Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2018-12-18T23:32:02+01:00

Oktober 2018.

3Oktober

Bildfolge der MASCOT Landung

Am 03.10.2018 um 01:57 UTC wurde der deutsch-​französische Lander MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout) von der japanischen Asteroidensonde „Hayabusa“ 2 abgesetzt. Aus einer Höhe von 51 m sank dieser mit einer (aufgrund der geringen Schwerkraft des Asteroiden „Ryugu“) geringen Geschwindigkeit von etwa 4 bis 15 cms1 zur Oberfläche herab. Um 02:03 UTC hatte MASCOT erstmals Bodenkontakt — mit einem 3 bis 4 m großen Steinbrocken auf der Asteroidenoberfläche. Während Abstieg und Landung wurde eine Serie von Bildern übertragen. Nachdem etwa zweieinhalb Stunden später im DLR Kontrollzentrum erkannt wurde, daß MASCOT nach dem Zusammenprall mit dem großen Stein und etwa acht weiteren Bodenberührungen auf dem Rücken liegend zur Ruhe gekommen war, wurde außerplanmäßig das Kommando für ein erstes „Sprungmanöver“ übermittelt. Der Schwungarm mit seiner Schwungmasse aus Wolfram brachte MASCOT in eine bessere Ausgangslage für die geplanten Messungen. Insgesamt konnten die Experimente über 17:07 h betrieben werden, länger als erhofft. Auf „Ryugu“ waren drei lokale Tage vergangen. In dieser Zeit fanden noch zwei kleinere Positionsveränderungen von MASCOT statt. Das letzte Datenfragment wurde um 19:04 UTC von der Muttersonde „Hayabusa“ 2 empfangen.
4Oktober

Sojus MS-08 unter den Blicken der Bergungsmannschaften in den kreisenden Hubschraubern und heranrasenden Geländefahrzeuge auf dem Weg zurück zur Erde

Nach der Übergabe des Kommandos über die ISS an Alexander Gerst, der damit am 03.10.2018 die Expedition 57 übernahm, bereiteten sich die abgelösten Expedition 56 Mitglieder Oleg Artjemjew, Andrew Feustel und Richard Arnold auf ihre Rückkehr zur Erde vor. Neben einigen wenigen persönlichen Dingen und Experimentendaten wurden auch ein Luftfilter und Wischproben aus Sojus MS-​09 in der Landekapsel von Sojus MS-​08 verstaut. Ihre Analyse am Boden sollte helfen nachzuvollziehen, wann die Bohrung in die Druckhülle des Raumschiffs eingebracht worden war, die die Besatzung am 30.08.2018 nach einem Druckabfall entdeckt hatte. Für den absolut unwahrscheinlichen Fall (den russische Offizielle aber partout nicht ausschließen wollten), daß die Bohrung unbemerkt von den Mannschaftskameraden durch ein Besatzungsmitglied im All vorgenommen worden sein sollte, hätten sich hier Metallspäne finden lassen müssen. Das Abkoppeln vom „Poisk“ Modul erfolgte am 04.10.2018 um 07:58 UTC, das Wiedereintrittsmanöver wurde um 10:52 UTC eingeleitet. Die Landung von Sojus MS-​08 in der kasachischen Steppe, 152 km südöstlich von Scheskasgan, fand dann am 04.10.2018 um 11:45 UTC nach einem Flug von 4.722:00 h (knapp 197 Tagen) statt. Die Kapsel setzte vor den Augen der Bergungsmannschaften auf, die entsprechend schnell zur Stelle waren.
6Oktober

die Nutzlasten des J-SSOD 10

Am 06.10.2018 wurde der J-​SSOD 10 CubeSat Starter mittels des JEM RMS Manipulatorarms aus der Luftschleuse des japanischen „Kibō“ Raumstationsmoduls der ISS herausgezogen und in Position gebracht. Der Startcontainer war mit drei Satelliten im CubeSat-​Format geladen worden. Alle drei hatte das japanische Transportraumschiff „Kounotori“ 7 Ende September 2018 zur ISS gebacht. Am 06.10.2018 um 07:45 UTC wurde dann der Ausstoß der Satelliten initiiert. Den Auftakt machte SPATIUM I (Space Precision Atomic-​clock Timing Utility Mission), ein Gemeinschaftsprojekt der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur mit dem japanischen Kyushu Institute of Technology (Kyutech). Das Ziel der Mission bestand in der Erprobung einer Chip Scale Atomic Clock (CSAC) auf einem 2U CubeSat. Damit sollte der Weg bereitet werden für eine geplante Konstellation gleichartiger Satelliten, die mittels Messung der Phasenverschiebung von hochpräzisen Funksignalen das ionosphärische Plasma und die Elektronenverteilung erforschen sollten. Die nächsten beiden Satelliten folgten um 08:00 UTC. STARS-​Me stammte dagegen von der Shizuoka University und sollte die STARS (Space Tethered Autonomous Robotic Satellite) Satellitenserie fortsetzen. Das originelle Konzept umfaßte diesmal einen Doppelsatelliten aus zwei je 1U CubeSats, die nach ihrer Trennung durch eine 14 m lange Trosse verbunden bleiben sollten. An dieser sollte sich ein winziger „Climber“ zwischen STARS-​Me CV und STARS-​Me HT hin und her bewegen. Der „Climber“ konnte per Bluetooth mit dem STARS Satelliten kommunizieren. Neben Meßdaten sollten Bilder von den Manövern zur Erde übertragen werden. Nach dem Aussetzen konnten jedoch nur Funksignale von einem der beiden CubeSats des „Mini-​Elevator“ Experiments empfangen werden. Mit dem Exemplar, in dessen Inneren der „Climber“ verstaut war, kam keine Kommunikation zustande. Auch RSP 00 blieb stumm. Dieser 1U CubeSat war vom Ryman Sat Project gebaut worden, dessen Ziel in der Begeisterung gewöhnlicher Bürokräfte für die Raumfahrt und ihrer Beteiligung an der Realisierung eines Satelliten bestand. Geplant gewesen war die Übermittlung von aufgezeichneten Grußbotschaften, Amateurfunkbetrieb und die (Hochgeschwindigkeits-​) Übertragung von Erdaufnahmen einer einfachen Kamera.
7Oktober

Komposit-Aufnahme des Falcon 9 Starts mit SAOCOM 1A

Elon Musk auf LZ-4 neben der B1048.2 Erststufe

Das argentinische Raumfahrtprogramm, das jahrzehntelang im Schatten des brasilianischen gestanden hatte, gewann etwa ab dem Jahr 2010 spürbar an Bedeutung. Trotz anhaltender wirtschaftlicher Probleme konnten nun auch größere wissenschaftliche und Anwendungssatellitenprojekte realisiert werden. Obwohl zum Nachbarland Brasilien eine tief verwurzelte Rivalität bestand, hatte man sich zuletzt doch auf eine Kooperation eingelassen, von der beide Raumfahrtprogramme sichtbar profitierten. Zur Realisierung der SAOCOM (Satélite Argentino de Observación Con Microondas) Konstellation aus zunächst zwei L-​Band SAR Erdbeobachtungssatelliten (Auflösung 7 bis 100 m je nach Modus bei 50 bis 400 km Schwadbreite) holte man sich nun die Agenzia Spaziale Italiana (ASI) als Partner ins Boot, setzte bei der technischen Umsetzung aber verstärkt auf die jüngst ausgebauten eigenen Kapazitäten. Die italienische Raumfahrtagentur brachte in das Projekt SIASGE (spanisch: Sistema Italo-​Argentino de Satélites para Gestión de Emergencias) brachte ihre Flotte aus vier (X-​Band SAR) COSMO-​SkyMed Erdbeobachtungssatelliten ein. Die Partner vereinbarten zudem, die Konstellation perspektivisch um jeweils zwei SAOCOM bzw. COSMO-​SkyMed auf dann insgesamt zehn Satelliten auszubauen. Dabei bot vor allem das langwellige L-​Band Radar der SAOCOM Satelliten die einmalige Option, auch dichte Vegetation zu durchdringen (und damit deren vertikale Struktur zu vermessen) sowie die Feuchtigkeit des Bodens zu bestimmen. Aus argentinischer Sicht war das ein wichtiger Aspekt beispielsweise zur Bewertung von Dürre– oder Hochwasserschäden, für die Beobachtung von Gletscherbewegungen und die Bestimmung des Zustandes der Vegetation. Und daher auch der Antrieb für das Projekt. Wissenschaftlich waren die Daten von großem Nutzen bei der Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels. Die argentinische Landwirtschaft, die unter dem Wandel bereits massiv litt, erhielt mit den SAOCOM Daten hingegen vor allem auch ein wichtiges Planungsinstrument von großem volkswirtschaftlichem Nutzen. Während die Projektleitung des SAOCOM Programms bei der argentinischen Raumfahrtorganisation CONAE (Comisión Nacional de Actividades Espaciales) lag, war für die Umsetzung das auf diversen Hochtechnologiegebieten aktive Staatsunternehmen INVAP verantwortlich. Bereits im Jahr 2009 vereinbarte die CONAE den Start der beiden SAOCOM 1 Satelliten auf der damals noch nicht einmal geflogenen SpaceX Falcon 9. Zum vorgesehenen Termin 2012/13 war aber weder die Qualifikation der Trägerrakete abgeschlossen, noch die Entwicklung der Satelliten. Der erste SAOCOM war schließlich Ende 2017 startbereit, mußte aber noch bis zum 07.10.2018 auf seinen Start warten. Die Trägerrakete war mittlerweile zur Falcon 9 v1.2 Block V „gereift“ und das eingesetzte Exemplar sollte seinen zweiten Flug absolvieren. Das Ende Juli 2018, als der Satellit von Bariloche zur Vandenberg AFB geflogen wurde, genannte Startdatum Anfang September konnte allerdings nicht gehalten werden. Erst am 02.10.2018 erfolgte das „Static Fire“ auf SLC-​4E. Der Start fand dann fünf Tage später am 07.10.2018 statt. SAOCOM 1A erreichte problemlos den vorgesehenen sonnensynchronen Orbit in im Mittel 625 km Höhe. Die Erststufe der Rakete hingegen landete sicher auf der damit eingeweihten Landing Zone LZ-​4, dem Areal des früheren SLC-​4W Startkomplexes. SpaceX verfügte somit nun auch an der US Westküste über die Gelegenheit zur Land-​Landung seiner Falcon 9 Stufen.
9Oktober

Start der ersten CZ-2C / YZ-1S

Beim Jungfernflug einer neuen Variante der chinesischen CZ-​2C Rakete gelangten am 09.10.2018 zwei Yaogan 32 „Erderkundungssatelliten“ auf ihren sonnensynchronen Orbit. In der Pressemitteilung anläßlich des Starts wurde das Landwirtschaftsministerium als Nutzer der Daten genannt, was unter Kennern des Raumfahrtprogramms aber als Euphemismus für das chinesische Militärs gesehen wurde. Zumal die Yaogan Bezeichnung längst als Äquivalent zur sowjetisch-​russischen Kosmos Reihe stand, unter der sich ebenso zahlreiche wie grundverschiedene, jedoch überwiegend militärische, Satellitenprogramme verborgen hatten (und verbergen). Die neue mehrfach wiederzündbare (Yuanzheng) YZ-​1S Manövrierstufe und eine Doppelstartvorrichtung ähnlich der SYLDA der europäischen Ariane erlaubten es, Yaogan 3201 und Yaogan 3202 (Yaogan 32 Gruppe 1) direkt auf den Arbeitsorbit in knapp 700 km Höhe zu befördern, während die Oberstufen lediglich suborbitale Bahnen beschrieben bzw. nach Erfüllen ihrer Aufgabe gezielt zum Absturz gebracht wurden. Ausgehend von einer im chinesischen Fernsehen gezeigten Animation der Nutzlasten könnte es sich bei diesen entgegen der genannten Aufgabenstellung um zwei ELINT/​SIGINT Satelliten eines neuen Typs gehandelt haben.
11Oktober

Start von Sojus MS-10

der Moment der (fehlerhaften) Stufentrennung beim Start von Sojus MS-10

die Landekapsel von Sojus MS-10

Begrüßung der Sojus MS-10 Crew durch ihre Familien bei der Rückkehr nach Baikonur

On-Board Video des Sojus MS-10 Starts

Der vermeintliche Routinestart einer neuen Besatzung zur Internationalen Raumstation endete am 11.10.2018 mit einer dramatischen, wenn auch sicheren, Notlandung in der kasachischen Steppe. Ursprünglich als Dreimannflug geplant, saßen am Starttag nur Kommandant Alexej Owtschinin und Bordingenieur Tyler Hague in der Sojus MS-​10 Kapsel, als ihr Raumschiff um 08:40 UTC von Baikonur abhob. Rußland hatte Monate zuvor entschieden, aus Kostengründne vorübergehend seine Präsenz an Bord der ISS zu reduzieren und Nikolai Tichonow von dieser Mission zurückgezogen. Trägerrakete war eine Sojus-​FG 11A511U-​FG, die bis dahin bei über fünfzig Einsätzen eine makellose Bilanz aufzuweisen hatte. Auch diesmal sah zunächst alles nach einem Bilderbuchstart aus. Vor den Augen der Administratoren von Roskosmos und NASA, Dmitri O. Rogosin und James F. Bridenstine, stieg die Rakete in den klaren Himmel über dem Kosmodrom. Doch bei der Abtrennung der Erststufen-​Außenblöcke der Rakete nach 118 s in rund 50 km Höhe kam es zu einem Problem mit Block D, der nicht wie gewohnt von der Zentralstufe weg rotierte und mit der Block A kollidierte. Letzte live aus der Sojus übertragene Bilder zeigten, wie die Besatzung heftig durchgeschüttelt wurde. Fünf Sekunden nach der Stufentrennung wurde daher der Flugabbruch ausgelöst. Da das Rettungsraketensystem an der Spitze der Rakete bereits Augenblicke zuvor abgeworfen worden war, bedeutete das, daß nun alle Haupttriebwerke der Sojus notabgeschaltet wurden, während ein Satz von Hilfstriebwerken an der Nutzlastverkleidung zündete. Das Sojus-​Raumschiff trennte sich zwischen PAO Servicemodul und SA Landekapsel. In sicherem Abstand zur Trägerrakete löste sich die Verriegelung zwischen Landekapsel und BO Orbitalmodul. Während letztere, noch immer im oberen Teil der Nutzlastverkleidung eingeschlossen, bis auf eine Gipfelhöhe von 93 km aufstieg, „fiel“ die Landekapsel etwa im Scheitelpunkt der Bahn aus der Verkleidung heraus und begann einen Abstieg, der dem nach einem normalen Raumflug ähnelte. Die Kapsel landete nach 19:41 min um 09:00 UTC nur 32 km östlich von Scheskasgan — und damit unweit der Stelle, an der die Landung auch regulär hätte erfolgen sollen. Nur eben sechs Monate später. Bis die Bergungsmannschaften vor Ort waren, verging einige Zeit. Doch die Sojus Besatzung hatte sich da schon über Funk gemeldet und bestätigt, daß sie die Notlandung unversehrt überstanden hatten.
Der Fehlstart löste natürlich zunächst ein großes Medieninteresse aus. Vor allem aber mußten in kurzer Zeit eine Reihe von Entscheidungen zum weiteren Betrieb der ISS getroffen werden. Der Ausfall der Sojus MS-​10 zog eine Reihe von Konsequenzzen nach sich. Der Verlust eines im Orbitalmodul transportierten neuartigen Experiments, eines 3D-​Biodruckers, war da eher nachrangig. Denn selbst ein vorläufiges Ende der permanenten bemannten Präsenz im All konnte nicht ausgeschlossen werden. Denn die kommenden bemannten US Raumschiffe lagen noch soweit in ihrer Entwicklung zurück, daß ein beschleunigter Einsatz unmöglich war. Der bemannte Zugang zur ISS hing ausschließlich an den russischen Sojus, die auf unbestimmte Zeit Startverbot hatten. Die Sojus MS-​09 — das Exemplar in dessen Orbitalsektion ein Leck (eine undokumentierte Bohrung durch die Druckhülle) entdeckt worden war, und an dessen Sicherheit daher ebenfalls Zweifel bestanden — mußte nach sechs Monaten im All jedenfalls vor dem Jahresende landen. Bis dahin mußte also die Ablösung der Expedition 57 gestartet sein. Das Ausbleiben der Verstärkung verhinderte aber auch zwei fest eingeplante Außenbordmanöver von ISS Kommandant Alexander Gerst, für die dieser mit seinem US Partner „Nick“ Hague trainiert hatte. Am 27.09.2018 hatte das japanische Frachtraumschiff „Kounotori“ 7 u.a. eine Palette mit neuen Batterien (Akkumulatoren) für die ISS angeliefert. Deren Austausch konnte jedoch nicht komplett mit dem Manipulatorarm vorgenommen werden. Prinzipiell ließ sich der Austausch zwar noch aufschieben, doch dann stünde das HTV zur Entsorgung der alten Batterien nicht mehr zur Verfügung. Das Risiko, die EVAs mit einem nicht dafür trainierten Partner zu unternehmen (und das bei ohnehin sehr hoher Arbeitsbelastung) wollte jedoch niemand eingehen. Stattdessen wurde der Austausch aufgeschoben. Die Palette mit den neuen Batterien „parkte“ man außenbords, die alten Batterien würde man später notgedrungen in den Weltraum „entsorgen“ müssen.
Recht bald sickerten erste Informationen zu den möglichen Ursachen des Fehlstarts durch. Am 01.11.2018 wurden diese auf einer Pressekonferenz dann bestätigt. Demnach war bei der Montage in Baikonur durch unsachgemäße Handhabung der Betätigungspin eines Sensors am oberen Ende des Außenblocks D verbogen worden. Bei der Stufentrennung blieb daher das Signal aus, das normalerweise eine Ausblasöffnung im obenliegenden Sauerstofftank öffnete und so sicherstellte, daß der Außenblock nicht nur um ein Kugelgelenk von der Zentralstufe weg schwenkte, sondern auch weggedrückt wurde. Das hatte zu der folgenschweren Kollision geführt. Da sich ein prozeduraler Fehler bereits abgezeichnet hatte, konnte schon am 24.10.2018 wieder eine Sojus-2.1b 14A14 von Plesetsk starten. Und am 16.11.2018 auch eine Sojus-​FG mit dem unbemannten Progress MS-​10 Transportraumschiff. Damit war der weitere Weg aus der ISS Krise klar vorgezeichnet. Anfang Dezember würde die Rumpfbesatzung der Raumstation durch die dreiköpfige Sojus MS-​11 Besatzung abgelöst werden. Und für den Jahresanfang 2019 stellte Rogosin der Sojus MS-​10 Besatzung einen Wiederholungsflug in Aussicht. Zwar waren noch auf Monate, wenn nicht Jahre, die aus dem Unfall resultierenden Verschiebungen im Raumstationsprogramm abzusehen. Doch die Kontinuität der Forschungen war gewährleistet.
15Oktober

Start von zwei Beidou-3 Satelliten am 15.10.2018

China arbeitete auch im Oktober 2018 weiter in hohem Tempo an der Komplettierung der dritten Ausbaustufe des COMPASS Navgationssatelliten-​Systems. Am 15.10.2018 beförderte eine CZ-​3B mit YZ1 Bugsierstufe vom Raumfahrtzentrum Xichang in der Provinz Sichuan die beiden Satelliten Beidou-​3 M15 und Beidou-​3 M16 (alias Beidou 39 und Beidou 40) auf ihre Bahnen im Höhenbereich von rund 21.500 km. Die am Micro-​Satellite Engineering Center der CAS (Chinese Academy of Sciences) in Shanghai entwickelten und gebauten jeweils etwa eine Tonne schweren Satelliten wurden von der Yuanzheng Bugsierstufe bis auf ihre Positionen in der Bahnebene A geschleppt.
Der Trägerraketenhersteller CALT (China Academy of Launch Vehicle Technology) gab anläßlich dieses Starts bekannt, daß die Stufen der Chang Zheng Raketen fortan mit Peilsendern und Equipment für die Satellitennavigation ausgerüstet waren, was zunächst eine Verfolgung der Trümmer bis zum Absturzort erlaubte. Bereits 2019 waren aber darauf aufbauend Versuche zur Fallschirmlandung der Erststufe(n?) geplant.
17Oktober

Start der AV-073 Mission

Ihren vierten Advanced Extreme High Frequency Satellite (AEHF) für das Advanced Wideband Satellite (AWS) Programm erhielt die USAF am 17.10.2018. An diesem Tag hob eine Atlas V Mod. 551 der ULA (United Launch Alliance) von Cape Canaveral ab und beförderte den AEHF 4 (USA 288) Satelliten auf einen geostationären Transferorbit. Im Gegensatz zu den beiden ersten AEHF Missionen, die auf der schwächeren Atlas V Mod. 531 geflogen waren, erlaubte es die diesmal genutzte stärkere Version, den Satelliten auf einer energetisch günstigeren Transferbahn mit einem höherem Perigäum von knapp 10.000 km abzusetzen. Das reduzierte das erforderliche Delta v zur Erreichung einer Synchronbahn von üblichen 1.500 ms1 auf etwa 1.000 ms1. Auch der weitere Aufstieg in den Arbeitsorbit erfolgte treibstoffsparend unter Einsatz der Aerojet Rocketdyne XR-​5 Hall-​Effekt-​Triebwerke. Einmal auf seiner geostationären Bahn angekommen, sollte der neue AEHF Satellit die Kapazitäten des US Militärs zur sicheren globalen Kommunikation weiter verstärken. Das AEHF-​System, bei dessen Entwurf Wert auf die Kompatibilität zum Vorgänger Milstar gelegt worden war, zeichnete sich durch seine große Flexibilität und extreme Störunempfindlichkeit aus, weniger durch hohe Datenraten. Wenngleich auch letztere gegenüber den Milstar Satelliten spürbar gesteigert worden war.
Die AV-​073 Mission markierte den 50. erfolgreichen Start der ULA im Auftrag der USAF und den 250. Einsatz der Centaur Oberstufe.
20Oktober

Start der BepiColombo Mission

der BepiColombo MMO in der MOSIF Struktur

BepiColombo MPO Startvorbereitung

Die europäischen und japanischen Raumfahrtorgansiationen ESA und JAXA hatten sich als Partner für eine anspruchsvolle Mission zur Erkundung des Planeten Merkur zusammengefunden. Bisher hatten sich erst zwei Raumsonden der Erforschung dieses Himmelskörpers gewidmet. Insbesondere die erste, Mariner 10, litt unter den extremen Temperaturen in Sonnenähe. Auch darum vergingen fast vier Jahrzehnte, bis die NASA Sonde MESSENGER erstmals aus einem Orbit um den Planeten mit dessen eingehender Untersuchung begann. Gemäß der ursprünglichen Planung hätte sich die BepiColombo Mission (benannt nach dem italienischen Mathematiker Giuseppe „Bepi“ Colombo, der u.a. mathematische Grundlagen für die Erforschung des Merkur geliefert hatte) praktisch unmittelbar anschließen sollen. Doch unerwartet große Probleme bei der thermischen Auslegung der Systeme der Zwillingssonde ließen den ursprünglich für 2013 geplanten Start der letzten Mission des ESA Horizon 2000+ Programms in weite Ferne rücken. Schließlich wurde ein Start im Frühjahr 2018 angestrebt. Doch auch dieser Termin mußte wegen Verzögerungen bei der Qualifikation einiger Komponenten nochmals verschoben werden. Im Herbst 2018 waren die Raumsonden dann aber schließlich startbereit. Der Mercury Planetary Orbiter (MPO) stammte von der ESA, der Mercury Magnetospheric Orbiter (MMO) von der JAXA. Zusammen mit dem Mercury Transport Module (MTM), einer Antriebseinheit mit verschiedenen elektrischen und chemischen Triebwerken, und der zwischen MPO und MMO gelegenen MOSIF (MMO Sunshield and Interface Structure), bildeten sie das Mercury Composite Spacecraft (MCS). Der im Merkur-​Orbit 3-​Achsen-​stabilisierte MPO trug elf wissenschaftliche Experimente, die vom Laser-​Altimeter, über Spektrometer und ein multifunktionales Kamerasystem bis hin zu Teilchendetektoren und einem Magnetometer reichten. Auf dem kleineren spinstabilisierten MMO flogen dagegen fünf Experimente: MGF (Magnetic Field Investigation), MPPE (Mercury Plasma Particle Experiment), PWI (Plasma Wave Investigation), MSASI (Mercury Sodium Atmosphere Spectral Imager) und MDM (Mercury Dust Monitor). Die Ariane-​5ECA mit dem BepiColombo MCS hob am 20.10.2018 vom südamerikanischen Kourou ab und beschleunigte ihre Nutzlast direkt auf Fluchtgeschwindigkeit. Doch bis zum Einschwenken in einen Orbit um den Merkur sollten noch mehr als sieben Jahre vergehen. Bis dahin mußten mehrere swing-​by Manöver an Erde, Venus und Merkur präzise unternommen werden. Dann sollte endlich die einjährige Forschungsmission (mit der Option auf Verlängerung um ein weiteres Jahr) beginnen.
24Oktober

Start der CZ-4B mit Haiyang 2B

Acht Jahre nach dem ersten Exemplar startete China am 24.10.2018 mit einer CZ-​4B von Taiyuan den zweiten Satelliten der Haiyang Baureihe ozeanographischer Satelliten. Die Instrumentierung der Haiyang Satelliten mit Dual-​Band Altimeter, Scatterometer und Mikrowellen-​Imager erlaubte das Allwetter-​Monitoring der Ozeane, speziell natürlich der chinesischen Küstengewässer. Oberflächennahe Windgeschwindigkeiten ließen sich mit der Ausrüstung ebenso bestimmen wie die Wellenhöhe oder die Oberflächentemperatur des Meeres. Damit konnten die Haiyang 2 eine bedeutende Rolle beispielsweise bei der Warnung vor im Entstehen begriffenen tropischen Wirbelstürmen spielen. Warum aber nach dem Start des Prototypen eine so lange Zeit vergangen war (der Status von Haiyang 2A zum Startzeitpunkt von Haiyang 2B war strittig), blieb unklar. Denn nun sollten bald zwei weitere Haiyang 2 nachfolgen.
Zusammen mit dem Haiyang Satelliten gelangten zwei sekundäre Nutzlasten in den Orbit. „Tangguo Guan“ (dt. etwa svw. „Süßigkeitenglas“) blieb mit der letzten Raketenstufe verbunden und sollte im Auftrag des chinesischen Online-​Versenders AliBaba Werbebotschaften auf die Smartphones chinesischer Kunden übermitteln. Außerdem wurde eine Nutzlast auf Basis der Space Proving Platform von China Aerospace mitgeführt. Unklar blieb, ob es sich dabei um einen freifliegenden Satelliten (CubeSat?) oder eine weitere Nutzlast auf der Raketen-​Drittstufe handelte. Auch die SPP Mission lag weitgehend im Dunkeln. Erwähnt wurde das Experiment DSB-​01 der Firma ManWei Tech (MARVEL TECH), das die DNA von acht Menschen in Form eines gefriergetrockneten Nanopulvers (sogenannter Genetic Lyophilized Powder) beinhaltete. Fernziel des Unternehmens war die Erforschung von Technologien zur interstellaren Besiedlung mittels Transfer von DNA.
25Oktober

Start von Kosmos 2528 in Plesetsk

Nur zwei Wochen nach dem Fehlstart einer Sojus-2.1b 14A14 mit dem bemannten Sojus MS-​10 Raumschiff hatte die Untersuchungskommission ihre Nachforschungen soweit abgeschlossen, daß der Start einer anderen Sojus gleicher Bauart freigegeben werden konnte. Nutzlast war diesmal eine militärische Nutzlast. Doch auch einen der wertvollen Lotos-​S1 (Erzeugnis 14F145) Satelliten zur funkelektronischen Aufklärung hätte man der Rakete nicht anvertraut, wenn man nicht mittlerweile zu der Überzeugung gekommen gewesen wäre, daß sich die Ursache für den Absturz in einem (aller Wahrscheinlichkeit nach einmaligen) Handhabungsfehler bei der Montage des Erststufenpakets der Sojus in Baikonur fand. In Plesetsk lag die Startvorbereitung hingegen in der Verantwortung des Militärs. Wie schon knapp ein Jahr zuvor, als die Sojus nur Tage nach einem Fehlstart mit Kosmos 2524, einem anderen Lotos-​S1 Satelliten, in die Erfolgsspur zurückgekehrt war, gelang das nun auch mit Kosmos 2528. Die dreistufige Trägerrakete setzte ihre Nutzlast am 25.10.2018 auf einer exzentrischen Bahn zwischen etwa 240 und 900 km Bahnhöhe aus. Wenig später bestätigte der Pressedienst der russischen Streitkräfte den Erfolg der Mission. Und auch die folgende Phase der Mission verlief erwartungsgemäß. Schon am 29.10.2018 war Kosmos 2528 mit eigenem Antrieb auf den Arbeitsorbit in 900 km Höhe manövriert. Die Gruppierung des russischen ELINT Systems „Liana“ war damit auf drei Satelliten angewachsen — ein 2009 gestarteter Lotos-​S (Erzeugnis 14F138) Prototyp war inzwischen offenbar nicht mehr aktiv.
27Oktober
Das private chinesische Raumfahrtunternehmen LandSpace (Landspace Technology Corporation oder Blue Arrow Space Technology), eine Gründung der Pekinger Tsinghua University, unternahm am 27.10.2018 den ersten orbitalen Startversuch seiner Zhuque 1 (ZQ-​1) Feststoff-​Trägerrakete. Eigentlich arbeitete man einer leistungsfähigeren und anspruchsvolleren ZQ-​2 Flüssigkeitsrakete mit Triebwerken auf LOX/​Methan Basis. Die ZQ-​1 war wohl nur als Übergangslösung und zu Verifizierung einzelner technischer Lösungen konzipiert. Auch wenn die Übertragbarkeit auf ZQ-​2 angezweifelt werden darf. Der geringe Stufendurchmesser der ZQ-​1 von 1,35 m legte eine Abstammung von der DF-​26 Mittelstreckenrakete nahe. Lange Zeit war der Jungfernflug für Wenchang auf der Insel Hainan angekündigt worden, erfolgte dann aber doch von Jiuquan. Die Nutzlast bestand aus dem kleinen experimentellen Erderkundungssatelliten Weilai, den das chinesische Staatsfernsehen CCTV (China Central Television) von MinoSpace Technology hatte produzieren lassen. Nach einem augenscheinlich zunächst fehlerfreien Start geriet jedoch nach 402 s Flug die dritte Stufe der Trägerrakete mit dem Satelliten kurz nach ihrer Zündung außer Kontrolle und stürzte aus 337 km Maximalhöhe zurück zur Erde.
Trotz des Rückschlags konnte sich Landspace nur wenige Wochen später über 43 Mio. $ Wagniskapital von Investoren sichern, die damit die Entwicklung der Zhuque 2 und vor allem des Tianque 12 Triebwerks absicherten.
29Oktober
Hauptnutzlast einer am 29.10.2018 von Jiuquan gestarteten CZ-​2C-​III Rakete war der chinesisch-​französische ozeanografische Forschungssatellit CFOSAT (Chinese-​French Oceanography Satellite) bzw. chinesisch Zhongfa Haiying Weixing. Der auf dem CAST2000 Bus der China Academy of Space Technology basierende Satellit trug zwei Hauptinstrumente — das französische Scatterometer SWIM (Surface Waves Investigation and Monitoring) zur Beobachtung der Meeresoberfläche und das chinesische SCAT, ebenfalls ein Scatterometer, jedoch zur Messung von der oberflächennahen Windgeschwindigkeit und –richtung. Geplant war eine mindestens dreijährige Forschungsmission.
Begleitet wurde CFOSAT von sieben deutlich kleineren Nanosatelliten. Xiaoxiang 102 war von der Spacety Aerospace Co. als 6U CubeSat gebaut worden. Das Tianyi Research Institute und die Shenzhen Hangxing Optical Network Space Technology Co. Ltd. wollten mit dem auch als TY 102 bezeichneten Satelliten Experimente auf dem Gebiet der Laserkommunikation unternehmen. Später war darauf aufbauend eine Konstellation aus hunderten vernetzten Satelliten geplant, die zivilen Flugzeugen einen High-​Speed Internet-​Zugang bereitstellen sollten. Wohl ebenfalls auf dem 6U CubeSat Bus der Spacety Aerospace Co. basierte Xinghe alias Tianfuguoxing 1 oder TY 103. Seine Nutzlast zur Erderkundung hatten das Tianyi Research Institute und die Chengdu Guoxing Aerospace Technology Co. Ltd. entwickelt. Auch dieser Satellit sollte als Pfadfinder für eine geplante Konstellation aus 192 Satelliten für die kommerzielle Erderkundung dienen. Und auch an Zhaojin 1 (Tongchuan 1, TY 402) war das Tianyi Research Institute beteiligt, diesmal zusammen mit dem Tsinghua University Astrophysics Center und mit Unterstützung der Stadt Tongchuan in der Provinz in der Provinz Shaanxi. Der Satellit sollte Grundlagen für das Tiange Satellitenprogramm legen. Ausgerüstet war er mit einem hochempfindlichen Polarisationsdetektor für Röntgenstrahlen, sollte aber auch Intersatelliten-​Kommunikationsverfahren erproben. Changsha Gaoxin (TY 401) schließlich, der vierte 6U CubeSat von Spacety bei diesem Start, war vom Tianyi Research Institute für eine Amateurfunkmission ausgerüstet worden, sollte aber auch der Qualifikation des Satellitenbusses dienen. Neben diesen chinesischen Nutzlasten beförderte die CZ-​2C-​III auch einen kleinen weißrussischen Satelliten in den Orbit. CubeBel 1 alias BSUSat 1 stammte von der Minsker Staatsuniversität (Belarusian State University — BSU bzw. Белорусский Государственный Университет — BGU). Der 2U CubeSat war ein typisches interdisziplinäres studentisches Trainingsprojekt. Er verfügte über eine aktive (magnetische) Lagekontrolle, einen GPS Empfänger, eine Kamera sowie Strahlungsmeßgeräte und –sensoren. Dazu kam ein Digipeater für die Kommunikation im Amateurfunkband. Widersprüchlich waren die Berichte in den chinesischen Medien zu einer möglicherweise mitgeführten achten Nutzlast. Sollte sie überhaupt bei diesem Start dabeigewesen sein, könnte es sich um Hongyan 1 gehandelt haben, den Prototypen einer weiteren LEO Konstellation von Kommunikationssatelliten.
29Oktober

Start der H-IIA Mod. 202 F40

Der Start des zweiten GOSAT (Greenhouse Gases Observing Satellite) der japanischen JAXA bot die Gelegenheit zur Mitnahme einiger sekundärer Nutzlasten. Trotz des zu dieser Jahreszeit häufig unbeständigen Wetters konnte der Monate im voraus geplante Starttermin der H-​IIA Mod. 202 präzise eingehalten werden. Mit etwa 1,8 Tonnen Startgewicht war der Klimaforschungssatellit GOSAT 2 — nach dem erfolgreichen Start auf den Namen „Ibuki“ 2 getauft — die schwerste der transportierten Nutzlasten. Er sollte die Beobachtungen seines 2009 gestarteten Vorgängers (der bereits weit jenseit seiner geplanten Betriebsdauer von fünf Jahren operierte) zur Verteilung und Konzentration wichtiger Treibhausgase fortsetzen und war entsprechend mit verbesserten Versionen von dessen Instrumenten ausgerüstet: TANSO-​FTS/​2 (Thermal And Near infrared Sensor for carbon Observations — Fourier Transform Spectrometer) und TANSO-​CAI/​2 (Thermal And Near infrared Sensor for carbon Observations — Cloud and Aerosol Imager). Immerhin 330 kg brachte die nächstkleinere Nutzlast des F40 Starts auf die Waage. Bei KhalifaSat (vormals DubaiSat 3) handelte es sich um den verbesserten Nachfolger des 2013 gestarteten Erderkundungssatelliten DubaiSat 2. Hatten bei dessen Bau in Südkorea die Ingenieure aus den Vereinigten Arabischen Emiraten noch als Trainees mitgewirkt, erfolgte der Bau von DubaiSat 3 nun bereits an der Emirates Institution for Advanced Science and Technology (EIAST). Der Satellitenbus basierte allerdings noch immer auf dem Entwurf des Partners SATRECI (Satrec Initiative). Dennoch bezeichneten die VAE den Satelliten als ersten aus zu 100% heimischer Produktion. Ein verbessertes optisches System (Auflösung 70 cm) und ein leistungsfähigeres Computer– und Datenübertragungssystem bildeten die wichtigsten Verbesserungen. Am 31.10.2018 übertrug KhalifaSat das (offiziell) erste Foto. Es zeigte die künstliche Insel Palm Jumeirah in Dubai. Ebenfalls der Erdbeobachtung, allerdings auf einem bescheideren Niveau, diente der zweite philippinische Microsatellit der PHL-​MIcrosat Reihe. Diwata 2B (häufig kurz Diwata 2 genannt) verfügte pber drei Kameras unterschiedlicher Auflösungen und Schwadbreiten, die beispielsweise zur Beobachtungen von Veränderungen der Vegetation, zur Überwachung von Stätten von kulturhistorischer Bedeutung und im Katastrophenfall eingesetzt werden konnten. Auch die Möglichkeit einer Notfallkommunikation über den Satelliten war vorgesehen. Vor allem spielte das Projekt aber wieder eine bedeutende Rolle bei der Ausbildung von einheimischen Fachkräften. Schließlich flogen noch drei Satelliten japanischer Institute bzw. Universitäten auf der H-​IIA Rakete. „Ten-​Koh“ stammte vom Kyushu Institute of Technology und verwendete das Design des ersten Amateurfunksatelliten auf einer interplanetaren Bahn, „Shin’en“ 2 (Fuji-​OSCAR 82). Mit ihm sollten verschiedene technische Lösungen erprobt, die Alterung bestimmter CFRTP (Carbon Fiber Reinforced Thermo-​Plastic) Materialien unter kosmischen Bedingungen beobachtet sowie Strahlung-​, Partikeldichte und Magnetfeldmessungen unternommen werden. Vom Nohmi Lab der Shizuoka University, das bereits einige CubeSat Projekte verwirklicht hatte, stammte STARS-​AO (Space Tethered Autonomous Robotic Satellite — Astronomical Observation) bzw. „Aoi“. Der 1U CubeSat sollte mit seinem Teleskop Monochrom-​Aufnahmen des Sternenhimmels anfertigen und mit hoher Geschwindigkeit — im Amateurfunkband — zur Erde übertragen. Zur Orientierung des Satelliten kamen Magnetorquer zum Einsatz. AUTcube 2 (Gamacube) stammte von der Aichi University of Technology, einer privaten Hochschule in Gamagōri (Präfektur Aichi). Seine primäre Mission bestand in der Gewinnung von „720° Weltraumaufnahmen“ (wofür zwei Fischaugenkameras mit extremem Blickwinkel eingebaut waren). Außerdem sollten acht LED mit großer Helligkeit den Satelliten als künstlichen Stern am Firmament erscheinen lassen. Daneben waren Untersuchungen zur EMI (Electromagnetic Interference) Problematik mit einem schmalbandigen Spektrum-​Analysator und Tests zur Ultra-​Low-​Power Kommunikation geplant. Ein weiterer Satellit, PROITERES 2, vom Osaka Institute of Technology, mit dem ein elektrischer Antrieb erprobt werden sollte, war kurzfristig von diesem Start zurückgezogen worden, weil die Qualifikation noch nicht abgeschlossen war.