Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

481454
Statistik erstellt: 2018-05-24T07:48:54+02:00

November 2017.

5November

Start der CZ-3B/Y1 mit BD-3 M1 und BD-3 M2

Zwei Satelliten für die chinesische Beidou 3 Konstellation von Navigationssatelliten hatte eine CZ-​3B mit YZ1 Manövrierstufe an Bord, die am 05.11.2017 von Xichang abhob. Bereits im Juli 2015 hatte diese Raketenkombination zwei als experimentell bezeichnete Beidou 3M (BD-​3 M1-​S und BD-​3 M2-​S) auf Kreisbahnen in rund 21.500 km Höhe befördert. Nun ging man offenbar den Aufbau einer neuen Konstellation mit dem Serienmodell der Satelliten an. Tatsächlich waren für 2017 eine Reihe von Beidou Starts geplant gewesen. Doch diverse Fehlstarts und Anomalien hatten auch diese Pläne betroffen. Zuletzt hatte im Juni 2017 eine andere Version der CZ-​3B ihre Nutzlast auf einem viel zu niedrigen Orbit ausgesetzt, was auch diesem Raketenmodell ein vorläufiges Startverbot einbrachte. Der Start von BD-​3 M1 und BD-​3 M2 (Beidou 24 bzw. Beidou 25) markierte somit auch die Wiederaufnahme der Flüge. Und er gelang fehlerfrei. Beide Satelliten erreichten die geplanten Bahnen, bevor die YZ1 (Yuan Zheng) Bugsierstufe auf einen höheren „Friedhofsorbit“ manövrierte.
8November

Start der Vega VV11 mit Mohammed IV-A

Im Gegensatz zu anderen aufstrebenden Nationen, die im Besitz eines eigenen (bevorzugt Aufklärungs-​) Satelliten die Krönung ihrer Anstrengungen um internationale Anerkennung sahen, deckte Marokko über die Tatsache, daß man im Jahr 2013 bei EADS Astrium und Thales Alenia die Lieferung zweier hochauflösender Aufklärungssatelliten im Wert von 500 Mio. € in Auftrag gegeben hatte, den Mantel des Schweigens. Gebaut wurden diese auf Basis der AstroSat-​1000 Plattform und ähnelte damit z.B. den französischen Pléiades-​HR. Genaue technische Daten wurden angesichts des geplanten Einsatzzwecks nicht veröffentlicht. Vermutlich erreichte die Auflösung der Optik aber Werte um 0,70 m. Damit zählte Marokko zwar nicht zu den nordafrikanischen Pionieren auf dem Gebiet der satellitengestützten Erderkundung/​Aufklärung, stieg aber unmittelbar zum Betreiber der leistungsfähigsten Satelliten in der Region auf. Formell hatte wohl das Centre Royal de Télédétection Spatiale (CRTS), das 2001 bereits mit Maroc-​TUBSAT erste Erfahrungen gesammelt hatte, die Verantwortung für den Betrieb der Satelliten, deren erster am 08.11.2017 von Kourou gestartet wurde. Selbst als Arianespace den Start eines marokkanischen Satelliten auf einer Vega Rakete ankündigte, war dessen Name noch unbekannt. Lediglich eine interne Bezeichnung, MN35-​13A, sickerte durch. Kurz vor dem Start erhielt der Satellit dann auch einen offiziellen Namen — Mohammed VI-​A — nach dem seit 1999 regierenden König.
12November

die Antares-230 mit Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ auf der Startrampe

Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ am Manipulatorarm der ISS

Saffire-II

Erst zum zweiten Mal startete am 12.11.2017 ein „Cygnus“ Frachtraumschiff mit einer Antares-​230 Trägerrakete vom Mid Atlantic Regional Spaceport (MARS) auf Wallops Island. Ursprünglich hatte die Orbital Sciences Corporation (OSC), später Orbital ATK, auf die Antares-​120 als Träger gesetzt, in deren Erststufe zwei AJ26-​62 Triebwerke verbaut waren, von Aerojet General in den USA aufgearbeitete jahrzehntealte Kusnezow NK-​33 Triebwerke aus dem abgebrochenen bemannten sowjetischen Mondlandeprogramm. Nach einem Fehlstart und zunehmenden Zweifeln an der Zuverlässigkeit der Triebwerke hatte man auf die Atlas V Mod. 401 ausweichen müssen, bis mit der Antares-​230 eine remotorisierte Version der eigenen Trägerrakete verfügbar war. Auch nach deren erfolgreichen Erstflug im Oktober 2016 endete die Zusammenarbeit mit der ULA (United Launch Alliance) nicht. Vielmehr flog Orbital ATK seine nächsten beiden Versorgungsmissionen zur ISS wieder auf der Atlas V. Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ war nun also die zweite Mission auf der Antares-​230 mit ihren ebenfalls russischen RD-​181 Triebwerken. Ein erster Countdown für die Mission mußte am 11.11.2017 abgebrochen werden, als ein Flugzeug in die Flugverbotszone vor der Küste Virginias eindrang. Am nächsten Tag hätten Boote beinahe wieder den Start vehindert, doch konnte zum Ende des verlängerten Startfensters doch noch die Freigabe erfolgen. Die weitere Mission verlief planmäßig. Am 14.11.2017 um 10:04 UTC „hing“ die Cygnus mit der bis dahin schwersten Ladung eines derartigen Raumschiffs am Manipulatorarm der Station und um 12:15 UTC war das Berthing am „Unity“ Modul vollzogen. Neben den typischen Nachschubgütern hatte das Raumschiff diesmal zwei CubeSats, EcAMSat und TechEdSat 6, im Frachtraum. Dazu kamen einige wissenschaftliche Experimente, aber auch Süßigkeiten, Eis und Zutaten für frische Pizza! Außenbords waren an der Cygnus in einem NanoRacks External Cygnus Deployer vierzehn weitere CubeSats verstaut, die nach dem Unberthing auf einer über der der ISS liegenden Bahn ausgestoßen werden sollten. Namentlich handelte es sich dabei um ISARA, PROPCUBE-​Fauna, acht Lemur 2, Aerocube 7B und Aerocube 7C, Asgardia 1 und CHEFSat. Während des Aufenthalts an der ISS wurde diesmal die Cygnus auf ihre Eignung als Erweiterung (Modul) für die ISS untersucht, auch wenn das PCM Frachtmodul ja schon eine lange Tradition im Raumstationsprogramm hatte.
Bereits am 20.11.2017 wurde der erste der neu angelieferten CubeSats, EcAMSat, unter Einsatz des NanoRacks CubeSat Deployer in den Weltraum entlassen. Das NASA Ames Research Center führte seine Serie biologischer Forschungsmissionen auf CubeSats mit dem 6U Modell E. coli AntiMicrobial Satellite fort. In Zusammenarbeit mit der Stanford University School of Medicine sollten auf dem Satelliten Forschungen unternommen werden, ob und inwieweit kosmische Bedingungen die Reaktion von E. coli Bakterien auf Antibiotika veränderten. Die Studien waren Teil langfristiger Bemühungen, Risiken bei Langzeitraumflügen (insbesondere jenseits des Erdorbits) zu erkennen und zu minimieren. Am 21.11.2017 folgte auch TechEdSat 6. Das NASA Ames Research Center, die San Jose State University (SJSU) und die University of Idaho führten mit dem Satelliten die bis dahin schon sehr erfolgreichen Experimente zur Erprobung einer „Exo-​Brake“ Struktur fort, die einen schnellen und kontrollierten Wiederintritt von CubeSats in die Atmosphäre erlaubte. Fehlertolerantere Systeme und eine bessere Anpassung an die Normmaße der NRCSD Startvorrichtung kennzeichneten den neuesten Satelliten.
Das Unberthing des Frachters erfolgte offiziell am 05.12.2017 um 17:52 UTC. Und am 06.12.2017 um 13:11 UTC entließ der Canadarm2 der ISS die Cygnus wieder in den Freiflug. Aus einem Sicherheitsabstand manövrierte das mit etwa 1.120 kg Abfällen beladene Frachtraumschiff zunächst aber auf eine Bahn etwa 50 km oberhalb der der ISS. Dort war das Ausstoßen der vierzehn CubeSats aus der ENRCSD Vorrichtung geplant. In drei „Salven“ wurden die Satelliten zwischen dem 06.12.2017 19:24 UTC und dem 07.12.2017 02:00 UTC freigesetzt. Die beiden Optical Communication and Sensor Demonstration (OCSD) Satelliten (Aerocube 7B und Aerocube 7C) von The Aerospace Corporation sollten nach einer Pfadfinder Mission im Herbst 2015 im Rahmen einer komplexeren Demonstration eine Reihe innovativer technischer Lösungen erproben. Namensgebend waren die Versuche zur optischen Kommunikation mit der Bodenstation, wobei gegenüber dem Prototypen die Datenrate von 5 bis 50 Mbps auf über 600 Mbps gesteigert werden sollte. Ferner waren „proximity operations“ geplant, also aufeinander abgestimmte Manöver der beiden 1.5U CubeSats im Nahbereich. Relevant hierfür waren Versuche zur Bahnkontrolle durch Variation des Luftwiderstands und, für die Feinpositionierung, mit neuartigen Wasserdampf-​Mikrotriebwerken. Auch an der ISARA (Integrated Solar Array and Reflectarray Antenna) Mission des Jet Propulsion Laboratory war The Aerospace Corporation beteiligt, und zwar mit dem Cubesat Multispectral Observation System (CUMULOS) zur Erderkundung. Primär sollte mit dem Satelliten aber die Idee verwirklicht werden, die bisher ungenutzte Rückseite eines Solarzellenpaneels in eine Ka-​Band Antenne zu verwandeln. Die erhoffte Datenrate lag hier bei ebenfalls beachtlichen 100 Mbps. Nur wenige Informationen veröffentliche das US Naval Research Laboratory zu seinem CHEFsat (Cost-​effective High E-​Frequency Satellite) getauften 3U CubeSat. Demnach sollte er der Erprobung handelsüblicher Amateurfunksysteme unter kosmischen Bedingungen dienen. Mit ihrem PropCube 2 „Fauna“ setzten Studenten der Naval Postgraduate School (NPS) ihr Experiment zur Erforschung von Zonen künstlicher Ionisation und von Irregularitäten in der Ionosphäre fort, welches sie 2015 mit PropCube 1 „Flora“ und PropCube 3 „Merryweather“ begonnen hatten. Die zu untersuchenden Phänomene konnten von Hochfrequenz-​Sendern wie beispielsweise dem HAARP (High Frequency Active Auroral Research Program), dem Radioteleskop Arecibo oder dem russischen Sura Forschungskomplex erzeugt werden. Mit einem dritten Satelliten auf einer Bahn anderer Inklination wurden die Studien nun ausgeweitet. Eine ungewöhnliche Mission verfolgte Asgardia Space mit ihrem Asgardia 1 CubeSat. Das selbsterklärte Weltraumkönigreich „Asgardia“, das allen Bewohnern dieses Planeten eine eigene Staatsbürgerschaft und die Teilnahme am Projekt der Kolonisierung des Weltraums bot, begann die Eroberung des Alls mit einem kleinen Schritt. An Bord eines 2U CubeSats befand sich eine 512 GB SSD (Solid State Disk) mit Test– und Multimedia-​Botschaften von Asgardia Bürgern. Nun sollte unter kosmischen Bedingungen die Beständigkeit dieser Datenspeicherung verifiziert werden. Im Laufe der Mission ließen sich auch neue Daten über einen Globalstar-​Uplink nachladen. Zwei Strahlungsdetektoren lieferten ergänzende Meßwerte. Weitaus konventioneller war die Mission der acht Lemur 2 Satelliten des US Unternehmens Spire. Dieses verfolgte den weiteren Ausbau seiner Konstellation aus 3U CubeSats. Diese waren mit der STRATOS GPS Radio-​Okkultationsnutzlast zur Atmosphärensondierung und dem SENSE AIS Empfänger zur Verfolgung von hochseegehenden Schiffen bestückt. Deren Daten wurden kommerziell angeboten.
Nach dem Ausstoß der Satelliten wurde am 21.11.2017 im Frachtraum der Cygnus noch das Saffire II Experiment unternommen. Dabei ging es darum, in einem Spezialcontainer verschiedene Materialproben zu entzünden und das Brandverhalten mit Kameras zu dokumentieren. Es schloß sich noch eine ausgedehnte Freiflugphase an, der gezielte Wiedereintritt in die Atmosphäre über dem Pazifik war erst für den 18.12.2017 geplant. An diesem Tag um 12:54 UTC verglühte das Raumschiff planmäßig in der Atmosphäre.
14November

Montage der Nutzlastverkleidung auf der CZ-4C Y21

Nach einer Serie von enttäuschenden Fehlschlägen kehrten im Spätherbst 2017 die diversen mit Startverboten belegten chinesischen Trägerraketen wieder in den Einsatz zurück. Das betraf auch die CZ-​4C, die am 31.08.2016 von einem Fehlstart betroffen worden war. Am 14.11.2017 beförderte sie vom Raumfahrtzentrum Taiyuan den meteorologischen Satelliten Feng Yun 3D auf einen sonnensynchronen Orbit in rund 800 km Höhe. Die 3-​Achsen-​stabilisierten Satelliten der FY-​3 Serie waren äußerst umfangreich instrumentiert und lieferten neben meteorologischen Daten auch ergänzende Informationen etwa zum Ozongehalt oder der Strahlungsbilanz. Auch international waren diese Informationen hochgeschätzt. Doch da die beiden ersten Exemplare der Reihe noch als experimentell klassifiziert waren und auch nicht über die komplette Sensornutzlast verfügten, während FY-​3C unter technischen Problemen litt, war FY-​3D dringend erwartet worden. Doch sein Start hatte sich aus verschiedenen Gründen von 2015 auf Ende 2017 verzögert.
Gemeinsam mit dem über zwei Tonnen schweren Wettersatelliten erreichte erstmals im Rahmen des FY-​3 Programms noch eine sekundäre Nutzlast ihre Bahn. HEAD 1 alias Hede 1 war von der Shanghai Academy of Spaceflight Technology (SAST) im Auftrag des chinesischen Unternehmens HEAD Aerospace gebaut worden, das den Aufbau einer „Skywalker“ genannten Konstellation von Satelliten plante. Diese sollten verschiedene kommerzielle Nutzlasten tragen können, wobei der Einstieg mit einer neuen Klasse von AIS Empfängern eines europäischen Herstellers erfolgen sollte.
Wissenschaftler der Fudan University aus Shanghai hatten zudem die letzte Stufe der CZ-​4C für ein neuartiges Experiment genutzt. Ziel war es, ausgebrannte Raketenstufen in kostengünstige Trägerplattformen beispielsweise für wissenschaftliche Experimente oder Kommunikationsversuche zu verwandeln. Dazu sollten 30 g Chips an den Stufen die Basis für ein besonderes Internet of Things bilden. Das Gesamtsystem trug den Namen „Xinyun“ (dt. svw. „Wolke aus Chips“).
18November

die Delta 7920 mit JPSS 1 Satelliten

JPSS 1 in der Nutzlastverkleidung

Das Auslaufen des GPS-​2RM Startkontrakts im Spätsommer 2009 entzog dem äußerst erfolgreichen Delta II Programm die entscheidende wirtschaftliche Grundlage. Die nächsten Generationen der GPS Satelliten waren zu schwer für die Delta II, Starts von anderen großen Konstellationen nicht in Sicht. Gelegentliche Starts anderer Nutzlasten im leichten bis mittelschweren Nutzlastsegment rechtfertigten hingegen nicht die Aufrechterhaltung der Infrastruktur für die Delta II. Und so wurde die Einstellung des Programms beschlossen. Allerdings wurde schon bald deutlich, daß es für viele Nutzlasten keinen brauchbaren alternativen Träger gab. Die NASA griff bei den letzten, nicht fertig montierten, Delta II Exemplaren zu. Ein Startkomplex auf der Vandenberg AFB wurde vorläufig noch instand gehalten. Trotz der damit verbundenen Grundkosten war das Angebot der ULA für die letzten Starts immer noch interessanter als die Option, auf Delta IV oder Atlas V zu starten. Die Taurus hatte sich durch mehrere ungeklärte Fehlstarts diskreditiert und die Falcon 9 lag hinter dem Zeitplan zurück und bedurfte noch der NASA und USAF Zertifizierung. Und so buchte die NASA zunächst den NPP (NPOESS Preparatory Project) Satelliten, den späteren Suomi NPP, auf einer Delta 7920. Nach der Einstellung des National Polar-​orbiting Operational Environmental Satellite System (NPOESS), für das NPP ursprünglich als Test dienen sollte, wandelte sich das zweite Flugexemplar von einem experimentellen zu einem operativen meteorologischen Satelliten. Vor allem wurden Maßnahmen zur Verlängerung der aktiven Lebensdauer von fünf auf sieben Jahre ergriffen. Zudem rüstete man bei JPSS 1 (Joint Polar Satellite System) einen Ka-​Band Downlink nach. Die Sensor-​Ausrüstung umfaßte hingegen wieder die Visible/​Infrared Imager Radiometer Suite (VIIRS), den Cross-​track Infrared Sounder (CrIS), den Advanced Technology Microwave Sounder (ATMS), die Ozone Mapping and Profiler Suite (OMPS) — Nadir und das Clouds and the Earth Radiant Energy System (CERES). Vorausgesetzt es kam zu keinen verfrühten Ausfällen der Satelliten, konnte die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) noch für einige Jahre die Kontinuität der Gewinnung meteorologischer und klimatischer Informationen mittels eigener Satelliten sicherstellen. Denn die gutgemeinten Versuche, die militärischen und zivilen meteorologischen Satellitenprogramme zusammenzuführen, hatten in einem Desaster geendet, welches drohte, beide Seiten ohne geeignete Satelliten zu lassen. Zudem wurden Forderungen immer lauter, daß der meteorologische Dienst zukünftig seine Daten nur noch von kommerziellen Anbietern „einkaufen“ sollte. Am 18.11.2017 hob aber erst einmal die Delta 7920 mit dem JPSS 1 Satelliten von der VAFB in Kalifornien ab. Ursprünglich war der Start im November des Vorjahres geplant gewesen und die Montage der Stufen im MST (Mobile Service Tower) begonnen worden. Doch dann kamen Zweifel an einigen Systemen des Satelliten wie auch an der Boden-​Infrastruktur auf. Das ATMS Instrument ging für Nacharbeiten sogar zurück zum Hersteller Northrop Grumman Electronic Systems. Erst mit einem vollen Jahr Verspätung konnten die Startvorbereitungen wieder aufgenommen werden. Kleinere Verspätungen, so wegen des notwendigen Austauschs einer defekten Batterie in der Delta, summierten sich zwar auf eine ganze Woche, waren letztlich aber doch unbedeutend. Nachdem JPSS 1 seinen sonnensynchronen Orbit erreicht und die Funktionstests bestanden hatte, übernahm ihn die NOAA als NOAA 20 in ihre Flotte. Trotz der im Vergleich zum Vorgänger höheren Startmasse erhielten auch diesmal fünf CubeSats eine Mitfluggelegenheit: MiRaTA, EagleSat, RadFxSat und MakerSat 0 (alle Teil des ELaNa Programms der NASA) sowie Buccaneer RRM. Letzterer flog eine sogenannte „Risk Mitigation Mission“ für den eigentlichen (für 2018 geplanten) Buccaneer Satelliten. Vor allem das Verhalten der aus handelsüblichen Rollbandmaßen gefertigten Antennen von beachtlichen 3,46 m Spannweite sollte verifiziert werden. Buccaneer sollte dann als Kalibrierungsorbjekt für die Stationen des Jindalee Over-​the-​Horizon Radar Network (JORN) fungieren. Die Umsetzung des Projekts lag in den Händen der University of New South Wales (UNSW) und der Defence Science and Technology Organisation of Australia (DSTO). MiRaTA (Microwave Radiometer Technology Acceleration) stammte dagegen vom Lincoln Laboratory des Massachusetts Institute of Technology. Hauptaufgabe des Satelliten war die Erprobung des namensgebenden Instruments, eines Miniatur-​Radiometers, das in den Frequenzbereichen 5258, 175191 und 206208 GHz operierte. Weiterhin war die Erprobung eines GPS-​Empfängers für Sondierungen der Troposphäre nach der Radio-​Okkultationsmethode geplant. Die GPSRO Messungen sollten zudem der Kalibrierung des Radiometers dienen. Studenten der Northwest Nazarene University (NNU) mit Unterstützung von Schülern der Caldwell High School (beide im US Bundesstaat Idaho) hatten den 1U CubeSat MakerSat 0 verwirklicht. Dabei war man Partner von Made In Space (MIS), deren Ziel es war, den Einsatz von 3D-​Druckern auf der ISS zur Serienreife zu bringen. Für 2018 war die Fertigung der Struktur für MakerSat 1 auf der ISS und die Montage durch die Besatzung geplant. MakerSat 0 entstand als Prototyp zum Vergleich unter irdischen Bedingungen. Studiert werden sollten mit beiden Satelliten die Alterungsprozesse der eingesetzten Kunststoffe. MakerSat 0 hatte zudem eine Kamera zur Gewinnung von Erdaufnahmen an Bord. RadFxSat hingegen hatten Funkamateure von AMSAT-​NA in Kooperation mit dem Institute for Space and Defense Electronics (ISDE) der Vanderbilt University gebaut. Während sich für die Amateurfunker die Gelegenheit ergab, das mit Fox 1A (AMSAT-​OSCAR 85) 2015 begonnene Amateurfunkexperiment mit einem FM-​Transponder fortzuführen, wollte das ISDE Strahlungseffekte auf COTS (commercial off-​the-​shelf) Bauteile untersuchen. Aufgrund der Zweiteilung der Mission trug der Satellit die Beinamen Fox 1B bzw. AMSAT-​OSCAR 91. Als Bildungsprojekt war der letzte der Satelliten, EagleSat 1, von der Embry-​Riddle Aeronautical University konzipiert. Entsprechend bildeten Bau und Betrieb des 1U CubeSats einen zentralen Teil des Unternehmens. Doch auch technisch wurden einige interessante Ansätze verwirklicht. So sollten Hochleistungskondensatoren anstelle von Akkus als Energiespeicher fungieren. Weiterhin wollten die Studenten die Alterung von Daten auf einem Festkörperspeicher untersuchen. Ein GPS Empfänger war zur Bahnverfolgung an Bord.
20November

EcAMSat

Der am 12.11.2017 an Bord des Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ Frachtraumschiffs zur ISS gestartete NASA CubeSat EcAMSat wurde nach dem Berthing des Transporters im japanischen Teil der Raumstation auf das Aussetzen vorbereitet. Gemeinsam mit TechEdSat 6, ASTERIA und Dellingr wurde er in die NRCSD 13 Startvorrichtung geladen und durch die Luftschleuse von „Kibō“ ausgeschleust. Der JEM RMS Manipulator brachte den NanoRacks CubeSat Deployer in Startposotion und am 20.11.2017 um 08:05 UTC wurde EcAMSat freigesetzt. Bei diesem 6U CubeSat handelte es sich um ein Gemeinschaftsprojekt des NASA Ames Research Center und der Stanford University School of Medicine. Gemeinsam wollten die Institute mit dem E. coli AntiMicrobial Satellite ermitteln, ob kosmische Einflüsse (Strahlung, Mikrogravitation etc.) die Wirksamkeit bekannter Antibiotika auf die weit verbreiteten E. coli Bakterien beeinflußten. Die möglicherweise nachlassende Wirksamkeit von Medikamenten auf Langzeit-​Raumflügen stellte ein bisher noch ungenügend erforschtes potentielles Risiko z.B. bei Flügen zum Mars dar.
20November

Aussetzen von ASTERIA

Der vom Massachusetts Institute of Technology — Space Systems Laboratory (MIT SSL) in Zusammenarbeit mit dem Jet Propulsion Laboratory (JPL) Technologiedemonstrator ASTERIA (Arcsecond Space Telescope Enabling Research in Astrophysics) wurde am 20.11.2017 um 12:25 UTC aus dem NRCSD 13 Starter der ISS ausgestoßen. Zwei der drei Satelliten im aktuellen NanoRacks CubeSat Deployer waren erst wenige Tage zuvor mit der Cygnus OA-​8 Mission auf der ISS eingetroffen, doch ASTERIA war bereits im August 2017 mit der Dragon CRS-​12 zur Internationalen Raumstation gestartet worden. Gemeinsam stellten sie die ersten „Doublewide“ 6U CubeSats dar, die per NRCSD ausgestoßen wurden. Ziel von ASTERIA war der Nachweis, daß so kleine Satelliten die erforderliche präzise räumliche Ausrichtung aufrechterhalten konnten, wie sie für astronomische Forschungen unerläßlich ist. So erhielt ASTERIA nicht nur einen Satz miniaturisierter Reaktionsräder (aus kommerzieller Produktion), sondern die Möglichkeit zur piezo-​elektrische Feinjustage der Optik auf Basis exakter Vermessungen ausgewählter Sterne durch den CMOS Hauptsensor. Eine ausgefeilte thermische Kontrolle (Kombination aus Isolierung der wissenschaftlichen Nutzlast und Heizelementen) verbesserte die Qualität der photometrischen Messungen weiter. Im praktischen Betrieb konnten die Temperaturschwankungen während einer laufenden Meßkampagne bei 0,01 Kelvin gehalten werden, wobei die Ausrichtung nur um wenige Bogensekunden variierte. Im April 2018 verkündete das Team die Erfüllung aller Missionsziele und eine Verlängerung der Mission zunächst bis Mai.
20November

der NASA CubeSat Dellingr unmittelbar nach dem Aussetzen

Ein Ergebnis der Bemühungen des Goddard Space Flight Center der NASA, CubeSats auch für reguläre wissenschaftliche Missionen nutzbar zu machen, war der 6U CubeSat RBLE. Zwar hatte die NASA vereinzelt schon CubeSats der kleineren Formfaktoren genutzt, doch waren deren Möglichkeiten allgemein recht limitiert. Alle Systeme mußten extrem miniaturisiert werden, Redundanz war nahezu unmöglich. Mit dem Aufkommen des 6U Formats erreichten die Nanosatelliten nun aber eine Größe, die sie als Plattform für anspruchsvollere wissenschaftliche Missionen geeignet erschienen ließen. Man war zunehmend bereit, einem solchen Satelliten auch ein kritisches Experiment anzuvertrauen, auf dessen Ergebnisse man bei einem Fehlschlag nicht leichten Herzens verzichten konnte. Die Radiation Belt Loss Experiment Mission war ein solches. Konzipiert war das Unternehmen als wichtige Ergänzung zu den Messungen der beiden Val Allen Probes, die 2012 noch als Radiation Belt Storm Probes (RBSP) zu einer Mission zur komplexen Erkundung der irdischen Strahlungsgürtel gestartet worden waren. An der Ausrüstung des schließlich Dellingr (nach einem Wesen der nordischen Mythologie) getauften Satelliten mit zwei Magnetometern und einem miniaturisierten Ion/​Neutral Mass Spectrometer (INMS) war auch das Southwest Research Institute (SwRI) beteiligt. Dellingr erreichte im August 2017 bei der SpaceX CRS-​12 Mission die Internationale Raumstation und wurde schließlich am 20.11.2017 um 17:02 UTC aus dem NRCSD 13 (NanoRacks CubeSat Deployer) ausgestoßen.
21November

Start der zweiten CZ-6

Bei ihrem zweiten Einsatz nach 2015 beförderte die leichte chinesische Trägerrakete CZ-​6 am 21.11.2017 vom Raumfahrtgelände Taiyuan aus drei kleine kommerzielle Erderkundungssatelliten für die Zuodanli 159 Jilin 1 Konstellation auf ihre Bahnen. Drei weitere dieser Satelliten waren 2015 und 2017 als sekundäre Nutzlasten auf ihre Bahnen gelangt. Die bei diesem Dreifachstart in den Orbit beförderten „agilen Video-​Satelliten“ wurden als verbessertes Modell gekennzeichnet, dessen Video-​Schwadbreite von 11 auf 19 km gesteigert worden war. Bei einer Auflösung von 1 m markierten diese Werte auch im Weltmaßstab absolute Spitzenleistungen. Und die Chang Guang Satellite Technology Co. Ltd. betonte aus Anlaß des Starts nochmal ihre Pläne, allein bis 2020 die Konstellation auf 60 Satelliten ausgebaut zu haben.
21November

TechEdSat 6 Exo-Brake Entfaltung

Bereits seit Mitte der 1990er Jahre kooperierten das NASA Ames Research Center, die University of Idaho und die San Jose State University (SJSU) bei der Entwicklung eines „Exo-​Brake“ genannten Systems, das den kontrollierten Wiedereintritt von Nutzlasten im CubeSat Format erlauben sollte. Dabei adressierten die Experimentatoren nicht nur das Problem der zunehmenden „Vermüllung“ des erdnahen Weltraums auch durch die Vielzahl von CubeSats, sondern wollten auch eine Methode entwickeln, die die kostengünstige und punktgenaue Rückführung von Nutzlasten aus dem Orbit, speziell von Bord der ISS, erlauben sollte. Bei TechEdSat 6 (TES 6) wurde besonderer Wert darauf gelegt, die Struktur in den zulässigen Abmessungen für einen Start aus dem NanoRacks CubeSat Deployer zu realisieren. GPS und Iridium wurden für die Kommunikation und Positionsbestimmung beim Wiedereintritt genutzt. Der Satellit erreichte im November 2017 mit dem Cygnus OA-​8 SS „Gene Cernan“ Frachtraumschiff die Internationale Raumstation. Nur wenige Tage später, am 21.11.2017 um 08:25 UTC, wurde er aus der NRCSD 13 Startvorrichtung ausgestoßen.
21November
Mit ihrem Vorschlag für eine CubeSat Mission namens Orbital Satellite for Investigating the Response of the Ionosphere to Stimulation and Space Weather gelangte das Department of Electrical Engineering der Penn State University Anfang 2013 in den Kreis der im Rahmen des ELaNa (Educational Launch of Nanosatellites) Programms von der NASA geförderten Missionen. OSIRIS-​3U sollte die Einflüsse des „kosmischen Wetters“ auf moderne satellitengestützte Kommunikationsnetzwerke untersuchen. Störungen der F-​Schicht der Ionosphäre können auch heute noch kritische Kommunikationsverbindungen unterbrechen und so große Probleme verursachen. Obwohl die Einflüsse bereits seit Jahrzehnten untersucht werden, sind die komplexen Zusammenhänge noch längst nicht umfassend verstanden. Ausgerüstet mit einer Langmuir-​Sonde (Pulsed Langmuir Probe), einem GPS Okkultations-​Empfänger (Compact Total Electron Content SensorCTECS) und einer Funkbake (Coherent Electromagnetic Radio TomographyCERTO) sollte der 3U CubeSat helfen, Frühwarnmechanismen zum Schutz der terrestrischen Infrastruktur aufzubauen. OSIRIS-​3U war am 14.08.2017 im Rahmen der SpaceX CRS-​12 Versorgungsmission zur ISS gestartet worden. Am 21.11.2017 um 11:40 UTC, wurde er als letzter von drei in die NRCSD 13 (NanoRacks CubeSat Deployer) Startvorrichtung geladenen Satelliten ausgestoßen. Geplant war anschließend eine mindestens sechsmonatige Mission.
24November

Start der CZ-2C-III mit der Yaogan 30 Gruppe 02

Die „Jahresendrallye“ bei den chinesischen Satellitenstarts nahm im November 2017 eindrucksvoll Fahrt auf. Der Start einer CZ-​2C-​III von Xichang am 24.11.2017 markierte bereits die vierte Raumfahrtmission innerhalb von nur einem Monat. Dabei gelangten drei Satelliten für die Yaogan 30 Konstellation auf Bahnen im 600 km Höhenbereich. Im September 2017 war bereits ein vergleichbarer Start erfolgt, der damals bei ausländischen Beobachtern noch für große Verwirrung gesorgt hatte. Erst nach einiger Zeit wurde deutlich, daß die „Yaogan 30 Gruppe 01“ tatsächlich in Verbindung mit dem schon im Mai 2016 gestarteten Yaogan 30 operierte. Zu diesem Zweck verteilten sich die drei Satelliten im Abstand von 120° auf einer gemeinsamen Bahn. Die Mission wurde mit dem Abhören terrestrischer Kommunikationsverbindungen, dem Sammeln von Hinweisen auf mögliche Atomwaffentests und der Gewinnung von hochauflösenden Aufklärungsfotos beschrieben. Diese klare Charakterisierung der militärischen Zielsetzung widersprach üblichen Gepflogenheiten. Nun also war die „Yaogan 30 Gruppe 02“ nachgefolgt. Und ein weiterer Dreifachstart wurde für Anfang 2018 erwartet.
28November

Start der Sojus-2.1b mit Meteor-M № 2-1

Start der Sojus-2.1b mit Meteor-M №2-1 von Wostotschny

Startvorbereitung der Sojus-2.1b mit Meteor-M №2-1

Vorbereitung der Nutzlasten für den zweiten Sojus-Start von Wostotschny

Meteor-M № 2-1 nach der Montage auf der Fregat

Nach dem öffentlichkeitswirksamen ersten Start vom neuen russischen Kosmodrom Wostotschny im April 2016 kehrte dort zunächst wieder Ruhe ein. Jedenfalls was die Startaktivitäten betraf. Tatsächlich wurde die nächsten knapp anderthalb Jahre hinter den Kulissen an der Fertigstellung der Infrastruktur und Behebung der beim Erststart festgestellten Defizite gearbeitet. Doch für Ende 2017 standen im Abstand weniger Wochen gleich zwei Starts im Kalender. Da dafür sowohl eine Sojus-2.1b als auch eine Sojus-2.1a — beide jedoch erstmals in Wostotschny mit der Fregat-​M Oberstufe — zum Einsatz kommen sollten, mußte hierfür nicht nur die Bodeninfrastruktur fertiggestellt und erprobt werden, auch die Mannschaften bedurften eines umfassenden Trainings. Dennoch erwartete niemand ernsthafte Probleme, war doch die erste Startkampagne eigentlich recht glatt verlaufen, wenn man berücksichtigt, daß damit ein komplett neues Raumfahrtgelände seine Feuertaufe erhalten hatte. Im November 2017 sollte nun ein meteorologischer Satellit des Typs Meteor-​M2 auf eine sonnensynchrone Bahn in 800 km Höhe transportiert werden. Roskosmos vermarktete über den Anbieter Glawkosmos die „freien“ Kapazitäten der Trägerrakete und konnte so Kontrakte für achtzehn weitere sekundäre Nutzlasten abschließen. Daraus resultierte allerdings auch eine recht komplexe Mission, auf der die Fregat Bugsierstufe mehrfach manövrieren mußte, um alle Satelliten auf die gewünschten Bahnen zu befördern. Meteor-​M2 1 basierte auf den Erfahrungen mit dem 2014 gestarteten Meteor-​M2 Prototypen. Seine Ausrüstung war in einigen Positionen verändert worden. Wieder an Bord war das bewährte MSU-​MR (russ. Многоканальное Сканирующее Устройство — Малого Разрешения) Radiometer zur Gewinnung von Wolkenbedeckungsbildern (6 Kanäle zwischen 0,5 und 12,5 μm) ebenso wie das MTVZA-​GJa (russ. Модуль Температурного и Влажностного Зондирования Атмосферы) Instrument zur Gewinnung vertikaler Temperatur– und Feuchtigkeitsprofile sowie zur Bestimmung der Windgeschwindigkeiten über See, der KMSS-​2 (russ. Комплекс Многозональной Спутниковой Съемки) Multikanalscanner für Beobachtungen der Erdoberfläche im Frequenzbereich zwischen 0,4 und 0,9 µm war eine Weiterentwicklung des KMSS von Meteor-​M2. Auch das IKFS-​2 (russ. Инфракрасный Фурье-​Спектрометр) IR-​Fourier-​Spektrometer zur Gewinnung von Temperatur– und Feuchteprofilen der unteren Stratosphäre sowie zur Erhebung von Daten zur Ozonkonzentration hatte sich beim Vorgängersatelliten bereits bewährt. Dazu kam wieder das Datensammel-​System BRK SSPD (russ. Бортовой Радио Комплекс Системы Сбора и Передачи Данных), das die Meßdaten von automatischen Wetterstationen weiterleiten sollte. Mit dem RK-​SM-​MKA (russ. Радиокомплекс Спасания Модернизированный) wollte Rußland nach vielen Jahren auch endlich wieder einen (modernisierten) Transponder für das KOSPAS-​SARSAT System starten. Weggefallen waren dagegen GGAK-​M (russ. Гелио-​Геофизический Аппаратурный Комплекс), ein Meßkomplex zur Erforschung solar-​terrestrischer Wechselwirkungen, und das „Sewerjanin-​M“ (russ. Северянин-​М — Бортовой Радиолокационный Комплекс) Seitensichtradar zur Bestimmung der Eisbedeckung.
Nach dem Aussetzen der Hauptnutzlast war eine dritte Zündung der Fregat vorgesehen, bei der das Perigäum auf 582 km abgesenkt werden sollte. Dies war der Zielorbit für den Mikrosatelliten IDEA OSG 1 des in Singapur ansässigen Unternehmens Astroscale. Dessen langfristige Mission war es, Verfahren zur „Entsorgung“ ausgedienter Satelliten aus dem Erdorbit zu entwickeln. Zunächst sollte die IDEA OSG 1 Mission aber Daten sammeln, die helfen sollten, in der Öffentlichkeit ein Bewußtsein für die Dimension des Problems der „Weltraumverschmutzung“ zu sammeln. Daher verfügte der Satellit über zwei Detektorflächen von je 0,35×0,35 m, die das Auftreffen von Partikeln ab 100 µm Größe registrieren konnten. Sensoren und Kameras sollten ergänzende Informationen zu den auftreffenden Teilchen sammeln, Stabilisierungssysteme den Satelliten auch bei einem Aufprall von Partikeln bis Millimetergröße unter Kontrolle halten. Zum Ende der Mission war eine Bahnabsenkung unter Einsatz eines ausfahrbaren „Segels“ geplant. Unterstützt wurde Astroscale bei der Entwicklung des Satelliten u.a. von der japanischen Raumfahrtorganisation JAXA und dem Konzern IHI. Industrieller Partner und Sponsor des Projekts war die OSG Corporation.
Nach einer vierten Zündung der Fregat sollte eine annähernd kreisförmige Bahn in 600 km Höhe erreicht werden, auf der zunächst der russische Baumanets 2 Satellit der Moskauer Baumann Universität ausgesetzt werden sollte, gefolgt vom schwedischen 3U CubeSat SEAM (Small Explorer for Advanced Missions), dem norwegischen AISSat 3, zwei Corvus-​BC für das US Start-​Up Astro Digital, dem deutschen 3U CubeSat D-​Star One und zehn Lemur 2 Satelliten der Spire Inc. Der Baumanets 2 Satellit hatte offenbar im Laufe der Entwicklung einige Wandlungen erfahren. Nach dem Verlust des ersten Baumanets Satelliten beim Fehlstart einer Dnepr-​1 Rakete im Juli 2006 wurden Pläne für einen Nachfolger auf der Basis eines Satellitenbusses von PO Poljot in Omsk vorgestellt. Tatsächlich griff man dann aber doch wieder auf den schon beim ersten Exemplar verwendeten Entwurf von NPO Maschinostroenija zurück. Der für 2014, später 2015 angekündigte Start verzögerte sich zudem auf Ende 2017. Informationen zur Ausstattung des Satelliten blieben vage, offenbar war aber eine Mission zur Erderkundung geplant. Für das SEAM Projekt unter schwedischer Federführung hatten sich acht Partner aus fünf europäischen Ländern zusammengefunden (KTH, ÅAC Microtec und SSC aus Schweden, ECM-​Office aus Deutschland, LEMI aus der Ukraine, BLE aus Ungarn, GOMSpace aus Dänemark und Kayser Italia aus Italien). Gemeinsames Ziel war die Entwicklung eines leistungsfähigen wissenschaftlichen Forschungssatelliten auf Basis des CubeSat Designs. Als erste Mission wurde eine anspruchsvolle Mission zum Studium des Erdmagnetfelds und der damit verbundenen Effekte definiert. Dazu waren Messungen geladener Teilchen und von VLF– und ELF-​Wellen geplant. Mit AISSat 3 setzte das Norsk Romsenter die Erprobung eines von Kongsberg Seatex entwickelten AIS (Automatic Identification System) Signalempfängers zur Positionsbestimmung hochseegehender Schiffe fort. Gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger AISSat 2 war bei dem dritten Satelliten der Baureihe die Erkennungsrate der Signale erhöht worden. Die beiden Corvus-​BC alias Landmapper-​BC Satelliten stammten vom früheren US Entwicklungstream des russischen Raumfart Start-​Ups Dauria Space. Nach der Liquidierung der Niederlassung führten sie das Programm für eine Satellitenkonstellation fort, die Erdaufnahmen im roten, grünen und nah-​infraroten Spektrum bei 22 m Auflösung liefern sollten. Der Kontakt zu den ersten beiden, im Juli 2017 gestarteten, Satelliten war unmittelbar nach dem Erreichen des Orbits abgebrochen. Daher ruhten die Hoffnungen des jungen Unternehmens nun auf dem zweiten Paar. Die German Orbital Systems GmbH plante mit ihrem D-​Star ONE dagegen die praktische Erprobung ihres D-​Star Kommunikationssystems. Dieses sollte einmal die Grundlage für ein kommerzielles CubeSat-​Kommunikationssatelliten-​System bilden. Beim Demonstrationsflug war allerdings eine freie Nutzung durch die Amateurfunk-​Community vorgesehen. Die Spire Inc. hatte 2015 erfolgreich mit dem Aufbau einer Konstellation aus 3U CubeSats vom Typ Lemur 2 auf unterschiedlichen Bahnen begonnen. Ihre Ausrüstung umfaßte die STRATOS Nutzlast für GPS Radio-​Okkultationsmessungen der Atmosphäre und einen AIS Empfänger namens SENSE. Für 2018 war auch die Integration von ADS-​B (Automatic Dependent Surveillance — Broadcast) Empfängern geplant, mit deren Hilfe der Kurs von Flugzeugen über dem offenen Meer verfolgt werden konnte. Die Erhebung aller dieser Daten erfolgte für eine kommerzielle Verwertung. Mit zehn Satelliten war dieser Start der bisher größte Gruppenflug von Lemur 2.
Zwei weitere Zündungen der Fregat waren erforderlich, um die annähernde 1.000 km Kreisbahn für den letzten der Satelliten, LEO Vantage 2 von TeleSat Canada, anzusteuern. Der kanadische Konzerns plante den Aufbau einer HTS (High Throughput Satellite) Ka-​Band Konstellation auf erdnahen Bahnen. Zur Verifikation des Konzepts beauftragte Telesat im April 2016 Space Systems/​Loral und SSTL mit dem Bau je eines Demonstrator-​Satelliten. SSL wiederum ließ den Satellitenbus für LEO 2 vom UTIAS Space Flight Laboratory fertigen, wo man mit der DAUNTLESS (DAringly UNcommon Technical Leadership in Smaller Satellites) Plattform über eine geeignete Basis verfügte.
Tatsächlich sollte keiner der neunzehn Satelliten seine vorbestimmte Bahn erreichen. Der Start der Sojus-2.1b 14A14 mit Fregat-​M 14S44 Bugsierstufe verlief zunächst erfolgreich und als die Bestätigung einging, daß sich die Fregat mit den Nutzlasten planmäßig von der letzten Stufe der Sojus gelöst hatte, wurde bereits (u.a. vom für Raumfahrt zuständigen russischen Vizepremier Dmitri O. Rogosin) der Erfolg der Mission vermeldet. Tatsächlich lagen da aber noch mehr als vier Stunden vor der Fregat, bevor auch nur der letzte der Satelliten ausgesetzt war. Und dann würden noch zwei Stunden bis zum gezielten Wiedereintritt der Stufe vergehen. Die nächsten Manöver der Fregat würden zudem außerhalb der Funksicht ziviler russischer Bahnverfolgungsstationen erfolgen. Tatsächlich wurden aber Piloten von Verkehrsflugzeugen über dem Nordatlantik Zeugen der folgenden Ereignisse, ohne sich darüber im klaren zu sein. Denn, wie eine spätere Rekonstruktion ergab, schon die erste Zündung der Fregat hatte das Ende der Mission besiegelt. Ursächlich war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Niemand hatte einigen Details Beachtung geschenkt, die den Start von Wostotschny von einem in Baikonur oder Plesetsk unterschieden. Aufgrund der Nord-​Süd-​Ausrichtung des Sojus Startkomplexes in Wostotschny und der angestrebten sonnensynchronen Bahn mußte die Rakete nach dem Start für diese Mission ein Rollmanöver auf 354° unternehmen. Die Fregat, die ein um 10° abweichendes Koordinatensystem verwendete, nach der Trennung von der letzten Raketenstufe, weiter auf einen Azimut von 344°. Das Kontrollsystem der Sojus berechnete korrekt den schnellsten Weg für die erforderliche Orientierung mit einem Rollmanöver gegen den Uhrzeigersinn von 174°. Doch die Fregat leitete, statt um 10° weiter zu drehen, eine Rotation „auf dem langen Weg“ im Uhrzeigersinn auf den vorprogrammierten Azimut ein. Bei einer Drehgeschwindigkeit von 1° pro Sekunde reichte das Zeitfenster von 55 Sekunden bis zum Start des Fregat-​Triebwerks aber nicht aus, eine auch nur annähernd korrekte Orientierung einzunehmen. Die Fregat trat mit den Nutzlasten über dem Atlantik als deutlich sichtbarer Feuerball in die Atmosphäre ein und verglühte.