Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2019-02-17T13:25:12+01:00

Dezember 2018.

3Dezember

Start von Sojus MS-11

der Start von Sojus MS-11 gesehen von Bord der ISS

Sojus MS-11 im Anflug auf die ISS

Nach dem Fehlstart von Sojus MS-​10 im Oktober 2018 hing die Zukunft der ISS maßgeblich vom Verlauf der Sojus MS-​11 Mission ab. Denn auch mehr als sieben Jahre nach dem letzten bemannten US Raumflug verfügte die NASA — und mit ihr die westlichen Partner des Raumstationsprogramms — über keine eigenen bemannten Raumschiffe. Die Prototypen von SpaceX und Boeing wurden zwar gerade auf ihren jeweiligen, unbemannten, Jungfernflug vorbereitet. Bis zur Aufnahme der bemannten Erprobung würde aber wohl noch ein Jahr vergehen. Ob die ISS so lange unbemannt einsatzfähig gehalten werden könnte, war auch unter Experten umstritten. Offiziell wurde aber Optimismus verbreitet. Der rührte aber vor allem daher, daß die Ursache für den Fehlstart schnell und zweifelsfrei gefunden worden war. Da es sich nicht um ein technisches Problem gehandelt hatte, konnte in Baikonur rasch mit den Vorbereitungen zum Sojus MS-​11 Start begonnen werden. Ja, der eigentlich für kurz vor Weihnachten geplante Start wurde sogar um zweieinhalb Wochen auf den 03.12.2018 vorgezogen. Die Sojus-​FG 11A511U-​FG, eben jenes Modell, das am 11.10.2018 versagt hatte, hob um 11:32 UTC sicher vom Startkomplex 1 auf Platz 5 ab und stieg in den kasachischen Himmel. Diesmal wurden die Beobachter Zeugen einer fehlerfreien Stufentrennung. Kommandant Oleg Kononenko (Rußland) und seine beiden Bordingenieure, David Saint-​Jacques (Kanada) und Anne McClain (USA), erreichten mit ihrer Sojus sicher den vorbestimmten Orbit. Und auch der „Express“ Anflug auf die Internationale Raumstation gelang fehlerfrei. So erfolgte das Docking noch am Starttag, dem 03.12.2018, um 17:33 UTC. Nach Abarbeitung der unvermeidlichen Sicherheitsprozeduren konnten die drei Neuankömmlinge durch die Luftschleuse des „Poisk“ Moduls in die ISS hinüber wechseln, wo sie von den drei anderen Mitgliedern der Expedition 57 freudig begrüßt wurden. Die Verschiebungen im Flugplan führten allerdings dazu, daß sich nach der Übernahme des Kommandos über die Station durch den erfahrenen Kononenko eine außerplanmäßig lange Phase mit einer auf drei Raumfahrer reduzierten Expedition 58 anschloß. Dennoch war so wenigstens der inzwischen seit achtzehn Jahren ununterbrochene bemannte Betrieb der ISS weiter sichergestellt.
3Dezember

Start der SSO-A Mission

FalconSAT 6

ICEYE-X2 SAR Satellit

European Student Earth Orbiter (ESEO)

HawkEye 360 Vorstellung

Capella’s New Perspective on Earth Observation

Polar Scout: Space-based Sensors

Astrocast Präsentation

Audacy Zero Präsentation

Myriota Technologie

Orbital Reflector

PW-Sat 2 Deorbitation

Suomi 100

Eine lange Vorgeschichte hatte die SpaceX SSO-​A Mission, als diese im Dezember 2018 endlich Realität wurde. Das US Unternehmen Spaceflight Industries, das u.a. als Broker für „Rideshare“ Satellitenstarts auftrat, hatte seinen Kunden zusätzlich zu den üblichen Mitfluggelegenheiten auch eine dedizierte Mission ausschließlich zum Start von Nutzlasten der CubeSat Klasse angeboten. Als Trägerrakete sollte eine SpaceX Falcon 9 fungieren, kombiniert mit dem von Andrews Space — seit 2015 eine Tochter von Spaceflight Industries — entwickelten SHERPA „Space Tug“. Diese Bugsierstufe basierte auf dem bereits etablierten ESPA (EELV Secondary Payload Adapter) Ring, der ursprünglich zur Mitnahme von CubeSats bzw. CubeSat-​Startcontainern bei Missionen von Atlas V bzw. Delta IV EELVs entwickelt worden war. Als ESPA Grande Ring verfügte die Konstruktion über fünf Ports, die jeweils 300 kg Nutzlast tragen konnten. Mit eigener Energieversorgung, Bordcomputer, autonomen Navigationssystemen (und bei Bedarf einem leistungsfähigen Antrieb auch für größere Bahnmanöver) entstand auf dieser Basis die SHERPA Stufe. Das Konzept traf bei den potentiellen Kunden auf Interesse und bald war die erste Mission ausgebucht. Versprach der SHERPA Mitflug doch eher die Möglichkeit, auch wirklich die optimale Bahn anzusteuern, statt sich den Vorgaben der Primärmission unterordnen zu müssen. Die erste SHERPA Mission war ursprünglich für Anfang 2014 in Aussicht gestellt worden. Später war die Rede von 2015. Schließlich waren über achtzig Satelliten für den mittlerweile im ersten Quartal 2016 geplanten Jungfernflug gebucht. Doch die Mission wurde immer wieder aufgeschoben und genoß, als die Starts Anfang 2017 nach der Explosion einer Falcon 9 viereinhalb Monate zuvor wieder aufgenommen wurden, weiterhin keine hohe Priorität. Bereits Ende 2016 hatte angesichts der anhaltenden Verzögerungen Planet Labs seine 56 Dove Satelliten von der Mission zurückgezogen. Spaceflight sicherte seinen Kunden zunächst zu, die Mission auch mit den 34 verbliebenen Nutzlasten durchzuführen — sofern SpaceX nun den Starttermin einhielt. Als sich jedoch weitere Verzögerungen bis ins kommende Jahr abzeichneten, gab Spaceflight am 02.03.2017 bekannt, seine Kunden auf diverse andere Startgelegenheiten umzubuchen. Die Mehrzahl der Kunden nahm das Angebot an. Gleichzeitig wurden aber auch Gespräche mit SpaceX über eine neue SHERPA Mission aufgenommen. Im Gegensatz zum ursprünglichen Plan, bei dem zusätzlich der Start einer größeren primären Nutzlast geplant gewesen war (konkret FORMOSAT 5), sollte die SSO-​A Mission dediziert dem Transport von SHERPA und der damit assoziierten Nutzlasten dienen. Ausreichend neue Interessenten hatten sich gefunden. Doch bei der Vorbereitung der „SmallSat Express“ Mission zeigte sich auch die Schwachstelle des Konzepts, nämlich die Schwierigkeit, alle vorgesehenen Nutzlasten rechtzeitig startbereit qualifiziert zu haben. Mitte November 2018 konnte schließlich aber die Testzündung der Erststufe B1046 auf dem Startkomplex SLC-​4E der Vandenberg AFB unternommen werden. Erstmals bereitete SpaceX damit einen Booster auf seinen dritten Einsatz vor. Drei Tage später war der Start geplant. Da zeitgleich die ULA auf SLC-​6 eine Delta IV Heavy mit einem Milliarden Dollar teuren Fotoaufklärungssatelliten auf ihren Start vorbereitete, wurde aus Sicherheitsgründen keine Genehmigung für eine Landlandung der Stufe nach ihrem Einsatz für die SSO-​A Mission gegeben. Doch nur Stunden nach dem Auslaufen der kleinen SpaceX Bergungsflotte wurde diese zurück in den Hafen gerufen. SpaceX hatte zusätzliche Inspektionen der Rakete angeordnet. Als neuer Starttermin wurde einige Tage später der 28.11.2018 bestätigt. Nun sorgte aber schlechtes Wetter, insbesondere zu starke Höhenwinde, für weitere Aufschübe. Als sich die Wettersituation gebessert hatte, wurde am 02.12.2018 eine zusätzliche Inspektion der Raketenzweitstufe für notwendig erachtet. Damit verbunden ein weiterer 24-​stündiger Startaufschub. Schließlich konnte man am 03.12.2018 eine kurzzeitige Wetterberuhigung nutzen und die Falcon 9 v1.2 starten. Ab da verlief die Mission planmäßig. Die SHERPA Struktur mit den Nutzlasten erreichte den geplanten sonnensynchronen Orbit, während die Erststufe nahe der kalifornischen Küste wieder sicher auf der Barge JRTI landete. Das Auffangen der beiden Hälften der Nutzlastverkleidung mit aufgespannten Netzen mißlang allerdings erneut. Wenigstens konnten sie unbeschädigt aus dem Meer gefischt werden.
In der anläßlich des Starts von Spaceflight Industries herausgegebenen Pressemappe war von 64 Nutzlasten von 34 (oder 35) unterschiedlichen Auftraggebern/​Organisationen aus 17 Ländern die Rede gewesen. 15 MicroSats und 49 CubeSats. Eine vollständige Auflistung blieb man der Öffentlichkeit aber auch nach dem geglückten Start schuldig. Die größeren MicoSats waren vom US Weltraumkommando rasch identifiziert. Doch auch Wochen nach dem Start blieb die Lage bei den CubeSats undurchsichtig. Damit bestätigten sich die Probleme, die Analysten schon vor dem Start vorhergesagt hatten. Ohne eine wenigstens vorläufige Identifizierung hatten viele kleinere Teams Schwierigkeiten, Telemetrie von ihren Satelliten zu empfangen und/​oder Kommandos zu senden. Damit stieg die Gefahr, daß einige Satelliten die kritische Inbetriebnahmephase nicht überstanden. Außerdem wurde bekannt, daß einer der Satelliten nicht ausgestoßen worden war, weil der Kunde bis zuletzt keine gültige Betriebslizenz vorlegen konnte. Ein weiterer Satellit war wohl im ebenfalls vom Kunden gestellten Startcontainer „steckengeblieben“. SpaceFlight Industries äußerte sich nicht näher zu den betreffenden Kunden. Gemäß verschiedener Quellen waren die folgenden Nutzlasten an Bord der „SmallSat Express“ Mission: Zwei SkySat Erderkundungssatelliten (SkySat C12 und SkySat C13) des einstigen StartUps Skybox Imaging, nun Teil von Planet Labs. Sie lieferten Fotos und und kurze Videosequenzen (multispektral RGB+NIR und panchromatisch) mit etwa 0,8 m Auflösung. Unter dem Namen Eu:CROPIS verbarg sich dagegen eine wissenschaftliche Mission des DLR. Die deutschen Wissenschaftler wollten mit dem Euglena and Combined Regenerative Organic-​Food Production in Space Experiment während zweier sechsmonatiger Kampagnen das Wachstum von Tomaten unter simulierten Mars– bzw. Mondbedingungen studieren. Dazu war ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem mit einer Lebensgemeinschaft aus Bakterien in einem Biofilter, Tomaten, einzelligen Algen und synthetischem Urin konstruiert worden. Die Eu:CROPIS Mission hatte besonders unter den Startverschiebungen der Falcon zu leiden gehabt. Die Ladung der Batterien war soweit abgesunken, daß man unmittelbar vor einem Austausch gestanden hatte. Teil des Space Test Program (STP) der USAF war STPSat 5. Der von der Sierra Nevada Corporation gebaute Satellit war mit vier wissenschaftlichen Nutzlasten instrumentiert. Die iMESA-​R (Integrated Miniaturized Electrostatic Analyzer Reflight) genannte Suite von Instrumenten zur Erforschung des „Weltraumwetters“ war bereits auf anderen Satelliten und der ISS eingesetzt worden. Mit Unterstützung des USAF Research Laboratory (AFRL) hatten Kadetten der U.S. Air Force Academy ihren FalconSAT 6 verwirklicht. Mit diesem sollten Lösungen für eine Reihe von Kernproblemen bei der Auslegung von Satelliten erprobt werden. Aus den fünf Experimenten stach das SPCS-​2 heraus. Space Plasma Characterization Source Mk. II war ein Reflight des COTS Hall Effect Thruster (HET), der bereits auf FalconSAT 5 gefogen war, dessen Funktion aber wegen Problemen mit der Energieversorgung nicht hatte verifiziert werden können. Vom Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) stammte der 100 kg Satellit NEXTSat 1. Auch mit ihm sollten neue Lösungen für kommende Kleinsatelliten erprobt werden. Die Entwicklung sollte zu einem neuen standardisierten Satellitenbus führen. Dazu wurden u.a. faseroptische Kreisel und miniaturisierte Drallräder erprobt. Aber auch eine wissenschaftliche Mission hatte NEXTSat 1. Dazu wurden die beiden Apparturen Instrument for the Study of Space Storms (ISSS) und Near-​Infrared Spectrometer for Star Formation History (NISS) mitgeführt. Erderkundungszwecken diente der kasachische KazSTSAT. Die Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL) hatte diesen im Auftrag der JV Ghalam LLP gebaut, wobei kasachische Experten einbezogen wurden, die auch einen Teil der Ausrüstung beisteuerten. Betreiber Ghalam war ein Joint Venture der JSC NC Kazakhstan Gharysh Sapary mit Airbus Defence and Space. Bei einer Schwadbreite von 275 km sollte der Satellit multispektrale Aufnahmen mit einer Auflösung von knapp 19 m liefern. Ghalam LLP hatte auch den kleineren 3U CubeSat KazSciSat 1 gefertigt. Seine Ausrüstung bestand aus einem Magnetometer. Ebenfalls aus Kasachstan stammte der Al-​Farabi 2 CubeSat. Zur Ausstattung machte die ebenfalls nach dem islamischen Gelehrten und Philosophen al-​Fārābī benannte nationale Universität (KazNU) keine Angaben, hoffte aber auf Empfangsberichte einer CS Funkbake. Das US Unternehmen NovaWurks war mit ihrem Satelliten eXCITe (eXperiment for Cellular Integration Technologies) alias PTB 1 (Payload Test Bed) an der Mission beteiligt. Ziel dieses Unternehmens war eine Demonstration der Vorteile des Satlet Konzepts, bei dem komplexe Satelliten aus weitgehend identischen Modulen montiert werden sollten, die alle über grundlegende Systeme z.B. zur Energieversorgung, Kommunikation und Thermoregulierung verfügten. Vor allem die DARPA hatte bisher Interesse an der Idee gezeigt und auch diese Mission finanziert. Auf dem aus vierzehn HiSats, Hyper-​Integrated Satlets, aufgebauten Satelliten flog auch das QIKCOM 2 Amateurfunkmodul der US Naval Academy. Während dieses fest mit eXCITe verbunden bleiben sollte, war der ebenfalls von der DARPA finanzierte und von Raytheon gebaute SeeMe (Space Enabled Effects for Military Engagements) Satellit für eine spätere Abtrennung vorgesehen. SeeMe war der Vorläufer einer geplanten Konstellation von kleinen Aufklärungssatelliten, die einmal US Truppen im Kampfeinsatz unmittelbaren Zugriff auf satellitengestützte Aufklärungsinformationen geben sollte. Das finnische Unternehmen ICEYE hatte nach dem Erfolg des im Januar 2018 gestarteten ICEYE X1 Satelliten einen verbesserten ICEYE X2 entwickelt. Bei nur etwa 80 kg Startgewicht konnte dessen SAR (Synthetic Aperture Radar) nun sogar Radaraufnahmen der Erdoberfläche mit 3 m Auflösung liefern. Mit Unterstützung der ESA hatten Studenten diverser europäischer Universitäten ihren ESEO (European Student Earth Orbiter) verwirklicht. Er basierte auf dem ursprünglich von der italienischen SITAEL (jetzt Teil von ALMASpace) entwickelten S-​50 Bus für Satelliten der 50 kg Klasse. Neben diversen Sensoren aus Ungarn flogen auf dem Satelliten u.a. eine experimentelle Kamera des DTU Space Forschungsinstituts (Dänemark) zu Erderkundungszwecken, ein polnisches S-​Band Kommunikationssystem, ein italienischer GPS-​Empfänger, ein niederländisches Attitude and Orbit Determination and Control System (AODCS) und ein De-​Orbiting System der britischen Cranfield University. Dazu kam die FUNcube 4 Amateurfunknutzlast von AMSAT-​UK. Eine in der Geschichte der kommerziellen Raumfahrt neue Idee verfolgte das US Unternehmen HawkEye 360 Inc. Eine Konstellation von Microsatelliten sollte Transportwege und –güter überwachen, ebenso kritische Infrastrukturen, Grenzen, Hoheitsgewässer, Fischereizonen etc. — und zwar mittels Verfolgung und Lokalisierung von RF (Radio Frequency) Emissionen. Was eigentlich nichts anderes bedeutete, als eine zivile Anwendung von SIGINT (Signal Intelligence) Technologien. Entsprechend fanden sich im Beraterstab des Unternehmens dann auch eine Reihe von ehemaligen Militärs, Geheimdienstlern und Politikern mit passender Expertise. Die drei bei der SSO-​A Mission mitgeführten Satelliten, Hawk A, Hawk B und Hawk C, sollten als Pfadfinder fungieren und erste Signalmuster sammeln. Das spanische StartUp AISTech, eine von der ESA geförderte Gründung, plante zwischen 2019 und 2022 den Aufbau einer Konstellation von 25 CubeSats, die helfen sollten, den Bedarf an AIS Schiffspositionsdaten und Multispektral-​Erderkundungsdaten (speziell auch im Infrarot und thermischen Infrarot) zu decken. AISTECHSAT 2, ein erster Prototyp im 6U CubeSat Format, flog auf der SSO-​A Mission. Eine Konstellation von 36 Satelliten plante das kalifornische Unternehmen Capella Space aufzubauen. Ähnlich ICEYE wollte man Allwetter-​Erdbeobachtungsdaten eines X-​Band SAR vermarkten. Mit lediglich knapp 40 kg wogen die Capella Satelliten, deren erster, Capella 1 alias Denali oder SpaceCap im Dezember 2018 seine Premiere feierte, nochmals deutlich weniger als jene der Konkurrenz und sollte dennoch eine Auflösung von 0,5 m erreichen. Auffälligstes Merkmal der Satelliten war eine auf knapp 100 sq. ft, also über 9 m², entfaltbare Radarantenne. Eine deutlich größere Satellitenkonstellation plante BlackSky Global, eine Tochterfirma von Spaceflight Industries. Sechzig Satelliten sollten Bild– und Videomaterial mit einer Auflösung von um 1 m liefern. Mit einer geplanten Lebensdauer von drei Jahren und einem eigenen Antriebssystem hoben sich die BlackSky Block 2 Satelliten von der Mehrzahl der Mitbewerber ab. Dennoch reihte sich die Konstellation in eine Reihe vergleichbarer Projekte weltweit ein, ohne ein echtes Alleinstellungsmerkmal zu bieten. Mit Thales Alenia Space und Telespazio hatte man allerdings zwei etablierte Partner für den Bau der Satelliten und ihren Betrieb gefunden. Rätselhaft blieb die Mission des BlackHawk Satelliten der Firma ViaSat. Von ihm war lediglich bekannt, daß er auf einem 6U CubeSat Bus von Blue Canyon Technologies basierte. Auch CSIM-​FD baute auf dem XB6 CubeSat Entwurf von Blue Canyon Technologies auf. Doch die wissenschaftliche Compact Spectral Irradiance Monitor — Flight Demonstration Mission war klar benannt. Das Laboratory for Atmospheric and Space Physics (LASP) der University of Colorado in Boulder plante Beobachtungen der Variationen der solaren Strahlung im Hinblick auf das irdische Klima. Das niederländische Raumfahrt StartUp Hiber Global (vormals Magnitude Space) plante den Aufbau einer Konstellation von CubeSats für die Kommunikation des Internet of Things (IoT). Zunächst sollten 18 bis 24 Satelliten eine erste Konstellation bilden, die im Endausbau einmal 50 Exemplare umfassen sollte. Den Auftakt bildeten der am 29.11.2018 gestartete Hiber One, nun gefolgt von Hiber Two. Bereits im Laufe des Jahres 2019 sollte der kommerzielle „Hiberband“ Service aufgenommen werden. Vom brasilianischen Instituto Tecnológico de Aeronáutica (ITA) stammte der 6U CubeSat ITASAT 1. Ursprünglich war dessen Entwicklung einmal als 80 kg MicroSatellit begonnen, wegen technischer und finanzieller Schwierigkeiten aber herunter skaliert worden. Vor allem diente das Projekt der Gewinnung von Erfahrungen. Daher war die Ausrüstung mit GPS Empfänger, Datensammel-​Plattform und einer einfachen Kamera nicht sehr umfangreich. Aquila Space, aus der US Tocher Canopus Systems des russischen Raumfahrt StartUps Dauria Space hervorgegangen, hatte 2017 mit der praktischen Realisierung seiner Pläne für eine Konstellation sogeannter Landmapper-​BC Satelliten begonnen. Diese sollten perspektivisch täglich die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche der Erde in drei Spektralbändern (rot, grün, NIR) mit 22 m Auflösung bei 220 km Schwadbreite aufnehmen. Doch die drei ersten Satelliten fielen entweder direkt nach dem Starts aus oder erreichten gar nicht erst den Orbit. Nun war mit Landmapper-​BC 4 der zweite Satellit erfolgreich gestartet worden. Im Rahmen des Operationally Responsive Space Programms verwirklichten die United States Coast Guard und das Department of Homeland Security die Polar Scout Mission. ORS 7A (Polar Scout 1 „Yukon“) und ORS 7B (Polar Scout 2 „Kodiak“) sollten auf ihrer polaren Bahn den Empfang von Notsignalen von Schiffen, Flugzeugen und Personen in der Arktis verbessern helfen. Die schweizer Astrocast SA, hervorgegangen aus dem Universitätsteam hinter dem Swisscube Programm, arbeitete mit Unterstützung der ESA und namhafter europäischer Raumfahrtfirmen an einer Konstellation aus 64 CubeSats (jeweils acht auf jeder der geplanten Bahnebenen) für die Internet of Things (IoT) und Machine-​to-​Machine (M2M) Kommunikation. Zunächst aber sollten zwei Testsatelliten das Konzept der L-​Band Kommunikation und Datenbereitstellung in der Cloud verifizieren. Den Beginn machte nun Astrocast 0.1, ein 3U CubeSat. Das US Unternehmen Audacy plante dagegen den Start von drei Datenrelais-​Satelliten im MEO (Medium Eath Orbit), die in Verbindung mit einem Netz eigener Bodenstationen anderen Betreibern von Satelliten im erdnahen Orbit einen unterbrechungsfreien Empfang ihrer Daten (via Internet) erlauben sollten. Ebenfalls auf IoT Anwendungen zielte das australische Unternehmen Myriota, das seinen miniaturisierten kostengünstigen Transmitter praktisch im Zusammenwirken mit dem vom US Unternehmen SpaceQuest gebauten BRIO Satelliten eproben wollte. Vor allem die von Myriota entwickelte Software Defined Radio (SDR) Lösung und ihre Option, im Laufe einer Mission mit neuen Features nachgerüstet zu werden, sollte ihre Leistungsfähigkeit demonstrieren. Ebenfalls von SpaceQuest stammte der THEA CubeSat. Dieser diente als Plattform für eine Nutzlast von Aurora Insight, deren Aufgabe vage mit der Analyse von Funkspektren im Hinblick auf kommende Instrumenten-​Entwicklungen beschrieben wurde. Audacy Zero, ein 3U CubeSat, sollte die K– und Ka-​Band Kommunikation zwischen dem Satelliten und einer ersten experimentellen Bodenstation im Großraum San Francisco (Napa Valley) demonstrieren. Als sekundäre Nutzlast flog auf Audacy Zero das POINTR (Polar Orbiting Infrared Tracking Receiver) Experiment der Stanford Student Space Initiative. Mit diesem sollte das Tracking eines vom Boden ausgesandten Laserstrahls erprobt werden — als Vorbereitung einer geplanten Laser-​optischen Satellit-​zu-​Satellit Kommunikation. Fleet Space Technologies, ein junges australisches Unternehmen, startete mit Centauri I seinen zweiten Testsatelliten für eine projektierte Konstellation von CubeSats für die IoT Kommunikation. Der Schwestersatellit Centauri II war nur wenige Tage zuvor mit einer indischen PSLV gestartet worden. OHB Italia SpA, vormals Carlo Gavazzi Space, hatte mit Eaglet 1 einen CubeSat im 3U+ Format für die Erdbeobachtung und Meeresüberwachung entwickelt. Mit einem panchromatischen optischen System von 300 mm Brennweite und 85 mm Apertur war der Satellit für seine Größe sehr leistungsfähig. Drallräder und Magnetorquer in Verbindung mit Erd-​, Sonnen– und Sternensensoren sowie einem GPS-​Empfänger und einem Magnetometer sollten zudem eine exakte Orientierung erlauben. Als sekundäre Nutzlast wurde ein AIS Empfänger für Schiffs-​Identifikations-​Signale implementiert. Der Satellit fungierte als Demonstrator für die geplante Eaglet 2 Konstellation von 57 Satelliten auf 19 Bahnebenen. Eines von zwei Kunstobjekten, die bei der SSO-​A Mission in den Orbit befördert wurden, trug den (alttestamentarisch) Namen Enoch. Es handelte sich dabei um eine vergoldete Skulptur, die den altägyptischen Kanopen, nachempfunden war. Sie war in einem Shintō-​Schrein gesegnet worden. Laut dem Künstler Tavares H. Strachan, der das Projekt unter der Schirmherrschaft des Los Angeles County Museum of Art (LACMA) verwirklicht hatte, war dieser merkwürdig anmutende Mix von Religionen dem Gedenken an Robert H. Lawrence jr. gewidmet, der 1967 als erster Afroamerikaner in das Kandidatenprogramm für einen (militärischen) Raumflug aufgenommen worden, wenig später aber tödlich verunglückt war. Das zweite Kunstobjekt trug den weniger prosaischen Namen Orbital Reflector (ORS 1). Das Nevada Museum of Art und der Fotokünstler und der politische Aktivist Trevor Paglen standen hinter der Inszenierung, bei der von einem 3U CubeSat eine 30 m große Mylar-​Struktur entfaltet werden sollte. Das theoretisch am Nachthimmel visuell gut sichtbare Objekt sollte nach Aussage des Künstlers die Menschen anregen „über ihren eigenen Platz im Universum nachzudenken“. Doch auch Wochen nach dem Start konnte der Satellit nicht identifiziert werden — offenbar war mindestens die Entfaltung der Ballonhülle fehlgeschlagen. Das US Unternehmen Elysium Space hatte die Idee der Celestis Inc. aus den 1990er Jahren aufgegriffen, die seit 1997 eine Reihe von „Weltraumbestattungen“ unternommen hatte. Auch bei Elysium flogen kleine Ampullen mit Asche der Verstorbenen an Bord eines Satelliten. Nach einem (mißglückten) Flug im November 2015 war die Elysium-​Star 2 Mission (ein Container im 1U CubeSat Format) die erste orbitale Mission. US Navy PEO Space Systems und das Space and Naval Warfare Systems Command waren mit ICE-​Cap (Integrated Communications Extension Capability) an der SSO-​A Mission beteiligt. Ausgehend von einem Satellitenbus aus dem SMDC-​ONE Programm, den das Army Space and Missile Defense Command (SMDC) zur Verfügung gestellt hatte, plante das Program Executive Office Space Systems mit dem 3U CubeSat Tests für eine sichere scross-​link Kommunikation zwischen Bodenstationen, dem auf einem polaren Orbit operierenden ICE-​Cap und geostationären MUOS Kommunikationssatelliten. Ziel war es, die Kommunikationskapazitäten in der Arktis zu verbessern. Ein Team von Studenten der Republic of Korea Air Force Academy und der Chosun University hatte mit Unterstützung des KAIST (Korea Advanced Institute of Science and Technology) den 3U CubeSat K2SAT realisiert. Primär diente das Programm der Ausbildung angehender Ingenieure. Aus dem Orbit sollten dann Bilder einer Kamera im S-​Band nach dem QPSK-​Verfahren übertragen werden. Doch die (nur während Flugphasen im direkten Sonnenlicht) empfangenen Telemetriedaten wiesen darauf hin, daß sich die Solarzellenflächen des Satelliten nicht entfaltet hatten, was weitere Experimente unmöglich machte. Studenten der Seoul National University hatten den SNUSAT 2 CubeSat entwickelt. Der hatte ein Kamerasystem (Weitwinkel und hochauflösend) zur Erdbeobachtung in Katastrophensituationen (Disaster Monitoring) an Bord. Ebenfalls von der SNU stammte der 2U CubeSat SNUGLITE. Er war mit einem Magnetometer, einen GPS Empfänger und einer Amateurfunknutzlast ausgerüstet. Ebenfalls aus Südkorea stammte VisionCube, ein 2U CubeSat der Korea Aerospace University. Er sollte versuchen, Aufnahmen von sogenannten Transient Luminous Events (TLEs) — elektrischen Entladungen ähnlich Gewittern, jedoch außerhalb der unteren Atmsophäre — zu gewinnen. Seine Instrumentierung bestand aus einem Mehrkanal-​Photonendetektor und einer CMOS Kamera. Leider konnte nach dme Start wohl keine Kontakt zu ihm aufgebaut werden. Die erfolgreiche MinXSS (Miniature X-​ray Solar Spectrometer) Mission des Laboratory for Atmospheric and Space Physics (LASP) an der University of Colorado in Boulder sollte mit MinXSS 2 eine Fortsetzung erfahren. Beide Satelliten lieferten Meßdaten zur „weichen“ solaren Röntgenstrahlung. Verbesserungen betrafen neben dem empfindlicheren Sensor und einem größeren Meßbereich vor allem die höhere maximale Datenübertragungsrate und eine größer Datenspeicherkapazität. Im Auftrag und mit Unterstützung der Australian Defence Force Academy und der Royal Australian Air Force hatte die University of New South Wales den RAAF M1 Satelliten gebaut. Schwerpunkt der Mission war die Erprobung eines SDR für den Empfang von AIS und ADS-​B Signalen. Aber auch weitere innovative Lösungen sollten im Rahmen von „Mission 1“ erprobt und Erfahrungen gesammelt werden. Mit zunächst zwei Prototypen wollte die University of North Carolina ihren HawkEye Ocean Colour Sensor erproben. Dieser sollte zu einem Bruchteil der Kosten des Sea-​Viewing Wide Field-​of-​View Sensor der NASA vergleichbare Daten über die Mikrolebewesen in den Ozeanen liefern. Das Projekt, das damit die Nachfolge der SeaStar (OrbView 2) und Nimbus 7 Satelliten antreten würde, trug den Namen Sustained Ocean Observation from Nanosatellites (SOCON). Der erste Prototyp erhielt die Bezeichnung SeaHawk 1. SSTL, der britische Spezialist für Klein– und Kleinstsatelliten, hatte vom US Konzern Honeywell den Auftrag zur Lieferung der Plattform für die VESTA Mission erhalten. Das Projekt wurde von der UK Space Agency im Rahmen des National Space Technology Programme gefördert. Honeywell wollte mit VESTA ein VHF Data Exchange System (VDES) erproben, das die kanadische Firma exactEarth, Eigentümer des Satelliten, auf einer zukünftigen Konstellation für die maritime Kommunikation einsetzen wollte. Studenten der Politechnika Warszawska (Technische Universität Warschau) hatten das PW-​Sat 2 Projekt ausgearbeitet. Der kleine, lediglich mit einem Sonnensensor und zwei Kameras ausgerüstete, 2U CubeSat sollte Primär ein „Drag Sail“ erproben, das für einen raschen und kontrollierten Wiedereintritt sorgen würde. Das Experiment verlief ausgesprochen erfolgreich. Nach der Entfaltung der Struktur am 29.12.2018, dokumentiert durch eine der Kameras, wurde eine rasches Absinken der Bahn beobachtet. Der Verbesserung der Präzision der relativen wie auch absoluten Genauigkeit der Positionsbestimmung von CubeSats hatte sich das Georgia Institute of Technology mit seiner RANGE (Ranging And Nanosatellite Guidance Experiment) Mission verschrieben. Die beiden 1,5U CubeSats verfügten über GPS Empfänger, deren Signale, ein Novum, über miniaturisierte kommerziell verfügbare Atom-​Uhren synchronisiert wurden. Bodengestützte Laser erlaubten eine präzise Bahnvermessung, während die Satelliten ihre Position zueinander per Laser bestimmten. Das System erlaubte zudem eine optische Kommunikation der RANGE Satelliten untereinander. Diese verfügten über keinen eigenen Antrieb, sollten aber durch aktive Beeinflussung des aerodynamischen Widerstands (durch Reorientierung in der Bahn) ihren Abstand verändern können. Indiens erste private Raumfahrtmission flog ausgerechnet auf einer US Rakete, während viele US Unternehmen umgekehrt seit Jahren ihre Satelliten von indischen Raketen starten ließen. Das StartUp Exseed Space hatte innerhalb von nur vier Monaten einen 1U CubeSat startbereit gemacht, der verschiedene Amateurfunk-​Modi unterstützte und das Interesse von Schülern und Studenten an wissenschaftlich-​technischen Themen steigern sollte. Seine Anerkennung als Amateurfunksatellit brachte ExseedSat 1 den offiziellen Beinamen VUsat-​OSCAR 96 ein. Den Titel Jordan-​OSCAR 97 erhielt dagegen von der AMSAT der erste jordanische Satellit verliehen. JY1-​Sat trug im Namen das Rufzeichen des früheren jordanischen Königs Hussein, der u.a. ein begeisterter Amateurfunker gewesen war. Der Satellit hatte einen konventionellen 435/145 MHz Transponder und einen Transponder für Slow-​Scan Digital Video (SSDV) Signale an Bord, der gespeicherte Bilder übertragen konnte. JY1-​Sat gehörte zu den Nutzlasten des SSO-​A Starts, von denen sehr rasch erste Signale empfangen werden konnten. Der von AMSAT-​NA gebaute Fox 1C alias AMSAT-​OSCAR 95 mußte hingegen als Totalverlust abgeschrieben werden. Zwar konnte Telemetrie des Satelliten empfangen werden, Kommandos ließen sich aber nicht übermitteln. Damit waren auch die Daten eines Experiments zu Strahlungsauswirkungen des Institute for Space and Defense Electronics (ISDE) an der Vanderbilt University, einer Virginia Tech Kamera und eines Pennsylvania State-​Erie MEMS Gyros verloren. Keinen Monat nach ihrem ersten Satelliten hatte die Irvine Public School ihren zweiten Satelliten, Irvine 02, im Orbit. Das auf mehrere Jahre angelegte CubeSat Projekt wurde u.a. von der NASA und der EXA (Ecuadorian Civilian Space Agency) gefördert. Im Rahmen eines STEM (Science, Technology, Engineering, Mathematics) Förderprogramms sollten die Schüler von sechs weiterführenden Schulen in Irvine, Kalifornien nicht nur die Möglichkeit erhalten am Bau eines Satelliten mitzuwirken, sondern auch an dessen Betrieb. Aus der Masse anderer Schulprojekte ragten die beiden Irvine Satelliten auch durch die Integration eines miniaturisierten Tiled Ionic Liquid Electrospray (TILE) Triebwerks heraus, einer neuen Bauform elektrischer Antriebe. Unter der Projektbezeichnung KNACKSAT (KMUTNB Academic Challenge of Knowledge Satellite) hatte die King Mongkut’s University of Technology North Bangkok den ersten vollständig in Thailand gebauten Satelliten verwirklicht. Primär handelte es sich natürlich um ein Trainings– und Qualifizierungsobjekt für die Studenten. Doch wurden auf dem unter Einsatz von COTS Komponenten gebauten 1U Satelliten immerhin eine Kommunikationsnutzlast, ein Kamerasystem und ein Lageregelungssystem auf Basis von Magnetorquern untergebracht. Letzteres sollte auch genutzt werden, um den Satelliten zum Ende der Mission beschleunigt in die Atmosphäre eintreten zu lassen. Doch konnten lediglich für einige Tage sehr schwache Signale empfangen werden, die möglicherweise von KNACKSAT stammten. An der TU München war der 1U CubeSat MOVE II (Munich Orbital Verification Experiment) entwickelt worden. Unterstützung, auch finanziell, hatten die Studenten vom DLR erhalten. Primäres Ziel des Projekts war die Flugqualifizierung des Satellitenbusses und seiner Untersysteme. Abgesehen von einigen anfänglichen Problemen mit der Energieversorgung arbeitete der Satellit störungsfrei. Das US Unternehmen Swarm Technologies, das im Januar 2018 für Furore gesorgt hatte, weil es vier winzige 0,25U CubeSats ohne Genehmigung der FCC starten lassen hatte, war mit vier weiteren SpaceBEE Satelliten bei der SSO-​A Mission vertreten. Nach einer 900.000 $ Bußgeldzahlung hatte man diesmal die Autorisierung rechtzeitig eingeholt. Auch der Wechsel auf den technisch eigentlich unnötigen 1U Formfaktor war den Befürchtungen geschuldet, daß die Satelliten eine zu schwache Radarsignatur für eine sichere Bahnverfolgung aufweisen könnten. Außerdem wurde wieder ein passiver Radar-​Reflektor mitgeführt, der das Radarprofil um den Faktor 10 verstärken sollte. Für das Jahr 2019 plante Swarm Technologies den Aufbau seiner 150 Satelliten Konstellation für die IoT Kommunikation. Auch wenn die FCC nun der Nutzung der Frequenzen (137138 MHz downlink, 148149,5 MHz uplink) zugestimmt hatte, waren die kommerziellen Aussichten des Projekts (wie vieler vergleichbarer) aber unsicher. Denn die FCC konnte die Lizenzen nur für die USA ausstellen. Und andere StartUps hatten sich diese Frequenzen z.B. für Europa bereits gesichert. Ebenfalls eine Konstellation für die IoT Kommunikation wollte das US Unternehmen Sirion Global aufbauen. Ihr Helios Wire Pathfinder II alias Sirion Pathfinder II Satellit markierte mit seinem 16U Formfaktor aber das entgegengesetzte Ende der Design-​Bandbreite. Ein erster Pathfinder Satellit des kanadischen Unternehmens Helios Wire war im November 2017 Opfer eines russischen Fehlstarts geworden. Mit seinem australischen Partner Sirion Global Ltd., der dort einen Teil des S-​Band Frequenzspektrums lizensiert hatte, konnte aber die Finanzierung für ein zweites Exemplar sichergestellt werden. Geplant war eine 28 Satelliten umfassende Konstellation. Suomi 100 war der Name eines 1U CubeSats, den die Aalto-​yliopisto (Aalto-​Universität) aus Anlaß des 100. Jahrestags der Unabhängigkeit Finnlands gebaut hatte. Der Start hatte sich dann aber bis ins Jahr 2018 verschoben. Zur Ausrüstung von Suomi 100 gehörten eine hochauflösende Kamera mit weitem Blickfeld und ein Empfänger für die ionosphärischen Signale von Polarlichtern. Eine originelle Mission verfolgte WeissSat 1, ein 1U CubeSat der Weiss School in Palm Beach Gardens, Florida. Die Mittelstufen-​Schüler hatten ein Experiment rund um ein Miniaturlabor entwickelt, mit dem sie anhand der unterschiedlichen Fluoreszenz von lebenden und toten Exemplaren extremophiler Bakterien das Überleben derselben unter kosmischen Bedingungen erforschen wollten. Auch das Unternehmen Planet Labs war mit drei seiner Dove Satelliten an der SSO-​A Mission beteiligt. Flock 3s-​1, Flock 3s-​2 und Flock 3s-​3 bildeten den Grundstock für die Flock-​3s (Teil-)Konstellation und lieferten wie ihre Vorgänger Erderkundungsaufnahmen. Schließlich gab es noch Berichte über zwei Gruppen von drei bzw. zwei Exemplaren von Satelliten für namentlich nicht genannte US Regierungsbehörden. Ihre Existenz war zunächst nicht gesichert und paßte auch nicht zur von Spaceflight Industries genannten Gesamtzahl von Nutzlasten bei der „SmallSat Express“ Mission. Wochen nach dem Start erhielten wenigstens zwei der Satelliten Namen: OrbWeaver 1 und OrbWeaver 2. Firmamentum, eine Abteilung der Tethers Unlimited Inc., einem Spezialisten für Spezialfasern und seit kurzem auch Filamenten für den 3D-​Druck, hatte die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) von ihrem Konzept für einen Satelliten überzeugt, der im Orbit aus dem Aluminium eines ESPA Rings eine hochpräzise Ka-​Band Antenne fertigen sollte. Details zur aktuellen Mission verlauteten aber nicht.
4Dezember

Start der Ariane-5ECA VA246

Der fünfte und letzte Ariane Start des Jahres fand am 04.12.2018 statt. Für die VA246 Mission waren der indische Kommunikationssatellit GSat 11 und der südkoreanische meteorologische Satellit GEO-​KOMPSAT 2A als Nutzlasten kombiniert worden. Ursprünglich hatte GSat 11, der bis dahin mit Abstand schwerste indische Kommunikationssatellit, bereits im Mai bei der VA243 Mission 2018 starten sollen. Nach Problemen mit den Solarzellenauslegern bei anderen ISRO Satelliten waren jedoch Zweifel an der Flugtauglichkeit des ersten I-​6K Satelliten aufgekommen. Und so holte die indische Raumfahrtorganisation den Satelliten wieder aus Kourou ab und unterzog ihn weiteren Tests. Die Überprüfungen in Bengaluru (Bangalore) deckten aber keine Fehler auf, so daß nun endgültig die Startfreigabe erfolgte. Und Arianespace ermöglichte dem treuen Kunden ISRO auch zeitnah einen neuen Startversuch. Eine knappe Woche nach GEO-​KOMPSAT 2A traf GSat 11 am 26.10.2018 wieder in Kourou ein. Nach einem reibungslosen Countdown hob die Ariane-​5ECA am 04.12.2018 von der ELA3 Rampe ab und setzte knapp eine halbe Stunde später als erste der beiden Nutzlasten GSat 11 aus. Viereinhalb Minuten später wurde der kleinere koreanische Satellit aus der SYLDA Doppelstartvorrichtung ausgestoßen. Vier Zündungen seines Apogäumstriebwerks hoben den beinahe sechs Tonnen schweren GSat 11 bis zum 09.12.2018 auf einen geosynchronen Orbit, wo man ihn auf eine vorläufige geostationäre Position driften ließ. Über 74° Ost war dann die Indienststellung vorgesehen, von wo der Satellit 16 Ausleuchtzonen auf dem indischen Subkontinent sowie den Andamanen und Nikobaren im Ku-​Band versorgen sollte. Die Ballungszentren Neu-​Delhi und Bengaluru wurden mit zwei Ka-​Band Sendekeulen versorgt und erhielten zudem untereinander eine Ka-​Band Direktverbindung. Die insgesamt 40 Transponder des Satelliten erlaubten einen Gesamtdatendurchsatz von 16 Gbps und unterteilten sich in 32 Ka×Ku-Band Forward Link Transponder und 8 Ku×Ka band Return Link Transponder. Ihre Kapazität war dringend erwartet worden. Neben der besseren Internet– und Datenanbindung von wirtschaftlichen Zentren sollten über den Satelliten auch abgelegene Landesteile an die zentralen Verwaltungen angebunden werden. Mit dem GEO-​KOMPSAT 2A erhielt die KARI hingegen ihren ersten dedizierten geostationären meteorologischen Satelliten. Allerdings stand der in der Tradition des 2010 gestarteten COMS 1 (Communication, Oceanography and Meteorology Satellite). Der damals von Astrium für die Mission entworfene AstroBus-​G diente den koreanischen Ingenieuren auch als Vorlage für die aus zwei Exemplaren bestehende Nachfolgegeneration. GK2A, der erste der beiden Satelliten, war für meteorologische Beobachtungen und Forschungen zum Weltraumwetter instrumentiert. Beide Instrumenten-​Suiten (AMIAdvanced Meteorological Imager und KSEMKorean Space Environment Monitor) orientierten sich dabei an etablierten westlichen Vorbildern, so daß ein Abgleich mit den Daten anderer Satelliten erleichtert wurde. Am 22.12.2018 begann über 128,25° Ost die Inbetriebnahme– und Kalibrierungsphase des Satelliten, der ab Mitte Januar 2019 in den Regelbetrieb überführt werden sollte. Ende Januar 2019 konnte dann auch die erste Erdaufnahme aus dem geostationären Orbit veröffentlicht werden.
5Dezember

Start der CRS-16 Mission

die beschädigte B1050 Booster in der Hafeneinfahrt von Port Canaveral

Blick in den Trunk von CRS-16 (links RRM3, rechts GEDI)

Dragon CRS-16 kurz vor dem Greifen mit dem Canadarm2

Nachdem der ursprünglich noch für Ende November geplante Start der Dragon CRS-​16 Versorgungsmission in den Flugplan der ISS eingetaktet und daher auf den 04.12.2018 verschoben worden war, sorgte ein kurioses Problem für einen zusätzlichen Aufschub. Unter den 2.573 kg Fracht befand sich auch Futter für die (ebenfalls an Bord befindlichen) Labormäuse. Und bei diesem waren Spuren von Schimmel gefunden worden. Daher mußte das Futter kurzfristig ausgetauscht und ein Teil der Ladung entsprechend neu gepackt werden. Mit einem Tag Verspätung startete die CRS-​16 (Kapsel C112 auf ihrem zweiten Flug) am 05.12.2018 um 18:16 UTC von SLC-​40 in Cape Canaveral. Die eingesetzte Falcon 9 v1.2 Trägerrakete war ein werksneues Exemplar. Deren Erststufe sollte nach getaner Arbeit an Land auf LZ-​1 landen. Mittlerweile ein Routinemanöver, abgesehen davon, daß aus missionsplanerischen Gründen zuletzt die meisten Stufen doch eher auf einer der schwimmenden Plattform auf hoher See gelandet waren. Doch diesmal vollführte die Stufe eine Reihe von erratischen Manövern und stürzte vor der Küste ins Meer. Unterdessen arbeitete die Oberstufe aber fehlerfrei. Und so erreichte die Dragon problemlos ihren Zielorbit. Am 08.12.2018 erfolgte dann der Endanflug auf die ISS. Nachdem man sich wegen Kommunikationsproblemen zwischenzeitlich wieder auf die Halteposition in 30 m Entfernung hatte zurückziehen müssen, gelang im zweiten Versuch das „Einfangen“ der Dragon. Am 08.12.2018 um 12:21 UTC war dieser Schritt der Prozedur vollzogen, um 15:36 UTC das Berthing am „Harmony“ Modul. Im Trunk des Raumschiffs waren damit auch zwei neue Außenbord-​Experimente auf der ISS eingetroffen: Global Ecosystem Dynamics Investigation und die Robotic Refueling Mission 3. GEDI sollte hochpräzise LIDAR Höhenmessungen unternehmen — u.a. zur Dokumentation des Abschmelzens der Gletscher, aber auch zur Beobachtung des Kronenwachstums von Bäumen. Mit RRM3 wollte die NASA dagegen primär Techniken zur Betankung und Reparatur von Satelliten im Orbit testen. Im druckbeaufschlagten Teil wurden dagegen die CubeSats CAT 1 und CAT 2, Delphini 1 (alias AUSAT 1), UNITE und TechEdSat 8 (alias TES 8) zur Raumstation transportiert. Die beiden letztgenannten waren ursprünglich bereits einige Wochen früher für einen Start mit der Cygnus NG-​10 gebucht gewesen, diese Mitfluggelegenheit aber knapp verpaßt. Alle fünf sollten im Februar aus dem NRCSD (NanoRacks CubeSat Deployer) #15 ausgestoßen werden.
Die veröffentliche Analyse der Umstände, die zum Verlust der Erststufe geführt hatten, ergab das folgende Bild. Demnach hatte einer der Grid-​Fins nach dem Ausfall seiner Hydraulikpumpe blockiert. Der Steuerungssoftware gelang es dennoch, die Stufe annähernd unter Kontrolle zu halten. Doch die Regularien sahen für einen solchen Fall klar eine „Sicherheitslandung“ im Meer vor, um jedwede Gefährdung der Infrastruktur auf der Range zu vermeiden. Schließlich vollführte die Stufe noch eine nahezu perfekte Landung in Sichtweite zum Strand von Cape Canaveral. Selbst die heftige Rotation um die Längsachse konnte im letzten Augenblick noch gestoppt werden — dank des Jo-​Jo-​Effekts beim Ausklappen der Landebeine. Der Booster kam senkrecht nieder, blieb einen kurzen Augenblick senkrecht, und kippte schließlich zur Seite. SpaceX schickte mehrere Schiffe u.a. mit Tauchern zur im Meer treibenden Stufe. Diese wurde gesichert und schließlich in den Hafen von Port Canaveral geschleppt, wo man sie neben der OCISLY Plattform vertäute. Auch wenn die Stufe auf den ersten Blick relativ intakt wirkte, waren bei genauerer Betrachtung doch erhebliche strukturelle Schäden erkennbar. Insbesondere im Bereich des Adapters zur Oberstufe („Interstage“).
7Dezember

die CZ-2D vor ihrem Start am 07.12.2018 von Jiuquan

fünf der LadyBird Satelliten: hinten v.l.n.r LadyBird 3, LadyBird 2, vorn v.l.n.r. LadyBird 7, Ladybird 5, Ladybird 6

Einen Cluster kleiner Satelliten transportierte am 07.12.2018 eine stretched CZ-​2D Rakete von Jiuquan aus auf sonnensynchrone Bahnen im 500 km Höhenbereich. Hauptnutzlast waren zwei saudische Erderkundungssatelliten: SaudiSat 5A und SaudiSat 5B. Sie stammten vom KACST (King Abdulaziz City for Science & Technology) Space Research Institute. Ausgerüstet mit einem hyperspektralen optischen System sollten sie die weitaus kleineren experimentellen SaudiSat 2 und SaudiSat 3 ablösen. Zu den technischen Parametern der Satelliten hielt sich Saudi-​Arabien bedeckt. Mit einer Startmasse von je 425 kg und einer projektierten Lebensdauer von fünf Jahren stellten sie aber eine ganz andere Leistungsklasse dar. War schon die Nachrichtenlage bezüglich der beiden SaudiSat dürftig, wurde dies von den außerdem mitgeführten zehn chinesischen Satelliten noch in den Schatten gestellt. Allerdings wurden die Satelliten mit zahllosen Namen bedacht. Und meist reklamierten auch gleich mehrere chinesische Raumfahrt StartUps für sich, Hersteller des Satelliten zu sein. Sieben Satelliten gehörten zur Piao Chong Reihe (englisch Ladybird oder Ladybug) des Unternehmens Commsat Technology Development Co. (Jiu Tian Wei Xing). Dieses hatte eine Nanosatelliten-​Plattform nach den Prinzipien des CubeSat Designs entwickelt und Kunden akquirieren Können, die ihre Nutzlasten auf dem ersten Baulos der Satelliten fliegen alssen wollten. Der Hauptsatellit, LadyBird 1, unterschied sich spürbar von den anderen sechs. Mit über 90 kg wog er ein Vielfaches. An Bord waren fünf hochauflösende Kameras, die Panoramaaufnahmen aus dem Orbit anfertigen sollten. Zusammen mit einem LED-​Bildschirm sollten Usern am Boden zudem virtuelle Portraits mit der Erde im Hintergrund („Space Selfies“) möglich gemacht werden. Leistungsfähige LEDs konnten zudem Botschaften per Licht-​Morse-​Code senden. Der Satellit fungierte darüber hinaus als Testplattform für eine Reihe von technischen Lösungen, die bei einer geplanten Konstellation von Satelliten für das Internet of Things zum Einsatz kommen sollten. Das galt auch für die jeweils drei 3U und 6U CubeSats, die die weiteren LadyBird ausmachten. LadyBird 2 zählte zu den 6U Einheiten. Er war in Zusammenarbeit mit dem Streaming-​Dienst Elvis Radio realisiert worden und trug daher den Beinamen Elvis Radio Star. LadyBird 3 trug den Beinamen Hua Mi Star (M Star), da er einer Kooperation mit dem Unternehmen Huami, das u.a. Fitness Armbänder herstellte, entstammte. Daten eben dieser Armbänder sollten auch über den Satelliten weitergeleitet werden. In den Presseberichten regelmäßig unerwähnt blieb LadyBird 4. Einige Monate vor dem Start war jedoch von einem LadyBird namens Panda Star die Rede gewesen und einer Mission zum Tracking von Wildtieren (Pandas?). LadyBird 5, auch als Lida Education Satellite bekannt, war der zweite Satellit der Youth Star Reihe. Er verfügte über eine Kamera und wurde von Schülern aus einem virtuellen Kontrollzentrum gesteuert. Technologischer Partner war hier die Li Da Education Technology Group aus Shanghai. LadyBird 6 (Tmall International Star) diente dem Alibaba Konzern (Tmall International, ex Taobao) als Werbeplattform. Und der chinesische Sänger und Teenie-​Schwarm Lu Han hatte die „Patenschaft“ über LadyBird 7 (RE: X-​Star) übernommen. Die restlichen drei Nutzlasten bauten offenbar alle auf dem Sagittarius 1 CubeSat Bus, einer Gemeinschaftsentwicklung von ADA Space und Tianyi Research, auf. Xinjiang Jiaotong 01 (Xinjiang Traffic 01) oder Tianyi 301 diente als Relais für IoT Daten aus der Provinz Xinjiang. Genannt wurden beispielsweise Anwendungen aus den Bereichen Verkehr, Landwitschaft, Tourismus, Umweltschutz und Sicherheit. Über TFSTAR (auch Douyu 666) wurde bekannt, daß er Nutzer des in China populären Streamingdienstes Douyu​.com vernetzen sollte und über eine Kamera verfügte. TY/​DF 1 schließlich stammte vom Advanced Micro-​Nano Research Joint Laboratory (Hunan Tian Yi Institute und Jiuquan Space Center) und diente als Experimentalplattform für eine geplante Konstellation namens Xingshidai.
7Dezember

„Yutu 2“ auf der Plattform des „Chang’e 4“ Landers

eine der ersten veröffentlichten Aufnahmen der Landestelle von „Chang’e 4“

„Yutu 2“ nahe des der Landestelle nächstgelegenen Kraters

Nachdem 2013/14 die erste chinesische Mondlande-​Mission „Chang’e 3“ ein eher durchwachsenes Ergebnis erzielt hatte (die Landung war ein uneingeschränkter Erfolg, doch der mitgeführte Rover fiel unerwartet früh aus), wurde bald bekannt, daß die Wissenschaftler an einer anspruchsvolleren Nachfolgemission arbeiteten. Langfristig sollten mit „Chang’e 5“ und „Chang’e 6“ Mondbodenproben zur Erde geholt werden. Doch „Chang’e 4“ war eine andere Mission vorbehalten. Zur Überbrückung bis zum Eintritt in die nächste Etappe des Mondprogramms sollte eine nach den Erfahrungen mit „Chang’e 3“ leicht modifizierte Lander-​/​Rover-​Mission unternommen werden. Diesmal allerdings, und das war ein echtes Novum in der Mondforschung, auf der erdabgewandten Seite des Erdtrabanten. Das Problem der Kommunikation löste man mit der Positionierung eines Datenrelais-​Satelliten im L2 Punkt des Erde-​Mond Systems. Sechseinhalb Monate später startete nun am 07.12.2018 um 18:24 UTC von Xichang eine CZ-​3B/​G3Z Dreistufenrakete. Sie schoß ihre Nutzlast aus einer Parkbahn direkt in eine extrem exzentrische 200×420.000 km Übergangsbahn zum Mond ein. Offenbar mit hoher Präzision, denn ein erstes, für den 08.12.2018 geplantes, Korrekturmanöver konnte ausfallen. Das zweite erfolgte dann am 09.12.2018 um 08:42 UTC (ein drittes, vorbereitetes, konnte wieder entfallen). Am 12.12.2018 um 08:39 UTC erfolgte das Bremsmanöver, das die Sonde sechs Minuten später in einen vorläufigen polaren Mondorbit (etwa 100 bis 400 km über der Oberfläche) einschwenken ließ. Die eigentliche Landephase wurde eingeleitet, als am 30.12.2018 um 00:55 UTC das Periselenum auf etwa 15 km abgesenkt wurde. Kurz nach dem lokalen Sonnenaufgang landete „Chang’e 4“ am 03.01.2019 um 02:26 UTC nach einem nahezu vertikalen Abstieg im 180 km durchmessenden Von-​Kármán-​Krater im Aitken-​Becken am Südpol des Mondes (45,47° Süd, 177,61° Ost). Dieser riesige Einschlagkrater von über 2.200 km Durchmesser und 12 km Tiefe hatte seit seiner Entdeckung in den 1960er Jahren das Interesse der Wissenschaftler geweckt. Denn die bisherigen Befunde legten nahe, daß hier vor 3,8 bis 4,3 Milliarden Jahren ein großer Einschlagkörper den Mond getroffen und möglicherweise die Mondkruste durchstoßen hatte. Somit bestand die realistische Möglichkeit, hier trotz der Überprägung durch spätere Einschläge, aufgeworfenes Mantelgestein zu finden. Etwa zwölf Stunden nach der Landung rollte der „Yutu 2“ Lander die Rampe von „Chang’e 4“ hinab auf den Mondboden und fuhr ein kurzes Stück. Er folgten Systemtests, erste Messungen und Bildübertragungen (einschließlich eines 360° Panoramas). Einen ersten Rückschlag erlitt man allerdings mit einem kleinen Biosphären-​Experiment, bei dem das Wachstum verschiedener Pflanzen (Baumwolle, Raps und Kartoffeln) unter Mondbedingungen über einen Zeitraum von 100 Tagen studiert werden sollte. Zunächst keimten nur einige Samen, dann konnte die Temperatur im Inneren bei Eintritt der ersten Mondnacht nicht stabil gehalten werden. Dennoch wurde das Experiment grundsätzlich als erfolgreich bewertet. Bald darauf mußte „Yutu 2“ in einen stand-​by Modus versetzt werden, um im prallen Sonnenlicht eine Überhitzung zu vermeiden. Am 10.01.2019 wurden die Experimente aber zunächst wieder aufgenommen — beide Raumfahrzeuge fotografierten sich wechselseitig. Die „technische“ Phase wurde für beendet erklärt und die „wissenschaftliche“ eingeläutet. Doch bis zum 26.01.2019 fanden in der Mondnacht keine weiteren Experimente statt.
11Dezember

Oleg Kononenko am „Strela“ Ausleger

Kononenko (links) und Prokopjew an der Sojus

Oleg Kononenko bei der Arbeit mit dem Bolzenschneider

Kononenko und Prokopjew während der EVA vom 11.12.2018

Kononenko mit einem Teil der Ausrüstung am „Strela“ Ausleger

Zu einem ebenso riskanten wie spektakulären Außenbordmanöver brachen am 11.12.2018 die beiden russischen ISS Kosmonauten Oleg Kononenko und Sergej Prokopjew auf. Bei der Vorbereitung ihrer Mission hatte eine EVA keine Rolle gespielt. Doch nachdem in der Druckhülle der Orbitalsektion von Sojus MS-​09 ein mysteriöses Loch entdeckt worden war — genauer eine Bohrung, deren Ursprung unerklärlich blieb, hatte sich die russische Flugleitung für eine Inspektion von außen entschieden. Entdeckt worden war das Loch Ende August 2018, als die empfindlichen Sensoren der ISS einen, wenn auch nur langsamen, Druckabfall signalisiert hatten. Bei der Inspektion der angedockten Sojus wurde man hinter einer Verkleidung fündig. Rattermarken deuteten darauf hin, daß die Bohrung freihändig und in Eile bzw. einer ungünstigen Körperhaltung vorgenommen worden sein mußte. Anschließend hatte jemand das Loch provisorisch verklebt. Nun war der Stopfen offenbar herausgefallen. Nicht zu klären war, wann die Bohrung vorgenommen worden war. In Rußland nahm der Inlandsgeheimdienst seine Arbeit auf, sichtete Protokolle und Videomaterial. Vorläufig ohne greifbares Ergebnis. Im Inneren der Sojus hatte der als Notfallmaßnahme aufgebrachte Expoxidharz-​Flicken alle Spuren vernichtet. Doch theoretisch konnten sich an der Außtrittsstelle der Bohrung noch Hinweise auf den Verursacher finden. Das war der Gedanke, weswegen Kononenko und Prokopjew vor der Landung von Sojus MS-​09 (bei der das Orbitalmodul verglühen würde) auf Spurensuche geschickt wurden. Obwohl die Kosmonauten eine beträchtliche Strecke über mehrere Module hinweg bis zu ihrer Einsatzstelle zurückzulegen hatten, wurden die üblichen sechs Stunden für das gesamte Manöver veranschlagt. Ein glücklicher Zufall war, daß Kononenko gut zehn Jahre zuvor bereits ein ähnliches Außenbordmanöver zu unternehmen gehabt hatte. Damals barg er gemeinsam mit Sergej Wolkow eine Pyroladung zur Inspektion auf der Erde. Unter Einsatz des „Strela“ Auslegers arbeiteten sich Kononenko und Prokopjew nach dem Ausstieg aus „Pirs“ nun zur Sojus vor. Kononenko traf nach knapp dreieinhalb Stunden dort ein, gefolgt von Prokopjew. Unter Einsatz des mitgebrachten Werkzeugs — Messer, Bolzenschneider, Schere — begannen sie sich nun durch die Kombination aus Thermoisolierung und Mikrometeoritenschild der Sojus hindurchzuarbeiten. Problematisch war dabei, daß es in diesem Bereich keine Hand-​und Fußhalterungen gab. Und die faserverstärkten Matten waren kaum zu durchdringen. Kononenko „hackte“ sich mühsam mit dem Messer durch die verschiedenen Schichten der Isolierung, wobei er Wolken von Materialfetzen produzierte. Schließlich stellte sich auch noch heraus, daß man die „Tasche“ (immerhin nur) wenige Zentimeter neben der Austrittstelle der Bohrung geschnitten hatte. Eine Erweiterung war extrem schwierig und riskant, weil direkt daneben Kabelstränge verliefen. Doch ziemlich genau fünfeinhalb Stunden nach Beginn der EVA hatte man endlich einen freien Blick auf die Bohrung. Der Bereich wurde eingehend gefilmt und Wischproben genommen. Und mit einer Zange konnte sogar eine Probe des nach außen ausgetretenen Versiegelungsmaterials genommen werden. Eine Meisterleistung der erschöpften Kosmonauten. Unter dem zunehmenden Zeitdruck gab das russische Kontrollzentrum nun die Anweisung, auf eine Fixierung der aufgerissenen Verkleidung der Sojus zu verzichten und sich rasch zur Luftschleuse zurückzubegeben. Für die usprünglich eingeplanten „sekundären Aufgaben“, die Bergung von Experimentenmaterial, blieb wahrlich keine Zeit. Doch nach 7:45 h war das Außenbordmanöver glücklich abgeschlossen.
16Dezember

Start der Electron Rakete zu VCLS 1 Mission

Videostandbild kurz nach der Trennung der Nutzlastverkleidung

die ELaNa-XIX Nutzlasten

Ihren vierten Einsatz erlebte die leichte Electron Trägerrakete am 16.12.2018. Das neuseeländisch-​amerikanische Unternehmen Rocket Lab hatte diesmal vierzehn Nutzlasten für die VCLS 1 (Venture Class Launch Services) Mission — Codename „This One´s For Pickering“ — zusammengestellt. Erstmals hatte die NASA den neuen Träger für ihr ELaNa (Educational Launch of Nanosatellites) Programm gebucht. Ihre zehn ELaNa XIX Satelliten bildeten den Hauptteil der Nutzlasten. Die Vorbereitungen für den für die erste Jahreshälfte 2018 terminierten Start waren bereits im April 2018 gut angelaufen. Der Start war zwischen Ende Mai und Anfang April geplant. Doch dann wurde nach den abschließenden Tests beider Hauptstufen ein Verhalten in einem Triebwerkskontrollsystem diagnostiziert, das Anlaß zur Sorge gab und dem man auf den Grund gehen wollte. Am 22.06.2018 sollte ein neuer Startversuch unternommen werden, als schlechte meteorologische Bedingungen und Probleme mit einer Bahnverfolgungsantenne für eine Absage sorgten. Ein neuer Versuch sollte am 26.06.2018 unternommen werden, als der Start überraschend auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Das „Motor Controller“ Problem war wieder da. Der Start erfuhr daraufhin einen monatelangen Aufschub. Schließlich wurde aber ein Startfenster zwischen dem 13. und 21.12.2018 festgesetzt. Das Rocket Lab Team war pünktlich bereit zum Start, doch das Wetter zeigte sich nicht kooperativ. Am 16.12.2018 stimmten dann auch die äußeren Bedingungen auf der Māhia Halbinsel. Nach dem Start besorgte die Curie Kickstufe der Rakete den präzisen Einschuß der CubeSats in die gewünschte Bahn. Dreizehn Satelliten waren nun tatsächlich bei dem Start dabeigewesen. ANDESITE, eine Mission des Boston University Center for Space Physics, hatte aus unbekannten Gründen seine Startgelegenheit verpaßt. ALBus (Advanced Electrical Bus) stammte vom Glenn Research Center der NASA. Mit dem 3U CubeSat sollte ein Entfaltmechanismus für Solarzellenflächen auf Basis von Formgedächtnislegierungen eprobt werden, ebenso wie neue Systeme zur Energieverteilung und Batteriekontrolle. Für CeREs, den Compact Radiation Belt Explorer, hatten das NASA Goddard Space Flight Center und das Southwest Research Institute (SwRI) kooperiert. Die Mission des Satelliten bestand in einer Reihe spezieller Untersuchungen der irdischen Strahlungsgürtel. Federführend bei der CHOMPTT (CubeSat Handling Of Multisystem Precision Time Transfer) Mission war dagegen die University of Florida (UFL) gewesen. Partner waren die Stanford University, die saudi-​arabische KACST (King Abdulaziz City for Science and Technology) und die NASA. Mit dem Satelliten sollte die Laser-​Optische Übertragung von Korrektursignalen für Atomuhren an Bord von Satelliten erprobt werden, als Methode, die Genauigkeit z.B. des GPS Signals noch weiter zu steigern. Mit finanzieller Unterstützung der National Science Foundation hatte das ISX (Ionospheric Scintillation Explorer) Projekt verwirklicht werden können. Beteiligt an Entwicklung und Betrieb des Satelliten waren das JPL und GSFC der NASA sowie das Cal Poly Picosatellite Project. Sie wollten mit dem Satelliten die natürlichen Schwankungen den F-​Schicht in der Ionosphäre untersuchen. Das NASA Langley Research Center hatte die Shields 1 Mission konzipiert, mit der neue Methoden zur Strahlungsabschirmung erprobt werden sollten, was den Weg zum Einsatz kommerziell verfügbarer (nicht speziell strahlungsgehärteter) Hardware ebnen konnte. Allerdings war ursprünglich das Aussetzen auf einem geostationären Transferorbit geplant gewesen, was ein regelmäßiges Durchfliegen der Strahlungsgürtel garantiert hätte. Die STF 1 Mission hatte die NASA über ihr Independent Validation and Verification (IV&V) Programm gemeinsam mit dem West Virginia Space Grant Consortium (WVSGC) und der West Virginia University (WVU) konzipiert. Der 3U CubeSat hatte einen Mix an Instrumenten an Bord. Vom software-​defined GNSS Empfänger über eine Langmuir Sonde und Teilchenzähler bis hin zu einem Fotometer auf COTS Basis. Vor allem aber stand der optimierte Entwicklungsprozeß des Satelliten im Fokus des Simulation to Flight Projekts. Studenten des New Mexico Institute of Mining and Technology hatten NMTSat, den ersten CubeSat des Bundesstaates verwirklicht. Tatsächlich hatte die Herkunft des Projektvorschlags auch eine wichtige Rolle bei der Auswahl für das ELaNa Programm gespielt. Erklärtes Ziel der NASA war es nämlich, bevorzugt auch Teams aus Bundesstaaten zu unterstützen, die bisher auf dem Gebiet keine Erfahrungen vorzuweisen hatten. Die fünf Sensoren von NMTSat sollten für mindestens drei Monate Meßdaten zur Magnetosphäre, Atmosphäre und Ionosphäre sammeln. Sie stammten teils auch von Universitäten außerhalb New Mexicos. Das Da Vinci Projekt war dagegen von der North Idaho STEM Charter Academy als Trainingsprogramm für wissenschaftlich-​technische interessierte Schüler konzipiert worden. Eine Kommunikation mit dem Satelliten war sowohl per CW (Morsecode) als auch über das GlobalStar Netzwerk geplant. Unter der Bezeichnung RSat-​P (Repair Satellite-​Prototype) verbarg sich eine robotische Demonstrations-​Mission für künftige Reparaturarbeiten an Satelliten im Erdorbit. Entwickelt worden war sie vom US Naval Academy Satellite Lab auf Basis eines 3U CubeSats. Zwei 60 cm Manipulatorarme mit sieben Freiheitsgraden sollten unter kosmischen Bedingungen die erwarteten Arbeiten simulieren. Bemerkenswert war der umfassende Einsatz von COTS (Commercial Off-​The-​Shelf) Komponenten bei einer so komplexen Mission. Die University of Illinois at Urbana-​Champaign (UIUC) hatte mit dem CubeSail Projekt eine neue Variante des „Tethered Satellite“ Themas entwickelt. Die beiden im 1.5U Format gefertigten Satelliten, CubeSail 1 und CubeSail 2, waren nicht über eine konventionelle Trosse miteinander verbunden. Vielmehr handelte es sich um ein extrem dünnes reflektives Band. Bei einer Länge von gut 250 m ergab sich ein „Sonnensegel“ von über 20 m². Damit sollte binnen zwei Jahren ein Wiedereintritt aus dem als Referenz gewählten 350 km Orbit möglich sein. Die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) und das JPL (Jet Propulsion Laboratory) der NASA standen hinter dem SHFT (Space-​based High Frequency Testbed) Programm. SHFT 1 (Goergen) sollte HF Signale natürlichen und künstlichen (terrestrischen) Ursprungs im Frequenzbereich von 5 bis 30 MHz studieren. Dabei handelte es sich um galaktischen Hintergrundemission, vom Jupiter ausgehende Signale und Signalmuster irdischer Sender. Schließlich war The Aerospace Corporation mit zwei AeroCube 11 Satelliten bei diesem Start dabei. Sie fungierten als Testplattform für einen Sensor zur Erderkundung. Konkret sollten die beiden Satelliten vergleichbare Daten zu denen des Operational Land Imager (OLI) auf Landsat 8 liefern. Ziel des Unternehmens war es nachzuweisen, daß solche Sensoren auf CubeSats vergleichbare Daten zu denen auf Millionen Dollar teuren „Flaggschiff“ Missionen liefern konnten. Auf die sekundäre Mission verwies die Bezeichnung TOMSat (Testbed for Optical Missions Satellite). Denn beide Satelliten führten frühere Experimente der AC Serie zur optischen Kommunikation fort.
19Dezember

die GSLV-F11 auf dem Starttisch

GSat 7A bei Tests der Solarzellenanlage

Mit einer leistungsgesteigerten Version der GSLV Mk. II startete die ISRO am 19.12.2018 von Sriharikota den Kommunikationssatelliten GSat 7A. Um den 2.250 kg schweren Satelliten auf den gewünschten supersynchronen Transferorbit (ein Novum in der indischen Raumfahrt) befördern zu können, war der Einsatz der GSLV Mk. II (v.3) Ausbaustufe mit CUS15 Drittstufe (15 statt wie bis 12,5 Tonnen Treibstoff) und High Thrust Vikas (HTV) Triebwerk in der Zweitstufe erforderlich. Dennoch erwartete man nur eine Lebensdauer von acht Jahren für den Satelliten, was unter den üblichen Werten indischer Kommunikationssatelliten lag. Vermutlich war die Nutzlastkapazität der Rakete aber trotz der Leistungssteigerungen nicht ausreichend, um den Satelliten mit vollen Tanks auf den gewünschten Zielorbit zu befördern. Immerhin erfüllte die Rakete innerhalb von 19 Minuten fehlerfrei die ihr zugedachte Aufgabe. Vier Zündungen des bordeigenen Apogäumstriebwerks hoben GSat7A dann zwischen dem 20. und 24.12.2018 auf eine geosynchrone Bahn. Indien machte kein Geheimnis daraus, daß der Satellit speziell militärischen Kommunikationsaufgaben dienen sollte. Insbesondere die IAF (Indian Air Force) und fliegende Einheiten des Heeres waren als Nutzer vorgesehen. So sollten die A-​50EI „Phalcon“ (Berijew A-​50) Luftraumaufklärungsflugzeuge, bodengestützte Radar-​Installationen und Luftwaffenstützpunkte miteinander vernetzt sowie die Kommunikation mit Dronen (darunter Predator-​B und Sea Guardian aus US Produktion) über den im Ku-​Band operierenden Satelliten abgewickelt werden. Mit GSat 7 verfügte die Marine bereits seit 2013 über einen eigenen Satelliten.
19Dezember

Start der Sojus VS20 Mission mit dem CSO 1 Satelliten

Das erste Exemplar einer neuen Generation französischer elektro-​optischer Aufklärungssatelliten wurde am 19.12.2018 mit einer Sojus ST-​A mit Fregat-​M Bugsierstufe gestartet. Ursprünglich bereits für den 17.12.2018 geplant, hatte der Start wegen zu starker Höhenwinde über Kourou zweimal verschoben werden müssen. Dem Charakter der Mission entsprechend war die Berichterstattung über die Vorbereitung der Nutzlast und deren technische Daten sehr zurückhaltend. Nahaufnahmen des CSO 1 (Composante Spatiale Optique) Satelliten gab es gar keine. Unbestätigten Berichten zufolge sollte die Auflösung der CSO aber jene der Helios II Vorgänger (50 cm) nochmals übertreffen. Trotz der höheren Umlaufbahn. Der Hersteller des Satellitenbusses, Airbus Defence and Space, hatte für die Satelliten auf das AstroSat 1000 Modell zurückgegriffen, das bereits bei den dual-​use Satelliten der Pléiades-​HR Serie Verwendung gefunden hatte. Hersteller des optischen Systems war Thales Alenia Space, wo man damit warb, das leistungsfähigste optische System eines europäischen Satelliten gefertigt zu haben. Die Sojus setzte ihre Fracht jedenfalls planmäßig auf einem sonnensynchronen Orbit in rund 800 km Höhe aus.
20Dezember

Bergungsmannschaften auf dem Weg zu eben gelandeten Sojus MS-09 Kapsel

der ausgebreitete Landeschirm von Sojus MS-09

Alexander Gerst zeigte sich auch unmittelbar nach der Landung in guter Verfassung

Das wenige Tage zuvor noch bei einem spektakulären Außenbordmanöver einer Inspektion unterzogene russische Sojus MS-​09 Raumschiff wurde am 20.12.2018 um 01:40 UTC von der ISS abgekoppelt. Selten hatten ein solches Routinemanöver und die anschließende Landung ein derartiges Medieninteresse ausgelöst. Grund war ein Ende August 2018 im Orbitalmodul des Raumschiffs entdecktes Leck, daß sich als provisorisch verschlossene unfachmännische Bohrung durch den Druckkörper entpuppte. Vollkommen unklar war, wann und unter welchen Umständen diese Bohrung vorgenommen worden war. Russische Boulevardmedien spekulierten sogar darüber, daß die Bohrung von einem (westlichen) Crewmitglied vorgenommen worden sein könnte, um einen Abbruch der Mission zu erzwingen. Tatsächlich war das von allen denkbaren Szenarien das wohl unwahrscheinlichste. Die für die Rückkehr mit Sojus MS-​09 vorgesehenen Besatzungsmitglieder — Sergej Prokopjew, Alexander Gerst und Serena Auñón-​Chancellor — begegneten der unerwarteten Situation aber mit großer Professionalität. Da das Orbitalmodul ohnehin bei der Rückkehr zur Erde nicht genutzt wurde (lediglich zur Entsorgung vorgesehene Abfälle waren hier verstaut) bedeutete das mittlerweile zudem versiegelte Leck kein Risiko. Natürlich stellte sich aber die Frage, ob es auch an der Landekapsel zu einer ähnlichen Form der Sabotage gekommen sein konnte. Eine Bewertung der Risiken hatte bei den Partnern des ISS Programms jedoch zu der klaren Entscheidung geführt, die Landung mit Sojus MS-​09 zu unternehmen. Zweieinhalb Stunden nach dem Abdocken zündete das Sojus-​Haupttriebwerk für das Retromanöver. Etwa dreißig Minuten später erfolgte der Wiedereintritt in die untere Atmosphäre. Das gesamte Manöver verlief routiniert und ohne Abweichungen vom Flugplan. Die Landekapsel sank sicher am Fallschirm über dem Zielgebiet etwa 150 km südöstlich von Scheskasgan zur Erde herab. Nach einem Flug von 4.721:49 h (knap 197 Tagen) erfolgte am 20.12.2018 um 05:02 UTC hier die Landung.
21Dezember

Start der Proton-M mit Blagowest №3

Den dritten aus einer Serie von vier geostationären Kommunikationssatelliten des Typs „Blagowest“ für das russische Militär startete am 21.12.2018 eine Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 Bugsierstufe vom Kosmodrom Baikonur. Über die von ISS Reschetnjew auf Grundlage der Ekspress 2000 Plattform gebauten Satelliten war nicht viel bekannt. Sie verfügten aber wohl über eine unbekannte Zahl an Ka– und Q-​Band Transpondern, was sie für vielfältige Kommunikationsaufgaben einsetzbar machte. Zwischen den Starts der ersten drei Satelliten der Baureihe lagen jeweils acht Monate. Allerdings hätte Blagowest №3 ursprünglich bereits einige Wochen früher starten sollen. Schon im Sommer 2018 wurde aber klar, daß dieser Termin nicht zu halten sein würde. Nur noch mit Mühe konnten die Startanlagen der Proton in Baikonur unterhalten werden, nachdem die Zahl der kommerziellen Buchungen für die wenige Jahre zuvor noch stark nachgefragte Rakete komplett eingebrochen waren. Fehlstarts der Proton und die Konkurrenz insbesondere durch das US Unternehmen SpaceX hatten dem Programm den Todesstoß versetzt. Der wirtschaftlich schwer angeschlagene Hersteller der Proton, GKNPZ Chrunitschew, mußte sich notgedrungen auf das Nachfolgeprogramm Angara-​A5 konzentrieren. Versuche, mit neuen Versionen der Proton z.B. den kommenden Markt der MEO Satelliten-​Konstellationen zu erschließen, scheiterten am geringen Interesse der potentiellen Kunden und der Unmöglichkeit, die Entwicklungen aus eigenen Mitteln zu finanzieren. So waren die Blagowest Starts für das Militär auch die beiden einzigen Einsätze der Proton in 2018. Immerhin konnte der im August bekanntgegebene Starttermin exakt eingehalten werden. Abgesehen davon, daß er schließlich sogar um einen Tag vorverlegt wurde. Offenbar waren die Startvorbereitungen von Rakete und Nutzlast reibungslos verlaufen. Das traf, mit kleinen Einschränkungen, auch auf den Start selbst zu. Einige Tage nach dem Start meldeten russische Medien nämlich, daß Kosmos 2533 den geosynchronen Zielorbit nur mit Abweichungen erreicht hatte. Was zunächst nach einem neuerlichen Rückschlag für das gebeutelte Proton-​Programm klang, relativierte sich rasch. Tatsächlich waren die Abweichungen zwar größer als bei vielen anderen Missionen, bewegten sich aber im Toleranzbereich (z.B. war die Umlaufzeit zwölf Minuten zu niedrig). Mit kaum nennenswerten Treibstoffverbrauch konnte der Orbit korrigiert werden.
21Dezember
Kaum Informationen lagen zur Nutzlast der CZ-​11 Feststoffrakete vor, die am 21.12.2018 von Jiuquan gestartet wurde. Presseberichte stellten allerdings einen Zusammenhang zu einer von der CASIC geplanten 156 Satelliten Konstellation für die Breitband-​Kommunikation her. Auch der Name Hongyun 1 für den Satelliten legte eine Verbindung zur gleichnamigen Konstellation nahe. Konstruktiv hatte der Satellit aber wohl mit dem späteren Serienmodell nicht viel gemein. Tatsächlich wurde er auch als Technical Verification Satellite bezeichnet.
23Dezember

Start des ersten GPS-III Satelliten

GPS 3-1 vor dem Einschließen in die Nutzlastverkleidung

Knapp drei Jahre nach dem Start des letzten Navstar Satelliten der GPS-​IIF Generation startete in Cape Canaveral der erste GPS-​III (GPS-​IIIA) Satellit. Der Auftrag zum Bau dieser leistungsfähigeren Nachfolger war 2008 an ein Team unter Lockheed Martin vergeben worden, das mit einem Modell auf Basis des bewährten A2100 Busses in den Wettbewerb gegangen war. Zu den Verbesserungen der neuen Satellitengeneration zählte ein neuer Spot-​Beam Modus für das (militärische) M-​Code Signal, das nun mit sehr hoher Sendeleistung und Antennengewinn ein Gebiet von einigen Hundert Kilometer Durchmesser ausleuchten konnte. Auch die zivilen Nutzer sollten von einer Reihe Verbesserungen profitieren. Die Einführung des neuen L1C Signals stach darunter heraus. Dieses Signal war im Hinblick auf die Kompatibilität mit anderen GNSS (Global Navigation Satellite Systems) konzipiert worden, erlaubte also zivilen Nutzern den gleichzeitigen Zugriff auf insgesamt mehr Satelliten unterschiedlicher Konstellationen. Theoretisch ergab sich damit eine Steigerung der Genauigkeit der Positionsbestimmung von 3 bis 10 m auf 1 bis 3 m. Die GPS-​III Satelliten wiesen auch bessere Kennwerte bei der Störfestigkeit, Autonomiedauer, projektierten Lebensdauer (15 Jahre) u.a.m. auf. Vorteile im Betrieb versprach man sich auch von der Intersatelliten-​Konnektivität, die es beispielsweise erlaubte, zukünftig Updates der gesamten Konstellation über Kommandos an einen einzelnen Satelliten zu initiieren. Allerdings waren viele der neuen Features erst nutzbar, sobald die Modernisierung des Bodensegments abgeschlossen sein würde. Und das wurde nicht vor 2022 erwartet. Dabei lag der Start des ersten Satelliten schon weit hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Bereits die Abnahme des SV01 Exemplars hatte sich um fast zweieinhalb Jahre verzögert. Lieferverzögerungen auf Baugruppenebene, aber auch die Entscheidung der USAF, bereits den ersten GPS-​III Start mit der SpaceX Falcon 9 v1.2 unternehmen zu lassen, hatten dazu beigetragen. Während SpaceX vor allem den notwendigen Dokumentationsaufwand beklagte, mußte Lockheed Martin die vielfältigen Parameter (z.B. Beschleunigungswerte, Vibrationen etc.) eines Falcon 9 Starts in die Qualifikation seines Satellitenmodells einfließen lassen. Schließlich wurde der Satellit aber entkonserviert und auf einen Start Mitte Dezember 2018 vorbereitet. Die Falcon 9 stand nach der Testzündung ihrer Erststufe bereit. Doch der erste Versuch am 18.12.2018 mußte wegen zu starker Höhenwinde und einer Temperaturüberschreitung im Sauerstofftank der Erststufe abgesetzt werden. Bis sich das Wetter stabilisiert hatte, vergingen mehrere Tage. Erst am 22.12.2018 hatte sich die Situation soweit verbessert, daß der Countdown wieder aufgenommen werden konnte. Doch die Höhenwinde erzwangen einen erneuten Abbruch. Am 23.12.2018 lag man dann innerhalb der zulässigen Werte. Problemlos beförderte die Falcon 9 den GPS 31 (Navstar 77, USA 289) Satelliten in den Orbit. Zwei Zündungen der Oberstufe besorgten den Einschuß in die Zielbahn. Dann wurde das Triebwerk ein weiteres Mal für dein De-​Orbit Manöver gezündet. Der Anforderungskatalog der USAF hatte zudem vorgegeben, auf eine Bergung der Erststufe zu verzichten (weswegen auch auf die Landebeine und Gridfins verzichtet wurde). Der Leistungsüberschuß der Erststufe erhöhte die Treibstoffreserven der Oberstufe, die nur so aus dem vergleichsweise hohen Orbit (1.193×20.200 km) sicher zum Absturz gebracht werden konnte. Der Navstar Satellit steuerte dagegen mit seinem bordeigenen Antrieb den Arbeitsorbit in 20.200 km Höhe an.
24Dezember

Start der CZ-3C/G2 mit dem geheimnisvollen TJS-3 Satelliten

Eine CZ-​3C/​G2 Trägerrakete brachte am 24.12.2018 von Xichang eine Nutzlast auf einen geostationären Transferorbit, zu der die chinesischen Medien noch weniger Informationen preisgaben, als gemeinhin üblich. Den einzigen Hinweis auf die Zweckbestimmung gab der veröffentlichte Name: Tongxin Jishu Shiyan Weixing 3, was soviel wie Kommunikations Technologie Test (Experimental-​) Satellit bedeutet. Schon bei den beiden TJS Vorgängern waren aber berechtigte Zweifel an dieser Erklärung aufgekommen. Dem Anschein nach handelte es sich eher um militärische Experimentalsatelliten. Im Falle von TJS-​3 spekulierten westliche Experten über eine Rolle als SIGINT– oder Frühwarnsatellit. Tatsächlich bekam die Mission aber noch weitaus rätselhaftere Züge, nachdem TJS-​3 den geostationären Orbit erreicht und bei 59° Ost seine Drift gestoppt hatte. Auffällig war zunächst, wie schnell der Satellit seinen Arbeitsorbit erreicht hatte. Denn chinesische Quellen hatten zuvor angedeutet, daß der Satellit auf dem SAST-​5000 Bus basierte. Und der war als „all electric“ beschrieben. Die rasche Anhebung des Perigäums wies dagegen klar darauf hin, daß der Satellit ein konventionelles „chemisches“ Apogäumstriebwerk besaß. Doch das war nicht der entscheidende Punkt, der das Interesse der Beobachter geweckt hatte. Bemerkenswert war vielmehr, daß mit TJS-​3 ein weiteres Objekt in den geostationären Orbit eingetreten war. Zunächst provisorisch als TJS-​3 AKM (Apogee Kick Motor) bezeichnet. Was schon ungewöhnlich genug war, denn normalerweise galt die Regel, den Höhenbereich der geostationären Satelliten von unnötigem „Schrott“ freizuhalten. Wozu auch ausgebrannte Kickstufen zählten. Doch dann begann das namenlose Objekt auch noch aktiv in der Bahn zu manövrieren. Offenbar war es das Ziel, einen einigermaßen konstanten Abstand beider Objekte zueinander einzuhalten…
27Dezember

Sojus Start am 27.12.2018 vom Kosmodrom Wostotschny

Montage des Kopfblocks mit den Nutzlasten

Kanopus-V №5 Aufnahme des Flughafens Peking vom 14.01.2019

Nach dem peinlichen Verlust aller Nutzlasten beim zweiten Start einer Sojus Trägerrakete vom Kosmodrom Wostotschny im November 2017, hatte Roskosmos für das Jahr 2018 drei Starts von dort angekündigt. Zum Einsatz kommen sollte zum Start von jeweils zwei Erderkundungssatelliten des Typs Kanopus-​V die Sojus-2.1a 14A14 mit Fregat-​M 14S44 Bugsierstufe, während mit einer Sojus-2.1b Ersatz für den abgestürzten Meteor-​M 21 gestartet werden sollte. Tatsächlich gelang der erste der Starts Anfang Februar 2018 ohne Probleme. Doch die beiden anderen, für das letzte Quartal des Jahres geplant, gerieten unter zunehmenden Druck. Zwar waren auf dem Kosmodrom nach dem letzten Start Baumängel entdeckt worden. Deren Beseitigung hatte aber effektiv keinen Einfluß auf den Startkalender. Vielmehr lag der Generalauftragnehmer NPP VNIIEM mit den Kanopus wie Meteor Satelliten deutlich hinter dem gesetzten Zeitplan für die Fertigstellung und Erprobung zurück. Größere Probleme als man bereit war zuzugeben, bereitete wohl vor allem die Substitution westlicher Bauteile, die nach der Annexion der Krim einem Embargo unterlagen. Schließlich war klar, daß der Meteor erst 2019 starten würde. Doch an der Kanopus-​V Doppelmission hielt man fest. Die Vorgabe konnte tatsächlich knapp gehalten werden. Am 27.12.2018 hob die Rakete von Wostotschny ab. An Bord hatte sie nicht nur Kanopus-​V 5 und Kanopus-​V 6. Das Vermarktungsunternehmen Glawkosmos hatte Verträge mit weiteren, internationalen, Kunden abschließen können. Größte der sekundären Nutzlasten war der Erderkundungssatellit GRUS 1 des japanischen Unternehmens Axelspace. Dieses plante zunächst den Aufbau einer Mini-​Konstellation aus drei baugleichen Satelliten. Später sollte diese spürbar wachsen. Die Tochterfirma AxelGlobe sollte die Aufnahmen der Satelliten (2,5 m panchromatisch, 5 m multispektral) vermarkten. Mit zwölf Exemplaren bildeten die Satelliten der Flock-​3k Konstellation die größte Gruppe bei diesem Start. Die auch als Dove bezeichneten Satelliten lieferten Bild– und Videoaufnahmen mit 3,5 bis 4 m Auflösung. Teils in den drei Spektralbändern rot, grün und blau. Und teils auch zusätzlich im Nah-​Infrarot. Maßgeblich für die PlanetScope genannte Großkonstellation war jedoch nicht die Detailauflösung, sondern die enorme Bildaufnahmekapazität von 340 Mio. km² täglich (Stand 2018), die durch die schiere Zahl der Satelliten erreicht wurde. Derart hatte sich das Unternehmen Planet Labs hier die Marktführerschaft erarbeitet und war zum Vorbild anderer Mitbewerber geworden. Ein weiterer Pionier auf dem Gebiet der kommerziellen Anwendung von Nanosatelliten, die Spire Global Inc., war mit den Satelliten Lemur 2 „Remy-​Colton“, Lemur 2 „Gustavo“, Lemur 2 „ChristinaHolt“, Lemur 2 „Zo“, Lemur 2 „Tinykev“, Lemur 2 „SarahBettyBoo“, Lemur 2 „NatalieMurray“ und Lemur 2 „Daisy-​Harper“ bei dieser Mission vertreten. Das Geschäftsmodell von Spire bestand in der Vermarktung von Sensordaten einer STRATOS GPS Radio Okkultations-​Nutzlast, eines SENSE AIS Signalempfängers für Schiffs-​Positionsdaten und des AirSafe ASD-​B Flugzeug-​Trackingsignal-​Empfängers. ZACube 2 (ZA 004) war der zweite südafrikanische CubeSat. Das French South African Institute of Technology (F’SATI) hatte die Entwicklung des 3U CubeSats gemeinsam mit Studenten der Cape Peninsula University of Technology (CPUT) realisiert. Er verfügte über ein SDR (Software Defined Radio), sollte aber insbesondere die Automatic Identification System Signale von Schiffen in den südafrikanischen Hoheitsgewässern verfolgen. Damit wollte man Grundlagen für eine geplante Konstellation aus neun CubeSats zur Stärkung der sogenannte Maritime Domain Awareness (MDA), dem Wissen um die maritimen Räume, legen. Mehrere spanische Universitäten und Institute hatten im Rahmen des Projekts FIRE-​RS den 2U CubeSat Lume 1 entwickelt. Angesichts schwerer Wald– und Buschbrände in den Sommermonaten sollte das FIRE-​RS neue Möglichkeiten zur Katastrophenabwehr eröffnen. Lume 1, ausgestattet mit einem TOTEM SDR, einer UHF M2M Kommunikations-​Nutzlast und einem S-​Band Sender, sollte die Verbindung zwischen automatischen Brandmeldestationen, Einsatzzentralen und UAVs („Drohnen“) erleichtern. Die bei dem Projekt federführende Universidade de Vigo hatte bereits für den 2013 gestarteten Humsat-​D Satelliten einen Empfänger für die M2M-​Kommunikation entwickelt. HUMPL, die HumSAT Payload, war auch diesmal wieder an Bord. Da Lume 1 auf Frequenzen operieren sollte, die dem Amateurfunkspektrum zuzuordnen waren, hatte die Universidade de Vigo bei der IARU (International Amateur Radio Union) eine Betriebsgenehmigung angefragt — aber nicht erhalten. Dennoch entschied man sich, die Mission unverändert durchzuführen. Prompt kam es zu Interferenzen mit dem russischen Tanusha-​SWSU 3 (der ebenfalls ohne vorhergehende Frequenzkoordination gestartet worden war). UWE 4, ein 1U CubeSat der Universität Würzburg und der TU Dresden, sollte der Erprobung von NanoFEEP (Nano Field Effect Electric Propulsion) Kleinsttriebwerken dienen. Die German Orbital Systems GmbH war mit zwei Satelliten bei dem Sojus Start dabei. Das Unternehmen arbeitete am Aufbau einer kleinen Konstellation für die Kommunikation im Amateurfunkband nach dem D-​Star Verfahren. Der erste Satellit des Unternehmens war Opfer des Sojus Fehlstarts im November 2017 geworden. Beim Reflight gut zwei Monate später versagte der Satellit. Nun sollten D-​Star One Sparrow und D-​Star One iSat das Konzept demonstrieren. Wobei iSat vom tschechischen D-​Star Partner iSky Technology s.r.o. betrieben wurde. Die beiden Kanopus-​V Satelliten sollten die Kapazität der bisher sehr erfolgreich arbeitenden Kanopus Flotte erhöhen. Ausgerüstet mit einem panchromatischen und einem multispektralen Bildaufnahmesystem sowie einem Multispektral-​Scanner eigneten sich die kleinen Satelliten für eine Vielzahl von Aufgaben. Zweieinhalb Wochen nach dem Start veröffentlichte Roskosmos erste Aufnahmen der jüngsten russischen Erderkundungssatelliten.
29Dezember
Erstmals startete China am 29.12.2018 eine mit der Yuanzheng YZ-​3 Kickstufe ausgerüstete CZ-​2D Rakete. Sie beförderte von Jiuquan den als Hongyan 1 bezeichneten Prototypen für die mit über 320 Satelliten konzipierte Hongyan LEO Konstellation für die mobile Breitband– und IoT-​Kommunikation auf eine Bahn in 1.100 km Höhe. Und mit ihm sechs kleinere Yunhai-​2 Satelliten, die mittels Global Navigation Satellite System (GNSS) Radio Okkultation die Atmosphäre sondieren sollten, um so meteorologische Daten zu gewinnen. Auch wenn chinesische Experten Zweifel an den kommerziellen Aussichten der diversen Großkonstellationen für das mobile Internet geäußert hatten, wollte man das Feld doch nicht westlichen Anbietern überlassen. Einer der Anbieter, die nach dieser Devise verfuhren, war die staatliche CASC (China Aerospace Science and Technology Corporation). Für die Produktion der Satelliten hatte diese extra eine neue Fabrik in der Hafenstadt Tianjin errichtet mit einem projektierten Ausstoß von 130 Satelliten pro Jahr. Bis 2020 sollten zunächst sechs Prototypen der im L– und Ka-​Band arbeitenden Satelliten für eine lokal einsetzbare Konstellation gestartet werden. Für 2023 war die Inbetriebnahme einer ersten arbeitsfähigen Konstellation von 54 „Core“ Satelliten vorgesehen und für 2025 der Vollausbau mit weiteren 270 kleineren Satelliten.
31Dezember

Bildmosaik des Asteroiden „Bennu“ aufgenommen durch die PolyCam von OSIRIS-REx

Nach einem 27-​monatigen Flug erreichte die NASA Asteroidenmission OSIRIS-​REx am 03.12.2018 den unmittelbaren Nahbereich ihres Zieles und glich ihre Geschwindigkeit der von (101955) Bennu an. Aus etwa 19 km Entfernung wurde mit der Vermessung und fotografischen Dokumentation der Oberfläche begonnen. Besonderes Interesse galt dabei den Pol– und Äquatorregionen. Zur Vorbereitung der später geplanten Probenentnahme mußten exakte Daten zur Rotationsperiode und –achse, der Masse und Massenverteilung und über auffällige geologische Strukturen gesammelt werden. Dazu senkte man die Bahn wiederholt auf etwa 7 km ab. Die relativ symmetrische Form des Asteroiden erlaubte OSIRIS-​REx schließlich ein so noch nie praktiziertes Manöver. Am 31.12.2018 wurde die Sonde in einen Orbit um den nur 492 m durchmessenden Bennu eingesteuert. Noch nie hatte eine irdische Raumsonde ein so kleines Himmelsobjekt tatsächlich umkreist. Im Laufe der sich nun anschließenden etwa 500-​tägigen Beobachtungsphase sollte die Bahnhöhe bis auf etwa 700 m abgesenkt werden, bevor im Juli 2020 in einem „touch-​and-​go“ Manöver eine Probenentnahme versucht werden würde.