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Sonntag,

27.08.1989

Der erste Start eines Kommunikationssatelliten durch ein privates US Unternehmen auf rein kommerzieller Basis erfolgte am 27.08.1989, als eine McDonnell Douglas Delta 4925 von Cape Canaveral abhob. An Bord befand sich der Kommunikationssatellit Marcopolo 1 bzw. BSB-​1A des Satellitenbetreibers British Satellite Broadcasting Ltd. Auf einer geostationären Position über 31° West stationiert, stellte der Satellit vom Typ HS-​376 fünf Ku-​Band Transponder mit je 55 W Sendeleistung zur Verfügung. Übertragen wurde auf drei Kanälen, wobei die Sendeleistung durch Zusammenschalten von jeweils zwei Transpondern verdoppelt werden konnte. Dies ermöglichte den Fernseh-​Direktempfang in Großbritannien mit Antennen von nur 28 bis 35 cm Durchmesser. Für den Satellitenhersteller Hughes stellte der erstmalige Einsatz seines Modells HS-​376 im Bereich der high-​power DBSs eine Herausforderung dar. So mußten spezielle NiCd-​Batterien entwickelt werden, die trotz des hohen Energiebedarfs einen ununterbrochenen Betrieb des Satelliten auch im Erdschatten (Eklipse) gewährleisteten. Dazu kam eine Vergrößerung der mit Solarzellen belegten Mantelfläche. Zu Beginn der Mission standen somit 1.100 W an elektrischer Leistung zur Verfügung. Als 1990 Marcopolo 2 seine Co-​Position zu Marcopolo 1 erreicht hatte, konnten ständig fünf Kanäle mit vollen 110 W Sendeleistung betrieben werden. Am 31.12.1992 stellte der Satellit allerdings wegen des ausbleibenden kommerziellen Erfolges seinen Sendebetrieb für BSB ein. 1993 wurde Marcopolo 1 dann vom schwedischen Satellitenbetreiber Nordiska Satellitaktiebolaget übernommen, in Sirius I umbenannt und über 5° Ost (ab April 2000 als Sirius W über 13° West) stationiert. Marcopolo 2 war bereits 1992 an das norwegische Unternehmen Tele-​TV, eine Tochter der staatlichen Telefongesellschaft Televerket (heute Telenor) verkauft worden, das ihn über 0,8° West als Thor I betrieb (jetzt mit Abstrahlungen nach D2-​MAC Norm). Letztlich war das von der britischen Regierung geförderte BSB Projekt gescheitert. Die Gründe lagen ähnlich wie beim deutschen TV-​Sat. Auch Großbritannien hatte auf eine neue Fernsehnorm gesetzt, das hochwertige D-​MAC Format. Doch technische Probleme verzögerten den Programmstart und die kompatiblen Fernsehempfänger waren teuer und schlecht lieferbar. Der konkurrierende Programmanbieter Sky setzte dagegen auf die bewährte, wenn auch qualitativ unterlegene PAL Norm und den Astra 1A Satelliten. Sky entschied den Wettbewerb zu seinen Gunsten, als beide Unternehmen zur BSkyB fusionierten und wenig später die ehemaligen BSB Dienste eingestellt sowie die beiden Marcopolo Satelliten verkauft wurden. Sirius W stellte seinen Sendebetrieb im Mai 2003 ein und wurde auf einen „Friedhofsorbit“ befördert.