Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2018-11-15T10:44:05+01:00

Januar 2018.

8Januar

Start der Falcon 9 v1.2 mit der geheimnisvollen ZUMA Nutzlast

Landung der Falcon 9 Erststufe der ZUMA Mission

Das Raumfahrtjahr 2018 begann am 08.01.2018 mit einem Paukenschlag, dessen Auswirkungen auch Wochen danach nicht abzuschätzen waren. An diesem Tag hob von SLC-​40 in Cape Canaveral eine Falcon 9 v1.2 ab. Sie sollte eine geheimnisvolle Nutzlast namens ZUMA auf eine Umlaufbahn transportieren. Doch jegliche Details zu dieser Mission unterlagen einer strikten Geheimhaltung. Noch geheimnisvoller wurde das Unternehmen dadurch, daß als Betreiber des Satelliten eine namentlich nicht genannte US Regierungsbehörde angeführt wurde, das NRO die Eignerschaft sogar zurückwies. Ähnliches hatte sich zuletzt 2009 und 2014 ereignet, als die ULA (United Launch Alliance) zwei COMINT Satelliten mit Codenamen PAN bzw. CLIO startete. Formell als Kunde trat der Hersteller der Nutzlast, Northrop Grumman, auf. Überraschend lud SpaceX im Oktober 2016 explizit die Medien zu dem Start ein. Und ein Zitat von SpaceX Gründer Elon Musk wurde bekannt, in dem er ZUMA als den bisher wertvollsten Satelliten in der Firmengeschichte bezeichnete. Wobei der Wortwahl „wertvoll“ anstelle von „teuer“ möglicherweise eine besondere Bedeutung inne wohnte. Nach dem „Static Fire“ der Falcon 9 Erststufe am 11.11.2017 auf LC-​39A war der Start für den 15.11.2017 geplant. Doch dann verlautete, daß der Start auf unbestimmte Zeit verschoben worden war, um die Ergebnisse eines Tests der Nutzlastverkleidung für einen anderen Kunden genauer analysieren zu können. Schließlich wurde der Start sang und klanglos auf Januar 2018 verschoben. Als die Rakete am 08.01.2018 nach einem erneuten Static Fire (nun auf SLC-​40) und mehreren tageweisen Aufschüben schließlich tatsächlich abhob, hatte SpaceX seine im Oktober 2017 ausgesprochene besondere Einladung an die Medien nicht erneuert. Gewohnt routiniert verlief dann aber der Start. Während die Live-​Übertragung von der Oberstufe der Rakete bald endete, um die Geheimhaltung der Mission zu wahren, landete die Erststufe punktgenau auf der Betonfläche von LZ1. Stunden später kamen erste Gerüchte über eine fehlgeschlagene Mission auf. Tatsächlich gab es keine Bestätigung dafür, daß die Nutzlast den vorgesehenen Orbit erreicht hatte, auch wenn es keine erkennbare Abweichung im Flugprofil der Trägerrakete gegeben hatte und NORAD sogar ein kurzlebiges Objekt von diesem Start katalogisierte. Gerüchten zufolge war jedoch die Trennung der Nutzlast von der Oberstufe mißlungen (oder der Satellit unmittelbar nach der Trennung verglüht). Und der Nutzlastadapter stammte, entgegen sonstiger Gepflogenheiten, ebenfalls vom Satellitenhersteller. Das war auch die Grundlage für verdeckte wechselseitige Schuldzuweisungen zwischen SpaceX und Northrop Grumman. Daß Abgeordnete beider Kammern des US Parlaments eine Untersuchung des nun offenkundigen Fehlschlags anstrengten, darf als Bestätigung für den Verlust der Nutzlast angesehen werden. Die hohe Geheimhaltungsstufe verhinderte jedoch das Bekanntwerden weiterer Details. SpaceX sah aber offenbar bei sich keinen Fehler. Denn dreieinhalb Wochen später startete die nächste Falcon 9 v1.2 — mit einem Standard-​Nutzlastadapter von SpaceX…
9Januar

Start einer CZ-2D mit GaoJing 1-03 und GaoJing 1-04

Aufnahme der Verbotenen Stadt in Peking durch einen der Satelliten des zweiten SuperView-1 Paares

China, das für 2018 eine Rekordzahl von Satellitenstarts angekündigt hatte, begann am 09.01.2018 mit der Umsetzung dieses Ziels. An diesem Tag hob eine CZ-​2D stretched von Taiyuan ab und brachte zwei GaoJing oder SuperView Erderkundungssatelliten auf ihre sonnensynchronen Umlaufbahnen zwischen etwa 515 und 535 km Bahnhöhe. Sie gehörten dem Unternehmen Beijing Space View Tech Co Ltd., das bereits im Dezember 2016 zwei Satelliten als Grundstock einer geplanten Konstellation hatte starten lassen. Damals endeten diese jedoch auf einem zu niedrigen Orbit, der ihre Lebensdauer signifikant verringerte. Denn sie verfügten zwar über eigene Triebwerke, mit denen das Perigäum um rund 300 km angehoben werden konnte, so daß schließlich der nominelle Arbeitsorbit erreicht wurde. Doch wurden damit die Treibstoffvorräte angegriffen, die eigentlich für den Routinebetrieb benötig worden wären. Dafür lieferten die Satelliten dann aber exzellente Aufnahmen mit einer Auflösung von 0,5 m (panchromatisch) bzw. 2 m (multispektral). Die Probleme beim Start von GaoJing 101 und GaoJing 102 führten auch zu einer längeren Zwangspause bei den CZ-​2D Starts. Erst im Oktober 2017 wurden diese wieder aufgenommen. Nach dem geglückten Start war nun erstmals die geplante Basis-​Konstellation von vier Satelliten verfügbar. Langfristig sollte diese aber auf 16+4+4+X ausgebaut werden (16× 0,5 m PAN/2,0 m MS + 4× höher auflösende optische Satelliten + 4× VHR SAR Satelliten + X Video– und Hyperspektral Satelliten). Ende Januar 2018 konnte Beijing Space View die ersten Aufnahmen von GaoJing 103 und GaoJing 104 veröffentlichen.
11Januar

Start von Beidou 26 und 27 von Xichang

Ursprünglich noch für Ende 2017 geplant, dann aber doch wegen eines zu dicht gedrängten Startkalenders auf Januar 2018 verschoben, hob am 11.01.2018 eine CZ-​3B mit YZ1 Bugsierstufe vom Raumfahrtgelände Xichang ab, um ein Paar von Beidou-​3 Satelliten für den MEO Teil der chinesischen Navigationssatelliten-​Konstellation in den Orbit zu befördern. Im Gegensatz zu den meisten anderen Navigationssatelliten-​Systemen umfaßte das chinesische COMPASS unterschiedliche Typen auf gleich drei verschiedenen Bahnformen: Kreisbahnen in 21.500 km Höhe (MEO), geostationäre Bahnen (GEO) und inklinierte geosynchrone Bahnen (IGSO). Diese wurden mittlerweile von Satelliten aus drei Generationen bevölkert. Wobei die Einführung der jüngsten u.a. den Übergang vom regionalen zum globalen System markierte. Die beiden offiziell als Beidou 26 bzw. Beidou 27 bezeichneten Satelliten zählten zu einer Unterserie, die auf einem Satellitenbus basierte, den das Micro-​Satellite Engineering Center der CAS (Chinese Academy of Sciences) entwickelte hatte. Da sie über kein eigenes Apogäumstriebwerk verfügten, mußten sie von der YZ1 Bugsierstufe aus dem Absetz– auf den Einsatzorbit manövriert werden.
12Januar

Start der PSLV-XL C40

PSLV-XL C40 Nutzlast

ANTRIX, der indische Vermarkter von Startkapazitäten, hatte auch die Mitfluggelegenheiten bei der PSLV-​XL C40 Mission zum Start des Cartosat 2F Erderkundungssatelliten wieder erfolgreich zahlreichen in– und ausländischen Kunden angeboten. Insgesamt kamen so dreißig kleine Nutzlasten zusammen, die auf verschiedene Startvorrichtungen verteilt wurden. Obwohl insbesondere Kunden aus den USA noch immer eine Ausnahmegenehmigung benötigten, um ihre Satelliten in Indien starten lassen zu dürfen, erfreute sich die PSLV gerade bei den Betreibern von CubeSat Flotten großer Beliebtheit. Und auch diesmal enttäuschte die Rakete nicht. Zunächst wurde, unmittelbar nach Brennschluß der vierten Stufe, in etwa 510 km Höhe Cartosat 2F ausgesetzt, der voraussichtlich letzte Erderkundungssatellit der Cartosat 2 Satelliten Serie. Wie seine Vorgänger verfügte er über zwei Kamerasysteme, die panchromatische und multispektrale Aufnahmen liefern konnten. Die erreichten dabei eine Auflösung von besser als 1 m bei knapp 10 km Schwadbreite. Reaktionsräder gaben den Satelliten zudem eine hohe Agilität, die u.a. genutzt wurde, um die Satelliten seitlich zur Flugbahn oder nach vorn/​hinten auszurichten, so daß entweder schnellere Aufnahmezyklen oder stereoskopische Aufnahmen möglich wurden. Auch wenn die Daten offiziell Anwendung in den Bereichen Land Information Systems (LIS) und Geographical Information Systems (GIS) fanden, verstummten Berichte über eine militärische Nutzung nie. Angesichts der Leistungsfähigkeit der Satelliten und der Tatsache, daß (nach drei Prototypen) zwischen 2016 und 2018 vier Exemplare gestartet worden waren, ist das auch naheliegend.
Aus dem Dual Launch Adapter (DLA) und Startvorrichtungen an der PS4 Stufe wurden dann in schneller Abfolge die dreißig Klein– und Kleinstsatelliten ausgestoßen. Microsat-​TD basierte auf einer Weiterentwicklung des von der ISRO entwickelten IMS-​1 (SSB-​2) Satellitenbusses. Auffallend war die Zurückhaltung der ISRO bei der Veröffentlichung von Ausrüstung und Aufgabenstellung des Satelliten. Man konzentrierte sich auf den Hinweis darauf, daß der meist nur unspezifisch als Microsat oder Microsatellite bezeichnete Satellit als Demonstrator zukünftiger Satelliten fungieren sollte und der Bus mit verschiedenen Nutzlasten bestückt werden konnte. In der indischen Presse erschienen jedoch Berichte, in denen von einem panchromatischen Bildsensor und Kapazitäten im fernen Infrarot berichtet wurde. Das wurde auch in Dokumenten des ISRO Satellite Centre in Bengaluru bestätigt. Demnach erreichte der Satellit eine Auflösung von 0,9 m panchromatisch bzw. 5,6 m im Infrarot. Ebenfalls von der ISRO stammte der deutlich kleinere INS 1C Satellit. Der Nanosatellit verfügte über ein einziges Instrument, den MMX-​TD (Miniature Multi Spectral Imager — Technology Demonstrator). Eine Besonderheit war eine in Origami-​Technik vierfach entfaltbare Kameraoptik. Wenige Tage nach dem Start am 12.01.2018 von Sriharikota wurden von allen drei ISRO Satelliten erste Erdaufnahmen veröffentlicht.
Zu den weiteren Kunden von ANTRIX bei dieser Mission zählte auch die TeleSat Canada mit ihrem LEO Vantage 1 Satelliten. Im April 2016 hatte das Unternehmen zwei experimentelle Ka-​Band Satelliten bei unterschiedlichen Herstellern in Auftrag gegeben. Mit ihnen sollten vorbereitende Tests für eine geplante LEO Satelliten Konstellation unternommen werden. Im November 2017 war LEO Vantage 2 bei einem Fehlstart verloren gegangen. Nun ruhten die Hoffnungen auf dem von SSTL gebauten LEO Vantage 1. Der manövrierte bis Anfang April 2018 aus dem ursprünglich in 500 km Höhe verlaufenden Orbit auf eine annähernde Kreisbahn in 1.000 km mittlerer Höhe. Ebenfalls von SSTL stammte der Carbonite 2 Satellit, mit dem das Unternehmen neue Technologien für zukünftige kommerzielle Anwendungen erprobte. Auf dem zweiten Satelliten der Reihe flog u.a. eine HD-​Video-​Kamera für Farbaufnahmen, die im Zusammenspiel mit einem Datenspeicher hoher Kapazität und einem Datendownlink mit großer Datenrate getestet wurde. Die Erfahrungen sollten in die Entwicklung eines serienreifen Satelliten einfließen, auf dessen Basis das britische Unternehmen Earth-​i ab voraussichtlich 2019 eine Vivid-​i genannte Konstellation von Erderkundungssatelliten aufbauen wollte. Das war allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn einige Wochen nach dem Start machte das britische Verteidigungsministerium öffentlich, daß die Videoaufnahmen des Satelliten bereits routinemäßig von der Royal Air Force genutzt wurden. Neuland betrat das finnische Unternehmen ICEYE. Mit ihrem ICEYE X1 Satelliten gelang es dem jungen Team erstmals, ein X-​Band SAR auf einem nur 70 kg schweren Microsatelliten zum Einsatz zu bringen. Und mit einer Auflösung von 10 m übertraf das Instrument zahlreiche Radarsysteme auf weitaus größeren und um ein Vielfaches teureren Satelliten. Am 15.01.2018 gingen 1,2 GB an Daten ein, die das erste 80×40 km Bild des Satelliten aus dem Orbit formten. Der 6U CubeSat Arkyd 6A des US Unternehmens Planetary Resources hingegen sollte eine Demonstrator-​Mission fliegen für die geplante Arkyd 100 Konstellation von Microsatelliten zur Suche nach nutzbaren Ressourcen auf Asteroiden. Insbesondere sollte Arkyd 6A einen Infrarot-​Sensor auf seine Eignung zur Messung von Temperaturdifferenzen und für die Suche nach wasserhaltenden Mineralien testen. Dazu wurden ausgewählte Gebiete auf der Erde beobachtet. Das US Unternehmen GeoOptics Inc. arbeitete am Aufbau einer Konstellation aus mindestens 24 Satelliten zur Sondierung der Erdatmosphäre mittels Radio-​Okkultation (GNSS-​RO) unter Verwendung von GPS und Galileo-​Signalen. Zusätzlich sollte zur Erderkundung das Verfahren der GNSS-​Reflektometrie (GNSS-​R) eingesetzt werden. Das Projekt trug den Namen CICERO (Community Initiative for Cellular Earth Remote Observation) und richtete sich an Wissenschaftler und beispielsweise die US „Wetterbehörde“ NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration), die im Rahmen des Commercial Weather Data Pilot Programms zu den ersten Kunden des Unternehmens gehörte. Nach dem erfolgreichen Start eines ersten Satelliten (CICERO 6) im Juni 2017 waren allerdings die nächsten drei Exemplare unmittelbar nach dem Start ausgefallen bzw. konnten nie kontaktiert werden. Bisher vom Pech verfolgt war auch das Start-​Up Unternehmen Astro Digital (ehemals Aquila Space). Einige Mitarbeiter der früheren US Niederlassung der russischen Dauria Space hatten sich nach der Schließung ihres Unternehmens entschieden, die praktisch abgeschlossene Entwicklung des Corvus-​BC Satellitensystems fortzuführen. Auch unter dem neuen Namen Landmapper-​BC bestand das Geschäftsmodell darin, Erderkundungsdaten einer Konstellation von acht bis zehn 6U CubeSats zu vermarkten. Diese sollten Multispektralaufnahmen (Rot, Grün, NIR) mit 22 m Auflösung liefern. Doch die ersten beiden (im Juli 2017 gestarteten) Satelliten versagten unmittelbar nach dem Start, zwei weitere wurden im November 2017 Opfer eines Fehlstarts. Nun ruhten die Hoffnungen auf dem mit der PSLV gestarteten Landmapper-​BC 3 v2. Das Space Systems Laboratory des Massachusetts Institute of Technology (MIT SSL) hatte 2014 mit dem MicroMAS (Micro-​sized Microwave Atmospheric Satellite) erstmals den Versuch unternommen, ein Mikrowellen-​Radiometer in einer rotierenden 1U CubeSat Einheit mit einem 3-​Achsen-​stabilisierten 2U CubeSat Bus zu einem 3U CubeSat zu kombinieren. Eine Woche nach dem Aussetzen aus der ISS hatte der Satellit aber bereits versagt. Dennoch schien das Konzept so vielversprechend, daß zwei weitere Satelliten mit Geldern der USAF und NOAA finanziert werden konnten. Deren 12– statt 8-​kanaliges Radiometer operierte nun auf 90, 118, 183 und 206 GHz statt ausschließlich auf 118 GHz. Gemeinsam sollten sie die Time-​Resolved Observations of Precipitation structure and storm Intensity with a Constellation of Smallsats (TROPICS) Mission unternehmen. Der erste Satellit wurde nun als MicroMAS 2a gestartet. Aus Frankreich stammte die PicSat Mission. Federführend bei der Entwicklung war das Observatoire de Paris (OBSPM). Der 3U CubeSat hatte eine extrem spezialisierte Mission. Und zwar sollte er per Interferometrie die Durchgänge des 2008 entdeckten Exoplaneten Beta Pictoris b vor seinem Zentralgestirn beobachten. Aufrund früherer Beobachtungen wurde der nächste Durchgang zwischen Juli 2017 und März 2018 erwartet. Insgesamt mit sechs Satelliten waren südkoreanische Universitäten und Institute bei der PSLV C40 Mission vertreten. Von der Yonsei University stammte die kombinierte CANYVAL-​X Mission eines 2U CubeSats („Tom“) und seines 1U Partners „Jerry“. Unterstützt von NASA und KARI (Korea Aerospace Research Institute) wollten die Forscher die beiden Satelliten nach ihrer Trennung optisch entlang einer Sichtachse ausgerichtet halten. Ziel der CubeSat Astronomy by NASA and Yonsei using Virtual Telescope Alignment eXperiment Mission war es, derart die Eignung von im Gruppenflug befindlichen CubeSats für die Realisierung virtueller Teleskope zu verifizieren. Der Start des Unternehmens war ursprünglich für die Jahresmitte 2016 auf einer Falcon 9 geplant gewesen, schließlich nach endlosen Verzögerungen aber auf die PSLV umgebucht worden. Auch, weil die ESA für 2018 (mittlerweile 2019) mit PROBA 3 eine ähnliche Mission plante. Während mit CANYVAL-​X aber nur die Grundlagen erarbeitet werden sollten, hatte die ESA direkt eine anspruchsvolle wissenschaftliche Mission entworfen. Nach dem Aussetzen konnte offenbar kein Signal von dem Satellitenpaar empfangen werden, womit die Mission als totaler Fehlschlag endete. CNUSail 1 alias „Papillon“ stammte dagegen von der Chungnam National University. Der 3U CubeSat sollte der Erprobung eines an vier jeweils 1,42 m langen Stangen aufgespannten „Sonnensegels“ dienen. Auch bei ihm brach der Kontakt ab, bevor die Tests initiiert werden konnten. Ein Projekt der Korea Aviation University war dagegen der 3U CubeSat KAUSAT 5. Er sollte der Erprobung verschiedener Untersysteme, die am dortigen Space System Research Laboratory (SSRL) entwickelt und gebaut worden waren, dienen. So einer IR-​Kamera und eines Miniatur Geiger-​Müller-​Zählrohrs. Nach dem Start konnte aber wohl auch zu ihm kein Kontakt zu dem Satelliten aufgebaut werden. Von der Kyung Hee University stammte SIGMA bzw. KHUSAT 3. Die Mission dieses 3U CubeSats bestand in Forschungen zum irdischen Magnetfeld und Strahlung. Dazu trug er als Ausrüstung den TEPC (Tissue Equivalent Proportional Counter) Strahlungs Detektor und ein Miniatur Fluxgate-​Magnetometer an einem entfaltbaren Ausleger. Kooperationspartner bei der Entwicklung und Ausrüstung des Satelliten waren das Korea Astronomy and Space Science Institute (KASI), das New Jersey Institute of Technology (NJIT), die University of New Hampshire (UNH) und die York University (YU). SIGMA teilte das Schicksal der Mehrzahl der südkoreanischen Satelliten auf diesem Flug und blieb nach dem Aussetzen stumm. STEP Cube Lab (Cube Laboratory for Space Technology Experimental Project) schließlich hatte die Chosun University in Gwangju entwickelt. Trotz seiner geringen Größe von nur 1U wurden bei seinem Bau doch eine Reihe von innovativen Lösungen verwirklicht. So eine oszillierende Heat Pipe, MEMS Micro-​Triebwerke auf Feststoffbasis, ein Photovoltaiksystem mit Konzentratoren u.a.m. Wie alle anderen südkoreanischen Satelliten bei dieser Mission auch war STEP Cube Lab ursprünglich zum Start gemeinsam mit anderen im Rahmen der SHERPA Mission auf einer SpaceX Falcon 9 gebucht gewesen. Da sich dieser Start seit Mitte 2015 aber schließlich auf den Spätsommer 2017 verzögert hatte, suchten speziell die SHERPA Kunden nach Alternativen und wurden zuletzt dabei sogar von der Spaceflight Inc., dem SHERPA Entwickler, unterstützt. Weiterhin flog auf der PSLV ein lediglich als DemoSat 2 bezeichneter 3U CubeSat eines US Kunden. Weder der Kunde noch eine präzisere Aufgabenstellung, die über „UHF Kommunikationsexperimente“ hinaus ging, wurden veröffentlicht. Das änderte sich erst einige Wochen später. Da gab sich die Astranis Space Technologies Corp. als Eigner zu erkennen. Das Start-​Up plante eine Verbesserung der Breitband-​Internetversorgung unter Einsatz geostationärer Satelliten von wenigen Hundert Kilogramm Gewicht, die dennoch einen Datendurchsatz von einigen Dutzend Gbps erreichen sollten. Für den Amateurfunksatelliten Fox 1D alias AMSAT-​OSCAR 92 waren die Funkamateure der AMSAT eine Kooperation mit verschiedenen Instituten eingegangen, was ihnen eine Mitfluggelegenheit im Rahmen des NASA Programms ELaNa (Educational Launch of Nanosatellites) sicherte. So wurde in den 1U CubeSat das HERCI (High Energy Radiation CubeSat Instrument) Experiment des University of Iowa Department of Physics and Astronomy ebenso intergriert wie eine Kamera der Virginia Polytechnic Institute and State University und ein MEMS Gyro der Pennsylvania State University. Tyvak Nano-​Satellite Systems Inc. war Hersteller eines als Tyvak 61C bezeichneten 3U CubeSats, dessen Auftraggeber nicht veröffentlicht wurde. Angesichts einer Mission, die mit der „Katalogisierung der Variabilität leuchtender Sterne“ beschrieben wurde, war diese Geheimhaltung ungewöhnlich. Von den vier SpaceBEE Picosatelliten im 0,25U CubeSat Format waren zum Startzeitpunkt weder Hersteller noch Operator bekannt. Später bestätigten Artikel in der Fachpresse, daß die vier Satelliten von Swarm Technologies Inc. stammten, einem US Unternehmen, das sich auf (überwiegend terrestrische) Anwendungen von auf „Schwarmintelligenz“ basierenden autonomen Systemen spezialisiert hatte. Ihre Aufgabe wurde vage mit Experimenten zur Zwei-​Wege-​Kommunikation im VHF Spektrum beschrieben. Um die Bahnverfolgung zu erleichtern, wurden die Satelliten mit passiven Radar-​Reflektoren und einem vom Boden abfragbaren GPS-​Transponder versehen. Allerdings hatte die FCC den Satelliten eine Betriebsgenehmigung verweigert — was offenbar von Swarm Technologies ignoriert worden war. Einfacher war die Situation bei den in größerer Zahl gestarteten Mitgliedern bekannter CubeSat-​Großkonstellationen. Die vier Flock 3p′ Satelliten (Flock 3p′-1, Flock 3p′-2, Flock 3p′-3 und Flock 3p′-4) waren zwar Teil der kommerziell zu Erderkundung eingesetzten CubeSat Flotte des US Unternehmens Planet Labs. Speziell mit diesen Exemplaren sollten aber vorrangig einige technische Verbesserungen, darunter am Kamerasystem, erprobt werden. Vier Satelliten des US Unternehmens Spire vervollständigten die Nutzlastliste der PSLV. Lemur 2 „PeterWebster“, Lemur 2 „DaveWilson“, Lemur 2 „McCafferty“ und Lemur 2 „BrownCow“ waren wie ihre Vorgänger mit dem STRATOS Instrument zu GPS Radio-​Okkultationsmessungen und der SENSE AIS Nutzlast zur Lokalisierung von hochseegehenden Schiffen bestückt. Die Daten beider Instrumente wurden kommerziell vermarktet.
12Januar

Delta IV NROL-47 Launch Highlight

Die United Launch Alliance startete am 12.01.2018 im Auftrag des NRO von der Vandenberg AFB eine Delta IV Medium+ (5,2). Ein erster Countdown am 10.01.2018 hatte wegen schlechter Wetterprognosen abgebrochen werden müssen, am nächsten Tag führten technische Probleme immer wieder zu Verzögerungen und schließlich einem erneuten Abbruch. Der dritte Countdown verlief dann aber weitgehend ereignislos. Wie bei solchen Missionen üblich, verlauteten zur Mission des transportierten Satelliten keine Details. Doch waren sich Beobachter relativ sicher, daß der als NROL 47 (USA 281) bezeichnete Satellit Teil der Future Imagery Architecture — Radar Konstellation war. Das FIA Programm sollte ursprünglich aus zwei Komponenten bestehen, FIA-​R und FIA-​O. Beide Entwicklungen sahen sich großen technischen Herausforderungen gegenüber und erlebten massive Kostensteigerungen, die schließlich zum Abbruch der Entwicklung der optischen Komponente führten. 2013 durchgesickerte Dokumente wiesen darauf hin, daß im TOPAZ Programm zunächst der Start von fünf FIA-​R Block I Satelliten geplant war, die dann von verbesserten Block II Satelliten abgelöst werden sollten. Der Start vom Januar 2018 war nach allgemeiner Ansicht der fünfte. Auffällig war allerdings, daß sich die Umlaufbahn gemäß Amateurbeobachtungen in einem Punkt deutlich von denen früherer TOPAZ unterschied. Flogen die anderen vier Satelliten alle in knapp 1.100 km Höhe auf stark retrograden Bahnen von 123° Bahnneigung, waren es diesmal nur 106°.
13Januar

Start des LKW 3 Satelliten

Der dritte Satellit des chinesischen Ludi Kancha Weixing (dt. svw. Erdvermessungs– oder Erdbeobachtungssatellit) Programms innerhalb von sechs Wochen startete am 13.01.2018 mit einem CZ-​2D stretched Trägerraketenmodell vom Raumfahrtgelände Jiuquan. Diese Satelliten wurden offiziell als (zivile) hochauflösende Erderkundungssatelliten bezeichnet. Auffällig war aber die Zurückhaltung bei der Bekanntgabe von Leistungsdaten oder des Eigners/​Nutzers. Während die beiden ersten LKW Satelliten jedenfalls auf einem sonnensynchronen Vormittagsorbit kreisten, erreichte LKW 3 nun einen dazu passenden Nachmittagsorbit. Das unterstrich immerhin die Nutzung zur Erdbeobachtung, sei es zivil oder militärisch.
17Januar

Start der Epsilon E-3 mit ASNARO 2

Bei ihrem dritten Einsatz transportierte die japanische Epsilon Trägerrakete am 17.01.2018 vom Raumfahrtzentrum Kagoshima den Erdbeobachtungssatelliten ASNARO 2 auf einen 500 km Orbit. Nach dem Jungfernflug eines experimentellen Musters im Jahr 2013 hatte die Epsilon eine verlängerte Zweitstufe und eine überarbeitete Drittstufe erhalten. Diese Enhanced Epsilon war für die aktuelle Mission nun erstmals mit der zusätzlichen Flüssigkeitsoberstufe CLPS (Compact Liquid Propulsion Stage) ausgerüstet worden. Im September 2017, nur gut zwei Wochen nach der Veröffentlichung des geplanten Starttermins 11.11.2017, mußte die JAXA einen Aufschub um unbestimmte Zeit bekanntgeben. Ursache waren mögliche Defekte im elektrischen System. Nach unbestätigten Berichten gab es dabei Zusammenhänge mit einer defekten Komponente, die an der noch kleineren SS-​5205 Rakete entdeckt worden war. Schließlich gelang aber mit rund zwei Monaten Verspätung ein makelloser Start. Der vom ehemaligen USEF - Institute for Unmanned Space Experiment Free Flyer (inzwischen in Japan Space Systems aufgegangen) entwickelte Technologie-​Demonstrator ASNARO 2 konnte kurze Zeit nach dem Start planmäßig in Betrieb genommen werden. In einer fünfjährigen Mission sollte der Satellit die Leistungsfähigkeit seines X-​Band SAR auf einem vergleichsweise kleinen und kostengünstigen Satellitenbus (NEXTAR NX-​300L) unter Beweis stellen. Bei einer Schwadbreite von 10 km sollte das XSAR eine Auflösung von 1 m erreichen, deutlich besser als bei vielen größere Satelliten. Im ScanSAR Modus waren immerhin noch 16 m Auflösung möglich, dafür 50 km Schwadbreite. Noch vor dem Start von ASNARO 2 hatte Japan überraschend einen Exporterfolg mit dessen Technologie erzielen können. Bereits 2016 kaufte Vietnam nämlich ein zweites Exemplar des Satelliten. Und auch die Daten von ASNARO 2 sollten durch die neu gegründete JEOSS (Japan EO Satellite Service Ltd.) vermarktet werden.
19Januar
Sechs Satelliten transportierte am 19.01.2018 eine chinesische CZ-​11 Feststoffrakete vom Raumfahrtzentrum Jiuquan aus auf sonnensynchrone Bahnen in 500 km Höhe. Mit rund 200 kg die mit Abstand schwersten davon waren die beiden Jilin 1 Satelliten für die Zuodanli 159 Konstellation der Chang Guang Satellite Technology Co. Ltd. Das Unternehmen betrieb den Aufbau einer Großkonstellation von kommerziellen Erderkundungssatelliten, die hochauflösendes Bild– und Videomaterial liefern sollte. Jilin 1 Video 07 („Deqing“) und Jilin 1 Video 08 („Linye“) basierten auf den Ende 2017 gestarteten Jilin 1 Video 04 bis 06, hatten aber laut Pressemeldungen einige Detailverbesserungen erhalten. Schwadbreite (19 km) und Auflösung (1 m) blieben jedoch unverändert. Deqing 1 war in Kooperation mit der „Huzhou Moganshan Hi-​tech Industrial Development Zone“ im Kreis Deqing (Provinz Zhejiang) realisiert worden. Seine Daten sollten der weiteren Entwicklung der Region (Verkehrplanung, Wassermanagement, Kartographie, Landwirtschaft, Umweltschutz etc.) zugute kommen. Die Daten von Linye 2 dagegen waren speziell für forstwirtschaftliche Belange vorgesehen (Linye = Forstwirtschaft). Der Satellit wurde daher von der Verwaltung der Provinz Jilin (wo auch die Chang Guang Satellite Technology Co. Ltd. ansässig ist) gefördert. Insbesondere im Changbai-​Gebirge an der Grenze zu Nordkorea hat die Forstwirtschaft eine große ökonomische Bedeutung für die Bevölkerung (der Name Jilin bedeutet svw. „Glückverheißender Wald“).
Auf der Plattform eines 6U CubeSats basierte der Xiaoxiang 2 oder Tianyi 2 genannte Satellit, den die Spacety Aerospace Co. in Zusammenarbeit mit dem Changsha Gaoxinqu Tianyi Research Institute aus Hunan entwickelt hatten. Spacety arbeitete auf kommerzieller Basis an einer Reihe von Satellitenprojekten. XX-​2 trug vier technologische Experimente unterschiedlicher Institute und Universitäten. Sie dienten der Erprobung von Glasfaser-​Optiken, „Software Defined Radio“ (SDR), Amateurfunkanwendungen und Verfahren zur optischen Bildstabilisierung. Ebenfalls auf dem 6U CubeSat Bus von Spacety basierte der Quantutong 1 (alias Xiaoxiang 6 oder Tianyi 6) Satellit. Dessen Instrumentierung stammte vom Tianji Research Institute. Der Satellit sollte als Pfadfinder für eine geplante Konstellation dienen, an der die Quan Tu Tong Co. (engl. auch Full Map Network Co. Ltd.) arbeitete. Seine Ausrüstung umfaßte Systeme zur Erderkundung, Navigation, Kommunikation und einen AIS Signalempfänger. Ausbildungszwecken sollte der kleine 2U CubeSat Huai’an (auch Zhou Enlai) dienen, der erstmals in China von Mittelstufenschülern gebaut worden war. Tatkräftige Unterstützung hatten die Schüler der Huai’an Zhou Enlai Red Army Middle School bei ihrem Projekt von regionalen Instituten und Universitäten erhalten. Der Satellit verfügte über eine HD-​Kamera und ein SSTV (Slow Scan Television) System. Vorgesehen waren Bild– und Telemetrieübertragungen nach Amateurfunkstandard. Außerdem war die Erprobung eines „Segels“ zur gezielten Bahnabsenkung zum Ende der Mission geplant. Mit KIPP (benannt nach einem Roboter aus dem Sci-​Fi Film „Interstellar“) flog auch eine ausländische Nutzlast auf dieser CZ-​11 Mission. Das kanadische Raumfahrt Start-​Up Kepler Communications plante den Aufbau einer Satellitenkonstellation speziell für die Belange der Internet of Things (IoT) und machine-​to-​machine (M2M) Kommunikation, einschließlich einer inter-​satellite communications Kapazität. Der mit einem SDR ausgerüstete Ku-​Band Testsatellit KIPP basierte auf einem 3U CubeSat Bus von Clyde Space.
20Januar

langzeitbelichtete Aufnahme vom AV-076 Start

die Atlas V AV-076 mit SBIRS-GEO 4 in der Abenddämmerung

Der letzte von vier SBIRS-​GEO Satelliten der ersten Generation startete am 20.01.2018 mit einer Atlas V Mod. 411 von Cape Canaveral. Die Space Based Infra Red Sensor — Geostationary Satelliten bildeten eine zentrale Komponente des US Raketenfrühwarnsystems. Im Vergleich zu ihren Vorgängern aus dem DSP (Defense Support Program) deckten ihre IR-​Sensoren ein breiteres Spektrum ab, so daß ihre Fähigkeiten weit über die Erkennung startender Interkontinentalraketen hinaus gingen. Anstatt wie beim DSP den gesamten Satelliten mit dem konzentrisch angeordneten Teleskop langsam rotieren zu lassen, übernahmen bei dem auf dem Lockheed Martin A2100M Bus basierenden SBIRS-​GEO Spiegel die Ausrichtung des Sensors, was eine schnelle und doch weiträumige Überwachung erlaubte. Wie die anderen Bestandteile des SBIRS Systems auch, sah sich die geostationäre Komponente heftiger Kritik ausgesetzt hinsichtlich der tatsächlichen Leistungsfähigkeit im Vergleich zu den stetig steigenden Kosten. Das 1996 begonnene Programm erlebte daher 2005 eine Reduzierung auf nur noch zwei, maximal drei Satelliten. Langwierige (und kostspielige) Studien konnten aber keine Alternativen zu dem eingeschlagenen Weg aufzeigen, so daß im Juni 2009 die Aufträge für das dritte und im Januar 2011 für das vierte Exemplar erteilt wurden. Im Oktober 2012 begannen die Arbeiten an zwei weiteren Satelliten, doch erst im Juni 2014 wurde das Budget dafür bewilligt. Ein Jahr darauf fiel die Entscheidung, diese beiden Satelliten auf Basis eines modernisierten Satellitenbusses zu realisieren. Nun startete das letzte Exemplar in der ursprünglichen Konfiguration. Dabei kam im Gegensatz zu den drei vorhergehenden Starts erstmals eine mit einem AJ-​60A Booster schubverstärkte Variante der Atlas V zum Einsatz. Eine Begründung hierfür wurde nicht gegeben. Möglicherweise trug dieser Satellit eine zusätzliche Nutzlast oder der höhere Schub erlaubte es eher, die Centaur Oberstufe mit größeren Treibstoffreserven bei ihrer dritten Zündung kontrolliert zum Wiedereintritt zu steuern.
21Januar

Rocket Lab Electron Start am 21.01.2018

die rot glühende Düse des „Rutherford“ Oberstufentriebwerks

Nach einem knapp gescheiterten Jungfernflug, der nichtsdestotrotz einigen Korrekturbedarf offenbart hatte, vergingen acht Monate bis zum nächsten Start der Electron Rakete des neuseeländischen Unternehmens Rocket Lab. Typisch für die Unternehmenskultur eines so jungen Start-​Up trug auch die zweite Mission wieder einen vielsagenden Namen: „Still Testing“ (nach „It’s a Test“ bei der Premiere). Nach dem Fehlstart im Mai 2017 hatte man ursprünglich eine Wiederholung wenige Wochen später angekündigt. Dann nahm man sich aber doch die Zeit für eine sehr gründliche Fehleranalyse. Schließlich war Rocket Lab im Dezember 2017 bereit für den zweiten Start. Kleinere technische, meteorologische und organisatorische Probleme erzwangen eine mehrfache Neuansetzung des Starts. Schließlich fiel die Entscheidung, dem erschöpften Team keinen neuen Countdown mehr zuzumuten und erst im Januar die Startkampagne wieder aufzunehmen. Nach 24-​stündigem Warten auf bessere meteorologische Bedingungen hob die Rakete am 21.01.2018 von dem auf der Māhia Halbinsel auf der Nordinsel Neuseelands gelegenen Startkomplex ab. Um die Nutzlasten war lange ein Geheimnis gemacht worden. Schließlich wurden aber die beiden Lemur 2 Satelliten „Tallhamn-​ATC“ und „Marshall“ sowie Dove Pioneer gebucht. Die beiden Lemur verstärkten die Konstellation der Spire Inc. und verfügen wie üblich über das STRATOS Instrument zu GPS Radio-​Okkultationsmessungen und die SENSE AIS Nutzlast zur Lokalisierung von hochseegehenden Schiffen. Tatsächlich handelte es sich aber primär um eine Demonstration, zählten doch Auffrischungsstarts für CubeSat Konstellationen zu dem Marktsegment, auf das die Electron zielte. Die erzielte Bahnhöhe lag zwar im Mittel um 500 km, der Unterschied zwischen Perigäum und Apogäum fiel mit 40 bis 50 km jedoch recht groß aus. Tatsächlich überraschte die Bahnform aber zunächst, bis Rocket Lab bekanntgab, daß überraschenderweise eine kleine Flüssigkeits-​Drittstufe zum Einsatz gekommen war, um die Bahn zu zirkularisieren. Ein dritter Satellit, Dove Pioneer, repäsentierte den Standard CubeSat-​Typ eines anderen großen Flottenbetreibers. Planet Labs setzte seine Dove Satelliten in verschiedenen Flock Konstellationen ein. Sie lieferten hochauflösende Erderkundungsdaten. Auch sie operierten normalerweise auf Kreisbahnen zwischen 400 und 600 km Bahnhöhe. Dove Pioneer war jedoch auf einer exzentrischen Bahn ausgesetzt worden. Diese ähnelte der der instrumentierten zweiten Raketenstufe. Nach der Bekanntgabe des gelungenen Starts verging noch einige Zeit, bis Rocket Lab Gründer und CEO Peter Beck auch noch die Existenz eines vierten Satelliten bekanntgab. Ein hoch-​reflektives Prisma sollte als hell leuchtender künstlicher „Stern“ am Nachthimmel inspirierend wirken. Unter Astronomen fand „Humanity Star“ weniger begeisterte Anhänger. Bei einer erwarteten Lebensdauer bis zum Wiedereintritt von neun Monaten hielten sich die möglichen Beeinträchtigungen ihrer Arbeit aber wohl ebenso in Grenzen wie die Denkanstöße, die der Satellit tatsächlich gab. Unbestritten blieb hingegen die Leistung von Rocket Lab, innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit und mit überschaubarem Budget eine einsatzfähige Trägerrakete für Kleinsatelliten entwickelt zu haben. Vergleichbares hatte zuvor erst SpaceX mit seiner Falcon 1 unternommen. Doch dort hatte man die kleine Rakete nur als Entwicklungsmuster auf dem Weg zur weitaus größeren Falcon 9 gesehen. Dank innovativer konstruktiver Details hoffte Rocket Lab dagegen, das Marktsegment der Kleinsatelliten auch ohne Wiederverwendung erfolgreich dominieren zu können.
23Januar

„Selfie“ von Mark Vande Hei aufgenommen bei seiner EVA am 23.01.2018

Die beiden US Astronauten Mark Vande Hei und Scott Tingle führten am 23.01.2018 die im Oktober 2017 begonnenen Wartungsarbeiten am Manipulatorarm der Internationalen Raumstation fort. War drei Monate zuvor der komplette LEE-​A (Latching End Effector) am Canadarm2 ausgetauscht und gründlich abgeschmiert worden, widmeten sie sich nun dem LEE-​B am anderen Ende des Manipulators. Hier waren bei Inspektionsarbeiten Abnutzungserscheinungen an den Kabeln entdeckt worden. LEE #201 wurde also demontiert und auf der ESP 2 (External Stowage Platform) eingelagert, wo bisher der LEE #204 als Reserve bereitgehalten worden war, der nun als LEE-​B fungieren sollte. Mit 7:24 h wurde es eine der längeren EVAs in der ISS Geschichte. Das lag auch daran, daß während der Aktivierung des frisch installierten LEE Probleme auftraten. Steuerbefehle ließen sich nur über einen sekundären Kommandokanal übermitteln. Auch die Demontage und erneute Montage der Steckverbinder brachte keine Besserung. Vande Hei und Tingle wurden daher angewiesen in die Luftschleuse zurückzukehren.
Am Boden bereiteten sich Ingenieure und Flugleitung bereits darauf vor, den Tausch der LEEs außerplanmäßig beim nächsten für Ende Januar geplanten Außenbordmanöver rückgängig zu machen. Doch den kanadischen Spezialisten, die den Canadarm2 entwickelt hatten, gelang der Nachweis, daß die beobachtete Fehlermeldung nicht aus einem wirklichen Hardwaredefekt resultierte. Nach der Implementierung eines Software Patches konnten Anfang Februar 2018 die Tests mit dem überholten Canadarm2 erfolgreich abgeschlossen werden.
25Januar

Start einer CZ-2C-III am 25.01.2018 von Xichang

Ein viertes Triplett von Yaogan 30 Satelliten startete China am 25.01.2018. Wie bei den vorangegangenen Missionen erfolgte der Start mit einer CZ-​2C-​III vom Raumfahrtgelände Xichang. Die Yaogan 30 Gruppe 04 bereitete wie die anderen drei Analysten Kopfzerbrechen. Seit dem ersten dieser Gruppenstarts war unklar, welcher Art die Beziehung zu dem bereits im Mai 2016 gestarteten Yaogan 30 sein sollte. Denn der kreiste auf einer sonnensynchronen Bahn, die sich grundlegend vom 35° Orbit der Yaogan 30 Gruppen unterschied. Immerhin hatten sich die Dreiergruppen bisher auf einer gemeinsamen Bahn bei 120° räumlichem Abstand verteilt, was eine ziemliche konstante Überwachung z.B. des Südchinesischen Meeres, Indiens oder Nordkoreas erlaubte. Denn die verklausulierte Beschreibung der Mission der Satelliten deutete auf ELINT (Electronic Intelligence) hin. Die drei Satelliten der Yaogan 30 Gruppe 04 füllten überraschenderweise alle gemeinsam eine „Lücke“ zwischen zwei der im Dezember 2017 gestarteten Yaogan 30 Gruppe 03 Satelliten. Insgesamt gab es aber bis dahin sogar neun dieser Lücken in der Konstellation. Sollten diese alle gefüllt werden? Wenn dies tatsächlich die Intention des chinesischen Militärs war, ergab sich eine extrem engmaschige Überwachung der chinesichen Interessensphäre. Allerdings mit sehr hohem Aufwand.
Erstmals gelangte bei einem Yaogan 30 Gruppenstart noch ein vierter Satellit in den Orbit. Der als Weina 1A bezeichnete Satellit stammte wohl vom Shanghai Micro Satellite Engineering Center. Es handelte sich vermutlich um einen CubeSat unbekannter Größe und Aufgabenstellung.
25Januar

Start der Ariane-5ECA zur Mission VA241

Montag von Al Yah 3 auf dem Nutzlastadapter der Ariane

SES 14 während der Startvorbereitung

Der erfolgsverwöhnte Startdienstleister Arianespace entging am 25.01.2018 nur äußerst knapp einem Fehlschlag. Die für die Mission VA241 vorbereitete Ariane-​5ECA sollte zwei Kommunikationssatelliten in den Orbit transportieren. Erstmalig handelte es sich bei der Zielbahn aber um einen supersynchronen Transferorbit. Die relativ unflexible Oberstufe der Ariane-​5 empfahl sich nicht gerade für derartige Missionen. Obwohl beispielsweise Atlas-​Centaur und Atlas V schon seit Jahrzehnten derartige Bahnen flogen, betrat die (west-)europäische Raumfahrt erst jetzt diesen Weg. Möglicherweise auch nach wachsendem Druck der Kunden, die diesen (für ihre Satelliten) treibstoffsparenden Orbit zunehmend schätzen gelernt hatten, weil nun auch SpaceX solche Bahnen anflog, wenn es sich anbot. Bei einer kombinierten Nutzlast von nur 9.123 kg bei dieser Mission bot es sich an, den Leistungsüberschuß der Rakete sinnvoll zu nutzen. Bei den beiden für diese Mission ausgewählten Satelliten handelte es sich um SES 14 und Al Yah 3. SES 14 war als Ablösung für den bereits zwanzig(!) Jahre alten NSS 806 (ex Intelsat 806) über 47,5° West vorgesehen. Hersteller Lockheed Martin hatte seinerzeit eine Lebensdauererwartung von vierzehn bis maximal siebzehn Jahren für die Intelsat VIIIA Generation genannt. Eine Ablösung war also dringend geboten. Neben einer kombinierten Nutzlast aus C– und Ku-​Band Transpondern (einschließlich HTSHigh Throughput Satellites Ku-​Band Spot Beams) hatte SES 14 noch eine sogenannte „gehostete“ Nutzlast an Bord. Auf dem Eurostar-​3000EOR Bus von Airbus Defence and Space hatte auch ein wissenschaftliches Experiment der NASA Platz gefunden. Das GOLD (Global-​scale Observations of the Limb and Disk) Experiment sollte das „Wetter“ in der Thermosphäre/​Ionosphäre beobachten und damit eine Lücke in der Erforschung solarer Einflüsse (z.B. geomagnetischer Stürme) auf die irdische Atmosphäre schließen. Das dafür zum Einsatz kommende Instrument war ein hochauflösender Spektrograph für das Ferne Ultraviolett.
Al Yah 3 war dagegen der dritte Satellit der Al Yah Satellite Communications Company aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (die beiden ersten Satelliten trugen den Namen YahSat). Zugleich war es die Premiere für den neuen GEOStar-​3 Satellitenbus von Orbital ATK. Der Satellitenhersteller stieß mit dem neuen Modell in Leistungsklassen vor, die bisher anderen Anbietern vorbehalten gewesen waren. Mit knapp 3,8 Tonnen und 58 Ka-​Band Transpondern bot Al Yah 3 eine beachtliche Kapazität. Vorgesehen war er für eine Stationierung über dem Atlantik bei 20° West, von wo aus er sowohl Südamerika (speziell Brasilien) als auch Afrika versorgen konnte.
Der live aus Kourou übertragene Start schien zunächst gewohnt unspektakulär zu verlaufen. Erst gegen Ende der Übertragung kam im Kontrollzentrum erkennbare Unruhe auf. Zunächst hieß es, daß die Bestätigung für das erfolgreiche Aussetzen von Al Yah 3 aus der SYLDA Doppelstartvorrichtung nicht empfangen worden war. Allmählich wurde das ganze Ausmaß der Probleme deutlich. Diese lagen nicht, wie es zunächst den Anschein hatte, bei der Bodenstation jenseits des Atlantik. Vielmehr war der Telemetrieempfang schon wenige Sekunden nach der Zündung der Oberstufe abgebrochen. Die ESC-​A war ohne Korrekturdaten „auf Autopilot“ geflogen. Auch die weiteren Manöver in Verbindung mit der SYLDA waren programmgesteuert erfolgt. Tatsächlich war die erreichte Bahn hinsichtlich Perigäum und Apogäum noch recht zufriedenstellend ausgefallen (etwa 230×43.200 km statt 250×45.000 km). Doch die Bahnneigung von knapp 21° lag weit über den angestrebten 3°. Wie sich zeigte, waren die vermeintlichen Livebilder und –animationen des Starts (wie üblich) überwiegend Aufzeichnungen früherer Missionen gewesen bzw. visualisierten als Plot die Zielbahn. Nur bei genauer Betrachtung und mit Kenntnis der Details waren rückwirkend erste Auffälligkeiten erkennbar. Und diese zeigten auch, daß die Aufstiegsbahn schon Sekunden nach dem Abheben fehlerhaft gewesen war. Damit führte diese extrem knapp an der Grenze des zulässigen Flugkorridors vor der Küste Französisch Guyanas und weiter Brasiliens entlang. Eine Sprengung der Rakete hätte allerdings speziell die Bevölkerung rund um Kourou einem hohen Risiko ausgesetzt. Die ihrem, wenn auch falschen, Kurs stetig folgende Rakete war vermutlich das geringere Risiko als ein unkalkulierbarer Trümmerregen. Wie Arianespace einen knappen Monat nach dem Start bestätigte, war es tatsächlich bei der Startvorbereitung zu einem Fehler gekommen. Offenbar waren in die Steuerung des Trägheitslenksystems falsche Werte eingegeben worden. Gerade für den angestrebten supersynchronen Orbit hätten diese von den sonst üblichen deutlich abweichen müssen. Inwieweit das Ausbleiben des Kommandos zur Selbstzerstörung der Rakete auf eine bewußte Entscheidung des Sicherheitsoffiziers zurückzuführen war, blieb vorläufig offen. Jedenfalls rettete es die Mission und zum Glück kam auch niemand zu Schaden.
Für die beiden Satelliteneigner hatte der Beinahe-​Fehlstart unterschiedliche Konsequenzen. Die SES konnte recht bald vermelden, daß man keine nennenswerten Folgen erwartete. SES 14 war nämlich mit Plasmatriebwerken des Typs SPT-​140D aus dem russischen OKB „Fakel“ ausgerüstet. Sie erlaubten es, unter moderatem Treibstoffverbrauch und voraussichtlich nur vier Wochen später als ursprünglich geplant, den geostationären Zielorbit zu erreichen. Die Regelbetriebsdauer von 15 Jahren sah man ebenfalls als nicht gefährdet an. Tatsächlich erreichte der Satellit im Juli 2018 die Testposition über 39° West und wurde am 01.08.2018 über der angemeldeten Arbeitsposition 47,5° West stationär. Al Yah 3 dagegen verfügte lediglich über ein konventionelles Apogäumstriebwerk. Hier sah die Bilanz wesentlich schlechter aus. Yahsat stand vor der Entscheidung, die notwendigen Manöver entweder zeitnah aber mit hohem Treibstoffverbrauch oder in einigen Monaten unter energetisch günstigeren Bedingungen zu fliegen. Schließlich entschied man sich für die erste Variante. Die genauen Konsequenzen hinsichtlich der Lebensdauererwartung verlauteten nicht. Um den 01.05.2018 hatte Al Yah 3 jedenfalls seine Zielposition erreicht und konnte den Sendebetrieb aufnehmen. Sein Betreiber machte nach unbestätigten Angaben aber einen Verlust von 108 Mio. $ gegenüber der Versicherung geltend.
31Januar

Start der Falcon 9 v1.2 mit GovSat 1

die Falcon 9 Erststufe der GovSat 1 Mission auf dem Meer treibend

Wenige Tage nach dem Start von SES 14 lief in Florida der Countdown zum Start eines weiteren SES Satelliten an. SES 16 basierte jedoch auf dem GEOStar 3 Bus — wie der zusammen mit SES 14 gestartete Al Yah 3. Offizieller Eigner des Satelliten war die LuxGovSat S.A., ein Joint Venture von SES, luxemburgischer Regierung und Orbital ATK. Denn die Kapazitäten des Satelliten sollten für die militärische Kommunikation im X– und Ka-​Band bereitgestellt werden. Eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen war geplant. Von seiner Position über 21,5° Ost konnte der auch GovSat 1 genannte Satellit nach Europa, Afrika und in den Mittleren Osten abstrahlen. Auch das Mittelmeer, die Ostsee sowie große Teile von Atlantik und Indischem Ozean wurden abgedeckt. Einen erheblichen Teil der Kapazitäten stellte Luxemburg im Rahmen seiner Verpflichtungen gegenüber der NATO dem Militärbündnis zur Verfügung. Andere standen institutionellen und Regierungskunden zur Verfügung. Ein Novum war die Ausrüstung des Satelliten mit einer speziellen Schnittstelle, an der später eine noch nicht identifizierte 200 kg Nutzlast andocken konnte. Das Konzept resultierte aus den Arbeiten von Orbital ATK an Servicetechnologien für Satelliten im geostationären Orbit. Der Start des Satelliten wurde auf einer SpaceX Falcon 9 v1.2 gebucht — und man riskierte sogar den Einsatz eines bereits geflogenen Boosters. Die erneute Bergung war allerdings nicht geplant. SpaceX stand vor der Einführung eines neuen Block V Modells seiner Falcon und flog die älteren Stufen jetzt einfach ab. Ein erster Countdown am 30.01.2018 mußte wegen eines Sensordefekts an der Zweitstufe und schlechter Wetteraussichten abgebrochen werden. Am 31.01.2018 gelang dann ein perfekter Start. Und obwohl keine Barge für einen Landeversuch bereit stand, nutzte man auch diese Mission, um weitere Daten zu Landeprofilen zu sammeln. Die Stufe steuerte mit drei laufenden Triebwerken einen fiktiven Landepunkt im Atlantik an — und „landete“ zur Überraschung aller bei ruhiger See sicher ohne zu zerbrechen oder zu explodieren. Der von SpaceX gecharterte Hochseeversorger „Go Searcher“, der eigentlich nur Telemetriedaten und evtl. Videobilder sammeln sollte, fand die Stufe scheinbar vollkommen intakt im Ozean treibend vor. Schließlich zerbrach die Stufe aber doch (laut unbestätigten Angaben nachdem ein Spezialunternehmen tätig geworden war) und sank. SpaceX trug jedenfalls die Verantwortung dafür, das potentielle Schiffahrtshindernis aus Sicherheitsgründen zu versenken oder an Land zu schleppen.