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Freitag,

27.01.1967

Anfang 1967 liefen bei der NASA die Vorbereitungen für den ersten bemannten Flug des Apollo Programms auf Hochtouren. Zahlreiche Mängel an der Apollo Kapsel hatten allerdings den für Ende 1966 geplanten Start von Apollo 1 bereits auf mittlerweile den 21.02.1967 rutschen lassen. Und die Pannenserie riß nicht ab. So stürzte am 12.01.1967 ein Apollo CM beim Hersteller North American Aviation aus 1,8 m Höhe auf den Hallenboden und wurde erheblich beschädigt. Am selben Tag gab es einen Zwischenfall, als ein sich öffnendes Hallentor die direkt dahinter abgestellte Zwischenstufensektion einer Saturn Rakete traf. Und am 20.01.1967 explodierte bei Douglas in Sacramento die S-​IVB Zweitstufe für die Saturn V AS-​503 bei einem simulierten Countdown. Als Ursache fanden sich später Verarbeitungsmängel. Hauptproblem waren aber permanente Probleme mit der Verkabelung innerhalb der Block I Apollo Kapseln. Laufende Änderungen hatten zu einem unüberschaubaren Wust von Kabelbäumen geführt. Besonders betroffen war CSM-​012, das für die erste bemannte Apollo Mission AS-​204 vorbereitet wurde. Beim Training und während verschiedener Simulationen entdeckte die Crew immer wieder defekte Verkabelungen und Wackelkontakte. Und so verlief auch das Training der Astronauten Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee am 27.01.1967 nicht nach Plan. Immer wieder gab es während des simulierten Countdowns Probleme, vor allem mit der Sprechfunkverbindung. Seit Stunden saß die Crew in der Kapsel, als es zu einer niemals für möglich gehaltenen Katastrophe kam. Aus nie restlos geklärten Gründen brach in der Kapsel ein Brand aus, der sich in der reinen Sauerstoffatmosphäre rasend schnell ausbreitete. Innerhalb von Sekunden war die Kapsel mit Rauch gefüllt und die verzweifelten Schreie der drei Astronauten verstummten. Als die Rettungsmannschaften die Plattform von LC-​34 in Höhe des Kommandomoduls erreichten, waren die Astronauten bereits tot. 17 s nach Grissoms Ausruf „Fire!“ waren alle Lebenszeichen in der Kapsel verstummt, doch selbst unter Normalbedingungen dauerte es 90 s, die Luke der Kapsel zu öffnen. Den Bergungsmannschaften bot sich ein Bild des Grauens. Die Kapsel war unter den enormen Temperaturen vollkommen verschmort und ihre Außenhülle aufgeplatzt. Die Astronauten lagen noch angeschnallt tot auf ihren Sitzen, ihre Raumanzüge waren geschmolzen…
Mit dem verheerenden Feuer in der Apollo Kapsel war der Terminplan der NASA für das bemannte Mondlandeprogramm nur noch Makulatur. Noch bevor die drei Astronauten in einer bewegenden Zeremonie mit militärischen Ehren in Arlington bzw. West Point beigesetzt wurden, nahm eine hochrangig besetzte Untersuchungskommission zu dem Unglück ihre Arbeit auf. In den folgenden Wochen sollte sie eine endlose Kette von Versäumnissen, Gedankenlosigkeit, Inkompetenz und Schlamperei aufdecken, die zu der Katastrophe geführt hatte. In der Konsequenz begann eine tiefgreifende Umkonstruktion des Kommandomoduls. Die Elektroinstallation wurde grundlegend überarbeitet, brennbares Material so weit wie möglich ersetzt und eine vollkommen neue Luke installiert, die der Crew in Gefahrensituationen auch ohne Hilfe von außen ein rasches Verlassen der Kapsel ermöglichen sollte. Auch im NASA Management und bei der Qualitätsüberwachung in den Herstellerfirmen gab es weitreichende Änderungen. Letztlich war es diese entschiedene Reaktion auf die aufgedeckten Defizite, die einen wichtigen Grundstein für den Erfolg des riskanten Apollo Programms — ohne weitere Verluste an Menschenleben — legte.
Die Mission AS-​204 aber, die niemals stattfand, erhielt auf Anregung von Betty Grissom, der Witwe des Apollo Kommandanten, nachträglich die Bezeichnung Apollo 1.