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Sonntag,

07.02.2016

Start der Unha 3 mit Kwangmyŏngsŏng 4

Nordkorea provozierte am 07.02.2016 die Weltgemeinschaft erneut mit dem Start einer zum Satellitenträger umgerüsteten Interkontinentalrakete. Nur einen Monat zuvor hatte das international isolierte Land einen Atomwaffentest unternommen, was ein Verstoß gegen Abkommen bzw. Auflagen war. Während im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen noch Gespräche über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea liefen, startete das Militär des Landes nun also eine Unha-​3 Interkontinentalrakete. Aufklärungs– und Erderkundungssatelliten hatten bereits seit einigen Wochen die Aktivitäten auf der Raketenbasis Sohae verfolgt, so daß der Start nicht unerwartet kam. Vor dem Hintergrund des jüngsten Atomwaffentests und der nordkoreanischen Behauptung, nun über miniaturisierte Atomsprengköpfe für seine Raketen zu verfügen, sorgten die Testvorbereitungen aber natürlich schon vor dem Start für heftige Proteste der Nachbarstaaten und der USA. Selbst China warnte vor einer unnötigen Zuspitzung der Situation. Als die Rakete schließlich abhob, Nordkorea hatte ordnungsgemäß Flugverbotszonen für den Startzeitraum ausgewiesen, befand sich das Militär in Südkorea und Japan, einschließlich der dort stationierten US Truppen in Alarmbereitschaft. Insbesondere Japan drohte mit dem Abschuß der Rakete. Doch Nordkorea hatte tatsächlich einen Satelliten gestartet. Dessen offizielle Zweckbestimmung wurde mit Erderkundungsaufgaben angegeben. Tatsächlich bewegte sich Kwangmyŏngsŏng 4 auf einer dafür gut geeigneten sonnensynchronen Bahn in etwa 500 km Höhe. Diese entsprach zwar nicht ganz den Kriterien für einen echten sonnensynchronen Orbit und ebensowenig den von der nordkoreanischen Presseagentur KCNA gemeldeten Werten, doch war man nahe daran. Anfangs schien der Satellit jedoch heftig zu taumeln, was Amateurbeobachtungen bestätigten. Auch konnten im Ausland keine Signale empfangen werden. Doch dann stabilisierte sich der Satellit offenbar, russische Medien berichteten sogar davon, daß Kwangmyŏngsŏng 4 seinen Betrieb aufgenommen habe. Da aber weiterhin keine Signale aufgefangen werden konnten (auch nicht von den angeblich abgestrahlten patriotischen Liedern) und Nordkorea auch keine Erdaufnahmen publizierte, sprach einiges für weiter anhaltende Probleme mit dem Satelliten. Auch wenn der „Oberste Führer“ Nordkoreas, Kim Jong-​un, demonstrativ Militärs und Ingenieure auszeichnete, die an dem jüngsten großartigen Erfolg des Landes beteiligt gewesen waren.