Information
Freitag,

04.03.2016

Start von SES 9

SES 9 bereit zur Auslieferung

Nutzlast beim Start einer Falcon 9 v1.2 am 04.03.2016 von Cape Canaveral war der SES 9 Kommunikationssatellit, den SES World Skies bei Boeing auf Basis der BSS-​702HP Plattform hatte bauen lassen. Obwohl der Start, wie andere auch, unter den ständigen Startverschiebungen bei SpaceX zu leiden hatte, setzte man im SES Konzern weiter auf den preislich extrem attraktiven Startdienstleister. Das beiderseitige Vertrauen war groß und auch beim SES 8 Start hatte sich das für die SES im Wortsinne „ausgezahlt“, wohl u.a. in Form von Sonderkonditionen. Die Verzögerungen beim SES 9 Start drohten allerdings Anfang 2016 erhebliche Konsequenzen für das Geschäft des Konzerns nach sich zu ziehen. Denn der Satellit war fest für die Übertragungen der Spiele der Fußball-​EM in Frankreich eingeplant. Nach dem Start der ersten Falcon 9 v1.2 im Dezember 2015 ergab sich dann die Notwendigkeit, die Prozesse bei der Startvorbereitung zu überarbeiten. Zudem drangen Nachrichten über ein neu entdecktes grundlegendes Problem im Design der Rakete an die Öffentlichkeit. Jedenfalls gab es Anfang 2016 einen mehrwöchigen Startaufschub. Unter normalen Umständen hätte SES 9 damit nicht mehr rechtzeitig auf Sendung gehen können. Es sei denn, er würde nach dem Start auf einen supersynchronen Orbit gebracht, so daß er schneller auf eine geostationäre Bahn manövrieren konnte. Der über 5.300 kg schwere Satellit forderte dafür aber die maximale Leistung der Trägerrakete, was die Reserven für die eigentlich geplante Landung der Erststufe auf ein eigentlich nicht mehr tragbares Level reduzierte. Die geänderte Aufstiegsbahn der Rakete bedeutete zudem, daß die Seeplattform über 600 km vor der Küste Floridas in Position gehen mußte. Nach dem üblichen heißen Triebwerkstest der, abgesehen von der Nutzlast, kompletten Rakete am 22.02.2016 war der Start für den 24.02.2016 geplant. Doch die Landeplattform OCISLY (Of Course I Still Love You) wartete an diesem Tag vergeblich auf die einfliegende Stufe. Noch vor der Betankung mit dem superkalten Treibstoff wurde der Countdown abgebrochen. Einen neuen Versuch unternahm SpaceX am Reservetermin, dem 26.02.2016. Doch bei T-1:41 min kam das Kommando zum Abbruch des Countdowns. Wieder waren Probleme beim Betanken aufgetreten. Um das Maximum an Tankvolumen nutzen zu können und damit auch die höchstmögliche Leistung, mußte die Rakete bis T-​3 min nachgetankt werden, wobei auch nicht zu früh mit dem Vorgang begonnen werden durfte. Schon kleinste Probleme erzwangen unter diesen Umständen einen Abbruch. Doch beim nächsten Startversuch am 28.02.2016 führten andere Ursachen zum Abbruch. Diesmal war ein Schiff in die vor der Küste von Cape Canaveral ausgewiesene Verbotszone eingedrungen. Nach einer längeren Unterbrechung wurde der Countdown schließlich kurz nach Mitternacht des 29.02.2016 (Weltzeit) wieder aufgenommen und lief endlich durch. Doch im Augenblick der Zündung gab der Computer das Kommando zum Startabbruch. Trotz eines kleinen Feuers im Triebwerksbereich hoffte SpaceX noch auf einen erfolgreichen Start innerhalb des aktuellen Startfensters. Schließlich mußte man die Hoffnung aber doch aufgeben. Die Analyse der Umstände, unter denen der Computer die Zündsequenz der Triebwerke unterbrochen hatte, ergab, daß sich während des außerplanmäßigen Holds der Sauerstoff soweit erwärmt hatte, daß sich in dem Tank eine Helumblase gebildet hatte, die eine saubere Triebwerkszündung verhindert hätte. Am 01.03.2016 wurde der Countdown erst gar nicht wieder aufgenommen, weil kein Abflauen der zu starken Höhenwinde zu erwarten war. Als nächstmöglichen Termin setzte man den 04.03.2016 fest. Und diesmal gelang der Start. SES 9 war wenig später problemlos auf dem vorgesehenen supersynchronen Transferorbit ausgesetzt. Und obwohl SpaceX Gründer Elon Musk die Chance auf eine erfolgreiche Landung der Erststufe als minimal bezeichnet hatte, unternahm man doch den Versuch einer Landung auf hoher See. Die außergewöhnliche Bahn und die geringen Treibstoffreserven führten zu einem verwegenen Anflugmanöver. Die Stufe kehrte zu einem erheblichen Teil auf einer ballistischen Bahn zurück. Erst unmittelbar über der Barge sollte das Bremsmanöver eingeleitet werden, unter den gegebenen Umständen allerdings erstmals unter Zündung von drei statt einem Triebwerk. Tatsächlich „traf“ man auch diesmal wieder die Landeplattform, allerdings mit zu hoher Geschwindigkeit und am Rand derselben. Es gab einige Schäden an OCISLY, auch das Deck wurde in einem Bereich durchschlagen. Trotz des mißglückten Landeversuchs verbuchte SpaceX wohl auch dieses riskante Experiment als Erkenntnisgewinn.
Während in Port Canaveral die Reparaturarbeiten an OCISLY liefen und die Trümmer der Raketenstufe zur Inspektion abtransportiert wurden, unternahm SES 9 eine Serie von Bahnmanövern, die ihn allmählich auf einen geostationären Orbit manövrieren sollten. Ziel war eine geostationäre Position über 108,2° Ost von der aus er — ko-​positioniert mit SES 7 — mit seinen 57 (nach anderer Zählung 81) Ku-​Band Transpondern Nordostasien, Südasien und Indonesien bedienen konnte.