Information
Sonntag,

12.03.1972

Nach jahrelangen Verzögerungen startete am 12.03.1972 eine Delta-​N Rakete der NASA von der Vandenberg AFB mit dem großen europäischen astronomischen Forschungssatelliten TD-​1A (für Thor Delta) auf eine annähernde Kreisbahn in 530 km Höhe. Die europäische Raumfahrtagentur ESRO hatte ursprünglich den Start von zwei derartigen Satelliten geplant, Finanzierungsprobleme ließen jedoch nur die Realisierung eines Exemplars zu. Und selbst dessen Fertigstellung war immer wieder gefährdet gewesen, da Italien eine Beteiligung beharrlich verweigert hatte. Instrumente aus dem Programm flogen aber verteilt auf anderen Satelliten, insbesondere auf ESRO IV. TD-​1A gelangte auf eine nahezu polare, sonnensynchrone Umlaufbahn in etwa 540 km Höhe. Erstmals verfügte ein europäischer Satellit über eine 3-​Achsen-​Stabilisierung, wobei die Ausrichtgenauigkeit zur Sonne ±5° betrug. Sieben Instrumente an Bord sollten die hochenergetische Fixstern– und Röntgenstrahlung, die solare und kosmische Partikelstrahlung, den Sonnenwind und den Protonenfluß untersuchen. Zur Ausrüstung gehörten daher ein Röntgenstrahlungsdetektor, eine Funkenkammer mit einem stereoskopischen TV-​System, ein UV-​Spektrometer, mehrere kleine Teleskope und Scanner. Mit einigen der Instrumente gab es unerwartete Probleme. So störte der Röntgenstrahlungsdetektor das Telemetriesystem und mußte abgeschaltet werden. Das MIMOSA Experiment konnte zwar die Spuren diverser Gammastrahlungs-​Teilchen aufzeichnen, war aber wegen einer ungenügenden Abschirmung nicht in der Lage, ihre Quelle zu ermitteln. Innerhalb von zwei Monaten fielen zudem beide Datenrekorder an Bord von TD-​1A aus. Normalerweise hätte das das Ende der vielversprechenden wissenschaftlichen Mission bedeutet. Doch mit einem eilig zusammengestellten Netzwerk von Bodenstationen konnten dennoch 60 bis 70% der Meßdaten empfangen werden. Siebzehn feste Stationen stellten NASA, CNES und CNR zur Verfügung. Weitere sechs mobile Einheiten wurden auf Tahiti, in Singapur, auf der Osterinsel, Fidschi, Hawaii und der Seymour-​Insel im Weddell-​Meer (zu Argentinien gehörend) errichtet. Um eine Lücke im Netz der Bodenstationen zu füllen, wurde sogar eine mobile Station auf einem ehemaligen niederländischen „Bananendampfer“ installiert, den man in den Südpazifik entsandte. Die MS „Candide“ kreuzte bei 44° Süd und 110° Ost, also direkt in den berüchtigten sturmgepeitschten „Roaring Forties“… Nach sechs Monaten im Orbit trat der Satellit in den Erdschatten ein und wurde für vier Monate deaktiviert. Im Anschluß konnte er für eine zweite Meßkampagne reaktiviert werden. Auch einer der Datenrekorder erwachte überraschend im Oktober 1973 wieder zum Leben, arbeitete aber weiterhin unzuverlässig, was sich ab Anfang 1974 verstärkte. Am 16.04.1974 wurde der Datenempfang von TD-​1A daher schließlich eingestellt.