Die erste bemannte Mondlandung

das Wappen der Apollo 11 Mission

Here Men From The Planet Earth First Set Foot Upon the Moon, July 1969 A.D. We Came in Peace For All Mankind.

Zwar war die Landung des Lunar Module „Eagle“ auf dem Mond der Höhepunkt eines erbittert geführten Wettkampfs zweier Gesellschaftssysteme, die den Fortschritt in der Raumfahrt als Maßstab für die eigene Überlegenheit annahmen. Doch erfüllte die Landung von Apollo 11 einen uralten Traum der Menschheit. Und so spielte es für die Mehrheit der Bevökerung in den Ländern diesseits und jenseits des damals noch so undurchdringlichen Eisernen Vorgangs kaum eine Rolle, daß die ersten Menschen auf dem Mond nun Amerikaner waren. Die Plakette mit diesem Zitat, die von den Apollo 11 Astronauten auf dem Mond zurückgelassen wurde, enstprach also tatsächlich dem Empfinden der Menschen. Für einen Augenblick traten die auf der Erde geführten Auseinandersetzungen hinter dem Gefühl zurück, daß die MENSCHHEIT an diesem 20.07.1969 etwas ganz Großes erreicht hatte. Es schien wie der Aufbruch in eine Zukunft, in der nichts unmöglich war.

Nur 8 Jahre und zwei Monate waren vergangen, seit US Präsident John F. Kennedy in seiner Rede vor dem Kongress das Ziel als nationale Aufgabe verkündet hatte, noch vor dem Ende des Jahrzehnts auf dem Mond zu landen. Nach den Rückschlägen in der Frühphase der Raumfahrt war er gewillt, mit einer großen Kraftanstrengung das Bild der USA in der Welt zurechtzurücken. Ausgerechnet auf dem Feld der Raumfahrt schien die Sowjetunion der High-​Tech-​Nation USA deutlich überlegen zu sein.

We choose to go to the Moon, we choose to go to the Moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard, because that goal will serve to organize and measure the best of our energies and skills, because that challenge is one that we are willing to accept, one we are unwilling to postpone, and one in which we intend to win, and the others too.

Präsident John F. Kennedy bei seiner Rede in der Rice UniversityDie Tragweite seiner Worte überblickte damals vermutlich weder der Präsident noch sonst jemand. Doch angesichts der rasanten Fortschritte auf allen Gebieten der Technik schien die Herausforderung durchaus zu meistern. Waren doch seit dem Start des ersten Satelliten gerade einmal 3½ Jahre bis zum Flug des ersten Menschen ins All vergangen. In den populärwissenschaftlichen Zeitschriften kursierten Pläne für gewaltige Raumstationen und bei der NASA lief die Entwicklung von Raketentriebwerken enormer Leistung. Glücklicherweise lagen die ersten Schätzungen für den Finanzbedarf des Apollo Programms weitaus zu niedrig. Als die wahren Kosten deutlich wurden, gab es kein zurück mehr. Die Nation fühlte sich verpflichtet, das Vermächtnis des am 22.11.1963 ermordeten Präsidenten zu erfüllen. Auch sein Nachfolger im Präsidentenamt, Lyndon B. Johnson, wagte es nicht, trotz der Haushaltsschieflage der USA, das Apollo Programm vor der Erreichung des Ziels abzubrechen. Ja, er gab ihm sogar entscheidende Impulse und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Förderer der US Raumfahrt im Präsidentenamt. Dank dieser einzigartigen Umstände gelang es der NASA in den 1960er Jahren dieses Jahrhundertprojekt zu meistern. 45 Jahre danach bleibt fraglich, wann wieder Menschen einen anderen Himmelskörper betreten werden…

Portrait der Apollo 11 CrewFür die prestigeträchtige erste bemannte Mondlandung waren als erste Mannschaft drei erfahrene und hochqualifizierte Astronauten ausgewählt worden. Das Kommando erhielt Neil Armstrong. Dieser hatte seine fliegerische Ausbildung bei der US Navy begonnen und kämpfte 19501952 im Koreakrieg. Nach seiner Rückkehr schied er aus dem Militär aus und schloß sein bereits zuvor begonnenes Studiums ab. 1955 wechselte er als Testpilot zum NACA (National Advisory Committee for Aeronautics), wo er u.a. auf den berühmten Raketenflugzeugen Bell X-​1 und North American X-​15 flog. Seine herausragenden Leistungen brachten ihm eine Nominierung als Pilot sowohl für das kurzlebige USAF Projekt Man In Space Soonest (MISS) als auch für den geplanten Raumgleiter X-​20 ein. 1962 zählte er dann zu den neun Mitgliedern der zweiten Auswahlgruppe von NASA Astronauten. Und bereits bei seinem ersten Raumflug mit Gemini 8 bewies er unerhörte Nervenstärke, als das Raumschiff unkontrolliert zu rotieren begann und er es nur mit viel Geschick wieder unter Kontrolle brachte. Auch im Training für die Mondlandung gab es einen spektakulären Zwischenfall, als der Landetrainer LLRV (Lunar Landing Research Vehicle) Nr. 1 im Mai 1968 wegen eines Defekts außer Kontrolle geriet und sich Armstrong in letzter Sekunde katapultierte. Mondlanderpilot Edwin Aldrin war hingegen einer der wenigen Astronauten der 1960er Jahre, der keinen Hintergrund als Testpilot vorweisen konnte. Dennoch war auch er hervorragend qualifiziert und verfügte über eine reiche fliegerische Erfahrung. So flog er im Koreakrieg 66 Einsätze, bei denen er auf 2 Abschüsse von MiG-​15 kam. 1959 nahm er ein Studium der Raumfahrttechnik am MIT auf, das er 1963 mit einem Doktortitel abschloß. Als Aldrin 1963 für die dritte NASA Auswahlgruppe bestätigt wurde, war er der Astronaut mit dem höchsten akademischen Titel. Im Gemini Programm unternahm Aldrin das erste Außenbordmanöver, das ohne größere Probleme ablief. Dank eines gründlichen Trainings einschließlich Aufenthalten im neu aufgebauten Wassertank, eines intensiven Fitneßprogramms und eines planvollen Agierens im All gelang es ihm, den Nachweis anzutreten, daß der Mensch zu längerer körperlicher Tätigkeit außerhalb des Raumschiffs in der Lage war. Die beiden für die Mondlandung vorgesehenen Astronauten Armstrong und Aldrin wurden von Michael Collins als Kommandomodul-​Piloten begleitet. Collins, der aus einer Familie mit langer Militärtradition stammte, wurde nach seinem West Point Studium ebenfalls USAF Pilot, später auch Ausbilder und Testpilot auf der berühmten Edwards AFB. Nach seiner gescheiterten Bewerbung für die zweite NASA Astronautengruppe hatte er ein Jahr später mehr Erfolg. Auch er absolvierte im Gemini-​Programm einen Flug, bei dem er sogar zwei Außenbordmanöver unternahm. Collins‘ Spezialgebiet waren Raumanzüge und Außenbordtätigkeiten. Obwohl alle drei Astronauten zu Beginn des Apollo-​Programms nicht Favoriten für die erste bemannte Mondlandung waren, bildeten sie durch die wiederholten Umstellungen des Apollo Flugplans schließlich genau jene Crew, die mit der historischen Aufgabe betraut wurde.

Rollout der Saturn V mit Apollo 11 aus dem VABDas Rollout der 111 m hohen SA-​506 Saturn V Rakete fand am 20.05.1969 statt. Die Rakete verließ das VAB und der Crawler mit der Mobile Launcher Platform 1 machte sich auf den mehrstündigen Weg zum Startkomplex LC39A. Am 14.07.1969 um exakt 21:00 UTC begann schließlich der Countdown. Er mündete ihn einem planmäßigen Start am 16.07.1969 um 13:32 UTC. Unter dem Schub von 5 gewaltigen F-​1 Triebwerken, von denen jedes einzelne 6.770 kN leistete, setzten sich 2.944.489 kg langsam in Bewegung.


die Apollo 11 Crew auf dem Weg zum White Room Die letzten Stunden vor dem Start:
T-5:17 h Wecken der Astronauten
T-5:02 h letzte ärztliche Untersuchung vor dem Start
T-4:32 h traditionelles Frühstück der Crews vor dem Start
T-3:57 h Anlegen der Raumanzüge
T-3:07 h Astronauten besteigen den Astro-​Van
T-2:55 h Ankunft bei Pad 39A
T-2:40 h das Einsteigen in das Apollo Kommandomodul beginnt
T-1:55 h Kommunikationstests zwischen Apollo 11 und Houston
T-1:46 h Überprüfung des Rettungsraketensystems
T-0:43 h der Zugang zur Kapsel wird auf Warteposition zurückgezogen
T-0:42 h das Rettungsraketensystem ist „scharf“
T-0:30 h der Mondlander „Eagle“ schaltet auf Bordstrom um
T-0:15 h das Kommandomodul „Columbia“ schaltet auf Bordstrom um
T-0:05 h die Zugangsbrücke zur Kapsel wird vollständig zurückgezogen
T-3:10 min die Zündsequenz für die Erststufentriebwerke wird initiiert
T-0:50 min die Saturn-​V Rakete schaltet auf Bordstrom um
T-8,9 sek das erste F-​1 Triebwerk wird gezündet
T-1,6 sek alle Triebwerke der Erststufe haben gezündet und laufen mit Normalschub
T=0 die Haltearme geben die Rakete frei: lift-​off!

Ex-Präsident Johnson und Vizepräsident Agnew auf der EhrentribüneBereits an den Tagen vor dem Start hatten sich Abertausende Zuschauer rund um die Startanlagen von Cape Canaveral versammelt. Sämtliche Hotels und Motels waren ausgebucht, ganze Familien campierten an den Stränden. Schließlich wurden geschätzte 100.000 (nach anderen zeitgenössischen Schätzungen sogar 1 Million) Menschen vor Ort Augenzeugen, als die Menschheit zur Landung auf dem Mond aufbrach. Auf den Ehrentribünen verfolgten Mitarbeiter des Apollo-​Programms neben in– und ausländischen Politikern, Diplomaten und Prominenten das Ereignis. US Präsident Richard M. Nixon ließ sich durch den Vizepräsidenten Spiro T. Agnew vertreten. Größere Popularität genoß aber der ebenfalls anwesende frühere Präsident Lydon B. Johnson, in dessen Amtszeit die Vision John F. Kennedys von der Mondlandung in die Praxis umgesetzt worden war. Dessen Bruder, Senator Edward Kennedy, zählte gleichfalls zu den Ehrengästen.

Zuschauer des Apollo 11 StartsDiejenigen Amerikaner, die den Start nicht vor Ort verfolgen konnten, taten dies mehrheitlich am Fernseher oder Radio. Alle namhaften Sender übertrugen das Ereignis mit enormem Aufwand live. Doch nicht nur in den USA wurde der Start (wie auch der Verlauf der Mission) mit Begeisterung verfolgt. Das bis dahin größte Medienereignis wurde dank modernster Kommunikationsmittel in praktisch alle Staaten der Welt übertragen. Lediglich von China ist bekannt, daß das Ereignis in den Medien keinerlei Erwähnung fand. In einigen sozialistischen Staaten Osteuropas bildete die Meldung vom Apollo 11 Start sogar die Aufmacher in der Parteipresse bzw. in den abendlichen Fernsehsendungen. Und selbst die sowjetische „Prawda“ wünschte den drei Apollo Astronauten eine glückliche Reise und viel Erfolg.

Diese waren in den ersten Stunden nach dem Start sehr beschäftigt. Schon 12 min nach dem Zünden der Triebwerke war die Parkbahn um die Erde erreicht. Nun mußten die zahllosen Systeme des Raumschiffs überprüft werden, um die Entscheidung über den weiteren Verlauf des Unternehmens treffen zu können. Auch nur ein ernster Fehler hätte das Ende aller Träume vom Mondflug für die drei Astronauten und die Millionen mitfiebernden Menschen auf der Erde bedeutet. Doch alles sah gut aus. Und so erhielt die Crew die Freigabe für die Wiederzündung der Saturn-​Drittstufe. Knapp drei Stunden nach dem Start beschleunigte Apollo 11 aus dem Erdorbit in Richtung Mond. Eine halbe Stunde nach dem Brennschluß der Drittstufe stand das nächste kritische Manöver an. Das Apollo CSM trennte sich von der ausgebrannten Stufe, vollführte eine 180° Drehung und koppelte an den Mondlander an, der sich unter einer Verkleidung unterhalb des Servicemoduls an der Spitze der Rakete befunden hatte. Nach der obligatorischen Prüfung der Systeme wurde der neu gebildete Verbund aus Apollo CSM und Mondlander 50 min später von der letzten Stufe der Saturn-​V getrennt. Wiederum eine halbe Stunde später zündete das Apollo Haupttriebwerk und beschleunigte das Raumschiff weiter in Richtung Mond. Auch die S-​IVB Endstufe wurde nochmals gezündet, um den verbliebenen Treibstoff in den Tanks zu verbrennen. Sie schwenkte auf einen Kurs um die Sonne ein.

Eagle nach dem Abkoppeln vom CSMFür die Astronauten begann nun eine etwas ruhigere Phase. Vor allem die anstehenden Kurskorrekturen erforderten aber natürlich die volle Konzentration. Daneben bereiteten sich die Astronauten auf die bevorstehende Ankunft am Mond vor und mußten natürlich auch die Menschen auf der Erde mit einigen Reportagen auf dem laufenden halten. Am 18.07.1969 begaben sich Aldrin und Armstrong dann auch erstmals in das angekoppelte LM „Eagle“. Sie begannen mit der Überprüfung und Aktivierung der Systeme des Landers. Einen Tag später, nach einer vierten und letzten Kurskorrektur, wurde das Bremsmanöver eingeleitet, mit dem Apollo 11 in einen zunächst noch elliptischen Orbit um den Mond einschwenkte. Auch dieses Manöver fand mit fast schon gewohnter Präzision statt. 4¼ Stunden später wurde das Apollo Triebwerk erneut gezündet, um den Orbit in 110 km zu zirkularisieren. Der nächste Tag würde der entscheidende im Verlauf der Mission werden. Das Kontrollzentrum in Houston erteilte den Astronauten am 20.07.1969 die ersehnte Freigabe, mit den Vorbereitungen auf die Landung zu beginnen. Armstrong und Aldrin stiegen wieder in den Mondlander und begannen damit, ihre Checkliste abzuarbeiten. Für Irritationen hatte zwischenzeitlich die sowjetische Mondsonde Luna 15 gesorgt, die einen Tag vor Apollo 11 am Mond eingetroffen war. Seither manövrierte sie im Mondorbit und überflog dabei auch das für Apollo 11 vorgesehene Gebiet. diesen Krater überflogen Armstrong und Aldrin im letzten AugenblickErst nachdem die Sowjetunion versicherte, Luna 15 würde keinesfalls die Mission von Apollo 11 behindern und einem eigenen Programm folgen, war man bei der NASA beruhigt. Schließlich trennten sich Apollo Kommandomodul und Lander am 20.07.1969 um 17:47 UTC voneinander. Nach einem kurzen Formationsflug, der für Filmaufnahmen und Systemchecks genutzt wurde, begannen Armstrong und Aldrin mit dem Abstieg zur Mondoberfläche. Dieser verlief zunächst nach Plan. Doch dann meldete der Apollo Guidance Computer zunächst einen 1201 Alarm, gefolgt von einem 1202 Alarm. Zum Glück fingen Sub-​Routinen des Computerprogramms die Fehler auf, die aus einer Überlastung des Systems resultierten. Ursache des Problems waren überflüssige Daten des Rendezvous-​Radars, das Aldrin entgegen der Trainingsprozeduren für den Fall eines Notaufstiegs aktiv gelassen hatte. Obwohl die Zeit für eine tiefere Analyse des Problems nicht ausreichte, entschieden die beiden verantwortlichen Flugcontroller in Houston, die Meldungen zu ignorieren und den Abstieg fortzusetzen. Sie retteten damit die Mission. Doch im letzten Augenblick schien die sichere Landung des „Eagle“ doch noch gefährdet, als die beiden Astronauten beim Blick aus dem Fenster eine Reihe von Kratern und ein Geröllfeld entdeckten. Obwohl die Treibstoffanzeige eine baldige Landung geboten erschienen ließ, steuerte Armstrong den „Eagle“ mit großer Kaltblütigkeit über das Geröllfeld hinweg zu einem ebenen Landeplatz. Dank dieses „Zwischenspurts“ setzte der „Eagle“ schließlich um 20:17:40 UTC und damit rund eine Minute vorzeitig auf dem Mond auf. Daß Armstrong dabei die letzten Treibstoffreserven bis knapp über der kritischen Marke verbraucht hatte, interessierte in diesem Augenblick niemanden mehr. Aldrins Meldung an seinen Kommandanten…
Contact light! Okay, engine stop. ACA — out of detent.
bestätigte formell die geglückte Landung, woraufhin Armstrong seinen weltberühmten Funkspruch…
Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed.
nach Houston absetzte. Tosender Jubel im Kontrollzentrum war die Folge. Hunderte Millionen Menschen in der ganzen Welt atmeten erleichtert auf. Eigentlich war jetzt eine längere Erholungspause für die beiden Astronauten vorgesehen, doch vor Aufregung war an Schlaf für diese nicht zu denken.

Aldrin beim Verlassen des MondlandersDer technisch anspruchsvollste Teil der Mission, die Landung, war damit zwar erreicht. Doch ob die Astronauten den Mond auch betreten würden, mußte erst noch entschieden werden. Ohnehin war bei dieser ersten Mondlandung nur ein Kurzaufenthalt vorgesehen. Um alle unnötigen Risiken auszuschließen, sollten Armstrong und Aldrin nur einen einzigen Ausstieg unternehmen. Sie würden sich nur im nahen Umfeld des Landers aufhalten und vor allem darauf konzentrieren, Aldrin beim Aufstellen des Sonnenwind-ExperimentsProben des Mondgesteins zu sammeln und ihren Aufenthalt zu dokumentieren. Zeitweise war sogar erwogen worden, auf das Mitführen eines Wissenschaftspakets ganz zu verzichten. Nun aber zählte doch das Early Apollo Scientific Experiment Package (EASP) zu ihrer Ausrüstung. Schließlich traf die ersehnte Freigabe auf dem Mond ein. Alle Systeme des Landers waren in tadellosem Zustand. Und abgesehen von der Aufregung, die ihren Herzschlag beschleunigte, waren die beiden Astronauten auch gesundheitlich uneingeschränkt tauglich für den Mondausstieg. Dem Vorrecht des Kommandanten entsprechend zwängte sich Armstrong als erster durch die enge Luke und stieg die Leiter zur Mondoberfläche herab. Gefolgt von Aldrin. Die Fernsehkamera übertrug schemenhafte schwarz-​weiß Bilder von diese einmaligen Ereignis zur Erde. Minuten später flimmerten sie über die Bildschirme der Welt. Die ersten Menschen hatten den Mond betreten. Auf der Erde hielt man den Atem an, als Armstrongs berühmter Satz…
That’s one small step for [a] man … one giant leap for mankind.
Aldrin beim Salutieren vor der US Flaggeaus den Lautsprechern drang. Es war der 21.07.1969 um 02:56:15 UTC. Wie man heute weiß, war dieser Satz zwar keineswegs spontane Eingebung und wurde dadurch, daß Armstrong vor Aufregung ein Wort (das „a“) vergaß, auch noch in seiner Bedeutung leicht verändert. Doch traf sein Ausspruch sehr präzise das Gefühl in diesem Augenblick. Es folgte das Abarbeiten des vorgeplanten Programms. Die Astronauten stellten ihre Experimente auf, sammelten Boden– und Gesteinsproben und dokumentierten ihre Anwesenheit dadurch, daß sie das Sternenbanner in den Mondboden rammten. Eine Geste, die zuvor nicht ganz unumstritten war, verband sich doch mit dem Aufrichten der Fahne in früheren Jahrhunderten die Inbesitznahme eines Landstrichs. Die Widmung auf der Plakette, die Armstrong und Aldrin am Landegestell von „Eagle“ anbrachten und die das eingangs aufgeführte Zitat aufwies, relativierte den Vorgang jedoch als Ausdruck nationalen Stolzes. Nur wenig mehr als zwei Stunden blieben den Astronauten für ihre Erkundungen. Dann kehrte zunächst Aldrin in den Mondlander zurück, gefolgt von Armstrong. Am 21.07.1969 um 05:11:13 UTC schloß sich die Luke hinter ihnen.

Blick zurück auf den VollmondZurück an Bord verordneten die Ärzte den beiden Astronauten zunächst eine Ruhepause. Einerseits noch euphorisch von den Ereignissen der letzten Stunden, andererseits erschöpft von den körperlichen Anstrengungen und vom Schlafmangel der letzten Tage war das dringend nötig. Denn eine der kritischsten Phasen der Mission stand den beiden noch bevor. Würde ihnen der Rückstart vom Mond oder das Rendezvous mit dem Kommandomodul mißlingen, gäbe es keine Rettung. Aus Gründen der Gewichtsersparnis waren viele Systeme des Mondlanders entgegen der sonstigen Praxis nicht redundant ausgelegt. Doch an die Rede, die der US Präsident für diesen Fall vorbereitet hatte, verschwendete kaum jemand einen Gedanken. Leidlich erholt, wurden Armstrong und Aldrin nach sieben Stunden wieder geweckt. Sie gingen durch die letzten Positionen der Checkliste für den Wiederaufstieg und am 21.07.1969 um 17:54 UTC zündete das Triebwerk der Aufstiegstufe des Mondlanders. kurz vor dem Wiedereintritt entstand diese Aufnahme der ErdeOhne viel Aufhebens davon zu machen, hatten die Astronauten zuvor einen Schalter, den Aldrin beim Wiedereinstieg in den Lander versehentlich abgebrochen hatte, mit Teilen eines Stiftes „repariert“. Wie schon der Rückstart verlief auch der radargestützte Anflug auf das Kommandomodul ohne Probleme. Nach 6:15 min war ein Mondorbit erreicht. Es folgten mehrere Bahnkorrekturen, bevor das Lunar Module in Warteposition für das Docking ging. Dieses fand am 21.07.1969 um 21:35 UTC statt. Innerhalb der nächsten zwei Stunden luden die Astronauten die mitgebrachten Mondproben, Filme, Dokumentationen und sonstiges Equipment aus, bevor schon um 23:41:31 UTC die Aufstiegsstufe des Landers abgestoßen wurde. Für Sentimentalitäten blieb wenig Zeit. Am 22.07.1969 um 04:55:42 UTC zündete das Apollo Haupttriebwerk zum kritischen Trans Earth Injection Manöver. Mit dieser Triebwerkszündung verließ das Apollo CSM den Mondorbit und nahm Kurs zurück auf die Erde. Im Laufe des Tages fand noch eine Kurskorrektur statt. Nun flog Apollo 11 exakt auf dem gewünschten Korridor. Daher konnten am 23.07.1969 mehrere TV-​Übertragungen aus dem Raumschiff vorgenommen werden, in denen die Astronauten von ihren Eindrücken berichteten.

Begrüßung der Astronauten durch US Präsident Richard M. NixonMit gewohnter Präzision verlief auch die letzte Phase des Fluges. Am 24.07.1969 um 16:21:12 UTC trennte sich das Kommandomodul von der Versorgungseinheit des Raumschiffs. Wenige Minuten später trat Apollo 11 in die oberen Schichten der Atmosphäre ein. Die Fallschirme entfalteten sich und noch während des Abstiegs entdeckte ein Flugzeug der Bergungsflotte die Kapsel. Nach einem Flug von 195:18:35 h wasserte Apollo 11 sicher im Pazifik, nur 24 km vom Flaggschiff der Bergungsflotte, dem Flugzeugträger USS „Hornet“ entfernt. Zum Mißvergnügen der drei Astronauten stabilisierte sich die Kapsel kopfüber in der sogenannten „stable 2“ Position. Doch lange mußten die Astronauten so nicht verharren. Aufblasbare Schwimmkragen richteten die Kapsel auf. Ticker Tape Parade für die Apollo 11 AstronautenWenig später waren Taucher zur Stelle und evakuierten die Crew in ein Schlauchboot. Armstrong, Aldrin und Collins wurden per Hubschrauber zur „Hornet“ geflogen, wo sie von der begeisterten Mannschaft begrüßt wurden. Direkten Kontakt zu íhr gab es aber nicht. Denn um die Gefahr der Einschleppung von Mikroorganismen zu minimieren, mußten sich alle drei Astronauten zunächst in Quarantäne begeben. In Ihrem mobilen Quarantänelabor wurden sie dann auch von US Präsident Richard M. Nixon begrüßt, der im Gegensatz zum Start bei der Landung persönlich anwesend war. Noch mehr als zwei Wochen blieben die Astronauten unter ärztlicher Aufsicht in der Isolation. Armstrong feierte seinen 39. Geburtstag in dem Labor. Am 10.08.1969 wurden die Astronauten dann entlassen. Es folgten zahlreiche Ehrungen, Feiern und Empfänge. Die Astronauten begannen eine 45-​tägige Tour durch die USA und in viele Länder der Erde. Überall wurden sie begeistert empfangen. Armstrong gehörte im Mai 1970 zu den ersten westlichen Besuchern, denen ein Einblick in sonst streng geheime Bereiche des sowjetischen Raumfahrtprogramms gewährt wurde.

Brocken Mondgestein der Apollo 11 MissionKeiner der drei Apollo 11 Astronauten flog jemals wieder ins All. Sie alle verließen zudem schon bald die NASA und gingen anderen Interessen nach. Unmittelbar nach Apollo 11 wurden die Kürzungen im US Raumfahrtprogramm spürbar. Zwar waren Fertigungskontrakte bereits zuvor nicht verlängert worden. Doch nun gab es zunehmend Kürzungen bei den bereits geplanten Apollo Missionen. Kennedys politisches Ziel war erreicht. Die USA hatten die Führung im Weltraum übernommen. Ein Schlag, von dem sich die Sowjetunion erst allmählich erholte. Doch jetzt wurden die Schwächen des Apollo Programms deutlich. Konzepte für eine langfristige Erforschung des Mondes fehlten bzw. waren schon in der Studienphase abgebrochen worden. Noch sechs Apollo Missionen starteten zwischen November 1969 und Dezember 1972 zum Mond. Fünf von ihnen gelang die Mondlandung. Seither hat kein Mensch mehr den Erdorbit verlassen…

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Präsident Kennedys Rede
an der Rice University
Apollo 11
Start Beobachter
Apollo 11 Saturn-​V
HighSpeed Kamera E-​8
The Eagle has landed:
NASA’s Apollo 11 Story
Apollo 11 Landung
(Flight Director Audio)
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