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Samstag,

06.12.2014

Den immerhin sechsten erfolgreichen Start einer Ariane 5 innerhalb des Jahres 2014 konnte der Startanbieter Arianespace am 06.12.2014 feiern. Für das Unternehmen war das Jahr sehr turbulent verlaufen. Der als Underdog gestartete neue Konkurrent SpaceX hatte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber entwickelt. Die vergleichsweise hochpreisige Ariane 5 fand sich in einer zunehmend unangenehmen Situation wieder. Mit einer Nutzlastkapazität weit über der der Falcon 9 v1.1 von SpaceX erwies es sich zunehmend als kompliziert, zwei geeignete Satelliten als Paar für einen Doppelstart zusammenzustellen. Gerade die Doppelstartfähigkeit war über Jahrzehnte das Markenzeichen der Ariane gewesen. Doch nun waren die typischen Startmassen soweit gewachsen, daß die Ariane-​5ECA keine zwei Satelliten der schweren Klasse mehr transportieren konnte. Von den passenden kleineren Kommunikationssatelliten warteten vergleichsweise wenige auf einen Start. Und um diese konkurrierten auch noch viele Trägersysteme. Darunter jetzt auch die Falcon 9. Nachdem die Entwicklung der leistungsfähigeren Ariane-​5ME (Ariane-​5ECB) aber fast zwei Jahrzehnte verschleppt worden war, sah sich die ESA als Financier der Ariane Entwicklung 2014 zum Handeln gezwungen. Statt auf die Ariane 5 Weiterentwicklung setzte man aber auf einen kleineren Träger, die Ariane 6. Dessen Nutzlastkapazität wurde für den Single-​Start von geostationären Satelliten optimiert, mit der Option von Dual-​Starts bei Einsatz von mehr Boostern.
Die Mission VA221 sollte die beiden Kommunikationssatelliten DirecTV 14 und GSat 16 auf geostationäre Transferbahnen befördern. Möglich geworden war der Start dadurch, daß die indische Raumfahrtorganisation ISRO ihren Satelliten in Rekordzeit flugqualifiziert hatte. Seit geraumer Zeit konnte Indien den Bedarf an Transpondern für die nationale und regionale Kommunikation nicht mehr aus eigener Kraft abdecken. Ursächlich waren Fehlkalkulationen, der Ausfall von Satelliten und eine Serie von Fehlstarts. Gezwungenermaßen buchte die ISRO daher eine Reihe von Starts bei Arianespace. Als man dort einen Partner für den schwergewichtigen DirecTV 14 suchte, waren beide Parteien froh, GSat 16 verfügbar zu haben. Die ISRO schloß die letzten Tests mit dem Satelliten ein halbes Jahr vorfristig ab und Arianespace konnte DirecTV wie auch der ISRO einen baldigen Start in Aussicht stellen. Nach einer Startverschiebung um einen Tag aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen bestätigte die Ariane-​5ECA am 06.12.2014 dann erneut ihren Ruf als zuverlässige und hochpräzise Trägerrakete
Obwohl GSat 16 mit seinen knapp 3.200 kg zu den kleineren Satelliten zählte, trug der I-​3K Bus für diese Mission 48 Transponder — 12 für das Ku-​Band, 24 für das C-​Band und 12 für das erweiterte C-​Band. Eine Serie von Triebwerkszündungen brachte den Satelliten aus der Transferbahn auf einen geostationären Orbit, wo er über 55° Ost stationiert wurde. Für die nächsten zwölf Jahre sollte er von dort aus den Indischen Subkontinent und die vorgelagerten Inseln im Indischen Ozean, darunter die Andamanen und Nikobaren, mit Kommunikationsdienstleistungen versorgen.
DirecTV 14 basierte hingegen auf dem SSL-​1300 Bus von Space Systems/​Loral. Er verfügte — je nach Zählweise — über 76 Ka-​Band Spot-​Beam Transponder und 18 Reverse-​Band Transponder bzw. 16 Ka-​Band Transponder und 18 Reverse-​Band Transponder mit nationaler Abdeckung der USA. Er wurde über 99° West positioniert und sollte von dort aus mindestens 15 Jahre lang direktempfangbare Fernsehprogramme abstrahlen. DirecTV 14 zählte zu den weltweit ersten Satelliten, die für Sendungen nach dem 4K Ultra HD Standard ausgelegt waren.