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Montag,

17.06.1985

Die Mission STS 51-​G des US Space Shuttle diente einmal mehr primär dem Transport mehrerer Satelliten, darunter von drei Kommunikationssatelliten internationaler Eigner, und einer wissenschaftlichen Forschungsplattform. So befanden sich in der Nutzlastbucht von „Discovery“ F-​5 beim Start am 17.06.1985 um 11:33 UTC von Cape Canaveral die Satelliten Morelos 1, Arabsat 1B) und Telstar 3D sowie SPARTAN 101. Im Cockpit saßen Kommandant Daniel Brandenstein, Pilot John Creighton, die Missionsspezialisten Shannon Lucid, John Fabian und Steven Nagel sowie die Nutzlastspezialisten Patrick Baudry (Frankreich) und Salman Al-Saud (Saudi-​Arabien). Noch am Starttag wurde der mexikanische Kommunikations­satellit Morelos 1 (Morelos-​A) ausgesetzt. Unter Einsatz einer PAM-​D Kickstufe und des bordeigenen Triebwerks manövrierte er auf eine geostationäre Position über 113° West. Bis zum März 1994 bediente er von diesem Punkt Mexiko und Teile des nord– und mittelamerikanischen Raumes sowie der Karibik. Der Hughes HS-​376 Satellit war der erste dieses Typs, der sowohl im C– als auch im Ku-​Band operierte. Daher erhielt er eine spezielle Antennenanlage. Die beiden ersten Morelos Satelliten verfügten über je 18 aktive C-​Band und 4 aktive Ku-​Band Transponder. Arabsat 1B wurde einen Tag später ausgesetzt und letztlich über 26° Ost stationiert. Beobachter des Aussetzmanövers war der Missionsspezialist Al-​Saud, ein Mitglied des saudischen Königshauses. Arabsat 1B versorgte bis 1992 von dieser Position aus den arabischen Raum mit Rundfunk– und Fernsehprogrammen sowie Kapazitäten für die Telefonie. Im Oktober 1992 geriet er jedoch außer Kontrolle und begann zu driften. Wieder stabilisiert ging er Anfang 1993 endgültig verloren. Telstar 3D (Telstar 303) wurde am 19.06.1985 ausgesetzt. Auch sein Einflug auf eine Synchronbahn gelang. Anfänglich über 76° West stationiert, wechselte er noch 1985 auf 125° West. 1992 bis 1996 wurde er bei 123° West stationiert und dann bis zu seiner Außerdienststellung am 04.02.1999, bei 120° West. Als letzter der vier Satelliten wurde am 20.06.1985 SPARTAN 101 von Missionsspezialistin Lucid via Remote Manipulator System ausgesetzt. Im Gegensatz zu den drei Kommunikationssatelliten, die per Federkraft aus einem Transportcontainer ausgestoßen worden waren, geschah das bei ihm aber unter Einsatz des Manipulatorarms. Während seines Freiflugs unternahm das Shuttle Pointed Autonomous Research Tool for Astronomy astronomische Beaobachtungen. Dazu war die Plattform hauptsächlich mit mit zwei identischen Sätzen von Szintillations-​Zählern ausgestattet. Während des knapp zweitätigen Freiflugs beobachtete Spartan speziell den Perseus Cluster von Galaxien und das Zentrum unserer Galaxis im Röntgenbereich. Neben dem Aussetzen der Satelliten gab es für die Crew der „Discovery“ natürlich noch einges mehr zu tun. Insbesondere der französische Nutzlastspezialist Baudry, hatte einige nationale Experimente zu betreuen. Aufgrund der immer wieder vorgenommenen Neuzusammenstellungen der letzten Shuttle Missionen hatte er gleich mehrfach seine Mitfluggelegenheit verloren und damit auch die „Untersuchungsobjekte“ unter seinen Astronauten-​Kollegen. Nun aber konnte er seine Studien, insbesondere unter Einsatz der Echokardiographie (Expérience Française Echocardiographe), endlich vornehmen. Der zweite Themenkomplex seiner Studien betraf den Gleichgewichtssinn und die Symptome der „Raumkrankheit“. Für das Expérience Posturale Française standen die anderen Crewmitglieder regelmäßig zur Verfügung. Baudry und Al-​Saud waren als Experimentatoren ausgebildet. Aber auch die NASA Missionsspezialisten trugen die Verantwortung für eine Reihe kleinerer Experimente aus verschiedenen Gebieten. Außerdem wurde am 19.06.1985 ein erster Versuch unternommen, einen von Hawaii ausgestrahlten Laserimpuls zurückzureflektieren. Das High Precision Tracking Experiment im Auftrag des Strategic Defense Office mißlang zunächst wegen falscher zugrunde gelegter Bahninformationen. Am 21.06.1985 war die Wiederholung aber erfolgreich. Das Wiedereinfangen von SPARTAN am 22.06.1985 durch Missionsspezialist Fabian an den Kontrollen des RMS bildete dann den Auftakt für die Rückkehrvorbereitungen. Bis zum 24.06.1985 waren die Experimente beendet und alles an Bord für den Wiedereintritt gesichert. Die Landung nach einer Mission, die insgesamt kaum noch Interesse geweckt hatte (abgesehen vom Mitflug eines saudischen Prinzen), erfolgte schließlich am 24.06.1985 um 13:12 UTC auf Runway 23 der Edwards AFB. Spektakulär kam der Orbiter mit einem Bugrad zum Stillstand, das sich 15 Zentimeter tief in den Boden eingegraben hatte.