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Donnerstag,

21.01.1982

Etwas geheimnisvoll ist bis heute die Mission jener militärischen Nutzlast, die eine Titan-24B Agena-D am 21.01.1982 von der Vandenberg AFB startete. Nach einem Tag im Orbit erreichte der Satellit eine 600 km Kreisbahn, die später noch weiter angehoben wurde. Im März konnten drei Objekte mit Bezug zu dem Satelliten beobachtet werden, deren Natur lange strittig blieb. Einige Analysten vermuteten, daß es sich um eine der beiden Filmkapseln und Teile ihrer Verkleidung handelte. Danach wäre die Kapsel im Orbit gestrandet, während die Rückführung der zweiten Kapsel im Mai 1982 definitiv gelang. Der Satellit selbst wurde als Variante des KeyHole KH-​8 GAMBIT Modells angesehen, möglicherweise mit Komponenten aus dem KH-​12 Programm modernisiert. Auch eine Zuordnung zum, wie man heute weiß, abgebrochenen INDIGO Geheimprojekt für einen Radaraufklärer schien plausibel. Erst nach einem Vierteljahrhundert wurde die wahre Natur von OPS 2849 bekannt. Es handelte sich in der Tat um eine Weiterentwicklung des KH-​8 Modells, die als Rückfalloption für den Fall des Scheiterns des KH-​9 HEXAGON Projekts vorgesehen war. Einer der fertiggestellten Prototypen wurde Anfang der 1970er Jahre eingelagert und erst ein Jahrzehnt später als Lückenfüller gestartet. Lediglich diese eine Mission wurde im Rahmen des Projekts HIGHERBOY (auch HIGHBOY) geflogen. Das mit diesem Satelliten verwirklichte Dual Mode Aufklärungsprogramm war so angelegt, daß im ersten Teil der Mission aus einer höheren Bahn weiträumige Übersichtsaufnahmen gewonnen werden sollten, bevor aus dem wieder abgesenkten Orbit die übliche Nahaufklärung folgte. Die Planer in den 1970er Jahren hofften, so eventuelle Verzögerungen im KH-​9 Programm kompensieren zu können. Tatsächlich mißlang beim einzigen Einsatz aber die Bergung der ersten Filmkapsel. Sie konnte am 20.03.1982 zwar abgetrennt werden, geriet aber ins Taumeln und das Retrotriebwerk löste nicht aus. Ebensowenig der Selbstzerstörungsmechanismus. Da man den Fehler eindeutig auf eine modifizierte elektrische Komponente zurückführen konnte, gab es große Bedenken hinsichtlich der zweiten Kapsel. Und so erarbeitete man Notfallpläne. Als prompt die Trennung wieder mißlang, steuerte man am 23.05.1982 den gesamten Satelliten in die Atmosphäre. Das aktivierte die Notfallabtrennung der Kapsel. Während diese geborgen werden konnte, verglühte der Rest des Satelliten. Auch die Qualität der Aufnahmen aus der zweiten Kapsel enttäuschte die Bildauswerter. Trotz Hinzuziehung externer Experten konnten die Gründe hierfür nie geklärt werden.
Zwar hatten sich Ende der 1970er Jahre die KH-​9 HEXAGON Satelliten längst etabliert. Dennoch waren die KH-​8 Übersichtsaufnahmen von Mission 52 dringend erwartet worden. Denn eine Vielzahl von Problemen technischer, finanzieller und organisatorischer Natur hatten dazu geführt, daß zum Zeitpunkt seines Starts seit zehn Monaten keine neuen Übersichtsaufnahmen eingegangen waren. Und die nächste HEXAGON Mission war erst für April/​Mai 1982 geplant. Auch war ein erheblicher Aufwand betrieben worden, um das Missionsschema auszuarbeiten unter Beachtung der höheren Strahlungsbelastung und extremerer Sonneneinstrahlung. Ursprünglich waren die GAMBIT Exemplare 48 bis 54 für Dual Mode Missionen vorbereitet worden. Sie erhielten u.a. ein modifiziertes Antriebssystem und wurden für eine andere Filmbestückung ausgelegt. Da sich mit Ausnahme dieser einen Gelegenheit aber kein praktischer Bedarf für eine Dual Mode Mission ergeben hatte, blieb es bei dem einen Einsatz in der Spezialrolle.
Am 28.09.2002 trat die 1981 im Orbit gestrandete erste Filmlandekapsel des Satelliten unkontrolliert in die unteren Atmosphärenschichten ein. Seit Jahren hatten sich Geheimdienste und Militär auf dieses Ereignis vorbereitet. Denn Untersuchungen hatten ergeben, daß die Kapsel möglicherweise den Wiedereintritt überstehen könnte. Und mit ihr wenigstens ein Teil des Filmmaterials. Tatsächlich bekam die Kapsel aber wohl kein Mensch wieder zu Gesicht.