Information
Dienstag,

15.07.1980

Der Start eines meteorologischen Satelliten aus dem Programm AMS bzw. DMSP scheiterte am 15.07.1980 auf der Vandenberg AFB. Obwohl nach dem Start keine Telemetriedaten von der Thor-​LV2F Stufe der Trägerrakete empfangen werden konnten, sah es zunächst nach einem erfolgreichen Start aus. Radar und optische Bahnverfolgung zeigten die Rakete auf Kurs. Auch die erste der beiden Kickstufen im Star-​37XE/​Star-​37S-​ISS Tandem beendete ihre Arbeit fehlerfrei. Doch Augenblicke später geriet die letzte Stufe mit dem Satelliten außer Kontrolle und die Telemetrie brach ab. Zunächst ging man von einer Explosion der Feststoffstufe aus. Tatsächlich hatte sich aber ein Steckverbinder zwischen Zweit– und Drittstufe nicht getrennt, so daß die Drittstufe die ausgebrannte taumelnde Zweitstufe hinter sich her schleppte. In diesem unkontrollierbaren Zustand konnte der Satellit natürlich keinen Orbit erreichen.
Der Verlust von AMS 5, dem letzten Satelliten der DMSP Block 5D Baureihe (auch DMSP 5D S-​4 oder DMSP 5D F-​5), stürzte das Programm in eine ernste Krise und verursachte erhebliche Probleme bei der Planung diverser Aufklärungsmissionen. Am 19.03.1980 war nämlich DMSP 5D F-​2 mit Gyroskopfehler ausgefallen und Ersatz wurde dringend erwartet. Stattdessen war jetzt der letzte Satellit der DMSP 5D1 Generation verloren. Und die Entwicklung des verbesserten Nachfolgemodells hatte sich bereits um Jahre verzögert…
Die Untersuchung des Fehlstarts förderte Unglaubliches zutage. Beim Aufrichten der Rakete auf dem Startkomplex war ein Sicherungsbolzen gebrochen und die Rakete verrutschte auf der Vorrichtung. Das blieb nicht unbemerkt. Doch sichtbare Schäden waren nicht auszumachen gewesen und so gab man die Rakete nach zusätzlichen Inspektionen zum Start frei. Tatsächlich war bei dem Zwischenfall aber ein Steckverbinder — von dem man wußte, daß er empfindlich schon auf geringe Ungenauigkeiten bei der Ausrichtung reagierte — verrutscht. Doch hatte sich niemand nach dem Zwischenfall verantwortlich gefühlt, einen „End-​to-​End Test“ des Gesamtsystems aus Rakete und Nutzlast vorzunehmen. Die Inspektionen der einzelnen Teams hatten den Fehler nicht aufdecken können. Und so ging die Thor Trägerrakete nach über zwei Jahrzehnten leider mit einem Fehlstart in den Ruhestand. Denn dieser Start war der letzte einer Rakete dieses Namens, auch wenn die auf gemeinsame Ursprünge zurückblickende Delta weiter im Einsatz stand.