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Freitag,

19.12.2014

Der Start einer Strela 14A036 Rakete am 19.12.2014 aus einem Silo des Kosmodroms Baikonur warf viele Fragen auf, die unbeantwortet bleiben sollten. Viele Jahre war es um das von NPO Maschinostroenija betriebene Strela Raketenprojekt ruhig geblieben. Wie die international vermarktete Rockot-​KM basierte auch diese Rakete auf der UR-​100N UTTCh Interkon­ti­nen­tal­rakete, kam allerdings mit minimalen Änderungen aus. Obwohl sehr kostengünstig angeboten, blieb selbst das Interesse des russischen Militärs sehr verhalten. Sehr wohl eignete sich die Rakete aber zum Start der ebenfalls von NPO Maschinostroenija entwickelten „Kondor“ Erderkundungssatelliten. Deren erste Exemplare wurden mit einem leistungsfähigen Seitensichtradar ausgerüstet, das über eine große, zu einer Gitterstruktur entfaltbare, SAR Antenne verfügte. Diese komplexe Struktur erlaubte es, den kleinen Satelliten in dem beschränkten Volumen des Strela Kopfblocks unterzubringen. Nach einem ersten Start im Sommer 2013 für das russische Militär gab NPO Maschinostroenija bekannt, daß man einen ausländischen Kunden für eine zivile Variante des Satelliten gefunden hatte. Worin sich die „Exportausführung“ des Satelliten vom heimischen Modell unterschied, wurde nicht dargelegt, ebensowenig der Name des Kunden. Spekuliert wurde auch darüber, warum sich der für Ende 2013 angekündigte Start um ein ganzes Jahr verzögerte. Ende 2014 mehrten sich aber Berichte, wonach Südafrika den Satelliten für das Geheimprojekt „Flute“ beschafft hatte. Die südafrikanische Regierung weigerte sich hartnäckig, Details des Programms offenzulegen. Obwohl die Presse u.a. über Unstimmigkeiten beim Budget des Projekts berichtet hatte. Zweifelhaft war auch, welchen Nutzen eine Allwetter-​Radar-​Erdbeobachtungskapazität mit einer Auflösung von bestenfalls 1 bis 2 m für Südafrika haben sollte. Mögliche Nutzer waren das Militär, das seit einiger Zeit im Antiterroreinsatz in anderen afrikanischen Staaten stand. Oder die Küstenwache, die die Küstengewässer vor Raubfischern schützen sollte. Eine vernünftige zivile Nutzung war jedenfalls nicht erkennbar, zumindest nicht in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten des Projekts. Doch ohnehin gab es nicht mal eine offizielle Bestätigung dafür, daß Südafrika überhaupt in das Kondor-​E 1 Projekt involviert war. Roskosmos und NPO Maschinostroenija bestätigten zwar den (erstaunlich präzisen) Einschuß des Satelliten auf eine 500 km Kreisbahn, nannten aber weder eine offizielle Bezeichnung des Satelliten noch den zukünftigen Betreiber.
Anfang Mai 2015 berichtete die russische Presse darüber, daß der inzwischen an seinen Betreiber übergebene Satellit um den 12. April herum außer Kontrolle geraten war. Praktisch zeitgleich mit dem von RKK Energija für Ägypten gebauten Erderkundungssatelliten EgyptSat 2. Wie bei diesem spekulierte man darüber, daß ein geomagnetischer Sturm elektronische Komponenten des Satelliten beschädigt haben könnte. NPO Maschinostroenija bestätigte zwar „gewisse Schwierigkeiten“ mit dem Satelliten, versprach aber eine Wiederherstellung der Betriebsbereitschaft bis Ende Mai 2015. Das blieb aber wohl Wunschdenken.