Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2019-03-24T02:17:34+01:00

November 2018.

1November
Der erste geostationäre Navigationssatellit der Beidou-​3 Konstellation startete am 01.11.2018 mit einer CZ-​3B/​G2 vom Raumfahrtzentrum Xichang in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Trotz eines Erdbebens der Magnitude 5,1 am Vortag — das Epizentrum lag weniger als 20 km vom Startkomplex entfernt — war der Start nach zusätzlichen Inspektionen der startbereit stehenden Rakete freigegegeben worden. Diese erfüllte ihre Aufgabe ohne Probleme und setzte Beidou-​3 G1 (Beidou 41) auf der geplanten Transferbahn aus. Aus dieser manövrierte der Satellit auf einen geosynchronen Orbit und leitete die Drift auf die Arbeitsposition ein. Anläßlich des Starts wurde auf die Verwendung verbesserter Wasserstoff-​Maser– und Rubidium-​Uhren an Bord des Satelliten hingewiesen, deren Genauigkeit gegenüber denen früherer Satelliten (-generationen?) um den Faktor 10 gesteigert worden war. Neben seiner Rolle im regionalen und später globalen chinesischen Navigationssatelliten-​Netzwerk stellte Beidou 41 auch Kapazitäten für die Übertragung von Kurznachrichten auf Mobiltelefone bereit. Zum Einsatz kommen sollte diese Funktionalität vor allem im Katastrophenfall.
3November

Start der Sojus-2.1b mit dem GLONASS-M Satelliten Kosmos 2529

Trotz des eigentlich dringenden Bedarfs an weiteren Auffrischungsstarts für die russische GLONASS Navigationssatelliten-​Konstellation startete das russische Militär auch 2018 nur zwei Uragan-​M Satelliten (nach zwei in 2016 und einem in 2017). Dabei fielen immer wieder einzelne oder mehrere der teils deutlich überalterten Satelliten aus und rissen nicht zu schließende Lücken in die Konstellation. Die Versuche, mit bereits in die Reserve versetzten älteren Satelliten die Ausfälle zu überbrücken, waren meist nur von bescheidenem Erfolg gekrönt gewesen. Nach dem Verlust von drei GLONASS Satelliten im Jahr 2013 wollte offenbar aber auch niemand das Risiko für einen der früher üblichen Dreifachstarts mit der Proton-​Rakete eingehen. Und so konnten die Solo-​Starts auf Sojus-2.1b 14A14 mit Fregat-​M 14S44 lediglich den Status quo eines Systems ohne Reserven aufrechterhalten. Im Herbst 2018 bereitete das Militär in Plesetsk den GLONASS Satelliten mit der Bordnummer 57 (Block 54S) zum Start vor. Während die Arbeiten im Norden Rußlands nach Plan liefen, erlebte in Baikonur eine Sojus-​FG 11A511U-​FG einen Fehlstart. Die Ursache konnte zwar schon bald mit einen Montagefehler der dortigen zivilen Mannschaft bestimmt werden. Dennoch fand sich kein Versicherer für den anstehenden GLONASS Start. Tatsächlich verlief der Start am 03.11.2018 von Plesetsk aber, erwartungsgemäß, erfolgreich. Der Satellit wurde von der Bugsierstufe auf dem vorgesehenen Orbit ausgesetzt und erhielt die offizielle Bezeichnung Kosmos 2529. Er manövrierte anschließend zügig auf Bahnebene 2 und löste auf Position 15 GLONASS-​M 716 (Kosmos 2425) ab, einen der ältesten noch (bedingt) einsatzfähigen Satelliten der Gruppierung. Obwohl dieser zuletzt bereits nicht mehr exakt auf Position gehalten worden war (gehalten werden konnte?), wurde er offiziell nicht außer Dienst gestellt, sondern am 24.11.2018 in die Reserve versetzt. Dabei konnte der neue GLONASS-​M 757 erst am 27.11.2018 in den Regelbetrieb übernommen werden. Damit umfaßte die Konstellation nun wieder 24 einsatzfähige Satelliten, das erwähnte Reserveexemplar Kosmos 2425 und den seit seinem Start im Februar 2011 nahezu beständig im Testzustand verharrenden ersten GLONASS-​K1 (Kosmos 2471).
7November

Start der Sojus ST-B mit MetOp-C

Das dritte und letzte Exemplar von drei baugleichen, durch die EUMETSAT bei EADS Astrium in Auftrag gegebenen, meteorologischen Satelliten des Typs MetOp startete am 07.11.2018 mit einer Sojus ST-​B mit Fregat-​M Oberstufe vom südamerikanischen Kourou. Der Satellit war bereits Ende Juni auf dem Luftweg in Cayenne eingetroffen, die Trägerrakete noch früher per Schiff. Der eigentlich für September terminierte Start war da aber bereits auf November verschoben worden. Andere Missionen, insbesondere der Ariane-​5ECA Start mit der Merkur-​Mission BepiColombo, hatten höhere Priorität. Schließlich arbeiteten die 2006 und 2012 gestarteten ersten beiden MetOp Exemplare noch zuverlässig und hätten den Betrieb auch weiterhin aufrechterhalten können. Also wurde MetOp-​C in Kourou zunächst fertig montiert, gründlich inspiziert, getestet und mit technischen Gasen betankt — um dann für einige Wochen eingelagert zu werden. Dann trat man in die letzte Phase der Startvorbereitung ein. Fregat-​M Bugsierstufe und Satellit wurden betankt und auf die Sojus aufgesetzt. Der Start gelang fehlerfrei und nach einer Stunde hatte MetOp-​C die sonnensynchrone Zielbahn in gut 800 km Höhe erreicht. Nach Abschluß seiner Inbetriebnahme– und Kalibrierungsphase vervollständigte er das EUMETSAT Polar System (EPS). Der Einsatz erfolgte auf einem sogenannten „mid-​morning“ Orbit. Alle drei Satelliten waren identisch ausgestattet mit A/​DCS (Advanced Data Collection System), AMSU (Advanced Microwave Sounding Unit), ASCAT (Advanced Scatterometer), AVHRR/​3 (Advanced Very High Resolution Radiometer), GOME-​2 (Global Ozone Monitoring Experiment), GRAS (GNSS Receiver for Atmospheric Sounding), HIRS/​4 (High Resolution Infrared Sounder), IASI (Infrared Atmospheric Sounding Interferometer), MHS (Microwave Humidity Sounder), SARP/​3 (Search And Rescue Processor), SARR (Search And Rescue Repeater) und SEM-​2 (Space Environmental Monitor). Bei einer Auslegungsbetriebsdauer von fünf Jahren sollte der jüngste MetOp Satellit einen sicheren Übergang bis zum Start des ersten EPS-​SG (Second Generation) Exemplars im Jahr 2022 garantieren.
7November

„Kounotori“ 7 auf dem Rückweg zur Erde

Die Verriegelungen des japanische Transportraumschiffs „Kounotori“ 7 zum „Harmony“ Modul der Internationalen Raumstation wurden am 07.11.2018 gelöst und das HTV gegen 12:15 UTC mit dem Maniplulatorarm der Raumstation weggeschwenkt. Zuvor war die Beladung mit Abfällen abgeschlossen worden und, ein Novum, die HTV Small Re-​entry Capsule an der Durchstiegsluke montiert worden. Mit ihr wollte die JAXA erstmals den Versuch unternehmen, empfindliche und zeitkritische Proben von der ISS zurückzuführen. Die HSRC konnte damit in kleinem Rahmen eine Alternative zu den US Cygnus Raumschiffen sein. Erstmals trat ein HTV den Rückflug zur Erde aber ohne die Exposed Pallet an. Die war noch mitsamt ihrer Fracht außenbords an der ISS verstaut. Nach dem Fehlstart einer russischen Sojus hatten die Missionsplaner die Außenbordmanöver absagen müssen, bei denen die neu angelieferten LiIon-​Batterien in das Energieversorgungssystem der ISS hätten integriert werden sollen. Ein Teil der ausgebauten NiH2–Batterien hätte sich nun eigentlich auf der EP befinden sollen. Über die Entsorgung der ausgedienten Batterien würde man neu entscheiden müssen. Zunächst aber gab der Canadarm2 am 07.11.2018 um 16:51 UTC das „Kounotori“ Raumschiff frei, das nach einer Serie von Manövern am 10.11.2018 in die Atmosphäre eintrat und verglühte.
10November

Bergung der Landekapsel der HTV 7 Mission

Nach gut drei Tagen Freiflug wurde am 10.11.2018 um 21:12 UTC mit der Zündung des Haupttriebwerks der Wiedereintritt des HTV „Kounotori“ 7 eingeleitet. Damit war diesmal ein besonderes Experiment verbunden. Denn während das eigentliche Raumschiff gegen 21:42 UTC über dem Pazifik in die Atmosphäre eintrat und verglühte, war zuvor um 21:24 UTC noch eine kleine Kapsel mit Probenmaterial abgetrennt worden. Die HTV Small Re-​entry Capsule (HSRC) ging auf ältere Planungen für ein HTV-​R zurück, das eine Rückkehrkapazität für mehr als 1,5 Tonnen hatte bieten sollen. Diese Idee war aber nicht weiter verfolgt worden. Doch ganz hatte man bei der JAXA die Entwicklung nicht eingestellt. Mit der HSRC konnten nun 20 kg empfindlicher Fracht (5 kg, wenn eine Kühlung erforderlich war) zur Erde zurückgeführt werden. Beim ersten Einsatz stieg die Kapsel unter Kontrolle eines Kaltgasdüsen-​Systems durch die Atmosphäre ab und landete um 22:04 UTC am Fallschirm sicher bei Minami-​Torishima, der östlichsten der Ogasawara Inseln, etwa 1.800 Kilometer südöstlich der japanischen Hauptinsel Honshū. Per Schiff und Flugzeug erfolgte anschließend die Rückführung nach Tsukuba. Dort wurden sowohl die in der Kapsel befindlichen Proteinkristall-​Proben als auch die Kapsel selbst weiteren Untersuchungen zugeführt.
11November

Start der Electron Rakete zur „It′s Business Time“ Mission

Die kleine Electron Trägerrakete des ursprünglich neuseeländischen, inzwischen aber in den USA registrierten, Unternehmens Rocket Lab — mittlerweile mit einer zusätzlichen Drittstufe namens Curie ausgestattet, unternahm am 11.11.2018 ihren dritten Start von der Halbinsel Māhia auf der neuseeländischen Nordinsel. Die optimistisch „It’s Business Time“ genannte Mission war eigentlich bereits für den April 2018 geplant gewesen. Doch bei Trockentests auf dem Startkomplex wurde ein Problem mit einem „Motor Controller“ entdeckt. Zwei Monate später stand die Rakete betankt wieder auf der Startrampe. Doch technische Probleme und die meteorologischen Bedingungen verhinderten erneut, trotz mehrerer Anläufe, einen erfolgreichen Countdown. Dann traten auch die Probleme mit der Triebwerkssteuerung wieder auf. Bei gründlicher Untersuchung erwiesen diese sich als offenbar ernster, als zunächst angenommen. Rocket Lab verkündete eine komplette Überarbeitung und Re-​Qualifizierung des Systems. Erst im Oktober waren beide Stufen zurück in Neuseeland. Diesmal verlief der Countdown nach Plan. Und ebenso der Aufstieg der Rakete. Sechs Satelliten wurden von der Curie Oberstufe auf den vorgesehenen Bahnen ausgesetzt. Eine weitere technologische Nutzlast blieb mit ihr verbunden. Die GeoOptics Inc. war mit ihrem CICERO 10 Satelliten (Community Initiative for Cellular Earth Remote Observation) an der Mission beteiligt. Das US Unternehmen plante den Aufbau einer Konstellation einer Konstellation aus mindestens vierundzwanzig dieser 6U CubeSats, die auf Basis von GNSS-​RO (Global Navigation Satellite System — Radio Occultation) Sondierungen von Ionosphäre und Atmosphäre ebenso unternehmen konnten, wie Messungen verschiedener Parameter von Ozeanen und Eisflächen. Zu drei der bisher fünf gestarteten Satelliten hatte der Betreiber aber nach dem Start keinen Kontakt herstellen können, so daß der kommerzielle Erfolg bisher ausgeblieben war. Die beiden Lemur 2 Satelliten der Spire Inc., Lemur 2 „Zupanski“ und Lemur 2 „Chanusiak“ waren Teil einer deutlich größeren Konstellation. Auch sie verfügten über eine GPS Radio Occultation Nutzlast (STRATOS). Dazu kam aber noch eine AIS (Automatic Identification System) Nutzlast (SENSE) zur Verfolgung von Schiffsbewegungen und mit AirSafe ein Empfänger für ADS-​B (Automatic Dependent Surveillance — Broadcast) Signale von Flugzeugen. Das erst 2015 gegründete und im süd-​australischen Adelaide ansässige Start-​Up Fleet Space Technologies plante hingegen den Aufbau einer 100+ Satellitenkonstellation für das Internet of Things (IoT), eines der neuen Megathemen der Kommunikationsbranche. Während man unter dem Namen Centauri schon länger an den beiden ersten Prototypen für die Konstellation arbeitete, waren die bei diesem Start mitgeführten zwei Proxima Satelliten das Ergebnis eines wahren Crash-​Programms. Pumpkin Space Systems hatte die batteriebetriebenen 1,5U CubeSats innerhalb von zwei Wochen(!) ab Auftragserteilung ausgeliefert. Nahezu ebenso kurzfristig machte Rocket Lab den Start möglich. Mit den zusätzlichen Satelliten wollte Fleet Space Technologies offenbar neben den bereits angekündigten Tests seines eigenentwickelten Software-​Defined Radio (SDR) auf Frequenzen im S– und L-​Band auch Versuche für Übertragungen im Kurz– und Langwellenbereich unternehmen. Schüler von fünf Highschools unterstützt von Universitätsstudenten und Industriekreisen hatten dagegen im Rahmen des Irvine CubeSat STEM Program (ICSP) ihren ersten 1U CubeSat realisiert. IRVINE01 ragte aus der Masse ähnlicher Projekte vor allem heraus durch den Einsatz eines miniaturisierten elektrischen Triebwerks. Interessant war auch der Ansatz, die 3 MP Kamera für Aufnahmen von Sternen und des Mondes einzusetzen. Überraschende Unterstützung für das Projekt kam von der Ecuadorian Space Agency (EXA), die nicht nur mit ihren eigenen Erfahrungen bei Entwicklung und Betrieb von CubeSats aushalf, sondern auch einige zentrale Komponenten beisteuerte. Darunter die ausklappbaren Solarzellenflächen und die Pufferbatterien. Die technologische Nutzlast auf der Curie Raketendrittstufe stammte von der High Performance Space Structure Systems GmbH in München (daher auch der Beiname „Pride of Bavaria“). Bei NABEO handelte es sich um eine entfaltbare Struktur von 2,5 m², die auf ihre Eignung bei der Unterstützung eines kontrollierten De-​Orbit von Nutzlasten oder ausgebrannten Raketenstufen getestet werden sollte. Das ADEO-​nano (Atmospheric De-​Orbit — nano) Segel wog dabei lediglich etwa 100 g, das gesamte Nanosat Bremssegel Entfaltversuch im Orbit Experiment 1,3 kg. Leider blieb die Bestätigung für die Entfaltung des Segels aus.
14November

die GSLV-III D2 auf dem Starttisch

Die leistungsfähigste indische Trägerrakete, die GSLV Mk. III, wurde im Herbst 2018 in Sriharikota auf ihren zweiten Erprobungsflug vorbereitet. Ursprünglich war der Start bereits für Februar angekündigt gewesen, hatte sich aber aus verschiedenen Gründen, die nur zum Teil mit der Rakete zu tun hatten, um ein dreiviertel Jahr verzögert. Gegenüber dem im Juni 2017 geflogenen ersten Exemplar waren bei diesem einige Änderungen vorgenommen worden. Die signifikanteste bestand in der Einführung des HTVE Flüssigkeitstriebwerks in der L110 Zweitstufe. Zwei High Thrust Vikas Engines trieben nun statt der bisherigen Vikas 4B, die wiederum auf einem Lizenznachbau des französischen Viking Triebwerks der Ariane-​1 basierten, die Core-​Stufe an. Nachdem im Sommer die Prüfstand-​Qualifikation des HTVE abgeschlossen worden war (ein erster Testflug einer mit dem HTVE — allerdings in der Erststufe — ausgerüsteten GSLV II Mk. 2 war bereits im März 2018 erfolgt) war der Weg frei für den ersten Einsatz mit der GSLV III. Nutzlast der D2 Mission war GSat 29, ein auf dem I-​3K Bus basierender Satellit der drei Tonnen Klasse. Ausgerüstet war dieser mit einem interssanten Mix von Ka– und Ku-​Band Multibeam Transpondern in Kombination mit einer Q/​V-​Band Nutzlast. Diesen Teil des Extremely High Frequency (EHF) Spektrums (3375 GHz) untersuchten seit einiger Zeit Satellitenbetreiber auf seine Eignung für High Throughput Satellite (HTS) Projekte. Speziell erhoffte man sich eine Entlastung der bereits hoffnungslos überbelegten Ku– und Ka-​Band Frequenzen. Die ISRO zählte zu den Pionieren, die begannen, die praktische Anwendung zu forcieren. Weiterhin hatte GSat 29 eine Nutzlast zur optischen Kommunikation und eine GEO High Resolution Camera (GHRC) an Bord. Deren Aufgabe ähnelte vermutlich jener des chinesischen Gaofen 4 Satelliten: weiträumige Beobachtung von (militärischen) Schiffsbewegungen. Trotz eines aufziehenden tropischen Wirbelsturms gelang der ISRO am 14.11.2018 nach einem reibungslosen Countdown der Start der Rakete pünktlich zum festgesetzten Zeitpunkt. Auch die Performance der Rakete entsprach den Erwartungen, GSat 29 wurde präzise auf dem vorausberechneten Transferorbit ausgesetzt. Drei Zündungen des Liquid Apogee Motor (LAM) besorgten dann bis zum 17.11.2018 den Einschuß in einen geosynchronen Orbit. Von seiner Arbeitsposition 55° Ost sollte der Satellit dann im Rahmen des Digital India Programms Datenverbindungen mit 70 bis 100 Gbps Durchsatz auch in ländlichen Regionen Indiens ermöglichen.
15November

Es’hail 2 Start von Cape Canaveral

Schockwelle an der Spitze der startenden Falcon 9 mit Es’hail 2

die gelandete Booster-Stufe nach dem  Es’hail 2 Start

Der im Golfemirat Katar ansässige nationale Kommunikationssatelliten-​Betreiber Es’hailSat hatte im September 2014 Mitsubishi Electric (MELCO) mit dem Bau seines zweiten Satelliten beauftragt, des ersten in alleiniger Eigentümerschaft. Beim 2013 gestarteten Es’hail 1 hatte man sich die Transponder noch mit Eutelsat Communications geteilt. Wenige Wochen nach dem Satelliten wurde auch dessen Start beauftragt. Im Dezember 2014 unterschrieb das US Unternehmen SpaceX den Vertrag. Es’hail 2 wurde mit zwanzig Ku-​Band und zwölf Ka-​Band Transpondern ausgerüstet. Der Betreiber versprach sich einen deutlichen Ausbau des Angebots an HDTV Sendungen für den Mittleren Osten und Nordafrika. Von den zwölf scharf bündelnden Ka-​Band Sendekeulen waren aber auch zwei nach Europa gerichtet (London/​Paris und München). Daneben sollte der Satellit auch der Verbesserung der Breitband-​Internet Versorgung in der Region und insbesondere in Katar dienen. Ungewöhnlich für einen zivilen Kommunikationssatelliten war bei Auftragserteilung die Forderung an MELCO nach einem verstärkten Jamming Schutz gewesen. Offenbar hatte Katar bereits 2014 mit einer Verschlechterung der Beziehungen zu seinen Nachbarländern gerechnet. Die drei Golfstaaten Saudi-​Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain hatten Anfang 2014 nach Vorwürfen der Unterstützung von islamistischen Terrormilizen ihre Botschafter aus Katar abgezogen. Am 05.06.2017 brachen diese Staaten und Ägypten die diplomatischen Beziehungen zu Katar sogar ganz ab. Trotz der zweifelhaften Rolle Katars bei der Finanzierung islamistischer Gruppierungen hatte sich ein bemerkenswerter Partner für das Es’hail 2 Projekt gefunden, die Radio Amateur Satellite Corporation. Die AMSAT hatte die Gelegenheit erhalten, erstmals eine Amateurfunknutzlast auf einem geostationären Satelliten zu betrieben. Das AMSAT P4A (Phase 4A) Paket umfaßte zwei Transponder. Neben einem konventionellen schmalbandigen Transponder für den SSB, CW und PSK Betrieb war ein X-​Band Downlink von DVB-​S2 bzw. Digital Amateur Television (DATV) TV-​Programmen geplant, so einer Live WebCam Übertragung oder von Promotion-​Videos für Amateurfunkprojekte. Selbst in regnerischen Regionen wie Thailand oder Brasilien sollte ein Empfang mit einer 90 cm Parabolantenne noch möglich sein. Federführend war bei diesem Teil des Projekts die deutsche AMSAT Sektion (AMSAT-​DL) unterstützt von der Qatar Amateur Radio Society (QARS).
Der ursprünglich für den Spätsommer 2018 geplante Start der Falcon 9 v1.2 verschob sich als Folge anderer Verzögerungen schließlich auf den 14.11. und schließlich den 15.11.2018. Trotz eines abgebrochenen Static Fire auf LC-​39A am 12.11.2018 und mäßiger Wetterprognosen konnte dieser Termin gehalten werden. Die Wiederholung des Testlaufs einen Tag später hatte alle Bedenken ausgeräumt. Nach dem Start von Cape Canaveral wurde der Satellit auf einem Standard-​Transferorbit ausgesetzt. Unterdessen war die Erststufe auch nach ihrem zweiten Einsatz sicher wieder gelandet. Auch vergleichsweise hoher Seegang hatte die Landung auf der OCISLY Plattform nicht beeinträchtigt.
Es’hail 2 manövrierte auf einen geosynchronen Orbit und driftete auf vorläufige Position über 24° Ost, bevor die Inbetriebnahme über 26° Ost vollzogen wurde.
16November

die startbereite Sojus-FG mit Progress MS-10

Progress MS-10 Start RocketCam

Zeitrafferaufnahme des Progress MS-10 Start gesehen von Bord der ISS

Progress MS-10 unmittelbar vor dem Docking

Die erste russische Nachschubmission zur ISS nach dem Fehlstart einer Sojus-​FG 11A511U-​FG mit dem bemannten Sojus MS-​10 Raumschiff startete am 16.11.2018. Zwar war die Fehlerursache bereits in einem Handlingfehler der Startmannschaft in Baikonur bestimmt worden. Und zwei bauähnliche Sojus-2.1b 14A14 hatten in den letzten Wochen fehlerfrei ihre jeweiligen Missionen absolviert. Doch nun flog erstmals wieder eine Sojus-​FG Rakete von Baikonur, betreut von der zivilen Startmannschaft, die auch den Fehlstart zu verantworten gehabt hatte. Sicherheitshalber waren die bereits vormontierten Grundstufenpakete in der Halle für die Startvorbereitung nochmal auseinandergenommen und inspiziert worden. Auffälligkeiten hatten sich dabei nicht gefunden. So hob die Rakete am 16.11.2016 um 18:14 UTC, und damit trotz des Fehlstarts im Vormonat nur mit gut zwei Wochen Zeitverzug gegenüber der ursprünglichen Planung, von der „Gagarin-​Rampe“ ab. Praktisch zeitgleich mit der Mannschaft in Baikonur hatte in Virginia ein Team eine Antares-​230 mit einem weiteren Transportraumschiff, Cygnus CRS-​10E, auf den Start vorbereitet. Zeitweise sah es sogar nach einem Start am selben Tag binnen weniger Stunden aus. Was natürlich ein hohes Maß an Koordination der beteiligten Flugleitzentren erforderte. Schließlich entschied die Progress das „Rennen“ mit knapp 15 Stunden Vorsprung für sich. Progress MS-​10 erreichte problemlos den vorgesehenen Orbit und begann mit einer Serie von Bahnmanövern, die zu einem Docking am „Swjesda“ Modul am 18.11.2018 um 19:28 UTC führten. Die beiden russischen Kosmonauten hatten an der TORU Handsteuerungskonsole bereit gestanden, mußten aber nicht eingreifen. Damit waren 2.564 kg Nachschub (einschließlich 750 kg Treibstoff, 440 kg Wasser und 75 kg Atemluft bzw. Sauerstoff auf der ISS eingetroffen.
Für die Besatzung der Internationalen Raumstation hatte der Start die seltene Gelegenheit gegeben, diesen unmittelbar live aus dem Weltraum zu beobachten und ein spektakuläres Video aufzunehmen. Ein Novum war auch das RocketCam-​Video, das ROSKOSMOS nach dem Start veröffentlichte.
17November

die Antares-230 mit SS „John Young“ auf Pad-0A

Cygnus NG-10E am Canadarm2 der ISS

Nachdem der für den 15.11.2018 geplante Start der Antares-​230 Rakete mit dem Cygnus NG-​10E SS „John Young“ Raumschiff zur CRS-​10 Mission wegen schlechter Wetterbedingungen an der US Ostküste zunächst um einen, dann um zwei Tage verschoben werden mußte, gelang am 17.11.2018 um 09:02 UTC bei guten äußeren Bedingungen der Start von Wallops Island. Die Castor-​30XL Zweitstufe besorgte den Einschuß in die erdnahe Ausgangsbahn, aus der die erste in Verantwortung von Northrop Grumman fliegende Cygnus dann unter Einsatz ihres IHI BT-​4 Triebwerks auf die höhere Bahn der ISS manövriert wurde. Am 19.11.2018 hatte das Frachtraumschiff dann seine letzte Halteposition vor dem Berthing bezogen. Um 10:28 UTC wurde die Cygnus vom Canadarm2 der Station gegriffen und zum erdzugewandten Berthing Port des „Unity“ Moduls verschwenkt. Das offizielle Berthing Datum wurde mit dem 19.11.2018 um 12:31 UTC bekanntgegeben. 3.350 kg Nachschub (3.268 kg im druckbeaufschlagten Teil plus 82 kg außenbords) hatten damit die ISS erreicht — keine 24 Stunden nach der Ankunft von weiteren zweieinhalb Tonnen Versorgungsgütren mit Progress MS-​10. Auf die dreiköpfige Besatzung der ISS kamen damit arbeitsreiche Tage zu. Von ursprünglich geplanten vierzehn CubeSats in NanoRacks External CubeSat Deployern (ENRCSD) waren allerdings nur drei (CHEFsat 2, KickSat 2 und MYSAT 1) übrig geblieben. Das war eine indirekte Folge des Sojus MS-​10 Fehlstarts im Oktober. Denn dadurch fiel die CRS-​10 Mission nun zeitlich praktisch mit dem Progress MS-​10 Flug zusammen. Und bei der NASA wollte man nicht riskieren, die Progress die Bahnen der frisch ausgesetzten ThinSats durchqueren zu lassen — einem neuen Satellitentyp, kleiner als ein 1U CubeSat. Auch bei der internen Fracht waren im letzten Augenblick einige Veränderungen vorgenommen worden.
18November

Start von zwei Beidou-3M Satelliten am 18.11.2018 von Xichang

Bereits die achte Doppelstart-​Mission des Jahres von Beidou-​3 Satelliten für die MEO (Medium Earth Orbit) Komponente der chinesischen Navigationssatelliten-​Konstellation fand am 18.11.2018 in Xichang statt. Eine CZ-​3B mit YZ1 Bugsierstufe startete die Satelliten Beidou-​3 M17 und Beidou-​3 M18 (alias Beidou 42 und Beidou 43) zunächst auf eine Übergangsbahn, aus der sie von der Yuanzheng Bugsierstufe auf ihre Bahnen im Höhenbereich von rund 21.500 km transportiert wurden. Dort nahmen sie Positionen in der Bahnebene C der Konstellation ein. Hersteller der Satelliten war diesmal die China Aerospace Science and Technology CorporationCAST (parallel dazu wurden auch Satelliten vom Micro-​Satellite Engineering Center der Chinese Academy of Sciences eingesetzt). Anläßlich des Starts wurde bekanntgegeben, daß die BDS-​3 Satellitenkonstellation nun eine grundlegende globale Abdeckung bei einer Navigationsgenauigkeit zwischen 2,5 und 5 m erreicht hatte. Zur weiteren Verbesserung des Systems waren in den kommenden zwei Jahren elf weitere Starts vorgesehen (6× vom MEO-​, 3× vom IGSO– und 2× vom GEO-​Typ). 2020 sollten die Dienste des BDS dann auch international angeboten werden.
19November

Start einer CZ-2D Rakete am 19.11.2018 von Jiuquan

Vom Raumfahrzentrum Jiuquan startete China am 19.11.2018 eine zweistufige stretched CZ-​2D Rakete. Ihre Nutzlasten, insbesondere der größte der fünf Satelliten, gaben einige Rätsel auf. Die Mission von Shiyan 6 (SY-​6) wurde allgemein und sehr vage mit dem „Studium des kosmischen Umfeldes“ beschrieben, was Kenner der Szene allgemein als Umschreibung für einen ELINT Satelliten interpretierten. Die weiteren Nutzlasten trugen die Namen Jiading 1 (alias OKW 01), Tianzhi 1 sowie Tianping 1A und Tianping 1B. Jiading 1 (benannt nach einem Stadtbezirk von Shanghai, dem Stammsitz der Herstellerfirma, der 2014 gegründeten Shanghai Ok Space Co Ltd., auch als Space OK bekannt) stellte den Prototypen für eine geplante Konstellation von Kommunikationssatelliten im erdnahen Raum dar. Die Xiangyun Satelliten-​Konstellation sollte helfen, die Anbindung entlegener Gegenden Chinas, beispielsweise bergiger Regionen oder Eilande weit vor der chinesischen Küste, an das Internet zu verbessern. Vor allem das Internet of Things sollte davon profitieren. Bis 2022 sollte die Konstellation auf etwa 40 Satelliten anwachsen. An der Entwicklung von Tianzhi 1 waren eine Reihe von Instituten der Chinese Academy of Sciences (CAS) und der China Academy of Space Technology (CAST) beteiligt gewesen. Mit ihm sollten neue Schlüsseltechnologien für einen software-​definierten Satelliten erprobt werden. So verfügte der Satellit über ein innovatives Kamerasystem, das über ein Cloud-​Computing System gesteuert wurde. Rätselhaft war die Mission der beiden Tianping Satelliten. Ihre Mission wurde vage mit der (Radar?)Kalibrierung beschrieben. Scheinbar fungierte Tianping 1A dabei als eher passives Ziel und Tianping 1B als aktiver Partner.
21November

die Vega VV13 auf dem Startkomplex

Der zweite marokkanische dual-​use Erdbeobachtungssatellit, Mohammed VI-​B, wurde im November 2018 in Kourou auf seinen Start vorbereitet. 2013 hatten EADS Astrium und Thales Alenia einen Auftrag über die Lieferung zweier hochauflösender Aufklärungssatelliten im Wert von 500 Mio. € aus dem Königreich erhalten. Formell fungierte das Centre Royal de Télédétection Spatiale (CRTS) als Betreiber. Doch das nahezu vollständige Fehlen von öffentlich zugänglichen Daten und Bildern der Mohammed VI-​A Mission sprach eine andere Sprache. Die Geheimhaltung, die auch die Startvorbereitungen des zweiten Satelliten umgab, ließ kaum einen Zweifel an der wahren Zweckbestimmung. Technisch basierten die beiden intern auch als MN35-​13 geführten Satelliten auf den 2011/12 gestarteten französischen Pléiades-​HR Aufklärungssatelliten. Deren Auflösung war seinerzeit mit 70 cm angegeben worden. Ein Jahr nach dem Start des ersten Satelliten stand die Vega Rakete mit dem zweiten in Kourou startklar. Pünktlich zum vorgesehenen Zeitpunkt hob diese am 21.11.2018 ab und beförderte ihre Nutzlast auf den geplanten sonnensynchronen Orbit in gut 600 km Höhe.
28November

D-1 Start des KSLV-II TLV

Auf dem Weg zur eigenen Satellitenträgerrakete KSLV-​II „Nuri“ unternahm Südkorea am 28.11.2018 nach zahlreichen Triebwerkstestläufen den ersten Flug eines einstufigen Testmodells. Bei der zwischen 2009 und 2013 bei drei Starts nur einmal erfolgreich geflogenen KSLV-​I „Naro“ stammte lediglich die zweite (Feststoff-​) Stufe mit der Nutzlastverkleidung aus eigener Produktion. Die erste Stufe war von GKNPZ Chrunitschew entwickelt worden. Und der russische Partner des Korea Space Launch Vehicle Programms gewährte, jedenfalls offiziell, keinen Zugang zu konstruktiven Details. Bei den Antrieben für die KSLV-​II war man daher weitgehend auf sich selbst gestellt und das Korea Aerospace Research Institute (KARI) begann mit der Entwicklung eines Triebwerks mit etwa 75 Tonnen (735 kN) Schub für die Erst– und Zweitstufe und eines 7 Tonnen (69 kN) Triebwerks für die Drittstufe. Beide auf Basis von Kerosin und Flüssigsauerstoff. Im Herbst 2018 wurde auf dem Naro Space Center das KSLV-​II Test Launch Vehicle auf seinen Start vorbereitet. Dabei lag man zehn Monate hinter der ursprünglichen Planung, nachdem bei Tests Probleme mit der Tankdruckbeaufschlagung aufgetreten waren. Beim TLV handelte es sich grundsätzlich um eine strukturell modifizierte Zweitstufe (jedoch mit einem Triebwerk in der Erststufenkonfiguration) der geplanten KSLV-​II plus Oberstufen/​Nutzlastsimulator und Nutzlastverkleidung. Ein erster Starttermin im Oktober 2018 konnte nicht gehalten werden. Doch der zweite Termin hatte Bestand. Das KSLV-​II TLV hob pünktlich vom Startkomplex in Goheung ab. Das Triebwerk brannte stabil für 151 s (bei einer Zielvorgabe von mindestens 140 s) und die Rakete erreichte eine Gipfelhöhe von 209 km. Alles Parameter innerhalb der vorausgeplanten Grenzen. Nach einem 10-​minütigen Flug über 429 km stürzte die Rakete südöstlich der Insel Jeju ins Meer.
29November

die startbereite PSLV-C43

die Nutzlasten der PSLV-C43 auf der PS4 Endstufe

Hauptnutzlast der PSLV-​C43 Mission, die nach einigen Verzögerungen im November 2018 in Sriharikota auf ihren Start vorbereitet wurde, war der indische Hyperspectral Imaging Satellite (HySIS). Der Satellit basierte auf Mini Satellite-​2 (IMS-​2) Bus und zählte mit seinen 380 kg noch zu den Minisatelliten. Selbst bei Einsatz der leichtesten indischen Trägerrakete, der PSLV-​CA, wäre deren Nutzlastkapazität nicht annähernd ausgeschöpft worden. Das eröffnete einmal mehr die Möglichkeit, zusätzlich eine Reihe von Nanosatelliten mitzunehmen. Nach dem Start am 29.11.2018 wurde in etwa 640 km Höhe zunächst HySIS ausgesetzt. Nach zwei weiteren Zündungen der PS4 Endstufe war die Bahn auf etwa 500 km abgesenkt, wo nun innerhalb von knapp vier Minuten die anderen Nutzlasten ausgestoßen wurden. Der Hyper Spectral Compact Imager von HySIS bestand aus zwei Einheiten: VNIR (Visible and Near Infrared0,4 bis 0,9 µm) und SWIR (Short Wave Infrared0,85 bis 2,4 µm). Sie konnten die Erde in 60 bzw. 256 Spektralbändern von 10 nm Bandbreite beobachten. Die Auflösung sollte dabei bei einer Schwadbreite von 30 km 30 m erreichen.Für das relative neue Instrument der Hyperspektral-​Scanner bestanden zahlreiche denkbare Anwendungsfälle z.B. in der Land– und Forstwirtschaft, Klimaforschung, Geologie, Meeresforschung etc. Aber auch das Militär bediente sich zunehmend der Informationen. Daher gab es auch bei der HySIS Mission Diskussionen über einen solchen Hintergrund. Immerhin veröffentlichte die ISRO aber bereits wenige Tage nach dem Start erste Bilder des Satelliten aus dem All.
Um eine vergleichsweise große Nutzlast handelte es sich auch bei dem Erdbeobachtungssatelliten BlackSky Global 1 des US Unternehmens BlackSky Global. Die Tochterfirma von Spaceflight Industries, die bisher hauptsächlich als Broker von Startdienstleistungen aufgetreten waren, plante den Aufbau einer Konstellation aus sechzig Erdbeobachtungssatelliten. Für die Mikrosatelliten hatte man sich einige starke Industriepartner ins Boot geholt. So lieferte Excelis, Tochter des Harris Konzerns, das optische System mit einer Apertur von 24 cm, welches aus dem Arbeitsorbit in 500 km Höhe Aufnahmen mit einer multispektralen wie auch panchromatischen Auflösung von 1 m (±10 cm) erlauben sollte. Für die Serienfertigung der Satelliten hatte man mit Thales Alenia Space und Telespazio ein Joint Venture mit eigener Fertigung gegründet. Nach dem Start eines Pfadfindersatelliten im Jahr 2016 begann BlackSky Global nun mit dem Aufbau einer experimentellen Konstellation aus vier Satelliten, die schrittweise weiter wachsen sollte. Zweieinhalb Wochen nach CICERO 10 auf einer Electron Trägerrakete erreichte mit der PSLV nun der CICERO 8 Erdbeobachtungssatellit den Orbit. Die GeoOptics Inc. plante den Aufbau einer Konstellation einer Konstellation aus mindestens vierundzwanzig dieser 6U CubeSats im Rahmen der Community Initiative for Cellular Earth Remote Observation. Technisch setzte man auf GNSS-​RO (Global Navigation Satellite System — Radio Occultation) Sondierungen von Ionosphäre, Atmosphäre sowie Land-​, Wasser– und Eisflächen. Zu den zahlreichen Raumfahrt Start-​Ups, die das Internet of Things (IoT) zu ihrem Geschäftsfeld machen wollten, zählte auch Hiber Global aus den Niederlanden. Mit einem extrem stromsparenden Modem bot das Unternehmen seinen Kunden über die zunächst auf achtzehn bis vierundzwanzig Exemplare ausgelegte Satellitenkonstellation vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten für Systeme mit geringem Bandbreitenbedarf. Die 6U CubeSats selbst fertigte das ebenfalls niederländische Unternehmen ISIS (Innovative Solutions In Space). Auch das kanadische Unternehmen Kepler Communications arbeitete an Lösungen für IoT und M2M (machine-​to-​machine) Kommunikation. Zunächst zwei 3U CubeSats dienten der Erprobung der Software Defined Radio (SDR) Konfiguration und Ku-​Band Kommunikation. CASE (Kepler 2), wie sein Zwilling KIPP (Kepler 1) nach einem Roboter des Science-​Fiction Films „Interstellar“ benannt, hatte nun den Orbit erreicht. Ebenfalls Pfadfinder für eine geplante Konstellation von Satelliten für das IoT waren die beiden Centauri Satelliten von Fleet Space Technologies. Centauri II war auf der PSLV-​C43 gebucht, Centauri I startete wenige Tage später in Kalifornien auf einer Falcon 9 v1.2. HSAT 1, ein 6U CubeSat, sollte im Auftrag der Harris Corporation als Testplattform für eine neuartige entfaltbare Antennenkonstruktion sein. Harris war bisher vor allem als Hersteller großer entfaltbarer Antennenstrukturen auf geostationären Kommunikationssatelliten und Aufklärungssatelliten in Erscheinung getreten. Offenbar adressierte man nun auch den wachsenden Markt der Klein– und Kleinstsatelliten im erdnahen Raum. HSAT 1 war außerdem mit einer Kamera ausgerüstet, die vor allem Bilder von der Entfaltung der Antennenanlage liefern sollte, aber auch panchromatische Erdaufnahmen mit einer Auflösung von etwa 700 m anfertigen konnte. Mit technischer Unterstützung des dänischen CubeSat Spezialisten GOMSpace hatte die kolumbianische Luftwaffe, Fuerza Aérea Colombian, ihren ersten Satelliten realisiert. FACSAT 1, ein 3U CubeSat, war mit einer Kamera ausgerüstet, die Aufnahmen mit etwa 30 m Auflösung liefern sollte. FAC Vertreter betonten zwar die zivilen Anwendungsmöglichkeiten des Satelliten. Doch der geplante Nachfolger sollte bereits eine Auflösung von 5 m erreichen und würde sich damit auch für allgemeine Aufklärungsaufgaben eignen. Bis dahin taugte FACSAT 1 als Trainingsobjekt für die Bildauswerter. InnoSAT 2 stammte vom malaysischen Technologieunternehmen Astronautic Technology Sdn. Bhd. Mit dem Satelliten sollte vor allem die Unabhängigkeit von Technologieimporten demonstriert werden. Später wollte die ATSB ihren 3U CubeSat Bus anderen interessierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen zugänglich machen. Bis zu zwei Höheneinheiten standen für solche Nutzlasten zur Verfügung. Bei InnoSAT 2 wurden eine CMOS-​Kamera, ein Dosimeter und ein experimentelles Drallrad integriert. Ähnlich der Hauptnutzlast des PSLV Starts verfügte auch der finnische Reaktor Hello World Satellit über einen Hyperspectral Imager. Allerdings auf einem nur etwa 2 kg schweren 2U CubeSat. Das Instrument auf Basis eines Fabry-​Pérot-​Interferometer nahm eine halbe Höheneinheit Raum ein und operierte im Spektrum von 900 bis 1.400 nm. Daneben diente die gesamte Mission auch der Qualifikation des Satellitenbusses von Reaktor Space Lab Oy. Auch ein Betrieb als Amateurfunk-​Repeater war geplant. Technologischen Experimenten sollte der kleine 1U CubeSat ³Cat 1 der spanischen Universidad Politécnica de Cataluña (UPC) dienen. Trotz des geringen Volumens kamen ein Geiger-​Zähler, ein Graphen-​Transistor, ein drahtloses Energieübertragungssystem, MEMS Komponenten, experimentelle Solarzellen, ein Peltier-​Element und eine Kamera zum Einsatz.
Neben diesen individuellen Nutzlasten flogen auf der PSLV-​C43 Mission auch mehrere Exemplare von Satelliten für zwei große Konstellationen. Planet Labs, treuer Kunde der ISRO, hatte den Start von gleich sechzehn Dove Satelliten für seine Flock-​3r Gruppierung innerhalb der Konstellation gebucht. Sie lieferten wie üblich Erdaufnahmen im RGB und NIR Spektrum mit etwa 3 m Bodenauflösung. Noch länger als Planet Labs war die Spire Inc. Kunde der Inder. Diesmal flogen Lemur 2 „Orzulak“, Lemur 2 „Kobyszcze“, Lemur 2 „Duly“ und Lemur 2 „Vladimir“ mit. Sie waren mit der STRATOS GPS Radio Okkultations Nutzlast für Sondierungen der Atmosphäre und der Erdoberfläche, dem SENSE AIS Empfänger (für Schiffs-​Positionsdaten) und dem AirSafe ASD-​B Empfänger (für Flugzeug-​Positionsdaten) ausgerüstet.
30November

Rockot-KM Start am 30.11.2018

Nachdem schon die Eurockot Launch Services GmbH de facto ihren Geschäftsbetrieb hatte einstellen müssen, weil die von ihr vermarktete Rockot-​KM Rakete nicht mehr verfügbar war, nahte auch das Ende des Einsatzes dieser leichten Trägerrakete durch das russische Militär. Ursprünglich nach dem kalten Krieg als Konversionsprojekt für sowjetische Interkontinentalraketen des Typs UR-​100N (SS-​19) begonnen, hatte sich das Programm nun wieder zum Politikum entwickelt. Denn die Steuerungssysteme der Bris-​KM Bugsierstufe stammten aus der Ukraine. Und unterlagen nun einem Lieferstopp, den die Ukraine nach der Annexion der Krim durch Rußland verhängt hatte. Zwar hatte Rußland wiederholt betont, von solchen Lieferungen nicht abhängig zu sein und die Systeme rasch substituieren zu können. Doch auch Importe westlicher Elektronik waren durch ein Embargo behindert. Tatsächlich erlitten eine Reihe russischer Raumfahrtprojekte mehrjährige Verzögerungen. Und eine adäquate Alternative zur Rockot-​KM gab es im russischen Arsenal schlichtweg gar nicht. Bestenfalls konnte die Sojus-2.1w 14A15 sinnvoll die Lücke ausfüllen, doch auch dieses Programm litt darunter, daß die gegenwärtig verwendeten Erststufentriebwerke nur noch bedingt verfügbar waren. Der immer wieder erwartete, (inoffiziell) angekündigte und verschobene Start der ersten Rockot-​KM nach dem Ende des Eurockot Programms wurde schließlich für den November 2018 bestätigt. Möglicherweise unter Verwendung von Ersatzteilen früherer Missionen war eine Bris-​KM startklar gemacht worden. Es gab aber auch Spekulationen, wonach die Ukraine doch Hilfestellung gegeben hatte. Nämlich im Rahmen eines Geschäfts, das der neue russische Eigner des „Sea Launch“ Programms eingefädelt hatte. Der Führung der S7 Sea Launch Limited wurden gute Kontakte zum Kreml nachgesagt. Und angeblich war man mit dem KB Juschnoje in der Ukraine überein gekommen, von dort einige neu gefertigte Zenit Trägerraketen zu beziehen. Trotz der wechselseitigen Sanktionen, mit denen sich die Ukraine und Rußland überzogen hatten. Teil des Geschäfts könnte gemäß der Spekulationen auch die Lieferung von Steuerungssystemen für die Bris-​KM (und Bris-​M) gewesen sein. Natürlich hatten weder Rußland noch die Ukraine ein Interesse daran, einen solchen Deal öffentlich werden zu lassen. Schon gar nicht bei einer Mission, die dem Start von drei militärischen Rodnik-​S store-​dump Kommunikationssatelliten dienen sollte. Jedenfalls arbeitete die Rakete am 30.11.2018 zuverlässig. Kosmos 2530, Kosmos 2531 und Kosmos 2532 erreichten die vorgesehenen Bahnen in knapp 1.500 km Höhe. Presseberichten zufolge war ursprünglich auch die Mitnahme eines kleinen Laserreflektor-​Satelliten Blits-​M geplant gewesen, den man dann aber kurzfristig durch eine (nicht abtrennbare) Attrappe ersetzt hatte.