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Donnerstag,

24.07.1975

Nach einem dreieinhalbtägigen Soloflug kehrte auch die Apollo Besatzung am 24.07.1975 vom ASTP (Apollo – Soyuz Test Project) zur Erde zurück. Bis zum 23.07.1975 hatten Thomas Stafford, Vance Brand und Donald Slayton 23 Experimente unterschiedlicher Wissenschaftsgebiete zu betreuen. Schließlich wurde das Dockingmodul mit nicht mehr benötigten Ausrüstungsgegenständen und Abfällen beladen und am 23.07.1975 um 17:41 UTC abgestoßen. Am 24.07.1975 ging dann die Apollo Ära zu Ende. Und beinahe wäre es ausgerechnet bei diesem letzten Flug noch zu einem Unglück gekommen. Beim Abarbeiten der Checkliste unterlief der Crew vermutlich ein Fehler, so daß sich eine Abdeckung nicht dem Flugregime entsprechend löste. Der Abwurf wurde manuell ausgelöst, ebenso der Auswurf der Pilotschirme. Durch diese Abfolge geriet die Kapsel aber in Pendelbewegungen, die die RCS Triebwerke versuchten auszugleichen. Über die bereits geöffneten Atmosphärenausgleichsventile traten nun die Abgase der Triebwerke und unverbrannter Treibstoff in die Kabine ein. Binnen Sekunden rangen die Astronauten um Atem. Nach 30 s gelang es ihnen jedoch, die Automatik wieder zu aktivieren. Die RCS Zündungen hörten auf und der Crew gelang es noch, die Checkliste für den Abstieg weiter abzuarbeiten. Etwas zu spät, in 2.700 m Höhe, löste Pilot Brand manuell den Auswurf des Hauptschirms aus. Der Splashdown im Pazifik erfolgte nach 217:28 h am 24.07.1975 um 21:18 UTC in 7.300 m Entfernung zum Flugzeugträger USS „New Orleans“. Die Kapsel schwamm kopfüber und noch immer atmete die Crew die giftige Atmosphäre. Brand verlor für etwa 40 Sekunden das Bewußtsein, bis Stafford ihm die Sauerstoffmaske aufsetzte. Nachdem alle drei ihre Masken angelegt hatten, konnten sie die Kapsel aufrichten und für die Ankunft der Bergungsmannschaften vorbereiten. Der Zwischenfall beim Abstieg brachte den drei einen unfreiwilligen Aufenthalt von zwei Wochen im Hospital von Hawaii ein.
Trotz aller Widerstände war das ASTP ein großartiger Erfolg geworden und hatte zum Verständnis zwischen Politikern, Wissenschaftlern und einfachen Menschen in beiden Ländern beigetragen. Bei aller Skepsis war auch auf amerikanischer Seite die Hochachtung vor der Professionalität der sowjetischen Raumfahrtexperten gestiegen. Insbesondere aber verband die beteiligten Raumfahrer wie auch zahlreiche Experten fortan eine echte Freundschaft. Stimmen, die von einer Verschwendung amerikanischer Steuergelder und einer verdeckten Hilfe für die rückständige sowjetische Raumfahrtindustrie sprachen, verstummten bald. Vielmehr bestand Hoffnung auf eine Ausweitung der Zusammenarbeit. Allerdings hatte die Sowjetunion bereits anläßlich des ASTP Starts erklärt, daß man für eine angedachte Apollo-​Saljut Mission auf absehbare Zeit keine Kapazitäten frei hatte. Einer Wiederholung der Apollo-​Sojus Mission stand man aber aufgeschlossen gegenüber. Doch die NASA hatte eigentlich ohnehin mit der Apollo-​Ära abgeschlossen und wollte sich auf ihr Space Shuttle konzentrieren. 1977 wurde dann auch in Moskau eine Vereinbarung über das Docking eines Space Shuttle an einer Saljut Raumstation geschlossen. Als fünf Jahre später Saljut 7 im All kreiste und die „Columbia“ ihre ersten Flüge absolviert hatte, war dieser Flug in greifbare Nähe gerückt. Doch die im selben Jahr fällige Vertragsverlängerung unterblieb. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten waren einem Tiefpunkt nahe. Und am 23.03.1983 verkündete US Präsidend Ronald W. Reagan das SDI Programm. Damit war bis zum Ende der Sowjetunion an gemeinsame Raumflüge nicht mehr zu denken. Doch 20 Jahre nach dem ASTP koppelte doch noch eine US Raumfähre an einer nun russischen Raumstation an. Es war der Beginn eines neuen Zeitalters der Kooperation in der bemannten Raumfahrt.