Information
Donnerstag,

04.08.1977

Der zweite Erprobungsflug der TKS WA Landekapsel aus dem Konstruktionsbüro ZKBM von Wladimir N. Tschelomej endete am 04.08.1977 mit einem Desaster. Trotz diverser politischer Widerstände und gegen die intensive Lobbyarbeit des ZKBEM (bis 1966 OKB-​1, ab 1974 NPO Energija) war es gelungen, das Projekt eines neuen bemannten, teilweise wiederverwendbaren, Transportraumschiffs für die sowjetischen Raumstationen bis zur Erprobung voranzutreiben. Ein erster Testflug im Dezember 1976 war auch sehr erfolgversprechend verlaufen. Ebenso ein Test mit dem vollständigen Raumschiff im Juli 1977. Doch die Wiederholung der ersten Kapselerprobung zeigte drastisch eine der Schwächen des Systems auf — die Orientierung auf die chronisch unzuverlässige Proton-​K 8K82K Trägerrakete aus dem eigenen Konstruktionsbüro. Trotz positiver Tendenz sorgte diese immer wieder für aufsehenerregende Rückschläge gerade bei kostspieligen und prestigeträchtigen Missionen. Beim Start der beiden WA Kapseln am 04.08.1977 versagte infolge eines Fertigungsmangels ein Servoventil in der Erststufensteuerung 40,13 s (laut anderen Quellen nach 45 s) nach dem Start von Baikonur. Das blockierende Ventil bewirkte unkontrollierbare Auslenkungen eines Triebwerks. Die Rakete geriet außer Kontrolle und nach 53,68 s löste das Havariekommando aus. Für die Erprobung flogen die WA Kapseln aus Kostengründen paarweise. Doch in dieser Konfiguration konnte nur eine von ihnen ein Rettungsraketensystem tragen. Dieses löste immerhin nach dem Auftreten des Fehlers bei der oberen („rechten“) Kapsel 009P aus und brachte diese auch in Sicherheit. Die untere (im russischen technischen Sprachgebrauch „linke“) Kapsel ging aber bei der Explosion der Rakete verloren. Abgesehen von den Verzögerungen bei der Erprobung, die dieser Fehlstart mit sich brachte, hatte man die Chance verpaßt, die Wiederverwendbarkeit der Kapseln zu demonstrieren. Denn es handelte sich bei den betroffenen Kapseln exakt um jene, die am 15.12.1976 einen ersten Raumflug absolviert hatten. Obwohl die Erprobung nach einigen Monaten Pause wieder aufgenommen wurde, gelang es nie, die Vorteile des Systems wirklich nachdrücklich zu demonstrieren. Diverse Pannen führten dazu, daß keine der Kapseln jemals erfolgreich einen zweiten Flug absolvieren konnte. Dennoch wurden 30 Jahre später kommerzielle Einsätze des TKS Schiffs bzw. der WA Kapsel diskutiert. Diesmal u.a. für orbitale oder suborbitale Flüge mit zahlungskräftigen Passagieren. Doch auch dieses Projekt verlief im Sande.