gewinnen sollten. Ihre Mission war dabei mit der des größeren, 2016 gestarteten, Yaogan 30 abgestimmt. Auch wurden weitere Starts in Aussicht gestellt. Tatsächlich zeigten die Satelliten der Yaogan 30 Gruppe 01 auch ein so bis dahin nicht beobachtetes Verhalten. So manövrierten zwei der Satelliten auf Bahnen mit anderer Bahnhöhe und leiteten so ein Aufbrechen der bis dahin engen Formation ein. Drei Wochen nach dem Start hatten sie sich im Abstand von 120° auf einer gemeinsamen Bahn verteilt und waren offenbar bereit, ihre koordinierte Mission aufzunehmen.
29September

Start der Ariane-5ECA zur Mission VA239

Startanbieter Arianespace, der seine vergleichsweise hohen Startpreise gern mit seiner Zuverlässigkeit und Termintreue begründete, entging am 05.09.2017 nur knapp einem Fehlstart und mußte daraus resultierend den Start seiner VA239 Mission um mehr als drei Wochen aufschieben. Glücklicherweise ereignete sich das in einer Phase, in der andere anstehende Starts dadurch nicht in einer Kettenreaktion ebenfalls betroffen gewesen wären. Die Ariane-​5ECA sollte bei dieser Mission zwei Kommunikationssatelliten auf geostationäre Transferbahnen befördern: Intelsat 37e und BSat 4a. Nach einer Routinestartvorbereitung stand die Rakete auf dem Startkomplex ELA3 bereit. Der Countdown näherte sich seinem Höhepunkt, das Zündkommando für das kryogene Haupttriebwerk wurde gegeben — und unmittelbar initiierte der Bordcomputer die Notabschaltung. Während das Triebwerk noch hochlief, war ein Problem mit der Elektrik eines der großen Feststoffbooster entdeckt worden. Hätte der Computer den Startvorgang nicht abgebrochen, wäre die Mission wohl Sekunden darauf gescheitert. So mußte die Rakete zurück ins Montagegebäude gerollt und gründlich inspiziert werden. Am 21.09.2017 war die defekte Baugruppe des Boosters getauscht und eine Woche später rollte die Ariane wieder zum Startplatz. Nach einem kurzen außerplanmäßigen Halt hob die Rakete dann am 29.09.2017 von Kourou ab. Im weiteren Verlauf zeigte die Ariane dann wieder ihre Stärken. Beide Satelliten wurden mit großer Präzision auf den geplanten Transferorbits ausgesetzt. Zunächst Intelsat 37e für den gleichnamigen globalen Flottenbetreiber. Mit diesem Satelliten verstärkte das Unternehmen seine EpicNG Konstellation, die speziell für die Verteilung von Internetangeboten und mobilen Diensten konzipiert war. Eine beeindruckende Bandbreite von 45 Gbps und ein Mix aus C-​, Ku– und Ka-​Band Transpondern zeichneten den neuesten Satelliten aus, der wie seine Vorgänger von Boeing auf Basis der BSS-​702MP Plattform gefertigt worden war. Intelsat 37e war für eine Position über 18° West vorgesehen, auf der bis dahin Intelsat 901 im Einsatz stand. Von dort aus konnten Afrika und Europa bis hin nach Amerika versorgt werden.
Deutlich kleiner als Intelsat 37e war der aus einer SYLDA (Système de Lancement Double Ariane) Vorrichtung ausgestoßene japanische BSat 4a. Er basierte auf dem bewährten SSL-​1300 Modell von Space Systems/​Loral und trug lediglich 24 Ku-​Band Transponder. Von der Stammposition über 110° Ost sollte der neueste Satellit der Broadcasting Satellite System Corporation (B-​SAT) TV-​Programme nach Japan abstrahlen, insbesondere auch HD und 4K, ja sogar 8K, Sendungen.