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Montag,

09.10.2000

Der erste Satellitenstart vom Pazifikatoll Kwajalein (Marshallinseln) fand am 09.10.2000 statt. Die L-​1011 „Stargazer“, Trägerflugzeug der Orbital Sciences Corporation, hob von Runway 06/24 des Bucholz Army Airfield (PKWA) auf der Insel Kwajalein im gleichnamigen Atoll ab und nahm Kurs auf das offene Meer. Hier wurde die geflügelte Pegasus-​H Rakete ausgeklinkt, deren Erststufentriebwerk in sicherer Entfernung zündete. Die Rakete beförderte ihre Nutzlast, den astronomischen Forschungssatelliten HETE 2, auf eine fast äquatoriale Bahn (1,95° Bahnneigung) in 595 bis 640 km Höhe. Diese Bahn war auch der Grund für die Wahl des äquatornahen Atolls als Startort gewesen. Der Satellit stand bereits Anfang Januar 2000 zum Start Ende des Monats bereit, als sich die NASA entschied, den Start auf Mitte Mai zu verschieben. ITAR Exportbeschränkungen hatten die Fertigstellung von zwei Bodenstationen für das Projekt in Cayenne (Französisch Guyana) und Singapur verzögert. Schließlich dauerte es noch einige Monate länger als erwartet bis zum Start. Unter dem Projektnamen HETE (High Energy Transient Explorer) verbarg sich ein vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) ausgearbeitetes Projekt zum Studium sogenannter gamma-​ray bursts (GRB). Erstmals war ein Satellit so ausgerüstet worden, daß er diese Phänomene in mehrern Spektralbereichen (UV-​, Röntgen– und Gammastrahlung) gleichzeitig untersuchen konnte. Dazu kam die hohe Ausrichtgenauigkeit des Satelliten, die eine präzise Lokalisierung der Ereignisse zuließ. Die Instrumentierung von HETE bestand aus einem Satz Weitwinkel Gammastrahlungs-​Spektrometer (6400 keV) — FREGATE (French Gamma Telescope), einem Weitwinkel Röntgenstrahlungs-​Monitor (225 keV) — WXM und Kameras für Beobachtungen im „weichen“ Röntgenstrahlungsbereich (0,510 keV) — SXC. Den unter starker internationaler Beteiligung ausgerüsteten ersten HETE Satelliten hatte man 1996 kurze Zeit nach dem Start aufgeben müssen, da er sich nicht von der letzten Raketenstufe der Pegasus-​XL Rakete gelöst hatte. Das Interesse der Wissenschaftler an den erhofften Forschungsergebnissen war jedoch ungebrochen. Daher konnte die Finanzierung für einen zweiten Satelliten aufgebracht werden und dieser HETE 2 unter Verwendung zahlreicher Baugruppen aus dem Testprogramm für den ersten HETE nachgebaut werden. Auch die Partner aus Frankreich, Japan und Italien beteiligten sich erneut. Der Satellit erfüllte die Erwartungen der Forscher in aller Welt. Vor allem aber übertraf er die Lebensdauererwartungen um ein Vielfaches. Konzipiert für eine 18– bis 24-​monatige Mission arbeitete der Satellit auch viele Jahre später noch zuverlässig. Anfang 2007 hatte sich allerdings seine Batteriekapazität soweit verringert, daß nur noch sporadische Beobachtungen möglich waren.