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Samstag,

26.08.1978

Abschiedsfoto der Sojus 31 Besatzung vor dem Start zu Saljut 6

Saljut 6 aufgenommen durch Sigmund Jähn

Stamm- und Gastbesatzung von Salut 6 (v.l.n.r.: Bykowski, Iwantschenkow, Kowaljonok, Jähn)

Eine weitere Interkosmos Besatzung startete am 26.08.1978 um 14:51 UTC an Bord von Sojus 31 von Baikonur zur Raumstation Saljut 6. Trägerrakete war die bewährte Sojus-​U 11A511U. Am 27.08.1978 um 16:38 UTC koppelten der sowjetische Kommandant Waleri Bykowski und sein Forschungskosmonaut Sigmund Jähn aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik am Heckstutzen der Raumstation an. Gemeinsam mit der Stammbesatzung der Raumstation, Wladimir Kowaljonok und Alexander Iwantschenkow, führten sie in der folgenden Woche eine Reihe von Experimenten aus. Jähn arbeitete dabei insbesondere auch mit der Multispektralkamera MKF-​6M aus der Produktion von Carl Zeiss Jena. Aber auch die materialwissenschaftlichen Experimente wurden fortgeführt und natürlich die raumfahrt-​medizinischen Studien. Etwa ein halbes Dutzend größere Experimente waren von DDR Wissenschaftlern speziell für diese Mission entworfen worden. Einige wurden auch von nachfolgenden Besatzungen fortgeführt. Schließlich wurden am 03.09.1978 die Konturensitze zwischen Sojus 29 und Sojus 31 ausgetauscht, so daß die Gastbesatzung am 03.09.1978 um 08:23 UTC mit Sojus 29 den Rückflug zur Erde antreten konnte, der nach 188:49 h mit einer sicheren Landung um 11:04 UTC in Kasachstan abschloß. Allerdings setzte die Kapsel dabei ziemlich hart auf und wurde anschließend vom böigen Wind am Fallschirm so unglücklich durch die Steppe geschleift, daß sich Jähn einen Rückenschaden zuzog, der seine Pilotenkarriere beendete.
Während Sigmund Jähn in der damaligen DDR begeistert gefeiert wurde (Schlagzeile der Zeitung „Neues Deutschland“: „Der erste Deutsche im All — ein Bürger der DDR“), war das Echo in der Bundesrepublik Deutschland auf den ersten „Fliegerkosmonauten der DDR“ eher verhalten. Der damals tobende „Kalte Krieg“ führte dazu, daß der Flug mehrheitlich als Propagandaunternehmen abgetan wurde, was zwar sicherlich in Teilen stimmte, aber dennoch viel zu kurz griff. Als 1983 dann mit Ulf Merbold der erste „freie Deutsche“ im Spacelab die Erde umkreiste, konnte sich die DDR Presse entsprechende höhnische Kommentare nicht verkneifen. Doch nach dem Ende des „Kalten Krieges“ und der deutschen Wiedervereinigung waren Jähn und Merbold Vorreiter einer raumfahrt-​wissenschaftlichen Zusammenarbeit der Experten aus beiden deutschen Staaten. Jähn wurde zum Koordinator für das deutsch-​russische Raumfahrtprogramm und bereitete die Flüge deutscher Kosmonauten zur Raumstation Mir vor.