Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2018-09-24T08:04:00+02:00

Juli 2018.

5Juli

Pad Abort Test des indischen Crew Moduls am 05.07.2018

Das indische bemannte Raumfahrtprogramm, das erst 2012 als Forschungs– und Entwicklungsprogramm mit einem vergleichsweise bescheidenen Budget ausgestattet worden war, machte ungeachtet dessen doch einige bemerkenswerte Fortschritte. Bereits 2013 begannen Tests wichtiger Systeme (Fallschirme, Rettungsraketen, Raumanzüge) — ein klares Indiz dafür, daß die Pläne für ein bemanntes Raumflugprogramm in Wirklichkeit schon länger aktiv verfolgt worden waren. Internatioanles Aufsehen erregte die ISRO 2014, als ein strukturelles Modell der geplanten Crew-​Landekapsel unter dem Namen CARE (Crew Module Atmospheric Re-​entry Experiment) einen suborbitalen Flug unternahm. Dreieinhalb Jahre später folgte ein weiterer Meilenstein: am 05.07.2018 fand in Sriharikota ein sogenannter Pad Abort Test (PAT) statt, bei dem die Funktion des Crew Escape System (CES) verifiziert werden sollte. Das Rettungsraketensystem beförderte das Modell der Besatzungskabine aus dem angenommenen Gefahrenbereich. Aus knapp 2,7 km Höhe begann über dem Golf von Bengalen der Abstieg an zwei Fallschirmen. Beinahe 300 Sensoren sammelten während des insgesamt 259-​sekündigen Fluges Meßdaten. Die ISRO bewertete den Test als erfolgreich. Beobachter fragten sich allerdings, warum die Fallschirme bereits in einiger Höhe über dem Meer abgetrennt worden waren, woraufhin die Kapsel ungebremst auf der Wasseroberfläche aufschlug. Auf dem Weg zu einem eigenen bemannten Raumschiff war dieser Test für Indien sicher nur ein kleiner Schritt. Dennoch sammelte die ISRO auch auf diesem Gebiet allmählich wertvolle Erfahrungen und wurde zu einem immer schwergewichtigeren Teil der internationalen Raumfahrt.
9Juli

Start von PRSS 1 und PakTES 1A

SUPARCO und PakTES 1A

Die CGWIC wählte die zuvor erst zweimal eingesetzte Raketenkombination CZ-​3C-​III SMA zum Start der beiden pakistanischen Erdbeobachtungssatelliten PakTES 1A und PRSS 1. Die Idee zu letzterem stammte noch aus der zweite Hälfte der 1990er Jahre. Das damals von SUPARCO, der pakistanischen Space and Upper Atmosphere Research Commission, geplante Earth Observation Satellite System (EOSS) war ein Jahrzehnt später neu zugeschnitten worden. Unter den Namen Remote Sensing Satellite System (RSSS) sah das Programm nun den Start von zwei Erderkundungssatelliten vor. Einem mit hochauflösendem elektro-​optischen Bildscanner und einem mit Synthetic Aperture Radar (SAR). Trotz der Unterstützung durch China, das u.a. den kompletten CAST-​2000 Satellitenbus und den Hauptteil der Nutzlast stellte, verlief die Entwicklung offenbar schleppend. Als im April 2016 der Startkontrakt mit der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC) unterzeichnet wurde, hätte sich der erste Pakistan Remote Sensing Satellite nach ursprünglichen Planungen bereits im All befinden sollen. Öffentlich zugängliche Details zu dem Satellitenprojekt blieben vage, vermutlich auch, weil von vornherein eine zivile wie auch militärische Nutzung geplant gewesen war. Die in Presseberichten genannten Daten, Auflösung 1 m bzw. 4 m panchromatisch/​multispektral bei über 60 km Schwadbreite, ließen einen dual-​use jedenfalls zu. Dem Vernehmen nach war bei der Auslegung des Satelliten zudem großer Wert auf eine hohe Agilität desselben gelegt worden, so daß ein Zielgebiet etwa alle zwei Tage aufgenommen werden konnte. Weniger Details als zu PRSS 1 verlauteten zu PakTES 1A. Bei der Entwicklung des Pakistan Technology Evaluation Satellite hatte man die Kooperation mit Südafrika gesucht. Die dort ansässige Space Advisory Company (SAC) lieferte die elektro-​optische Nutzlast, die Presseberichten zufolge Aufnahmen mittlerer Auflösung (besser als 3 m bzw. 6 m panchromatisch/​multispektral) liefern konnte. Der Start der beiden Satelliten erfolgte schließlich am 09.02.2018 vom Raumfahrtgelände Jiuquan. Die SMA Feststoffoberstufe der Rakete beförderte beide Satelliten zunächst auf einen Orbit zwischen rund 590 und 625 km Höhe. Zwischen dem 11. und 14.07.2018 hob PRSS 1 seine Bahn um etwa 30 km an. Am „Unabhängigkeitstag“, dem 14. August, übernahm Pakistan dann formell die Kontrolle über den Satelliten.
9Juli

Start der CZ-3A mit Beidou 32

Während bereits der Aufbau der Navigationssatelliten-​Konstellation der dritten Generation lief unterhielt China auch weiterhin das System der zweiten Generation. So startete am 09.07.2018 eine CZ-​3A Rakete von Xichang — an Bord der Beidou 32 Satellit, alias Beidou-​2 IGS7. Die Bezeichnung kennzeichnete den Satelliten als Modell, das für den Betrieb auf einem inklinierten (55°) geosynchronen Orbit konzipiert war. Diesen erreichte er kurze Zeit nach dem Aussetzen auf der Transferbahn, woraufhin seine Erprobung aufgenommen wurde.
9Juli

Start von Progress MS-09

Aufrichten der Sojus-2.1a Rakete für Progress MS-09 auf dem Startkomplex

Progress MS-09 im Anflug auf die ISS

Mit Progress MS-​09 plante die russische Raumfahrt im Sommer 2018 das bis dahin schnellste Rendezvous im Raumstationsprogramm. Das Docking an der ISS war bereits rund dreieinhalb Stunden nach dem Start von Baikonur vorgesehen. Voraussetzung war die exakte Einhaltung einer Reihe von Parametern beim Start sowie im Flug von Raumschiff und –station. Zahlreiche weitere Faktoren reduzierten die Gelegenheiten für solche extremen „Expressanflüge“ weiter. Doch mittlerweile ließen die computerisierten Steuerungsmöglichkeiten der aktuellen Sojus-​2 Raketen und der MS Varianten der Sojus– und Progress-​Raumschiffe wenigstens grundsätzlich derartige Manöver zu. Da dem sicherheitstechnisch nichts entgegen stand, erhielten die russischen Experten schließlich die lang erhoffte Gelegenheit zur Demonstration ihres Könnens. Tatsächlich hatte bereits Progress MS-​07 im Oktober 2017 nach nur zwei Erdumläufen an der ISS andocken sollen. Doch ein Startabbruch buchstäblich in letzter Sekunde hatte damals dafür gesorgt, daß man die Gelegenheit ungenutzt hatte verstreichen lassen müssen. Die Ereignisse wiederholten sich nahezu exakt vier Monate später beim Startversuch von Progress MS-​08. Nun war es an Progress MS-​09, die Reputation der russischen Raumfahrt wieder herzustellen. Tatsächlich gelang der Sojus-2.1a 11A14 Rakete am 09.07.2018 um 21:52 UTC ein mustergültiger Start. Und nach nur zwei Erdumläufen dockte das Frachtraumschiff am 10.07.2018 um 01:31 UTC im automatischen Regime am „Pirs“ Modul an. Mit 3:39 h bis zum Docking lag Progress MS-​09 nun hinter Kosmos 188 (1:08 h) und Gemini XI (1:34 h) auf Platz 3. Die Besatzung der ISS konnte sich damit über die Ankunft frischer Lebensmittel und persönlicher Botschaften ihrer Angehörigen freuen. Wichtiger für den Betrieb der Station waren natürlich der Treibstoff, Wasser und Sauerstoff. Heraus stachen diesmal zwei kleine russische CubeSats und der Orlan-​MKS 5 Raumanzug. Da sich auf der ISS bisher erst einer dieser modernsten russischen Raumanzüge befand, mußte bei Außenbordmanövern der zweite Kosmonaut noch den alten Orlan-​MK tragen. Doch das auf der ISS vorhandene Exemplar war bereits nicht mehr zertifiziert, so daß zuletzt einige Baugruppen bei einer so eigentlich nicht vorgesehenen improvisierten Wartung ersetzt werden mußten. Das konnte aber nur eine Notmaßnahme bis zum Eintreffen des zweiten Orlan-​MKS sein. Der wurde auch gleich beim nächsten russischen Außenbordmanöver am 15.08.2018 zum Einsatz gebracht. In dessen Verlauf wurden u.a. auch die beiden mit Progress MS-​09 angelieferten 1U CubeSats SiriusSat 1 und SiriusSat 2 von Hand ausgesetzt. Die Satelliten waren mit Unterstützung aus der russischen Raumfahrtindustrie von Schülern gebaut worden, die sich am Talentförderungszentrum „Sirius“ in Sotschi für das Projekt beworben hatten. Primär fungierten die Satelliten also als Ausbildungs– und Trainingsobjekt zur Förderung des naturwissenschaftlich-​technischen Interesses der Schüler. Die Ausstattung mit einem Teilchendetektor aus dem renommierten D. W. Skobelzyn Institut für Kernphysik gab ihnen aber auch eine bescheidene wissenschaftliche Mission.
10Juli
Während die russischen Progress Transportraumschiffe regelmäßig ihre Triebwerke zündeten, um die Bahn der Internationalen Raumstation zu korrigieren (also i.d.R. anzuheben), bestand für US Raumschiffe nach dem Ende des Space Shuttle Programms diese Möglichkeit nicht mehr. Das lag auch am „Berthing“ Konzept, bei dem die Raumschiffe sanft mit dem Manipulatorarm der ISS an den aktiven Teil des Common Berthing Mechanism herangezogen und mit elektrisch betriebenen Bolzen verschraubt wurden. Die von den russischen (und dem eingestellten europäischen ATV) verwendeten Kopplungssysteme nach dem „Trichter-​Stangen“ Konzept waren dagegen robuster und erlaubten generell größere Kraftübertragungen. Dennoch unternahmen die Ingenieure bei Orbital ATK (seit Juni 2018 Teil von Northrop Grumman) Studien, ob sich diese Beschränkungen für ihr Cygnus Transportraumschiff nicht doch überwinden ließen. Auch die NASA konnte überzeugt werden, so daß mit der Cygnus OA-​9E SS „J. R. Thompson“ am 10.07.2018 erstmals für eine Bahnanhebung ein Raumschiff herangezogen wurde, daß an einem der CBMs angedockt hatte. Allerdings kam man dabei nicht ohne russische Hilfe aus. Während die Cygnus ihr Triebwerk für 50 s zündete, sorgten die Lageregelungstriebwerke des russischen Segments der ISS nämlich für die korrekte und stabile räumliche Ausrichtung. Obwohl der Schub durch das am „Unity“ Modul angedockte Raumschiff nahezu exakt durch den Schwerpunkt der ISS ging, mußten die kleinen Abweichungen kompensiert werden. Und zuvor war eine Drehung der gesamten ISS um 90° erforderlich gewesen. Trotz des höheren Aufwands plante die NASA nach dem erfolgreichen Test zukünftig häufigere derartige Manöver, bei denen dann auch deutlich mehr als die diesmal demonstrierten 90 m Höhengewinn erreicht werden sollten. Northrop Grumman hatte sich darüberhinaus aber auch für die in einigen Jahren anstehende kontrollierte „Entsorgung“ der ISS per gezieltem Wiedereintritt empfohlen.
13Juli

Ausstoß der ersten beiden Satelliten aus NRCSD 14

Am 13.07.2018 kam der JEMRMS (Japanese Experiment Module Remote Manipulator System) Manipulatorarm am japanischen „Kibō“ Raumstationsmodul zum Einsatz, um zunächst den NRCSD 14 (NanoRacks CubeSat Deployer) aus der Luftschleuse des Moduls zu extrahieren und dann über Stunden insgesamt neun CubeSats, die alle im Mai 2018 mit der Cygnus OA-​9E SS „J. R. Thompson“ auf der ISS eingetroffen waren, in mehreren Kampagnen auszustoßen. Den Auftakt bildeten um 08:05 UTC RainCube aus dem Jet Propulsion Laboratory und HaloSat von der University of Iowa. Beide basierten auf einem 6U CubeSat Design. Während RainCube aber als Demonstrator für ein Miniatur Ka-​Band Radar fungieren sollte, das später einmal zum Einsatz bei der Sondierung der Atmosphäre zu meteorologischen und klimatologischen Untersuchungen vorgesehen war, wollten die Schöpfer von HaloSat die Eignung von kommerziell verfügbaren Siliziumdriftdetektoren für eine anspruchsvolle röntgenastronomische Forschungsmission demonstrieren.
13Juli
105 Minuten nach dem Ausstoß der ersten beiden Satelliten aus dem NRCSD 14 (NanoRacks CubeSat Deployer) der ISS folgte am 13.07.2018 um 09:50 UTC ein einzelner weiterer Satellit. Auch Radix basierte auf einem 6U CubeSat Design. Hersteller und Operator des Satelliten war das US Unternehmen Analytical Space Inc. Dieses plante den Aufbau einer Satellitenkonstellation von CubeSats mit ähnlicher Zielsetzung wie das Tracking and Data Relay Satellite System (TDRSS). Das angedachte kommerzielle Angebot sollte sich an Betreiber anderer (wissenschaftlicher) Satelliten richten, die über kein eigenes flächendeckendes Netz von Bodenstationen zum Empfang ihrer Daten verfügten. Technisch setzte Analytical Space auf einen lasergestützten Datendownlink und einen konventionellen Crosslink zwischen den Satelliten. Ein software-​defined radio (SDR) sollte die Anpassung an unterschiedlichste Missionen und die Kommunikation im UHF-​, S– und X-​Band erlauben. Mit dem ersten Radix Satelliten war aber zunächst im Verlauf eines halben Jahres eine generelle Erprobung des Konzepts und zentraler Komponenten geplant.
13Juli
Die dritte Startkampagne aus dem NRCSD 14 (NanoRacks CubeSat Deployer) wurde am 13.07.2018 um 12:35 UTC initiiert. Diesmal wurden gemeinsam die Satelliten TEMPEST-​D (Temporal Experiment for Storms and Tropical Systems — Demonstrator) und CubeRRT (CubeSat Radiometer Radio Frequency Interface Technology) ausgestoßen, die im Mai 2018 an Bord der Cygnus OA-​9E SS „J. R. Thompson“ auf der ISS eingetroffen waren. Wie die drei zuvor ausgesetzten Satelliten basierten auch diese beiden auf dem 6U CubeSat Design (Lieferant des Busses jeweils Blue Canyon Technologies). Der an der Colorado State University entworfene TEMPEST-​D sollte als Demonstrator für eine geplante Konstellation aus sechs Satelliten fungieren, mit der die Wissenschaftler erstmals global Wolkenbildungs und Niederschlagsprozesse in ihrer zeitlich-​räumlichen Dimension beobachten wollten. Mit diesem Demonstrator sollte ein Technologie-​Reifegrad von TRL 9 erreicht werden. Dazu mußte das Hauptinstrument, ein 5-​Band Millimeterwellen-​Radiometer, aber zunächst seine Funktion unter Beweis stellen. Das Radiometer basierte auf jenem Instrument, das für den RACE (Radiometer Atmospheric CubeSat Experiment) Satelliten entwickelt worden war, der 2014 beim Fehlstart einer Antares-​130 verlorengegangen war. Die Mission von CubeRRT, die an der Ohio State University konzipiert worden war, bestand in der Erprobung von Lösungen zur Kompensation von elektromagnetischen Störungen durch überwiegend terrestrische Signalemitter, die sich zu einem zunehmenden Problem für wissenschaftliche Missionen entwickelt hatten. Während immer neue Frequenzspektren für Kommunikationszwecke erschlossen wurden, verschlechterte sich die Situation für die Forschung, insbesondere die Radiometrie, zusehends. CubeRRT sollte nun solche Interferenzen registrieren und neue Verfahren und Algorithmen zur automatischen Kompensation bereits auf dem Satelliten erproben.
13Juli

Ausstoßen von Radsat-g, MemSat, EQUISat und EnduroSat One

Nachdem bei den ersten drei „Salven“ aus dem NRCSD 14 (NanoRacks CubeSat Deployer) jeweils große 6U CubeSats ausgestoßen worden waren, bildeten drei 1U CubeSats und ein etwas größerer 3U CubeSat am 13.07.2018 um 14:20 UTC den Abschluß. Auch sie waren im Mai 2018 an Bord der Cygnus OA-​9E SS „J. R. Thompson“ zur ISS gebracht worden. Der größte der vier Satelliten, RadSat-​g, stammte von der Montana State University. Dort arbeitete man an der Entwicklung eines neuen strahlungstoleranten Computersystems für Nanosatelliten, das den Einsatz von kommerziell verfügbaren FPGAs erlauben sollte. Vor allem die Kompensation von sogenannten Single Event Effects hofften die Entwickler spürbar verbessert zu haben. Mit dem Radiation Satellite erwartete das Team die Entwicklung auf den Technologie-​Reifegrad TRL 9 heben zu können. Die Rowan University hingegen wollte mit ihrem MemSat die Vor– und Nachteile sogenannter Memristoren unter Weltraumbedingungen erproben. Diese neuartigen passiven elektrischen Bauelemente erlaubten, jedenfalls theoretisch, die extrem energieeffiziente Speicherung von Informationen bei hoher Resilienz im Fall eines vorübergehenden Ausfalls der Energieversorgung. Studierende der Ingenieurwissenschaften an der Brown University in Providence (Rhode Island) hatten das EQUiSat Projekt realisiert. Der Satellit war als Trainingsobjekt angelegt und unter Einsatz von ausschließlich COTS (commercial off-​the-​shelf) Komponenten gebaut worden. Ein Gatter aus Hochleistungs-​LED sollte Lichtblitze aussenden, die die Helligkeit des Polarsterns erreichen konnten. Telemetriedaten wurden nach Amateurfunkstandards übertragen. Lediglich als sekundäre Mission gedacht war die Erprobung von LiFePO4 Batterien zur Energieversorgung — soweit bekannt der erste derartige Einsatz im Raumfahrtbereich. Unter dem Namen EnduroSat One verbarks sich schließlich die erste bulgarische CubeSat Mission. Studenten drei Universitäten hatten sich ebenso wie Amateurfunker an der Umsetzung beteiligt. Abgesehen von der Förderung des Interesses an ingenieurwissenschaftlichen und raumfahrtbezogenen Themen hatte der Satellit keine Mission. Seine Telemetriedaten und ein Bakensignal, aber auch Musik (Beethovens 9. Sinfonie!) konnten von Amateurfunkern empfangen werden, die um ihre Unterstützung durch Einsendung von Empfangsberichten gebeten worden waren.
15Juli

Cygnus OA-​9E Abflug von der ISS

Am 15.07.2018 um 10:04 UTC erfolgte das Unberthing des Cygnus OA-​9E SS „J. R. Thompson“ Transportraumschiffs vom erdzugewandten CBM (Common Berthing Mechanism) des „Unity“ Moduls. Das Freisetzen durch das SSRMS (Space Station Remote Manipulator System) fand am selben Tag um 12:36 UTC statt. Wenig später zündete das Raumschiff seine Triebwerke und manövrierte aus dem Nahbereich der ISS. In der Folge wurde eine Bahn oberhalb der der ISS angesteuert, da noch sechs CubeSats ausgesetzt werden sollten. Anschließend demonstrierte das Raumschiff noch seine Fähigkeit für einen ausgedehnteren autonomen Betrieb. Auch damit hoffte der Hersteller, sich neue Einsatzmöglichkeiten seines Entwurfs zu eröffnen. Schließlich wurde am 30.07.2018 aber doch das unwiderrufliche Finale der Mission eingeläutet. Gegen 20:46 UTC zündete das Triebwerk für den gezielten Wiedereintritt und um 21:17 UTC wurde das offizielle Ende der Mission festgestellt. Cygnus OA-​9E war östlich von Neuseeland über dem Pazifik in der Atmosphäre verglüht.
16Juli
Aus dem am Cygnus OA-​9E SS „J. R. Thompson“ Transportraumschiff montierten NanoRacks External Cygnus Deployer (ENRCSD) wurden am 16.07.2018 sechs CubeSats für zwei Kunden ausgesetzt. Dabei handelte es sich um vier Lemur 2 des US Unternehmens Spire und zwei AeroCube von The Aerospace Corporation. Spire hatte 2015 mit dem Aufbau einer Konstellation von 3U CubeSats begonnen, die mit einer Nutzlast für GPS Radio-​Okkultationssondierungen der Atmosphäre (STRATOS) und einem AIS Signalempfänger (SENSE) zur Verfolgung hochseegehender Schiffe bestückt waren. Ihre Daten wurden kommerziell anderen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Bereits länger angekündigt und nun erstmals umgesetzt trugen die vier neuen Satelliten — Lemur 2 „TomHenderson“, Lemur 2 „Yuasa“, Lemur 2 „Alexander“ und Lemur 2 „Vu“ — nun erstmals zusätzlich eine ASD-​B (Automatic Dependent Surveillance — Broadcast) Nutzlast. Nach diesem Standard übermittelten inzwischen zahlreiche Flugzeuge vor allem auf langen transozeanischen Routen Daten u.a. zu Flughöhe, Geschwindigkeit und Kurs. Spire weitete mit der Verbreitung dieser Informationen seinen Kundenkreis nochmals aus. Die beiden anderen Satelliten, AeroCube 12A und AeroCube 12B, sollten hingegen einen sogenannten Scalable ion-​Electrospray Propulsion (SiEPro) Antrieb testen. Von diesem versprachen sich die Designer von Nanosatelliten eine spürbare Gewichtsersparnis. Dazu kamen u.a. ein neuentwickelter Sternensensor, fortschrittliche Solarzellen und andere innovative Lösungen, die einem Praxistest unterzogen werden sollten.
18Juli

Blue Origin Mission 9: Safe Escape In Any Phase Of Flight

Blue Origins New Shepard Trägersystem unternahm am 18.07.2018 einen weiteren Testflug vom Erprobungsgelände im Westen von Texas. Der dritte Flug von New Shepard 3 war angelegt, einen Flugabbruch gegen Ende des angetriebenen Fluges zu simulieren. Der Augenmerk lag dabei in der Stabilisierung der Kapsel in der dünnen Hochatmosphäre. Trotz der mit einem solchen Test verbundenen Risiken hatte Blue Origin auch diesmal wieder eine Reihe von Experimenten zahlender Kunden an Bord, darunter der NASA, des JHU/​APL, in– und ausländischer Universitäten sowie von Technologie-​Unternehmen. Sie teilten sich das Kabinenvolumen mit dem Astronauten-​Dummy „Skywalker“. Aufgrund des Abbruchs so spät in der Aufstiegsphase stieg die Crew Capsule 2.0 diesmal höher als bei allen vorangegangenen Flügen, nämlich bis auf etwa 120 km Höhe. Ebenso wie die Rakete landete aber auch sie wieder sicher in der Wüste.
22Juli

Start der Falcon 9 v1.2 mit Telstar 19V

Rückkehr von OCISLY mit dem B1047 Booster in den Hafen

Der im Mai 2018 noch für die Mitte des Folgemonats angekündigte Start des kanadischen Kommunikationssatelliten Telstar 19V wurde von SpaceX noch vor dem Monatsende ohne Angabe von Gründen zunächst auf Anfang Juli und bald darauf auf den 19.07.2018 verschoben. Offenbar nahm aber die Auswertung der Daten vom Flug des ersten Block V Boosters im Mai doch mehr Zeit als erwartet in Anspruch. Ende Juni 2018 wurde zunächst der 21., dann der 22.07.2018 als Starttermin genannt. Nach der üblichen Testzündung der Erststufentriebwerke auf dem Startkomplex LC-​40 von Cape Canaveral war die Rakete schließlich tatsächlich zu diesem Termin startbereit. Die Falcon 9 v1.2 flog eine Mission, die das Potenzial der Rakete eindrucksvoll unter Beweis stellen sollte. Denn mit über sieben Tonnen Startmasse war der Satellit schwerer als alle jemals zuvor auf den geostationären Orbit beförderten kommerziellen Nutzlasten. Und wohl auch eine der schwersten (einschließlich der militärischen) überhaupt. Zwar konnte die Falcon den Satelliten daher nur auf eine subsynchrone Transferbahn befördern. Doch bröckelte damit mehr und mehr das Quasi-​Monopol der Ariane-​5 für derartig schwere Frachten. Arianespace hatte sich zuletzt ohnehin schon genötigt gesehen, einige der schwersten „Brocken“ als Solo-​Nutzlasten auf der Ariane-​5ECA zu fliegen. Die in die Jahre gekommene Rakete konnte die schwersten Kommunikationssatelliten nicht mehr im Tandem mit einem zweiten leichteren transportieren. Damit ging aber das entscheidende Merkmal verloren, mit dem die in der Fertigung ohnehin zu teure Ariane bisher ihre Startpreise noch auf ein akzeptables Niveau zu drücken vermocht hatte. Doch SpaceX machte sich auch selbst Konkurrenz. Nach der langwierigen Entwicklung der Falcon Heavy übernahm nun die günstigere Falcon 9 v1.2 einen Teil der für diese vorgesehenen Nutzlasten. Während die Oberstufe der Rakete mit ihrer Nutzlast noch auf die Transferbahn zusteuerte, unternahm die Erststufe — und das war ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der Mission — einen Landeversuch auf der im Atlantik bereitstehenden Plattform OCISLY. Erfolgreich. Die GO PURSUIT brachte dagegen wieder nur eine beschädigte Hälfte der Nutzlastverkleidung zurück in den Hafen von Port Canaveral. Das war allerdings auch nicht anders erwartet worden. Telstar 19 Vantage begann hingegen am 25.07.2018 mit ersten Bahnmanövern, so daß er bis zum Monatsende auf einem Standard-​GTO angekommen war. Band darauf war ein geosynchroner Driftorbit erreicht und der Satellit näherte sich seiner geplanten Arbeitsposition vor der brasilianischen Küste über 63° West an. Zwei großräumige Sendekeulen des Satelliten im Ku-​Band deckten den gesamten Nordatlantik von der kanadischen und US-​Ostküste bis nach Westeuropa ab. Dazu kamen auf Brasilien und die Andenregion gerichtete HTS (high throughput satellite) Ku-​Band Spot Beams. Weitere HTS Spots, allerdings im Ka-​Band, bildeten eine Brücke von der Karibik bis nach Großbritannien. Schließlich war auch Nordkanada in die Ka-​Band HTS Versorgung eingebunden.
25Juli

die Ariane-5ES L596 auf dem Weg zur Nutzlastintegration im BAF, während im Hintergrund die Ariane-5ECA der VA243 Mission auf dem ELA3 geparkt steht

Die letzte von drei für das europäische Navigationssatelliten-​Programm Galileo gebuchten Ariane-​5ES Raketen hob am 25.07.2018 von Kourou in Französisch Guyana ab. Dem Start kam eine besondere Bedeutung zu, denn mit den vier transportierten Satelliten erreichte die Galileo Konstellation die Full Operational Capability (FOC) — sobald alle 24 Satelliten abgenommen und in Betrieb genommen sein würden. Was für Anfang 2019 erwartet wurde. Tatsächlich befand sich zum Zeitpunkt des Starts der VA244 Mission aber noch immer einer der Satelliten des vorangegangenen Galileo Starts vom Dezember 2017, Galileo-​FOC FM15, in der Testphase. Dazu kamen jetzt Galileo-​FOC FM19 „Tara“ und Galileo-​FOC FM20 „Samuel“ ausgesetzt, gefolgt von Galileo-​FOC FM21 „Anna“ und Galileo-​FOC FM22 „Ellen“, die paarweise im Abstand von zwanzig Minuten in etwa 22.920 km Höhe ausgesetzt wurden. Von dort manövrierten sie später auf den 300 km höher gelegenen Arbeitsorbit.
25Juli

langzeitbelichtete Aufnahme des Iridium 7 NEXT Starts

Der mittlerweile siebte Falcon 9 Start zum Aufbau der neuen Konstellation von Iridium Kommunikationssatelliten fand am 25.07.2018 auf der Vandenberg AFB statt. Zum Start der zehn Satelliten — Iridium-​NEXT 160, Iridium-​NEXT 166, Iridium-​NEXT 158, Iridium-​NEXT 165, Iridium-​NEXT 155, Iridium-​NEXT 154, Iridium-​NEXT 163, Iridium-​NEXT 156, Iridium-​NEXT 164 und Iridium-​NEXT 159 — kam diesmal eine neue Falcon 9 v1.2 in der der Block V Ausbaustufe zum Einsatz. Zur Bergung der Erststufe hatte das Autonomous Spaceport Drone Ship JRTI („Just Read The Instructions“), geschleppt von der Pacific Freedom Position bezogen. Dazu kam die „Mr. Steven“, die wieder einmal den Versuch unternehmen sollte, wenigstens eine Hälfte der Nutzlastverkleidung mit einem zwischen weit auskragendenden Auslegern aufgespannten Netz aufzufangen. Bei typischen Bedingungen für die kalifornische Küste, also dichtem Nebel, hob die Rakete von SLC-​4E ab und flog gen Süden. Während das Aussetzen der Satelliten und die Booster-​Landung routiniert gelangen, war die Mission der „Mr. Steven“ erneut nicht von Erfolg gekrönt. Diesmal gab es allerdings auch starke Höhenwinde über dem Pazifik, die die Erfolgschancen zusätzlich verringert hatten. So mußte auch diesmal die Verkleidung aus dem Wasser gefischt werden und taugte damit nicht mehr für eine Wiederverwendung. Iridium Communications aber stand mit diesem Start kurz davor, den Neuaufbau seines Orbitalsegments erfolgreich abzuschließen. Von den Satelliten der ersten Generation war kaum noch einer einsatzfähig. Selbst die „jüngsten“ Exemplare standen mittlerweile doppelt so lange im Einsatz, wie einst geplant. Fiananzierung und Aufbau der neuen Konstellation waren für Iridium ein kaum zu bewältigenderer Kraftakt gewesen. Doch nun konnte man seinen Kunden ein weitaus leistungsfähigeres System präsentieren.
29Juli

Start der CZ-3B mit YZ1 Bugsierstufe am 29.07.2018

Knapp drei Wochen nach dem Start eines Navigationssatelliten für die Beidou-​2 Konstellation startete China zwei Exemplare des MEO (Medium Earth Orbit) Typs für das globale Beidou-​3 System. Diese Satelliten wurden auf Basis eines Satellitenbusses gebaut, den die CAST (China Aerospace Science and Technology Corporation) entwickelte hatte. Als Ausgangsmodell hatte dabei der DFH-​3 Satellitenbus gedient, der sich bereits bei zahlreichen Kommunikationssatelliten, aber auch Raumsonden, bewährt hatte. Den Transport aus dem Absetz– auf den Arbeitsorbit in 21.500 km Höhe übernahm die Yuanzheng Bugsierstufe. So auch im Fall der am 29.07.2018 mit einer CZ-​3B mit YZ1 von Xichang gestarteten Beidou 33 (Beidou-​3 M5) und Beidou 34 (Beidou-​3 M6). Beide Satelliten wurden auf der dritten Bahnebene der Konstellation ausgesetzt.
31Juli

Start der CZ-4B mit Gaofen 11

Obwohl China anläßlich des Starts seines ersten Gaofen Satelliten im Jahr 2013 die Baureihe umfangreich als Teil eines 15-​Jahr-​Planes zur wissenschaftlich-​technischen Entwicklung beschrieben und klar als ziviles Erderkundungsprogramm klassifiziert hatte, kamen bei Beobachtern in den folgenden Jahren an dieser Einstufung immer wieder Zweifel auf. Die ersten Gaofen Satelliten waren noch recht detailliert technisch und hinsichtlich ihrer spezifischen Aufgabenstellung präsentiert worden. Das Programm fand auch im Ausland entsprechende Beachtung und Anerkennung. Doch bei späteren Exemplaren wurden die Aussagen zur Konfiguration zunehmend spärlich und die Missionen wurden nur noch mit Allgemeinplätzen beschrieben. Das nährte Zweifel an der rein zivilen Ausrichtung der Gaofen Reihe. Der Start von Gaofen 11 am 31.07.2018 mit einer CZ-​4B von Taiyuan schien diese Vermutungen zu bestätigen. Die Rakete beförderte den offenbar sehr großen und schweren Satelliten auf eine (nicht ganz sonnensynchrone) ungewöhnlich exzentrische Bahn zwischen knapp 250 und 695 km Höhe. In einem im chinesischen Fernsehen ausgestrahlten Video zum Start waren bei Szenen aus dem Kontrollzentrum die Bildschirminhalte unkenntlich gemacht. All das sprach eher für einen elektro-​optischen Aufklärungssatelliten mit hochauflösender Optik als für einen weiteren „Landvermessungssatelliten“.