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Samstag,

07.04.1990

Der erste rein kommerzielle Start einer chinesischen Trägerrakete erfolgte am 07.04.1990 von Xichang. Eine CZ-3 Rakete beförderte im Auftrag der in Hongkong (damals noch britische Kronkolonie) ansässigen Asia Satellite Telecommunications Co. einen Satelliten des Typs Hughes HS-​376 auf eine geostationäre Bahn. Die Gesellschaft hatte den Satelliten „gebraucht“ erworben. Denn der spätere Asiasat 1 war 1984 unter dem Namen Westar 6 bereits im All gewesen. Wegen technischer Probleme strandete der Satellit jedoch auf einer niedrigen Umlaufbahn. Neun Monate später wurde er von der Besatzung der Raumfähre „Discovery“ geborgen und zur Erde zurückgebracht. Anschließend ging er durch mehrere Hände. Neuer Eigner wurde zunächst die texanische Teresat Inc., die auch bereits einen Startvertrag mit der China Great Wall Industry Corporation unterschrieb. Über weitere Zwischenstationen erwarb Asia Satellite Telecommunications den Satelliten, ein Konsortium aus China International Trust and Investment Corporation (China), Cable and Wireless (Großbritannien) und Hutchison Telecommunications Ltd. (Hongkong). Als Asiasat 1 wurde er schließlich für seinen neuen Besitzer erneut gestartet und über 105° Ost stationiert. Er diente jetzt der Ausstrahlung von Fernsehprogrammen und Datensignalen im asiatischen Raum. 24 C-​Band-​Transponder deckten mit einer nördlichen Sendekeule den Raum China, Taiwan, Hongkong, Japan und Korea sowie mit der südlichen Sendekeule Südostasien, Pakistan, Indien, Iran und Afghanistan ab. Nach fast zehn Jahren Einsatz, was der Nominallebensdauer entsprach, wurde Asiasat 1 am 19.08.1999 nochmal neu über 122° Ost positioniert. Damit deckten die Ausstrahlungen jetzt mehr den zentralchinesischen Raum sowie Südostasien bis Saudi Arabien ab. Nach knapp dreizehn Jahren wurde Asiasat 1 schließlich im Februar 2003 stillgelegt.
Für China bedeutete der Eintritt in das lukrative Geschäft mit Starts geostationärer Nutzlasten einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum Anbieter von Hochtechnologieprodukten. Internationalen Gepflogenheiten entsprechend hatte man den Start daher auch mit 120 Mio $ versichert. Doch die USA sahen den neuen Wettbewerber sehr kritisch, mußte man sich doch zeitgleich auch noch mit der Sowjetunion auseinandersetzen, die ebenfalls begonnen hatte, ihre Startdienstleistungen auf dem Weltmarkt anzubieten. Und die einstige eigene Vormachtstellung im Startgeschäft hatte man ohnehin bereits an die Europäer mit ihrer Ariane verloren. Zum Zeitpunkt des Starts von Asiasat 1 liefen daher bereits Untersuchungen des US Department of Transport gegen die CGWIC. Die hatte sich mit Arabsat 1C bereits einen weiteren Startauftrag gesichert. Allerdings zu Konditionen, die nur mit einer umfassenden verdeckten Subventionierung durch den chinesischen Staat erklärlich waren. Und das widersprach einem im Januar 1989 geschlossenen Abkommen, das China zwar neun kommerzielle Satellitenstarts innerhalb von sechs Jahren gestattete, gleichzeitig aber einen offenen und fairen Wettbewerb einforderte.