Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2018-06-19T16:23:45+02:00

Februar 2018.

1Februar

Start von Kanopus-V № 3 und 4

Startvorbereitung von Kanopus-V № 3 und 4

erste Aufnahme von Kanopus-V № 3 (Abu Dhabi)

Nach dem peinlichen Fehlschlag beim zweiten Start vom neuen Kosmodrom Wostotschny war der direkt im Anschluß geplante Start einer Sojus-2.1a 14A14 mit Fregat-​M 14S44 Bugsierstufe zunächst auf unbestimmte Zeit aufgeschoben worden. Immerhin konnte die Ursache für das erratische Verhalten der Fregat-​M beim letzten Start rasch und zweifelsfrei geklärt werden. Da das Problem zudem eher auf organisatorischer als auf technischer Ebene lag, konnte das Startverbot bald wieder aufgehoben werden. Traditionell ist der Januar in der russischen (sowjetischen) Raumfahrt aber ein eher ruhiger Monat, da nach dem Neujahrsfest und dem russisch-​orthodoxen Weihnachten am 7. Januar erst in der zweiten Monatshälfte wieder der Alltag einkehrt. Folgerichtig wurde der erste russische Start des Jahres 2018 auch zunächst für Ende Januar angesetzt, um dann rasch auf den 01.02.2018 verschoben zu werden. Als die Rakete an diesem Tag von Wostotschny abhob, hatte sie elf Satelliten an Bord. Kurzfristig war ein weiterer, Auriga von Dauria Aerospace, gestrichen worden. Fotos von der Startvorbereitung zeigten zudem weitere mit Attrappen besetzte Startpositionen auf der Fregat. Hauptnutzlast waren die beiden Kanopus-​V Satelliten Kanopus-​V 3 und Kanopus-​V 4. Das erste Exemplar dieser Baureihe war bereits 2012 gestartet worden. Die relativ kleinen Erderkundungssatelliten verfügten über drei Sensoren: die panchromatische Kamera PSS (russ. Панхроматическая Cъемочная Cистема) mit einer Auflösung von 2,1 m bei einer Schwadbreite von 23 km und das 4-​Band (0,540,60 µm, 0,630,69 µm, 0,690,72 µm und 0,750,86 µm) Multispektralsystem MSS (Мультиспектральная Cъемочная Cистема) mit 10,5 m Auflösung bei 20 km Schwadbreite. Zahlreiche russische Minsterien und Institutionen, vom Katastrophenschutz über die Geo-​Fernerkundung bis hin zur Akademie der Wissenschaften zählten zu den Nutzern der Sensordaten dieser Satelliten. Neben den beiden russischen Satelliten flogen auf kommerzieller Basis mehrere Kleinsatelliten ausländischer Kunden auf dieser Mission. Vier stammten von der TU Berlin. Deren S-​Net 1 (Tubsat 13), S-​Net 2 (Tubsat 14), S-​Net 3 (Tubsat 15) und S-​Net 4 (Tubsat 16) sollten Technologien zum Aufbau eines autonom operierende Nanosatelliten-​Netzwerks mit Intersatelliten-​Kommunikation demonstrieren. Die an der Universität entwickelte SLink S-​Band Kommunikationsnutzlast sollte Datenraten von 100 kbps (Interlink) bzw. 1 Mbps (Downlink) erreichen. Das US Unternehmen Spire Inc. hatte der Sojus vier seiner Lemur 2 Satelliten anvertraut. Lemur 2 „Kadi“, Lemur 2 „TheNickMolo“, Lemur 2 „Jin-​Luen“ und Lemur 2 „UramChanSol“ waren wie üblich mit dem STRATOS Instrument zu GPS Radio-​Okkultationsmessungen und der SENSE AIS Nutzlast zur Lokalisierung von hochseegehenden Schiffen bestückt. Und schließlich hatte das deutsche Start-​Up German Orbital Systems GmbH kurzfristig die Gelegenheit erhalten, einen Re-​Flight seiner D-​Star One Mission zu unternehmen. Ihr erster Satellit war am 28.11.2017 unter den Opfern des Fehlstarts von Wostotschny gewesen. Innerhalb kürzester Zeit war nun ein Entwicklungsmuster des Satelliten in einen flugfähigen Zustand versetzt worden und erreichte als D-​Star ONE Phoenix den Orbit. Damit war der erste Schritt auf dem Weg zur Erprobung des D-​Star Kommunikationssystems bewältigt. D-​Star sollte einmal die Grundlage für ein kommerzielles CubeSat-​Kommunikationssatelliten-​System bilden.
2Februar

Alexander Misurkin (links) und Anton Schkaplerow beim „Trockentraining“ mit ihren Raumanzügen am 31.01.2018

Szene aufgenommen während der EVA am 02.02.2018

russisches Außenbordmanöver vom 02.02.2018

Der Austausch von Experimenten und andere kleinere Arbeiten standen auf dem Plan der Kosmonauten Alexander Misurkin und Anton Schkaplerow, als diese am 02.02.2018 die ISS durch die Luftschleuse des „Pirs“ Moduls zu einem auf sechseinhalb Stunden angelegten Außenbordmanöver verließen. Vor allem der Austausch der Elektronik des Systems „Lira“ an der Außenhaut des „Swjesda“ Moduls war eine Herausforderung. Als mit dem Aufbau der ISS begonnen wurde, sahen die Planungen vor, über die Hochgewinnantennen und neue „Luch“ Daten-​Relais Satelliten einen Großteil der Kommunikation aus dem russischen Segment der Raumstation abzuwickeln. Tatsächlich wurden die erforderlichen Satelliten aber aus Budgetgründen nie gebaut, geschweige denn gestartet. Als nach 2010 endlich eine neue Generation von Daten-​Relais Satelliten in Dienst gestellt wurde, war die Ausrüstung auf der ISS bereits hoffnungslos veraltet und nicht mehr kompatibel. Jetzt sollte also ein neuer Empfänger montiert werden, der tatsächlich die Möglichkeiten des Systems nutzen konnte. Doch hatte man beim Entwurf von „Swjesda“ nie einen Austausch der Elektronikeinheit eingeplant gehabt. Zunächst mußte die Antenne entriegelt und zurück in Startposition gebracht werden. Dann konnten sich die beiden Kosmonauten daran machen, die zahllosen Bolzen und Steckverbinder zu lösen, mit denen die Elektronikeinheit gesichert war. Extra für diese Arbeiten waren mehrere Spezialwerkzeuge angefertigt und zur ISS geschickt worden. Lagen Misurkin und Schkaplerow anfangs noch vor der Zeitplanung, wuchs bald der Rückstand. Aber es gelang, die Elektronikeinheit zu demontieren und in den Weltraum zu entlassen, sowie das neue System anzuschließen. Als nach über sechs Stunden das Kontrollzentrum in Koroljow das Kommando sendete, das die Antenne zurück in Arbeitslage rotieren sollte, traten die nächsten Schwierigkeiten auf. Der Ausleger verfing sich an einem Zielmarker für das ATV. Schließlich „assistierten“ die Kosmonauten bei dem Schwenkmanöver. Mit Erfolg. Anderenfalls wäre der Dockingport am Heck des „Swjesda“ Moduls auf unbestimmte Zeit blockiert geblieben. Zwar war die Antenne in einer anderen (vorderfinierten) Position eingerastet. Doch das ließ sich tolerieren. Trotz der fortgeschrittenen Zeit widmeten sich Misurkin und Schkaplerow nun noch einer der sekundären Aufgaben, dem Umsetzen einer Fußstütze. Als sie schließlich zurück in der Luftschleuse waren, hatten sie mit 8:13 h einen neuen Rekord für ein Außenbordmanöver in „Orlan“ Raumanzügen aufgestellt. Nur vier US EVAs hatten bisher länger gedauert.
2Februar

Start der CZ-2D mit Zhangheng 1 u.a.

Einen wissenschaftlichen Satelliten als Hauptnutzlast beförderte am 02.02.2018 eine CZ-​2D stretched vom Raumfahrtgelände Jiuquan auf eine annähernde sonnensynchrone Kreisbahn in 500 km Höhe. Am Projekt eines China Seismo-​Electromagnetic Satellite (CSES) hatten neben der China National Space Administration (CNSA) auch die China Earthquake Administration (CEA) und die Italian Space Agency (ASI) mitgewirkt. Der auch als Zhangheng 1 (nach Zhang Heng, einem Wissenschaftler der Han-​Zeit) bezeichnete Satellit stellte einen weiteren Versuch dar, mittels hochempfindlicher Instrumente (u.a. diverse Magnetometer, Teilchendetektoren, Detektoren für elektrische Felder, Plasma-​Analysatoren und Langmuir-​Sonden) kleinste Veränderungen zu erkennen, die Vorboten von schweren Erdbeben sein konnten. Zhangheng 1 wurde von sechs kleineren Satelliten begleitet: ÑuSat 4 und ÑuSat 5, GOMX 4A und GOMX 4B, FengMaNiu 1 sowie Shaonian Xing. Die beiden ÑuSat erweiterten die kleine Konstellation von Erderkundungssatelliten des argentinischen Unternehmens Satellogic S.A. Ausgelegt waren die Satelliten, sowohl Fotos als auch Videos aufzunehmen. Dabei verfügten sie über einen Hyperspektralsensor (30 Bänder), der Aufnahmen mit 30 m Auflösung bei 150 km Schwadbreite im Spektralbereich zwischen 450 und 850 nm liefern konnte. Im thermischen Infrarot wurden noch 90 m Auflösung (92 km Schwadbreite) erreicht. Die thermische Auflösung lag bei 0,01 K. Panchromatisch wie multispektral erreichte die ALEPH 1 Nutzlast sogar eine Auflösung von 1 m bei 5 km Schwadbreite. Vor allem aber die Hyperspektraldaten waren weltweit nahezu einmalig. Auch ÑuSat 4 (Aleph-​1 4 „Ada“) und ÑuSat 5 (Aleph-​1 5 „Maryam“) übertrugen schon kurze Zeit nach dem Start erstes Bildmaterial. Benannt waren diese beiden Exemplare nach Ada Lovelace und Maryam Mirzakhani, zwei bedeutenden Mathematikerinnen. Die beiden GOMX Satelliten waren vom dänischen Unternehmen GOMSpace gebaut worden. Beide basierten auf einem 6U CubeSat Modell, waren aber unterschiedlich ausgerüstet. GOMX 4A hatte die Danish Defence Acquisition and Logistics Organisation (DALO) im Auftrag des Forsvarsministeriet (Verteidigungsministerium) bestellt. Erprobt werden sollten mit dem Satelliten Verfahren und Möglichkeiten zur Überwachung des von Dänemark außenpolitisch und verteidigungstechnisch verwalteten Territoriums Grönland. Dazu verfügte GOMX 4A „Ulloriaq“ Satelliten über einen Low Resolution Imager, ADS-​B und AIS-​Signalempfänger. Gemeinsam mit dem von der ESA finanzierten GOMX 4B unternahm GOMX 4A zudem Experimente zum kontrollierten Formationsflug und zur Satellit-​zu-​Satellit Kommunikation. GOMX 4B hatte einen HyperScout genannten Hyperspektral-​Sensor an Bord, ein Miniatur Kaltgasdüsen-​Kontrollsystem des schwedischen Unternehmens Nanospace und das CHIMERA (Cubesat Highly Integrated Memory Radiation Assurance) Experiment des ESTEC, mit dem die Strahlungsfestigkeit verschiedener COTS (commercial off-​the-​shelf) Flash-​Speicher Typen getestet werden sollte. FengMaNiu 1 hatte dagegen das chinesische Unternehmen Link Space Aerospace Technology entwickelt und gebaut. Der 3U CubeSat war mit zwei Kameras und einem Amateurfunk-​Repeater ausgerüstet. Bei Shaonian Xing (dt. svw. „Stern der Jugend“) handelte es sich hingegen um einen Amateurfunksatelliten, der auch als Ausbildungs– und Trainingsobjekt im Rahmen einer STEAM (Science, Technology, Engineering, the Arts and Mathematics) Initiative für Schüler konzipiert worden war. Gefördert wurde die Idee von der COMMSAT Amateurfunkvereinigung. Verschiedene chinesische Organisationen, Kommunen und Unternehmen unterstützten die Idee zudem finanziell und organisatorisch. Der auch MXSat 1 oder Juvenile 1F genannte Satellit war Teil einer ganzen Serie ähnlicher Satelliten. Vorgesehen war u.a. die Bildübertragung per SSTV.
3Februar

die SS-520 5 im Startgestell

Eigentlich war der Versuch, mit einer modifizierten SS-​520 Höhenforschungsrakete einen kleinen Nanosatelliten von etwa 3U CubeSat Format zu starten, von der University of Tokyo und einigen japanischen Technologieunternehmen lediglich als einmalige Demonstration geplant gewesen. Längerfristig bestanden Überlegungen, einen neuen Mikrosatellitenträger zu entwickeln. Als im Januar 2017 während des Aufstiegs der SS-​5204 Rakete die Telemetrieverbindung abbrach, wurde aus Sicherheitsgründen das Zündkommenado für die Zweitstufe nicht gegeben. Die Rakete mit dem TRICOM 1 Satelliten stürzte vor der japanischen Küste ins Meer. Damit hätte diese Episode der Raumfahrt Geschichte sein können. Doch entgegen der ursprünglichen Intention verständigte man sich rasch auf einen Wiederholungsflug. Tatsächlich hatte man die Rakete wie auch die Reserve-​Nutzlast im Dezember 2017 startbereit, als ein defekter Sensor im Schubvektor-​Kontrollsystem entdeckt wurde. Im Januar 2018 mußte das Team zunächst dem ebenfalls aufgeschobenen Start einer Epsilon Rakete den Vortritt lassen. Doch am 03.02.2018 hob die bis dato leichteste bodengestützte Satellitenträgerrakete zu ihrem zweiten — und diesmal erfolgreichen — Start von Kagoshima ab. TRICOM 1R, nach dem Erreichen der exzentrischen Umlaufbahn auf den Namen „Tasuki“ getauft, war mit insgesamt vier Kameras ausgerüstet. Da man erwartete, daß der Satellit nach der Trennung von der Rakete stark taumeln würde (was sich dann auch bestätigte), war dies eine der Maßnahmen die sicherstellen sollten, daß schon einige Erdaufnahmen aufgenommen werden konnten, bevor Magnetorquer, Reaktionsräder und Kreisel „Tasuki“ in der Bahn stabilisiert hatten. Tatsächlich konnten schon zweieinhalb Wochen nach dem Start der Presse erste Fotos präsentiert werden.
6Februar

Start der ersten Falcon Heavy

nahezu synchrone Landung der Booster der ersten Falcon Heavy

Live Views of Starman

„Starman“ hoch über der Erde

Der seit Jahren angekündigte Jungfernflug der Falcon Heavy fand am 06.02.2018 von LC-​39A in Cape Canaveral statt. Trotz umfassender Tests rechneten wohl nur die eingeschworenen Anhänger von SpaceX mit einem vollen Erfolg der Mission. Selbst Firmengründer Elon Musk hatte ironisch geäußert, daß er es schon als Erfolg betrachten würde, wenn wenigstens der Startkomplex stehen bliebe. Das hielt ihn aber nicht davon ab, den Start mit einem genialen Werbecoup für eines seiner anderen Unternehmen, den Elektro-​Autohersteller Tesla, zu verbinden. Lange war gerätselt worden, welche Nutzlast die leistungsfähige Rakete bei ihrem ersten Start transportieren würde — und wohin. Anfang Dezember 2017 ließ Musk die Katze aus dem Sack. Es würde sein Tesla Roadster sein, der auf eine Bahn zum Marsorbit geschickt werden würde. Nachdem im Dezember 2017 erste Fotos der „Nutzlast“ öffentlich geworden waren, überraschte Musk Anfang Februar 2018 nochmal mit einigen liebevoll arrangierten Details. Auf dem Fahrersitz des Tesla saß ein Astronauten-​Dummy im SpaceX Raumanzug, den linken Arm lässig aus dem Fenster haltend… Dazu ein Mini-​Tesla auf dem Armaturenbrett. Weitere, im Handschuhfach versteckte, Details waren u.a. eine Ausgabe des Kultromans „Per Anhalter durch die Galaxis“ des britischen Schriftstellers Douglas Adams und eine untrennbar damit verbundene Requisite, ein Handtuch. Der ursprünglich noch für Ende 2017 geplante Start hatte sich mittlerweile den ganzen Januar hindurch verzögert. Auch der „Hotfire“ Test konnte nicht im ersten Anlauf vollzogen werden. Doch schließlich war der Start definitiv für den 06.02.2018 angesetzt. Die Medien überboten sich mittlerweile mit Superlativen, gern auch mit (häufig nicht zutreffenden) Vergleichen mit der Saturn V. Tatsächlich war die Falcon Heavy aber nur die aktuell leistungsfähigste Trägerrakete weltweit und kam lediglich auf etwa 50% der Nutzlastkapazität einer Saturn V. Doch auch ihr Start zog die Menschen in ihren Bann und wurde weltweit im Internet und im Fernsehen verfolgt. Allein die Bergung der drei Core-​Grundstufen versprach tatsächlichzudem ein wirklich einmaliges Spektakel. Während die beiden äußeren Booster praktisch simultan in Cape Canaveral landen sollten, hatte für den Center-​Core die Barge OCISLY im Atlantik Stellung bezogen. Wetterbedingt verzögerte sich der Start am 06.02.2018 bis in die letzten Minuten des Startfensters. Dann aber hob die Falcon Heavy sauber vom für sie umgerüsteten Startkomplex ab. Auch der nächste kritische Punkt, die Trennung der Boosterstufen gelang fehlerfrei. Sie landeten im Sekundenabstand in den beiden Landing Zones, die auf dem Areal des ehemaligen LC-​13 eingerichtet worden waren. Für LZ-​2 war es eine Premiere. Die Videoübertragung vom „autonomous spaceport drone ship“ brach hingegen im Moment der erwarteten Landung des Centercore ab. Es verging einige Zeit, bis SpaceX bestätigte, daß dessen Landung fehlgeschlagen war, er aber glücklicherweise ins Meer und nicht auf die Plattform gestürzt war. Dafür gab es aber spektakuläre Videobilder, die den Tesla Roadster mir „Starman“ am Steuer zeigten. Zunächst noch aus dem Inneren der Nutzlastverkleidung, dann schließlich über der Erdhalbkugel. Dazu als besondere Hommage David Bowie’s Song „Space Oddity“ als Soundtrack. Nach insgesamt drei Zündungen der Zweitstufe war die Stufe mit dem auf einem Podest montierten Roadster definitiv auf dem Weg zum Asteroidengürtel — und lieferte noch einige Stunden großartige Bilder mit der kleiner werdenden Erde im Hintergrund… Jahrzehnte früher hätten diese sicher das Potential gehabt, eine ähnliche Bedeutung zu entfalten, wie die ersten Farbfotos der Erde aus dem geostationären Orbit oder die Bilder der winzigen Erde über der kraterbedeckten Mondoberfläche. Jetzt sorgten sie immerhin für kurzzeitiges Aufsehen und Begeisterung. Der schließlich bestätigte Verlust des Centercore war angesichts des positiven Gesamtbilds der Mission nur eine Randnotiz. Als unmittelbare Ursache hierfür wurde angegeben, daß der Vorrat an TAE-​TEB vor der letzten Triebwerkszündung aufgebraucht gewesen war. Die Stufe stürzte daher etwa 100 Meter von der Landeplattform ungebremst in den Atlantik. Die Frage, warum der Vorrat am hypergolen/​pyrophoren Zündmittel für die Merlin-​Triebwerke vorzeitig aufgebraucht bzw. zu knapp bemessen gewesen war, blieb aber vorläufig unbeantwortet.
12Februar

Start von Beidou 28 und Beidou 29

Die zweite Beidou Mission des Jahres unternahm China am 12.02.2018, fast auf den Tag genau einen Monat nach dem Start eines anderen Paares von Beidou-​3 MEO Satelliten. Auf dem Weg von einem regionalen zu einem globalen Navigationssatelliten-​System setzten die chinesischen Planer weiter auf Satelliten auf drei unterschiedlichen Bahnformen: Kreisbahnen in 21.500 km Höhe (MEO), geostationäre Bahnen (GEO) und inklinierte geosynchrone Bahnen (IGSO). Auch kamen jeweils unterschiedliche Satellitenmodelle zum Einsatz. Die beiden offiziell als Beidou 28 und Beidou 29 bezeichneten Satelliten zählten wie ihre unmittelbaren Vorgänger zu einer Unterserie, die auf einem Satellitenbus basierte, den das Micro-​Satellite Engineering Center der CAS (Chinese Academy of Sciences) entwickelte hatte. Da sie über kein eigenes Apogäumstriebwerk verfügten, mußten sie nach dem Start von Xichang von der YZ1 Bugsierstufe der CZ-​3B aus dem Absetz– auf den Einsatzorbit manövriert werden. Dort wurden sie in die Bahnebene B der Konstellation integriert.
13Februar

Progress MS-08 auf der Startrampe 6 von Platz 31

Start von Progress MS-08

Progress MS-08 im Anflug auf die ISS

Progress MS-​08, ein weiteres russisches Frachtraumschiff startete am 13.02.2018 um 08:14 UTC von Baikonur zur Internationalen Raumstation. Die Ladeliste zählte 1.388 kg Trockenfracht, 640 kg Treibstoff, 420 kg Trinkwasser und 46 kg Luft– bzw. Sauerstoff in Drucktanks auf. Als Besonderheit trug das Raumschiff an der Außenseite Radiatoren des Experiments „Phasenübergang“ (russ. Фазопереход). Wie der Name schon nahelegte, wollten die Experten von TsNIIMash mit der LEU-​TT1 (russ. ЛЭУ-​ТТ1 — Летная Установка-​Тепловых Труб) Apparatur unter realistischen Bedingungen die Eignung von Wärmerohren (Heatpipes) für die Thermoregulierung von Raumschiffen testen. Ein Vorgängersystem (LEU-​1M) war bereits 1999 mit Progress M-​42 geflogen. Ursprünglich war der Start der Sojus-2.1a 14A14 mit der Progress bereits für den 11.02.2018 geplant gewesen. Bereits dreieinhalb Stunden später sollte das Docking mit der ISS erfolgen. Doch buchstäblich in letzter Sekunde, der größere der beiden Versorgungsarme war bereits weggeklappt, brach der Computer den Startvorgang der Rakete ab. Der Fehler hatte große Ähnlichkeit mit den Umständen, die schon bei Progress MS-​07 zu einem Startabbruch geführt hatten. Jedenfalls wurde nach dem Austausch einer Avionik-​Einheit durch ein Exemplar aus einem anderen Baulos die Rakete als Bereit für einen neuen Startversuch erklärt. Doch mußte nun ein konventioneller Anflug unternommen werden. So erfolgte das Docking am „Swjesda“ Modul erst am 15.02.2018 um 10:38 UTC.
Mit der Progress traf auch die Antenneneinheit des ICARUS (International Cooperation for Animal Research Using Space) Experiments auf der ISS ein, das Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft– und Raumfahrt (DLR) und des Max-​Planck-​Instituts für Ornithologie (MPIO) gemeinsam entwickelt hatten. Ziel war es, aus dem All umfangreiche Informationen zum Zugverhalten von (vor allem) Vögeln zu gewinnen. Ab dem Frühjahr 2018 sollten mehrere Zehntausend Tiere mit neuen miniaturisierten Sendern ausgestattet werden. Bisher war das Tracking von Wildtieren auf eher größere Spezies beschränkt gewesen. Nun standen aber auch bespielsweise Amseln, Tauben, Enten und Flughunde auf der Liste.
Weiter befanden sich zwei „Tanjuscha“ Satelliten an Bord, die Studenten der Süd-​Westlichen staatlichen Universität Kursk (Юго-​Западный Государственный Университет, kurz ЮЗГУ) gemeinsam mit Experten von RKK Energija entwickelt und gebaut hatten. Ihre beiden Vorgänger waren im Sommer 2017 mit einer anderen Progress zur Iss geflogen und später bei einem Außenbordmanöver per Hand ausgesetzt worden. Die verbesserten Tanusha-​SWSU 3 und Tanusha-​SWSU 4 sollten im Juli/​August 2018 ebenfalls nach diesem Verfahren folgen. Obwohl der Start der beiden Satelliten mit Progress MS-​08 schon einige Zeit angenommen worden war, fehlte auch Wochen nach ihrer Ankunft auf der ISS dafür die offizielle Bestätigung. Dafür fand sich der „Handstart“ der Satelliten auf der veröffentlichten Aufgabenliste von Oleg Artjemjew für seine im Sommer geplante EVA.
16Februar

Norishige Kanai neben einer der LEEs

Zwei Wochen nach einem Außenbordmanöver ihrer russischen Kollegen verließen die Astronauten Mark Vande Hei (NASA) und Norishige Kanai (JAXA) am 16.02.2018 die ISS, um außenbords eine Serie von Reparatur– und Wartungsarbeiten abzuschließen, die bereits im Oktober 2017 begonnen worden war. Dabei ging es um den Austausch mehrerer sogenannter Latching End Effectors (LEEs), der „Greifhände“ des Canadarm2 Manipulatorarms der Internationalen Raumstation. Nach einigen zwischenzeitlichen Problemen waren die eigentlichen Arbeiten bis zum Januar 2018 abgeschlossen worden. Jetzt galt es, den auf der POA (Payload ORU Accommodations) Einheit des Mobile Base System eingelagerten LEE #202 zurück in die „Quest“ Luftschleuse zu holen. Er sollte später an Bord einer „Dragon“ Kapsel zur Erde zurückkehren, aufgearbeitet werden und dort als Reserveexemplar und Ingenieurmodell bereitgehalten werden, während LEE #205 demnächst zur ISS fliegen würde. Anschließend verbrachten die beiden Astronauten den auf der ESP 2 (External Stowage Platform) gelagerten LEE #201 zur freigewordenenen permanenten Lagerposition auf der POA. Nachdem der bereits im Oktober 2017 frisch als LEE-​A am Canadarm2 montierte LEE #203 nochmal abgeschmiert war, kehrten Vande Hei und Kanai in die Luftschleuse zurück. Das gesamte Außenbordmanöver hatte 5:57 h gedauert.
22Februar

Start des PAZ Radar-Satelliten

die auf dem Meer treibende Nutzlastverkleidung nach dem PAZ Start

Der aus unterschiedlichen Gründen seit Jahren verzögerte Start des spanischen Erderkundungssatelliten PAZ fand endlich am 22.02.2018 statt. Im Rahmen eines nationalen Programms zur Erderkundung hatte Astrium España (EADS CASA Espacio) im Herbst 2008 den Auftrag zum Bau eines SAR-​Satelliten vom Satellitenbetreiber Hisdesat erhalten. Ein Großteil der Finanzmittel für das SEOSAR (Satélite Español de Observación SAR) Programm stammte aus dem Verteidigungshaushalt. Entsprechend zurückhaltend war man mit der Veröffentlichung von Informationen zu den Leistungscharakteristika des Satelliten. Allgemein wurde aber eine Auflösung des X-​Band Radar von besser als 3 m bei 30 km Schwadbreite im Stripmap-​Modus angegeben. Weitere Betriebsmodi waren Scansar für Übersichts– und Spotlight bzw. HR-​Spotlight für Detailaufnahmen (1 m bzw. 0,25 m Auflösung). Tatsächlich war SEOSAR praktisch identisch mit den beiden deutschen SAR Satelliten TerraSAR-​X (2007) und TanDEM-​X (2010). Jenseits der militärischen Aspekte war daher auch eine koordinierte Nutzung der Satelliten auf einer gemeinsamen Bahn geplant. Ursprünglich war Spanien von einem Start des inzwischen PAZ getauften Satelliten im Jahr 2012 ausgegangen, doch erst 2015 erfolgte die Endabnahme. Als sich unerwartet Probleme mit der Verfügbarkeit der zum Start gebuchten Dnepr-​1 ergaben, mußte der Satellit so eingelagert werden, daß er jederzeit kurzfristig zum Startkomplex ausgeliefert werden konnte. Als nach langwierigen Verhandlungen deutlich wurde, daß die russisch-​ukrainische Trägerrakete entgegen bindender Verträge und trotz geleisteter Anzahlungen nicht mehr verfügbar sein würde, mußten Airbus Defence and Space und Hisdesat nach einem neuen Träger für PAZ suchen. Der fand sich mit SpaceX, wo man einen Start für Ende Januar 2018 in Aussicht stellte. Tatsächlich konnte dieser Termin nahezu gehalten werden. Doch gab es einige offenbar unvermeidliche Verzögerungen. Dazu trug wohl auch die Einführung einer überarbeiteten Nutzlastverkleidung bei. Schließlich stand aber der Starttermin 21.02.2018 fest. Nun lagen aber die Höhenwinde jenseits des zulässigen Limits. Daher konnte erst am nächsten Tag tatsächlich ein Startversuch unternommen werden. Neben PAZ gelangten dabei auch zwei SpaceX-​eigene Satelliten auf den sonnensynchronen 500 km Orbit. MicroSat 2a („Tintin“ A) und Microsat 2B („Tintin“ B) waren als Demonstratoren insbesondere für die Kommunikationsnutzlast der geplanten Starlink Großkonstellation vorgesehen. Mit tausenden Satelliten wollte SpaceX Gründer Elon Musk seine Idee eines tatsächlich global verfügbaren Internets verwirklichen. Dazu mußten aber u.a. noch Fragen der Frequenznutzung geklärt werden. Obwohl die Falcon 9 v1.2 Erststufe nach ihrem zweiten Einsatz nicht für eine Bergung vorgesehen war, hatte sich mit der „Mr. Steven“ ein von SpaceX gechartertes schnelles Mehrzweckschiff vor der Küste Kaliforniens in Position gebracht. Denn einmal mehr sollte der Versuch unternommen werden, wenigstens einer der Halbschalen der Nutzlastverkleidung zu bergen. Dazu war an Deck eine auskragende Spezialkonstruktion angebracht worden, zwischen deren weit ausladenden Armen ein Netz gespannt werden konnte. Der Versuch schlug erneut fehl. Die Nutzlastverkleidung segelte in Sichtweite des Schiffes ins Meer, konnte aber immerhin an Deck gehievt werden.
27Februar

die startende H-IIA F38

Japan startete am 27.02.2018 vom Raumfahrtzentrum Tanegashima einen weiteren Intelligence Gathering Satellite. Wie bei Starts von Aufklärungssatelliten üblich, wurden die Informationen zu diesem Unternehmen auf das Notwendigste beschränkt. Demnach sollte die H-​IIA Mod. 202 eine als IGS-​Optical 6 bezeichnete Nutzlast auf eine klassifizierte Bahn transportieren. Zum Leistungsvermögen der elektro-​optischen Aufklärungssatelliten aus dem IGS Programm lagen keinerlei belastbare Daten vor. Nach IGS-​Optical 5 im Jahr 2015 war dieser Satellit aber wohl das zweite Exemplar einer verbesserten (möglicherweise dritten) Generation. Ihnen wurde eine Auflösung von besser als 40 cm zugesprochen. In der Pressekonferenz nach dem Start wurde immerhin bestätigt, daß der vorgesehene Orbit erreicht worden war.
28Februar

die Kapsel von Sojus MS-06 auf dem Weg zurück zur Erde

Bergung der Sojus MS-06 Besatzung aus der gelandeten Kapsel

Nach fünfeinhalbmonatigem Weltraumaufenthalt bereiteten sich Alexander Misurkin, Mark Vande Hei und Joseph Acaba auf der Internationalen Raumstation auf ihre Rückkehr zur Erde vor. Ein zuletzt noch intensiviertes Fitnessprogramm sollte sicherstellen, daß die drei Raumfahrer nach der Landung keine zu heftigen Probleme bei der Wiederanpassung an die irdische Schwerkraft hatten. Am 27.02.2018 um 23:08 UTC koppelte ihr Sojus MS-​06 Raumschiff vom Dockingmodul „Poisk“ ab. Unterstützt von seinen Crewmitgliedern steuerte Kommandant Misurkin die Sojus dann vorsichtig von der ISS weg. Es folgten einige größere Bahnmanöver und schließlich die entscheidende Zündung des Bremstriebwerks. Knapp dreieinhalb Stunden später, am 28.02.2018 um 02:31 UTC, setzte die Kapsel in der winterlichen Steppe Kasachstans auf. Nach 4.037:14 h (168 Tagen) war der Raumflug 146 km südöstlich von Scheskasgan sicher zu Ende gegangen. Jetzt machte sich auch das Training der Raumfahrer bezahlt. Schon kurze Zeit nach der medizinischen Erstversorgung standen sie auf eigenen Beinen.