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Dienstag,

17.12.2002

Satellitenbetreiber New Skies Satellites gab im August 2000 bei Lockheed Martin einen A2100AXS Satelliten in ungewöhnlicher Konfiguration in Auftrag. Nicht nur der Direct-​to-​Home Markt sollte mit NSS 6 adressiert werden, sondern auch die zunehmende Nachfrage nach Hochgeschwindigkeits-​Internet und Videoübertragungen adressiert. Und dies in einer Region, die vom Mittelmeer bis nach Japan reichte und dabei ganz Asien, Australien, Südafrika und den Mittleren Osten einschloß. Die Kommunikationsnutzlast umfaßte die ungewöhnlich hohe Zahl von 50, nach ander Zählung sogar 60(!) Ku-​Band-​Transpondern. 15 der Transponder konnten flexibel einer der 6 Sendekeulen (Indien, China, Mittlerer Osten — einschließlich Zypern und Südafrika, Australien, Südostasien und Nordostasien) zugeordnet werden. Allein 50% der Kapazitäten waren für Indien vorgesehen. Der Uplink wurde im Ka-​Band realisiert, was in Verbindung mit hoher Sendeleistung den Einsatz kleiner Antennen bei den Bodenstationen zuließ. Der Vertrag zum Start des Satelliten wurde mit Arianespace geschlossen. Nur eine Woche nach dem Desaster mit der neuen Ariane-​5ECA Rakete hob in Kourou am 17.12.2002 von der benachbarten ELA-​2 Startrampe die vorletzte Ariane 4 Rakete, eine Ariane-​44L H10-​III, ab. Diese blieb ihrem ausgezeichneten Ruf treu und setzte NSS 6 mit hoher Präzision auf der vorgesehenen Transferbahn aus. Anfang 2003 nahm der Satellit seinen Sendebetrieb auf der Position 95° Ost auf. Nach etwa zwei Dritteln der Auslegungsbetriebsdauer machten sich bei dem Satelliten allerdings Leistungseinbußen bei den Solarzellen bemerkbar, die zur Abschaltung von fünf Transpondern zwangen. Dennoch blieb der Satellit bis zum Mai 2019 auf seiner Position, als die Ablösung durch den im Juni 2018 gestarteten SES 12 vollzogen wurde. NSS 6 wechselte daraufhin bis zum März 2020 auf einen Position über 86,8° West und erreichte im Mai 2020 169,5° West. Seit Dezember 2020 korrigierte man den Anstieg der Inklination nicht mehr.