Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2018-10-15T21:29:59+02:00

August 2018.

3August

die Dragon Kapsel nach der CRS-15 Mission

Nach gut einmonatigem Aufenthalt an der ISS näherte sich die Dragon CRS-​15 Mission Ende Juli 2018 ihrem Ende. In der Druckkabine waren Proben diverser Experimente ebenso untergebracht wie verschlissene Ausrüstungsgegenstände (z.B. der Canadarm2 LEE S/​N 002), die von den Ingenieuren am Boden noch einmal einer Inspektion unterzogen (bzw. im Falle des Latching End Effector aufgearbeitet) werden sollten. Im Trunk war außerdem HREP, die Hyperspectral Imager for the Coastal Ocean (HICO) and Remote Atmospheric and Ionospheric Detection System (RAIDS) Experiment Payload verstaut worden. Das Experiment war im September 2009 mit dem ersten HTV Versorgungsflug auf der ISS eingetroffen und anschließend am japanischen JEM Labormodul montiert worden. Im Dezember 2014, während eines Sonnensturms, erlitt der der HICO Computer irreparable Schäden. Bis dahin hatte der Sensor aber eine Fülle einmaliger Daten geliefert. Am 11.07.2018 war der Transfer des defekten Systems von der Exposed Facility (EFU) #6 zur EFU #13 und schließlich zum Trunk des SpaceX Frachtraumschiffs vollzogen worden. Dieses löste sich am 03.08.2018 um 14:37 UTC von seinem Liegeplatz und wurde mit dem Canadarm2 auf die Freigabeposition geschwenkt. Um 16:38 UTC erfolgte das Freisetzen und nach einer letzten Triebwerkszündung trat die Dragon CRS-​15 in die Atmosphäre ein. Der abgetrennte Trunk verglühte planmäßig, während die Dragon Kapsel gegen 22:17 UTC vor der kalifornischen Küste im Pazifik wasserte. Sie wurde von einem kleinen Spezialschiff aufgenommen und an Land gebracht.
7August

langzeitbelichtete Aufnahme des Merah Putih Starts

die Falcon 9 mit Merah Putih vor dem Start

Als Ersatz für ihren dringend zu abzulösenden Telkom 1 Satelliten bestellte der indonesische Telekommunikationskonzern PT Telkomunikasi Ende 2015 bei Space Systems/​Loral einen Nachfolger unter dem Projektnamen Telkom 4. Der SSL-​1300 Satellit wurde als reiner C-​Band Satellit mit 60 Transpondern (24 C-​Band und 12 Extended C-​Band Transponder für Südostasien sowie 24 C-​Band Transponder für Südasien) konzipiert. Im Laufe des Jahres 2018 sollte er allmählich seinen Vorgänger ablösen, wobei dieser noch bis 2019 im aktiven Einsatz gehalten werden sollte. Denn, obwohl der von Lockheed Martin gelieferte A2100A Satellit bereits 2014 seine Auslegungsbetriebsdauer von fünfzehn Jahren überschritten hatte, arbeitete Telkom 1 weiter stabil und hatte noch ausreichende Triebstoffreserven. Am 25.08.2017 änderte sich diese Situation dramatisch. Telkom 1 geriet abrupt außer Kontrolle und setzte eine Trümmerwolke frei. Die Bemühungen, den Satelliten wenigstens noch auf einen „Friedhofsorbit“ zu manövrieren, mußten erfolglos eingestellt werden. Der Ausfall von Telkom 1 hinterließ eine schwer zu schließende Lücke in der Kommunikationsinfrastruktur Indonesiens, wo man auf Grund der Geografie sehr abhängig von satellitengestützten Systemen ist. Bis zum Start mußten die Dienste auf andere Telkom Satelliten aufgeschaltet sowie Kapazitäten auf fremden Satelliten angemietet werden. Als Trägerrakete für Merah Putih (indonesisch für rot weiß, die Landesfarben), wie Telkom 4 inzwischen genannt wurde, bereitete SpaceX eine Block V Falcon 9 v1.2 vor, genauer gesagt ein Exemplar mit der überholten ersten geflogenen Grundstufe in dieser Ausbaustufe. Am 11.05.2018 hatte B1046 den ersten eigenen Kommunikationssatelliten Bangladeschs, Bangabandhu 1, in den Orbit befördert. Knapp drei Monate später sollte sie nun erneut zum Einsatz kommen. Die Routine-​Testzündung der Stufe am 02.08.2018 in Cape Canaveral bereitete den Weg für den Start am 07.08.2018. Die Rakete beförderte den Satelliten ohne Zwischenfälle auf den vorbestimmten Transferorbit, während die Erststufe ebenso routiniert auf der Landeplattform OCISLY im Atlantik aufsetzte. Bei einer Startmasse von knapp unter sechs Tonnen reichte die Leistung der Falcon 9 nicht für einen Standard-​GTO — jedenfalls nicht unter Berücksichtigung der Treibstoffreserven für eine Booster-​Landung. In Abstimmung mit dem Satelliten-​Eigner hatte SpaceX daher auch diesmal die Variante einer subsynchronen Transferbahn gewählt. Das bedingte aber auch, daß der Satellit rasch die ersten Bahnmanöver einleiten mußte. Und so lagen bereits am 08.08.2018 sowohl Perigäum als auch Apogäum deutlich höher als noch am Tag zuvor.
10August

die BIRDS-2 Satelliten nach dem Ausstoßen

Drei weitere Satelliten des vom japanischen Kyushu Institute of Technology (Kyutech) geförderten Joint Global Multi-​Nation BIRDS Satellite Project, bei dem Studenten aus Entwicklungsländern die Gelegenheit gegeben wurde, für ihre Heimatländer die ersten CubeSats zu konstruieren und zu starten, wurden am 10.08.2018 um 09:45 UTC aus dem J-​SSOD #9 ausgestoßen. Erst am 02.07.2018 waren sie mit dem Dragon CRS-​15 Versorgungsraumschiff auf der ISS eingetroffen. Nun hatte der JEMRMS Manipulatorarm den JEM Small Satellite Orbital Deployer aus der Luftschleuse übernommen und in Position gebracht. Dann wurden die jeweils im 1U Formfaktor ausgeführten Bird-​MYS alias UiTMSAT 1 (Malaysia), Bird-​PHL alias MAYA 1 (Philippinen) und Bird-​BTN alias Bhutan 1 (Bhutan) gemeinsam ausgestoßen. Die ersten Signale der BIRDS-​2 Satelliten empfing wenig später eine Bodenstation in der Mongolei, einer ebenfalls am BIRDS Projekt beteiligten Nation. Zunächst war nur der Bakensender aktiv. Später wurde auch der Automatic Packet Reporting System (APRS) Digipeater aktiviert, der Amateurfunkern zugänglich war. Weiterhin verfügten die einheitlich ausgerüsteten Satelliten über eine einfache Kamera zur Erdfotografie, einen GPS Empfänger sowie Magnetfeld– und Strahlungsmeßgeräte.
12August

Start der Parker Solar Probe

die Parker Solar Probe in der Nutzlastverkleidung

Über Jahrzehnte hatten Wissenschaftler auf der ganzen Welt Ideen für eine Sondenmission ausgetauscht, die die Sonne aus maximaler Nähe erkunden sollte. Speziell die Korona, die äußerste Atmosphärenschicht der Sonne, stellte die Wissenschaftler vor Rätsel, die sich mit herkömmlichen Erklärungsmodellen nicht lösen ließen. Als die Idee Ende der 1950er/​Anfang der 1960er Jahre erstmals ernsthaft diskutiert wurde, lag die Umsetzung noch weit jenseits der technologischen Möglichkeiten. Weder stand eine ausreichend leistungsfähige Trägerrakete zur Verfügung, noch waren die extremen zu erwartenden Temperaturen beherrschbar. Als in den 1970er Jahren die beiden deutschen Helios Raumsonden Daten aus bis dahin nie erreichter „Nähe“ zur Sonne (46,2 bzw. 43,4 Mio. km) geliefert hatten, erhielt die Idee aber neuen Auftrieb. Bis zu einem ersten konkreten Entwurf vergingen aber weitere Jahrzehnte. Im Jahr 2005 legte das JHU/​APL einen ersten konkreten Entwurf für eine Sonde und ihre Mission vor. Vorgesehen war eine mehrfache Annäherung auf bis zu drei Sonnenradien (3 RS) zur Oberfläche. Ein fly-​by an Jupiter sollte die Solar Probe auf eine Bahn über die Pole der Sonne lenken, wo im Abstand von etwa 4,6 Jahren zwei Überflüge geplant waren. Damit wären Untersuchungen in zwei verschiedenen Phasen eines typischen 11-​jährigen Sonnenzyklus möglich gewesen. Die Herausforderungen an das Sondendesign waren noch immer gewaltig. Man verfiel auf eine Auslegung, bei der sich der eigentliche Sondenkörper „im Schatten“ eines spitzkegeligen Sonnenschutzes befinden sollte, der die gewaltigen Temperaturen abschirmen mußte. Solarzellen schieden zur Energieversorgung aus, so daß man sich für spezielle Radionuklidbatterien, Multi-​Mission Radioactive Thermoelectric Generators (MMRTGs), entschied. Ausgerechnet deren exorbitanten Kosten drohten aber, auch dieses Konzept scheitern zu lassen. 2009 legte das Applied Physics Laboratory (APL) der Johns Hopkins University (JHU) im Auftrag der NASA daher einen neuen, deutlich konventionelleren Entwurf vor. Bei der nun als Parker Solar Probe bezeichneten Sonde (benannt nach dem Astrophysiker Eugene N. Parker) schirmte jetzt ein flacher sechseckiger Sonnenschutzschild den Sondenkörper ab. In seinem Schatten waren auch die Solarzellenflächen (teils einklappbar, teils aktiv gekühlt) montiert, die nun doch die Energieversorgung sicherstellen sollten. Statt eines Gravitationsmanövers an Jupiter waren nun mehrere Vorbeiflüge an der Venus geplant, die die Bahn der Sonde allmählich näher an die Sonne heran führen sollten. Allerdings bei weitem nicht so nahem wie beim ursprünglichen Entwurf geplant. Im Perihel sollte sich die Parker Solar Probe nun nur noch bis auf 8,5 RS der Sonne nähern, was die Wärmeeinstrahlung auf ein Sechzehntel des Werts der Solar Probe Mission reduzierte. So konnten viele technische Lösungen von der MESSENGER Sonde zum Planeten Merkur übernommen werden. Ursprünglich war der Start der Sonde auf einer Atlas V Mod. 551 geplant gewesen, die mit dem STAR 48GVX Triebwerk eine zusätzliche Beschleunigungsstufe erhalten sollte. Der Feststoffmotor entstammte zwar der bewährten STAR 48 Familie, sollte aber eine Reihe neuer Merkmale bekommen. Obwohl der Test eines proof-​of-​concept Triebwerks erfolgreich verlief, wurde die Entwicklung letztlich doch als zu riskant angesehen. Im März 2015 fiel daher die Entscheidung, auf die schon in der Basisversion leistungsfähigere, wenn auch deutlich teurere, Delta IV Heavy zu wechseln. Als Kickstufe konnte jetzt die STAR 48BV eingesetzt werden, die bereits 2011 ihr Debut gefeiert hatte.
Der für den 11.08.2018 geplante Start der Parker Solar Probe mußte in der Endphase des Countdowns wegen einer Druckmessung im Heliumsystem außerhalb der Grenzwerte abgesagt werden. Eine Analyse der Situation ergab, daß es sich um keine tatsächliche Anomalie gehandelt hatte. Und so wurden für den nächsten Startversuch die Toleranzen geringfügig angehoben. Am 12.08.2018 schloß ein ereignisarmer Countdown dann mit einem fehlerfreien Start ab. Wenig später war die Sonde auf Kurs zu ihrem ersten Venus fly-​by am 03.10.2018.
15August

Oleg Artjemjew mit einem der Tanusha-SWSU Satelliten in der Luftschleuse

einer der Tanusha-SWSU Satelliten nach dem Aussetzen am 15.08.2018

Sergej Prokopjew beim Verlegen von Kabeln für das ICARUS Experiment (im Vordergrund halb verdeckt Oleg Artjemjew)

Sergej Prokopjew während der EVA vom 15.08.2018

Einen dicht gepackten Plan unterschiedlicher Aufgaben hatten die beiden Kosmonauten Oleg Artjemjew und Sergej Prokopjew während ihres gemeinsamen Außenbordmanövers am 15.08.2018 abzuarbeiten. Beide konnten dabei auf einen der modernisierten Orlan-​MKS Raumanzüge zurückgreifen. Nach dem Verlassen der Luftschleuse des ISS Moduls „Pirs“ stand zunächst das händische Aussetzen von vier kleinen CubeSats auf dem Programm. Den Anfang machten zwei Satelliten der süd-​westlichen staatlichen Universität (SWSU/​YuZGU) im russischen Kursk. Die CubeSats waren wie ihre beiden Vorgänger mit Unterstützung des Raumfahrtkonzerns RKK Energija realisiert worden. Ziel des Programms waren Experimente zur autonomen Selbstorganisation von Satellitengruppierungen. Daneben wurden auch Luftdichtemessungen, genauer Druckmessungen mit einem Vakuummeter, unternommen. Die ansonsten nach den Prinzipien und in den Maßen eines 3U CubeSats ausgeführten Satelliten verfügten für eine bessere Handhabung durch die Kosmonauten über einen seitlich angebrachten Handgriff. Zunächst wurde um 16:43 UTC Tanusha-​SWSU 3 (Radioskaf RS-​8S) ausgesetzt, unmittelbar darauf um 16:45 UTC gefolgt von Tanusha-​SWSU 4 (Radioskaf RS-​9S). Gefolgt wurden die beiden Satelliten von einem weiteren Paar, diesmal 1U CubeSats (wieder mit „Handgriff“), gebaut von Schülern am Talentförderungszentrum „Sirius“ in Sotschi (mit industrieller Unterstützung des Raumfahrtunternehmens SPUTNIKS). Primär sollten die beiden SiriusSat natürlich das Interesse der Schüler an naturwissenschaftlich-​technischen Themen fördern. Doch auch das renommierte D. W. Skobelzyn Institut für Kernphysik in Moskau hatte sich mit einem Miniatur-​Teilchendetektor an dem Projekt beteiligt. SiriusSat 1 (Radioskaf RS-​13S) wurde um 16:51 UTC in den Freiflug entlassen, SiriusSat 2 (Radioskaf RS-​14S) um 16:56 UTC. Von Tanusha-​SWSU 4 konnten nach dem Aussetzen keine Signale empfangen werden, die anderen drei Satelliten wurden von Amateurfunkern weltweit erfolgreich verfolgt.
Weiterhin unternahmen die beiden Kosmonauten eine Panorama-​Dokumentation der ISS im Rahmen des „Kosmos 360“ Programms, eines Filmprojekts von RKK Energija, Roskosmos und dem Fernsehsender Russia Today.
Großen Raum nahm die Installation des ICARUS (International Cooperation for Animal Research Using Space) Experiments ein. Das internationale Projekt unter Federführung Deutschlands (Projektleitung durch das DLR) hatte das Ziel, großräumig Daten zu den Wanderungsbewegungen von Wildtieren zu sammeln. Dank eines ultra-​miniaturisierten GPS Transponders (Gewicht nur noch 5 g), dessen Entwicklung von der Max-​Planck-​Gesellschaft gefördert worden war, sollten erstmals auch kleine Tiere verfolgt werden können, bei denen das bisher nicht möglich gewesen war. Zur Inbetriebnahme von ICARUS mußten umfangreiche Kabel außenbords zu den bereits außenbords am „Swjesda“ Modul angebrachten Antennen des Experiments verlegt und angeschlossen werden. Die Arbeiten erwiesen sich als zeitraubender, als ohnehin bereits bei der Planung des Außenbordmanövers angenommen. Eigentlich war die Gesamtdauer des Aufenthalts im freien Raum auf etwa sechs Stunden kalkuliert worden. Doch lag man schließlich eine Stunde hinter dem Zeitplan. Zur Freude der Wissenschaftler entfalteten sich die Antennen aber alle wie vorgesehen und die Telemetrie bestätigte schließlich die einwandfreie Funktion aller Untersysteme.
Die Demontage des Plasmawellen-​Experiments „Обстановка“ (dt. Umwelt) am „Swjesda“ Modul mußte aufgrund der fortgeschrittenen Zeit aufgeschoben werden, doch zwei kleine Probenkassetten von der Außenhaut der Module „Pirs“ und „Poisk“ (Experiment „Тест“, dt. Test) konnten noch geborgen werden, bevor Artjemjew und Prokopjew in die Luftschleuse zurückkehrten. Insgesamt hatte ihr Einsatz 7:46 h gedauert.
22August

Start der Vega VV12 mit dem Aeolus Satelliten

Ein einziges Instrument bildete die wissenschaftliche Ausrüstung des ESA Satelliten Aeolus (vormals ADM-​Aeolus). Die Atmospheric Dynamics Mission war bereits 1999 als vierte des Earth Explorer Programms bestätigt worden. 2003 vergab die ESA den Bauauftrag für den Satelliten an EADS-​Astrium. Geplanter Starttermin damals: 2007. Doch die Entwicklung des speziellen LIDAR namens Aladin (Atmospheric Laser Doppler Lidar Instrument), das die Instrumentierung bilden sollte, bereitete massive Probleme. Der Anspruch war allerdings auch extrem hoch. Sollte das Instrument doch Höhenprofile der Windgeschwindigkeiten vom Boden bis in die Stratosphäre liefern mit einer vertikalen Auflösung von 0,5 bis 2 km und einer Genauigkeit von 1 bis 3 ms1. Voraussetzung für die angestrebte Meßgenauigkeit war u.a. eine ausgeklügelte Kühlung des Lasers. Auch die Umlaufbahn mußte möglichst konstant in 320 km Höhe gehalten werden, was einmal pro Woche eine Bahnanhebung erforderlich machte und maßgeblich die Missionsdauer auf etwa vier Jahre begrenzte. Doch die erstmals betriebene Erfassung weltweiter dreidimensionaler Windprofile wurde von den Wissenschaftlern als Mittel gesehen, der Wettervorhersage und Klimaforschung eine neue Qualität zu geben. Insofern waren die Verzögerungen zwar für die Wissenschaftler sehr bedauerlich, nährten aber auch die Hoffnung, bald über ein neues Instrument zu verfügen, das seinen Weg auf „gewöhnliche“ meteorologische Satelliten finden würde. Erst im Sommer 2017 war der Satellit zur Auslieferung bereit — nach einer mindestens 50%igen Überschreitung des ursprünglichen Kostenrahmens von 300 Mio. €. Zuletzt verzögerte sich der Start aufgrund veränderter Terminplanungen bei Arianespace noch um einige Monate auf den Spätsommer 2018. Doch dann stand endlich die Vega Feststoffrakete in Kourou zur Mission VV12 startklar bereit. Ungünstige Windverhältnisse sorgten für einen allerletzten Aufschub um 24 Stunden, dann hob die Rakete am 22.08.2018 in Französisch Guyana ab. Mehr als zehn Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan! Wenige Wochen später lieferte Aeolus die ersten Meßdaten in sensationeller Qualität.
24August

die startbereite CZ-3B mit Beidou 35 und 36

Den fünften Doppelstart von Beidou-​3 Satelliten auf Kreisbahnen in 21.500 km Höhe im Jahr 2018 unternahm China am 24.08.2018. Im MEO (Medium Earth Orbit) operierten für die Beidou-​3 Konstellation zwei verschiedene Satellitentypen unterschiedlicher Hersteller. Die diesmal gestarteten Exemplare waren am Micro-​Satellite Engineering Center der CAS (Chinese Academy of Sciences) in Shanghai entwickelt und gebaut worden. Eine CZ-​3B mit YZ-​1 Bugsierstufe brachte sie nach dem Start von Xichang zunächst auf eine erdnahe Parkbahn, aus der die Bugsierstufe die Satelliten direkt auf den Einsatzorbit manövrierte. Die offiziell als Beidou 35 bzw. Beidou 36 bezeichneten Satelliten Beidou-​3 M11 und Beidou-​3 M12 steuerten Positionen auf Bahnebene C der Konstellation an. Anläßlich dieses Starts berichtete die chinesische Presse darüber, daß die Satelliten mit einer Nutzlast zur lasergestützten Intersatelliten-​Kommunikation verfügten. Diese ließ Übertragungen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1 Gbps und Entfernungsmessungen mit einer Genauigkeit im Millimeterbereich zu. Bis Ende 2018 sollte die Beidou-​3 Konstellation mit achtzehn MEO und einem GEO Satelliten als regionales System in Betrieb gehen, zwei Jahre später vierundzwanzig MEO, drei GEO und drei IGSO Satelliten eine globale Abdeckung bieten.
30August

Progress MS-08 nach dem Abkoppeln von der ISS

Das russische Transportraumschiff Progress MS-​08 koppelte am 23.08.2018 um 02:16 UTC vom „Swjesda“ Modul der Internationalen Raumstation ab. An den Tagen zuvor hatten vor allem die russischen Besatzungsmitglieder die Beladung des Raumschiffs mit Abfällen und zur Entsorgung bestimmten verschlissenen Gerätschaften abgeschlossen. Doch vor dem gesteuerten Wiedereintritt in die dichteren Atmosphärenschichten sollten mit dem Raumschiff noch einige Experimente unternommen werden. Zunächst senkte die Progress am 23.08.2018 gegen 05:30 UTC ihre Bahn aber deutlich unter die der ISS ab. Dann wurden die schon mit Progress MS-​07 im März 2018 unternommenen Versuche im Rahmen der Isgib (russ. Изгиб, svw. Drehung/​Biegung) Experimentenreihe fortgesetzt. Dabei wurden dynamische Prozesse untersucht, die bei verschiedenen Modi der Stabilisierung des Raumschiffs auf dieses wirkten. Am 30.08.2018 um 01:23 UTC wurde dann das Retromanöver eingeleitet. Letzte nicht verglühte Trümmer dürften gegen 02:07 UTC im ausgewiesenen Sperrgebiet in den Pazifik gestürzt sein.