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24.12.1979

Der lange erwartete erste Start der neuen „Europarakete“ namens Ariane erfolgte am 24.12.1979 vom Startgelände Kourou in Französisch Guyana. Trotz einer Serie von Fehlstarts mit den Typen Europa I und Europa II in den 1960er und frühen 1970er Jahren hatten sich unter Führung Frankreichs eine Reihe europäischer Staaten zusammengefunden, um eine eigene Rakete zu entwickeln, die das US Monopol für den Start kommerzieller Nutzlasten brechen sollte. Obwohl sich die Entwicklung nach einigen Zwischenfällen bei Triebwerkstests verzögert hatte, ging die Ariane-​1 somit noch 1979 mit nur sechs Monaten Verspätung gegenüber den (allerdings im Laufe der Entwicklung mehrfach angepaßten) Planungen in die Flugerprobung, während in den USA die gesamte Satellitentransportkapazität auf das Space Shuttle neu orientiert wurde (dessen Erststart noch immer in unbestimmter Zukunft lag). Die Startkampagne hatte am 01.10.1979 begonnen und mündete am 14.12.1979 in den Countdown. Doch 2,8 s nach der Zündung der vier Erststufentriebwerke am 15.12.1979 um 14:00 UTC löste ein Drucksensor die Notabschaltung aus. In Rekordzeit konnte die Rakete für einen neuen Startversuch wieder hergerichtet werden. Doch in den letzten Sekunden des neuerlichen Countdowns (bei der Übergabe an den Bordcomputer der Ariane) kam es zu Problemen. Unmittelbar darauf wurde auch noch ein zu geringer Druck in einem Helium-​Tank der Drittstufe gemeldet. Am 24.12.1979, nach einem wiederholt zur Behebung kleinerer Probleme unterbrochenen dritten Countdown, beförderte endlich die erste Ariane-​1 auf ihrem Flug L-​01 neben Ballast eine technologische Nutzlast — Capsule Ariane Technologique — auf eine elliptische Umlaufbahn. Dabei handelte es sich weniger um die Attrappe eines echten Satelliten als vielmehr um eine Telemetrieplattform, die die Standard-​Schnittstellen zur Rakete nutzte. CAT 01 sammelte während des Aufstiegs vielfältige Meßdaten zum Verhalten der Trägerrakete und übermittelte diese zur Erde. Nach einigen Tagen im Orbit waren die Batterien erschöpft und die Sender stellten ihre Funktion ein. Die Mitgliedsstaaten der ESA durften aber hoffen, den Durchbruch zu einer eigenen Satelliten Startkapazität geschafft zu haben. Den enormen kommerziellen Erfolg dieser Entwicklung überblickte damals allerdings wohl noch niemand — man plante vorerst die Fertigung von zwei Ariane Raketen jährlich…