Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2018-11-15T10:44:05+01:00

September 2018.

7September

Start der CZ-2C-III mit HY-1C

Im Mai 2002 startete China mit Haiyang 1A seinen ersten dedizierten marinen Erderkundungssatelliten. Die Sensoren des Satelliten zählten damals zu den besten in der Welt und lieferten wertvolle, auch international geschätzte, Ergebnisse. Allerdings litt die Mission unter erheblichen technischen Problemen. Bereits im Dezember 2003 fiel mit dem 4-​kanaligen Coastal Zone Imager (CZI) eines der beiden Hauptinstrumente von HY-​1A aus, Ende März 2004 kam die Mission dann zu ihrem vorzeitigen Ende. Dennoch rechtfertigten die Ergebnisse den Start eines nach diesen Erfahrungen im Detail verbesserten zweiten Exemplars im April 2007. Außerdem wurde die Entwicklung einer zweiten Generation der Haiyang 1 Satelliten aufgenommen. Der Chinese Ocean Color and Temperature Scanner (COCTS), ein 10-​kanaliger abbildender Sensor, wurde praktisch unverändert beibehalten. Beim CZI steigerte man dagegen die Auflösung auf 50 m bei gleichzeitig vergrößerter Schwadbreite. Dazu kamen zwei neue Instrumente und ein AIS (Automatic Identification System) Signalempfänger zur Verfolgung von Schiffsbewegungen. Der erste von zunächst zwei geplanten Satelliten, deren Betrieb als Paar vorgesehen war, startete am 07.09.2018 mit einer CZ-​2C-​III von Taiyuan auf einen sonnensynchrone Bahn zwischen etwa 770 und 790 km Höhe. Knapp eine Woche später veröffentlichten chinesische Medien die ersten Aufnahmen von Haiyang 1C.
Nach dem Start wurde bekannt, daß der Raketenhersteller CALT (China Academy of Launch Vehicle Technology) bei dieser Mission (erstmals?) den Versuch unternommen hatte, die Halbschalen der Nutzlastverkleidung per Fallschirm zu landen. Dazu waren diese auch noch mit verschiedenen Sensoren und Telemetriesendern ausgerüstet worden. Wie genau diese Bemühungen im Vergleich zu ähnlichen Entwicklungen des US Unternehmens SpaceX zu bewerten waren, blieb zunächst ungeklärt.
10September

Start von Telstar 18V

Zum Jahresende 2015 bestellte das kanadische Telekommunikationsunternehmen Telesat zwei leistungsfähige Kommunikationssatelliten beim ebenfalls kanadischen Hersteller SSL (vormals Space Systems/​Loral). Als erster startete im Juli 2018 Telstar 19 Vantage, gefolgt von Telstar 18 Vantage am 10.09.2018. Allerdings hatte der Start von Telstar 18V ursprünglich nur knapp vier Wochen nach dem von Telstar 19V erfolgen sollen. Beide SSL-​1300 Satelliten waren auf SpaceX Falcon 9 v.1.2 gebucht worden. Doch der Starttermin verschob sich zunächst mehrfach um jeweils ein bis zwei Tage, um schließlich in den September 2018 zu rutschen. Offizielle Aussagen zu den Gründen wurden nicht öffentlich, scheinbar lag das Problem aber bei der Trägerrakete, deren neues Block V Modell offenbar noch mit einigen Problemen zu kämpfen hatte. Am 10.09.2018 entschädigte dann allerdings ein fehlerfreier Start von SLC-​40 für die Wartezeit. Da es sich um eine der bisher schwersten Nutzlasten für die Falcon 9 handelte, konnte diese nur auf einen subsynchronen Transferorbit befördert werden. Wie aus Industriekreisen verlautete, akzeptierten Satellitenhersteller und –betreiber aber mittlerweile den höheren Treibstoffbedarf für das Erreichen einer Synchronbahn angesichts der günstigen von SpaceX gebotenen Startkonditionen. Ja, sie hatten sogar damit begonnen, ihre Nutzlasten hinsichtlich des Antriebs für einen Start mit der Falcon 9 zu optimieren. Telstar 18V war für einen Betrieb über 138° Ost vorgesehen, wo er gemeinsam mit der APT Satellite Company Ltd. betrieben werden sollte, die ihr Transponderpaket unter dem Namen APStar 5C vermarktete. Die beiden Unternehmen mußten ihren 2004 gestarteten Telstar 18 alias APStar 5 ablösen, der seinerzeit aus einer Transferbahn mit einem außerplanmäßig niedrigen Apogäum von nur rund 21.000 km auf den geostationären Orbit hatte manövrieren müssen. Der höhere Treibstoffverbrauch hatte die Lebensdauererwartung auf dreizehn Jahre reduziert. Angesichts der Verzögerungen bei der Bereitstellung des Nachfolgers mußte Telstar 18 dann aber mit dem Treibstoff extrem haushalten und doch vierzehn Jahre durchhalten. Telstar 18V war hingegen für einen Betrieb von achtzehn Jahren konzipiert, was auch durch den kombinierten chemisch/​elektrischen Antrieb erreicht werden sollte. APSTAR erhielt mit dem neuen Satelliten jedenfalls eine nicht näher bezeichnete Zahl an C– und Ku-​Band Transpondern mit regionalen Sendekeulen über dem asiatisch-​pazifischen Raum. Dazu noch eine Ku-​band HTS Nutzlast zur Abstrahlung nach Südostasien. Insgesamt waren wohl über 60 Transponder auf dem Satelliten aktiv.
Während die Oberstufe mit der Nutzlast noch auf dem Weg in den Orbit war, hatte die Erststufe mit gewohnter Routine am 10.09.2018 bereits ihre Landung auf der Barge Of Course I Still Love You (OCISLY) vollzogen. Zwei Tage später traf B1049 wieder im Hafen von Port Canaveral ein, wo die Landebeine abmontiert wurden, um die Stufe auf den Straßentransport zur Wiederaufbereitung für ihren zweiten Start vorzubereiten.
15September

Start der letzten Delta II

das Ende einer Ära...

ICESat 2 in der Nutzlastverkleidung

Definitiv eine Ära ging am 15.09.2018 mit dem letzten Start einer Delta II Rakete zu Ende. Die weiter im Einsatz befindliche Delta IV hatte praktisch keine konstruktiven Gemeinsamkeiten mehr mit ihren Vorgängern. Doch die Delta II (wie auch die erfolglose und daher schon längst eingestellte Delta III) basierten noch auf der 1959/60 entwickelten Delta DM-​19. Und diese wiederum auf der Mittelstreckenrakte Thor. Vor allem der Aufbau der GPS Konstellation bleibt untrennbar mit der Delta II verbunden. Doch zuletzt gingen ihre Einsätze spürbar zurück und eine wirtschaftliche Fortführung der Fertigung war nicht absehbar. Daher ließ Boeing die Produktion auslaufen, der letzte Start sollte Ende 2011 stattfinden. Tatsächlich hinterließ das Ende des Delta II Programms aber eine Lücke im Trägerraketenangebot, die vor allem wissenschaftliche Nutzlasten betraf. Daher vereinbarten Hersteller Boeing, Startprovider ULA und die NASA, aus vorhandenen Baugruppen noch fünf flugfähige Exemplare zu montieren, um Nutzlasten der Weltraumagentur zu starten. Allerdings mußten die Starts allesamt von der US Westküste erfolgen, weil der Unterhalt der Startkomplexe in Florida zu teuer geworden wäre und die Areale einer Nachnutzung zugeführt werden sollten. Und so hob die Delta 7420 mit der „Laser Altimetry Mission“ ICESat 2 und vier kleinen CubeSats am 15.09.2018 von SLC-​2W auf der Vandenberg AFB zum Finale eines großen Programms ab. Und wieder unterstrich die Delta ihren Ruf als eine der zuverlässigsten Raketen der Welt. Gut achtundfünzig Jahre nach dem (mißglückten) Start der ersten Delta und knapp drei Jahrzehnte nach dem Jungfernflug der Delta II verabschiedete sich letztere mit einer Bilanz von einhundert aufeinanderfolgenden erfolgreichen Starts aus dem aktiven Einsatz. Ein letztes Mal hatte sie einen von Wissenschaftlern sehnsüchtig erwarteten Satelliten in den Orbit befördert. ICESat 2 war der verbesserte Nachfolger des 2003 gestarteten und bis 2009 aktiven ersten ICESat. Der hatte bahnbrechende Informationen zur Dicke des Meereises in den Polarregionen der Erde geliefert. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger basierte ICESat 2 auf dem LEOStar 3 Bus der Orbital Sciences Corporation. Das Primärinstrument ATLAS (Advanced Topographic Laser Altimeter System) arbeitete nun mit mehreren gleichzeitigen Laserimpulsen, die so schon bei nur einem Überflug präzise topografische Daten liefern konnten. Die 2010 aufgenommene Entwicklung des Lidar war nicht ohne Probleme verlaufen, was maßgeblich zur Verschiebung des ursprünglich für 2015 geplanten Starts auf 2016 und schließlich 2017 beigetragen hatte. Zuletzt hatten eher organisatorische Probleme für einen weiteren Aufschub gesorgt.
Nach einer dritten Zündung der Oberstufe wurden von dieser (auf einer etwa 20 km niedrigeren Bahn) auch die vier mitgeführten CubeSats ausgesetzt. SurfSat (Surface Charging Satellite) stammte von der University of Central Florida (UCF). Mit dem kleinen 2U CubeSat waren in-​situ Messungen der elektrostatischen Aufladung (und Entladung) verschiedener Materialproben mittels Langmuir-​Sonden geplant. Allerdings konnten nach dem Start keine Telemetriedaten empfangen werden. Ebenfalls Studenten hatten die ELFIN (Electron Losses and Fields Investigation) Mission konzipiert. Der Vorschlag der renommierten University of California, Los Angeles (UCLA) wurde 2014, ein Jahr vor dem der UCF, für das NASA ELaNa (Educational Launch of Nanosatellites) Programm ausgewählt. Doch auch die USAF zeigte Interesse an den geplanten Beobachtungen sogenannter „relativistischer Elektronen“. Die Ausrüstung des 3U CubeSats bestand aus einem Fluxgate-​Magnetometer an einem 75 cm Ausleger und zwei Teilchendetektoren für Elektronen (EPD-​E) und Ionen (EPD-​I). Um die gewünschte räumliche Auflösung zu erreichen, mußte der Satellit in der Bahn ähnlich einem geworfenen Hammer (dem er in seiner äußeren Konfiguration ähnelte) Kopf über Stiel rotieren. Die ursprüngliche ELFIN-​A (Helio 1) Mission erfuhr 2017 eine bedeutende Erweiterung, als die Finanzierung für ein zweites Satellitenexemplar gewährt wurde. Mit ELFIN-​B konnte nun die ELFIN-​STAR (Spatio-​Temporal Ambiguity Resolution) Mission verwirklicht werden, da die Satelliten nun in einem bestimmten Gebiet mit einem zeitlichen Versatz von 0 bis 60 min Messungen vornehmen konnten. Ein drittes Instrumenten-​Set (ELFIN-​L) war zudem bereits im Februar 2016 auf dem russischen MVL-​300 „Michail Lomonossow“ Satelliten gestartet worden. Auch die California Polytechnic State University (CalPoly), wo einst die CubeSat Idee ihren Ursprung gehabt hatte, stellte einen 1U CubeSat bei diesem Start. CP7 alias DAVE (Damping And Vibrations Experiment) sollte, gefördert von Northrop Grumman Aerospace Systems, ein für Raumfahrtanwendungen neues und vor allem kostengünstiges Konzept zur Vibrationsdämpfung erproben. Die sogenannten Teilchendämpfer bestehen im Wesentlichen aus einem (oder mehreren) teils oder vollständig mit kleinen Partikeln gefüllten Hohlräumen. Im Maschinenbau fand dieses Verfahren bereits seit einiger Zeit Anwendung, das Verhalten unter Mikrogravitationsbedingungen war aber noch unerforscht. Kameras und Sensoren sollten die Wirksamkeit nun dokumentieren.
16September

die PSLV-C42 auf der Startrampe

die Nutzlasten des PSLV-C42 Starts: NovaSAR 1 (links) und S1-4

NovaSAR-S

Eine rein kommerzielle Mission flog am 16.09.2018 eine PSLV-​CA der ISRO vom Raumfahrtzentrum Sriharikota. Die Nutzlastkapzität der Rakete war diesmal von ANTRIX, dem kommerziellen Vermarkter indischer Raumfahrtdienstleistungen, exklusiv an die britische Surrey Satellite Technology Ltd. verkauft worden. Diese ließ die beiden je etwa 440 kg schweren Satelliten NovaSAR-​S 1 und SSTL-​S1 4 auf sonnensynchrone Bahnen im 580 km Höhenbereich befördern.
Der NovaSAR-​S Satellit war mit finanzieller Unterstützung der britischen Regierung als Demonstrator zukünftiger Minisatelliten mit Synthetic Aperture Radar (SAR) entwickelt worden. Aufgrund des Leistungsbedarfs des SAR waren solche Systeme in der Vergangenheit eher schweren Satelliten vorbehalten gewesen, die von großen Solarzellenflächen oder gar kleinen Kernreaktoren versorgt wurden. Jetzt drangen aber sogar erste Nanosatelliten der CubeSat Klasse in dieses Segment vor. SSTL, seit Jahrzehnten Spezialist für Micro– und Minisatelliten, schloß sich nun auch diesem Trend an. Das Radar stammte von Airbus in Portsmouth. Auch wenn die zivile Anwendung herausgestellt wurde, hatte Großbritannien, das ab 2019 infolge des Brexit von einigen anderen Programmen abgeschnitten sein würde, ein zunehmendes Interesse, eigene militärisch nutzbare Satellitenkapazitäten (wieder) aufzubauen. Das dürfte zum Teil die Unterstützung der Entwicklung mit 21 Mio. £ aus Haushaltsmitteln erklären. Doch auch Australien hatte über die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) die Finanzierung mitgetragen und sich so Zugang zu den Daten des Satelliten gesichert. Je nach Modus (ScanSAR, Maritime, Stripmap oder ScanSAR wide mode) schwankte die Schwadbreite des SAR zwischen 15 bis 20 km und über 400 km, während die Auflösung von 6 bis 2030 m variierte. Als sekundäre Nutzlast hatte der Satellit auch einen AIS (Automatic Identification System) Signalempfänger zur Verfolgung von Schiffsbewegungen an Bord.
SSTL-​S1 4 erweiterte dagegen die Kapazitäten der 2015 gestarteten TripleSat (DMC 3) Konstellation. DMC International Imaging (DMCii) hatte drei dieser extrem agilen Satelliten 2011 bei SSTL in Auftrag gegeben. Mit einen panchromatischen Auflösung von 1 m und 4 m multispektral zählten die zum Zeitpunkt ihres Starts zu den leistungsfähigsten ihrer Klasse. Das vierte Exemplar bot nun sogar eine noch höhere Auflösung. Zugleich steigerte sich natürlich die Re-​Visiting Frequenz und die Absicherung gegen Ausfälle. Denn bei zwei der ursprünglichen Satelliten war es bereits zu Ausfällen des primären Daten-​Downlinks gekommen.
16September

RemDeb Netz Experiment

Die Mission des am 20.06.2018 unter Verwendung des NanoRacks Kaber Microsat Deployer von der ISS ausgesetzten britischen Technologie-​Demonstrators RemoveDEBRIS (RemDeb) trat am 16.09.2016 in eine neue Phase. Der von SSTL (Surrey Satellite Technology Ltd.) gebaute Muttersatellit stieß um 23:06 UTC zunächst den 2U CubeSat DebrisSat 1 aus, der eine Tensegrity-​Struktur in Form eines Oktaeders entfaltete und so ein größeres Ziel bot. Etwa ein bis zwei Minuten nach dem Freisetzen feuerte RemoveDEBRIS aus ca. 7 m Entfernung ein Netz auf den taumelnden Zielsatelliten ab. Das Netz umschloß DS-​1, wobei kleine Endmassen und motorbetriebene Miniatur-​Winden das Netz fest verzurrten. Mit der Übermittlung der Videoaufnahmen von dem Vorgang war dieser Teil der Active Debris Removal (ADR) Technologie Demonstration abgeschlossen. Der in dem Netz „gefangene“ DS-​1 sollte dank der entfalteten Leichtstruktur bald wieder in die Atmosphäre eintreten und verglühen.
19September

Start der CZ-3B mit YZ1 Bugsierstufe am 19.09.2018

Die ersten beiden Beidou-​3 Navigationssatelliten mit zusätzlicher Search & Rescue Nutzlast wurden am 19.09.2018 mit einer CZ-​3B mit YZ1 Bugsierstufe vom Raumfahrtzentrum Xichang gestartet. Beidou 37 (Beidou-​3 M13) und Beidou 38 (Beidou-​3 M14) zählten zu den Satelliten der Beidou-​3 MEO (Medium Earth Orbit) Konstellation, die von der China Aerospace Science and Technology Corporation gefertigt wurden. Wie auch die parallel eingesetzten Versionen vom Micro-​Satellite Engineering Center der CAS (Chinese Academy of Sciences) verfügte das CAST Modell über keinen eigenen Antrieb für größere Bahnmanöver. Daher mußten sie von der Yuanzheng Bugsierstufe direkt auf den Arbeitsorbit in 21.500 km Höhe befördert werden. China nutzte seine Navigationssatelliten schon seit einiger Zeit auch für sekundäre Nutzlasten. Schließlich unterbreitete man den anderen am COSPAS-​SARSAT Programm beteiligten Nationen den Vorschlag, Signalempfänger für Notfalltransponder des kosmischen Such– und Rettungsdienstes auch auf Beidou Satelliten zu installieren. Bisher verfügte das System über eine LEOSAR und eine GEOSAR Komponente. Gerade unter dem Eindruck zweier Flugzeugkatastrophen über dem offenen Ozean mit dem Verlust vieler Menschenleben (Malaysia-​Airlines-​Flug 370 und Air-​France-​Flug 447) rückten die Vorteile einer zusätzlichen MEOSAR Konstellation ins Bewußtsein. Als Plattform boten sich die globalen Navigationssatelliten-​Systeme GPS, GLONASS und Galileo an. Am schnellsten reagierte aber China auf diese Herausforderung. Im Oktober 2017 dem COSPAS-​SARSAT Programm beigetreten, brachte das Land gleich seine BDS Satelliten ein und sagte einen ersten Start noch für 2018 zu. Mit dem Start der beiden Satelliten auf Bahnebene B war dieser Schritt nun vollzogen.
21September

MINERVA-II Rover 1B Aufnahme von Ryugu vor der Landung

Aufnahme der Ryugu Oberfläche von MINERVA-II Rover 1B

Die japanische Raumsonde „Hayabusa“ 2 hatte nach umfassender Vermessung und Sondierung ihres Ziels, des Asteroiden „Ryugu“, am 12.09.2018 die TD1-​R1 Operation abgeschlossen, bei der der Anflug bis zum simulierten Absetzen der beiden kleinen MINERVA Rover 1A und Rover 1B geprobt wurde. Erreicht wurde eine maximale Annäherung von rund 600 m statt der geplanten 400 m. Die Navigation im Umfeld des oktaederförmigen Asteroiden gestaltete sich schwieriger als erwartet. Eine gründliche Analyse führte aber zu einem besseren Verständnis der entscheidenden Lidar-​Daten, so daß der „echte“ Anflug doch planmäßig am 20.09.2018 unternommen werden konnte. Aus einer Entfernung von 20 km näherte sich „Hayabusa“ 2 der Absetzzone. Etwa 55 m über der Oberfläche bei einer Relativgeschwindigkeit von 0,1 ms1 wurde am 21.09.2018 um 04:06 UTC die Abdeckung über dem MINERVA II1 Container abgestoßen und die beiden Rover ausgesetzt. Anschließend stieg „Hayabusa“ 2 wieder zu seiner Heimatposition auf. Wegen der geringen Schwerkraft erreichten die jeweils etwa 1,1 kg schweren Lander erst gegen 04:25 UTC die Asteroiden-​Oberfläche. Von dort übertrugen die winzigen mobilen Lander Meßdaten und Bilder. Die Aufnahmen (Rover 1A verfügte über vier Kameras, Rover 1B über drei) zeigten eine extrem chaotische Oberfläche voll von kleinen und großen Gesteinsbrocken aus einem Material, das in seiner Konsistenz etwa Braunkohle ähnelte. Dank von im Inneren verbauten Schwungmassen konnten sich die Rover bei der minimalen Gravitation von „Ryugu“ auf dessen Oberfläche hüpfend bewegen bzw. ihre Lage verändern.
22September

Start von „Kounotori“ 7

„Kounotori“ 7 auf dem Weg zur Berthing Position

Der ursprünglich für den Jahresanfang 2017 geplante Start des siebten japanischen HTV Transportraumschiffs zur ISS erfuhr im Laufe des Jahres 2016 einen Aufschub auf den Februar 2018. Dahinter standen keine technischen Probleme, sondern Anpassungen im Flugplan der multinationalen Flüge zur Internationalen Raumstation. Ein verbindlicher Starttermin wurde aber erst im Sommer 2018 festgesetzt — für den 10.09.2018. Doch während der Startvorbereitungen stellte sich die für den Spätsommer/​Frühherbst typische Wettersituation für Tanegashima ein. Diesmal bedrohten Tropenstürme nicht nur Japan, sondern auch Guam, wo die JAXA eine wichtige Bahnverfolgungsstation unterhielt. So wurde der Start zunächst auf täglicher Basis verschoben, bis die H-​IIB Mod. 304 Rakete am 14.09.2018 schließlich aus dem Montagegebäude zum Startkomplex gerollt wurde. Wenige Stunden später sollte der Start erfolgen. Doch dann wurde während des Countdowns eine Anomalie an einem LOX Überdruckventil der zweiten Stufe registriert. Eine Untersuchung und Behebung des Problems auf der Rampe war unmöglich, so daß die Rakete zurück ins VAB gerollt werden mußte. Nach einem nochmaligen (wetterbedingten) Aufschub um einen Tag hob die Rakete mit dem HTV (H-​II Transfer Vehicle) schließlich vom Yoshinobu 2 Startkomplex in Tanegashima ab. Gegenüber seinen Vorgängern wies „Kounotori“ 7 einige Besonderheiten auf. So war die Anzahl der Primärbatterien zur Eigenversorgung des Raumschiffs nochmals verringert worden, auf nunmehr nur noch fünf (von ursprünglich sieben, zuletzt sechs). Das bisherige Hardware Control Panel (HCP), ein Computerterminal zur Eingabe von Kommandos durch die ISS Besatzung nach dem Docking war einem Portable Computer System (PCS) gewichen, einem Laptop. Und schließlich war das Raumschiff erstmals mit einer HTV Small Re-​entry Capsule ausgestattet. Die vergleichsweise kleine HSRC ähnelte konzeptionell der VBK-​Raduga, die die Sowjetunion (und Rußland) während des Mir Raumstationsprogramms mit Progress-​M Raumschiffen eingesetzt hatten. Ähnlich dieser mußte sie vor der Rückkehr zur Erde in eine speziell angepaßte Frachtluke eingesetzt werden. Die weitere Frachtliste umfaßte u.a. die NASA EXPRESS Racks 9B und 10B, eine NASA Life Sciences Glovebox (LSG), ein Life Support Rack (LSR) der ESA, das Loop Heat Pipe Radiator (LHPR) Experiment der JAXA und die drei CubeSats SPATIUM 1, STARS-​Me und RSP 00. Im Unpressurized Logistics Carrier (ULC) waren zudem wieder LiIon-​Batterien verstaut, die von den ISS Astronauten bei einer EVA anstelle der alternden NiH2 Energiespeicher eingebaut werden sollten. Nach einem Routineflug erreichte „Kounotori“ 7 am 27.09.2018 den Nahbereich der ISS und wurde auf eine Halteposition manövriert, wo der Canadarm2 den Frachter um 11:36 UTC greifen konnte. Das Berthing am „Harmony“ Modul war um 14:09 UTC vollzogen.
25September

Start der 100. Ariane 5

Ausgerechnet der Jubiläumsstart, der 100. Flug einer Ariane 5, hatte sich für den Startanbieter zu einem unerwarteten „Cliffhanger“ entwickelt. Die Mission VA243 war eigentlich für Ende Mai 2018 (als 99. Flug) geplant gewesen, Rakete und eine der Nutzlasten befanden sich bereits in der Startvorbereitung. Neben Azerspace 2/​Intelsat 38 in der SYLDA (Système de Lancement Double Ariane) sollte in der oberen Startposition der Ariane 5ECA der indische Kommunikationssatellit GSat 11 fliegen. Doch dessen Flugqualifikation wurde nun überraschend angezweifelt. Eine Folge des Verlusts von GSat 6A, zu dem im März 2018 auf dem Weg in den geostationären Orbit der Kontakt abgebrochen war. Ursächlich war wohl ein Problem mit dem Energieversorgungssystem gewesen. Und hier gab es scheinbar einige konstruktive Gemeinsamkeiten zu GSat 11. Auch wenn die indischen Ingenieure den Ernst des Problems sehr unterschiedlich einschätzten, traf das ISRO Management schließlich die Entscheidung, GSat 11 für zusätzliche Inspektionen und Tests aus Kourou zurück nach Bengaluru zu holen. Da unklar war, wann die Inspektionen abgeschlossen sein würden, sah sich Arianespace nach einem alternativen Partner für den leichteren Azerspace 2/​Intelsat 38 um. Der fand sich schließlich in Horizons 3e, der ohnehin in der zweiten Jahreshälfte 2018 für einen Start gebucht gewesen war. Doch zunächst mußte er startklar gemacht werden. Und so flog im Juli eine Ariane 5ES die 99. Mission (VA244), bevor die Ariane 5ECA für VA243 im September wieder zum ELA 3 Startkomplex zurückkehrte. Am 25.09.2018 absolvierte die Ariane dann eine fehlerfreie Jubiläumsmission. Beide Satelliten wurden mit der gewohnten Präzision auf ihren Transferorbits ausgesetzt. Allerdings präsentierte Arianespace sich ausgerechnet bei dieser Mission noch dürftiger als gewöhnlich. Während international immer mehr Live-​Bilder von Raumfahrtmissionen übertragen wurden, besonders von den aufstrebenden Nationen wie China und Indien (auch wenn ein wieder zunehmender Hang zur irrationalen Geheimniskrämerei zuletzt unübersehbar war), bot die europäische Raumfahrt dem interessierten Publikum überwiegend Zusammenschnitte von älteren Missionen und Computeranimationen. Live waren vor allem die Aufnahmen aus dem Kontrollzentrum, Glückwunsch– und Dankesreden…
Azerspace 2/​Intelsat 38 begann bald nach dem Start mit ersten Bahnmanövern — offenbar unter Einsatz eines „elektrischen“ Antriebs und daher mit nur langsamer Anhebung des Perigäums. Die geplante Arbeitsposition lag über 45° Ost. Dieser Orbitalslot erlaubte die Versorgung eines gewaltigen Gebiets zwischen Europa/​Nordafrika bis zum Indischen Ozean. Die Abstrahlungen im Ku-​Band gestatteten beispielsweise die Verbreitung von Direct-​to-​Home Fernsehangeboten oder die Verbesserung der Breitband-​Internet Versorgung. Intelsat 38 löste mit seinen Transpondern den bereits achtzehn Jahre alten Intelsat 12 ab. Das Azerspace 2 Paket war dagegen auf Europa, Asien, Zentralafrika, Westafrika und Afghanistan/​Pakistan gerichtet. Auch am Horizons 3e Satelliten hielt die Intelsat Anteile. Bereits seit anderthalb Jahrzehnten kooperierte man mit der SKY Perfect JSAT Corporation. Der von Boeing Satellite Systems gefertigte BSS-​702MP HTS (high-​throughput satellite) war das jüngste Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Horizons 3e erreichte Anfang Oktober den geosynchronen Orbit. Sein Einsatz sollte über dem Pazifik bei 169° Ost erfolgen. Eine Reihe von C-​Band Spot-​Beams sollte Australien, Neuseeland, Japan, Korea und Teile Chinas, Alkaska, Hawaii und einige Bundesstaaten an der US Pazifikküste abdecken. Dazu kamen Ku-​Band Spot-​Beams über einem Großteil des Pazifik. Zwischen den C– und Ku-​Band Transpondern bestand eine Interkonnektivität mit einer Gesamtbandbreite von 30 Gbps. Damit wurde das EpicNG Angebot von Intelsat, das sich speziell an Fluggesellschaften richtete, die ihren Passagieren auf transozeanischen Langstreckenflügen ein leistungsfähiges Breitband-​Angebot bieten wollten, wirklich weltumspannend.
29September

Start der zweiten KZ-1A

Die von der CASIC (China Aerospace Science and Technology Corporation) entwickelte Feststoffrakete KZ-​1A (Kuaizhou 1A) unternahm am 29.09.2018 ihren zweiten Start — durchgeführt vom kommerziellen Startanbieter EXPACE. Dabei transportierte sie von Jiuquan aus den Mikrosatelliten Xiangrikui 1 (Vorstartbezeichnung CentiSpace 1 S1) auf einen sonnensynchronen 700 km Orbit. Xiangrikui 1 war vom Micro-​Satellite Engineering Center der CAS (Chinese Academy of Sciences) auf Basis des dort entworfenen WN-​100 Busses gebaut worden. Als Auftraggeber fungierte die Beijing Future Navigation Technology Co. Ltd., die mit dem Satelliten GNSS Augmentation Techniken und einen lasergestützten Datenlink für die Satellit-​zu-​Satellit Kommunikation erproben (und später kommerziell vermarkten) wollte. Beeindruckend war, daß selbst bei diesem Start einer leichten Trägerrakete on-​Board Aufnahmen bis hin zum Aussetzen der Nutzlast und Entfalten der Solarzellenflächen übertragen wurden.