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Donnerstag,

03.07.1969

Die Sowjetunion hatte im Dezember 1968 den Wettlauf zum Mond zwar praktisch bereits verloren, als Apollo 8 den Mond umkreiste. Dennoch wurde das eigene Mondprogramm zunächst noch fortgesetzt. Bis zum Sommer 1969 bestand ja auch noch die Chance, daß der erste bemannte Mondlandeversuch der USA scheitern und sich das gesamte Programm verzügern würde. Wenige Tage vor dem angekündigten Start von Apollo 11 wollte man mit einem ausgeklügelten Szenario den Ruhm der USA wenigstens etwas schmälern. Mit der Herkules N1-​L3 11A52 5L sollte ein unbemanntes Testraumschiff vom Typ Sond 7K-​L1S in Verbindung mit einem LZS Funktionsmodell des Mondlanders LK starten. Mit einer Multispektralkamera hätte die Sond Nutzlast dann potentielle Landeplätze erkundet. Dann wäre mit einer Proton-​K Rakete innerhalb des Programms Luna ein Mondlander gefolgt, der Bodenproben bergen und zur Erde zurückführen sollte. Und dies alles noch vor dem Flug von Apollo 11. Doch es kam anders. Schon unmittelbar nach dem Abheben der N1 Rakete am 03.07.1969 wurden massive Probleme deutlich. Der Aufstieg erfolgte unerwartet langsam und schließlich fielen brennende Teile auf den Startplatz herunter. Das Kontrollsystem KORD (Контроль Ракетных Двигателей) schaltete immer mehr Triebwerke ab und schließlich stürzte die Rakete aus nur 200 m Höhe auf die Rampe zurück, explodierte und verwüstete den gesamten Startkomplex 110P. Mit einem Äquivalent von nahezu 250 t TNT war es die bis dahin mit Abstand gewaltigste Explosion einer Rakete. Das Rettungssystem brachte die Nutzlast aus dem Explosionsbereich, es gibt jedoch Aussagen, wonach der Wind den Fallschirm mit der Kapsel noch in das Flammenmeer trieb. Die Analyse der Telemetriedaten ergab, daß schon vor dem Abheben Triebwerk #8 ausgefallen war. Nahezu gleichzeitig registrierten die Sensoren einen starken Temperaturanstieg im Bereich der Triebwerke #7, #8 und #9. Nach nur 0,6 s Flug schaltete das KORD die Triebwerke #7 und #8 sowie die gegenüberliegenden #19 und #20 ab. Einige Sekunden später folgte das #9 gegenüberliegende #21. Sekundenbruchteile später wurde eine Störung im Stromversorgungssystem registriert. Nach 10,3 s wurden bis auf #18 alle Triebwerke abgeschaltet und die Rakete begann zurückzustürzen. Als Ursache des Brandes in der Triebwerkssektion wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Oxydatorpumpe von Triebwerk #8 ausgemacht, die explodiert war, nachdem Metallsplitter aus dem nicht ausreichend gereinigten Rohrleitungssystem in sie eingedrungen waren. Diese Gefahrenquelle war bereits bei der Auswertung des ersten Starts erkannt worden. Tests hatten ergeben, daß die Hochleistungspumpen empfindlich auf das Eindringen „mehrere Millimeter großer“ Metallspäne reagierten. Statt Filter einzubauen, setzte man aber auf gründlichere Inspektionen. Zahlreiche weitere nach dem L3 Fehlstart eingeführte Modifikationen, wie die Verlegung des KORD in die Tank-​Zwischensektion, hatten die Katastrophe auch nicht abwenden können. Nach diesem schweren Fehlschlag war die nächste N1 Rakete erst zwei Jahre später startklar und das bemannte sowjetische Mondprogramm praktisch eingestellt.