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Samstag,

12.08.1978

Start der Delta 2914 mit ISEE 3

ISEE 3 in einer Testkammer des GSFC

Der dritte International Sun-​Earth Explorer, ISEE 3 oder ISEE-​C, wurde am 12.08.1978 von Cape Canaveral mit einer Delta 2914 gestartet. Der Satellit wurde im November 1978 im sogenannten L1–Punkt positioniert. Dieser Librations Punkt liegt rund 1,47 Mio. km von der Erde entfernt und bezeichnet eine Position, an der sich die Gravitationskräfte von Erde und Sonne annähernd aufheben. ISEE 3 führte auf seiner Bahn Messungen zu solaren Phänomenen aus, die er bereits eine Stunde vor den Sensoren von ISEE 1 und ISEE 2 registrieren konnte. Insgesamt waren 117 Forscher von 35 Universitäten in 10 Ländern an der Ausrüstung des sehr erfolgreichen Satelliten beteiligt. 1983 wurden die Bordtriebwerke von ISEE 3 für eine Serie von Bahnmanövern genutzt, die ihn zunächst außen über die Erdbahn hinaus und zweimal am Mond vorbei (22.12.1983, 119 km Mondabstand) führten. Dieses swing-​by Manöver beschleunigte ISSE 3 auf eine interplanetare Bahn, die die inzwischen ICE (International Cometary Explorer) genannte Sonde wie gewünscht am 11.09.1985 durch den Schweif des Kometen „Giacobini-​Zinner“ führte. Zur Überraschung der Wissenschaftler überstand der ICE, der nie für eine solche Mission konzipiert worden war, das Teilchenbombardement relativ unbeschadet. Und so beobachtete er ab dem 31.10.1985 auch noch den Kometen „Halley“, konnte aber aufgrund des großen Abstands nur wenige relevante Daten beitragen. Am 28.03.1986 erreichte ICE die größte Annäherung an ihn. Im Sommer 2014 kehrte ICE in den Einflußbereich der Erde zurück und hätte unter Ausnutzung der Mondgravitation in einen Erdorbit einschwenken können. Eine Rückholung mit dem Space Shuttle wurde in den 1990er Jahren angedacht. Die NASA übereignete jedenfalls ihre Sonde schon einmal dem Smithsonian Institute als Ausstellungsstück. Doch im Mai 1997 wurde der Datenempfang von ICE eingestellt und es glaubte kaum noch jemand ernsthaft daran, daß 2014 wirklich der Versuch unternommen werden würde, die Sonde „einzufangen“. Dabei gelang es im September 2008 sogar, über das DSN Kontakt zum ICE herzustellen. Da bis auf eines alle Instrumente an Bord noch immer funktionstüchtig waren und noch Treibstoff für ein größeres Bahnmanöver an Bord war, keimte sogar kurz Hoffnung auf, die wissenschaftliche Mission der Sonde 2017 oder 2018 mit der Beobachtung eines weiteren Kometen krönen zu können. Der tatsächlich zu erwartende wissenschaftliche Nutzen wäre aber wohl eher gering gewesen. Und die Sparzwänge der NASA machten die Überlegungen hinfällig. Tatsächlich konnten über eine Crowdfunding Kampagne die notwendigen Geldmittel aufgebracht werden, um neue Software zur Kommunikation zu schreiben und Sendezeit in Bodenstationen zu mieten. Da ein Teil der Jahrzehnte alten Hardware nicht mehr existierte, griff man auf Software Defined Radio Techniken zurück. Die Kontaktaufnahme und Kommandoübermittlung gelang planmäßig, doch der entscheidende Versuch einer Kurskorrektur am 08.07.2014 schlug fehl, vermutlich, weil zwar noch Treibstoff, aber kein Druckgas zu dessen Förderung mehr vorhanden war. Einige Wochen nach einem Vorbeiflug am Mond, bei dem nochmal Meßdaten übertragen worden waren, brach am 16.09.2014 der Funkkontakt wieder — und diesmal wohl endgültig — ab.